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24.6.1916 Zweites Blatt
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Nr. M

Sumtes MM

M. ZatzrgAig

Erscheint tsgiich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGretzenrr Famittenblätter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das KreisbUitt jfir den Kteis Gießen'' zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zett- frLHeu" erscheinen monatlich zweimal.

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Seneral-Auzeiger für Gberheffen

§am8iag, 24. ZMl 1916

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schritt!eitung,Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul»

straße?. Geschäftsstelle u.Berlag:^^51,Schrift« Leitung: ^A112. Adresse sür Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

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Xrkgs&fefe am hm GM.

Vsu rmj^rer» zürn^rre entsaudttn KriegsberichtexAM» (LnöerechLAgler ^Lachdruck, auch ausMgswefte, verboSe»Z

Die Mrmrfe in Woihymen.

i Mllkowiezc, den 19. Jüni.

I.

Qüirtmteit Mil, dessen Spitze gegen Wladimir-Wolhnsk zeigt, sind die Russen Wer Luck hinaus in die Wolhynftche Front ein-, krochen; der eine Schenkel des Dreiecks ging van KoM (am Styr^ aus, das trotz mehrfacher schwerer Angriffe der Russen in den Händen der Oesterreicher blieb, der andere Schenkel führte südlich Dubno vorbei. ^ .

In großen Massen flutete- dre russische Insimtene zunächst -ungestüm vorwärts, Reiterei mar angesetzt. Die ersten deutschen Truppen werden in den mögenden Kampf geworfen. Zögernd be­ginnen die russischen Spitzen weiterzntast-m, finden bald Hart nn heranrollenden stärkeren deutschen Kräften, suchen schon nickst inehr die Offensive auszubmren, sondern nnr noch den Erfolg zn baLteu. Stärker setzt der deutsche Gegendruck ein, die Rollen tauschen sich die Russen siird die Angegriffenen, die in schweren Kämpfen !?nrüSMw»tten werden und sich nur noch. in verzwerfelten Gegen­stößen Luft zu machen suchen. Die deutsche Jnfanterre marscknert, aussen unsagbar sckstechten Wegen gehen die Kolonnen und Trams, -wie Teile einer Maschine,. die begonnen hat, zu arbeiten, werter. lDie'deichche Offensive setzt ein.

Als ichlden Bahnhof von Kowckl int Februar zum letzten Male sah mar eben der Schnellzug nach Bvest-Lllowsk zum ersten Male gefahren. ^ Jetzt fährt lein Schnellzug, denn Kvwel:st wreder sont Militär intii Beschlag belegt. Nachdem Luck anfgegeben, spE 's aU Bahrknotenpnnkt naturgemäß eine bedeutende Ralle

Jeder Meck in Kowel ist belegt, so schlafe uh rm 2.-Klasse- Wagen, der ans ein Seitengeleise gezogen ist. ..

Aus dem Fenster eines vorberfahrenden Zuges sehen deutsche Truppen. Wohin? Woher? Ans dem Krieg, in den Kne^ Es ist müßig, zu fragen, müßig, zn antworten. Sre tun rhre Pflicht m jeder Stelle. Ich habe sie nicht singen Hören, mre wohl, sonst oft- die Kämpfe rm SnMpfgebiet, die warten, sind kein .Kinder­spiel aber ich Abc diese harten, entschlossenen, niederdeutschen Gesichter mit in den unruhigen Schlaf rnmitten der führenden! Züge gssonrnreu. Es' gibt einen allen Kirrdervers, den die langsam sahvercheir Züge sprechen sollen: Wir schassens noch! Wrr schaffens noch! Wir schaftens noch. . . Alle diese wortkargen Lippen sprechen es nach: Wir schaftens noch, wir schassens noch . .

In ldenr großen Kasino in .KoMel mischten sich bald dre deut­schen Uniformen mit den österreichischen. Die deutsche Feldbuch- banldlüng, die >vor kurzem noch abbauen wollte, hat genug zu tun. Stärker pulst jetzt das militärische Leben in der langgedehnten Hauptstraße, und die Händler und Juden haben gute Zellen. Es Läppt alles. Aber am Bahnhof habe ich eine Sanllätskomvagnie grseheir, die nun bald 3 Stunden daraus wartete, einen Becher heißer: Tee zu beLmmen. Geduldig. Es ist ja selbstverständlich. Ich Lxvckste'-an manche ungeduldige Wärter zn Hause, deren Warten ja wähl auch- Äirveswegs imnrer leicht und erfteulich ist. Aber...

Der Weg von Kowel zur kämpfenden Truppe war vor ein paar Tagen ein Sumpf, der mit ein paar besehlsmäßigen Mitteln zu dem Schein einer Straße ausgebaut war. Starker Wind vorgestern, Sonne, die scharf brannte, ließen ganze Strecken des Weges wieder so schwell austvocknen, daß die Räder den llefen Sand schrver wachs­ten. Die BerbnÄung von Sanddüne und SuMpfland ist ja sür bxe^ SuMpsgebiet im Styr-Bogen bezeichnend.

Langsam gehen die Panje-Pserde. Der österreichisch.' Kutscher, Italiener aus dem unerlästen Gebiet, tteibt sie schläfrig an: Avanti! Oh la la! Maut:!" Den größeren Teil des Weges geht jitmt neben hem Wägen her. Kolonnen und llnNier wieder Kolonnen

ziehen den Weg. Wieder ist das schwer atmende Keuchen des .Dfteges auf den Straßen, wieder kämpfen die langsam und schwer stapfenden Pserdebeine den Krieg der Menschen Mit.

Sommerwolken, wunderschöne weiße Riesenvögel, überflattern langsam das Losch. Der wilde Mohn, der soviel Zeit gehabt hat, sich zu säen, weil die dReuschjen das .Korn rächt säten, prunkt in ganzen Felderbveiterr rot auf, gelber Hederich leuchtet sanft dazwi­schen. iQäo! ist, als ob das Land sich freute, aus der strengen Hand des Bauern entronnen zu sein, als ob es sich aus eine bunte! Jugendzeit besänne und mutwillig wäre, nicht arbellen zu brauchen.

Gegen Makowicze zu wird die Straße besser. Wir traben leicht an.O la, la! Avanti! Avanti!" Rauchsäulen heben sich ans dem graublauen Horizont. Der Wind steht gegen die Front, ttotzdem schlägt ab nnd zu der Schall einzelner Schüsse herüber.

In einer Scheune llegen toll, milde Schläfer. Der Nachtwind tastet durch die Bretterritzen und über die Gesichter der Schlafen­den. Das Sttoh knistert. Die Mäuse scheinen das Brot im Koffer zu ahnen. Sie sind die lautesten Gäste der Scheune. Zuweilen ein Schuß. Tiefe Atemzüge. Zuweilen ein Schuß.

Am Morgen stehe ich, auf dent Hügel, der das Schlachtfeld be­herrscht. Er ist vorgestern genommen worden. In den alten Stel­lungen hat sich, die Artilleriebeobachtung eingenistet. Man sieht well ins Land. Drei Kilometer vorwärts der Straße liegt T w er- d y n. Das grüne Dach, der Kirche glänzt herauf.

Um 8 Ühr beginnt die Artillerie. Einzelschuß Das Feuer wird stärker. Salven rollen. Spärlich antworte die Russen. Das Feuer schwillt zum einzigen großen Hammer schlage Die Schlacht hat begonnen. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

y. ordentliche evangelische Landessynode.

R. B. Da rin sta dt, den 23. Inn: 1916.

Nach Eröffnung der heutigen Sitzung bringt Synodal Dvru- seist zu dem Punkt betr. Aushebung des Exanvenzwanges fol­genden AntragTornseisf-Jakob" bei:

Dem § 4 des KirchevgeseyeS als vierten Absatz beizulügen: Tie von der theologischen Fakultät einer andern deutschen Universität abgelegte Prüfung kann durch das Oberkonsistorium der theologischen Fakultät der Laudesunivcrsi- tät zu Gießen gl eich ge acht et werden."

Oberksnsistoria lpr äsident Nestel gebt nochmals kurz aus die gestern schon angeführten Gründe ein, die das Oberkonsistorinm zur Einbringung der Vorlage bewogen haben.. Er betont wieder-' holt, daß es sich nicht um einen Angriff aus die Fakultät sondern mn die Beseitigung des Bedrückungsgesühles handle, unter dem weite kirchliche Kreise gelitten habe«. Das Oberkonsfttorium er­kläre sich mit dem Antrag Dornseiff-Jllkob einverstanden.

Synodal Wahl-Schlitz erklärt, daß der Gesetzgebnngsaus- schuß. sich nach. An Darlegungen des Oberkonsistoriums den Anttag Tornseiss-Jakob M eigen mache und bitte, diesen Anttag lediglich zur Abstimmung zu bringen.

Synodal V-elt-e-Darmstadt verliest hieraus folgende Er­klärung: D

Wir bedauern nach wie vor, daß Gvolch. Oberlomrftorinm die Vorlage zu einer Zell ell:gebracht hat, die es uns innerlich unmögliche macht, unseren Srandpunll nach allen Seiten hin gründ­lich darzülegen. llnser Antrag aus VertaMNg bedeutete darum weder eine Handlung derUnfreundlichkeit", noch einenVer-, gewaltigungsversuch", sondern eine einfach'? Tat der Ueberzeugung und des Pslichtbewußtseins, die ihre sittliche Berechtigung in sich selber trägt "und keiner Rechtfertigung nach Außen bedarf. Wenn wir -uns nun gleichwohl genötigt sehen, in diesem Augenblick zu der Vorlage Stellung zu nehmen, ohne uns so aussprechen zu können, wie es dieser in die Geschichte und Entwicklung unseres Landeskirche eingreifende Gesetzentwurf erfordert, so lassen wir uns bei unserer Entscheidung vornehmlich durch, beit Gedanken leiten, soviel an uns liegt, zur Wahrung des kirchlichen Friedens bei- zuttagen. Unter diesem Gesichtspunkt sind wir berell, den Min­

derheitsantrag des Ausschusses anzünehmen, obwohl wir uns nicht verhehlen, daß derselbe eine gesetzliche Lage schasst, die der Gefahr des Mißbrauchs leicht ausgesetzt ist, wenn nicht von der Behörde ein starker Schutz dagegen ausgerichtet wird. Wir sprechen deshalb zugleich nill dieser Erklärung die dringende Bitte ans: Großh. Oberlonsistorium möge im Interesse einer segensreichen Weiterentwickelung der Landeskirche, des Prediger--! seminars und der theologischen Fakultät das abgeänderte Gesetz stets in dem Sinne anwenden, in dem es gemeint ist: nämlich als ein Gesetz fürA u sn a h m c f ä l le".

Belte, Eck, Strack, Obenauer, Orth, Sanerwein, Wild, Clas, Dr. Bachfeld, Fuchs, Georgi, Brlll, Jaudt, Dr.. Hof,, Dr. Becker, Göbel, Dr. Wimmenauer, Dittmar, Dornseiff, Diehl, Bayer, Dollinger, Jaovb, Eck, Kaßlick, Lenz, Mink, Rheinfurth, llllmann,

Loos, Olt.

Der Anttag Dornseiff-Jalob wird hieraus einstimmig an­genommen.

Vor Eintritt in die zweite Lesung dieses Antrags wurde der letzte Punkt der TagesordnungVerlegung des Bußtages" zur Beratung gestellt. Der Antrag lautet:

Synode bittet Großherzogliches Oberkonsistorinm, es in die Wege zu leiten, daß unser Buß- und Bettag auf den^ Termin des norddeutschen Buß- und Bettages verlegt mrrb._ Die gegen­wärtige machtvolle deutsche Einigkeit und die gemeinsame Kriegs-, not verlangen auch auf kirchlichem Gebiet größere Einigkeit, wobei diese Verlegung ein weiterer Schritt zu einem gemein­samen Deutschen Buß- und Bettag wäre. Da Ostern in Zukunft von Konsirnrationsseiern frei sein soll, würde der alsdann frei gewordene Palmsonntag der gegebene Dermin für die hessischen ' K o n s i r m a t i o n s f e i e r n sein.

Nack kurzen Darlegungen des Berichterstatters Synodal L o o s- Groß-Umstaüt und kurzen zustimmcnden Erkläruugen einiger an­derer Synodalen wird der Antrag einstimmig angeirommen.

Prälat Euler macht noch. Mitteilungen über die E r ge b - nisse der Kriegskollekten in der evangelischen Landes-, ckttche.

Im Jahre '1914 gingen ein: für das Rote Kreuz 59 311 Mk., sür Elsaß-Lothringen und Ostpreußen 51 295 Mk., sür allgemeine Zwecke 449 407-Mk.; im Ial)re 1915: sür den Lazarettzug 175 936 Mark, sür Wäscheareslstatttmg des Zuges 34 959 Mk., für die däationalstiftung sür Hinterbliebene 19170 Mk., sür allgemeine Zwecke 386 682 Mk.

Hieraus folgt die zweite Lesung des Anttages betr. Aushebung des Eromen?wangeS, in der wieder einstimmige Annahme erfolgt.

Oberkonsislorialprälldent Nebel wendet sich kurz gegen den in der Erklärung Belte gegen das Oberkonsistorinm erhobmen Vor­wurf, den er als unbegründet zurückweist, da das Oberkonftsto- rium lüne ruhige, sachliche Debatte über die Vorlage bett. Examen- zwanges auch m dieser Zeit für möglich gehalten habe. Er sprichst der Synode Donk aus sür die einstimmige Annahme, in der er einen Akt der Fürsorge für die hessische Landeskirche in ihrer Gesamtheit sieht. Er bezeichnet'die einstimmige Annahme als eine ritterliche vornehme Tat, im Interesse des Friedens geschehen. Das -Oberkonsistorinm werde alles tun. um das Gesetz so anM- w^enden, wir es dem Wähle der Landekllrche diene.

Nach einigen kurzen geschäftlichen Bemerkimgen wird die Sy­node mit -einem Gebet des Prälaten Euler geschlossen.

Avr Stadt «nd Land.

Gießen, 24. Juni 1916.

Johannisbrot und Karat.

(Zum Johannistage, 24. Juni.)

Johannes der Täufer, dessen Gederrktag die Kirche aus dew 24. Juni, das frühere heidnische Mst der Sommersonnenwende, festgelegt hat, soll sich in der Wüste nicht nur von wilden: .Honig und Heuschrecken, sondern auch von'Johannisbrot genährt haben. Ter Johannisorotbaum, der also den: Vorläufer Christi seinen Namen verdankt, ist ein immergrüner, nicht sehr, hoher, aber

Sommer in Ziandern.

Aus denk Felde tvird uns' geschrieben: Herrliche Sommertage ziehen sich über Flandern hin. Tage, die goldene Schätze ans dem fruchtbaren Boden hervorzaubern. In der Ferne von Vipern -her grollen dumpf die Kanonen. Hier aber, hinter der Front, herrscht anscheinend tieftter Frieden. Und Mal: würde nichts vom Kttege Merken, wäre nicht die ganze Gegend von Feldgrauen durch­setzt Die flandrische Gegend enthüllt jetzt so recht :hren ganzen Zauber ' Der Blick schweift über wogende Getreidefelder nnd lachende Wiesen, über große Kartoffeläcker, welle Hansslächen, über schmücke Dörfer nnd Städte. Die deutsche Organisationskunst nnd Betrieb­samkeit hat wahre Wunder verrichtet, denn überall merkt man rhre Emiren. Wohl war von jeher der flandrische Landbewohner em regsamer Landwirt, aber zur vollen, rationellen Ausnutzung des Bodens hat ihn erst der Deutsche veranlaßt. In einem' Städtchen habe ich einige Stunden Aufenthalt. Schon beim Verlassen des Bahnhofs Merkt man den Gegensatz zwischen dem welschen und deml flandrischen Wesen. Der Bewohner Flanderns besitzt den Ord­nungssinn und den Geschmack des Deutschen. Auf dem Bahnhoss­platz beftndet sich ein großes Blumenrodell nill Rosen und Gera­nien Ein Gärtner ist dabei beschäftigt, Unkraut anszujäten. Die Straßen sind sauber. Vor den Fenstern der Häuser sind Blumen über Blumen angebracht. Ein kleiner, aber hübsch gepflegter Park ladet zu erquickenden Spaziergängen ein. Die Häuser sind zuweilen lleinen Schmuckkästchen vergleichbar. Altertümliche Türme, bis hoch oben hinaus mit Efeu umrankt, geben dem Stadtbilde etwas Male­risches. Die Bewohner, deren Sprache man gut versteht, sind zu­traulich und gesprächig, ohne die Verstocktheit der Franzosen und Wallonen. In einem Keinen Orte habe ich Gelegenhell, mll einem Wirte in ein längeres Gespräch zu kommen. Der Mann ist in fast aller Herren Länder gewesen. Er war Pferdehändler und kennt ganz Europa, lieber den Krieg und seine Ursachen hat er llare Ansichten, und er erzölstt mir ganz offen, daß England die Haupt­schuld habe, daß Belgien sich selbst durch seine Weigerung geg'en Deutschland zugrunde geriästet habe. Aber das deutsche Wesen ist ihm doch fremd. Auf meine Frage, ob denn die Flandern sich unter deutscher Herrschaft nicht wohler fühlen müßten als unter der belgischen, meint er, tafr man dann wohl seine Freihieiten ein­büßen Müßte. Die straffe Disziplin, die den Deutschen nun einmal im Blute steckt, ist diesen Leuten zuwider: sie erttagen lieber die rassenerdrückende kFremdherrschaft, well ihnen das bequemer ist. Was wird die Zukunft diesem^ Volke bringen? Derweilen geht der dritte Kriegssommer über die Laiche und zeigt llar und deutlich, daß. man den Deutschen nicht ungestraft veranlaßt, das Schtvett nus der Scheche zu ziehen. Hier, hinter der Froill, haben nur das Schrvert mit dem Pflug vertauscht. Die Cinwohnor sehen staunend zu, wie wir das Land bestellen, wie wir weite Mächen urbar machen und sie mit neuem Leben erfüllen. Von fern her brüllen die Kanonen. Die Engländer versuchen dortz unsere Mauer zu durchbreche::, eine vergebliche Arbeit, die uns nicht im geringsten an unserer fried­lichen Landarbeit hindert. Der Wanderer aber, der durch diesen reich gesegneten Landstrich pilgert, fragt:Wie lange noch tvird es dauern, bis das alles ein Ende hat? Wani: endlich werden die Völker auf gegnerischer Seite eiusehen, daß das Deutschtunt un­besiegbar ist? Wann wird die So::ue des Friedens wieder scheinen? . .

Budereisen nach der Türkei. Die Bundesbrüder­schaft mll der Türkei rückt uns auch die reichen Naturschätze dieses Landes rräher: die Pflege der türkischen Sprache hat bei uns einen außerordentlichen Aufschwung genommen, und wenn erst die wirt­schaftlichen Beziehungen eng genug geknittft sind, dann wird man vielleicht auch daran denken, zu dem gastfreundlichen Türkenvolke Badereisen zu unternchmen. Daß sich in der Türkcü Heilquellen allerersten Ranges vorfinden, daraus macht Dr. A. Fried­mann in einem Aufsatz der Naturwissenschastllchen Wochenschrift aufmerksam, in dem er die berühmten Thermalbäder Palästinas aus Grund seiner eingehenden chemischen und physi­kalischen Unt-ersuchungen dieser Quellen behandelt. Die Hellquellen Palästinas, die sich sell uralter Zeit eines hohen Rufes erfreuen, liegen größtenteils in dem vulkanischen Jordan-Gebiet, und das JntereM an ihnen wird noch durch ihre ungewöhuliche Lage etwa 200 Meter unter dem Meeresspiegel und durch die Höhe der Temperatur gesteigett. Plinrus weiß^ bereits von dem Salzgehalt der Quellen von Tiber:as zn erzählen, und die arabischen Schriftsteller staunen über diese Natt:rwunder, die im Wftller so heiß bleiben wie im Sommjer. _ So berichtet der Araber Edrisis, die Quellen von Tiberias seien sv heiß, daß^man Eier darin kochen könne, und bietet damit die erste genauere Tem­pera tu rangabe Auch im spätere:: Mittelalter dringen immer wieder staunende Berichte über diese Thermen ins Abendland; genauer beschäftigt hat sich mit den Quellen von Tiberias der Arzt Ludwig August jFrankel, der diese Bäder mit denen von Erapina in Kroatien vergleicht und von dem Erfolg überrascht ist. den Gichtkranke und Rheumatiker beim Gebrauch dieser Waffer haben. Spcttlicher sind die Nachrichten über die Bäder von Gadarra und El HaMMi, die neben jenen von Tiberias die loichtigsten Heilquellen in Palästina sind. Das Lob dieser Quellen roar in der Antike noch größer als das von Tiberias, und ihre wundervolle Lage wird noch heute jedem Besucher dieser wildromanttschen Gegend unvergeUich sein. Selbst die Verwüstung und Verlassenheit, die sich hier im Jarmuk- tal ganz besonders breit machen, haben diesen herrlichen Flecken Erde seiner Schönheit nicht berauben köirnen. Die trauernden Ueberreste eines großangelegten Theaters, sowie einige geknickte Säulen zerstörter Hallen lassen erkennen, daß Gadarra zn den ersten Badeplätzen zählte." Eine einwandfreie wissmschaftliche Un- tersuchung dieser berühmten Thermen, die für die wirtschaftlich« Erschließung des Landes von hoher Bedeillung sein könnten, :oar vor den Atteiten Fried-Manns noch nicht durchgeführt. Zu den Quellen von Tiberias, Mt; aM westlichen ttfer des Tiberias-Sees, eine halbe Stiurde von der berühtmtten zu Ehren des Diberius ge­gründeten Stadt liegen, sttömeu noch heute von allen Teilen Palä­stinas Badegäste zusammen, um hier ihre Geftindhell wieder zu er­langen. Man hat die Quellen des öfteren mit denen von Wies­baden nnd Aachen verglichen: sie werden vorzugstveise gegen schmerzhafte Geschwillste, RheuMatis:nus urrd Gicht geraucht. Ueber die Temperatrrr und die Zusannnensetzung des Waffersj sind früher nur rmgenaue Angaben gemacht worden. Es' ergab sich, daß die Temperatur des noch heute im Gebrauch stehende::Altenbades" 58,7 Grad Celsius, die desNeuen Bades" 61,5 Grad Celsius und eurer unbenutzten offerren Quelle 61,9 Grad Celsius bettägt. In seiner Zusammensetzung entspricht das Thermalivasser einer Lösung, die irrt Liter 32,298 Gramm Salz enthält, unter welchem' Chlor und Natrium neben Sulfat und Hydrocarbonationen vor­

herrschen. Besonders bederrtsam ist der hohe Salzgehalt urrd die Radioaktivität der Quellen. Die Thermen von El Hammi, die den zur Zell der Römer viel besuchten Quellen von Gadarra entsprechen, entspringen am- rechten User des Jarmukflusses und sind von Haifa aus in 31/2 Stunden mit der Eisenbahn zu erreichen. Besonders die Eingeborenen kommen ans allen Teilen des Landes^ zur Kur nach El Hammi, :md vor allem sucht die des Kindersegens entbehreride Frau hier Hilfe. Die Temperatur des Wassers ist in verschiedenen Quellen verschieden, von 48,75 bis 25 Grad Celsius. Auch hier ist der Salzgehalt ein sehr hoher. Jedenfalls rechtfertigen diese türkischen Bäder ihren hohen Ruf, den sie seit uralter Zeit besitzen, vollauf bei den wissenschaftlichen Analysen, die vom Stand­punkt des Chemikers und Balneologen an ge stellt wurden.

Englische Sommerzeit-Komödie. Auch die Sommerfell hat in Großbritanien mancherlei Mißstände aufzu- weften, die von neuem einersttts, den nich: gerade sehr patt^otischen Egoismus de:- englischen Bürger, andererseits die Schwächlichkeit der Behörden dartun. Wie in den andern Ländern, in denen die Sommerzell nach deutschem Beispiel -Eingang fand, wurde die Ver­schiebung um eine Stunde auch in England zn dem Zwecke veran­laßt, hierdurch die Ausgaben sür Elektrizität und Gas zu ver­mindern. Tatsächlick)i wird auch, in England jetzt erheblich weniger Elekttizität verbrauck:t, wer aber darum glaubt, daß aus diese Weise an den Beleuchtungskosten gespart würde, kennt den Krämergeist in Großbritannien schlecht. Wie die Londoner Zeitungen berichten, erllärer: die Elekttizitätsgesellschaften, daß sie durch, die Vermin­derung des Sttomverbrauches geschädigt wetten nnd darum den Preis sür Elektrizität vorlcllrsig um 10% erhöhen. Tie englische Regierung aber ist den Elektrizitätsgesellschasten^gegenüber macht­los genug, um nicht verhindern zu können, daß aus diese Weise die Sominerzeit in England eine vegelvechte .Komödie zu werden beginnt: denn was aus der einen Seite gespart wird, tvird aus der andern durch egoistische Preiserhöhung reichlichst wieder ver­ausgabt.

Haslach (Baden), 23. Juni. (WTB.) Stadtpfarrer Dr. Hansjakob, Ehvenbürger der Stadt Haslach, ist l-eute früh 4 Uhr im Vllter von 79 Jahren nach längerem Leiden gestorben. Heinrich Hansjakob, am 19. August 1837 in Haslach a. d. Kinzig als Sohn des Stadtwirtes, eines Bäckers geboren, studierte Theo­logie und Philosophie und tvurde 1863 in Freiburg zun: Priester geweiht. Er tvar zunächst lln Schulfach tättg, trat aber tvalftend des Kulttrrkaurpses aus dem Staatsdienste auS und kam 1869 als Pfarrer nach Haynau am Bodensce. Bon 1872 bis 1881 gehörte er dem badischen Landtage an. 1884 kam er als Stadtpfarrer nach Fveiburg. Als Dollsschriftsteller war Heinrich Hansjakob well außerhalb seines Heinratlandes bekannt. Unter der großen Zahl seiner polllischcn, religiösen, hrstorftchen und belletristischen Schrrftei: sll:d am gelesensten seine Erzählungssammlungen: Wilde Kirscksen 1888, Schneeballen 1892, Bauernbl:ll 1896, Waldleute 1897 und Erzbauern 1898.

Frankfurt a. M., 23. Iimi. Das Opernhaus nahm die neue am Bwskcrner Stadttheater zur Urauffülxrung gelangte OperTie Insel Aebel ö" von I. G. dRraczek, Text von Frau Professor Aurelic Niki sch, zur Ausführung an.