Ausgabe 
21.6.1916 Zweites Blatt
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Im Anschluß an bicfe MiAführimgeu nahm Präsident Frhr. d. Lüdinghausen das Wort, der in längerer, lichtvoller Dar­stellung die näheren Verhältnisse Ostpreußens schilderte und ein fesselndes Bild von Land und Leuten in den Ostmiarken gab. Die unmittelbare Kriegsschäden in Ostpreußen hätten den Betrag von 11/4 Milliarden Mark erreicht: es tvurden 2000 Zivilpersonen ge­tötet, noch nrehr verschleppt und 30000 Gebäude gänzlich zerstört, wodurch oft: Gebärldeschaden von 250 Millionen angerichtet wurde. Weiter wurde der Hausrat von 100 000 Wohnungen ä 500 Mk. völlig zerstört und (chensoviel Wohirungshausrat beschädigt. Ferner wurde die Ernte im Wert von 100 Millionen Mark zerstört und Biehschtädcn von 300 Millionen angerichtet. Die vier für die Paten­schaft ausersehenen Kivchspiel-e im Kreis O letz ko unssassen mstzesamt 36 Ortschaften mit 10 711 Einwohnern, 3 8 zer­störten Gehöften und 1011 zerstörten Ge bänden.

, Der Vortragende führte lveiter aus, der Deutsche fühle sich schließlich doch immer auch als Angehöriger eines bestimmten Lau­das oder eines Kreiseis und deshalb werde auch jrder lieber für einen ganz bestnwntten Zweck beisteuern, als etwas in einen großen Topf opfern. Der RkÄrcr führte verschiedene Beispiele an, wie schnell in vielen Orten Hilfsveraine in Lebeir traten: die Erune- waldgemieinde mit 6000 Einwohnern sammelte allein 600 000 Mk.

einer Uebersicht über die bereits in altera Teilen Deutschlands eingcleiteten Sammlungen betonte der Redner, daß diese Hilfs­aktion auch besonders zur Anknüpfung wertvoller industrieller Be­ziehungen mit Ostpreußen führen und überhaupt der engere Zu- sanckncnschluß dem deutschen Volke zun: Segen sein werde. (Beifall.)

Minister v. Hvmbergk sprach den: Redner ftir seine vor­trefflich klaren und überzeugenden Darlegungen den herzlichsten Dank der Versammlung aus und stellte dann die Frage zur Er­örterung, in welcher Form die Hilfsorganisation gewünscht lverdc. Die Bersammlung entschied sich für die Form der freien Ber­einigung viid genehmigte damr den vom Bvrfitzettdeit in Vorschlag gebrachen Satzungsentwurf. Vorsitzender des Vorstandes ist Mi­nister v. Hvmbergk. Er bestimmt einen Stellvertreter und ein geschäftsführendes Mitglied, sowie euren Schatzmeister. Außerdem wurden aus jeder Provinz drei Beisitzer in den Borsrand gewählt mnd zwar aus Oberhessen: Geh. Kommerzienrat Heichel-^ Keim, Vorsitzender der HarcdeMamMcr Gießen, Landtagsabg. J-ustizrat Reh-MsfÄd, Geh. Rat Proviuzialdirektor Dr. U sin­ge r: aus PheinHessen: Geh. Rat Provinzialdirektvr Best- Mainz, Gewerberat Falk-Mainz, Vorsitzender der Hess. Hand- werMamiuer, (£&. Frhr. Heyl zu Herrnsheim-Worms, Mitglied des Reichstags und der Ersten Kammer; aus Starken­burg: Oberbürgermeister Tr. Du llv - Offenbach, Geh. Rat Pvv- vinzialdirektor Fe V - Darmstadt und Oekvnomierot Walter- Lengfeld, Präsident der Hess. Landwirtschaftskammer. Um die Bewegung für die gute Sache in nwglichst ftvriic Kreise zu tragen, wurde ai'ch die BiLung eines größeren Ehrenausschusses angeregt. Im Monat August wird voraussichtlich ein allgemeirrer Sammel­tag für die hessische O sthreußenhilfe anberauntt weck«t. h.

Bericht öber die Lage des Arbeitsmarites im Mai lytb.

Frankfurt a. M>., im Jüni 1916.

Wie im Varmmcat herrschte in fast allen Berufstzweigen rege Nachfrage nach tüchtigen Facharbeitern jedoch fehlte es nrerst an entspreck^endem Angebot. In der Landwirtschaft hob sich die Vermittlung in erfteulicher Weise, eine weitere Steigerung ist zu erwarten. Fm Metallge we rb e machte sich schon im Vor­monat ein Ueberangebot von offenen Stellen bemerkbar und im Be- richtsmonat ging die Zahl der Arbeitsucheichen immer noch mehr zurück. Alle Metallarbeiter wurden untergebracht. Großer Mangel herrschte an Dvehern und Werkzeugmachern. Auch einige Kriegs­gefangene konnten in der Metallindustrie untergebracht werden. Schmiede waren garnicht zu erreichen. Es' bestand auch ziemlich starke Nachfrage nach Lehrstellen irrt Metallgewerbe. Hanau mel­dete, daß die Lage der Metallindustrie den Vormonaten gleich war.

Im Holzgewerbe hatte sich der im Vormonat berichtete erfteuliche Beschäftigungsgrad noch wesentlich gehoben. NegeNach-

ftage herrschte vor allem nach Schreinern, meistens auf erstklassige Möbel. Auch Darmstadt meldete starke Nachftage nach tüchtigen Maschinenarbeitern. Hier konnte enr Teil der Arbeitsuchenden in dauernde Stellen untergebracht werden, jedoch war auch hier der Bedarf uwgen Mangel an geeigneten Leuten nicht zu decken. Auf KundfchaftS- und Reparaturarbeiten wurden alle Bewerber unter­gebracht.

Jür Sattler -undTapeziererge werbe war die Lage günstig. .Hier konnten alte Arbeitsuchenden untergebracht werden, teilweise sogar dauernde Beschäftigung finden. Verlangt wurdet! vorwiegend Tapezierer für Kundschaftsarbeiteu und ",0tatratzeu. Für Polsterer auf bessere Möbel war weniger Nack;ftage vorhanden.

Tie Lage des Arbeitsmarktes im Baugewerbe war lür Maurer und Zimmerleute ziemlich günstig. Sehr viele Leute wur­den für staatlulie und städtische Bauten hierher und. nach auswärts verlangt. Alle Aufträge wurden erledigt. Darmstadt berichtete, da',', das Baugewerbe völlig still liege. Auswärtige Firmen verlangten viel nach Tief- nnd Hochbauarbeitern, nach geübten Erdarbeitern und Bahnarbeitern. 2llle Arbeitsuchenden konnten, sofern sie ge­nullt waren nach auswärts zu gehen, in Arbeit gebracht lverden.

Bei den latent inib Weißbindern lxttte sich die Ar­beitsgelegenheit durch das bevorstehende Pfingstfest etwas gehoben. Sämtliche Bewerber konnten, allerdings meistens nur zur Aus­hilfe, untergebracht werden.

Nach Steinmetzen und Dachdeckern war ständige Nachftage und konnten auch alle Arbeitsuchenden Beschäftigung finden.

Die Industrie der Nahrungsmittel war gitt be­schäftigt. In den Bäckereien tvurden wenige Gehilfen verlangt. Bei den Metzgern war z.var viel zu tun, doch kamen die meisten, vielfach mit angelernten Hilfskräften aus. Durch das Schließen der Lädert Ins auf einige Stunden des Tages wird viel Personal gespart.

Im Bekleidungsgewerbe l^rrschte großer Mangel an Schneidern und Schustern. Einigermaßen günstig gestaltete sich der Markt für Uniformschneiderei und Damenkonfektion.

Wie in den Vormonaten mußten sich die Buchdruckereien mit beurlaubten Soldaten usw. behelfen.

Weniger günstig gestaltete sich die Lage im Gastwirts­gewerbe. Von Saalgeschäften und mittleren Hotels liefen fast gar keine Bermittlun-gsaufträge ein. Die Saisongeschäste arbeiteten nt eistens mit sehr verringertem und' teilweise lveiblichem Personal Gegen Ende des Monats machte sich ein starker Mangel an Hilfs personal bemerkbar. In Wiesbaden war die Lage für Kellner ziem­lich .günstig. Die Nachftage nach Köchen war infolge der pw-t* wendigen Einsclftänkungen gering. In Bad Wichtungen toar der Kurbetrieb in vollem Gange und konnten alle erforderlichen Kräfte vermittelt werden.

Für Jugendliche hat sich die Arbeitsgelegenheit wesend lich gehoben.

Fabrik«rbeäker und andere ungelernte Ar-beiter konnten leicht untergebracht werden. In Darmstadt wtar von vielen Geschäftshäusern Nachfrage nach Hcrusbdrrschen und Hilfs­arbeitern aller Art.

Für Taglöhner war der Arbeiksmarkt gegenüber dem Vornronat günstig.

Aus dem weiblichen Arbeitsmarkt War die Lage für Dienstboten günstig. Großer Mangel herrschte immer noch an Mädchen mtt guten Zeugnissen. Für Wasch- und Putzfrauen toar qerrügend Beschäftigung uorhandeu Fift gewerbliche Arbeiterinnen hat sich die Lage gegenüber dem Vormonat auch etwas gehoben, namentlich war für Näherinnen infolge der kmnmenden Psingst- feierkage viel Beschäftigung vorhanden.

wrchttchs Nachrichten-

Natholijche Gememde.

Mittwoch, den 21. I trn i.

Nachm. 5 Uhr und abds. 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Donnerstag, den 2 2. Juni. FrohvleichnamS-Feft. Vorm. 6*/, Uhr: Gelegenheit zur heiligen Beichte. 7 Uhr: Hl. Messe. 8 Uhr: Austeilung der. hl. Kommunion. 9 Uhr: Hochamt,

darauf Prozession in her Kirche. 1l Uhr: Hl. Messe mit Predig;. MiUtärgotlesdiensl. Nachm. 2 Uhr: Festandacht mit Segen.

Verttriichees.

# Berlin, 20. Juni. DasBerliner Tageblatt" meldet aus Zürich: Das wochenlange Regcnwettcr gefährdet in der Schweiz die Ernte an. H e u und anderen Futtermitteln schwer. Wenrt picht bald ein Witterungswechsel eintrilt, tvird eine Milch- und Biehnol befürchtet.

* Berlin, 20. Juni. DerBerliner Lokalanzetger* meldet atts B tt k a r e si: Im nördlichen Teil der Moldau herrschen große G e w 111 e v. Okegen und Hagel haben schweren Schaden verttrsacht. In Jassy sind .50 Menschen umgekommen. Besonders schwer betroffen wurde der Bezirk von Botoschani, wo infolge des Hochwassers tnehrere Personen ertruitken sind. Der Bahnverkehr wttrde eingestellt.

Grngessndt.

(Ftzr Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehetrden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Zur Vernichtung der Raupen.

Bei kleiner: Wanderinnen in benachbarte Gemarkungen habe ich gefunden, daß man an der: .Hecken vielfach Raupennester hängen sieht. Dabei kam mir der Gedanke: Sollten sich nicht in den einzel­nen Gemeinden Männer findet:, die falls die Flurschützen sich nicht damit befassen könnet: oder wollen Zeit und Lust und - Gemeinsinn genug haben, um mit einigen zuverlässigen Jungen die haben güte Ajuüen und flinke Hände und sind gewiß gern bei der Sache bei Spaziergängen den lästigen Schädlingen zu Leibe zu gehen? Ein an einer Stange befestigter, mit Brennspiritus geträrttter alter Schwamm, Wattebausch oder Lappen im Not­fall tuts auch ein Papierfetzen1 würde sicher alsBrandfackel" gute Dienste tun. Wenn auch nicht jedes Raupennest erttdeckt uni) zerstört würde, so wäre aber doch einiges getan in einer Zeit, da die sich drängende Feldarbeit den Bauersmann iede Minute in Anspruch nimint. Biator.

Meteorotogische Beobachtungen der Station Gretzen.

Juni

1916

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Sonnenschein

Höchste Temperatur am 19. bis 20. Juni ISIS, -f* 15,0* C. Niedrigste * . 19. . 20. ms: + 7,4'0.

Niederschlag 0,6 mm.

Am Mcher Teil.

Beranntmachung.

Wegetr Vornahme von Walzarbeiten, wird die Kreisstraße Allerts^rusen»-Lot:dorf und die Ortsdurchfahrt Allertshausen vom 21. Juni bis' 6. Juli l. Js. fift den Fuhrwerks- und Autornobü- varkehr gesperrt.

Die llmLeitumg' deS BervchrS echvkyt Wer Mradach.

Gießen, den 10.Inn: 1916.

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