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Mrse Bun-esratsverordmmg
über den gewerblichen Betrieb in der Schuhbranche.
B^e r l i n, 14. Juni. (WTB. Amtlich.) Der Bundes- r a t Hut in seiner Sitzung vom 14. Juni entsprechend den iiberei:iftimmenden Wünschen der Verbände der beteiligten Arb.ltgeber und Arbeitnehmer eine Verordnung erlassen, nach der für gewerbliche Betriebe - in denen Schuh- w irren mit ledernen Un(erböden irgendwelcher Art her- gestcllt werden,, sofern die Zahl der gewerblichen Arbeiter oinschli-eßlich der Hausarbeiter (Haus gewerbetreibenden, Heimarbeiter und dergleichen) mindestens vier beträgt, die Arbeitszeit in den Werkstätten oder Fabriken für den einzelnen Arbeiter und Betrieb in der Woche 40 Stunden ausschließ tick) der Pausen nicht überschreiten und ebenfalls nur eine entsprechend verringerte Arbeitsmenge zugeteilt werden darf. Durch diese Einschränkung soll bei der Knappheit der verfügbaren Vorräte an Bodenleder die Ar- bei'tsgelegenheitvermehrt und der E n t l a s s u n g zahlreicher Arbeiter vorgebeugt werden. Um Umgehungen zu verhindern, wurde weiter bestimmt^ daß Personen, die in Werkstätten oder Fabriken beschäftigt sind, Arbeit zur Verrichtung außerhalb des Betriebes nicht übertragen werden darf, ferner, daß die Stücklöhne und Stund enlöhne nicht herabgesetzt und die Tages- und! Wochenlöhne nur im Verhältnis zu der tatsächlichen Beschränkung der Arbeitszeit gekürzt werden dürfen. Die Regelung der dabei nicht in Betracht kommenden Fragen, zum Beispiel die Höhe der Entschädi- gnng, die dien Arbeitern für unverschuldeten Loh uausfall zu gewähren ist, ferner der Beiträge, welche die Unternech itret zu diesen Entschädigungen zu leisten haben, und der Bestimmungen darüber, unter welchen Umständen eine Verminderung der Zahl der Arbeiter stattfinden darf, wird ' durch die Kontrollstelle für frei gegebenes Leder in der Weise erfolgen, baß nur solche Betriebe, welche versprechen, sich den'Anweisungen zn fügen, Leder erhalten.
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Stuttgart, 14. Juni. (WTB.) Die Z weite Kam mer des Landtages nabm heute nachmittag ihre Sitzungen wieder 1 auf. Ministerpräsident Dr. v. Weizsäcker führte u. a. aus:
Von der leitenden deutschen Stelle sind kürzlich die Bemerkungen des englischen Ministers des Auswärtigen, Grey, und seiner ' Genossen über den preußischen Militarismus gebührend zurückgewi-esen worden. Aber ein Wort zu den Reden über den preußischen Militarismus ist auch in Süddeutschland den Einzel- staalen gestalten ja meines Erachtens notwendig. Sir Edward Grey und seine Landsleute haben vor Adern und an vielen Orten des , Westens die'Schlagkraft der schlväbischen Soldaten kennen gelernt (Bravo) uird nässen, daß wir stolz ßnd auf den schwäbischen Herzog und Armsefützrer dort oben; wir wißen, daß auch Schwaben auf den Kriegsschiffen sind, die den Traum der englischen Vorherrschaft zur See empüudlich gestört haben. Den Engländern ist unbekannt, wie wir im Süden es dankbar anerkennen, daß der preußische vaterländische Militarismus im Geiste der Befreiungskriege von 1813, 1814 und 1815 uns alle nunmehr in dem Befreiungskrieg gegenüber der BergewaltigunKspolitik der Entente schützt. Das deutsche VpU ist in dem Kriege zu einer Gemeinschaft von einer solchen Fnffgkeit zusanrmengewachsen, die es in der bisherigen Geschickte nicht gab. (Bravo!) Das« ist der partikularistische Geist, der heute noch in den deutschem Stämmen wach ist und der darin besteht, daß jeder StaniM das größte Opfer für das gemeinsame Vaterland in seinem Daseinskampf zu bringen bereit ist. Alle känrpfen für die nationale Zukunft unseres Volkes. Wir vertrauen aus unsere Kraft, in ihr liegt die GcwcvMe füge unseren Sieg.
Aus StaHt und Land.
Gießen, 15. Juni 1916.
** Die Oel- und Fettv erteilung durch die Stadt hat gestern in beiden Berkaufsstellen Neustadt und Zlsterweg ihren Anfang genommen. Maar hat den Verkauf diesmal besser organisiert wie bei der Eier Verteilung, indem man die Ausgabe an die Konsumenten bezirksweise eingerichtet hat. Gestern und heute machte sich die Sache recht gut und von einem Gedränge war nichts zu bemerken. Es ist auch gar^z zwecklos, sich schon vor der Eröffnung der Verkaufsräume lange vorher wartend aufzuhalten, wodurch erstens die unliebsamen Menschenansammlungen verursacht werden und weiter bei der Austeilung der Ware ün Innern der Räume das Gedränge entsteht. Es ist soviel Oel und Fett vorhanden, daß ein jeder die ihm zugeteilte Menge wirklich erhält, ob er vormittags oder nachmittags den Einkauf vorninrmt. Die Käufer können aber nicht oft" genug gebeten werden, kleine Münze mit zur Stelle zu bringen, damit das Zahlungsgeschäft sich glatt abwickelt und damit nicht unMrge Zeit durch Wechseln größerer Geldstücke und Scheine verloren gehst.,Während der Tage, an denen; ptl und Fett abgegeben wird und ebenso an den Spargel- tojert ruht der Verkauf von Käse und Hütfenfrilchten ganz.
X ** Der Oberhessische Bienenzüchter -Verein vefaitschltet vom 26. Junr bis 1. Juli in H i r z e n h a i n einen Kursus. Außer Bereinsmitcfliedern finden auch Kriegsinvaliden, Fmuen oder Töchter gefallener Krieger Ausnahme. Für Unterkunft und Verpflegung der Teilnehmer wird gesorgt. Anmeldungen sind sofort zu richten an Buß, Leihgestern, oder Hensel in Hirzenhain.
Landkreis Gießen.
** Annerod, 15. Juni. Ersatzreservist Heinr. P f e i f f e r beim Res.?Jns.-Regt. 176, z. Zt. im Osten, wurde mir der Hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.
K. Kl öfter-Arnsburg bei Lich, 14. Juni. Am Pfingst- dienstag fand hier das Jahressest des evang. Rettungshauses Arnsburg statt, wegen der feuchten Witterung leider nicht im Walde, sondern in der Kapelle, die von melieren hundert Besuchern dicht besetzt war. Tie Festpredigt hielt Pfarrer Schmidtmann aus Kaldern bei Marburg über die Wandlung der Herzen, worauf der Generalsekretär der evang.-kirchl. Blaukreuz-Verb ände^ Pfarrer Dr. Burck Hardt aus Berlin, über das Thema: Der Kamps der Geister gegen zwei Fronten" sprach. Er betonte besonders, daß jetzt noch täglich 42 000 Zentner Gerste verbraut, eine unverantwortliche Ndenge Kartoffeln zu Trinkbrannt-, tvein verarbeitet würden. inrd daß der'' Schutzverband für das Brauereigewerbe vor einiger Zeit eine Millivri. Zentner Zucker verlangt habe! In der Nachversämmlung zeichnete derselbe Redner einige erfteuliche Bilder von Erfolgen wider die Wkoholnot in Heer und Flotte.
o Lang-Göns, 15. Juni. Kriegsfreiw. Karl Nern, Sohn des Käsesabrikcmten und Landwirtes Karl Hch. Nern, erhielt das Eiserne Kreuz. Karl Nern diente beim Jitt.-Regt. 222, 3. Komp., wo er verwundet wurde. — Unteroffizier Wilh.'D e rn beiin Art.-Regt. 205 erhielt das Eiserne Kreuz. Dern ist der Sohn des Käsesabrikanten und Landwirts Hch. Dern.
tt. Treis a. d. Lda., 13. Juni. Das Eiserne Kreuz 2. Klaffe erhielten Unteroffizier I o ch e m aus Laubach, der vor dem Kriege hier als Lehrer gestanden, und Gefreiter Phil. Kehr, Sohn des verstorbenen Schneidermeisters Phil. Kehr V. dahier, beide in der 5. Kompagnie Jns.-Rgts. Nr. 116.
Kreis Lüuterbach.
> ,M. Engelrvd, 15. Juni. Nicht allem die Eier sind jetzt ein begehrenswerter Artikel, sondern auch die Hühner selbst werden jetzt von Liebhabern ausgesucht und anscheinend zu Züchterei an ick Anbetracht der einträglichen Eierprerse angelegt. Um jedoch die Anzucht recht billig zu haben und recht schnell zu dem! lockenden
SSerbieuft zu gelangen, hat ein solcher Liebhaber in der Macht v»m zweiten auf dritten ^Pftngsttag dem' Spezereihändler H. Schäfer von hier einen ganzen Stamm, 13 Hühner mit Hahn, ans dem Stalle entwendet. Der Täter konnte noch nicht ermittelt werden.
. Kreis Schotten.
§ Aus dem Vogel Sbe cg, 14. Juni. Auch auf dem Gebiete des Tabakverbrauchs hat, wie bei schon so vielen Verbrauchsartikeln und Lebensmitteln, eine rege Einham st erung Platz gegriffen. Bei den bisherigen Preissteigerungen von nur 5 Pfennig für das Paketchen Tabak hat Man sich es ruhig gefallen lassen; jetzt aber, wo das Paket aus 20 Pfennig mehr in die Höhe geht, fangen verschiedene Raucher an, sich einen stattlichen Vorrat aufzukaufen. Manch altes Groß,Väterchen, ivelches gewohnt ist, seine Pfeife nicht ausgehen zu lassen, und nun doch den Griff in den Geldbeutel nicht zu tief Machen will, geht zum Hamstern aus. Kann er in seinem. Orte nicht genug Vorrat bekommen, wird ein Gang in die nächste Umgegend unternommen — und es sieht gar zu wunderlich aus, wenn, dann der alte Großvater schwer beladen mit Tabak heimkehrt. Ein Sätoiber ist es gerade nicht, daß der Tabak bei uns immer weniger wird, denn es sollen, wie verlautet, bei Manchem bis zu 100 Pa kochen (25 Pfund) Tabak aufgestapelt sein.
Hessen-Nassau.
[] Marburg, 13. Juni. Tie festlichen Veranstaltungen, welche mit der Grundsteinlegung des Invaliden heims für Jäger und Schützen verbunden waren, begannen gestern in den mit Waldesgrün und Jägerzeichen geschmückten Ztadtsälen mit einem Begrüßungsabend. Heute mittag schloß sich die Hauptversammlung an, in der u. a. die Organisation des Vereins für ganz Preußen besprochen rvurde. Nachmittags um 4 Uhr bewegte sich, trotz der Regenschauer vom Marktplatz aus ein stattlicher FAt- zug, in dem eine Kompagnie Jäger, die Vereine, die Jugendw-chv usw. vertreten waren, nach, dem Baugelände am Ortenberg, wo in feierlicher Weise die Grundsteinlegung zu dem Gebäude statt- wird. Ansprachen hielten Kommerzienrat Schäfer, Bankier Karl Strauß und Oberbürgermeister Trv j e. Später schloß sich ein von Angehörigen des Jägerbataillons Nr. 11 und Mitgliedern des Vereins ehemaliger Jäger und Schützen veranstalteter Md- grüner Abend an, dessen Reinertrag dem Bausands zufließen soll, ver jetzt 160 000 Mark beträgt und zu dem in Marburg ausschließlich der von der Stadt beivilligten 20 000 Mark allein 100 000 Mark gesammelt wurden. Die Gesamtkosten des Heims rcetöen; aus 350 000 Mark veranschlagt.
ul. Limburg, 14. Juni. Auf Veranlassung des Warenhauses Geschwister Mayer wurde dieser Tage bei einer Diezer Familie, ans,der ein Mädchen und ein Junge in der betreffendest Firma beschäftigt sind, eine Haussuchung vorgenommen. Die Polizei förderte ungeheure Mengen gestohlener Gegenstärwe aller Art zu Tage. So fand sie Kleiderstoffe, Leibwäsche, Haus- undi Küchengeräte, Schmuck- und diippsachen, Lederwaren, Uhren, viel Schuhe, wertvolle Teppiche, die im Bett versteckt gefunden wurden. Der Wert dieser iviedergefundenen Gegenstände erreicht schon jetzt die Höhe von 1200 Mark. Der Hauptbeteiligte an den Diebstählen ist ein erst 15 jähriger Lehrling, der verhaftet wurde.


