-Daran zweifle ich lucht, daß bivfc Stintnümg sogar vorhcwr- l lamrd sein muß, denn sonst wären Ihre Truppen doch hoffnungslos |P würden sich nicht so heldenhaft schlagen, wie sie es vor Verdun tim."
..Nicht doch," lehnte er ad. „Das ist eine ganz falsche Meinung. Uw auf meinen 6seüankcngang zurückzukomwen, so betone ich ja, dal; -Sie den Optimisnrus nur finden, wo es uns gut geht oder wo wir tu Mche fern vom, Jener politisieren, .hier bei Berdun sind wlr m einem Höllenke,sei, hier gedeiht die französische Lnchtblütrg- keU nicht, hier ^schlägt sich der Franzose ohne Hoffnung aus Sieg, und er schlägt ffch dennoch großartig, wie Sie selbst anerkennen. Das ist viellncht ern Wunder, denn ich selbst habe früher geglaubt, dah der '.Franzose seinen Optimisnms haben müsse, uM ein guter Soldat zu sein, vielleicht aber ist es kein Wunder. Das werden <ole lagen und damit toahrschei'.üich reckst haben."
,I>ch kann da kein Urteil fällen. Ich kann nicht in Ihre Seelen sehen."
,,O, reden Sie nicht," erwiderte er bitter. „Bei Ihnen glaubt man zu fest daran, daß lFrankreich diesmal veriiichtet werden wird. Sie wissen zu gut, wie es um! uns steht, um zu glaubeii, daß es ein Wunder sei, wenn wir nns bis zur lekten Stunde verzweifelt wehren."
..Wissen Sie nicht, daß wir zu jeder Stunde bereit sind, auf Geund der Kriegslage in Friedensverhandluikgen einzutreten?"
,L8as könnte das für ein Frieden für uns sein, der jetzt ge- fdötoffert würde ? Das wäre das Ende Frankreichs. Niemals könnte j Ihr „Erbfeind" wieder gegeir Sie anfslehcn."
„Dann erhoffen Sie alft doch von der Fortsetzung des Krieges eine Niederkäintünng Deulfchlands und seiner Verbündeten? Ich Inn neugierig, nne man sich, das bei Ihnen denkt, nachdem ich gehö rt ha be, daß Sie weder ans die Russen noch auf die Engländer vertramm, noch auch glauben, ans eigener Kraft uns aus Nord- : und Ostfvankceich hftraus treiben zu können."
„Das ist meine Meinung, wie die von uns allen, die wir diesen Krieg als Soldaten miterlebt haben."
„Aber . warum machen Sie dann keinen Frieden, warum ersparen Sie sich nicht jeden Tag weiteren Verlustes ?"
,,Das wissen Sie doch eben so gut wie ich" rief er unwillig. „Weil wir keinen Frieder machen können. Heute einen Frieden! Tenffchland würde uns vielleicht einen Teil, der vom Kriege verwüsteten Provinzen herausgebcn. Wir haben keine Menschen, sie Ku bevölkern, der Wohlstand der Dörfer hat gelitten, die Industrie ist vernichtet. Wir müßten zudem die Enffchädigung zahlen, denn von Deutschland werden wir irre einen Franken bekommen, selbst wenn der Krieg viel günstiger für uns stünde. Unser vieles Spageld, die Milliarden in ^Nußland, sind dahin, denn Rußland ist zahlungsunfähiger, als es je vor dem Kriege war. England behielte Calais und Boulogne und wahrscheinlich auch noch- Dünkirchen, und was meinen Sie, was aus unseren Kolonien würde? Nein, unsere Staatsmänner haben nns so hineingeritten in langen Jahrzehnten, daß der Krieg, der konnten mußte, mr Frankreich aut alle Fälle ein Unglück werden mußte. Heute sehen wir es. Wir könnten vor
der Wahl ftetzeit, Unsere letzte Division vor Verdun zu opfern oder einen Frieden zu schließen, den Tieutschland viell>erch>t glimpflich nennen würde, um sich eines Feindes zu entleoigen. Wir könnten dieie Wahl nicht treffen. Mr haben die .Freiheit, über uns zu verfügen, verloren. Das ist die Lage, in der wir uns befinden."
„Und in dieser Lage erzählen Sie mir von dem Optimismus, dem ich hei einer Wanderung an der ftanzo fischen Front begegnen -oürde? Wie reimen Sie das zusammen?"
Er lächelte und war sofort umgewandclt. „Sehen Sie, dieser Optimismus soll auch bestehen bleiben. Es ist das letzte Leuchten des französhchen Geistes von ehemals. Er hält uns aufrecht bis zuletzt. Wenn ich Ihnen hier politische Ueberzeuguugen sage — darüber darf ich frei mit Ihnen reden, von militärischen Trugen wurde ich kein Wort sprechen — ft werden Sie nicht voraus- letzen, daß der Poilu im Schützengraben die Dinge ckbenft deutlich fteht. Das ist ein Glück. Er hört und liest es in der! Pariser Zeitungen, die darin großartig sind, daß Deutschland anr Verhungern sei. Wir wislen, daß bei Ihnen Not in vielen Dingten ist, aber wir wissen, daß Deutschland daran nicht zugrunde gehen wird. In zwei drei Monaten wird es dann vielleicht auch zu dem -einfachen Mann im Schützengraben durchsickern, daß Deutschlands schlimmste Schmachtriemenzeit überstanden ist. Gut, darin werden die Engländer erzählen, daß sie eine neue Millionenarmee aufstellen toollen. Das wird die Hoffnungen neu beleben. Die Millionenarmee wird nicht kommen, aber die Russen werden berichten, daß sie von den Japanern — für unser Geld — so viel chwere Geschütze gekauft I-aben, wie sie brauchen, um Hindenburg! zu vernichten. Hmdenburg wird weiter leben, aber inzwischen werden wir ein neues fabelhaftes Flugzeug erfunden haben, um Berlin und Potsdam einznäschern. So wird eine Hoffnung auf- leuchten nach der andern. Glauben Sie nicht, daß uns die Hoffnungen ausgehen werden! Wenn der letzte Franzose fällt, wird ihm noch ein Regiment von Hoffnungen das Grabgeleit geben.
Sie lachen! Die Deutschen haben gut lachen! Was haben Sie verloren? Ihre Kolonien, welche die schlechtesten aller Kolonialvölker tvaren. Gut, Sie haben Polen, .Kurland, Belgien, die ganze Maas, die Er^becken Lothringens und die Kohlengruben Flanderns'. Wir wollen keinen FriÄxm machen. Gut, Sie werden Ihren mit Maschinengewehreil und Geschützen gespickten Grenzwall — einen Limes germamens wahrhaftig! — um Ihre Eroberungen ziehen. Vorn werden die Landstürmcr Wache stehen, niw hinteii werden, ich ihre Familien ,es irr unseren reichen Ländern wohl sein lassen. Inzwischen werden wir im Namen der Menschlichkeit die Amerikaner, die Rumänen, die Chinesen oder wer sonst noch auf der Welt Lust hat, dieselben Crfahrrmgerr zu rnachen, wie wir, beschwören. uns zu befreien. Das sind die Aussichten, die ich vor mrr sehe. Vrellcrcht täirsche ich mich. Lsber wenn mir jemand prophezeien würde, daß rch den Abschluß des Friedens nicht erleben werde, so würde rch ihm glauben. Das ist der Gedanke, mit dem ich, ein nachdeullicher Südsranzose, m derrtsche Gefangenschaft gehe."
W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.
Miegzbriese aus dem Osten.
Telegramm unseres zum Ostheer entsarrdten Kriegsberichterstatters (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Stillstand der russischen Offensive im Räume von Luck.
An d-er wolhtznisch-en Front, 16. Juni.
Anr 29. Mai begannen die Russen mit stärkerem Artillerieeinsatz die Feuer Vorbereitung auf d er ganzen Front vom Sihr-Ab schnitt bis zur rumänischen Grenze. Am 3. Juni steigerte sich die Artilleri('Wirkung im Räume von Luck ltm Olyka zu unerhörter Heftigkeit, in dem ein Front- stück von 25 Kilometer betroffen wurde. Am 4. Juni folgte der Jnfanterieangriff mit rücksichtslosem Masseneinsatz. Die Lime zog sich längs Her Jkwa hinüber zur Putilowka, folgte dem Kormin-Bach und bog zum Styr. Die öfter- reichischanrgarischen Truppen zogen sich kämpfend von Stellung zu Stellung zurück. Unter dem Andrang der russischen Massen wurde auch Luck auf gegeben. Danach mußten auch selbstverständlich die nördlich und südliche anschließenden Truppeii zuruckgenommen werden. Die Sthr-Stellung wurde auf dw Linie Czartorysk-Sokal eftigebogen. Deutsche Trup- p-en wurdet! eingesetzt. Gegen die neue Linie Czartorysk- Sokal schten die Russen sofort heftige Angriffe an, die blutig zusammenbrachen. Einzelne Regiuienter wurden vollständig aufgerieben, 2000 Gefangene gemacht. Westlich Luck rn Richtung Wladimir-Wolynsk gingen die Russen nur zögernd und vorsichtig weiter, ihre Truppen waren sehr erschöpft, ihre Artillerie kam durch das schwierige Gelände nur sehr langsam vorwärts. Es kam zu Nachhutkämpfen bei Torezyu „Ein Parademarsch", wie man den russischen Muschiks den Stoß vorgestellt hatte, wurde trotz des riesigen Artillerieausw-andes im Anfang die UnternehUrmrg nicht Nach dein Einsatz deutscher Truppen nxrr jede BedrohUna Kowets, des nichtigen Bahnkirotenpunktes, den die Russen als nächstes Ziel ihrer Offensive im Raunre Luck sich gesetzt hatten, aufgehoben. Der Vormarsch steht. Es ist überftussig, dre russischen Erfolge abzustreiten, nicht überflüssig, chre außerordentliche Uebertreibung festzustellen. Luck war von den Missen nickst als; Festung im nrodernen Sinne ausgebaut Diie Oesterreicher fairden alte, verfallene Erdwerke vor und legten ihrerseits Feldstellungen an, das war der Wert der Festung Luck. Ebenso übertrieben sind die rufttschen Geangen e um eldungen. Nach der Eindänrmnng des russischen Vorstoßes sind die Folgen der Offensive an diesem Teil de? Front nicht erheblich, da ihr Ausbau im Stochod-Styv Ab schnitt verhindert wurde.
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
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In unser Handelsregister Abt. wurde heute bezüglich der Firma I. Jttmann zu Gießen eingetragen : Rudolf Brumlik zu Gießen ist verstorben. Der seitherige Gesellschafter Kaufmann Alfred Brumlik zu Gießen führt das Geschäft unter der seitherigen Firma als Einzelkaufmann weiter. Die offene Handelsgesellschaft ist erloschen.
Gießen, den 14. Juni 1916.
MoMerzMiches, UmtsjWiM.
r--'/. Höchstpreise für den Bcrknus von Speisekartoffeln.
Am Grund der Bundesratsverordnungeu vorn 28. Ot tobeck' 19w über die Regelung der Kartoffelpreise, von ^ Februar 1916 über die Speisekartoffelversorgung in Fr u hi ah r und Sommer 1916 und vom 2. März 1916 übe- dre Festfetznng der Höchstpreise für Kartoffeln und di. Prersstellung für den Welterverkauf, sowie auf Grund del Bekanntmachungen Großh. Arinisteriums des Innern von 1. November 1918 über die Regelung der Kartoffelpreis, werden folgende Höchstpreise für die Abgabe von Speise kartoffeln an den Verbraucher in Mengen unter 600 Kilo gramm <10 Zentner) Mr den Bezirk der Stadt Gieffet festgesetzt:
1. Bei der Abgabe durch den Erzeuger.
a) bts 20 Pfund: das Pfund 7 Pfennig,
b) 1 ^!."Er bis 10 Zentner- der Zentnei _ Ü00 Mk. frei Keller des Verbrauchers.
2. Bei der Abgabe durch Händler.
a) bis 20 Pfund, das Pfund 7 Pfennig,
b) als 1 Zentner bis 10 Zentner: der Zentnei 6,30 Mk. ftei Verkaufsstelle.
Verbringt der Händler die .Kartoffeln in den Leüei des Verbrauchers, so erhöht sich.bei b der Preis deL Zentners um 30 Pfennig.
3. Bei der Abgabe auf dem Wochenmarkt gelten dil unter l. angegebenen Preise für Erzeuger und Handlet
Höhere Preise dürfen nicht gefordert werden.
Die Preise sind Höchstpreise im Sinne des Höchst vretsgesetzes vom 4. August 1914 in der Fassung der Be kanntmachuug vom 17. Dezember 1914 in Verbindung mi den Bekanntmachungen vom 21. Januar und 23. Septem ber 191o. Beim Ueberschreiten der Höchstpreffe treten die dort angedrohten Strafen ein. lGefängnis bis zu6 Monater oder Geldstrafe bis 1600 Mark.)
Die Anordnung tritt n,it dem 20. Juni 1916 ttr Kraft die Anordnung vom 8. Mai 1916 über die Kleinhandels Höchstpreise wird gleichzeitig aufgehoben. 1627k
Gießen, den 17. Juni 1916.
Der Oberbürgermeister,
Keller.
Bekanntmachung
Der Kleinverkaus von Kartoffeln erfolgt von jetzt nur noch gegen Vorzeigung der Brotausweiskarte tu zwar Dienstags, Mittwochs, Freitags und Samstags vo mittags von 9—12 und nachmittags von 3—6 Uhr in de Gebäude der alten Gewerbeschule,
Gießen, den 17. Juni 1916.
Der Olrerbürgermeifter.
Keller.
Asterweg Nr. 25.
Bekanntmachung.
In unser Genossenschaflsregister wurde heute bezüglich des landwirtschaftlichen Konsum-Vereins, eingetragenen Genossenschaft mit unbeschränkter Hast' Pflicht zu Garbenteich eingetragen: An Stelle des aus dem Vorstand ausgeschiedenen Franz Stumps zu Garbenteich ist Johannes Jung II. daselbst zum Vorstandsmitglied gewählt. "2213
Gießen, den 14. Juni 1916.
_ Großherzogliches Amtsgericht.
Bekanntmachung.
In unser Handelsregister Abt. B. wurde heute bezüglich der Bank für Handel und Industrie, Nieder, lassung . Gießen eingetragen: Durch Beschluß der Generalversammlung vom 19. April 1916 ist § 23 der Satzungen über die Vergütungen der Mitglieder des Aufsichtsrats abgeändert worden. ' Gießen, den 14. Juni 1916.
GroßherAvgl'iches Amtsgericht.
Bekanntmachung
Der vom Gemeinderat beratene Boranschl der Gemeinde Lang-Göns für 1916 Rj. liegt vc 20. Juni 1916 ab eine Woche lang aus dt Bürgermeisterei-Bureau dahier zu jedermanns El sicht offen. Einwendungen tonnen während dies Zeit schriftlich oder mündlich vorgebracht werde Es wird bemerkt, daß die Erhebung einer Umla beschlossen ist, zu der auch die Ausmärker Hera gezogen werden. ' 41
Lang-Göns, den 18. Juni 1916.
Großh. Bürgermeisterei.
Nompf.


