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30.6.1916 Zweites Blatt
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Nr. ?§! Zweites Aatt

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Erschein 1 täglich mit AuSnahine des Sonntags. ^

Die ..Gieftener Kamillenblatter" werden dem

.Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ..Xreisblatt f»r den Kreis Stehen- zweinial wöchentlich. DieLandwirt,chaflllchen Zeil- sragen" erscheinen monatlich zweiinal.

166. Jahrgang

ener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Krettag, 36. Juni §M

Rotationsdruck uitd Verlag der 53rüf)(v m U niversitäts - Blich- und Steindruckerei.

R. Lang e, Gießen.

Schristleitung, Geschäftsstelle n.Druckeret: Schub

strafte?. Geschäftsstelle u.Verlag:S^K51,Schrut« leitung: ^^D112. Adresse für Drahtnachrichten.' Airzeiger Gießen.

Die Seeschlacht vor dem Skagerrak

am 5*. Mai-l. Juni t9{6

aus Grund amtlichen Materials.

I.

- -rlcich der überraschend aus dem tieten

Dunvck des .Nackt»,mmÄS hervorbE, erschien in deutschen Landen am Lsoit ötc) Wahres die Nachricht vom LMM nnsever Flotte .'stvet Jahre fast hatte nufere Marine, hatte das deuts'che Volk auf das große Ereignis vergeblich gewartet, mancher hatte die Hoffnungen, die er an das Wirken nuferer Streitmacht zur See cn semen Phantasien über den drohenden Weltkrieg gefetzt und genährt wohl schon in das Reich der unerfüllbaren Wünsche der-- »lElcu. Nu» war vlötzlich das «wh- s-schchon, so dag. «.

kann- glaubltch schien.

Ueber das Tun und Treiben unserer Flotte hatte sich mit Artegsbegrnu der Schleier des Gehernrnisses gesenkt. Wochen und Monate btteb es ttilf und es war begreiflich, wenn man den Eltr- druck gewWin, daß- das Gros unserer Streitmacht zur See int all­gemeinen MM Nichtstun verurteilt sei. Nur ganz vereinzelt, und ohne daß der Außenftthends in der Lage gewesen >väre sich 'über die Zusammenhäuge unter sich und mit den Ereignissen in der Welt ern klares Bild zu machen, kanten Meldungen über kurze Operationen und Gefechte, sei es, daß der bisher- nicht wiederholte engtt,che Vorstoß in die deutsche Bucht oder eine Aiisklärungschhrt nnfercr Kurzer-, wie die nach der Doggerbank in: Januar 1915, innzelnen Verbände Gelegenheit gaben, sich mit denn Fern de m messen, ,ei es, daß unsere Geschütze tm der OstMste Englands vor Great Mrrmouth, Scarbovough, Lmrtlepv-ol und Lowes tost donner­ten. unsere Lust flotte die Insel heimsuchte oder unsere Torpedo- boote auf Nachtstreifen feindliche Fahrzeuge trafen nnd oerscnkten Allgemein verständlich, weil sich als fori gesetzte Handlung nüt greifbaren Erfolgen darstellend, blieb lediglich die Tätigkeit unserer tt-Boote. Ihnen wandten sich begreiflicherweise und oerdienter maßen dre Stnufchathien unseres Volkes zu. Was die große Flotte tat. blieb epstodenhcht. dunkel.

Dieser Eindruck Hirt nur zu einem sehr gerrngen Teile tat­sächliche Ilnrerlagen. Es liegt in der Eigenart des Böseres als Operations- und Kaurpffeld, daß die Gegener nicht dauernd in Fchlnng bleiben, daß es fortgesetzte Kampshandlungetr, ivre sie ?em Landkriege argen stnd, nicht gibt. Zu ganz falschen Vor­stellungen aber muß es führen, wollte Man leddiglich cats den bekannt gewordenen Sutt-rnehmungen unserer Flotte Rückschlüsse auf 'Art und Wesen m^exer Lriegstihrnng zm See zreh«i.

In Wirklichkeit sind natürlich die an das Licht der Oeffeicklich-- keit geraschen Erergnrfse nur errrzelwe Glieder einer langen Kette von Operattonen, die ttt durchaus gewolltem, ursächlichent inneren Zusammenhänge miteinander stehen. Ihr Grundgedanke uird ihr letztes Ziel ist es dabei nttttelbar oder unmittelbar stets gewesen die feindliche Streitmacht zu stnden und m. Schlacht zu stellen Laß dies in vielen Fallen überhaupt nicht, in anderen nur mw vollkommen gelang, ist zum Teil Folge der Zurückhaltung unseres Gegencrs, zum Teil liech eS in ber Eigenart der See, die, soweit sie offertmst, örtlich überhaupt nicht und strategisch nur soweit eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit kennt, als ihr die Sseaus dauer der Streitkräfte und Rücksichten auf die rückwärtigert Ver Hindu ngslinien eine Grenze setzen. Tsazu kommt in nnsercu Ge wässern das häufig unsichtige Wetter. Ein gegenjettiges Sich- umgehen und ergebnisloses Suchen sind die -natürliche Folge Eine so geartete Tätigkeit mußte Offiziere und Besatzungen aus eine harte Probe ihrer Ausdauer und Geduld stellen. Daß ab uud zu cür kühnes Unternehmen zum erstrebten Ziele führte, war ihnen ein schöner, wenn auch seltener Lohn.

In dieser Stimmung zimschen Zweifel und Hohen verließ unsere Flotte auch in den letzten Mattagen dieses Jahres ihre Heimathäfen.

Aus'der Fahrt, die sie dieses Wat nordwärts, in Richtung des Skagerraks führte, deutete nichts ans besondere kommende Evetgurffe. Es war kein Anhaltspunkt dafür gegeben, der die Anwesenheit des Feindes, geschweige denn der ganzen englischen Flotte, vermuten ließ.

Plötz lich, am 31. ffkai etwa 4 Uhr 30 Minuten nachmittags, .gmg von den auf dem linken Flügel oufklärendsi Kleinen Kreuzern die Meldung ein, daß leichte feindliche Strettkr-äste in Sicht seien Wie ein Bann löste es sich von den Seelen. Es wureu Mwckeni atemloser Spannung, als von allen Setten des Horizonts Kleine Kreuzer, Torpedobootsflottillen und schließlich die ihnen zur Under- ftützung beigegebenen 5 Panzerkreuzer der I Aufklärungsgruppe,

bestehend aus 5 Panzerkreuzern derDerffling-er"- undMottke"- Klatw fowievon der Tann", weiße Schaum lamme vor dem in höchster Fahrt gehobenen Bug der Stelle zustürmten, an der der Feind gesichtet war. Bald blitzte wie Wetterleuchten am westlichen Horizonte das erste Mündungsfeuer der Geschütze unserer Kleinen Kreuzer auf. Der ferne Donner rollender Salven kündete da- nahende Gewitter.

,,Klar Schiff zum Gefecht!" Wer diesen schmetternden Rns je wird den begeisternden Zauber des Augenblickes nie ver- En. Er konnte Tote erwecken. Ist wenigen Minuten waren die etzten Vorbereitungen getroffen, und nach kurzer, fliegender Hast landen die Besatzungen angetreten, wie in Rech' und Glied. Es chien, als ob in dieser feierlichen Stille vor dem Stttrm die Geister der großen Toten, deren Namen von den stählernen Flaulett der Schtffe leuchteten, sch über den Wolken zu'unierew Häuptern sammctten, um zu schauen, ob sich das späte Geschlecht auch ihrer wert zeige.

Der Punkt, ans den die Streitkräfte sammielten, liegt etwa 00 ^eemecken (160 Kilometer' wefttich von Hanslholm, also von der stelle, wo die west jütische Küste von ihrer allgemeinen nordsüd- .chen Achtung nach- Osten einspringr und weiter nördlich in slachern Bogen verlachend die Jammers acht bildet.

__ < 5' ie Schlacht ist daim in diesenst Gebiete' aus einem etwa 50 Seemeilen (etwa 50 Kttomeder brtüten Raume geschlagen, worden. Von der englischen Küste liegt dieses Seegebiet nur wenig werter ab als von Helgoland. Es ist notwendig, dies sestzuftellen gegenüber englischen Versuchen, das Schlachtfeld in leicht erkenn- llbstcht an die deutsche Bucht heranzuschieben.

Dre Schlacht trägt den ausgesprochenen Eharakter einer Be- gcgwungsschlacht. Lnskaufllärung hatte nicht stattgesünden Die )eutsche Flottenlettmrg war ans die Meldung-i der Kreuzer und pater auf eigene unmittelbare Wcch-rnehmungen angewiesen Es darf angenonunen werden, daß auch der englische Flottenführer die Amvesenhert deutfcher Stvettkräfte in seiner Nähe erst durch seine Kreuzer erfuhr.

, Aus den Kampfhandlungen des 31'. Mai heben sich dtzuttich vier Hauptgafech tsabschnr11 e heraus, die sich auf den Zeitraum von 4 Uhr 30 Minuten nachmittags bis 10 Uhr 30 Minuten abends verteilen.

Tie äufjeren Verhältnisse, Wetter. Dichtigkeit, W-ritdrichtnng und Beleuchtung, die aus See die Waffenverlvtzndung in noch höherem Matze beeinflussen als aus dem Lande, wechselten, ab­gesehen von dem Fortschritten der Tageszett im Verlause der Schlacht nicht unerheblich. Während der erste Gefechtsabschrtttt, die Kreuzerschurcht, durch Sonnenschein imd klares Wetter be- gnnsttg war, breitete sich bei von Nordivest aus Südwest links

^ -! 1 ' lchwach«m Wurde ein allmählich! sich Verdichtenver Dunst­schleier über das ganze Seegebret, der Ausblick und Uebersicht, be-

sonders währe ich der letzten Phasen der Schlacht, nicht mrwesenttich erschwerte. Die See blieb ruhig. Ncur wurde durch die nach Hunderten zahlenden und stundenlang mit höchster Fahrt tmb ivechlelnden. Kursen laufenden Schisse zeitweise eine flache Dünung erzeugt, die selbst tue großen Schisse in langsame Bewegungen versetzte.

chie Schckderung der Ereignisse war an deni Puntte stehen jeblleben, wo unsere Kreuzer aus zunächst fünf, dann ackjit kleine emdliche Kreuzer der Calliope-Klasse westwärts sammelten. Dev ttkind, der mehrere Flottillen modernster großer Zerstörer bet llch llchrte, wich unseren Kleinen Kreuzern der nachdr-äugenden - 'ut 11 ru^pe, zunächst in nordwestlicher Rickstung aus.

o Uhr 20 Mtmtlen nachmittags sichten unsere Pcutzerkreuzer in West Rauchwolken. Bach daraus werden schwere Schisse in zwet Ko- lonnm östliche Kurse steuernd erkannt.

Sie entwickeln sich in südöstlicher Richtung zur Lurie und ,rnd dann mit ^icherheit^ als das I. englifckie Schlachtkreuzer- gefchwader, unter dem Befehl des .Vizeadmirals Beatty, birst eh and aus 4 Schrssen der Lion- und 2 Schisfein der Jndesattgable-Klafs-e, festzustellen. Unsere 5 Panzerkreuzer werden von Vizeadmiral Hip- per mit lsöchster Fahrt an die feindliche Linie herangesührt und mrf ^ungefähr gleich gerichteten Kurs gelegt. Tie Gegrrer. üe* ' -4. Januar 1915 stehen zu neuem Ritigen einander gegenüber.

Urkgsbriefe aus dem Westen.

Telegramm unseres Kriegsberichterstatters. lUnberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Schweres Mngen vor der inneren Beneidigungslinie von Verdun.

Großes H>auptquartter, 28. Junr

Die Franzosen haben gestern außerordentliche Anstren- anitgen gemacht, um unsere am 23. neugelvonnetten Stel­lungen östlich der Maas dort der inneretr Verteidigungslinie Verduns abzudränaen. Nachdem sie die gMlze Nacktt vvn vorgestern gegen Abend arr bis gestern früh ihre Llrtlllerie- entfaltung in diesem Abschnitte bis zum Höchstmaß gesteigert hutteu, begantten sie mit großenteils frischen ausgeruhten gruppen den Massenmtgriff uud zwar hauptsächlich vom Westen her gegen unsere Stellungen ztoisck)en dent ThiQnnront--Walde, Fleurts und von Süden her gegen unsere südlich dem Dorfe Fl-eury vorgelager­ten Steltttngen bis Fumimvald. Entgegeji der unzu­treffenden französischen Darstellung, die von noch im Besitz der Franzosen befindlichen Teilen des Dorfes Fleury spricht,

Runst, rviftenschait rend Lobe«.

Ein M'u st erb erspiel ländlicher W o hl fahrtS- vflege. Ter ländlichen WoUfcchrtA- und Heimatspflege, die das Leben und bic Kultur des Torfes als fciit Gegengewicht zu der immer steigeitt^en Bedeutung der Stadt in unserem sozialen Leben fördern wlll, erwachsen jetzt im Kriege und lverden nach dem Kriege bedeutende Aufgaben erwachen, denn die Gesundheit und Kraft unserer ganzen Kultur beruht nun eimnal Mm großen Teck aus der Erstarkung und Erhaltung der ländlichen Siedlungen Wie Mustergültiges da durch eine zielbewußte und großzügige Wohlfahrtsarbeit geleistet werden kann, das beweist das Beispiel des ostpreußischen Kirchspiels Muschakeu, von dem Prchßsor Heinrich Svhnrey, der Begründer und Vorsitzende desDeutschen Vereins für ländliche Wohlfahtts- und Hettimtspfbegc", in dem demnächst erscheinenden Heft der von Eduard Kenket hera-nsge­ll ebenenOstpreußischetr Heinrat" Näheres erzählt. Hart an der russischen Grenze gelegen, umfaßt das Kirchspiel sieben Dörfer dessen Bevölkerung größtenteils Landarbeiter und Eigeikkätner bil den, die zwischen einzelnen Bauern mit größten Gehöften wohnen Die Verhältnisse in diesenr masurffchen Kreise waren außervdeut­lich, ärmlich uud so strebten denn die Söhne und Töckster von der dürfttgeu Heimat fort in bessere Erwerbsbedingungen. Bei der Volkszählung von 1895 war die Zahl der Bevölkerung von 4800 auf 4600 zuttickgegangen. Ta begründete der Pfarrer Ebel einen Spar- ünd Darlehnskassenverein, dein sieh nach anfänglichem Wider­streben alle selbständigen männlichen Bewohner des Kirchspiels an- ^ Durch diesen Verein wurde allmählich ein blühender Wohlltaud geschafsen, der ViuschatLN einem Musterbeispiel länd- ltcher Wohlsahttspflege werden ließ. Tie Spareinlagen, die bei den Landarbeitern tm ersten Geschäftsjahr 18 Mark und bei den Bauern 6000 Mark betrugen, ivarcn im 15. Jahre aus 600 000 Mark gesttogen, zu denen die Landarbetter und Eigenkätner 296 000 Mark und die Bauern 270 000 Mark beisteuerten. Ern GeldiLer- fluß war tfmt tn dre früher so arme Gegend gekomniien. Der Waren­verkehr wurde durch die votr Pfarrer Ebel begründete An- und Verkaufs-Genossenschaft des Kreises Neidenbrrrg gefördert, die im 15. Geschäftsjahr erneu Warennmfatz in .Höhe von 1% KNfllionen Mark erreichte und über ein Geschäftsvernröchn von 202 000 Ntark verMgt. Der Mujchaker Verein sucht den in ^drängnis geratenen ländlichen Besitzern zu Hellen, urdem er ihnen in allen angebrachten! fallen,Entichullnmgsdarleheu gewährt, die regelmäßig zu mnorti- sleren Und. Wo Hose oder Stellen dem Besitzer nicht mehr zu er, halten tvareu wurden jre durch die Orgauisation ungeteilt oder m Teilen verkauft, und der erzielte Erttag kam nach Mzug vnr 3 Prozent Prodrsron dem Verkäufer in vollem Maße zugute Wie

i für die Erhaltung des gesunden ländlichen Besitzstandes sorgte der

«-iSetem auch für die Verbeflerung der Wohiumgeu, indem lwgienisch erwoandfreie Häufer gebaut wurden, wobei die Nachbarn nach alttr - öorflrcher' ^ttte einander Inlßreich zur Hand gnrgen. Trotz drefer Reformarvett von Grund auf Ivurden auch noch jährlich große ^ettage für Wo hl j a hr t sein ri ch t urrge n auf sozialem und geistigem Gebiet ansgegeben, entstand im Jahre 1906 das Gemeindehaus von Mujchakeu, das eine Volksbibliot1)ek, ein besonderes Lese- zimnier und einen ^aal mit Bühne enthält, und um diesen Mittel­punkt gruppierten sich das SiecheiihMis, drei K naben st)rtbi ldungs - schulen, erne Haushältvngsschule für junge Mädchen, Gesangvereine. Handserttgkettsschulen, ü>andarbeitsvereine und eine Kleinkiuder- E^'^cach 10 Jahren war die Bevölkenmg des Kirchspiels von 4600 Seelen auf o200 ge,tlegen: es war der einzige Fall eines oltpreutzileveil Greirzvrtes, in dein eine Bevöllerungszunahme zu verzeichnen war. Auch in den Nöten und Schrecken des Krieges ^ Jlr } r i<mgc shstematische Schnlung in diesem Kirchspiel vör- zugllch bewährt und Hilst diesem schwer hemrgesuchttn Gebiet, besser und schneller sich wieder emporzuheben, als es die Nachbar otte vermögen.

Das Berliner T h-ea ter gesch ä fck im zweiten Kriegswinter. Unter den vielen Beweisen seiner Rulje nnd tmrtschastllchen Kraft, die Deutschland im lüsherigeu Kriegsverlaus lieferte, gebührt auch dem l^ang des Kriegstheatergeschckstes be- chudere Beachtung. Die erste kurze Spanne der Verwirrung uird Nttchtuugsloftgkeit, die zu Kriegsbcginu naturgemäß sich int* deut­schen Theaterbetriebe einstellten, mackite, als nmn aus die Er­fordernisse und die Bedingungen der neuen Zeit eingestellt war verdoppeltem Ernst uud Eifer Platz. Dos zweite Kriegsjahr des Theaters rn Deutsckfland, dessen wrrtfchaftllclfen Stand Rigp Ep- stem in einem sachverständigen Rückblick in der nächsten 9ttounier derSchaubühne" besprickü, .zeigte sich nicht nur stark gcmug, um etwatgen finanziellen - Anfechtungen des. Krieges zu widerstehe^ sondern der Durchschnitt der deutschen Bühnen war sogar in der Lage bei 'künstlerisch besseren Leistungen eine beständige Zunahme 'Uw Festigung der Einkünfte zn verzeichnen. Was der Theattr- bettreb in Berlin von der Rtttte des ersten Kriegsjahres an ver- Procheti hat, das hat der zweite Kriegsüünter auck) voltzruf in dieser Beziehung gehalten. Im allgemeinen war der Besuch über alle Erwarttmgen gut. TementtzMechiend wurden die arrsangs^ stark reduzietteu Gagen nach und nach wieder er^ht, rmd die meisten großen Bühnen zahlen heute volle Friedeusgehäller. Auch die an dre Autoren abzugevenden Tmtttemen wurden wieder in ihrem Prozentsatz gebestert, uud die Mieten an die Eigentümer der

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Tljeatergebaude wurden teils erhöht, teils wieder voll ausbezahlt 2Sährend in früheren Friedensjahren stets mindestens ein Berliner

Theaterunternehmen tm Laufe einer Spielzeit einen sogenannten Krach zrt erleben pflegte, wurde das allmählich solider geworden^ Theatergesthatt rn den Reichsl-auptstädten Dewschlands und Oester­reichs im zwecken Kriegswittter nicht dttrch einen einzigen 3n- jammenbruch gestört. Es ist im Gegemteil eine Konsolidierung fest-, zustellen die allem Uttjdrein nach auch weiterhin sortschretten wird. Wenn einige ernste Bühnen darüber llagen. daß ihre Ein­nahmen hinter denen im Frieden zurückftehen, so darf man in den mepteii gatten annehmen, daß cs sich hierbei nicht um einen Berlnst an ftch, stnidcrn meijt nur um eine Berringertlng des Ge- ^mtes handelt, ^ast mrch die Aussichten für den Sommer nicht chlecht fein können beweist die Tatsadn, daß fast sämtliche Thetcker ich entschlollm ljaben, weiter zu ivieleu oder von Somme! Pächtern sprellen zu lasjett. ^.er stetig gute Theaterbesuch während des vtc ^e- erklärt, daß er die Geselligkeit ersetzt, die unter ander- weittgen Verfcharnmgcn der Lebensbedingungen eingeschränkt im -

llCQt a -i lc ^ ^hl der Grund daflir. daß die groß- stadtiichen Theater von den Begleilerscheinimgen des Krieges chpf weniger betroffen wurden, als die kleinen und kleinsten Bühnen nr der Provinz. Von Berlin kann man sagen, daß die guten ^heater nn allgeinnneu gut die ,chlechien mäßig gingen, daß allst die Entwicklung des Buhnenlebens diesmal "äußerst gerecht war Unbekannte Racburn-Porträts. Da es aus

dem Londoner Ktuffttnarkte infolge des Krieges zurzeit recht still zugeht, ,o erregen die wenigen bedeutenden Werke, 'die zur Ver' stetgerung kommen, verdoppelte Aufimrksamkeit. Dazu gehören drei bisher noch ganz unbekannte und in keiner Arbeit über dm Kunjllct oerzeiduKtte Porträts des großen sckwttisckun Bildni«- nwler» R^bnrn, die dre,er Tage bei Ehristie zum Verkaufe ge L n Ä ^ weitem das bedeutendste dieser drei Werke war Ls Bildnis des Andrew Dalzeh eines geschätzten klassischen Plnlo- LM der .zwecken Hälfte des 18. Jahrhunderts, das der Enkel des Targestellteii, der Oberstabsarzt D T- H -^aluck

*0? ^attlicheS Porträt in ^dreiviettel

Lebensgröße, das den Projiessvr in dunkler .Beidmm aus einem wt^i Sttthle neben einem mit Michern bedeckten TMic zecht. D^.VWerz«ye enteit Preis von 15 750 Mark, der nur als ein leidlicher Durch,chmttsprers Ur einen guten Raobttrn zu bezeichnen ^ 8r*tt i Umschwung, den die Schätzung dieieS .n'diegc- Meisters tm Laufe eines halben Jahrhunderts erfahren lxrt ist es bezeichnend, daß eine Wiederholum? dieses Bilde - oder eine Studie dazu, dre sich jetzt in der schottischen nationaleBstd^'r. ft alerte befindet, tm Jahre 1877 nidit mehr als 1000 fff g rt er - zielen konnte. Erheblich weniger l^edeickend waren die p-üden anderen Raeburn-Bildnisse. die gleidipettiq zur Versteurernng ce laugten und die nur mtt 8000 imd 4000 Mark bezahlt nnwfcen