Ausgabe 
28.7.1916 Erstes Blatt
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la. Salz. 28. Juli. Die Hessische Tapferkeitsmedaille cf iielt Musketier Johannes Koch, der bei einem Infanterie-Regi­ment im Westen steht.

Kreis Schotten.

g-a. Groß-Eichen, 28. Juli. Gefreiter Hermann Jaust im Jnf.-Regt. 87, Inhaber des Eisernen Kreuzes, wurde mit der Hessischen T a p f e r k e i t s in e d a i l l e auSaczeichuel.

ga. La ubach, 28. Juli. Im Kampfe fürs Vaterland !>at O^eorg £> u f f. ein mit dem Kricgsmaturum entlassener Sttchler des hiesigen (Gymnasiums, Fähnrich im Infanterie-Regiment Nr. 97 den Heldentod erlitten. Landstnrnrmann Willielm 2 ilß, der seit 7. Juli Äs vernijißt gilt, hat aus englischer Gefangenschaft geschrieben. Er befindet sich iit Schottland. Tie vor kurzem durch Schiller des Gymnasiums veranstaltete Sammlung zur Volks­spende für die deutschen Kriegs- und Zivitgefangcncn hat das schöne Ergebnis von 680,48 Mark gehabt.

Kreis Friedberg.

^ Friedberg, 28. Juli. In eindringlicher Weise warnt das Kreisamt die Bevölkerung, bei dein Verkauf von Lebens­mitteln jeglicher Art zu ho he P rei se zu fordern. Es hält sogar den gesetzlichen ö ch st p r e i s für vielfach zu hoch und einen niedrigeren Preis in vielen Fällen für angemessen. Bei Einhaltung der Höchstpreise kann nach Ansicht des Kreisamtes gegebenenfalls auch Bestrafung wegen Wuchers und übermäßiger Preissteigerung, herbeigeführt durch einen unangemessen hohen Gewinn, erfolgen. Letzterer Fall trifft besonders beim Zwftckxm- handel zu, wenn die Spannung zwischen Einkaufspreis und Ver­kaufspreis zu groß ist. Die Einhaltung der Höch st preise schützt also nicht dar Strafe, falls ein über­mäßiger Gewinn erzielt worden ist. Das Kreisamt hält es z. B. für geboten und erwünscht, wenn die Landwirte für Frühkartoffeln. Gemüse und Eier billigere Preise nehmen, als die allgemeinen Verordnungen vorsehen. Es sei zu bedauern, daß die verkaufende Bevölkerung sich nur nach den Höchstpreisen richtet, eine geschäftliche Handlungsweise, die durchaus verwerflich ist und von wenig vaterländischein Empfinden zeugt.

Friedberg, 28. Juli. Vom Bezirksausschuß für ver- m ißtc und kriegsgefangene Deutsche der Kreise Fried­berg und Büdingen rvurden vom 15. Jüni 1915 bis 1. Juli o. Js. 411 Fälle von Vermißten bearbeitet. Davon klärte man aus dem Kreise Fricdberg 119, aus dem .Kreise Büdingen 50 Fälle aus: unaufgeklärt blieben bis jetzt 146 bezw. 96 Fälle.

Kd. Bad-Nauheim, 28. Juli. Am Samstag, den 29. Juli, abends 87 4 Uhr, werden Mitglieder des König!. Hoftheaters zu Wiesbaden, im Kurhaussaal einem Richard-Strauß -Abend veranstalten. Den ersten Teiil bildet die Rezitation der Tenuyson- schen DichtungEnnoch Ar den", mit der begleitenden Musik von^ Richard Strauß, mit der die beiden Vortragenden, Hoffchaustzieler W. Z o l l i n und Kapellmeister R o t h e r, andern­orts durch die formvollendete und stinrmungsvolle Wiedergabe großen Erfolg erzielteu. Hofopernsängerin Frau Mara Fried- f e l d t und .Hofopernsäuger N i k o l a G e i s s e - W i u k e l bringen Str<'sck>e Lieder. Die vortrefflichen Künstler, sowohl als auch das schöne Programm, versprechen einen genußreichen Abend und der Besuch des Konzertes darf jedem rvarm empfohlen werden.

bn. Bad-Nauheim, 28. Juli. Ter Leutnant d. Res. Heinrich Ludwig von hier, der bereits die Hessische Tapferkeits- medarlle erhalten hat, wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Prinzessin Henriette zu Schleswig- Holstein ist mit Oiefolge zum Kuraufenthalt hier eingetrossen, und hat im Park-Hotel Wohnung genommen.

nt. Btlrggräfenrod, 28. Juli. Dem Gefreiten Wilhelm Haag vom Jnf.-Rgt. 46, 4.Komp., wurde die Hessische Tapferkeits­medaille verliehen.

oa. Fauerbach, 28. Juli. Ter Unteroffizier d. Res. Hrch. Hacker erhielt, nachdem er voriges Jahr ifi Rußland die Hessische Tapferkeitsmedaille erhalten hatte, jetzt vor Verdun das Eiserne Kreuz.

Starkenburg und Rheinhessen.

e. Dieburg, 27. Juli. Der diesjährige. Ertrag der H ei­de lbee rernte stellt den- aller früheren Jahve weit in den Schatten. Noch niemals seit Menschengebenken wurden solch hohe Summen aus dem Verkauf dieser kleinen schwarzen Beeren ver­einnahmt, wie ini Kriegsjahr 1916. Ter fabelhafte Reichtum der Beeren ermöglichte bei dem sehr guter: Preis, den die Händler; und Privatkänfer zahlten, Einnahmen, die bisher nie erlebt wur­den. So wunden in einer kaum 1000 Seelen zählenden Gemeinde

I im .'Kreise Dieburg nach zuverlässiger Schätzung' annähernd 30 0 0 0 Mark für Heidelbeeren erzielt. Einzelne Familien verdienten sich in wenigen Wollten durch das meistens von Kindern betriebene Pflücken der .Heidelbeeren ihre 300 bis 400 Mark. Ein diesjährigen Heidelbeerernte auf weit über Kenner des Odenwaldes schätzt den Gesa int wert per 1 Million Mark. Diese Beerenernte kommt im Verein mit dem ganz enormen Pilzveichrum unserer Gebirgswaldungcn der deutschen Volksernährung doppelt gut zustatten.

ma. O f f e n b a ch , 28. Juli. Die gestrige Stadtverord­nete n ve r s a m m l u n g , in der Oberbürgermeister Dr. Düllo den Vorsitz führte, bewilligte wellcre 500 000 Mark, die siebente halbe Million, für die Zwecke der Kriegsfürsorge. Die Bewilligung erfolgte einstimmig. Um die Küchenabfälle möglichst rationell zu verwerten, sah die Versammlung von einer Sclbstverwertung ab und beschloß den Beitritt der Stadt Offenbach zu der Reichsgesell- schaft für deutsches Milchkraftfntter m. b. y. in Berlin, wofür 4000 Mark bewilligt wurden. Außerdem erfolgte der Beitritt zu dem VereinVaterlandsspende zur Errichtung deutscher Kriegs- beschädigten-Erholungshcime." Dafür bewilligte das Kollegium einen Jahresbeitrag von 100 Mark auf 3 Jahre neben einem einmaligen Beitrag von 250 Mark. Zur Unterstützung Reichsdeut­scher wurde eine einmalige Spende von 100 Mark für das deutsche Kriegshilfskomitee in Wim bewilligt.

Kreis Wetzlar.

cl. Oberkleen, 2# Juli. Tie Wahl des Landwirts und Sparkaffenrendanteil'Karl Rein eck zum Gemeindevorsteher hie­siger Gemeinde ist von dem Landrat auf die gesetzliche AmtSdauer voi: 6 Jahren bestätigt ivordeil.

ä. Retskirchen, 58. Juli. Den Heldentod fürs Vaterland starb an: 28. Juni 1916 der Gefreite Friedrich Vogt von der 10. Komp, des Res.-Jnf.-Rgts. Nr. 81.

Hessen-Nassau.

Marburg, 27. Juli. In Schiffelbach geriet der 47jahrige Landlvirt A. S a g e l unter sein diirchgebendes Ochsen­gespann, wöbe: er den Tod erlitt. Der neunjährige Sohli des Landwirts Knaufs in Wasenberg stürzte beim Jauchefahren von: Wagen illid lvurde überfahren. Er >var sofort tot.

js Marburg, 27. Juli. Um zu verhüten, daß in einzelnen Hausl)altungen unverhältnismäßig große Mengen Milch verbraucht werden, während es anderes Familien wieder schwer fällt, auch nur den geringsten Bedarf zu decken, hat der Magistrat die Ein­führung von Milchvorzugskarten für stillende Müt­ter, Kinder und Kranke angeordnet. Tie Milchhändler sind verpflichtet, zunächst diese Leute bei der Abgabe von Milch zu berücksichtigen. Von: LandratSamt ist fernerhin eine Zählung der in der Stadt verbrauchten Milchmengen angeordnet worden. Am 1. August findet hier auch eine ZäNung der bei den Kaufleuten vorhandenen Zuckervorräte statt. Das Schöffengericht verurtellt'e heute einen Kaufmann, der beim Verkauf von einem Viertelpftiich K ä s c anstatt 125 nur 120 Grammgewichte auf die Wage legte, wegen Betrugs zu 25 Mark Geldstrafe.

Fc. Bad Orb, 28. Juli. 600 Kreuzottern in einer Woche sollen nach Zeitungsberichten im Borspessart bei Orb zur Strecke gebracht worden sein. Nach polizeilicher Auskunft sind in diesem Jahr nur elf Stück, im Vorjahre zehn Stück abgeliefert worden. Eine in der Vorstadt dahier wohnhafte Witwe und ihre Töcktcr haben ein ganzes Lager in Wäsche, Kleidungsstücken, Pelzen, Uhren und dergleichen hier zusammengesbohlen. Bei einer Haussuchung wurden die gestohlenen Gegenstände vvrgefunden und die Diebinnen verhaftet.

= Obe r u rsel, 27. Juli. Zur Bekämpfung der immer umfangreicher werdenden Felddieb st ähle verbot die Polizei­verwaltung den Aufenthalt im freien Felde von 10 U h r abends bis 4 Uhr früh für jedermann. Im nächsten Monat wird hier eine Kriegst ü ch e eröffnet, für die sich bisher schon mehr als 600 Teilnehiner meldeten.

F. C. O b e r l a h n st ei n, 28. Juli. Nicht allein hier, sonder«: auch in de«: Gemarkungen der Nachbarorte herrscht eine Ratten­plage, wie inan sie noch nicht erlebt hat. Die Ratten haben bereits großen Schade«: angerichtet.

ra. Aus Nassau, 27. Juli. Der Firma Friedrich Krupp in Essen ist unter den« Nainen Otto das Bergwerkseiqen-- t u in in dein in den Gemeinden Katzenellenbogen, Allendorf, Ebertshausen, Klingelbach belegenen Felde, das einen Flächeninhalt von 2176 399 Quadratmetern hat, zur Geivinuung von Mangan­erzen verliehen worden.

Ans der Rhön, 27. Juli. Im Felde fiel der Frei- Herr Werner von und zu derTann auf Rathfcunhaus«i>

vermischtes.

Ein Eisenbahnunfall.

Köln, 27. Juli. (WTB. Amtlich.) Heute nachmittag 2 Uhc 32 Minuten entgleiste derPersonenzug 419 Herbes- thal Köln bei der Durchfahrt durch de«: Bahnhof Köln- Ehrenfeld. Die vier letzten Wagen des Zuges stürzten um. Zwei Reisende wurden getütet und etwa 25 verletzt, darunter einige schwer. Tie Ursache ist noch nicht aufgeklärt. Die Untersuchung ist eingeleitet. Der Zugverkehr wird durch eingleisigen Betrieb anfrechtcrhalten.

i. Köln. 28. Juli. Au dem gestrigen schweren Efienbahn- unglück, der Entgleisung! eines Aachener Eilzuges, »vobei 2 Per­sonen getötet und 25 verletzt wurden, wird «roch gemeldet, daß das Unglück weit schlimmer werdei: konnte, da im' Augenblick des' Unglücks ein Güterzug sich der Unfallstelle in schneller Fahrig näherte und unfehlbar in die nmgestürzten Wagen hinerngesahren wäre, «venn nicht der Lokomotivführer die Gefahr rechtzeitig er­kannt und den Güterzug durch Bremsen 1 Meter vor den entgleisten Wagen znm Stehe:: gebracht hätte. Ueber die U r s a ch e des Unfalles läßt sich noch nichts Bestimmtes sagen. Bernrutlich sind die Waggons des Personenzuges bei der schnellen Fahrt aus der Kurve heraus- gesprungen. Die Verletzte:: trugen meist Kopf- Arm- und Drust- vcrletzungen davon. Eine Anzahl Personen erlitten einen Nerven-

Wetteraussichten in Hessen am Samstag, den 29. Juli 1916: Heiter, trocken, «varm. _

Letzte Nachrichten.

Zu Stürmers Erklärung.

Berlin, 28. Juli. TerBerlin er Lokalanzeiger" schreibt: Daß ein riissischer Minister des Aeußern im Augenblick! keinen anderen Grundsatz aufstellen oder wenigstens' verkünde,: kann. Äs die Fortführung des Krieges bis zum .Siege, ist ,'elbstvcr-s stündlich. Wenn er dabei wieder einem Deutschland die Schuld ent dem Welt brande in die Schuhe schiebt, sv ist das Mich begreif­lich, da er andernfalls fein Vaterland ins Unrecht gesetzt hätte. Aber daß ein russischer Minister vom Mrßbrcr>rch der Zivilisation spricht, ist lächerlich. Wir brcvvchen gar nicht an die russischen Schandtaten während des Krieges zu denken, um den Tiefstand der russischen Zivilisation zu kennzeichnen. Im! Frieden, wie die Menschen nvcb nicht so hatzverblendet waren, hat es niemand ge­geben, der nicht in Rußland die rückständigste europäische Groß­macht gesehen harte, und das wird, «venn die Welt erst wieder zur Besonnenheit znruckgekehrt sein wird, wieder ebenso sein, bis dahin können «vir ruhig «varten. Ter Vorwurf des Mangels an Zivilisativu aus rufsftchem Munhe aber ist jcd-erzoit belanglos.

Der italienische Ministerrat.

Lugano, 28. Juli. Der Ministerrat trat am Mittwoch um 9 Uhr 30 Minuten zusammen, und die Sitzung dauerte vier Stunden. Er genehmigte eine Anzahl Dekrete, unter diesen ein solches, das die Form der Kultusausübung der israelittschen Gemeinden von Tripolis bestimntt. Der Ministerrat besprach aum die Art, in welcher der Banca d'Italic Garantien geboten werden können für die den Flüchtlingen aus dem Trenttno und Dal­matien eröffnten .Kredite in Form von Vorschüssen. Die inter­nationale Lage «vurde ausführlich vor« Sonnino be- ^ splvochen, cbm io der aktuelle Stands der italienisch-deutschen Beziehungen, die aktuell gewordene Frage der rumänischen Neutralität und der Wechsel im russischen Ministerium. Mit der Londoner Konferenz befaßte sich der Ministerrat nicht. Man wartet auf die Rückkehr Carcanos. Als Nachfolger Cassis, des bis­herigen Präfekten von Mailand, wurde Graf Olgiati bestimntt. Zn:n Schluß beschloß der Ministerrat, das Gedächtnis heg' jüngstenMärtyrers" zu ehren urrd dem Parlament einen Antrag vorzulegen, für Errichtung eines nationalen Monuments für Battist.

Das Schwanken der Rumänen.

B lu f ö x c st, 28. Juli. Tie Ernenmrng des Generals Fliesen zum Chef des rumänischen Generalstabes ist für die nächsten Tage zu erwarten. General Zeottu, der provisorisch das Amt versieht, wird wegen seines Mters peiisioniert. Kriegssekretär an Stäle Jliescus «vird General Lupeseu. Jlieseu ist em Äter Intimus des Ministerpräsidenten BratTann.