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Zwettes Blatt
166 . Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die ..Sietzener Zamilienblätter" werden dem
»Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das
..Breisblatt für den Ureis Gießen- zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zettfratzen" erscheinen monatlich zweimal.
©ieptter Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhesjen
Mittwoch, 2 \. 3«»', Mb
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchea Universitäts -> Bttch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
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Äenaufstand und Aadinettskrisiz in London
Nach einet Meldung aus London haben „die Berhand- lnngjLn i'tbcr eine provisorische Beilegung der irischen Schwierigkeiten" (also lautet die sehr euphemistische Wendung) ^u einer Schaltung in: Kabinett geführt; ein Teil fei entschieden gegen Lloyd Georges Vorschläge; es sei tnöglich, daß einige Minister ab danken werden. So schreib t die „Times", welche die Krisis gewiß eher zu vertuschen geneigt ist, so daß nran also mit tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten im Ministerium, mit der Möglichkeit einer sehr ernsten Kabinettskrisis rechnen muß.
Die „irischen Schwierigkeiten", von denen in der Meldung die Rede ist und die in dem Wieder an fflamm e u des Aufstandes ans der grünen Insel ihren sinnfälligen Ausdruck finden, bestehen bekanntlich! in der Hornerul-e-Frage, ldie ebenso wie das ganze Land auch das Kabinett in z-wei Parteien spaltet. Jahrzehntelang hatten die Iren für Homerule, d. h. für die Autonomie Irlands gekämpft, und obwohl die Liberalen ihre Forderung unterstützten, so daß sich eine Mehr heit, für Homerule im Unterhansel ergab, scheiterte dies Verlangen der Iren immer wieder an dem Einspruch des Oberhauses, in dein die Konservativen und Unionisten über die Mehrheit verfügen. Da gelang es den Liberalen, welche auf die Unterstützung der Iren angewiesen waren, endlich, jenes Gesetz durchzudrücken, wonach dem Veto des Oberhauses nur noch arrfschiebende, nicht auf- lwbendc Wirkung zukommt. Zweimal war Homerule bereits vom Unterhause in je drei Lesungen angenommen worden, und wenn dies das drittemal geschehen wäre, war cs Gesetz.
Unterdessen drohte freilich, da Carson, der Führer der „Ulsterrebellen", die für die Provinz Ulster die Befreiung von Homerule verlangten, bereits den bewaffneten Widerstand organisierte, der Ausbruche des Bürgerkrieges. Um diesen zu verhüten, war in London im Juli 1914 die vom König berufene Konferenz zusammengetreten, welcher der Bermittbmrgsvorschlag unterbreitet wurde, sechs Grafschaften der Provinz Ulster, die überwiegend englisch-protestantische Bevölkerung austveisen, von der irischen Selbstverwaltung auszunehmen. Der Vermittlungsversuch scheiterte, und der Bürgerkrieg in Irland schien unverineidlich zu sein. Da brach, just zur rechten Zeit für das liberale Kabinett der Weltkrieg aus, und wir haben ichon früher darauf hingewiesen ^ Idaß die naholeonifche Taktik, den inneren Krieg durch den äußeren zu bekämpfen, zweifellos der den Erwägungen bet AZguith, Grey und Genossen auch eine Rolle gechieft hat.
Die in bet „Times"-Meldung erwähnten Vorschläge Lloyd Georges entsprechen genau dem auf der Londoner Königskonferenz gemachten Vermittlungsversuch, wonach also sechs Grafschaften der Provinz Mster von Homerule ausgenommen werden sollen. Es scheint aber, daß man mit dem Vermittlungsversuch diesmal ebensowenig Glück hat wie damals. Dreierrigen Minister, welche Lloyd Georges Vorschläge verwerfen, sind natürlich die konservativen, nämlich Lord Curzon, Austin Chamberlain, Walter Lony, Lord Lands- downe, Bonar Law und Balsour, doch sollen die drei letzteren allenfalls einer Verständigung geneigt sein. Die Mehrzahl der Konservativen aber, vor allem der Führer der Ulster- leute, Carson, besteht auf der Befreiung der ganzen Provinz Ulster von Homerule, während die Iren andererseits keinerlei Ausschluß, also auch nicht den von sechs Graffchaften zugestehen wollen. Zu dem Teil des Kabinetts, der gegen den Vermrttlungsvorschlag ist, muß mithin auch der irische Minister Redmond gerechnet werden, dem seine Landsleute ohnehin wegen allzugroßer Nachgiebigkeit gegen das herr- schende Regime grollen und der allgemach ein Offizier ohne Soldaten geworden ist. Die Iren fürchten, daß das Ulster- Experiment die Einleitung zu einer Teilung Irlands bedeuten soll, und daher wehren sie sich nach Kräften, während sie andererseits in Sorge sind, daß ihnen Homerule für immer verloren geht, als „Frucht dieses Weltkrieges".
Aus dieser Sachlage erklärt es sich, daß der A u f st a n d in Irland, der durch die Schreckensherrschaft des englischen
Diktators Maxwell angeblich schon unterdrückt war, wieder zu hellen Flammen entfacht ist. Denn wenn trotz der strengen Zensur so alarmierende Meldungen, wie die über die neuen Straßenkämpfe in Dublin, die Erstürmung eines Gefäng- uftses, Anschläge gegen Eisenbahnen, Schließung der irischen Hafen und dergleichen zu uns dringen, wie muß es dann in Wahrheit mit der Lage in Irland bestellt sein! Die Bundesgenossen Albions wundern sich immer, wo die britischen Millionenheere bleiben, aber sic vergessen ganz, daß Al- bion mehr Interesse als an dem französischen und dem Bal- kankrieg an seinen eigenen Kriegsschauplätzen, au dem ägyptischen, dem indischen unb nicht zuletzt au dem irischen Kriegsschauplatz hat. Wie für die Iren, so gilt zum Schluß auch für die Engläiider, was der unglückliche Sir Robert Casement in dem Aufruf an seine Landsleute gesagt hat: „Wenn jetzt zu kämpfen unsere Pflicht ist, laßt uns auf jenem Grund und Boden fechten, wo so viele Geschlechter getöteter Iren in Ehre und Ruhm gebettet liegen."
London, 20. Juni. (WTB.) Die „Times" schreiben: Die Verhandlungen über die provisorische Beilegung der irischen Schwierigkeiten, die günstige Fortschritte gemacht hatten, führten zur Spaltung des Kabinetts. Ein Teil des Kabinetts ist entschieden gegen Lloyd Georges Vorschläge. Es ist möglich, daß einige Minister a b - danke n.
Uriegzbriese aus dem Osten.
Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Der glänzende Sturmlauf unserer Truppen in Wolhynien.
Vor dem Orte Kisielin, 19. Juni.
In zweitägigen harten Kämpfen wurde die russische Hauptlinie südlich Woronczyn durchbrochen. Trotz des hartnäckigen Widerstandes der russischen eisernen Schützen-Division wurde heute mittag von deutschen Regimentern Vorwerk Leonowka und die Hohe 229 gestürmt, bas Dorf Kisielin genommen und die Russen nach dieser Durchbrechung ihrer in den Linien stark ausgebauten Stellung in rückläufige Bewegung gebracht. Ein kurzer Gegenstoß konnte den glänzenden Sturmlauf unserer Truppen nicht anfhalten. Vorläufig wurden an dieser Stelle allein 600 Gefangene, 6 Offiziere gezählt. Die Operation geht weiter.
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
preußisches Herrenhaus.
Berlin, 20. Juni. Auf der Tagesordnung steht der Gesetzentwurf über die Erhöhung der- Z-uschlage zur Einkommensteuer und zur Ergänzungssteuer. Auf Vorschlag des Geheimen Rats Becker werden die Beschlüsse des Finanzausschusses: Be w i l - ligung der S teü erzu schl äge für die Kriegsdauer o hme Ans s prache angenommen.
In einmaliger Schlußberatung wird die Verordnung über die Sicherstellung von Staatsdarlehen, die zum Wiederaufbau im .Kriege zerstörter Gebäude gewährt sind, ohne Aussprache erledigt. Die Denkschrift über die Beseitigung der Kriegs schaden in den vom Einsall der Feinde berührten Landesteilen wird nach kurzer Aussprache ebenfalls erledigt. Der Minister des Innern sprach allen, die Mi deni Liebeswerk für Ostpreußen teilgenommen haben, seinen Dunk aus und versicherte, daß die Regierung alles tun werde, um der schwer Heini gesuchten Bevölkerung zu helfen.
Der Präsident teilt am Schlüsse der Sitzung mit, daß, ivenn twch eine neue Sitzung nötig sein sollte, diese am 27. Juni stattfinden-sollte.
hessische Kstpreutzeichilfe.
Aul Einladung des Mnisters des Innern, v. Homberg k, fand gestern nrtttag im Sitzungssaal der Gvoßh. Landes baugewerk- schule in der Neckarstraße eine ans allen Teilen des Landes gut besuchte Versammlung statt, die den Zweck hatte, auch das Großherzogtum .Hessen an der allgemeinen deutschen Hilfsaktion für Ostpreußen zu beteiligen und die Kriegspatenschaft für mehrere, durch -den Krieg besonders stark mitgenommene Ortschaften des lsart an der russischen Grenze gelegenen Kreises O letz ko zu übernehmen. Tie Versammlung, der außer dem Einberuser auck» die
Herren Finanzminister Tr. Becker, Erz. Dr. Braun, Divi- ftonsgencral Exz. Noell, Exz. Geh. Rat Römheld, Dnrchl. Fürst zu L a u f i u g e n, Generalftaatsumvalt Tr. Praetorius, Obertonsistorialpräsident D. Nebel, die Provinzialdirektoren Geheime Räte F e y und Tr. Usinge r, Landtagsabgeordnete Köhler und Tr. Osann, zahlreiche Kreisräte, Städtebürgermeister ii. a. beiwohnten, wurde durch eine längere Darlegung des Ministers v. H o in b c r g k erngeleitet. Es sei eine besondere Ehre und Freude, als Vertreter des Reichsverbandes deutscher Kriegs- h i l f s v e r e i n e für O stpreu ßen den Polizeipräsidenten von Berlin-Schöneberg, Frhrn. v. Lü di ngha u s en, den Vater und unernrüdlicheu Förderer des Patenschastsgedankens begrüßen zu dürfen. Es sei beabsichtigt, daß die Patenvereine mit icher Tätigkeit in der Hauptsache erst dann beginnen, wenn der Umfang der staatlichen Hilfe vollständig feststeht. Ter eigentlich Wiederaufbau Ostpreußens wird Sache des Reiches und Preußens sein, die das Notwendige in vollstem Maße leisten iverden. Es sind aber lstn- sickckl^ch sdes Nützlichen dem staatlichen Eintreten Grenzen gesetzt, die nicht überschritten werden können und dürfen. Und jen-, seits dieser Grenzen harrt ein weites Gebiet der Befruchtung durch die private Hilfstätigkeit. Wir wollen uns nicht darauf beschränken, jetzt einfach den Patentaler aus 'den Tisch z-u legen, sondern wir wollen uns auch mit tvarmem Herzen der Patenkinder annehmen nnd »ihnen mit Rat nnd Tat zur Seite stehen. Als solch werden uns vier Kirchspiele aus den: Kreise O l e tz k o vorgeftellt, die die unmittelbare Grenze gegen Rußland bilden und darum ganz besonders unter der bestialischen Zerstörungswut der Russen zu leiden hatten. i
Ter Minister gab nun eine nähere Beschreibung dieser Orte, die vom dritten Mvbilmachungstage an von beit Russen bescht und geplündert wurden, bis der Kreis nach der Winterschlacht iin Februar 1915 wieder frei würde. Von den angerichteten Zerstörungen gewährten die in Umlauf gesetzten photographischen Aufnahmen ein anschauliches Bild. Inwieweit bei der Säuberung des Kreises anch hessische Regimenter mitgewirkt haben, läßt sich noch nicht genau feststclleu: es ivar aber dein Vernehmen nach auch hessischer Landsturm dabei beteiligt, welcher, als er nach Suwalki vorgezogen wurde, in Marggrabowa (der russischen Bezeichnung für Oletzko'» einguartiert war. Temnach bestehen auch bereits Kr i e g s b e z i ehu n g e n zwischen Hessen und dem Kreise Oletzko. Für den übrigen Teil des Kreises haben die Städte nnd Kreise des Bergischen Landes, Barmen, Elberfeld, Remscheid, Solingen nsw. die Patenschaft übernommen.
Tie Erfüllung unserer Patenpflichten könnte etwa in folgenden Ausgaben bestehen:
1. Errichtung von Rentengütern für Kriegsbeschädigte und Landarbeiter. _
2. Verbesserung der Wasserversorgung nnd sonstige hygieitische Maßnahmen.
3. Beihilfen für dringende kommunale Aufgaben der von jeher leistungsschwachen, durch den Krieg noch mehr geschwächten Landgemeinden.
4. Förderung der Bestrebungen, die unter dem Begriff „ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege" fallen.
5. Beihilfen oder zinsliche Darlehen an Einzelbesitzer zum
Wiederausban und zur Verbesserung oder Erweiterung ihrer Wohn- uNd Wirtschaftsgebäude, soweit die staatlichen Entschädigungen hierzu nicht ausreichen. j
Zu diesen Zwecken würde «etwa ein Betrag von 150 0 00 Mark erforderlich sein. Wenn es, wie.der Herr Minister zuversichtlich hofft, gelingen sollte, durch die Veranstaltungen und Samw- luirgen einen erheblich höheren Betrag zusammenzUbringen, dann würde er Vorschlägen, den lieberschnß den: kürzlich gegründeten „Reichs verband O stpreuß enhilse" zuzuwenden im Anschluß an die diesem Zweck gewidmete Spende des Kaisers von 100 000 Mark. In keinem Fall dürfen wir unsere Mittel zersplittern; vielmehr müssen wir uns willig einfügen in die großzügige. ganz Deutschland umfassende Organisation der Ostpreußen- Hilfe. . . . '
Die hessischen Provinzen, einzelne Kreise nnd die Stadt Mainz haben bereits in dankenswerter Weise Zuwendungen im Betrage vcnt über 80 000 Mark in Aussicht gestellt, und wir dürfen wohl erhoffen, bei entsprechender Beteiligung der noch ausstehenden Städte nnd Kommunalverbände den aus diesen Quellen ffießenden Betrag auf über 100 000 Mark anwachsen zu sehtzn. Aber auch' der Betätigung des privaten Opfersinns soll ireien Spielraum gelasseu und auch die kleinste Spende hochwillkommen sein. Es ist dem deutschen Volke rät Herzensbedürfnis, den Brüdern in der Ostmark helfend zur Seite zu treten und wir Hessen wollen nicht zurückstehen, wenn alle deutschen Gaue wetteifern, neues Leben aus den Ruinen Ostpreußens erblühen zu lassen. Und darum, chloß der Minister unter dem Beifall der Versammelten mit der herzlichen Bitte an Alle, um tatkräftige Unterstützung bei der Durchführung der jetzt zu beschließenden Maßnahnren.
Knitft, und Leben.
— Die letzte Wchiftpartie dem beiden Moltkes. So unerwartet, wie der Tod den Generalobersten Helmut v. Moltke jetzt von der Arbeit abberufen hat, hat er auch Vor 25 Fahret dem Leben des Generalfeldmarschalls Helinut v. Moltke, seines Oheims, rät Ziel gesetzt. Hierüber hat der jüngere Moltke, damals Major, Auszeichnungett versaßt, die zeigen, ivie der Generatfeld-, marschatt mit seinem Neffen, dessen Gattin Liza nnd seinen schwedischen Gästen, dem Ehepaar Marcher, eine Viertelstunde vorm Eintritt des Todes noch beim Whistspiel saß. „Onkel Helmut spielte mit Herrn Marcher," so heißt es da. „Er saß mit dem Rücken nach dem großen Spiegel, das Gesicht der Korridortür zugewendet. Ich mit Liza spielend, saß zu seiner Rechten, Liza links von ihm. Das Spiel ging hin und her. Wir fingen, da es schon etwas spät geworden war, mit Cayenne an und gewannen und verloren abwechselnd die Robber, indent »vir die Touren der Reihe nach dnrchspielien. Als wir zutn letzteit Robber, der schwarzen Dame, ^gekommen waren, die wie gewöhnlich dreimal gespielt wurde, hielt Onkel Helmut, der räen begonnen hatte, Karten zu geben, plötzlich tune. ^Er legte die Karten vor sich ans den Tisch, lehnte sich in seinen Stuhl zurück und schien Schwierigkeiten beim Atmen zu haben. Liza sing ihn: „Haft du Asthma, Onkel Helmut?", woraus er erwiderte: „Ja, ich habe ein bißchen Aßhma." Ich sagte nun zu thm: „Brfte Onkel Helmut, laß inich für dich geben," und er schob nur die Karten lffn, die ich nun ausgab. Währenddem hätte er sich wieder erholt und nghm seine Karten auf. Wir spielten dann das Spiel nnd Liza nnd ich wurden groß Schlemm; so gewann er den letzten Robber seines Lebens noch in glänzender Weise. Er trommelte. wie er bei solchen Gelegenheiten zu tun pflegte, mit den Fingern aus die Tischplatte, und sagte mit Bezug darauf, daß er die vorhergehenden Spiele verloren Halle, in hräerfter Weise zu Herrn Marcher: „Wat seggt hei un tau sine Süppers!", ein Wort, das er gern ansührte^And das nach seiner Erzählung ein Tragvnerregiment dem großen Kötrig zngernfen ha beit sollte, als es mit einer Menge eroberter Standarten nach der Schlacht bei Roßbach bei ihm vorüberzog. Der König habe sich nämlich vorher aus irgend einer Veranlassung sehr ungnädig über das Regiment geäußert und gesagt, das Regiment tauge nichts, die Kerle seien alle Säufer. . ." Auf Vorschlag Liza v. Moltke wurde das Spiel abgebrochen, der Generalfeldmarschall hätte zwet Pfennige gewonnen, die. jedoch nicht cmSbezahtt wurden. Es wurde
noch ein wenig musiziert, und eine Viertelstunde später war der Generalseldmarschall v. Moltke verschieden: Viajor Helmut
v. Moltke ivar es, der ihm die Angen zudrückte. . .
— D a s e r ste s chu cesch uhge stecht i nt Welt kr iege. Unter den neuen Truppengattungen, die in diesem Kriege hervorragenden^ Anteil an unseren Erfolgen hatten, gebührt anch einer der jüngsten Waffengattungen, näntlich den Schneeschu lj= Truppeu, rühmlicher Anteil. Tie Haup-tleistuitgen unserer Schneeschuhtruppen, über die inan nach der langen Kriegsdanec nnd ihrem häuffgen Eingreifen heute bereits ein durch reiche Uebersicht gewonnenes Urteil fällen kann, bftreffen weniger geschlossene Kampfhandlungen als Ausklärungsdienst, zivischeit Felswänden imd Schluchten, und Flankendeckung der Infanterie. Im Bereiche der Vogesen standen unsere Schrteeschuhtruppen den sehr gut ausgebildeten „Skieurs" der Franzosen gegenüber, -und einmal kam cs sogar — rät höchst seltener Fall — zu einem regelrechten Gefecht in geschloffenem großen Verbände. Dieser erste Schneeschuhkampf im Weltkriege, den der damalige Befehlshaber Oberstleutnant Alfted Steinmetzer im nächsten Heft der bet der Deutschen Verlags- Anstalt in Stuttgart erscheinenden Zeitschrift „Ueber Land und Meer" schildert, fand am 13. Februar 1915 statt. Ter südliche Teil des Geländes, das deit Franzosen abgenontmen werden sollte, war für die Infanterie trotz der Schneelage noch gangbar, „aber weiter gegen den Kamm hinauf lag noch meterhoher Schnee; hier war das Reservat der Schneefchithtruppen. Außer diesen ivaren mir noch die Postierungen eines bayerischen Infanterieregimentes sowie eine halbe leichte Haubitzenbatterie unterstellt... In zweitägiger Arbeit, mit unsäglichen Anstrengungen, waren die Haubitzen in Stellung gebracht worden. . . Mein kleines Tetachentent war sehr originell zusammeitgesetzt: Sck)itecschuhkompagnie, .Haubitzen nnd Radfahrer, natürlich ohne Räder.. . Um 1,15 Uhr nachts war mein Tetackieinetttsbesehl fertig und alles mit den Chefs, die das Gelände ohnehin genait kannten., besprochen." Der Abmarsch erfolgte um 6 Uhr inorgens. Das Wetter war außerordentlich stürmisch. Endlich hatten die Krieger auf Schneeschuhett den Sattel erreicht. „Die nun folgenden Sttmden mit ihren vielgestalteten Eindrücken rechnett zu den eitckwucksvollsten meiues Lebens. . . diach lrärstündiger Fahrt erreichten wir den Gipsel. Von hier übersah man das ganze Gefechtsfeld, konnte am besten den Zeitpmtkt des Eingreifens beurteilen imd das Artilleriefeuer lecken. . . Etwa um 8 Uhr erschienen die ersten Gefechtspatvoucklen der Infanterie ant Fuße der fteüeit Hänge. .Die Artilleriegruppen auf den Höhen
eröffneten das Feiler." In dem folgenden kurzen Zeitratrin witrde berechnet, wann die Brigade zu dem ihr erreichbaren Plateau gelangen würde ttnd somit der Zeitpunkt für den Angriff der Schneeschuhtruppen gegeben wäre. „Um 8,30 Uhr erfolgt der Fernspruch: „Die Kompagnien greifen sofort in den durch den Gefechtsbefehl angeordneten Richtungen an." Tie Masse zieht sich nach vorwärts auseinander, sie gliedert sich in Schützeitlinien, sie schieben sich vor, und ttun gehts in saiffender Fahrt die Hänge hinab... Ab und jzu stürzt ein Schütze und schlägt auf denk stecken Hang einen un- fträoilligen Purzelbaum. Aber rasch ist er wieder auf den Brettern. Es ist drollig anzusehen, wie die Leute mit den langen Brettern über die Zaune klettern: eine peinliche Situattvn im feindlichen Feuer. Aber die Franzosen verlassen eilig ihre Stellungen, nnd mit Vergnügen sehen wir anch- zurückhastend-e Skieurs darunter. Der Sturm vom Morgen erschien jetzt nunmehr als ein interessantes alpines Erlebnis; wir waren trotzdem rechtzeitig zur Stelle, -und alles hatte fainos gellappt... Ter Raum, aip dem das lleine Detachement auseinander gegangen war, war rät tmgewöhnlich großer Das wird aber int Gebirge bei Schneeschuhruppen die Regel sein. Um 7 Uhr abeitds waren die letzten Abteilmtgcn wieder eingerückt; wir alle wie Eismänner, gespickt mit Eisnadeln und überzogen von Ranhreif... Aber es war nur eine Stimme der Begeisterung über unser erstes Gefecht, das „erste Gefecht der Weltgeschichte auf Schneeschuhen..."
— Erve Operetten-Spielzeit in Lille. Aus Lille wird uns geschrieben: Nach der Artfführimg der „Meistersinger" hat zum Schlüsse der Wckckerspietzeit du Operette 'int Teutscheu Theater in Lille eine kicrze Herrschaft angetreten: Ant 16. Jimrt zog das Leipziger städtische Operettentheater ckt Lille ein, das bis zum 27. Iämt Lehars „Graf von Luxentburg", Leo Falls „Der liebe dlugtfftin" und Offenbachs „Tie schöne Helena" gibt. Franz Lehar, der bekannte Opeiatten- komponift, war selbst nach Lille gekommen, um den Fechgrauen sein lustiges Werk vcrsönlich vorsuhreu zu können, mtd jubelnd wurde der erfolgreiche Komponist von dem dicht «vefüllten Hause begrüßt. Im Motmt Juli bleibt das Lckler Theater geschlossen: die erste Spielzeit der deutschen Bühne ist dann vorüber. Schon jetzt aber sind alle Vorbereitungen ffir eine neue Spielzeit getroffen, nnt dem feldgrauen Publikum auch weiterhin deutsche Kunst jeder Art darbieten zu können.


