Tir. M Liatt
\ 06 . Jahrgang
Crfdjcim täglich mit Atcsnahme des Sonntags.
Die „Sirtzcner ^amiliendiältcr" werden dem »Anzeiger" viermal »vöchentlich beiqelegt, das „Areirdlatt fwr den Kreis G'.etzen" zweunal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit- frogen" erscheineil monatlich zweimal.
General-Anzeiger für Gderhejsen
§am5tag. tt. Zuni X9X6
Rotationsdruck und Derlaq der vrühl'fcheo Universttäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Schristleitung.GefchästSftelleu.Druckerei. Schul» straße7.Gcschäitsstelleu.Derlag:^^51, Schrift« leitung: E-^112. Adresse für Drahtnachrichten.' Anzeiger Gienen.
Der „sichere" Lieg des Vierverbandes.
Lhurchil! gegen Churchill und andere.
Das alte Lied van der groben, letzten, elttscheideltden Offensive des Vierverbandes ist wieder einmal von Herrn WinstM Cl/archul ange stimmt worden, Nur fft es jetzt das Jahr l917, für das er den Zusammenbruch der eisernen deutschctt Front erhofft, lvahrmo man uns noch vor einem halben Jahre erzählte, das; meses Er- cigins schon 1916 cintreten würde. Im ersten Kriegsivrnter war der Blätterwald der Entente sogar voll von Prophezeiungen ans die herrliche Frühjahrs- oder Sommeroffensive von 1915 gewesen.
Tie Herren haben also warten gelernt. Auch ihre Mittel znm imfehlbaren Sieg haben sich mit der Zeit geändert. Früher hoffte man entweder auf das schon vorh-andenc rusfischc oder auf da-, nelt An schaffende englische Mllwn-enhoer. .Heute träumt .Herr Churchill von ein paar Tugend schwarzen oder braunen Dwtftonen, die im Jahre 1917 ans Indien oder SCfrifa Io in men luto den oicg verbürgen sollen.
Wir sehen dem Ersclteinen dieser Vertreter der englischen Zivilisation um so ruhiger entgegen, als lcir den Wert der Wahrsagungen Churchills und seiner Geistesverwandten, auf Grund einer längeren Erfahrung richtig zu schätzen wissen. Tie m ersten unserer Leser werden es aus begreiflichen Gründen nicht für der Muhe wert gehalten haben, sich näher mit den englischen Voraus, a gen zu beschäftigen. Deshalb seien hier einige Proben davon angeführt.
Churchill am 15. 11. 1915 im Unterhaus.
(„Times" vom 16. 11.)
Wenn der Feldzug von 1915 wesentlich durch den Mangel an Munition beherrscht wordeitc ist, so sollte der Feldzug von 1916 gewannen werden, da in Deutschland Mangel an Männern ciutriü.
Churchill am 23. 5. 1916 int Unterhaus.
(„Times" vom 24. 5.)
Es ist unvernünftig, zu erwarten, daß der Krieg jetzt eine entscheidend günstige Wendmtg nimmt. Die kämpfenden Heere sind dazu zu gl eich mäßig. Nur auf dem künftigen Gebrauch und der weiteren EntwickcUmg unserer Reserven ruht die Hofftutng auf den Endsieg._
Churchill am 15. 11. 1915»im Unterhaus.
(„Times" vom 16. 11.)
Die stark befestigte .Herrschaft Englands zur See und die rasche und enorme Vernichtung deutscher Männer sind Faktoren, auf die sich Enoland mit Vertrauen verlassen kann.
England ist die Neservemacht unter den Verbündeten, und die Zeit ist gekommen, diese Reserven mit aller Macht in die Wa-g- schale zu werfen.
Churchill im Unterhaus am 23. 5. 1916.
(„Times" vont 24. 5.)
(Empfiehlt die Rekrutierung von Negern.) Warum sollen wir nicht setzt mit ihr beginnen für den Feldzug vou 1917?
Welche Rolle wird Indien im Jahre 1917 spielen, falls der Krieg bis dahin dauern sollte? Was kann uns, wenn wir jetzt mit der entsprechenden Vorbereitung beginnen, daran hindern, im Jahre 1917 zehn bis ztvvlf indische Divisionen in die Wagschale zu werfen. Ich empfehle der Regierurig, die Pläne für die indische Armee von 1917 zu machen.
Vortrag von Oberst Maude am 27. 6. 1915.
(„Daily Telegraph" vom 28. 6.)
Wenn der Prozentsatz von Deutschen, die monatlich getötet werdeit, konstant bleibt, sind die Deutschen bis anfangs November erledigt. Wir haben keine Eile, aber unsere Führer werden auf keinen nepen Winterfeldzug warten. Ich glaube, daß sich in ein! paar Wochen etwas Großes ereignet.
15 Millionen Russen sind zum Militärdienst brauchbar, und die Alliierten sind den deutschen Heereir fünf- bis sechsfach überlegen.
Churchill im Unterhaus am 23. 5. 1916.
(„Times" vom 24. 5.)
Erst wenn wir imstande sein iverden, an den Grenzen von Deutschland und Oesterreich Ungarn Armeen zu versammeln, die an Stärke wirklich dem Feind überlegen sind, dann wird die Stunde des Endsieges geschlagen haben.
Oberst Repington.
(„Times" vom 10. 4. 1915.)
Tie bedeutsamen Operationen, die in den Karpathen und zwischen Maas und Mosel vor sich gehen, stellen die Eröffnung der Sommeroffensive 1915 der Alliierten dar. Alle Armeen sind fertig znm Angriff und des Sieges gewiß. Sie sind ft'ir alle Ereignisse vorbereitet, und obwohl der Kampf hart sein wird, berechtigt uns alles, den Sieg unserer Waffen zu erwarten.
Churchill im Unterhaus am 23. 5. 1916.
(„Times" vom 24. 5.)
Viele unserer gegenwärtigen Sch)vierigleiten int Westen entstanden durch die unglückliche Offensive vom letzten Herbst. Ich hoffe, daß wir den Irrtum trickst wiederholen werden.
Daß die Engländer noch einmal einen großen Angriff gegen unsere Westfront vcrsuclwn werden, ist ja möglich. Solange nicht alle ihre Machtmittel erschöpft sind, werden sie unseren Sieg kaum anerkennen »vollen und schon um ihrer Bundesgenossen willcm auch nicht anerkennen'dürfen. Aber ebendarum kann es uns recht sein, wenn sie immer noch nicht durch Schaden klug geworden sitrü.
Line neue Rede des Grafen Titza.
Budapest, 15. Juni. (WLB. Nichtamtlich.) Abgeordnetenhaus. Im Laufe der Erörterung des Budgetproviioriums ergriff Minislerptäfident Graf Tisza das Wort und führte aus: Auch die gegenwärtige Debatte hat ergeben, daß alle Teile des ungartschen öffentliä-en Lebens dahin übereinstimmen, daß angesichts der Aufnahme, »velckie dte ans den Fcieoen gerichteten, im ungarischen Parlament tind im deutschen Neicli-Stag gefallenen Erklärungen bei nilseren Gegnern gefunden haben, uns nichts anderes übrig bleibt, als den Kampf mtt unerschütterlicher Festigkeit sort- zusetzen, bis unsere Gegner gezrmtngen sind, djc Richtigkeit unseres Standpunktes anzuerkennen. «Lebhafte Zustimmung.) Die aggressive Denkungsiveise unserer Gegner und die Bedrohung unserer Existenz, welche die Ursache des Krieges war, geht auch aus den bis in die letzte Zeit gemachten Aeußerangen unserer Gegner hervor. Gegenüber unserer Monarchie ftellen fte sich aus den zynischen StaltdPunkt, die Monarclste aufteilen und vernichten zu wollen: gegcmüber dem bentfclveri Reiche gebraucha sie das billige Schlag- w o r t v o m K a m p f e gegen den deutschen Militarismus. Es wäre sehr leicht, nachzuwüsen. daß der Militarismus, welcher auf den Völkern Europas lastet. ttirfrt ein deutscher, sondern 'ein europäischer Militarismus ist. (Leohaste Zustimmrmg.) In Deutschland ist er siclrerlich am wenigsten herausfordernd. Die Grundlage der Politik des deutschen Reiches seit seiner Einigung ist konservativ mW defensiv. Die Ausbreitung verfolgt diese Politik bloß auf wirtschaftlichem Gebiete. England führt Krieg aus Furcht vor einer Entwickelung der deutschen Volkswirtschaft und vor dem ehrlichen deutschen Wett- b e w e r b. will die Vernichtung der wirtschaftlichen Kräfte seines Nebenbuhlers. (Lebhafte Zustimmimg.) Der Ministerpräsident verweist zunt Beweise der englischen Denkungsart aus einen Artikel der „Daily Mail", tvÄcher die Ernennung Helfferichs zum Staatssekretär bespricht und hierbei sagt, auch England brauche an der Spitze seiner Regierung einen Mann, welck>er fähig ist, — man würde es erwarten, den englischen Handel zu entwickeln. — Das sagt das Blatt aber nicht, sondern es sagt: den deutschen Handel zu vernichten. (Lebhafte Bewegung.) Solchen Gesinnungen gegenüber können wir nichts anderes tun, als den Kampf fort zu setzen. Wir können mit Recht sagen, daß das Blut, welches noch weiter vergossen wird, ach das Haupt jener ftM, welch' den Kampf ohne jede moralische Berechtigung und Notwendigkeit fortsetzen.
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Unter solchen Umständen hat es wohl kernen Zweck, von Friedensbedingungen zu sprechen. Auch die Abgeordneten, welche hinüber sprachen, beobachteten mtt Recht eine gewisse Zurückhaltung. Tisza fuhr fort, er müsse in seiner verantwortlichen Stellung sich noch größerer Zurückhaltung befleißigen. Was die vom Grafen An- drasfy erörterte Lösung der polnischen Frage betrifft, so vernnist der Ministerpräsident darauf, daß auch der deutsche Reichskanzler erklärte, daß diese Lösung nur im Einvernel-men mit Oesterreich-Ungarn erfolgen wird. Der Ministerpräsident gibt dem Wunsche Ausdruck, daß die Regierung recht bald in die Lage kom- men möge, frd, auch über die Einzelheiten der Lösung dieser Frage zu äußern. Er versichert, daß alle maßgebenden Kreise der Monarchie bestrebt sein werden, daß man der Regelung der polnischen Frage sowie den Wünschen und Lebert sinteressen des polnischen Volkes in weitestem Mas"? Rechnung trage. (Lebhafter Beifall.) Die Ausführungen Apponyis, daß es nach dem Kriege einen Status quo ante auch inbezug au» die Verhältnisse im Jnnerit nicht geben könne, unterschreibt der Ministerpräsident vollkommen. Nach den Erfahrungen dieses Krieges müßten die Völker der Staaten ganz anders bewertet werden als, vorher. Dieser Weltkrieg beweise glänzend, was die ungariscl-c Nation für die Großmachtstellung der Monarchie bedeute. (Lebhafter Beifall.), Jeder, der nach diesem Kriege der ungarischen Nation nicht in aller Aufrichtigkeit und ohne jeden Rückhalt alles einräu- meit würde, worauf sie mit Recht Anspruch erlebt, wäre nicht nur der Feind der ungarischen Nation, sondern vielleicht ein noch größerer Feind der Dynastie u nd 6rr o ßm a cht st e l l u n g der M o n a rch ie. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Auch in anderer Beziehung darf es keinen Status quo ante geben. Der Krieg hat die Mitglieder der ungarischen Nation eckrander nähergebracht. Wir haben gelernt, eitrander zu fcf.äfcen und zu vertrauen. Nationalitäten- und Klassengegensätze müssen.in den Hintergrund treten. Nickt mehr Schlagworte, sondern die wahren Interessen der Nation müssen richtunggebend sein. Das öffentliche Leben darf nicht dort festgesetzt werden, wo cs vor dem Kriege unterbrochen worden ist. Alle Kräfte der Nation müssen den wahren Interessen der Nation dienen. Dies wird die beste Gewähr für eine glückliche Zukunft der Nation sein. (Leb. Hafter Beifall.)
Hierauf wurde das Budgetprovisorrum angenommen.
Ariegstagung des vundes deutscher Zrauenvereine in Weimar.
SÖoitt 26. bis 29. Juni ds. Js. finbet in Weimar in oen Räumen des Großherzoglichen Hoftheaters eine Kriegstagung des Bundes Deutsck-er Fraulenoereine statt. Die Tagung wird in erster Reihe mit zwei Probleinen beschäftigen, die durch den Krieg in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses gerückt sind, mit der Fra u ende rufsarbeit und ihrer Wcitererttwickelung nach dem Kriege und nrck der Stellung der Frau zur Beoöl- k e r u n g s s r a g e. Der ganze erste Tag ist der Erörterung der Fraue>i b ernssarbsck gewidmet, und zwar wird die volkswirtschaftliche Bedeutung der qualifizierten Frauenarbeit sowohl für die gewerblichen wie für die landroirtschaftlichen Berufe erörtert: als Referentinnen über die erstcre sind Tr. Marie Elisabeth jckiders- Brüssel und Frau Hertha von Sprung-Wien, über die letztere Frau Elisabeth Döhm-Lamgarben und Frl. Auguste Rosenberg- Budapest gewonnen worden. Am zwecken Tage behandelt Frau Josephine Levy-Rakhenau-Derlckt das Thema „ArbecksVermittlung und Berufsberatung als Mcktel der Berufsauslese" uttd Frau Tr. Elisabeth Mtmann-Gottheimer-Mannheim sowie Frl. Maria L. Klansberger-Wien sprechen über „die Neberlcittmg aus dem 5Lriegszu stand in den Friedenszustand". Am Nachmittag wird dcrrm zur Behandlung der Bevolkeruu^ftage übergegangen. Ten einleitenden Bor trag h«lt Frau Mna Lindemann-Stuttgart ; über Staat und Famckie spricht sodann Frl. Dr. Gertrud Bäumer- Berlin. Mit Vorträgett von Tr. Marie Bernays-Mannhetm über Frauencrlverbsarbeck und Mutterschaft und Dr. Marie Baum- Düssoldorf über Sozialhvgienische Bevölkerungspolittk finden diese Erörterungen am Vormittag des 29. Jimt ihren Abschluß. Tann folgt iwch eine Besprechung des ThemaS: „Famckie, Beruf un.d
r Die Rumfordsche Suppe.
(Eine Lösung der Magenftage vor 100 Jahren .)
Die Massenspeisungxn, die jetzt zur befriedigenden Lösmtg der Ni agen frage inneren dybet werden sollen, haben ein geschichtliches Vorbild großen Stils in dem gemeinnützigen Mir km des bayrischen. Grafen R n m f o r d und in seiner berühmten, über ganz Europa verbreiteten Suppe. Was der große Physiker und Menschenfreund, dessen Standbild, von Kasvar Zumbuschs Meisterhand gestaltet, voit secktem denkwürdigen Wirken noch heute in München Zetlg- nis ablegt, durch seine bahnbreckfenden Arbeiten auf dem Gebiet der Wärmetheorie geleistet, kann her nicht erörtert werden, uno auch von seiner reformatorffchen Tätigkeit in Bayern, die sich von der Nengestalttmg der Armee bis auf die Gründung des „Englischen Gartens" in München erstteckt, ist es nur ein kleiner Ausschnitt, der uns^her beschäftigt. Mer mit seinen Erfindungen und Neuerungen int Bereich des Ernährtmgstvesens lebt der Amerikaner Benjamin Thompson, der sich nach seiner kleinen Geburtsinsel zwischen New-Hantpshire und Massachusets bei der Erhebung in den Grafenstand durch den bayrischen Kurfürsten Graf Rumford nannte, noch in unseren Tagen fort. Er hat die Kartoffel in Bayern eingeführt atri* ist der Erfinder der Spar öfen, die jetzt wieder so sehr in Ausnahnte gekvmnten sind. Der „Rnntfordsche Rost", auf dent man ohte Fett kocben, backen und braten konnte, ivurde von dem Weimaraner Bvttiger in seiner« Zeiffchrift „London und Paris" als das „Allheilmittel für alle Nöte der Küche" gepriesen und erregte sogar Goethes ?tt„mcrffam- keit. „Physit ist von fRumsord," sagt ein anderer seiner oamaligen Bewuttderer, „auf die Kunst angewandt worden, die ebtigeit vielleicht als die niedrigste erscheint, die aber gewiß die Wichtigste unter den nützlichsten Künsten ist: die Kvchftmst". Als die praktische Krönung seiner sparsamen Herd- und Ofenaula gen pries der Gras aber selbst die von ihm erfundeite Rumf-ordsche Suppe, die von München aus ihren Siegeszug durch die Welt antrat und zu Beginn des 19. Jahrhunderts gewaltiges Aufselzen in ganz Europa erregte. Thompson, der als Lehrer, Lwldat, Physiker und Erfinder bereits eilt reichbewegtes Lelwn hinter sich batte, kam im Jahre 1784, durch glänzende Anerbietungen des Kurfürsten Karl Theodor von Bayern bewogeit, nach München, wurde hier zunächst Generalleibadjutant des Fürsten und hat dann als sem Kriegs- und Polizeiminister, zuletzt als fast allmächtiger Kanzler großen Einfluß auf die Verwaltung Bayerns ausgeübt. Im Rahmen der großzügigen Wohlfahrtsernrichtnngelt, die er hier durchf'ührtc, unterltahm er arick)! eilte energische Bekämpfting des Bettelwesens und der Hungersnot, die damals herrschten, und wemt er mit der Festnehmung sämtlicher Betcker durch die kurfürstliche Reiterei, wobei er eigenhändig zugriff, und ihrer Unterbringung in einent großen Arbeitshwus einen nicht gerade vor- btlhltchen Gewaltsakt durckfführte, so bat er desto mcihc für die Arrneit durch die Orgmlisatwn großer M a s s e n s pe i s u n g e n. Nack); zahlreichen wisseltschaftlichien Versuchen fand er. Wie er selbst nt seinem berühmten „Essay über die Ernährung der Armen" mttteilt, „daß die büligste, schmackhafteste und nahrhafteste Speife, die
geffmden werden konnte, eckte Suppe ist, bestehend aus Gerste, Erbsen, Kartoffeln, Brotstücken, Essig, Salz uitd WLsser in bestimmten Mengen. Die Art der Znbereckung dieser ^uppe ist dte folgettde: Wasser und Gerste werde ttzucrst zusammen in den Sparkocher getan und zum Kochen gebracht: dann werden dae Erbsen hinzugesügt, und das Kochen miter ckeinent Feuer zwet Stunden fortgesetzt. Daitn Imroven die Kartoffeln hmzu, und die Masse kocht noch eine Stunde, wobei die Flüssigöeck mck einem großeit .Holzlöffel umgerührt werden muß. Daun wird Effig und Salz hinzugetan, und zuletzt erst, wemt die Sltppe aufgettagm: werden sock, wird Brat hinetngesck>nitt>eil. Tie Menge von dtefer Suppe, die geitügt, um eine k»äfcige gesunde Person völlig zu sättigen, beträgt ein bayrisches Pftock» --- 550 Gramm." Spater gestaltete Rumford die Zubereitung noch billiger, ütbem' er der Suppe Knochen, Blut und airdere, bisher nicht verweltdett Abfack- fttoffe .^petzte. Zehntausende wurden täglich mck dieser Suppe in München gespeist, tind ihr Ruhm verbreitete sich durch ganz Deutschland, wo das Beispiel vielfach Nachahlltnng fattd. Die Wiener Dichterin Caroline Pichler gibt dieser allgemeinen Begnstermlg in ihver Idylle „Tie Mmisordsche Äuppe" Ausdruck, m der es heißt: „Wenn fick geringeren Preis, mtt leichter Mühe sich künftig / Tausende fleißige Menschen nähren: ^wenn
aus der Armick / Hütten der Mangel entweickft./ Dann
verdanken wir froh das Glück der veredelten Menschheit / Deinem ersiüdeltdett Geist, o Rumsord , der Du deS Segens / Unversteg- baren Quell in leichterworbener Speise. / Einfach ltnd füll, wie ein Werk der hehren Natur, uns bereiteist." Die Engländer! leruten durch die Einführung dieser „ökonomischst Suppe" erst Suppe essen: bei der großen Teuerung von 1796 utrd 1799 wurden in London zahlreiche Suppenhäufer errichtet, in denerl Massenspeisungen im größten Stil mck der Rumfordschen Suppe ftatt- fanden. In Paris rief man eine „Phüanthropischc GesekMast zur Verteilung RumfordsckM Sm>pen" ins Leben, die in zahlreichen Anstalten Suppen an die Artnen ausgab. Aehnlvchc Unternehmungen wurden auch in den andern Ländern Europas ins Werk gesetzt, und man berechnete, daß eine Ersparnis von vielen Mtl- lioiten erzielt werde durch die verstccktdigere Bentrtzurrg der Nahrungsmittel, die dieses SuppsweKept herbeigefrihrt habe. Die Lckeratur dieser Zeit hallt wider vom Lobe Rumfords als emes großen Wohltäters der sydenschheit: „Bon der Newa bis zur
Seine, von der Themse bis zur Tmtau sckvvebt des Grafen Benjamin Rttmford Name auf viel taufertd Lippen. Er hat die frierende und hmtgenrde Menschheit gnvärmt und gesättigt. Die Feen sangen mt seiner Wiege nur den eckten Segvnsspruch: Unser täglich Brot gibt er heute.
— „Affenartige Beweglichkeit." (Zum 50. Geburtstag 'eines SchlagSvvrtes', 18. Juni.) Am 18. Juni 1866 brachte die „Wiener Presse" nach dem AuSbrnch der FeindsÄigkeiteit in dem Bruderkriege zwischen Preußen aaef der enten Seite und Oesterreich-Ungarn sowie dessen Verbündete Sachsen, Hatm,over. Bayern usw. auf der artderett Seite an der Spitze des Morgen^ blattcs folgende vmt ihrem Mitarbeiter August K r a wa ui her-
rülwende Mitteilung: „Die bis heitte abend eingctroffenen Mck-> tecknngen entspreck/en nicht der Wichtigkeü des Moments. Tie militärische Situation betrachten wir in einent unten folgettdeN Artikel. Hier konstcttieren wir bloß, daß nach den eingetroffenen 9Nachrichten die Preußen viele Teile Sachsens besetzt haben und daß preußische Truppen nicht bloß in Hannover und Kurhessen, scmdent auch in Darmstadt eingerückt_ wären. Die preußischen Truppen entwickeln überhaupt eine affen ähnliche Beweglichkeit." Die beiden letzten Worte dieser Auslassung wurden sofort von der übrigen österreichischen sowie von der auf österreichischer Secke stehettdeit süddeutschen Presse ausgenommen, und sie ftnetten auch in der Polenckk der preußischen Blätter, die diesen Angriffen scharfe^ Erwiderungen zuteil werden ließen, eine hervorragende Rolle, schrieb bre ,,Kladderadatsch'^ in seiner Nummer vom 30. Juni 1866: „Schwsigen wir über die beklagnrswerten Vorgänge des siebenjährigen Krieges! Nur soviel ^ mollert wir erwähnen, daß sich um diese Zeit zuerst der preußische Geist in seiner ganzen Schenßkichkeck entlarvt hat. Damals zuerst zeigte sich jene affenartige Beweglichkeck, jene flohartige Kaltblütigkeck, jette scküermarttge Zähigkeit, jene hasenartige ^chitelligkeck, dttrch welche in Berbrndtmg 'mit eckt er hmtdeartigcnt Wachsanrkeck, einer katzenartigen BehutsamSett und einer efelarttgen ^cktsdauer leider auf heinttückffche Weise ein blühendes Land von der österreichischen Krone losgerissen wurde." Die „Grenzboten" schreiben in taten Tagen: „Ans dem Arsenal ihrer Bilder wappnete sich die „Presse" täglich nnt neuen Meichtrissen und ließ die Femde sich jetzt, da die „affenartige Bewvglnhkeit" tmb die „mfnfcriatarttge flckihrig-- keck" abgenutzt fcktd, mck der „Geschwindigkeck einer Epidemi^" ausbrecken." Im den Erwiderungen der preußischen Presse tst also die „affen ähnliche Beweglichkeit' der ^Preußen, von der zuerst Krawani geschriebett hatte, in eine „affenartige Betveglichkeck" umgewatrdelt worden, und in dieser Form liat sich das Dort als ein beliebtes Schlagwvrt bis znm heutigen Tage erhalten. ES spielt auch in unserer Umgangssprache als Scherzwort eine große Rolle und wckd hier am häuftgsten in der Form „Mit affenartiger Geschwindigkeit" gxbraucht. Büchmattw erinnert als Vorbild an Stelle ^der bereits im Jahre
1818 erschierrenen Börneschen Schrick „^xb'üchkenne Bemerktmgen über Oesterreich und Preußen", ckt der von der „zavpelnden 61e- schästigftck Preußens", im Gegensatz zu der „langsamen, itückr- tertten Kraft" Oesterreichs die 9öede ist, sowie an einen Artikel der „Evongelffchen Kckchen^eckuniff' vom 22. ?lpril 1848, in dent von der „äffffchen Beweglichkeit" der Frmrzosen gesprocheit wird. Der Berliner Schriftsteller .Hermann Gocdsche, der rüne große Llnzahl von Schanernomaaten unter dem phantastischen Pseudonym „Sck John RetcliM^ vetffaßt hat, gebraucht in seinem 1856 er- schienemn, noch heute gelesenen Ronunt „Sebastopol" den Ausdruck affenartige Behendigkvit irnd GeschicklichSeck." Diese Stellen zeigen, daß für die von dem Wiener SchrifMeller geprägte Redensart in Norddentschland der Boden schott gewissermaßen vorlxweitet war. 11m so leichter wurde es ihr daher, sich sestMisetzen und sich hier in den erwähntMt abgeänderten Formen dauert rd ckt unserem ^ geffügettLit Wvrtsihatz M behaupten.


