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19.6.1916 Zweites Blatt
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Nr. W

Zwettes Blatt

chh. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Famikirrrblätler" werden dem

»Anzeiger" viermal ivöchentlich beigelegt, das Nreisblatt für den Breis Sietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlich«» Zeit- frage«" erscheinen nwnatlich zweimal.

ener

General-Anzeiger für Cberhejfen

Montag. R Juni W

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche» Universitäts Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schriitleitung,Geschäftsstelle «.Druckerei: Schub straße 7. Geschäftsstelle u.Vcrlag:^E'b1,Schrift' leitung: e^I12. Adresse für Trahtnachrichtew Anzeiger Gießen.

Wilson oder Hughes?

Nun sind die Rollen ausgeteilt und alles wohlbestellt/ Der republikanische Konvent hat das Mitglied des-Obersten Gerichtes, Richter Hughes, der demokratische Konvent den derzeitigen Präsidenten Wilson als Kandidaten für die Präsidentschaft nominiert, und diese Ernennung ist beiderseits einstimmig erfolgt. Dasdritte Pferd", das sich selbst für dasbeste im Stall" erklärte, Theodore Roofe- velt, wird nicht starten. Die Republikaner hüben ihn glatt fallen lassen, und er ist darüber sogar erkrankt, angeblich infolge der Nachwirkung eines Sturzes nicht vom Kandi­datenthron. sondern vom Pferde. Daß derrauhe Reiter" jetzt noch den Versuch machen sollte, seine Progressisten- partei für den Wahlkmiipf zu organisieren, kann'als aus­geschlossen gelten.

Es stehen sich also in der Union wieder tvie ehemals Republikaner und Demokraten gegenüber, aber freilich, von den altenissues", den Wahlparolen, die sich in der Haupt­sache irm Zolltarif und Währnngsfragen drehten, ist wenig geblieben, sondern im Vordergrund der Parteiprogramme steht setzt die Stellung zu der internationalen Politik im allgemeinen urck) zum Weltkrieg im besonderen. Beide Par­teien haben bereits ihre Wal; (Programme veröffentlicht Das der Republikaner betont eindringlich den Wunsch nach Frieden, und es bekennt sich zurAufrechterhaltung gerader und ehrlicher Neutralität gegenüber den Kriegführenden im großen europäischen Krieg". Das ist der Kernpunkt Programms, das sich hierin gegen Wilsons Politik richtet und dies auch tut in der weiteren Wendung, die eine ent­schiedene Haltung gegen Mexiko verlangt. Der republika­nische Kandidat hat in der Rede, in der er die Wahl an- nähm, eine ausdrückliche Erläuterung zu jenem Programm gegeben, indem er 1. die amerikanische Politik der- Schwäche und des Schwankens Mexiko gegerrüber bezichtigte, und indem er 2. Wilsons Haltung im Weltkrieg wie folgt kenn- zeichnete:Die verantwortungsvolle Leitung des divloma- tischen Verkehrs mit dem Ausland war von Anfang an von Parteierwägungen abhängig, und wir boten der Welt das erniedrigende Schauspiel von Ungeschicklichkeit und zu spät ergriffenen Maßregeln." Drückt sich schon das revublikä- nische Progrannn trotz der Kritik an Wilsons Haltung alles in allem mit einiger Zurückhaltung' in Bezug ans den springenden Punkt aus (denn man kann in dies Programm manches hineinlesen, muß es aber nicht tun), so ist Wilsons issue" noch weit vorsichtiger niid lavierender. Denn wenn er auch in erster Reihe auf die Mnnitionsstimmnng rechnet, so möchte er es doch mit oen Friedensfreunden nicht ganz verderben. So kann man aus oer Wendung, daß es Pflicht der Union sei,sich mit anderen Nationen znsammenzu- schlußen, um die Freiheit ihrer Gebiete und Interessen aus allen Seewegen unangetastet zu sichern", ebensogut wie eine Anklage auf die deutschen Unterseeboote auch eine gegen du britische Seeräuberei heraushören. Dagegen nru'ß 'die gegen dieFremden und Verschwörer" gerichtete Redens­art als em offener Vorstoß gegen dieDeutscher! und ^ven angesehen werden, die ja mit seinen früheren Be­schimpfungen derBindestrich-Amerikaner" in vollem Ein­klang steht.

Aus diese Teile des amerikanischen Volkes, welche übri­gens nicht etwa ein Eintreten der Union für Deutschland sondern nur ehrliche Neutralität verlangen, setzen die Repu- blikaner ihre Hoffnung, deren Aussichten sich ohnehin da- ^^^Äpblich.verstarkt haben, daß sie jetzt geschlossen in den Wahlkampj ziehen. Denn bei der letzten Präsidenten- wahl fielen von den abgegebenen Urwählerstimmen auf den

Demokraten Wilson iiur 6 293 000, während die Demokraten an sich die Mehrheit hatten, aber sich in 4119 000 für Roosevelt und 3484 000 für Taft spalteten. An sich hatten also die Republikaner damals die absolute Mehrheit, und weiin sich jetzt Deutsche und Iren wirklich, auf ihre Seite schlagen sollten, so spräche die Wahrscheinlichkeit dafür, daß ihnen der Sieg sicher wäre. Freilich dürste es Präsident Wilson in der Folge nicht an Anstrengungen fehlen lassen, um die Deutschen und Iren, die bisher überwiegend zur demokratischen Partei gehörten, wieder auf seine Seite zu ziehen, und die jüngste, gegen England gerichtete Postnote, der vielleicht noch weitere folgen werden, ist wohl auch von diesem Wahlstandpunkt aus zu betrachten.

Weiter hat Wilson einen wesentlichen Faktor für sich, nämlich die einflußreichen Finanzleute, di-e Trustmagnaten, die von Hughes, der als ein Politiker der Ehrlichkeit gilt, eine Einschränkung ihrer Beutepolitik befürchten, während sie zu dem Theoretiker Wilson weitgehendes Zutrauen ha­ben. Deshalb macht auch Wallstreet, die New Yorker Börse, bereits für Wilson mobil. Man sieht also, daß bei der Wahl neben der äußeren Politik doch die innere mitspielt, wenn auch nicht mehr so ausschlaggebend wie früher. Im übrigen sollen wir uns in Bezug ans die amerikanische Präsidentenwahl keiner Selbsttäuschung hingeben und nicht etwa von einem Sieg der Republikaner der ja übrigens für diesen Weltkrieg ohnehin zu spät kommen dürfte - einen gewaltigen Umschwung zugunsten Deutschlands er­warten. Die Yankees werden zum Schlnß Yankees bleiben, aber immerhin könnte der republikanische Kurs für Nils nicht günstiger als der demokratische sein. Wilsons Neutrali­tät haben wir zur Genüge kennen gelernt, und von un­serem Standpunkt aus müßten wir es mit Befriedigung begrüßen, wenn die Electoralstimmen am 7. November (die Präsidentenwahl selbst findet erst am 8. Januar 1917 statt) sich gegen Wilson und für Hughes entscheiden würde.

^ t. Louis, 16. Juni. (WTB. Meldung des Reuterschen Bureaus. Ber demokratische Konvent hat ein Wahl- Programm angenommen, das jede -Organisation, die aus eine Förderung der Interessen einer fremden Macht durch Einschüch­terung der Regierung und politischen Parteien oder der Volks­vertreter abzielt, als für die nationale Einigkeit schädlich ver­urteilt. Das Programm setzt sich für das Schisfahrtsprogramm der Regierung, sowie für die Vermehrung der Armee und F l o t t e zu Berteidigungszivecken ein. Ferner wird darin gesagt, das; es Pflicht der Vereinigten Staaten sei, -sich mit anderen ^taatm zu vereinigen, um die Freiheit der Länder und ihrer Burger zu sichern und die freie Benutzung der Meere unverletzt zu erhalten. Schließlich tritt das Programm neuerdings für dre Monroe-Doktrin ein.

B e r l i n , 17. Juni. .Priv.-Telä DasBerliner Tageblatt" meldet aus dem Haag: Wie aus New York gemeldet wird ist Rvosevelt an einer Brustmuskelentzündung erkrankt.

London, 18. Juni. (WTB.)Daily Chronicle" meldet aus ^t. Louis vom 16. Juni: Aus dem Konvent der demokratischen Partei hielt Brian aus allgeineinen Wnnsch der Versammlung euie Rede. Er sprach für Wilson, dem er warmen Dank dafür ausfprach, daß er den Frieden erhalten habe. Ein ckisch-amerikani- Icher delegierter aus Illinois, der ansing, über die Unabhängigkeit von Irland zu sprechen, wurde am Weicerveden verhindert.

Nriegsbriese aus dem westen.

Von unser m Kriegsberichterstatter.

Mcherechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verb oten)

Der nachdenkliche Südfranzose.

Großes Hauptquartier, im Juni 1916.

Mit einem Trupp von französischen Gefangenen, die frisch aus den Kämpfen im Caillette-Walde kamen, hatte ich mich ein­

gehend unterhalten. Sie waren mit wenigen Ausnahmen froh dem Kriege glücklich entronnen zu sein. Nur ein Ofsizierstellver - tretet, dessen Vater Konsul in Leipzig gewesen >var, weinte, das; er auf diese Art in das Land zurückkehren müsse, wo er den größten Tech seiner Jugend verbracht hatte. Er beteuerte, daß er lieber hätte sterben als Gefangeirer werden wollen. Alle beklagten stch. das; die Engländer untätig blieben, während Frankreichs Söhne vor Verdun verbluteten. Sie sprachen mit Verachtung von den _ Russen, mit großer Anerkennung von der Tapferkeit den beuticfjeit Krieger, sie bestritten, daß es im französischen Heere Mch emen Haß gegen die Teutscheii gäbe, und sic beteuerten! wiederholt, daß kein französischer Soldat mehr an die Möglichkeil glaube, die Deutschen mit Waffengewalt aus den von ihnen er­oberten Teilen Frankreichs und aus Belgien hinauszuwerfeu Bas war der wesentlichste Inhalt ihrer Gespräche.

Abseits, zwischen einem Hausen von weggeworfenen Stahlhel - men, > nahe dem Dcahtzann, der das SammÄlager irmgab, ein älterer Mann voll dunkler Hautfarbe, mit dem Rangabzeichen eines Kapitäns: er war an der Hand verwuiidet, wie ein frischer Verband ertennen ließ. Mit keinem Wort mischte er sich in Unterhaltung: S l L tra rr mD r e j! om - Eeb er in sich gekehrt und spncktc mit einer ^erte Es Ich reu ihm nicht erwünscht, daß man ihn störte. Aber ats ich Weggehen wollte, hob er den Kops und sagte mit tiefer Stimme:Nun werden Sie ivieder gesunden haben, daß die Franzosen sehr redselig sind. Nicht wahr, mein Herr? Unsere Leuch plaudern tüchtig?"

..Ich fragte ihn, ob er damit sagen wolle, daß nicht alles zu- rresfe, was die Leute gesagt hätten. Er verneinte:Turchcnis nickt. Lder ich habe wiederholt gesehen, wie deutsche Gefangene bei uns ern ge bracht wurden. Sie sind viel schweigsamer. Heute zum ersten Male bin ich Zeuge, wie sich unsere Leute beim Eintreffen im deut- a ®f r ^"chnien. Tie sind aufgeknöpft und reden über alles, erzählen sogar, wonack sie garnicht gefragt sind. Der Unterschied ist mrr^ ausgefallen, das habe ich sagen wollen." u u JP e f g^ört, was ich mit Ihren Leuten gesprochen

L m t b der Meinung, daß sic die Stimmungen richtig geschildert haben, die rn Ihrem Heere hei'rschen?"

Doch nicht ganz!" erwiderte er lebhaft.Ich will nicht be- yaupten, daß nn Wort davon, an sich genommen, unrickltig sei AVer man muß die Tinge immer als Philosoph betrachten Es gibt zwei Arten von französischen Frontsoldaten. Solche, denen es gut geht, die irgendwo in einem stillen Schützengraben an der (spomme liegen, wie wir bis vor kurzem. Die haben den ganzen Op­timismus der Pariser Zeitungen in dem Augenblicke, wo wir nur irgend einen kleinen Erfolg melden können. Wir lesen in unserem Heeresberichte, daß wir einige Meter Schützengraben genommen und zwei Butzend Deutsche gefangen haben. Sofort ist alles oben­auf. Man rechnet aus, wann ivir die verloreiien Departements zurnckerobert haben werden, wann wir in Köln und Mainz und Straßburg emzwhen werden. Am nächsten Tage müssen wir selbst an den Feind, aber unser Angriff ist erfolglos. Gleich schlägt der Hubel iii das Gegenteil um. Gleich heißt es, wir werden Elsaß- Lothringen nte zurückgewinneu, ja, wir werdeii die jetzt verlorenen Provinzen auf ewig dazu verlieren. Das ist der Franzose. Immer rn Extremen, immer aus dem goldenen Himmel in die schwarze Unterwelt und umgekehrt. Niemals nüchtern, ruhig, abwägend wie der Deutsche. Das war unser Fehler zu allen Zeiten, das loar unier Unglück rm Frieden, jetzt ün Kriege wird es für uns zum Verhängnis, daß wir den Optimismus so schnell verlieren und nur zwischen Ueberfchwang in Optimismus und Pessimismus leben können."

Sie meinen also," wandte ich ein,ich hatte eben die Stimme von Schwarzsehern vernommen? Immerhin scheinen mir Ihre Lnrte recht fröhlich zu sein mit einziger Ausnahrne des unglück­lichen Offizierstellvertreters, der immer noch über sein Mißgeschick wernt." '

Nein " sagte er.Das wollte ich auch nicht sagen. Ich kann Nicht fv leräst ausdrücken, was ich meine. Denn obwohl Südsranzose bin ich kein Männ der Rede. Ich denke zu viel nach, über die Meli,' über mich, letzt über den Krieg, immer bin ich in Grilbeleien ver­loren. JceiTi, ich wollte nur sagen, daß Sie, wenn Sie drüben unsere Front entlang wandern irmrden, gelegentlich auch andere Stim­mungen finden und besonders der .Hoffnung begegnen ivürden, daß der Krreg für Frankreich doch noch glücklich ausgehen wird."

wiftenfchast und Leben.

Riesenmagneke im Di lenste der Chirstrqie B-w Verwendung von Magneten zum Herausziehen voir Geschoß- Ottern ist schoil öfters im Laufe des Krieges erörttrt worden und hat vielfache Anerkennung, aber auch> scharfe Bekämpfung Sahnen. Im neuesten, vest derDeutschen Medizinischen Wochen-

i 01 f nil rcr? ror ' seine Erfahrungen über den

Gebrauch von Elektromagneten mit und koMint aus Grund eines reichen Dbaterials zu der Feststellung, daß die Chirurgie in dem Magneten ein ganz hervorragendes .Hilfsmittel besitzt, und daß

^'^ehaltung gewisser Vorsichtsmaßregeln das Heraus zi ehe ft von Eiseniplittecn mit ihnr stch so schvnendl und leicht bewerkstelligen laßt,^ wie fvnst aus keine andere Weise. Freilich niüsten die Magneten zweckentsprechend konstruiert und genügend stark sein. Prof. Sultan verwendet erneu sehr leistungsfähigen Ricsen-Magneten, der eine ^ahttugel von 4 Millimeter Durchmesser aus einer Tiefe von 113 Millimeter hochzuheben vermag: wird die Stahlkugel durch em Blergeimcht beschwert, das 50mal so schwer ist als die Kugel S m 7 ? n ? tr ^ tc öon bcm Magneten iioch aus einer Tiefe von f b Millimeter angezogen. Aus diese starke Tiefenwirkung ist be­sonderer Wert zu legen. Der Magnet ist so hergestellt, daß die mrt der Wunde rn Berührung komnienden Teile sterilisiert werden können, und es sind an ihnr eine Reihe von Ansätzen angebracht, vre jrch den verschiedeneii Wuiideu anpassen. Durch Versuche an frr,cheni Lerchengchirn wurde sestgestellt, welchen Widerstand die Gehirnmasie dem M-agnettn darbietet. Dabei zeigte sich, daß ein nerner Splitter von 0,9 Gramni Gewichi durch die unversehrte Gehrrnmas»e aus meiner Tiefe von 4 Zentimeter glatt herausgehoben wird ohne daß per Magnetansaß die Hirnoberfläche berührt. Auch ganz kleine Splitter, die so ttef sitzen, daß sie dem Magneten nicht folgten, zeigen ihre Lage dadurch mr, daß beim jedesmaligen Ernstellen des Magneten die betreffende Gchirnstelle sich deutlich hebt, ueverhaupt läßt sich bei dev Anwendimg des Magneten die interesfante Tatfache feststellcn, daß, das ganze Gewebe, in dem O'br Frenrdkorper frtzt, von dem Magneten zu eiirer hohen Falte angehoben tmrd. Bamit ift die Stelle kenntlich- gemacht, an welcher

Splitter liegt. Noch ein anderer Umstand führt mit aller Deut­lichkeit dazu, daß die Lage des Fremdkörpers durch derr Magneten stets einwandfrei festgestellt werden kann. Es entsteht, auch wenn der,^remdkorpm ,on,t in der Wunde nicht zu fühlen ist, beim Ernfchalten des M agneten doch jedesmal ein Vibrieren des Geschoßt fplitters, das in der Fingerspitze als ein Kribbeln gefühlt wird. ^>o ift der Magnet für^die Feststellung der Lage des Splitters sehr, wertvoll. Bei dem Herausziehen müssen natürlich die nättgen Vorfichtsnmßregeln angewandt werden, besonders die Methode der exatten Lagebestimmung durch das Röntgen verfahren. Ist aber dies geschehen und ift der Geschoßsplitter von Eism denn viele Geschosfe bestehen ja aus anderem Metall dann ist das Heraus­ziehen mit krem Magneteir die schvnendste^lrtderSplitter- entfernung. Die Eigeirart des magnettschen Zuges bringt es nämlich nttt sich, daß der Splitter sich stets sofort von selbst m rZaugsrichtung entstellt, und'daß deshalb die nicht zu vernrerdende Verletzung auf das Mindestmaß beschrankt wird, jedenfalls sehr viel

weniger Gewebe zerstört werden, als wenn man mit der Pinzette oder den: Finger hincingeht.

K u n st g e s ch i ch t l i ch c F o r s ch u n g e n i m b e s ch l a g- n a y m t e n Messt n g. .Tie großen Metallmengeii, die in den Sammelftellen der Kriegsmetallgesellschast zu sa Minen geh) mMeu sind, find, ehe sie ihrer Verwendimg zugesührt rverden, auf'Veranlassung der deutfchen Militärbehörden genau gemustert worden, damit nicht Gegenstände von ttinstlerischem Werte veririchtet würden. Es handelt sich dabei hauptsächlich um ,allerlei häusliches Kleingerät; gerade dadurch, daß jetzt viele Tausende solcher Messinggeräte bc- Üchtigt worden sind, haben sich allerhand kunsthistorisch interessante Anhaltspuntte ergeben. Hierüber macht die bei E. A. Seemann rn Leipzig erscheinendeKunstchronik" Mitteilungen, die sich auf ernen Vortrag Harry Davids in der Berliner Kunstgeschichtlichen Gesellfchaft ftützen. Die große Masse der Ker zen l eu ch t e r oeispielsweife bot ein lebendiges Bild der Strlentwickelung seit dem 15. Jahrhundert. Zu den merkwürdigsten Leuchterformeu ge­hören einige mit einem g locken ähnlichen Fuß aus dem Eiide des 16 sowie aus dem 17. IahrhuR>ert. Dieser Glockenfuß scheint in -lnlehnung an t^ls priinitivste Leuchtgerät, den Leuchterstein mit nn gesteckter Erfenstange zur Besestigmig des Holzspanes, entstanden zu fern, ferner sind als kunsthistorische Anhaltspmrkte bei den Leuchtern noch die Spuren derDrechselbank" zu beachten. Be­zeichnend ift hier eine Mrnberger Verordnung vom Jahre 1580, ore die GehnmHaltung dieser Ersiiidung gebot. Aehnliches gilt vom Gebrauch der sogenanntenTiesenhämmer" zur massenweisen Herstellung von Kesseln und Schüsseln. Eine Zunftrolle vom ^zahre 1548 verbietet derarttgen Fabrikbetrieb alsuntuglich und unbequeme". Nächst den Leuchtern ergaben die Mörser große Ausbeute. Sie sind häufig datiert: zunächst sehr hübsche, noch ganz gottfcke Bronzeexemplare von schlanker Fornr mit Längsrippeu und einem Henkel. Die Nachahmung eines Ausgußrohres als Heiikel der ernem Sttck kommt vor an einem gmrz ähnlichen des Ger-i mamfchen Museums. Aus deni Beginn des 16. Iahrhmrderts fand sich ein hubscher französischer Mörser aus dunkler Bronze, noch ganz gotifch einpsunden, am Rande die französische Lllie. Zwischen zackigen, kurzerr Längs streifen, die an die Gläsernuppeii des 15. LambuiWerts erinnern, schwer erkennbare Büsten in grobem Relief. Ern vlaimfcher Mörser von 1582 trägt am Rande den reliefierten Trostspruch:Breest nit wat ghy leyden moet". Ms Gießernamen kommen aus Mörsern vor:Jan Konters genant Daers",Ludol- phus Harms" .sdat. 1735),Ehriftophorvs Frederieus Niettrs" lbat. 1664) Ber Puttentanz auf einem sehr schwachen Exemplar L ? Jahrhunderts erinnert an das nämliche Motiv auf einem ttalienischen Prachtmörser Des f5. Jahrhunderts sm Louvre. 7>ln Kronleuchtern fand sickf nur recht mäßige Provinzkuust Er moderne Nachahmung flämischer Formen. Ainusant wirkte fchtteßlich irotf) dre Zusanrmenftellung von etwa 20 Plätteifenuntw- f atzen, woran man deicklich versolgeii konnte, wie sich aus dem urspQinglichen Dekoratt-mrsmvtiv: Kreuz, Herz und Anker infolge Verschlingung und Verschiebungen der Form eine Leier und danii Wetter die Form eines Gesichtes entrmckelte.^ Einen ähnlicheri Ent- wickelungsprozeß zeigte der Griff des Plätteisens, wo aus deni ursprünglichen Delphin liurch Berkeiinung der Formen allmählich ern Hahn mit ecnem winzigen Dubnchen wuA>e.

u .,r- Massen speisung der Hamburger Kriegs kuchen. Unter den verschiedenen Formen der Massenspeisunge deren hohe Bedeutung der Präfideitt des Kriegsei'nährungSamtl von Batucki wieder besonders betont hat, haben sich die der .Han burger Krugskücheii sehr gut bewährt, lieber ihre Einricktun Dbt nn mtereffanter Aiissatz Ausschluß, den Oberstabsarzt T Moritz Fürst m derDeutscheri Medizinischen Wochenschrift" ve offerttlicht. Alle Küchni bereiten das Essen nad). demselben gena ^ltgflegten Küchenzettel. Düs Ess-eir, da^ ohne jede Prüfung ö, Bedürftigkeit abgegeben wird, kann an Ort und Stelle verzeh werden, wird aber meistens abgcholt. Ter Preis für die Portio zu ^ Liter betrug zunächst 15 Pfennig, womit die Kosten gedcc ivurdeii. Tlre Portton wurde dann aus einen Liter und der Prei auf 20 Pfemlig erhöht. Tie Kosten werden jetzt schon lange nick mehr durch die Ernnahnren gedockt: her DurchschniltSpreis für d Portion beläuft sich auf 33 bis 35 Pfennig, so daß 13 bis 15 Pf. ber ieder Portion von der .Hamburgischeir Käiegshilfe zugeset in Hamburg in 79 Küchen für etw 1 1500 0 Menschen täglich gekocht. Wie sehr die Masser fpeifungen an Ausbreitung zugenommen haben, geht daraus i>ci SLoÄf TezeMber 1915 670403 Liter, im Februar 191 909083 Liter Und rm März 1916. 1. 778073 Liter ausgegeb-.- wurden. Während es zunächst nur einen fleischlosen Tag in de Woche gab, wird seit Eintritt der Fleischknappheit 'zweime wochewtlrch frisches Fleisch und einmal Fleischkouserveu gegebei wobei die Menge von 100 auf 60 Gramm ermäßigt ist. All Lebensmittel, mit Ausnahinc von frischem^ Gemüse u. derg! werde von emer lKansmännischen Zenttale beschafft. Die Wenmar'ken wer oen schon am vorhergeheiiden Tage ausgegeben, so daß jede'- di von ihm gewünschte Nahrungsmenge ohne Gedränge und lange Warten in Enrpfang nehmen kann. An Ort und Stelle sollen nu die,emgen ässeu, die in der Nähe arbeiten und während der Mittags pause nicht^nach Hause gelangen können. Man will das häuslich Lebm am i^amilientisch nach Möglichkeit dadurch ariirecht erhalten daß man das!Gssen in der Haupftache mitgibt. Der Verfasser konim auf Griuid der hier- gemachten Erfahrinuxen zu dem Resultat ckr ein großzügiger Betrieb von Kriegskückien nur danii ^sichert ift mrm n" bedeutender Geldzusämß geleistet wird. Die ZilsamMeu arbeit ehrennmAich tattgei' Männer nnd Frauen mit den Ver trauensleuten der Arbeitervereinignngen itnd E^ewerkschaiten ist uu Jf 1 ?! notwendig. Ebenso ist eftie eiicheitliche Leftung und chi «ehr Mulme genaue Kontrolle der Mchen durch die Zentralleitt.nc erforderlich Vor allemi aber miiß in deir Kriegsküchen ivirllich gu gekocht werden, rmd rede Küche Muß danach streben, dem Eleschmae ihres Publikums^ nach ^Möglichkeit entgegeiizukommen.

Berlin^ 17. Juni. (Priv.-Tel.). TieB.Z. a. M." melde aus Wermar.' Die gestern abend mit einer Festvorstelluiig be gonnene zwecke .Kriegstagmrq der 01 o e t h e - Gesell s ck a s t wa außerordentlich stark aus allen Teilen TeutschlMids und Oester reich-Ungarns. Auch der G r o ß h e r z o g wvhicke der Festvorstellun, bei ^n der heute vormittag abgehaltenen Hauptversanimlung lnei Geheimrat Tr. Max Frredländer-Berlin einen Festvortrag übe Goethe und die Musik.