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20.6.1916 Zweites Blatt
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Nr. 142 Zweites Blatt

Erscheint tsgkch-mit Ausnahme des Sonntags.

DieStchener ZamiUrRhlÄttr" werden dem

vAttzelqer" viermal wöchentlich beigelegt, das .^kreisNatt für dea Ureis Gießen'- zweimal wücherttüch. Die ..Landwirtschaftlichen Zett­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

166. Jahrgang

Dienstag. 20 . Juni 1916

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scher, Universitäts»Brich- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schriftleitung,Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul­straße?. Geschäftsstelle u.Berlag:s-^51, Schrift­leitung: d^Ali2. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Die Seeschlacht m dem Skagerrak nach der Darstellung englischer Gefangener.

Berlin, 19. Juni (WTB. Amtlich.) Nachdem vor einigen fragen rn großen Zügen enr vorläufiges Bild von dem Verlauf der -Schlacht vor dem Skagerrak ans Grund deutscher Berichte gegeben worden ist, kann nunmehr ganz unabhängig davon eine Schilderung 'der Schlacht nach den Eindrücken und den Aussagen der während und nach der Schlacht gemachten englischen Gefangenen (insgesamt 17?) gegeli>en werden.

Danach haben an der Schlacht teilgenommen die Ausklärungs- ; Urerttrafte unter Vizeadmiral Beatty und das Gros der englischen ' Flotte unter Admiral Jellicoe. Zn deir Aufklärungsstreitkräften. gel)örten dw sechs Schlachtkreuzer:Lion" (Flaggschiff),Queei .Marti" Prnrcch Royal".Tiger" als 1. Division,Jndefati gable',New Zeeland" (Flaggschiff) als 2. Division.

Die 1. Division war vollständig zur Stelle, zu der 2. Division .gehörte eigentlich noch dieAustralin". Die Angaben über «den Grund der Abwesenheit dieses Schisses lauten sehr geheimnis­voll. Außerdem waren Beatty unterstellt 4 oder sämtliche 5 schnel­len Linienschiffe derQueen Elizabeth"-Klasse, eine große Zahl kleiner moderner Kreuzer, von denen 13 übereinstimmend von den Gefangenen namentlich ausgeführt werden und 2 Flottillen von Torpedobootszerstörern, darunter die allerneuesten mit zusammen etwa 40 Zerstörern.

Das Gros, das an der Schlacht tellncchm, setzte sich zusammen aus: 3 Linienschiffsg-eschwadern zu je 08 Schiffen; alles Groß- kampffchiffe,

1 besonderen Geschwader aus 3 der neuesten Linienschiffe der Royal Soveccign"-Klasse,

1 Ti Vision Schlachtkreuzer:Jnvicible",Jndomitable" und Inflexible",

1 Panz-erkveuZergeschwader zu 6 Schiffen, mindestens 10 klei neu Kreuzern, .

4 Flottillen mit 80 bis 100 Zerstörern.

Die vorstehend genannten Streit kräste waren am 36. Mai uus verschiedenen Häsen der englischen Ostlüste nach Osten aus­gelaufen. Das Gros der Flotte holte aus dein Marsche etwas mehr ^rach Norden aus, als die Aufklärungsstreitkräfte. Tie daher süd­licher als das Gros stehenden Schiffe des Admirals Beatty sichteten tote deutschen, Schlachtkreuzer zuerst. Zu dieser Zeit, am Nachmittag des 31. Mai, fuhren die Schlachtkreuzer des Admirals Beatty : m zwei Kolonnen mit östlichen Kurs. Am weitesten 'westlich standen !dte vier Schisse der I. Division,Lion",Princeß Royal",Queen '.'Icary" undTiger", an Backbord voraus von diesen die zwei Schiffe Der II. Division,New Zeeland"Mand".Fudesatigable" und vor diesen wieder die kleinen Kreuzer und Zerstörer.

Als Beatty die deutschen Ausklärungsstreitkräste in östlicher Muhtuug! sichtete, formierte er mit seinen sechs Schlachtkreuzern Midfattc und ging aus Südostkurs. Die 13. Torpedoboots-- slottille urcker Führung des kleinen KreuzersEhampion" stand 'vor der Spitze, die übrigen kleinen Kreuzer und Torpedoboote am -Schlüsse der Linie. DieQueen Elizabeth"-Schifse, welche bis dahin m einiger Entfernung nordwestlich von Beattys Schlachtkreuzern gestandm hatten., gingen gleichfalls aus Südostkurs und suchten 'Anschluß an die Schlachtkreuzer zu gewinnen. Alle Schiffe nahmen hohe Fahrt, 23 Seemeilen, auf. Zwischen 5 und 6 Uhr Wurde von den Deutschen das Feuer auf etwa 18 Kilo­meter er öffnet.

Kurz vor 6 Uhr erfolgte aus derQueen Mary" eine ge- .waltige Detonation mitschifss an der Backbordseite. Das Vorschiff i sank schnell, nachdem )n>och zwei weitere Explosionen twrangegangen waren. Als das Schffs versank, erfolgte eine vierte besonders schwere -Detonatton. Der ganze Vorgang dauerte nicht länger als 5 bis .10 Mumien. Auf derQueen Mary" befanden sich über oier- ! zehnyuudert Mann, «unter ihn er: auch ein japanischer Prinz - welcher Marineattacho in London gewesen sein soll. Am Tage vor 'Dein Auslaufen der Schisse war die Beförderung des Japaners zum Korvettenkapitän durch ein großes Bankett in der Offiziersmesse .gefeiert worden.

. Äilf ,^ndefa tig ab l e", der weiter hinten in der Linie ! stand, «ah inan den Vorgang auf derQueen Mary". Als man an die Uufallstelle derQueen Mary" kam, erfolgte auch ausIn- idepttrgable", kurz uach 6 Uhr an der Backbortseite eine gewaltige Detonation. DieJudefattgable" konterte und sank so schnell, daß

sich ausi dem Gefechtsmars deA Schisses, in dem sich 14 Menschen be­fanden, nur zwei Aiann retten konnten. (Dieses' sind, soweit be- F»nt, die beiden einzigen Ueberlebenden der etwa taufendköpfigen Be,atzungh Wegen der ungeheuren Gewalt der Detonation auf der 'ä~ u ?. Z1 } Mary" und derJudefattgable" sind die Gefangenen im Zwerfel, ob die Detonation durch feindliche Artillerietresfer oder durch Dorpedoexplosionen hervovgerusen waren.

Nach düm Sinken der beiden Schiffe gab der Adnüral Beatty durch Flaggensignal an die vornstehende englische 13. Flottille den Beseht, einen Dorpedoan griff auf die deutschen S chl a ch t kre u z er zu machen. Dieser Beseht wurde nur von den dem Flaggschiff Beattys nächststehenden Zerstörern verstanden und ston mehreren Gefangenen als ein Verzweiflungsakt ansgesaßt. Bei düm Angriff wurden die ganz neuen englischen Zerstörer "j c e st o T undN oma d" durch die Arttllerie eines^ kleinen deut­schen Kreuzers außer Gefecht gesetzt. Sie blieben bewegungslos liegen und wurden von dem /Feuer der nachher hin zu gekommenen deutschen Schlachtschiffe versenkt. Die Besatzungen retteten sich auf «Flößen und in Booten und wurden später von deutschen Torpedo booten ausgenommen.

Inzwischen waren die Schiffe derQueen Elizabeth"-Klasse herangekouimen. Während des Torpedobootsangriffs schwenkten die englischen Schlachtkreuzer, nunmehr nur noch vier, auf nordwest ttchen Kurs. DieQueen Elizabeth"-Schisse folgten ihnen int Kiel Wasser, als sie die deutschen Schlachtschiffe in südöstlicher Richtung sichteten. Die Entfernung zwischen den englischen Schissen und den deutschen Kreuzern hatte sich zu dieser Zeit auf etwa 10 Kilo­meter verringert. Die englischen Schlachtkreuzer liefen mit hoher Fahrt weiter nach Norden, so daß sie bald außer Schußwette kamen. Darauf setzten dieQueen Elizabeth"-Schiffe das Gefecht fort und gingen auf nordöstliche Kurse mit dem von Beatty erhaltenen Be­fehl,den lFeind abzuschnciden" (to cut off che onany). Bald darauf verließ ein der Queen Elizab eth-Schfffe, wie die Gefangenen aus­drücklich sagen, dieW a rs Pi te", stark nach der Seite überliegend, die eigene Linie und zog sich nach Nordwesten zurück. Später, etwa gegen 8 Uhr, wurde von d-em englischen Zerstöre Turbulent" die funkentelegraphische Nachrich a u f gef a n g en, daßW'-crr f pite" gesunken sei.

Die Angaben der Geretteten von den Schiffen, die dem Admiral Beatty unterstanden, über den Zeitpunkt des Erscheinens des eng­lischen Gros unter Adnttral Jellicoe sind sehr widerspruchsvoll. Nach den Angaben der Geretteten der Schiffe, die zu der Flotte des .Admirals Jellicoe gehörten, fuhr diese mit südlichem Kurse in mehreren Kolonnen, als die erste funken beleg raphi s che Nachricht von Beatty über das Sichten des Feindes eirttraf. Diese Nachricht wurde von dem englischeil lleinen 'KreuzerGalatea" gegeben., Admiral J ellicoe befahl daraus, daßanit äußerster Kraft nach Süden weitergesahren werden sollte. Das einzige, was diese Gefangenen von Beattys Flotte sahen, war das Aufblitzen von Geschützen im Südwesten. Jellicoe machte Kehrt nach dttwden und entwickelte seine Linie zunächst nach Nordwesten und Westen. Tie Schlacht-, treu.;er des Gros ,Dmvicible",Jndomitable" undJndefati- gable" und die Panzerkreuzer standen an der Spitze, die 3 Schiffe dmRoyal-Sovereign"-Klasse am Schluß der Linie. Zu dieser Zeit wurde das englische^ LinienschiffMarlb o rou g h" durch einen TorxvH-oschuß gettoffen. Der Torpedo soll von einem U-Boot geschossen feilt, das nachher von einem englischen Zerstörer ver­nichtet wurde. Es wurde beobachtet, wie das U-Boot sich ganz umdrehte. (Da auf deutscher Seite keine U-Boote an der Schlacht teilna'hmen, könnte es sich nur um -ein englisches U-Boot gehandelt haben.) Das englische Gros ließ jetzt durch seine Zerstörer U-Boot- Sicher nng bilden.Marlborough" blieb aus ihrem Posten. Die Panzerkreuzer griffen ein einzelnes großes deutsches Schiss an, das mit langsamer Fahrt nach Südosten steuerte. Zu derselben Zeit wurde von dem englischen Gros das Feuer eröffnet. Als die Panzerkreuzer zum Gros zurückkamen, fehlteTesence". Warrior" hatte zwei große Löcher mttschisfs dicht über der Wasserlinie. Kurz nach dem Eingreifen des englischen Gros in das Gefecht eutstaiid ausJ nvincible" infolge eines deutschen Treffers ein Brand, dem eine Explosion folgte. Das Schiss sank. Die tlcinen englischen Kreuzer und Zerstörer waren alle in Feuer- lee (d. h. an der dem Feind abgekehrten Sette der Schlachtlinie). Ein deutscher Seitschuß vernichtete den nahe der Spitze stehenden ZerstörerAcasta". ^

Tie wetteren Angaben der Gefangenen über die Be.vegungeri des englischen Gros bis zum Einttitt der Dunkelheit sind äußerst widerspruchsvoll und unllar. Es geht nur aus ihnen hervor, daß während des bis gegen 11 Uhr nachts forkgesetzten Gefechts nicht immer alle englischen Linienschiffe gleichzeitig feuerten, sondern« zeittveilig die vorderen und zeittveilig die Hinteren Geschwader, sowie ferner, daß beim Eintritt der Dunkelheit die englische Flotte in Kolonnen nach Norden steuerte mit allen leichten Streitkräften, Kreuzern und Flottillen am Schluß der Kolonnen als Rücken» c^ckuug. Von den Zerstörern des Admirals Jellicoe bat der Ttpperary" allein nach Süden fahren zu dürfen, zu einem Angriff aui die deutsche Flotte. Er erhielt hierzu Erlaubnis, geriet aber bald rn eine deutsche Dorpedobootsslotttlle. DieTipperary" wurde außer Gefecht gesetzt und versenkt, die Ueberlebenden sind gerettet.

Von den Str eit kr ästen des Wmirals Beatty hatte die 13. Fkot- ttlle den Anschluß an die eigenen Schlachtkreuzer verloren und ging bei Dunkelwerden nach Süden. Hierbei traf sie auf mehrere große Schiffe, die für eigene gehalten wurden. Es waren aber deutsche, die Feuer eröffneten und denTurbulent" vernichteten.! Alle^Offrziere und der größte Teil der Mannschaft fiel aus, das, Schffs verbrannte vorn und hinten über den Munitionskammern, als deutsche Torpedoboote heranramen und die Ueberlebenden retteten.

Fast alle Giefa n gen e n gaben ihren Unwillen dar­über rund, daß von englischer Seite nichtts getan wor- den ler, um sie zu retten, trotzdem fast alle ihre kampfkräftig­sten schiffe an der Schlacht teilnahiuen. Die Ueberlebenden von ' ^Tlueen Vtary" undJntesatigablc" waren fast 4 Stunden im' Waffn:, ehe sie von den deutsche'n Sttettkräften gerettet wurden.- Sre^ hatten schon alle Hoffnung aufgcgeben, da von engbischeni Schrffen seit Stunden nichts mehr zu sehen gsvesen war.

Ariegsbriefe aus dem Osten.

Telegramm unseres zum Oftheer entsandten KriegsbacickNerstatters.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Die deutschen Erfolge im Stochod-Styr-Abschnitt.

Kowel, 17. Juni 1916.

Die 'einsetzende deutsche Operation im Raume von Luck brachte zunächst, wie gemeldet, den russischen Vormarsch zum Stchen. Die Versuche der Russen, den Stochod-Styr- Abschuitt mit neu: herangeworfenen Divisionen zu erzwin­gen, wurde am 14. Juni blutig abgewiiesen. An der ganzen Front in diesem Kamvsraunr rvar feftzustellen, daß sich die Russen mit möglichster Eile einzugraben suchten. Oestlrch der Dahn Kowel-Luck erlitten sie bei diesen Arbeiten im deutschen Granatfeuer sehr ernste Verluste. Am 15. und 16. Juni wurden die halb aus ge bauten Vorstellungen hier genommen. Gleichzeitig setzte 'die deutsche Operation am Oberlauf des Stochod ein. Es kam zu schweren Kämpfen, da sich die Russen verzweifelt schln.gen, um ihre Erfolge noch zu behaupten. Trotz der Schwierigkeiten des Sumpf­geländes für Artillerie und Nachschitb gewannen die deut- chen Divisionen in erbitterten Gefechten erheblichen Raum. Nach Artillerievorbereitung wurden Woronczyn u.nd Babie türmend erreicht. Auch in der Nacht zum 17. setzten die Käinpfe nicht ails, da russische Gegenangriffe gegerr unsere vorge'heWen Linien verzweifelt und tapfer gerichtet wurden. Trotzdem geht die Operation günstig weiter. Tie Gefan- genenzahl in dem Abschnitt überschritt 2000, ein Geschütz' wurde genommen. Auch südlich Woronczyn, wo sich eine russische Schützendivision erbittert schlug, 'ging es vorwärts. Die russischen Verluste sind ganz außerordentlich schwer.

Rolf Brandt, .Kriegsberichterstatter.

Gedenket der GebuMMspende füfs Hole Kreuf!

DieDarüanellenftellung" in den Roiitno-Sümpfen.

Nach einem Berichte des iit Philadelphia erscheinendenPublic j£ei)gei" haben die deutschen Truppen es wohl verstanden, sich in :dem ichwicrigen Morastgelände der Rokitnosünrpfe eineTardanellen- stellung im kleinen zu schaffen. DieseDardanellen-, fftellung", die, offenbar wegen ihrer Uneinnchmbarkeit, von den bayerischen Erbauern durch eine Inschrift so bezeichnet .v-orden ist -i«t eine Sumpfirffel, bic etwa 20 Meter laug ist und einen Durch­messer von ungefähr 10 Metern hat. Die Bayern haben sie durch vier stattliche Blockhäuser stark befestigt. Die Blocklstiuser sind an der Außenseite mit geteerter Pappe überzogeil, um Regen, Schnee «und Kälte abzuhalten. Unr die ganze Insel herum zieht sich ein ! richtiger Fe',tungsgraben. Zehn Gürtet von Stacheldraht nm- gebm dre kleine Insel, von denen die Hälfte unter Wasser entlang« -gehen. Maschinengewehre sind das beste Verteidignngsmittel dieser Dardanellenstellung, die durch eine Hand voll Menschen gegen An- griffe von allen Himmelsrichtungen verteidigt iverden bann. Durch das ganze Sumpfgebiet sind Hunderte von solchen kleinen Jnscl- festungen zeritreut. Sie smd alle durch Fernsprecher oder schmale Brücken verbunden, können aber ganz schnell isoliert werden, indem man einen Teil der Brücke herausschlägt oder aber durch spanische Reiter versperrt. Ein Weg von etwa 800 Meter, der über schwache Planken führt, die von «chlanken, in den Sumvf getriebenen Pfeilern getragen werden, brachte den amerikanischen Bericht­er,tatter nach der am weitesten vorgeschobenen Jnselfesttmg. Diese ist un allgemein-en ein genaues Abbffd der zuerst beschriebenen Dar- b ancllenirellung, nur gehen hier 25 Stacheldrahtgürtel rund um die Insel, die Besatzung ist zweimal.so stark, die Anzahl der Ma­schinengewehre doppelt so groß und die kleine,: Schützengräben rnnd um das Blockhaus sind fast ebenso fürchterlich.ausgebaut, wie die großen aus dem trockenen Lande. Dieser Vuntt war damals näm­lich sehr -gefährdet, da er den russischen Angriffen ausgesetzt war -und den Russen überhaupt diese starke Stellung derTeufelskerls von Bayern" eur Dorn im Auge war. Außerhalb dieser Festungs- rnseln, aber- mit ihnen verbunden, liegt noch ein Stüvpnnkt, wo keine natürlichen Snntpftnseln in dem Gelände zu finden sind. Dieser Stützpunkt besteht aus einer langen Reihe von Bloächäusern, die von sehr starken Pfählen getragen werden. Rund um die Block­häuser sind große Holzstöße eingerammt, die eine hölzerne Platt­form von vier bis neun Metern Breite tragen. Uebcrall imSi'Mps- .gelunde bemerkte der Amerikaner urerkmürdche Schilder, aus oeiien -grotze rote Vierecke auf gelbem Unttrgrirnd gemalt waren Diese :bezeichnen dre Grenze, rn denen das Maschinen^wchrfeucr zu halten r,t. Fieber drese Ziele hinaus darf ein Maschinengewehr ' nicht tchrepen, weil ,onst deutsche Truppen im nächsten Blockhau- ge­fährdet werden können. Im Innern der Blockhäuser ist auch alles auf eine sinnreiche Verteidigung berechnet. Eine wohlan-- gepolterte Zelle dient als Feuerkontrollstation, als Beobachier- posten und rFernsprechzelle für einen bestimnrten Abschnitt des Sumpfes. Wie der 'Feldgraue, der in der Fernsprechzelle ocbeitett', aber dre Verbindung der einzelnen Punkte herstellte, blieb dem

Amerikaner eilt Rätsel, da er keinen Klappenschrank sah. Durch ein Guckloch beobachtete ein bayerischer Feldwebel, beguenr in einem Arm'tubl sitzend, den «Feind, während drei andere damit beschäftigt warm, ihre Karten von diesem Frvntausschnitt zu bearbeiten. Alles machte hier innen einen ganz friedlichen -Eindruck, bis plötzlich gemeldet wurde, daß bei einem vprspringenden Beobachterposten eine Abteilung ^von Russen bemerkt worden sei, die doch gar zu frech aus ihren Schützengräben herausgekontmen wären. Daraufhin wur­den ein paar Granaten für diese gar zu unternehmungslustigen Russen verftigt.

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©in Gedenkt ag der Christionisiernng Posens. ->zn einem in diesen Tagen erlassenen Hirtenschreiben vveist der Erzbischof von Gnesen und Posen Dr. Edmund Dalbor aus ein großes geschichtliches Ereignis hin, das für Posen von einschneidender Bedeutung ist. Der Erzbischof betont, daß von Gnesen und von Posen aus zuerst, das Licht des ckrisllühen Glaubens erstrahlte, das die Finsternis des Heidentums im ganzen Pvsener Land zerstreute. ES find jetzt gerade 95 0 Jahre verflossen, Mt Mi ec csla ns, Herzog des Posener Landes, die heilige ^.ause empftng und das ganze Volk nach seinem Beispiel der Fahiie des Christentums zu folgen sich anschickte. Posen ward der Sitz des -ersten Bischofs und Gnesen der Ausgangs- rmd Mittelpunkt klrchlrch.er Ordirung. Wie in dem Hirtenbrief weiter ausgeführt wird, benutzte die Vorsehung vor 950 Jahren zur Turchfühlrung des göttlichen Herlsplanes Dobrawka, die fromme Tochter des Böhmeii- herzogs Boleslaus. Die Fürstin, die eine strenge christliche Er­ziehung erhalten hatte, sah es, als sie mit Miecislaus die Ehe schloß, als ihre erste Pflicht an, dem Christenttmi im ganzen Lande Geltung zu verschaffen.Dobrawka arbeitete," so sagt ein Chronist jener Zeit,an der Bekehrung ihres Gatten, imd der Schöps er erhörte sie rn ferner Barmherzigkeit. Durch-Gottes unendliche Güte, unter den stälidigen Erwähnungen semer geliebten Gattin, verwandelte sich der frühere Verfolger, warf von sich das Gift des Unglaubens und wusch ab die ererbte Schiüld durch die heilige Taufe. Und es folgten ihm als ihrem .Haupte und geliebten Führer die bisher schwacheri Glieder ,ernes Volkes." Im Dom zu Gn-esen ruhl jetzt noch die A,che der Gobrawka, der Taufpatin des Posener Landes, und in der gol-dnen Kapelle des Posener Domes schläft Rii-ecislaus den schlaf der Ewigkeit. Ein Denkmal daselbst stellt ihn dar, lvie er vlit der linken Hand das Kreuz umfaßt, während er intt der rechten aut das Kreuz htnweist. Zugleich mit der christlichen Religion kam auch dre Kultur ins Land. Christliche Kulturstätten entstanden: der Posener Bischofssitz, bald nach Miecislaus Taufe errichtet: dre Guesencr Metropole, ungefähr dreißig Jahre später gegründet; bte Kloster tu Tremessen, Mogifflo, Strelno. Lubin und Meseritz Der Erzbischof macht daraus ausm-erlsam, daß die Kultur aus dem- selben Wege wie die Religion, nämlich vom Westen her, in das Land kam, und daß wir daruni auch das Jubiläum der kulturellen Ver­schmelzung mit dem Westes feiern könnten, die imrige Verbindung aus dem Gebiete der Wiff-eiischaft, der Kunst, der Sitten rmd Gebrauche, ^-eiu Kloster zu Fulda scheine dabei das Harrptterdienft

an den B-eziehuugeil zwischen den: christlichen Neuland rmd den alteil christlich.cn Kulturstätten des Westens zu gebühren. In dem Verzeichnis der verftorberten Wohltäter bcz Klosters zu Fulda srndet mail heute iwch rmter dem Jahre 992 den Tod Herzog-Z Miecislaus von Posen verzeichnet.

Eine Shakespeare aus stell ung in Hel sing ör. Wie aus H el si n g ö r berichtet wird, findet dott gegenwärtig iw Rathause eine Shakespeareausstettuilg statt, m der ein paar Privat­leute und einige öffentlick>e Anstalten, wie die Unioersitölsbiüliothok, die kgl. Mbliothek und das kgl. Thearer in Köpenhagen besonders^ wertvolle Ausstellungsstücke hergeliehen haben. Die Ausstellrmg umfaßt Oelgemälde, Kupfersttckse und Bücher. Unter den Gemälden scheint keines zu fein, das als Gemälde besonders großen Wert hätte; vom kunfthistorischen Standpuntte aus bettachtet, aber sind sie wie die Kupfersttcke recht interessant. Es ftndcn sich zahlreiche Werke aus dem 18. Jahrhundert, besonders viele Kupsersttche, die Szenen aus Shakespeare darstellen, ferner ein paar Darstellungen von Shakespeare und seinen Zeitgenossen und auch ein paar Schauspieler- vorttäts, unter denen ein Kupferstich aus dem! Jahre 1754, der Gamuck als Hamlet darstellt. besonders bemcrkeuswekt ist. Eine Reihe von Kofttimbildern zu Shakespearestücken hat das kgl Theater geliehen. Die Bücher der Ausstellung sind nicht besonders zahl- reich: es handelt sich um einige Shakespearebiographien und eine größere Anzahl von Büchern aus der cuiSgcdchnten Hamletlileratur. ^ Shaw und Chesterton als F i l m s ch a u s p i e l e r

.mr Rahmen der zahlreichen Bühuenveranstaltungen, die in London zu Kriegswohlfahrtszwecken iu Szene gesetzt werden, wurde d.mi Publikum ein ganz besonderes Schauspiel geboten: nämlich die Ge­legenheit, die zwei bekauntesteu modernen englischen Schriftsteller Vernarb Shaw und G. K. Chesterton, zum ersten und wob; einzigen Male als ^ilmschauspieler bewundern zu können. Diese Sensation bildete den Mittelpuntt einer Wohltätigk-eitsvorstellung im Lon­doner Cvlseum, ut der auch sonst alles Mögliche geboten'wurde um das zahlungsfähige Publikum zugunsten der hilssbedürftiaen Verwundeten anzulocken. Eine neue Einrichtung bestand auch dann, daß dw Logen,chließer und Theaterzettelverküiisei durch Damen der Londoner Gesellschaft ersetzt wurden, und unter ihnen machte die £odfe be£ Minifterprasidenren Asauith als Zettelverkäuferin die besten Gefchasre. Den Glanzpunkt jedocl) bildete, wie «gesagt, ein mm bcm bcftmnteit Tramntifcr 3ir Jani.-s Same twrfaR'ci ,'Tilm, r*?»«! st C heiterton durch akrobatische 'Kunststücke ver­

blüfften chie bei den Dichter erschienen ails der Leinwand aus rol­lenden Fafferu, dre ,re, nach Art von Zirkusclouurs, mir dort Füßan wrtbeweqtei!. Hieraus zeigten sie sich als Wild-Weft-Retter rmd ichlteßlich fogar als Kunstmotorradsabrcr. Sie fuhren ans einem schmalen Pfad zwischen Felsklippe - in einer Küüenlandsckwft, und der Berfall des Publikums creeinüe den', punll, als Chesierton bei einer fcharsen Biegung des Kffpveniveges ebenso plötzlich wie unfreiwillig in höchst körperliche Berührung nnt dem Erdboden kam Man muß es den beiden Dichtern lassen, daß sie fitt den patriotischen Zweck tu dtefcm Falle wirtlich viel Selbstverlerignimg bewiesen