M.1Z8
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Erscheint Sglütz mftWiSnahme des Sonntags.
Die ^KiL-ener §amilknd!attcr" werden dein »Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das ..«reirblatt f«r öen Kreis Gießen" zwennal wöchentlich. Die ..Landvßirtschaftllchrn Seit- erscheinen monatlich zweimal.
M. Jahrgang
Vonnersrag. *5. Zum
General-Anzeiger für Gberhesjen
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jche» Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lang e, Gießen.
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Die amerikanische Rote an die Entente.
Das Walff-BuDeau veröffentlicht den Wortlaut des Pro-, der bereits vor drei Wochen vom Staa-tsd-epartement nr Washington an die erratische und französische Regierung in Sachien der widerrechtlichen Beschlagnahmung neutraler Postsachen gerichtet worden ist. Wir entnehmen daraus die wichttgsteir Stellen:
Es wird mft Genugtuung festgestellt, das die englische und französische Regierung nicht beanspruchen — und nach Ansicht der amerikanischen Regierung auch gar nicht beanspruchen k ö n- n eu, daß ihre sogenannten Maßnahmen eine genügende Grundlage bilden, um daraus das Recht eines Eingreifens bei jeder Art von Postsachen im Durchgangsverkehr nach oder von den Zentral- »nüchteu herzuleiten. Im Gegenteil scheint ihr Standpunkt der zu sem, daß echte Korrespondenz" 'unverletzlich ist und daß sie , ge treu ihren Verpflichtungen" davon absehen werden, solche Korrc spokcdenzen auf ,choher See" anzuhallen und zu beschlagnahmen Die verbündeten Regierungen fahren jedoch fort, die neutralen Re mw'irntgen dieser Zusicherungen zu berauben, inden» fid die Dost auf den Schiffen im Hasen statt auf hoher See anhaltcn und beschlagnahmen. Sie zwingen neutrale Schiffe ohne rechtlichen Mund, txi ihre Hasen einzulauftn, oder sie veranlassen die Schiff- fa'hrtsgefellschaften durch eine Art von Zwang, die Post auf Schiffen über britische Bestimmungshäfen und aus Schifseu, die ausschließlich britische Hafen,aulaufen, zu befördern, indem sie so mit Gewalt durch ungerechtfertigte Maßnahmen sich eine rechtswidrige Gerichts- Hoheit aneignen. Auf Grund dieser aufgezwungenen Gerichtshoheit nehmen die Behörden alle Postsendungen, Briefpost sowohl wie Paketpost weg und beordern sie nach London, wo jedes einzelne Stück, auch wenn der Absender oder der Empfänger ein neutraler ist, geöffnet und eingehend untersucht wird, um „die Unbedenklichkeit des Inhalts" je nach dem Urteil des englischen oder französischen Zensors festzustellen. Was bei dieser Durchsicht daun schließlich übrigbleibt. wird häufig mit einem Zeitverlust, der gar nicht mehr gut zu machen ist, au seinen Bestimmungsort weitergeleitet Schiffe werden aus dem Wege nach oder von den Vereinigten Staaten und nach oder von anderen neutralen Landern ansgehalten und die Post wird zurückgehalten und erleidet eine Verzögerung von mehreren Tagen, in einzelnen Fällen sogar von Wochen und Monaten, selbst wenn sie nicht für nordeuropäischc Plätze via britische Häsen bestimmt ist. Die Regierung der Vereinigten Staaten muß erneut mit Nachdruck betonen, daß die britische und französische Regierung keine rechtlich begründete Gerichtshoheit über die Schiffe erlangen -können, die sie zwingen oder veranlassen, zur Durchsuchung der Post ihre Häfen anznlanfen und daß ihnen lals Kriegführende diesen Schiffen gegenüber keine weitergeherchcn Rechte zustehen, als sie auf hoher See ausüben dürfen: denn nach Ansicht der Vereinigten Staaten kann kein rechtlicher Unterschied gemacht werden zwischen einer Poskbeschlag- nahme <mf hoher See, auf welche ja angeblich verzichtet wird, und einer Beschlagnahme auf Schiffen, die sich freiwillig oder unfreiwillig in einem Hafen befinden. Das englische und französische .Vorgehen laust darauf hinaus, daß die Neutralen in gesetzwidriger Werse in der Beförderung der Post auf dem Weltmeere beschränkt werden. Die tatsächlich befolgte Handlungsweise der verbündeten Mächte läßt nur den einen Schluß zu, daß die Kundgebung vom 15. Februar dieses Jahves lediglich besagen wollte, daß e i n rechts- . widriges Verfahren aufgegeben nmrde, um der Entnückelung eines anderer! noch nrehr rechtswidrigen und chikanbsen Verfahrens Platz M macherr. Das jetzige Verfahren verstößt nicht nur gegen den Geist der Kundgebung vom 15. Februar, sondern steht auch im ßV i d e r s p r n ch mit dem Haager Abkommen, auf das es zugestandenermaßen gegründet wird. Außerdem ist dadurch das bisherige Gewohnheitsrecht der Völker verletzt, ein Recht, das Großbritannien und feine Verbündeten in der Vergangenheit einzubürgern und austechtznerhalten bestrebt waren, obwohl es in
dem Memorandum heißt: „daß noch bis zum Jahre 1907 selbst Brrefe und Depeschen angehalten und beschlagnahmt werden konnten."
^ Wie das englisch - französische Memorandum besagt, hat Deutschland selbst im jetzigen Kriege davon abgesehen, der neutralen Post Schwierigkeiten zu bereiten; und zwar sogar in den fällen, in denen sich die Post an Bord von Schiffen der kriegführenden Mächte befand. Ein Beispiel hierfür bildet der Fall des stanzösiscken Dampfers „Floridc", der durch den Hilfskreuzer „Prinz Eitel Friedrich" gekapert worden war, ein Falt, den die englische und französische Regierung zur Begründung ihrer Darlegungen über die Pakeywft benutzt haben. In diesem Fall wurden die, 144 Säcke Briefpost der „Floride" vom Kommandanten des Hilfskreuzers bei der ersten, sich bietenden Gelegenheit an ihre Bestimmung weitergeleitet. Es scheint deshalb überzeugend nachgewiesen zu sein, daß die Belästigungen des Postdienstes, über die sich diese Regierung mit Recht beklagt, in ihrer Begründung und in ihrer Ausführung ein Unrecht darstellen. Tie von der englischen und französischen Regierung willkürlich angewandten Methoden haben die s ch w er st e n Schädigungen für Bürger der Vereinigten Staaten zur Folge gel>abt. Wichtige Schriftstücke, von welchen nur mit großer Mühe eine zweite Ausfertigung hergestellt werden kann, z. B. amerikanische Patente für Erfindungen, seltene Urkunden, gerichtliche Papiere in Nachlaßsachen, Vollmachten, Feuerversichernngsansprüche, statistische Aufstellungen und ähnliche Urkunden sind aufgehalten worden. Verzögerungen in Empfang von Verschiffungsdokumenten haben große Verluste und B e n a ch t e i l i g u n g e n herbeigesührt, indem sie die rechtzeitige Auslieferung von Waren verhinderten. Im Falle der Macnisj Horticnltural Co. in New Port sind große Sendungen Pflanzen und Zwiebeln aus Holland nach! den hier vorliegenden Mitteilungen erfroren, da infolge Fehlens der auf die Sendung! bezüglichen Urkunden, die von ben Schiffen „Neu-Amsterdam", „Osterdyk" und „Rotterdam" herunter genommen worden waren, ihre Auslieferung an den Empfangsberechtigten nicht erfolgen konnte. Gelegenheiten zu Geschäfts ab fchlüssen gehen verloren, weil keine rasche Uebermittelnng von Offerten, Voranschlägen und Verträgen möglich ist. Tie Standard Underground Cable Eo. in Pittsburg hatte z. B. für den geplanten Bau eines deutschen Elektrizitätswerkes in Kristiania Voranschläge durch die Post emgesandt. Als nach mehreren Wochen die Papiere nicht angelangt waren, erhielt die amerikanische Gesellschaft den Bescheid, daß! die Offerte nicht mehr länger offen gehalten werden könnte, und der Auftrag einem englischen Mitbewerber erteilt worden fei. Schecks, Wechsel, Postanweisungen, Wertpapiere und ähnliche Dermögensstücke gehen verloren oder werden Wochen uud Monate lang zurückgehallen. Geschäfiskorre- spondenzen, die sich auf den rechtmäßig und gutgläubig betriebenen Hdndel zwischen neutralen Ländern beziehen, Vrivatkorrespoirden- zen, selbst gewisse amtliche 'Sendungen wie Postanweisungsverzeichnisse und andere Tinge, die von Regierungsstellen aügesandt find, werden zurückgehalten, ,gehen verloren oder werden möglicherweise vernichtet. So höre ich vom Generalpostmeister, daß gewisse von den Vereinigten Staaten nach 'Deutschland, Griechenland und anderen Ländern sowie von Deutschland »rach den Vereinigten Staaten gesandte Pvstanweisungsverzeichnisse, die zum zweftennral mit dem Dampfer „Friedrich VIII." befördert wurden, der New Bork am 19. April d. I. verließ und von dem die gesamte Post im Verfolg der englischen Praxis he runter geholt wurde, verloren find. Ter Generalpsstmeister 'hat ferner Abschriften von Mitteilungen der englischen Postverwaltung vorgclegt, in denen zugegeben wird, daß am 30. Januar d. I. die Post von dem Dampfer „Medan" in den Downs heruntergeholt und erst zu einem „zwischen dem 2. Februar nrnt> 2. März liegenden Zeitpunkt" weiterbefördert wunde sowie daß 182 zu dieser Sendung gehörende Postsache während des Transports nach Holland am 26. Februar'durch den holländischen Dampfer „Mecklenburg" verloren gingen". Die „Medan" ist ohne Unfall ein oder zwei Tage nach Verlassen des Hafens in Rotterdam angelangt. Bei der hiesigen Regierung sind
zahlreiche den vorstehenden 'ähnliche Klagen eingelaufen, bereit Einzelheiten zur Verfügung stehen. Allein ich glaube genügend ^atmchen angeführt zu 'haben, um die u n e r h ö r t cundchika - rtofe Beschränkung des Postverkehrs zu zeigen wie ,re wrtgZetzt seitens der britischen, und französischen Behvrve.i'aus- geübt wrrp Nicht allein werden amerikanische geschäftlich" Inter- essen m Mitleidenschaft gezogen, sondern auch Eigentvmachte Wime internationale Rechtsrcgeln und Gewöhn! eiten verletz' Ich kann nur hinznMgm, daß diese fortgesetzte Verletzung m solchen. Verlusten für amerikanische 'Bürger führen kann und infolgedessen möglicherweise zu einer Verantwortlichkeit der Vereinigten Staaten hierfür, daß die amerikanische Regierung sehr bald g e z w u n - gen fern wird, dre Aufmerksamkeit der britischen» und f r a n z o s r sch en Regierung auf die Notwendrg- "^it eines vollen Schadensersatzes zu lenken.
44* ^^s-^ip klar und bestimmt ist und die gegenwärtige
Praxis der eiigllfchennnd französischen Negierung offenkundig mit diesem Pnnzch tm Widerspruch steht, so will ich den Standpunkt der amerrkanifchen Regierung hinsichtlich der Behandlung gewisser Arten von verschlossenen Postsachen etwas eingehender amünander- wtz,en, unter genauer Beachtung der Grundsätze, über die unsere Regierungen »m allgemeinen übereinstimmender 'Ansicht zu feiit M^uen. Die amerikanische Regierung neigt zu der Ansicht, daß dre Kategorie von Postfachen, zu der Effekten, Wechsel, Zins'cheine und ähnliche Wertpapiere gehören, ebenso wie Waren od^r andere Vermogensstücke zu behandeln ist, und daher- der Ausübung der Rechte der Kriegführenden in gleicher Weife unterliegt' Post- anwerf ungen, Schecks, Tratten, Bantnoten und andere Geldersatz- mittel muffen wobl ebenfalls als Waren angesprochen werden Dagegen müssen Korrespondenzen, einschließlich Verschiff»»»!»--»»».-- künden rmd P o f tan Weisung sverzeichniffe, selbst wenn sie sich'auf hr- 0 dcr Ausfuhr" beziehen, außer wenn sie auf dein selben Schiff mrt der Ware, auf die sie sich beziehen, befördert werden. nach Anficht der amerikanischen Regierung als „echte Korrespondenz angesehen »verden und haben ein Anrecht aus freie Durchfuhr.
^zn Anbetracht der unzuläffigen Methoden, die die. englischen und französischen Behörden anwenden, indem s e Postsendungen, die zwischen den Bereinigten Staaten und airderen neutralen Ländern, fowre zwischeii den Vereinigten Staaten und den F unden Englands verkehren, aufhalten, kann die Regierung der Vereinigten Swaten das Unrecht, das Bürger der Vereinigten Staaten durch diese Methoden erlitten haben und weiterhin erleiden, u i ch t dulden Wollte wan sich einein solchen unzulässigen Verfahren fügen, io wurde damit wiederholteu Verletzungen des Völkerrechts pAch ^ kriegführenden Mächte auf Grund' militärischer Notwendigkeit, über die der Verletzende der alleinige Richter sein würde, Tür und Tor öffnen. M ist klar,^ daß ein neutraler Staat nicht zulassen kann, daß seine Rechte auf hoher See durch Kriegführend' bestimmt werden, oder daß die Ausübung dieser Rechte von der Regierung krieg- fiihrender Staaten nach WMür zugelassen oder versagt wird Dre Rechte der Neutralen sind ebenso sicher, lvie die Rechte btt Kriegführenden und müssen streng beobachtet iverden.
Mit Rücksicht auf das Völkerrecht und die ReÄe der Neutralen, deren Berücksichtigung die englische und französische Regierung so oft betont haben, uiid deren Uebertretnng sie gegen ihre Feinde in <bem gegenlvärtigen Kriege so heftig gellend machren, erwartet dre Regierung der Bereinigten Staaten, daß das von den englischen uiid französischen Behörden gegenwärtig angewandte Verfahren in der Behandlung der Postsendungen nach imd von den Vereinigten Staaten a u f h ö r k, und daß die Rechw der' Kriegführenden in ihrer Ausübung sich nach den Grundsätzen für die Durchfichr von PoftsachNi und nach denr hierbei von allen Völkern anerkanntcri Verfahren richten. Nur eine radikale Aenderung in dem gegenwärtigen Verhalten Eirglands und Frankreichs und nur die vollständige W i e d e r l) e r s. e l - lungunserer. Rechte als neutraler Staat wird die Regierung der Vereinigten Staaten zufrieden stellen.
gez.: Ro b ert La n si n g.
was ein Norweger in Thüringen und Kranken sah.
Als der „Lebensmitteldiktator" sein Amt übernahm, um die Nahrungsmfttelverteilnng Deutschlands zu regeln, machte sich ein Norweger, Dr. I. Lindbnek, von Berlln aus rmch 9Nittel- rmd <püddeutschland auf, unr sich aus eigener Anschauung, davon zu überzeugen, wie man dort lebt und ernälwt wird. Der lange Brief, den er darüber dem „Morgenbladet" geschrieben hat, berichtet nun allerdings nur zum Teile von diesem Gegenstände: augenscheinlich hat das Thüringer- wie das Frankenland dem'dchrweger so gut gefallen, daß er die Gelegenheit ausgiebig benutzt, seinen Landsleuten .von der Schönheft des Landes und seiner allmr Städte zu erzählen. Sein Ausgangspunkt war Berlin. An Berlin findet er viel zu ‘ rülMen, nur hat er sich anscheinend daran gestoßen, daß der Berliner, wenn man ihn nach dem Wege oder nach eftoas anderem fragt, gelegentlich „Üetne Ahnung", oder „weiß nicht" mit rwiddeutscher Mrze sagt. Zur ftühen Morgenstunde fuhr er durch die sandige Mark und sah, wie angesftengter Fleiß fruchtbare Felder hervorgezaubert hatte; er ftihr durch Nadelwälder, die „wie Soldaten bei der Paradd' aussahen, sah Gefangene, rothosige Franzosen und Russen von gutmütigem Aeußeren unter der Aufsicht weniger Landsturmleute arbeiten, überfuhr die Elbe und die Saale und war nun in dem „allen Deutschland", dem Lande der Burgruinen, der alten Kirchen, der hübscheii kleineii Städte mit Erinnerungen an die Hohenstaufen, an Luther, fvie an der Zeit der literarischen Größe ums Jahr 1800." In Weimar, wo er ruf Schritt und Tritt den Spuveii Goethes, Schillers, Herderch Wielands und Lifzts begegnete, machte er die erste Beobachtung 'iber die Ernährung. Dort gab es wöchentlich 500 Gramm Fleisch nif den Kopf der Bevölkerung, also „nicht viel" nach skandinavischen Begriffen. Doch meint.er vorahnend, auch die skandinavischen Begriffe würden /ich wohl ändern. Das Fleisch, das man ihm oorfetztze, war gut, so daß der Wirt, wie er gefteht, sein Wieirerf -Schnitzel und die Bratkartoffeln mit Recht loben durste. Außerdem formte er sesrstellen, daß die Fleischverteilung gut vcurstatteu ging: 's war nicht davon die Rede, daß man wegen des Fleisches und chenso wegen des Fettes sich in Reihen vor die Läden stellte.
. «n • m ous. daß hier ein ganz anderer Menschenschlag wohnt: ne Weimarer find rcgselig, schließen sich leichter an und sind nrttellfam, und wenn man sich nach dem Wege erkuiidigte, bekam nan nicht „kerne Ahnung" zur Antwort', soüderir eineir aussühr- .rchen freundlichen Bescheid. Ninr begriff er, rvarnm in Weimar o viele Penfronen ,rnd! Anzeichen des .Krieges fanden sich in Winmar, wie überall in Deutschland: auf denr Schloßpl-atze standen -roberte Kanonen, auf den Straßen sal) inan viele Soldateii, allein! alles in allem erschien ihm Weimar so idvllisch, »oft er es sich vorgestellt hatte. Gotha, wohin er sich dann wandte, machte ibvi ernen ganz anderen Eindruck: war Weimar idyllisch, so ivar Gotha prächtig, vrächtrg m den Gebäuden- wie in den Schmuck- aniagen lind Allen Eine ganze Reihe vmr Häusern fiel dem' norwegischen Gafte befonders arrs, so das Haus der Erkannten lpothaer Feuerverilcherungsgesellschaft rurd das Schloß, das er zwar nuht besonders schön, aber imgeheuer groß nennt Tie Herzogssannlle benutzt es gegenwärttg nur zum kleinen Teile »nährend ein ganzer Flügel als Lazarett dient. Nun kam der Norweger nach Eisenach. Allmählich bemerkte er. daß er mitten im Gebiet der kleinen Staate»! war und es faßte ihn ein Mitleid mit den schickkrnvern, btc die Geographie samt der Geschichte aller
dieser kleinen' Landstücke lernen müssen. Eisenach, das ihin wegen der Wartburg und der Luthererinnerung überhaupt tvohl vertraut war, zeichnet sich, wie er schreibt, im Kriege durch die Strenge aus, mit der das Verbot der Lebensmfttelausfuhr durch- geführt wird. Im Eisenachscheu hatte der Norweger Gelegenheit, sich vom Stande der Saaten zu überzeugen, die ausgezeichnet aussahen. Beim Verweilen in Meipingeu konnte er seststellen, wie ungleichmäßig dft Regelung der Nahrungsmittelverteiiung damals noch war: ein Norddeutscher verlangte nämlich in seiner Gegenwart im Speffewagen Fleffch, und es stellte sich heraus, daß er aus Hannover kam, wo man damals noch keine Fleischkarteii hatte, während man sie in Rkeiningen berefts eingesührt hatte. Ter Kellner bedauerte, aber inl Speisewagen fand sich eftr 2lnschlag, daß in Sachsen, Bayern, Württemberg und Baden Fleisch nicht ohne Fleifchmarken abgegeben iverde. „Die geehrten Herrschaften, die keine hatten," mußten ftch demnach uttt Eiern oder Fffchen begnügen. Dr. Lindbaek gelangte daim nach Würzburg, dessen Schönheft er kaum genug zu rühmen weiß. Arrch hier konnte er sich davon überzeugm, daß die Fleischversorgimg gut war: es gab 800. Gramm aus den Kops und gleichzeitig bemeükte er, daß der Wern noch immer so gut war wft ftüher, so daß er den 17. Mai, den norwegischen Nationaltag, in Gesellschaft eftres Schwaben, der ein besonderer Wernketlner nmr, tvürdig beim Weine feiern konnte. N ü r n b e r g, der ehernalige Mittelpunkt Deutschlands, war die nächste Stadt, die er besuchte. Hier scheftrt er sich mit mebrerenj Einwohnern über die Ernährung grüiidlich unterhllten zu paben, denn er erfuhr nicht nur, daß Eier 13 Pfennig kosten, sondern! auch, daß man sie aus dem Lande bereits für 8 Pfennig kaufen! kann. Tie Nürnberger erzählten. Fleisch hätten sft genug', nur mit dem Fett sähe es nicht allzu glwrzend aus, denn es gab rgcr ein achtel Pfund wöchenllrch. Daß der Bierausschank beschränkt war, erfuhr er am eigenen Leibe, als er vor halb sieben Uhr abends welches trinfen wollte und nichts bekan». Nachdem er noch Bamberg besucht hatte, firhr er wieder zurück nach Berlfti. Der ganze Zug war voll voy Soldaten, die auf Urlaub kamen oder wieder zum Truppenteil zurückkehrten.
— Die Louftomer Ki uder im Kriege. Die Durch- sühruiig der allA-eifteinen Wehrpflicht nmcht den Engländern nrehlr Sorgen, als sie ursprünglich »vohl gedacht haben nrögen. Aus der Unzahl von Arttkellc und Zuschriften, dft die Londmrer Blätter über die direkten und indrrelleic Folgen der allgemeinen Wchrpflicht ver- öffenÜichar, laßt sich deutlich ersehen, daß die öffeuttichen Eiurich« tupgen in England unmöglich ohne große Scktzoierigkeiten den neuen Verhüttiftssen angepaßt iverden können. 'Eine Harlptso^re bereitet die Frage, nne das Schicksal all der Fainilien sich ge »'batten »runde, deren Oberhaupt denk ^stuf des funkelnagelneuen englischen Mili- tarisntus gehorchen mußte. In diesem Zusammenhang wird »nieder ein Probte ansgercKlt, das den Engländern seit Knegsbeginn schon viel zu schafseii rüachte, und zfvar handrüt es sick» »nn die Ki n d e r, deren Mütter infolge des durch die Einziehuirgen außerordcmtlich verstärkten Arbeftermangels tagsüber in den Mumtions u.nd sonstigen .Werkstätten beschäftigt sind. Das Kinderversorgrmgs- und Kindergarten -Wesen ist in Englmrd höchst »üangelhaft cuisgebildet, mrd so klagt die „Dailt, Mail" mit Recht darüber, daß die Kinde»- zum große»! Teil Opfer der neuen Verltzilttnsse »mrden »vürdcn: „Es kann nicht geleugnet »verden, daß die ln'stehenden Institute zur Uebertoachung und Versorgung von Arbeiterkindern den neuen Er
fordernissen unmöglich gerecht werden können, da sie sich schon bisher als durchaus nicht leistungsfähig und zweckentsprechend genug erwieseu haben. Ein Besuch mehrerer Londoner Kinderkrippen konnte diese Meinung nur bestätigen. Zwar gibt es eine Anzahl gut eingerichteter Kindergärren. die vo»i 8 Uhr miorgens bis § Ubr abends geöffnet, sind und täglich für ein Kind 4 Penny, für zwei Kiirder derselben Familie 7 Penny und für drei .Kinder 10 Penny verlangen. Hier »verden die kleinen Pfleglinge rein gebalten., genährt und über»racht. Aber dies sind, wie gesagt, nur- einige »venir e An,tollen, die Mehrzahl der Kinderkrippe»: tmrrde leider Zn höchst tadelnswertem! Zustaud angetrofsen. ©3 fehl: an ausgebildeten Sck»vestern und an Aerzten. Und so begegnet man in den Londoner Kindergärten einer Vertvahrlosnng, die de»: Pflichten der Behörden rn küner Weise entspricht. Ich sah solche Anstallen, in dene»r es keine sanitären .Hilfsmittel gab und auch die Reinlichkeir aU ein Deutlich unbeachteter Begriff erschien. Die Räurnlichkeften »voran unsauber, und vftken Kindern sah mün sehr deutlich den Manael an ärztlicher Pflege an. Jinmer wieder erfuhr ich, daß es nickst genügend behördlich angestellte Aerzte gäbe und daß manchmal »vochenlang kein Krankenbesuch stittsinden kenn, da die Privatärzte in großer Zahl von der M il it ärver» vallung gebraucht »yerden So wird die Durchsührunig der allgemeinen Wehrpflicht Mem Anschein nach ffir die Kinder der awütenden Klassen ei»u gKälnliche Krise zur !Folge haben, und die Nation »riri> nock» me kr Opi er als bisher bringen nrusseli, um diesem MiUtand eftngernmßen zu begegnen.
r <- y «v , M. IU l l l Il U, Jt ’C N IlgeN
bllckllche Knappheit auf dem Bier mar kt ist, so utkangenehn: sie v-u den Verehrern des Gerstensaftes enipffinden »vird, dennoch hu neues Ereityns in.der uralte»! Geschichte dieses voll' -»lib''ei
"fttränkes des Deutschen. Sv Nwr vor genau 200 Jahre,» die tz>" st in der Neumark mißraten. Wenn das Bier ferner diese: e" GL« »me bisher auf'lveisen sollte, maßte es notwendigerweise im Preis steigen. Durch einen sogenannten Bierrezeß »mir in der Neumor festgesetzt worden, daß von einen» Wispel (üerste 12 Tom.w » 'ü, - gebraut, und der Preft^ des Bftres drein»a! im Jabo»' ?» Mül- -Z Wechnockiten und Ostern, »rack, dem Preise dm Gnste brttimnr werden sollte. Nu»» m-rtangten aber- die der Girni
son, daß der Preis des Bieres »richr gestergert »eürd- -md da» der Soldat, der sem besttnnntes Quanttrm lwben »nmse d>- Quart, mc bi&ftt, für 6 Pftmsig erhielt: die Branr,- köm»»e» sich ia dadurch lwffen, daß »re dünnes Bftr br»-iiie>» ^ie Pstegn aber, denen es weniger aus die Ätzasse, al- aus die d - Bftr-.- ankam, woMen lieber etwas mehr zahlen, als ein idMedm^ Ge trern i haben, und wandten sich mit eflier den reift s vz-eckren den Vor- stelluirg an den praktischen SoldattnLönig Friedrich Wsiieelm I. der daraus svlgeikde migMelli' Enffcheidnn' erließ: .E» hat'-en
Seine Königliche Majestät aklergnädigs» resvlvier». daß in den^i Stzrdten, wo Garnisons lftgen, mm Belass de. Soldaten un- armen Leute »vöchentlich eine gewisse Za!n der Bran?>gner nack der Reibe herum nichts aks Speise-Bier nns 1 Sckn'sfti Malst pro Tonne brauen »n»d das Bier nach de»- ' »re des Gersten brüste vnd der l ln kosten höchstens wft 6 Pfennig dos Quart bezahle! »verden solle. Die übrigen Brnneignm aber sollen ü zwenen Sebüftl Maltz pro Tonne brauen und das Bier nach der ordinären - -", Lande und Städten gesetzten Taxe bezahlet, auch davon die ? -e» Schank-Krüge versorget werden, »oft dessakls an die Krftp r .? Stener-Komnnssarie»k jedes Orts gehörige Ordre erqmrgnr.


