Ausgabe 
25.7.1916 Erstes Blatt
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Berlin, 25. Juli Wad] einer Meldung desBerttner Lokalanz." aus freut Haag inserieren die Agenten der Ozea.n- lSchiffahrtsgesellschaft, der das Handels-U-Boot ^Deutsch­land^ gehört, wie die ..Wirreles-Presse" meldet, daß^man Kabinen für die Reise nach Nord- und Süd- Amerika auf dem U-Boot mieten könne. Der Preis der Kabinen für eine Reife von Amerika mich Europa betragt 2000 Dollars. Wie dieWirrei es-Preß" weiter meldet, wer­den noch 3 0 Handels -U-Boote, zum Teil von größe­rem Umfange, bald vollendet sein.

London, 24. Juli. WTB.) DieTimes" meldet aus Washington: Die Alliierten baden wegen derDeutschland" nicht protestiert, aber der cngli'ckze und französische Botschafter weisen die Regierung beständig auf Verlegenheiten hin, die den Vereinigten Slaateit erwachsen, wenn sie dieDeutschland" als ein Handelsschiff anerkennen.

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London, 24. Juli. >WTB. Lloyds meÜ>et aus Tyne- mouth vom 22. Juli: Das dänische ^MotorfahrzeugSemsoc" Würbe von einem deutschen Tauchboot mit Granaten beschossen und voll Wasser in den Tyne geschleppt. Die Mannschaft wurde

genett«

Das nonvegische Segelschiff,B a m s" und die schwedischen SegelschiffeJ uno" und ,^J d'a" sind, wie berichtet wird, in Brmrd gesteckt und g e f u n f e n. (Die Meldung ist schon der Fassung nackt mit Vorbehalt aufznuehmen. Die Dampfer werden sicherlich Bannware an Bord gehabt haben. D. Red.

Kopenhagen. 24. Juli . (WTB.) Der dänische /DampferCitc" wurde mit roher Vapiernrasse gestern im Sund von einem deutschen Kriegschiss aufgebracht und südwärts geführt

Deutsche Torpedoboote nahe der Themsemündung im Gefecht.

Berlin. 24. Juli. (WTB. Amtlich.) In der Nacht vom 22. zum 23.Juli unternahmen deutsche Torpedo­boote von Flandern aus einen Vorstoß dis nahe der Tbemsemündung. ohne dort feindliche Scestrcitkräste anzutrcfsen. Auf der Rückkehr stießen sic am 23. Juli morgens auf m e h r e r e e n g l i s ch c k l e i n e K r e u z e r der Aurora- Klasse und Torpedobootszerstörer. Es entspann sich ein k u r z c s A r t i l l c r i e g e f c ch t. im Verlaufe dessen Treffer- wirkung auf die Gegner erzielt wurde. Unsere Torpedo­boote sind unbeschädigt in ihren Stützpunkt zurückgekehrt.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

(In einem Teil der Auflage wiederholt.)

Uriegsbriese aus dem Osten.

Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Dir Lage im wolhynischen Kampfgebiet.

K o w e l, am 22. Juli 1916.

Am 24. Juni sah ich die tapferen niedersächsischen Regimenter.

, die 'mit ihrem aufopfernden und heldenmütigen Stoß die von Süd­westen gegen Kowel prallenden Russen zurückgeworfen und ans­gehalten hatten, im schweren Kamps die Linie vor Zubilno-Caturoy erreichen Schnfteriger wurde das Gelände, zäher der Widerstand der Muffen, tue immer neue Divisionen in den Aampnauin warfen. -Das Hauptziel, den russischen Stoß im Gegenstoß abzufangen, war verreicht. auch der Angriffskraft deutscher Truppen sind Grenzen gezogen. Inzwischen begannen die russischen Angriffe gegen die Hindenburgfront. Der groß angelegte mit unerhörten Opfern dnrchgetülwte Versuch der russischen Heeresleitung, überall die Trup­pen an der deutschen Ostttcmt durch eine in diesen^ Stile bisher nicht gekannten Beschäitignngsossensive an ihre Stellungen zu nageln, es kamen die Angriffe, die Baranowitschi gleichzeitig mit Kowel e^wingen sollten. In diesen drei Wochen machte die freutfche Heerführung von der Fläche Gebrauch.: es begannen Be­wegungen. die die Front in Wolhynien gleich einem Gummiband znrückzogen und v^rprallten, wie es der erste Druck der Lage gerade erfordern Aus Gelände kam es nickss an. der wolhynische Sumpf ist wertlos. Es kam nur<faif die günstige Linie an. den starken Angriffen der aufgefüllten, neue Kraft entwickelnden russick l fchen Armeen !zu begegnen. Es soll nicht die überflüssige Lesart ge- g^en werden, als ob es gern geschahen wäre, die ausgebaute^ Linien crufzu geben. 'Dp nvarr sie aber aus verschiedenen Grundes hei der ungeheuren Spannung der .Kräfte nun einmal nickt unbe­dingt halten konnte, zog man entschlossen und freiwillig die Folgen und benutzte die ungeheure Strecke, die zur Verfügung Nand, in der Art, wie sie von der russischen Strategie ja immer bisher als ein­zige Feldherrnkimü auf den endlosen Sumpsebenen geprie'en wurde, sehr zur Ueberraschiung der Russen, wie besonders fcstgestellt sei.

Zunächst in der Zeit vom 27. zum 29. Juni wurde, als im Nordwesten von Luck die Linie nur mit großen Opfern batte vor­geschoben werden können, im Südwesten von Beresteczko am oberen Stvr eine aus deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen gebildete Stotzgruppe zur Entlastung vvrgetrieben Deutsche und Ungarn gingen mit zäher Tapferkeit vorwärts. Der Angriff kam den Russen überraschend, ihr anfangs zäher Widerstand wurde gebrochen. Raum gewonnen und über 7000 Gefangene gemacht. Bei dem weiteren Druck der vorwärts 'stoßenden Gruppe, die schnell voran kam, brach der russische Wider­stand zusammen, und die russische Heeresleitung machte den Ver­such, me zurückflutende Linie durch Kavalleriemassen zum Stehen zu bringen. Genau vor einem Jahr, als die Divisionen der Armee Gallwitz sich Pultusk näherten und die russische- Infanterie ge­brochen war, machten die Russen denselben verzweifelten Versuch und warfen gegen die vorgehende deutsche Spitze die 14. Kaoallerie- division. die einfach niedergemacht wurde. Ich fd>e noch fräs grauen* volle Schlachtfeld voller toter und sterbender Pferde und nieder­gesunkener Kosaken und Husaren. In noch größerem Maßstabe Nürüden diesmal zwei Kavalleriefripifronen, die Trrrnsamur-Ko- i'akendivisiön und eine kombinierte Division bei Gubin geopfert. Die beiden Divisionen brausten mit großer Tapferkeit heran, sie wurden von den Maschinengewehren einfach niedergenräht. Hunderte von herrenlosen Pferden rasten über das Schlachtfeld. Die beiden Kavalleriedivisionsstäbe fanden wohl zunächst die Ueberbleibsel ihrer zersprengten Regimenter überhaupt nicht und hatten Mühe, die Reste in deu nächstten Tagen zu sammeln. Die russische.Meldung, daß dieses tapfere aber sinnlose Unternehmen tausende von Ge­fangenen gebracht hätte, hatte denselben Wert wie die russische Meldung von der Einnahme von Pinsk. Der Angriff der deutsch­österreichisch-ungarischen Gruppe erreicht schließlich die Gegend von Michcnlowka.

Inzwischen hatten die Russen, denM ja die ausgezeichneten! Eisenbaimknoteripunkte RownoSzarnySuninez zur Verfügung stehen, neue Kräfte über Rown-o gegen den vorfpringenden ^Styr- bogeu herangesührt. Ihr Hauptangrifs richtete sich aus die Strecke zwischen Kolki und Gruciatyn, gleichzeftig gegen. Kosttuchno wka, um den Bogen von zwei Seiten einzudrückwl. Am 5. Juli begann an beiden Stellen der russische Angriff mit großer Wucht. Im Anfang wurden die russischen Sturmkolonnen unter sehr schweren Verlusten abgeschlagen, als aber immer neue Massen gegen die Linie geworfen wurden, gelang der Einbruchs westlich Kolki. Durch den Entsatz deutscher Truppen wurde ein weiteres Vordringen aber angehalten. Nördlich .Kosttnchnowka wurden die Angriffe dank freraufopfernden" Tapferkeit der polnischen Legion, die der Heeresbericht hervovhebt, wiederholt abgeschlagen. Am 6. Juli mußten auch die Polen dem dNaffendruck nachgeben.

Jetzt kam der Mgenblick. da man von der in langer Arbeit ausgebauten Stockad-Linie Gebrauch nlachte. Man wollte Blut und Truppen in diesem Zeitpunkt übergroßen Druckes sparen, die ganze Linie, auch die seit dental. Juli überhaupt nicht angegriffenen Teile, wurde hinter den Ltvchod zurückgeschwenkt. eine Bewegung, fast unbehelligt durchgeiübrl wurde. Gleichzeitig wurde auch im Süden bte Linu in flachen Bogen gezogen, die keine vor- sprpigenfre Nase mchr bot (bei Werben-, jo daß auch ber Bereszcko

eine große Front im Raume hinter der Lipo, erreicht wurde Die Russen gaben nach dem Durchbruch der Türkei lauen bei Kolki ihrer Kavallerie Anweisungen, die das Vorhandensein der ausgebauten verdrahteten ^toäwdstellung nicht zu kennen schienen. Nicht so tollkühn wie ihre Anweisungen war ihr ?dichrücken. das vorsichtig und zögernd erfolgte, so daß ihnen keinerlei Vkaterial.' in di' Hände siel. Ein trostloses Stück Sumpftand, dessen Dörfer schon in den Kämpfen im vorigen Herbst in Flammen aufgegangen waren, blieb ihr Gewinn.

Als die Russen gegen die Stochod-Stellung, deren Ausbau sie zu verblüffen schien vor führten, war ber Stochod selbst noch kein Hindernis, ein schmales Gewässer, das man M Fuß durch­schreiten konnte. Inzwischen nach einer Woche, die fast jeden Tag wolkenbruchartige Regengüsse brachte, ist das ganze wolhynische Flußsystem hoch angeschwollen. Das Sumpfgelnet hat wieder seinen eigentlichen Charakter bekommen. Alle Angriffe gegen die neue Linie hatten keinen Erfolg. Der schnelle Durchstoß aus Kowel, den die.Russen als Erfolg ihrer letzten schweren Opfer erhofften, steht an der Stochod-Stellung, und südwestlich Luck wurde am 19. Juli die Linie in die günstige Lage TerszkaowiecJulfzavow wieder vorgeschoben.

Rolf Brandt, .Kriegsberichterstatter.

Au§ dem Reiche.

B e r l i n , 24. Juli. (WTB. Amtlich.) In Anerkennung der Belastung, die durch hohe Frühkartoffelpreise für die minder bemittelte Be vH l k e r u n g leicht ent­stehen kann, hat sich das Reich bereit erklärt, den Gemein­den, die diese Kartoffeln den Minderbemittelten und Kriegs­angehörigen zum Kleinhandelspreise von 9 Pfg. für das Pfund zugänglich machen, ein Drittel des sich hieraus er­gebenden Schadens zu erstatten, falls die übrigen beiden Drittel von den Bundesstaaten und Gemeinden zu gleichen Anteilen getragen werden.

Berlin, 24. Juli. (WTB) In einer am 22. Juli im Hotel Adlon in Berlin veranstalteten Versammlung,, an der erste Firmen des Handels und der' Industrie tetlnahmen, wurde ein Handelsauskunstsverb and ins Leben gerufen. Der Verband bezweckt die Erteilung von Kreditaus- künften, sowie Informationen banfrelswirtschaftlicher Art aus gemeinnütziger Grundlage an seine Mitglieder, die sich aus Kreisen der Finanzwirtschiast, des Handels, der In­dustrie, der Schisfahrt, des Bergbaues und der Landwirt­schaft zusammensetzen. Präsident des Verbandes ist der Wirtliche Legationsrat Dr. Gerlich, Hauptsitz des Handels- Auskunftsverbandes (H.-A.-B.) zunächst Hamburg, Levante­haus.

Dresden, 24. Juli. (WTB.) DieDresd. Nachr." melden: Der Reichstagsabgeordnete und Hauptschristleiter derDeutschen Tageszeitung" Tr. Oertel ist gestern abend in Spechtshausen bei Tharandt an einem Herzschlag plötzlich 1 ßrftorben.

Dr. Oertel hat ein Alter von 60, Jahren erreicht. Ge­boren am 27. März 1856 in Großdölzig bei Leipzig, evan­gelisch-lutherisch. kam er aus dem Lehrberuf in die politische Journalistik. Bon 1880 bis 1894 wirkte er als Oberlehrer am Realgvinnasium in Leipzig, um 1894 die Schriftleitung der agrarischen Deutschen Tageszeitung in Berlin zu über­nehmen. Durch viele Flugschriften suchte er dem konser­vativen Gedanken als Weltanschauung.und der Landwirt­schaft auch in der politischen Vertretung unseres Volkes er­höhtes Gewicht zu verschaffen. Im Reichstag vertrat er anfangs den 2. sächsischen Wahlkreis Freiberg, später Nams- lau-Brieg in Schlesien

Aus Stadt rind Land.

Gießen. 25. Juli 1916.

Ausgabe von Seife.

Die A u s s ü h r u n g s b e ft i m m u n g e it zur Verordnung über Den Verkehr mit Setfc, S eisenpulver und anderen fetthaltigen Woschmitteln enthalten u. a. fol­gende wi tätige Bestimm'.mgen: _

Feinseife und Seifen Pulver müssen auf den Stücken bezw aus den Packungen den Ausdruck K.-A.-S eise lind, K.--A.--S eisen- Pulver tragen. Der Ausdruck ist vom Hersteller vor der Weiter­gabe anznbringen. Die an eme Person in einem Monat ab­gegebene Menge darf 50 Gramm Feinseife Toiletteieiie. Kernseife und Rasierseise sowie 250 Gramm Seisenvulver nicht übersteigen. Bei Feinseifen, die vom Hersteller in Umhüllungen in Verkehr gebracht werden mit Ausnahme bf* K.-A.-Seife, ist das unter Einschluß der Umhüllung festgestellte Gewicht maß­gebend. Bleibt der Beziug einer Person in einem Monat unter der zugelassenen Höchstmenge, so wächst der M inder­beirag der Höchstmenge des nächsten Monats nicht zu. Dagegen ist der Boransbezug für zwei Monate gestattet. Abgabe von Schmierseife ist verboten. Die Ab­gabe von Feinseife und Seisenpulver darf nur. gegeu Ablieierung des für den lausenden oder nächstfolgenden Monat gültigen, das abzugebende Waschmittel bezeichnenden Abschnitts der von der zuständigen Ortsbehörde auszugebenden S e i f c it f a r t e er­folgen. Diese gilt an allen Orten des Reiches. Auf Antrag werden für Aerzte usw., Krankenhäuser. ie bis zu vier Zusatzseisenkartetl, für Grubenarbeiter, vor dem' Feuer oder mit der Kohlenbe- schästigung ständig beschäftigt« Arbeiter und für Schornsteinfeger je bis zu zwei Zusatz seifenkarten und für .Kruder bis 18 Monaten je eine Ziffatzscifenkarte ausgegeben.

Bei Abgabe im Kleinhandel an den Selbswerbraucher dürfen die Preise in P a ck u n g oder lose bei K.-A.-S eise für ein Stück von 50 Okamnt 20 Pfennige, von 100 Gramm 40 Pfennige und bei K-A.-S e i s e n pu l v e r für je 250 Gramm 30 Pfennige nicht überschreiten, wobei geringere Mengen Seifen- pulver entsprechend geringer zu berechnen sind. Borstehchde Preist sind .Höchstpreist ftn Sinne des Gesetzes.

Diese Bestimmungen treten am 1. August in Kraft nrit der Maßgabe, daß im August ^an Stelle der 250 Gramm Seifenpulver die gleiche Menge Schmierseife ab­gegeben werden darf. (WTB.)

m

** Amtliche Personalnachrichten. Der Groß- Herzog hat am 22. Juli den Staatsanwälten am Landgericht der Provinz Rheinl>esstn Karl Sch uh mann, zurzeit im Felde, Ro- lbert La nz und Dr. Maximilian M ü n zen ber ger, zurzeit im Felde, den Rang eines Landgerichisrats verliehen. Der Groß- Herzog hat am 22. Juli dem Amtsrichter bei dem Amtsgericht Oppenhetm Hermann von Bechtold. dem Amtsrichter bei dem Amtsgericht Groß-Gerau Dr. Franz Bittet, zurzeit im Felde, dem Amtsrichler bei dem Amtsgericht Langen Wilhelm Jockel und dem Amtsrichter bei dem Amtsgericht Ortenderg Hermann A l l w o hn den Charakter als Amtsgerichtsrat erteilt.

** (Hießen er Freilichtbühne. Den ersten blau- überwölbten Soinmersonntag hatte die Freilichtbühne be­nutzt, um mit der zweiten' Einstudierung dieses Jahres hervorzutteten. Das Programm kündigte an: UnterBrü- dern, Lustspiel in einem Aufzug von Paul Heyse, uaifr Der grüne Domino, Lustspiel in einem Aufzuge von Theodor Körner. Unter Brüdern ist ein kleines heumttoses Bühnenwerkcben, gewichtslos und anspruchslos Ein Mäd­chen, das unter der Vormundschaft von drei Brüdern steht, einem mathematischen, einem naturwissenschastlichen und einem geistlichen Vormund, versteht es, mit ihrem Mutter-

Nfttz die l)od)flm , i]en Vormünder nach ihrem Witten zu diri­gieren Clara, die gezwungen weroen soll, ihrem Heimlichen Verlobten zu entsagen, zwingt die Brüder durch geschicktes Ausspielen des Einen beim Andern, das Ntündel um ihrer eigenen Liebesseligkeit willen zu bitten, den Mann zu neh­men, den sie ihm vorenthalten wollten Da Clara auch das erreicht hat, ist sie klug genug, ihr Spiel nicht weiter zu treiben, das mit dreifacher Verlobung schon genug Ver­wirrung in den Herzen und .Köpfen ihrer Familienmitglieder angerichtet hat. Die Rolle'der Elara führte mit natürlicher Frische und glücklichem Temperament Agnes Vetters durch, wobei ihr An matte S ie vers als anmutigeCouftne Toni behilflich war. Bon den drei Brüdern war Karl Rotteck voll unverwüstlichen Humors, Karl Höcker voll unwiderstehlicher Komik in seiner weltfremden Heiligkeit, Ludwig Krämer voll mathematischer Trockenheit. Heinz Schmidt entledigte sich der Rolle des Regierungsbau­inspektors Winzer mit gutem Geschick. Der grüne Do­mino von Theodor Körner ist inhaltlich als bekannt vor­auszusetzen. Des kleinen Rokokoschäfersvieles hatten sich die Damen Theresa Mulch und Elsa Kutzner angenommen. Sie wurden beide dem Charakter des Vorspieles vollkommen gerecht, zumal Frl. Kutzner in der Verkleidung als junger Herr. Jedenfalls hatte die Freilichtbühne mit den beiden Werkchen, für die wiederum Karl R o t t e ck als verantwort­licher Spielleiter zeichnete, einen großen Beifallserfolg, der wohl die Veranlassung sein wird, die Aufführung in den nächsten Tagen zu wiederholen. Näheres mird noch bekannt- gegeben werden.

** Die Vers or gung mit Frühkar toffeln Ti Versorgung der Einwohner der Stadt Gießen mtt Früh­kartoffeln ist folgenden Händlern überttagen: 1. Hankel, Neuen-Bäne Nr. 7. 2. Lob sack, Hinter der West-Anlage Nr. 5, 3. Ro s e n b a u m, Emanuel, Walltorsttaßc Nr. 73,

4. Rumpf, Zozelsaaffe. 5. Weisel, Sonnensttaßc Nr. 6. An'jeder Karkoffel-Verkaufsstelle sind die jeweils geltenden Verkaufspreise durch Aushang sichtlich zu machen. Die Kar- koffelhändler sind verpflichtet, Kartoffeln, soweit Vor­rat vorhanden ist, gegen Vorlage der Brvtmarkenausweis- karte und Barzahlung abzugeben. Es dürfen wöchentlich nicht mehr als 7 Pfund für deu Kops abgegeben wer­den. Die abgegebene Menge ist auf der Karte unter Angabe des Datums einzutragen.

** Gut Deutsch bei den Eisenbahnern. Die preußisch-hessischen Eisenbahndirektionen haben allen ihren unterstellten Dienststellen ein Berdeutsä-ungsheft des All­gemeinen deutschen Sprachvereins zum Gebrauch im dienst­lichen Verkehr überwiesen. In der dazu ergangenen Ver­fügung wird die Vermeidung der vielen bisher üblichen Eisenbahn-Fremdwörter" untersagt und die Anwendung deutscher Wort formen nach dem Berdeutschungsheft an­geordnet

" Ausstellung für Kriegsbeschädigtenfür­sorge. Die von dem'Kreis- und Ortsausschuß für die Kriegs- beschädlgtensürsorge int Gewerbehause veranstaltere Ausstellung voll Werkstänenarbeiten und UnterrichtS-Ergebnisten wurde bis setzt von über 100 Personen besucht. Auch der Verkauf war recht destiedigend. Die Ausstellung ist in den letzten Tagen dnrch inehrere, namentlich knnstgewerbliche Arbeiten bereichert worden Ta sie voraussichtlich nur noch diese Woche geöffnet sein wird, ist ein Besuch dringend zu empfehlen.

** Entarkungserscheinungen des Ro ggeuS. Der Landwirtschaftliche Verein ftlr die Provinz Oberhesien schreibt uns: Es ist in diesem Jahre aus folgende Weffe die Beobachttinq zu machen, daß der Roggen an sehr vielen Stellen stark in seinen Formen zurückgegangen ist. Kleine verkrüppelte Aehrcn trelen an sehr vielen Stellen in großem Umfange aus. Da die Hochhaltung unserer Rogqenetträge im Interesse der BvlkSernährung un bedingt notwendig ist, so wird allen Landwirten, deren Roggen diese Entattungserscheinungen zeigt, dringend ans Herz gelegt, sich neues Saatgut von bcwähtten Sotten zu beschaffen, z. B. Petkuser, Alt-Palcschkener-Stauten-Roggen, Heines-Zeelän- der und Psälzer-Landroggen, das wohl ans den hessischen Saat - baustellen erhältlich ist. Dott, wo es den Landwirten nicht nwglich ist, guten Saatroggen zu beschaffen, ist der Landwirtschaftliche Verein für die Provinz Oberheffen bereit, die Beschaffung zu übernehmen.

** Butterpapier nicht mitwicgen? Die Gering­fügigkeit der Fettmenge, die den Verbrauchern jetzt mrr noch ge­währt ist, imb die vielen Klagen, daß das schwere Einwickelpapler in gar keinem Verhältnis mehr zu der gelieferten geringen Butter- inenge steht, haben dein Magistrat Berlin Veranlaffung zu der Verordnung gegeben, daß Speisefett nur noch nach Nettogsrnckt verkauft werden darf. Die Besttminung lautet:Die durch Be kanntniachung der Biitterversorgungsstellc Gvoß-Berlin sestgesetziet! Wochenmengen an Speisefetten smd im Kleinhandel nach Nettogewicht abzugeben. Vergütungen für Ber Pak- fiutfl >Einwickelpapier und dergleichen> sind unzulässig. Zu­widerhandlungen werden mtt Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 10 000 Mark bestraft."

** Sieben Mark für den Zentner Brennesseln zahlt die Gemeinnützige Nesselsaser-Verwettungs-Esefellschast m b. H. Berlin W. 66, die aui Veranlaffung des Kriegsnunisteriums gebildet worden ist. Die Stengel müssen von den Blättern be­freit und sorgfälltig getrocknet sein. Da die Sammlung der Stengel zur Vermehrung unserer Faserstoffe dienen soll, so liegt die weitgehende Unterstützung der genannten Gesellschaft im pater ländischen Interesse. Die abgetrennten Blätter bilden ein gutes Viehfutter.

''Schutz der Ringelnatter. Die schon gezeichnete Ringelnatter, die sich um diese Zeit vielfach zeigt, wird von vielen Leuten für die giftige Kreuzotter gehalten. Es sei darauf auf­merksam gemacht, daß Ringelnattern sehr nützliche Tiere sind und viel Ungeziefer vertilgen. Kreuzottern haben sich, soviel bekannt ist, in den letzten Jahren in der nächsten Umgegend nicht gezeigt.

* Protestfri'st für Wechsel in Elsaß- Lothringen. Nachdem der Bundesrat durch Bekanntmachung vom 13. Juli bestimmt hat. daß die Protesffrist für Wechsel, die in Elfaß-Lothringen zahlbar sind, frühestens mit dein 31. Oktober 1916 statt mit dem 31. Juli 1916 abläust, ist die Postordnung vom 20. März 1900 entsprechend geändett worden Danach werden die P o st p r o t e st a u f t r ä q c mit Wechseln, die in diesem Gebiete zahlbar find und deren Zahlungstag in die Zeit vom 30. Juli 1914 bis einschließlich 28. Oktober 1916 fällt, am 31. Oktober. 1916 nochmals zur Zahlung vorgezeigt werden

**Da§ heutige Kr cisblatt enthält Bekanntmachungen über Hafer aus der Ernte 1916, über die Festsetzungen der Höchst­preise sürKartoffelu und die P r e i s st e l l u n g für deu Weiterverkauf, Oelgeiviunung aus Walnußkernen. Ver­mittlung von Rapssaatgut an die Landwirte der Provinz Ober besten, Verkehr mit Web-, Wirk- und Strickwaren sür die bürgerliche Bevölkerimg, Anbau und Düngungsversuche mit Raps, Wiuter- weizeu und Wintergerste, Fernyaltung unzuverlässiger Personen vom Handel und Gesuche von Larrdwirten um Ueber>veisung von Mannschaften zur Hilfeleistung in der Landwirtschaft.

" Die D i e b s e u ch e n . i n beiden Hessen. Nach der Statistik vom 15. Juli ist die Maul- und Klauenseuche im Re­gierungsbezirk Kassel völlig erloschen. Im 8ieqiertlngsbezirk Wies- baden yerrscht sie nur noch in einer Gemeinde in acht Gebösten. Auch daß Großherzogtum Hessen ist jetzt völlig von dieser Seuche befreit. Die Schweineseuche herrsch! dagegen im Regierungsbezirk Kassel noch in 58 Geholten, meldbe sich aus 39 Gemeinden in elf Kreisen verteilen. Im Grobherzogtum Hessen herrscht dir Schweme- seuchc m den Proviuzeu Ober Hessen und Starkenburg in 2b Ge­höften, welche sich auf 9 Gemeinden in drei Kreisen verteilen. Provinz Rheinhessen ist seuchenfre».