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27.6.1916 Zweites Blatt
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Ar. M

ÄveiLes VM

M. Jahrgang

Erschernr täglich mit Ausnahme deSIsonrftagS.

Die .Metzener^amittenEtcr" werden dem

»Anzeiger" oieumal wöchsuttich beigelegt, das

Areisblatt für den Ureis SLetzen" zweimal wöcheuttich. Sxie .Fasdwjrlichgfftichen LeU- fwgeir" erftcheiuen rn vnattich §w euusl.

General-Anzeiger für Oherhejftn

VKNStStz. 27. ZuiÜ Mb

Rotationsdruck und Levlag der Brüh lachen UMvevstitÄs -- Buch- m:d Stemdrrvckerei.

R. fidnfle, Greßen.

Sch tötle&iin g^GezchÄtsflelle u.Druck e r ei: Schul» straß c7. Ges-ch Lftss lelle u.Le rlagr^^Köl, Sei) rrft« leitung: ^8^112. 9ldressesürDvahtnach:'»chtem Anzeiger Gießen.

AriegsdMft M8 dem Weste».

Bs» rm^erm ^rr^Lb erttfoteef forffrr MchercchtLgwc NachdruL smch Lu^rrgÄven^ vrrtoWH

Die TeiephonzentraK der Schlacht.

Großes Hauptquartier, im Juni.

Wir fuhren im grauenden Regenmvrgen hinuus mit dem Ziele, auf 'dem Gefechts stände einer Division zu böeiben. Durch zerschossene Dörfer und ehemalige sranzösische St-eKrmgen führte uns mffcr Gefügt ans zerfahrenen Straßen, an 'Feldlagern, Bereitschafts- stelümgen uUd ^vinnitionsdepots vorüber, bis es hinter einen: Dickicht hielt, im schon eine Anzahl andere Lastwagen mit den dlbzerchen verschiedener Kommandvstellen veremigt standen. Eine 'gaifcftflaitöerun/T durch Niederholz, sumpfige Lnhttrngen, kleine Wald­stücke. Dann sind wir in eimm Gehölz, dessen Ansläufer sich xmrgeichörmig gegen die nördlichen Cötes Lorraines vorschiebt. Wir haben einen Augenblick auf die uns wohlvertraute Hügelkette, die sich ein paar tausend Nieter vor uns hinter den Wällen des BorgelöudeS von Norden nach Süden zieht. Nock)/ kann man die- Umrisse der Gipfel und Rücken kaum unterscheiden. Tie Geschütze sind indessen schon in voller Tätigkeit, oder haben vielleicht die Nacht über- ihre Arbeit garnicht wtterbrochen. Rechts und links neben und dicht vor uns bellen Batterien. Das Krachen nach Rollen und Dröhnen nahe und weit könnte nicht ärger sein. Dennoch; dämpft jekT, der diesen Wald fl eck betritt, imwillkürlich die Stimme. Tenn .im Uuikreise, wohin man schaut, stehen in Abständen von 10 oder 20 Metern an den Stäinmen der Bäume die Bedienungs- mämrer von Fernsprechern mit der Hörkappe über den Ohren, und jeder von ihnen redet eifrig und wmlMssig in den gelben Kaste:: mit dem schwarzen Sprechtrichter higrdn, über den ans Fechtens reisig ein flüchtiges Sckiutzdach gegen den Regen gebreitet ißt. Eben solch ein Schirm aus Nadelzweigen ist an die dünne Buche genagelt, die etwas erhob^ an der £)effmmg des Waidsaumes wacht. Dort steht zwischen Scherenfernrohr und Fernsprecher der General. Leise kurze Vorstellung. Ein paar Schritte von dem General hat sein Adjutant einen ähnlichen Posten bezogen. Umveit davon, weiter hinten im Walde, bem-errt man ein Loch zu dem Stufen chmbfühveu. Da unten befinde:: sich bNnbensicher dngebUut, die HmMfernsprechzelle des Gefechtsstaudes. Etwas' abseits, wieder am Waldsamne,' bedient ein Art:llcriebeobachter sein T^phon und schraubt an der gewerharttg aus dem Busch lugenden Gabel des Scherenfernrohres.

Das ist alles, was das Auge in dein morastige:: Gehölzwinkel bei einiger Umidian aus den: nebligen Morgeugran herauszulösen vermag. Wer einige Schritte vor dem Walde stünde, würde ihm nichts Ausfallendes anmerke::. Und selbst, wer fick: mitten darin zwischen den flüsternde:: und Lettpl-onier enden Offizieren und Marmschaften auihäll, hat einige Muhe, sich an den GdmnLen zu- gewöhnen, das; soeben von Uev aus eure Schlacht geleitet, cm Stück Weltgeschichte geformt wird, daß dieser bis zur Unauffindbar­keit unscheinbare (sefechtsstand in den Riesenkämpfen dieses Krieges dieselbe Rolle spielt, die'in der Vergangenheit der Feldhcrrnhügcl mit all seiner gefälligen Poesie inne hatte, die ihm die Kriegs­maler verliehen haben.

Von der Schlacht sieht nian nichts. Bor uns dehnen sich die Höhen der Cötes. und als das Wetter sich allmählich vorübergehend ausklärt, treten die einzelnen Ocrtlichkeften des uns zugewendeten Höhenznges so weit aus den: Dämmer, daß. man sie unterscheiden kann. Man sieht am weitesten rechts einen dunklen Waldkamm, der nur la Bauche sein kann, während das ihm vorgelagerte Dezonvonx hinter Erdwcllen verborgen bleibt. Tann steigt, ragend über alle Nachbar:: und mit seinen: gefährlichen Umblick in die Woevve und in den Schluchten der Cötes, der helle, von Granaten gedübelte Kopf des Donannwnt in seinen unverkennbaren Umrissen ans. Bor fernen Hrmg schiebt sich, der bewaldete Rücken des Hardaumont, der zu einer nach Westen verlaufenden Schlucht hinab­führt. Jenseits dieser erhebt sich steil die kahle -weiß-gelbe Kuppe von Fort Vcmx, doch sftrd die Trünunerzacken der Feste nur bei scharfem .Hinsehen zu erkennen. Tie deutschen Annäherungsgräbcn, die man bei klarem Wetter sonst aus viel iveiterer Entfernung bemerkt und sich bis dicht an den Rand des Forts hft^iehen sieht, verdeckt heute der Dunst, vielleicht auch der zerfliegende Rauch der i:nmerwährenden Granateinschläge. Auf den zerwühlte:: Wein- bergterrassen, die unterhalb des Forts zur Ebene abfallen, sieht man einen Fleck von unbestimmter Form :md Farbe. Das ist alles, was von den: Winzerdorf Damloup übriggeblieben ist. Darm folgt weiter südlich des von Wald verborgenen Forts Tavannes wieder eir: scharfer Ensschnrtti durch ihn führt die große Heeres­straße, die von Metz über Etain geht, geraden Weges nach Verdun hinein. Jenseits des Einschnittes erheben die Cötes sich wieder mit der Höhe, die das Fort Moülainville trägt. Tann verlieren sie sich nach Süden in Formen, die der Regen Ijente verwischt.

Der ganze Hügelzug liegt unter beständigem Artrllerieseuer,

uuL» dag die schweren Einschläge am dichtesten auf die Batlp-Kuppe niedervrafseln, ist ein Anblick, der uns mtchgerade mit dem Bilde von Baux unzertrennlich verbunden erscheint. Man könnte also höchstens daraus, daß dieser Abschnitt der uns am nächsten gelegene ist, den Rückschluß, ziehen, daß der Gchechtssimrd, auf dem ivir uns befinden, über den Gang der Ereignisse bei Fort Vaux entscheidet. Aber ebenso gut wäre es deutbar, daß von hier aus die Be-^ wegnngen an ganz anderen Breruchunkten der mrunterbrochen wütenden Schlacht geleitet werden, an Stellen, die inan ebenso lvenig sieht, inic den jetzt in vollem Gange befindlichen mörderischen Nahlamps um die Trümmer der Feste, die soeben hinter dickem Regen dem Auge wieder zu entschwinden beginnen.

Bor uns fahren die Feuerzungei: aus den Rohren der Ge­schütze, und man hört die Geschosse fauchend eine Weile lang sich ihren Weg durch die dicke nasse Lust bahn-en. Aber welcher Ein­schlag dort dri'iben auf den Kämmen aus den Batterien hier stammen mag, ist nicht zu entscheiden. Vielleicht fallen die Geschosse weit jenseits der Hügel aus Straßen und Lager, die man von hier gar- nicht entdecke:: kann, die der Artillerist nur nach der Karte be­rechnet. Vielleicht gehört auch dieser Artilleriebeobachtungsstaud garnicht zu den Batterien, die ihn umgeben, sondern leitet das Feuer schwerer Kaliber, die viel weiter rückwärts stehen.

_ Man köiutte das alles erfragen, wenn nicht die Bedeutung der Stmche uns in heiliger Scheu hindern würde, einer: der Männer zu stören, vor: deren Arbeit das Leben der kämpfenden Söhne des Vaterlandes, von deren straffer Pflichterfüllung der Sieg abhängt.

Sie arbeiten alle, ohne aufzuschauen. Befehle gehen hinaus in die Drähte, die über Pfütze::, Acker, Wald und Hügel die Ver- bindung mit der Front Herstellen. Meldungen kommen durch diese feinen Fäden herüber und nteübeii, wie es »vorn steht. Wenn man lauscht, so hört man nur abgerissene Sätze, die fertig bedeuten. Haupt mann so und so rneldet, daß Punkt Nr. so und ichviel er-: reicht sei. Die da und da vor gegangene Sturm ko tonne kommt gegen überlegene Kräfte nicht weiter vorwärts. Alles das vereinigt sichl wie die zusammengehürenden Würfet eines Geduldspieles auf dem mit farbiger: Linien und unzähligen Eintragungen bedeckte« ver­größerten Vießtisckiblatt, das auf einem Klappstuhl neben dem General liegt. Das ist der Zauberfviagiel, indem sich jeder grwonitene Punkt, jedes erstürmte Stück Schützengrab-en alsbald answcist. Hier ist zn lesen, lvie die Schlacht in jeder Minute steht. Aber nnr ganz^wenige vermögen diese rätselhafte Karte zu entziffern.

So steht man mitten in dem geistigen Mittelpunkte der Schlacht und sieht die Kampfleitung am Werke, ohne etwas von alledem zu begreifen: wie man unter eurer emporqeklappien Schädekdecke sein eignes Gehirn wallen und zucken sehen könnte und doch nickt lesen könnte, welcher Gedanke durch die Zusannuenziehun- gen u::d Streckuugm der Hirnfalten im Entstehen ist. Bo:: hier gehen die Bermittlungsnerven :wch vorn, wo aus den: Kampsfelde die^Glieder der großen Bolkskörper miteinarcher ringen. Sie melden, wo ein Glied in Gefahr ist zu. erlahmen und Hilfe braucht, sie ver­künden, wo der Weg frei ist zu erfolgreichem Vorstoß. Als feinste Fühler sitzen da draußen in Granatlöchern . oder eben ge- nom-menen zerschossenen feindlichen Unterständen die Patrouillen und Schwarmkolonnen, die an: dichteste,: am Feinde sind und doch von der Schlacht weniger sehen und wissen als die flüsternden Arbeiter hinten am Gefechtsstande. Von diesen vordersten bis zum Regimentsstabe ist die Verbindung am schwierigsten und muß zu­meist durch Meldegänger aufrecht erhalten werden, Männer, deren Weg jedesmal eine Heldentat ist. Und noch weit hinter ihnen ist eine andere Schar von .Helden für das Gelingen der Schlacht ohne Waffe, aber in unersetzlicher Wichtigkeit tätig. Das sind die syernspcech- flicker, die ohne Deckung im Trommelfeuer hin und her laufen, um die zerschossenen Drähte zu flicken und so die unerläßliche Verbin­dung zwischen Kopf und Olliedern aufrecht zu erhalten.

Durch einen Artilleristei: erfahren die zurückhaltenden Bericht­erstatter, die sich vvrgenomm'en haben, durch kein Wort zu stören, zuerst die Tatsachen, daß sich, unsere Sturm truppe:: bis südlich des Forts Vaur vorgsarbeitet haben. Dler Offizier zeigt uns durch das Glas die Schrapnelle, mit denen die Franzosen jetzt die Gegend südtich des Forts bestteuen, was nur bedeuten kann, daß> dort letzt unsere tapfere,: Stürmer liegen.

Man ibraucht kein Gebärdenspäher zu sein, um zu sehen, daß die Augen des Generals seit einiger Zeit begmtuen haben, frol) zu leuchten. Und daß nun durch den moorigen Weg Seine Exzellenz, der .Herr Korpskommandeur, selbst nach den: Gvsechtsstand kommt, das hat gewiß etwas zir bedeuten!

W. Scki c u e r m a n n , Kciegvberickterstitter.

- Aus Stadt uud Land.

Gießen, 27. Juni 1916.

L. U. Bon d-er L-anb-e*s-'!wn.ive^rsitä.t. Der ordent­liche Professor der Geschichte Dr. H o 1 tz nrait*:t an unserer Landesumverfität hat einsn Ru.f-<rn die Universität Breslau eckhalcken.

** Eine Hessen-Bereinigung in Brüssel. Die Hessen-Berei::igung Brüssel hält jeden Monat am zweiten Mittwoch imi LokalDrei Schweizer" ihren gemeinsamenHessenabend" ab. Dieser Abend vereinigt die in Belgien, speziell in Brüssel anwese::- den Militär- und Zivilpersonen hessischer Staatsangehörigkeit, bezw. die in hessischen Diensten stehen oder gestande-a hüben, zn zwanglosem Zusammensein, wobei insbesondere die Beziehungen zur engeren hessischen Heimat gepflegt werden. Zu diesen Abenden sind auch alle Landsleute, die ihr Weg nach oder durch Brüffel führt, hcrzlichst willkommen. Auch der letzte H esst nabend, am 14. ds. Mts. vereinte wieder eine große Anzahl Hessenkinder, die der Vorsitzende, Kriegsgerichtsrat Dr. Reu t er h.rzlickst willkommen hieß., indem ei­serne zu Herzen gehenden Worte mit einem begeistert ausgenommc- iwn Hoch aus unsern Großherzog schloß. Durch die Sperüie dne# der hiesigen Deutschen Kolonie angehörigen Friedberger Landsntannes konnte den erschienenen Soldaten, Post- und Eisenbahn-llnterbeam ten und Arbeiter:: Unkosten jeglicher Art erspart werden. Auch einige Künstler hatten in liebenswürdigster Wdse ihr Können zur Verfü­gung gestellt. Der Abend verlies in schönster Weise und dürste bei allen Teilnehmern einen bleibenden Eindruck an diese schöuen Stun­den hinterlassen haben.

** Schiffsjungenausbildung. Der Deutsche Schul­schiff-Verein stellt aus seinen SchulschiffenPrinzeß Eitel Friedrich" ititöGroßherzog Friedrich August" auch in dielen: Herbste wieder Schiffsjungen ein Für Knaben, die der höheren SeemannslaiMahn zustreben, sind 475 Mk. Pensions- und Kleidergeld zu entrichten, währeick) junge Leute, die mit der späteren 2lustellung als Matrose und Unteroffizier auf Handelsdampfern zusriedengestellt sind, in einem kürzeren Kursus unentgeltlich ausgebildet und auch kosterckos eingekleidet werden. Die EinsteNungS-Vedingungen sind bei der OZeschäftsftelle des Deutschen Schulschiss-Vereins, Breruen, Herrlich­keit 5, zu erhalten.

0 ^ " hi.y Hessen-Nassau.

X Hanau, 26. Juni. Der Verband der Baugenossenschaften für Hessen-Nassau und Süddeutschland hielt am Sonntag hier:mter zahlreicher Beteiligung seinen ordeittlichcn Bcrbandstag. Selbst die Genossenschaften der Städte Straßburg und Metz hatten Vertreter gesandt. Als Gäste Ware:: anwesend der Lgndesdirektor der Fürsten­tümer Waldeck und Phrrnont, Präsident v. R c d ern , Regierungs­rat Koska aus Berlin als Vertreter des Ministers des Jm^rn u.a. Der bisherige Verbandsdirektor Geh. Regierungsrat Dr. Sch weder, Kässel, wurde ans eine fernere Amtsdauer von drd Jahren wiedergewählt. Die Genossenschasts'bdträge für 1917 wur­den in der gleichen Höhe wie bisher festgesetzt. Der Verband besteht, wie der Verbandsdirektor in sdnem Jahresberichte mitteilte, aus 32 Genossenschaften mit beschränkter Haftpflicht, 5 Aktiengesell­schaften und 5 Gesellschaften mit beschränkter Haftung. Der Vrr- bandsdirektor streifte auch die Frage der Ansiedttmg von Kriegs­beschädigten ans denk Lande imb betonte, daß diese Angelegenheit 'für die Äandesversicherungsanstalt Hefsen-Nassan keinen neuen An­stoß bieten könne, da diese die Hergabe von Darlehen an Einzel­versicherte schon bisher gepflegt habe und damit auch in Zukunft sortfahren werde. Die Ansiedlungssrage werde für unsere legend mit ihren besonderen Verhältnissen kaum größere Bedeutung er­langen. Justizrat Prof. Dr. Crüger, Anwatt des Allgemdnen Deutschen Genossenschastsverbandes, hielt einen außerordentlich bei­fällig ausgenommenen Borttag über den Einfluß des Krieges^ ans das Genossenschaftswesen unter besonderer Berücksichttgung der Ver­hältnisse der Baugenossenschaften.

ul. Bad Em's, 26.Juni. Der Lachntalverband hiett gestern hier seine diesjährige Hauptversanttnlnng ab. Ten Vorsitz ftihrte Bürgermeister .Haerten-Limburg. Ans seinen: Geschäfts­bericht geht hervor, daß der Kur- und ^Fremdenverkehr in deu Orten des Lahntals im Jahre 1915 gegen 1914 imefcer zugenommen hat, dagegen ist der Wanderverkehr zurückgegangen. Dem Verband ge­bären zurzeit 23 korperackive und 123 Einzelnritgtteder an. Die Kassenverhälttriise sind nicht :mgünstig. Den Einnahmen in Höhe von 1442,59 Mk. stehen 1399,95 Nif. Ausgaben gegenüber. Nach denn Bericht des Vorsitzenden ist auch int abgelaufenen Jahre die Werbetätigkeit des Verbandes nicht vergeblich gebeten. Ndehr und mehr werden im weitere:: Deutschland die Vorzüge des Lahnc^bietes bekamtt und seine Schönheiten anerkamrt, eine Tatsache, dre nach IFriedensschlnß erst recht in Edcheinung treten wird. Bei Be­sprechung des Jahresberichts durch die Versammlung wurde betont, daß die Verköstigung der Kurgäste in den Kurroxten in zufrieden­stellender Weise gesichert werden konnte. Der Lahntalverband beteiligt sich bei entsprechender finanzvellier Mitwirmrg der Städte 'des Äthnyebiets an der Reklame im Sonderheft der Zeitschrift Deutschland" betitelt ,LZv:n Rhein, Main Uw Donau", worüber Der Geschäftsführer des Meinische:: Verkehrsvereins, etttgehQch berichtete. Es ist auch beabsiattvgt, mit der in Berlin gegrsmdeken Gesellschaft -der Lahittalweunde" in Arbeitsgemeinschaft zu treten und diese, wenn nötig, ft:rcrnz:elt zu unterstützen.

Lttnßt, fflijicnfcfoäft unb £ebcn*

Gibt es eineSchützengraben-Nachtblind­heit"? Ter Krieg hat gerade durch seine lange Dauer eine Reihe von .Krarlkheftserscheinungen her vor gerufen, die durch ihr beson­ders häufiges Auftreten im Feld oder ganz auffällige Abweichungen von den Krankheftsbilder:: in der Friedens zeit auf die Bezeichnung Kriegskrankheft" Anspruch zu machen schienen. Näherer Znedi- zrnisch-wissechchaftlicher Kriftk hielt jedoch fast ft: albe:: Fällen diese Benennung nicht stand, da sich immer das Auftreten derselben Krankhdtssormen ftn Frieden, wenn auch jetzt durch besondeve im Schützengtaben sich ergebende Nebenmnstälide etwas verändert, nachiveiscn ließ. Diese wissenschaftliche Feststellung kann nur mit Freude begrüßt tverden, da der Gedanke, daß unsere Soldaten neben den ohnehin erhöhten gesundheftttchea: Gefahren im Feld^ mxh besonderen, nur dort auftretenden Leären ausgesetzt sein sollen/ fürdie an der Front" und für die Angelbrigen niederdrncöend wirken müßte. Das Verdimrst, abermals den Schatten einer solchen Schützengraberftrankheit" durch klare Betrachtimg des wahren Sachverhaltes als unwftktich dargetm: zu l-abe::, gebührt einem Aufsatz Prof. W. Löhlerns in dev Münchener Medizinischen Wochen­schrift, der, gestützt ans eine Itzdjährige persönliche Erfahrung an der Front, dieNachÄlftMMt im Felde" einer UnterMlMrg unterzieht- Da der Begriststöachtblindheit" ftlr den Mediziner fest umrisse:: ist, so galt es eben, festzustellen, ob die während des Feldzuges aufgetreteiwr Fälle sich mit den atten Vorstellungen in liebe rein stimmung bringen ließe::, und wem: nicht, ob nicht andere bekannte Erkrankimgen vorlägen. Tie UntersnchnngsmetHoden Müssen also so eingerichtet sein, daß d::rch sie eine ganz eindeutige Auswahl ermögttcht wird, die nur echte Störmrgen der Dunkele anpassung um solche handelt es sich bei der Nachtblindheit tu Betracht zieht. Pros. Löhlein hat deshalb nicht nnr aus die. eingehende ErhÄmng der Vorgeschichte und aus'die umfassende Dar­stellung der eftrzelnen Beschwerden besonderen Nachdruck gelegt, sondern die ganz spiezielle Mechode der ALaptionsprüftrng, die er mit Hilfe einer Leuchtnhr zur .Nachtzeit in einen: dunklen Flur vornahm, mit iwefen Borsichtsmaßregeln zur Mnsschattnng von Fehlerquelle:: angewandt. So wurden im Interesse der Zuver- lässigLtr 'der Resultate gleichzeittg mit den Kranken Kontrollper- sonen mit normaler Tunkelanpassnng untersucht; eberfto durfte das Tagessehvermögen, das ja bei den Nachtblinde:: im Gegensatz eben jM Nacht ganz normal sein kann, aber :vttürüch nicht zi^ iem drvvchl, mcht IwiöerEchttgt bkckben. W zyMbc sich, daß unter

de:: alsdcachtblinden" bezcichuete:: Leuten eftr hoher Prozetrtsatz als gar nicht hierher gckliörig angesehen werden durfte. Ihre Seh- störungeu faiü>e:: ft: nervösen Erschöpfungszustände::, Hemmungs- erschdnungen, Verletzungen und anderen chre Erklärung. Be: wirklicher §)erabsetzung der Tuükelanpassungssähigkdt ließ sich nachrvdsen, daß es entweder Leute waren, die sich ihrer Krankheft schon im Friede:: bewußt waren, oder die erst aus Anlaß ihres Frontdienstes, der von vielen Menschen zum erstenmal and: in der Nacht eine angestrengtere Aufmerksainkdt verlangt, ans diesen Mangel ihres Auges aufmerksam tvurden. Selbstverständlich sind in: Felde Neucrkraiffungen ebensowenig wie in Friedcnszefte:: aus­geschlossen. . Sie sind aber sehr selten und geben daher dem Problem kein anderes Aussehen. Von einer besonderenKriegs- Nachtbkindhdt" darf daher :mch den bis jetzt rutters:uhten, ziem­lich zahlreichen und manni^altigen Fällen:ftcht gesprochen werden.

Der Ers rn-de r des Holz Papiers. Bor hundert Jahren, am 27. Juni 1-816, wurde in .Hainichen in ochset: der Erfinder des Holzpapiers, Friedrich Gottftw .Keller, geborer:. Er war ein arnter-d Weber, der eines Tages ft: einer Zdtumg eftieii Arttkel über die damals herrschende iaüg®ud:te Papnnnot las. Dies brachte ihn aus den Gedanke::, Papier, statt wie damals noch, allgemein Mich aus Lninpeu, aus Holzfasern herznstctten. Die genauere Unterfttchung der aus Holzstoffe:: künstlich aufgebanten Wespennester gaben ihm zuerst -eine Anregimg, die er in vast­losem Fleiße weiter versagte. RifttelS d:ies einfachen-itei-f- steims lEgann er kleine Holzkkötzclnm zu schleife:: und sorutte dcvs im Wasser des Schleiskaftens^ sich anfcrmmehibe Holzpskver zu einem dicke;: Brei, den er preßte i:nd ttocknete. Auf diese Weise gelang es ihm rm Jahre 1839, das d-fte Stück Hrotzpapier hwzu- stetteu, das den Grund zu der gewaltigen Papieriudustde legte, die heute alljährlich für etwa eine halbe Mlliarde Dcaftk Holz zu Papier verarbeitet. Leider hat Gottlob Kelter das Los so vieler Erfinder teilen müssen.: Es fehlte ihm an Mitteln, sein Patent gewfti ".bringend auszumützm, und fo hatte er das Unglück, zu sehen zn müffen, wie andere mit sdner Erfindimg Mllionäve wurden. Erst 1.895 ist er tu Kluppen bei Schandau gestorben, nachdem ih:n durch freiwkllige Spenden der großen Papiersabrikantw: ivenig-, stens em sorgenfreies Alter beschieden :var. Am 9. Oktober 1908 wurde den: arinen Weber aift dem Gellertplatz zu 5^>ainchen ein prachtvolles Teirkmal errichtet.

- Das Arsenal von Be ned : g. Das Arsenal von Vene­dig, das durch die Brandbomben österreichischer Marineflieger

beschädigt wurde, gehört zu de:: berühmteste:: Nntzbautverken der Lagunenstadt. Der frühere Kriegsruhm Venedigs ist mit dem Arse­nal durch Jahrhunderte eng verkiüüpft. Hier wurden die Flotten gebaut, die Venedigs duftige Seeherrschaft begründeten. Das Arse­nal wurde an seiner jetzigen Stelle int Jchre 1104 gegründet. Die erste wese:ttliche Bergrößernug und Verbesserung des Bm:cs wurde inckJahce 1304 vorgenvmme:: und bis heute wurden die An­lagen noch fünfuml uuMbant und vergrößert. In der Zeft des kriegerischen stöuhnves Venedigs wurden in dem Arsenal 16 009 'Ar- bdter beschäftigt, allmählich ging dann die Bedeutung der Anlagen zurück, ::nd im 17. Jahrljiundert verfügte das Arsenal nur noch über 3000 Arbefter, gegen Ende der Republik :mrrden darin unge­fähr 2500 Leute befchästigt. Das heutige Arsenal, das eine Größe von 33 Hektar hat und rings durch Rdauern und Festungswerke gegen die Außenwett abgefcKossen ist, birgt vor allem große Werft­anlagen für den Ba:: von Schisse::, die dazugehörigen Trocken- dvcks, Bassins u:rd Magazine, daneben bedeutende W^kstätten und eine wichtige Geschütztfteßerd. In den UuftassungÄverken ist ein lFrührernftssancetor, aus deu: 15. Jahrhu:ü>ert stammend, gut er­hallen, und vor diesem.^ Tor sind die bekcu:nten vier Marmorlön^n aufgestellt. Ueber dem mit Bildhauerarbdte:: aus' der Schule San- sovinos rerchgescltmückteu Eingadtor steht dne Statue der heiligen Jusftne von Campagtm. Bei der: Venedig lwsuck^eachen FrenL-en !oar das Arsenal durch ein Museum l>ekannt, das vornehnrttch Schiffs­modelle, Ziüstzeug und Waffen aller Art enthält. Hier ruhen die Erftkneruitgen an Venedigs entschwunde:re Größe, darunter an­gebliche Lederhelm Attilas, Fakmen a:rs der Sckstacht von Lepauia :u:d wich Folterloerkzeitge. die noch der Zdt der Jnqiftsftrcm eut sbanftlrcn. Auch die Reste des letzten B::eentaur, des Prachtschiffes, das die D^en bei der Feier des HimmelsahrtstageS zu bemchcm pflegten, um die Stadt Venedig dicrch- ha$ Bedenken eines Ringv'- Mit der Adria chnchvkffch zu ver:nähten. :verden in der: Mtlfemn'des Arsenals ausbewahrt. Dieses letzte venezianische Staatsschisf wurde 1798 durch die Franzosen vernichtet.

B im gern, 2fc. Juni. (Priv.-Tc19 Der Verband der. KunstfreLnde ft: den:ü)ern an: Rliiein hiett gestern ans der Burg Kkopp ft: Bingen seine 12. Jahresversammlung ab. Er konnte erftenttchenveise in: vergangenen Jalfre den bedrängten Künstler:: des rheft:Kindischen Oübietes 20000 Mark zuwe:weu. In der Versammlung wurde bekauntgogeben, das; der Konsul Friedcrich in Düsseldorf zum zwdten Male eine Sttfttmg von 25 000 Mark gernacht hat.