Ausgabe 
11.7.1916 Erstes Blatt
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©feHmtoer benEckftigt imb 67 ttirkische Offiziere, darunter zwei Rogirnent-skonnnarsdairpui und einen Ba t tcriekommandanteu und 799 Soldaten mit sieden Maschinengewehren unb zwei Geschützen yesangan geuornlmen.

DieTimes" über das bisherige Ergebnis der Offensive.

London, 10. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Ter Berichter­statter derTimes" <m der Westfront meldet, man könne aus der Schlacht, die jetzt geschlagen iverde, zwei Lehren ziehen: Tie erste sei der unermeßliche Wert des M a s ch i n e n gc w c h r s für die Verteidigung, vorausgesetzt, daß sich das Gelände dazu eigne und t> ge>mg Zeit bleibe, um die Stellung so viel als möglich zu befestigen. Die zweite sei die große Wichtigkeit einer unbeschränkten Menge Artillerie von möglichst schwerem Kaliber.

Dis Geheimsitzung des französischen Senats.

Bassel, 10. Juli. (Zf.) Der Senat beendete am Sonntag die Erörterung der Interpellation über die Lan­desverteidigung in geheimer Sitzung und nahm seine öffentliche Sitzung um 6 Uhr 40 Min. abends wieder auf. Bri a. nL> erklärte, er nehme die T <r g e s o r d nu n g Couyba an, die den Erklärungen der Regierung entspricht. .Sie lautet:

Der Senat begrüßt achtungsvoll die fürs Vaterland Ge­fallenen; er entseuchet den Soldaten umd Heerführern der Republik und ihren Verbündeten zu Wasser imd zu Lande die dankbare! ChvenbezeuMmg der Nation und richtet an die Bevölkerung der vom Feinde besetzten Departements die Botschaft seiner Hoffnung und das Versvrechm seiner Ergebenheit. Treu den Uebcrlieserungen vatriotrscher Wachsamkeit, von denen alle Abstimmungen zugunsten der für die Verteidigung des Landes geforderten Kredite zeugen, steM er fest, daß unter dem dovpelten Einfluß der parlamen­tarischen Kontrolle und der Tätigkeit der Regierung große Fortschritte erzielt wurden in der Vorbereitung der militärischen, mvustriellen und landwirtschaftlichen Offensiv- und Tefensivmittel F«mkveichS. Er drückt der Regierung sein Vertrauen aus, daß sie unter Mithilfe der Erfahrung und der Lehren der Ver- gsngenhert fvrtsahre, ihre berechtigte Autorität auf alle Organe der Landssvertechigamg ausziuüben, und alle ihre Energie dazu zu verwenden, um die Leftamg des^ Krieges zu festigen. Er verzeichnet mit Befriedigung die von Frankreich und seinen Verbündeten er­zielten Ergebnisse dank der notwendigen Einheitlichkeit ihrer^ An­strengungen. die die Einheit der Llktion in der Einheit der Front sichern werden. Er zählt aut die Regierung, daß sie in Zusammen­arbeit mit der Kammer und den großen parlamentarischen Kom- miffeonen, deren Kontrolle unerläßlich! ist, alle Maßnahmen der .Organisation und der Llktion ergreifen werde, bie, die Stunde des Si^es her cm nahen lassen werden. Er verkündet die enge Einigkeit der öffentlichen Gewalten, der Armee und der Nation gegenüber den Feinden und geht zur Tagesordnung über.

Der Abschnitt, der der Regierung das Vertrauen aus- spricht, wird mit 251 gegen 6 Stimmer unter anhaltendem ! Beifall angeuommeu. Die gesamte Tagesordnung wird darauf mit 251 gegen 6 Stimmet: angenommen.

Die russischen Verluste in der Bukowina.

Berlin, 11. Juli..Die russischen Verluste an .der Front in der Bukowina werden in einer vom Ber­linerLokalanzeiger" gebrachten Meldung desAz Eft" auf 85 000 Mann beziffert. Die Lage der Russen in der Bukowina habe sich verschlimmert.

Eine srauzSjrsche Betrachtung über das Unternehmen in Saloniki.

Sera ,10. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Herve sagt in einem Artikel derVictoire": Ich glaube, was Sarrails Ein­greifen in die allgemeine Offensive verzögerte, war der tote Lock» Krtchener. Auch die besten Männer irren sich manchmal. !Kitchener täuschte sich wohl über die Wichtigkeit der Balkanfront. i die er nie anerkennen wollte, trotz der Bemühungen Briands, ! ihm ihre Bedeutung klar zu machen, Er hatte immer Augst, daß man ihm seine ägyptischen Divisionen wegnehmen könnte, um sie nach Saloniki Ui schicken. Außer für Aegypten hatte Kitchener nur Augen für die englische Front in Frankreich. Glücklicherweisie lhat sein Nachfolger Lord George nicht dieselben Vorurteile. Er verstand es besser, daß Saloniki der ausgewendeten Mühe nicht Wert wäre, wenn es nicht Offensivbasis würde. Also nicht un­geduldig we^>en!

Der türkische Bericht.

Konstant iniopel, 10. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptgnartier teilt mit: Atz der Jrakfront keine Veränderung. £>m Abschnitt von Felahie wurde eine berittene feindliche ErkuTÜmngsabteiluug auf 'dem rechten User des Tigris von unserer EMmdungSabteilung Überfallen; sie floh unb ließ ihre Pferde zurück.

Bmr derpiersischenFrontist feine Nachricht ein gegangen.

An der Kaukasusfront hat sich auf'dem rechten Flügel nichts von Bedeutung ereignet. Südlich des Tschorvk wurden die vom Feinde vorgestern 'in Gruppen im ganzen Abschnitt ver­suchten Gegenangriffe sLntlich abgewiefen. Die feindlichen. Truppen^ denen es gelungen war, in einigen Abschnitten in unsere vorge­schobenen Schützengräben ^ünzudringen, wurden nach Osten zu verjagt, nachdem wir einen Gegenangriff gemacht hatten, der zu entern blutigen Handgemenge geführt hatte. Nördlich, des Tschorvk fanden aus dem linken 'Flügel Scharmützel statt.

Sonst nichts von Bedeutung.

DLe angeblichen deutschen GreueltaLen in Belgien.

Köln 10. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) DieKölnische Volks- zeitung" meldet aus der Schweiz vom 9. Juli: Das Blatt

,ch'Jtalia" erfahrt: Die Kongregation der Ordens-

Fleute, wirksam unterstützt durch das päpstliche Staats- sekret ariat, erkundigte sich eingehend über die mirtmaß- I liehen Gveueltaten der Deutschen in den belgischen Klöstern und ,lzwar zunächst bei den belgischen, in Rom ansässigen General- .öberinnen, dann bei durchreisenden belgischen Klosterfrauen, die alle einstimmig aussagten, nichts von den er- i ahnten Greueln zuwissen. Bischof Beylon von Namur, der ebenfalls in Rom verhört wurde, erklärte, die diesbezüglichen Gerüchte entbehrten jeglicher Grundlage: vielleicht sei ohne sein IWissen ein Einzelfall vorgekommen, aber sicherlich nichts lveiter. Kardinal Mereier, der gleichfalls befragt wurde, äußerte sich über drei Fälle, die ihm vom Hörensagen bekannt seien. Die Kongregation beklagte die Berbreittrng übertriebener grund­loser Gerüchte und äußerte sich über den Erfolg der Untersuchung durchaus befriedigt.

England und Holland.

Berlin, 10. Juli. DerBerliner Lokalanzeiger" meldet laus Rotterdam: Der englische Gesandte im Haag erhob jetzt namens seiner Regierung die Forderung, daß die ganze holländische Ausführ von Manufakturwaren nach neutralen Ländern eingestellt Werder, soll. Wenn jener Forderung nicht entsprochen werde, soll feine Baumwolle mehr nach Holland durchgelassen werden.

Der Seekrieg.

Ein deutsches Unterseeboot in Amerika eingetroffen.

L o ndo n, 10. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reu- 'terschen Bureaus. Die Blätter veröffentlichen ein Telegramm aus New York, in beut gemeldet wird, daß ein deutsches Unter­seeboot mit einer wertvollen Ladung Farbstoffe in Balti­more angekonnnen ist. Zwanzig Meilen von der Küste wurde das Unterseeboot von britischen und französischen Kreuzern verfolgt, wo­durch seine Andmit um vier Tage verzögert wurde.

-Baltimore, 10. Juli. (WTB.) Meldung des Reuterscyen Bureaus. Das hier angekommene deutsche Tauchboot na­mensDeutschland" erhebt Anspruch darauf, einunbewafs- netes.Handelsschiffzu sein, das «Fracht führt. Seine Ladung ist an Schumacher & Co. in Baltirrrore konsigniert. Sie besteht aus Farbstoffen und Medizinen. Lake, der Kassierer der Lakc-Torpft>o- Company in Bridgeport (Connecticut) erklärt, er beabsichtige einen Protest gegen dieDeutschland" anzustrengen, da sie die Patente der Lake-Torpedo-Company verletzt habe.

Die Offtziere derDeutschland", stellen in Abrede, dag das Tauchboot von feindlichen Kriegsscküffeu verfolgt wurde und erklä­ren, daß sie weder britische noch französische Kriegsschiffe gesehen haben. Ein Küstenschutzkutter folgte derDeutschland" auf ihrer Fahrt 'nach der Chesapeake-Bay. Der Grund hierfür wurde nicht angegeben. Aber es verlautet, daß das Tauchboot unter Aufsicht blechen soll. Die Firmta Schumacher ist Agent des' Norddeutschen Äoyd.

Berlin, 11. Jnli. Die Ueberfahrtdes ersten d eutsch en Hundelsun terseeboo tesDeutsch­land" über den Ozean und seine glückliche Ankunft in Ame­rika gibt den Blättern unter Würdigung des bahnbrechenden Ereignisses Veranlasftrng, darauf hinzuweisen, daß hier­durch die Legende von der englischen Blockade vollends zerstört sei.

TieBossische Zeitung" bringt zur Uebenahrt des deutschen Frachtunterseebootes u. a. noch folgende Einzelheiten: Im Herbst des letzten Jahres wurde in Bremen auf Veranlassung von Herrn Alfred Lohmann, damals Präsident der Bremer Handelskammer, eine besondere Reederei gegründet, die den Verkehr mit Handels­tauchbooten mit Uebersee ausnehmen sollte. In das Han­delsregister Bremen wurde am 8. November 1915 ein­getragen: Deutsche Ozean-Reederei G. m. b. H. Bremen,

gegründet durch den Norddeutschen Lloyd, die Deutsche Bank und Herrn Alfred Lohmcurn. Dem Mffichtsrat gehören an Alfred Loh­mann als Vorsitzender, Generaldirektor Philipp Heineken vom Norddeutschen Lloyd, Kommerzienrat Paal Millington Herrmann von der Deutschen Bank-Berlin, Geschäftsführer ist Herr Divek- tor Carl Stapelfeldt vom Norddeutschen Lloyd. Wie wir hören, sind v-erschiedene Unterseeboote im Bau. Die beiden ersten, dieDeutschland" undBremen", schwimmen bereits auf dem Ozean. Die Größe der Boote beträgt 2000 Tonnen. Die Er­bauerin derDeutschland" ist die Germaniawerft in Kiel. Tor Führer des ersten Handelsrm terseeboo tesDeutschland" ist Kapi­tän König.

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Petersburg, 10. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Mel­dung der Petersburger Telegraphen-Agentur. Das HosP i- talschiffYp erip d e" (835 Tonnen), im Jahre 1898 erbaut und mit 120 Plätzen für Verwundete, befand sich ohne Eskorte auf der Fahrt nach Batum, um Verwun­dete aufzunehmen. Es trug alle Zeichen des Roten Kreuzes, als es von einem feindlichen Unterseeboot versenkt wurde, ohne daß dieses es angehalten oder durchsucht hätte.

Haag, 10. Juli. (WTB. Nichtamtliche Der Dampf- trawlerS ch. 103" wurde, wie aus Ymuiden gemeldet wird, von einem deutschen Unterseeboot versenkt.

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Deutsche Flugzeuge an der englischen Südosiküfte.

London, 10. Juli. tWTB.) Amtlich wird mit,geteilt: Kurz vor Mitternacht besuchten feindliche Flugzeuge die S.ü d o st - k ü st e. Anscheinende wurden ungefähr fünf Bomben abgewogen. Bisher wurde kein Schaven gemeldet. Die Abwehrkanonen nahmen den Kampf gegen die Flugzeuge auf.

All5 dem Reiche.

Berlin, 10. Juli. (Priv.-Tel.) DieB. Z. a. M." meldet 1 Tie Kronprinzessin hat bei dem vierzehnten Shnbe des Ar­beiters Theodor Kubein in Guben die Patenschaft übernom­men. Nach 13 Knaben bei dem letzten vertrat der Kaiser ^aten- ftelle übernahm die Kronprinzessin beim vierzehnten Kinde, einen! Mädchen, die Patenschaft.

München, 10. Juli. (WTB.) Die Kammer der Reichsräte lehnte bei Beratung des Etats der^ direkten Steuern die Beschlüsse der Abgcordnetenkammer auf Stapelung der Ein kam mensteu erzuschläge von 10 auf 50 Prozent und ebenso den Beschluß der Slbgeordnetenkanimer, die Regierung zu ermäch­tigen, Ertragssteuern bei nicht mehr als 1500 Mark Gesamt­einkommen zuschlagsfrei zu lassen, ab. Dagegen hat di e famnter beschlossen, Einkommen bis LU 2100 Mark zuschlagsfrei zu lassen (die Abgeordnetenkammer beschloß die Freilassung der Steuerstufen bis 1800 Mtark», im übrigen aber dem Vorschläge der Regierung cutspreckiend einen gleichmäßigen Zuschlag ^ von 30 Prozent zu. erheben. Zugeftimmt nmrde ferner dem Gesetzentwurf über Ver­längerung der lauf-enden Landta gswahlze it. Bei der Etatsgesetzgebung der Po ft verwalt un g betonte der Referent von Haag den festen 'Willen des Reichsrates, am bayerischen Postreservat und an der eigenen Briefmarke festzuhatten. Bei der Beratung des Militäretats wies der gleiche Referent daraus hin, wie in den großen blutigen Kämpfen die bayerische Armee sich mit Ruhm bedeckt habe. Er sprach ihr den wärmsten Tank des Vaterlandes aus, dem sich der Reichsrat Freiherr von Würtzburg anschloß. Namens der Armee dankte hierfür der Kriegsminister Freiherr Kreß von Kressenstein, indem ^r aussührte: Wie unsere, tapfere Armee sich bisher 'in allen Kriegslagen glänzend bewährt hat, so wird'sie auch in den jetzigen beispielbvsen Kämpfen an» allen Fronten ihre volle Sckmldigkeit tun. Das Bewußtsein, daß auch die Heimat willig die schweren Lasten auf sich nintmt und das Besatzungsheer unter den schwierigsten Verhältnissen seine Arbeit leistet, wird unseren tapferen Truppen das' Turchhaltcn bis zu einem siegreichen Ende des Kriegs erleichtern. Letzte Sitzung des Reichsrates in dieser Tagung Mittwoch.

Stuttgart, 10. Juli. (WTB.) Die württembergische Un- terrichtsrx'rwaltung hat die Schulvorstände . angewiesen, _ den Kriegsteilnehmern, die freiwillig oder in Erfüllung ihrer Dienstpflicht von der Schicke weg unter die Waffen oder in den Sanitätsdienst getreten sind, nrmmchr das Zeugnis der Hvch- schnlrei.se ohne besondere Prüfung arck-zustetten, falls sie im Sommer 1914 bedingungslos in die achte, oder im Sommer 1915 bedingungslos in die neunte. Klasse versetzt und dann sofort ausgetreten sind, oder wenn sie beün Älustritt während des Schul­jahres 1914 15 ordentliche Schüler der Klasse 8, beim Austtitt während des Schuljahres 1915/16 ordentlickfe Schüler der Klasse 9 waren. Mit diesem Notreifezeugnis werden sie, wie der Staats­anzeiger berichtet, an der: württemöergischen und bayerischen Hoch­schulen uick> an der Universität Straßburg als ordentliche Stu­dierende ausgenommen und zu den württenck>ergischen Staats- prüftlngen zugelassen. Bezüglich der Zulassung an den anderen deutschen Hochschulen schweben noch Verhandlungen.

Bebenhausen (Württemberg), 10. Juli, (WTB.) Ter König hat an den Ministerpräsidenten eine im heutigen Staats- cmzciger veröffentlichte Kundgebung erlassen, in der er in Anbe­tracht der ernsten Zeiten bittet, an seinem 25jährigenRegie- rnngsjnbiläum von allen öffentlichen .Kundgebungen und festlichen Veranstaltungerc abzusetzen und die öffentliche Feier auf einen etwa am Sonntag den 3. Oktober obzuhaltenden Gottesdienst, sowie auf etwaige Feiern in den Schulen zu beschränken. Alle seiner Person zugedachten Glückwünsche und Geschenke sollen unter­lassen werden. Dafür soll einer im Lande geplanten össentlicheü Sammlung nichts im Wege stehen, deren Erträgtris einem wohl­tätigen zur Linderung von Kriegsschäden bestimmten Zwecke dienen könnte.

Reichskanzler und Rriegsziele.

Berlin, 10. Juli. (WTB.) DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: DieDeutscheTages­zeitung^' meint in einer Entgegnung auf unsere Bentertun- gen vom Samstag, die Behauptung, man wollte im ersten Halbjahr des Krieges den Reichskanzler als Flau- und Schlappmacher hinstellen, durfte unabweisbar sein. Daß man das gar nicht tun konnte, dafür trug schon die Zensur Sorge. Diese Erwiderung nötigt allen Leuten, die die Findigkeit eines gewandten Publizisten zu schätzen wissen, nur ein vergnügtes Lächeltr ab. Man kann das sehr gut, auch trotz der Zensur. Wie man es macht, darüber geben unzählige Artikel derDeutschett Tageszeitung" einen lehrreichen Aufschluß. Die Zeitung wird sich selbst erinnern, daß sie trotz der Kunst, zwischen den Zeilen lesen zu lassen, gelegentlich' die Zensur zum Einschreiten nötigte. In wei­teren Benrerkungen liefert dieDeutsche Tageszeitung" zu­gleich ein paar Beispiele. Sie nveint, die Ftau- und Schlapp- macher hätten immer den Anschein erwecken dürfen, als teile die Regierung ihren Standpunkt. Wir glauben, daß niemand außer den Lesern derDeutschen Tageszeitung" an besondere Verbindungen zwischen dem Bund Neues Vaterland und der Regierung glaubt, niemand ohne die versteckten Hinweise derDeutschen Tageszeitung" den Ein­druck haben konnte, der Reichskanzler: sei der Führer oder ein Werkzeug der anglophilen Partei, die nur an einen baldigen Frieden rnit England denke und darum England ja nicht zu nahe treten wolle. Endlich soll der Reichskanzler fväeder in Gefahr sein, als Flaumacher zu gelten, wenn er nicht Gcheidemann abschüttele, weil dieser in einer Breslauer Versammlung behauptete, vom Reichskanzler gehört zu haben, daß er die in der Denkschrift der sechs Ver­bände ausgestellten Eroberungspläne keineswegs billige. In Besorgnis um das Ansehen des Reichskanzlers in wei­testen Volkskreisen beruft sich dieDeutsche Tageszeitung" darauf, daß die Angaben Scheidemanns in vollem Gegen­satz zu der Auffassung stehen, welche die Vertreter der sechs Verbände selbst bei ihren Unterredungen mit dem Kanzler imd dessen Aeußevimgen hatten. Ist nun etwa der ein Weichling und ein schwachmütiger Politiker, der anderer Ansicht ist, als die sechs Verbände? Ist die Verkündung von Zielen, die nach Ihrer Möglichkeit ungewiß, nach ihrer Nützlichkeit bestritten mtb zweifelhaft sind, das wahre Zeichen von Mut und überlegener Einsicht? Jedenfalls hat unser Großmeister der Staatskmrst den Wert feiner Frie­densschlüsse niemals allein nach der Größe der Gebiets­erweiterungen bemessen. Er hat deshalb auch niemals dar­nach getrachtet, selbständige Völker dem Reiche einzuver­leiben, sondern der Kern und Sterrl seines Wirkens war immer: Wie mache ich am zweckmäßigsten und dauerhaftester!, mein deutsches Vaterland einig und stark, zur fveien Ent­wicklung seiner Kräfte unangreifbar. Diese Grund- und Richtlinie der Bismarckschen Praxis darf in dem heroischen Verteidigungstampfe um das Werk, daö er bald mit Blut und Eilen, bald mit weiser Mäßigung schaffen half, auch gegenüber der Forderung nicht vergessen werden, daß wir aus dem Kriege stärker l-ervorgehen als wir hineingegangen sind. Dem nachzusinnen, dünkt uns eine bessere Vorberei­tung auf Friedenserörterungen, als das. Hantieren mit groben Kategorien und eingebildeten Kümmernissen.

merffo.

Berlin, 11. Juli. DemBerliner Tageblatt" zufolge meldet derNero Uork Herald", daß Villa mit seinen Ban­den den Vormarsch gegen die A m c r i f a u c r ange­treten habe, wodurch ein neuer Konflikt drohe.

Rrrs Stadt und Land.

Gießen, 11. Juli 1916.

Schweinehaltmtg und KartoffelfütLerunsSvervOt.

I Das vor einigen Wochen erlassene Verbot der Kartoffel- derfütterung hat schwere Beunrulstgung unter den Schweine-. Haltern hervorgernfen und die Aufzucht und Weitermast der lvorhandenen Schweine erschwert, teckwoise sogar unmöglich ge­macht, so daß unreife Schweine aus Futtermangel geschlachtet werden mußten. Diese Wirkrmg wurde bei Erlaß des Bersütterungs- verbotes in vollem Maße voraus gesehen. Der schwere Notstand hinsichtlich der Berssrgrmg der Menschen mit den atternötigsten! Kartofselmengen zwarrg aber zu dieser an sich unerwünschtem irnd bedenklichen Maßregel. Selbstverständlich wird das Kartvsfelverfütterungsverbot ausgehoben wer« Iden, sobald die herarrwachsende neue Ka rtoffelerntLdis Versorgung der Menschen einigermaßen sichergestellt haben wird. Außerdem schweben im Kriegsernährmrgsamt Verhandluugeu, bereu baldiger Beschluß zu erivarten ist. über umfangreiche Lieferungen! von Kraftfutter zu ermäßigten Preisen an die Schweinehalter. Auch die ganz ckleinen Schweiuehcckter sollen hier­bei berücksichtigt werden. Es ist also ans den bedauerlichen äugen- JbricFIid>eit Erscstvernisfen der Fütterung keinen Grutw zur Aufgabe der Schweinemast Iher^uleiten, zumal wie schon bekanntgegeben, -die Freigabe der Hausschlachtungen zum eigenen Bedarf unter An- rcchuimg auf die später auszugebenden Fleischkarten, fest be­schlossen ist. Die Ferkelpreife haben, nachdem sie bis vor kurzem in manchen Bezirken zu ungesunder Höhe emporgestiegen waren, in den letzteir Wochen eine große Herabsetzrmg erfahren. Solche Schwankungen der Ferkelpreife, die natürlich sehr unerwünscht sind, kommen auch im Frieden vor. Da die gesamte Schweinezahl inf Deutschland immer noch recht niedrig ist, ist mit Sicherheit zu erwarten, daß bei Freiwerden weiterer Futtermittelmengen die Nachfrage nach Ferkeln schon alsbald nneder steigen Unrd, und daß die. Ferkeftireise wieder eine Höhe erreichen werden, die auch dem Züchter einen ausreichenden Verdienst sichert.

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Amtliche Personalnachrichten. Der Schutz­mann Johann Joseph Knust zu Mainz hat am 19.Dezember 1915 zwei Knaben vom Tode in den Flanrmeu gerettet. Als Anerkennung hierfür ist ihm vom Großherzog die Rettungsmedaille verliehen worden.

** Auszeichnung. Oberheizer Fritz Klotz aus Gießen, auf Sr. Maj. Schiffvon der Tann", wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

** S a in m e l t AI tm a t e r i a l. Zu dem von uns ver­öffentlichten Ausrufe sei noch mitgeteilt, daß die Wagen zum Einsammeln in der oberen Frankfurter Straße freute beginnen und über Seltersweg, Marktplatz, Marburger Straße kommen werden.

** Unerlau btesSammeln. Den Sammeltag für die deutschen Kriegs- und Zivilgesangenen machten sich zwei aus Frankfurt a. M. stammende Frauenspersonen Kunntze, indem sie in unerlaubter Weise mit Sammellisten in hiesi­ger Stadt von Haus zu Haus gingen und Geldbeträge an­geblich für Kriegswohlfahrtszwecke sammelten. Die Polizei nahm dieselben fest und übergab sie dem Gericht zur Bo- strasung. '

** Gießener HauSfrauen-Berein. Der Vorstand des Vereins bezieht seit Mitte voriger Woche täglich frisches Obst und gibt es zu Verbraucherhöchslpreisen an die Mitglieder des Ver­eins ab. Die erforderliche Arbeit leistet eine Anzahl Mitglieder unentgeltlich. Der Verkauf sindet Mäusburg 5 vonnittags uon 10-12 Uhr statt.

** Saccharin zum Früchtesüßen. Wie eine rwrd« deutsche Zeitung schreibt, hat eilte Hausfrau bei bei* Vnwendungl von Saccharin zu Einmach zwecken folgende Erfahrung ge­macht:Um Erdbeeren zu süßen, bediente ich mich des Saccharins.

I Die Früchte schmeckten bitter danach. Zu ergänzendei- Be­obachtung eMsteinte ich zivci Irschen und legte in jede Hälft« eine Kleinigkeit Saccharin. Hach kurzenr partte der Saft in den