Ausgabe 
8.6.1916 Zweites Blatt
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Die schweren Wochen.

Wiederholt Und mit vollem Recht ist in der letzten Zeit betau.) Mngewiesau ivotÄen, daß die Peatt^e, in der mir uns jetzt be­finden, und die anschließenden Wochen den schmrerigsten Ver- sorgungsabschnttt im ganzen Jahre darstellen. 9ln Brotgetreide .verfügen wir - abgesehen von den neu ein treffenden ausländischen Mufuhren nur über die zusanttnengeschmolzenen Restbestände der letzten Ernte, die zwar völlig ans reichen, uns aber keine 'sonderlich große Bewegungsfreiheit lassen. AehnlicheS gilt min- Jbtefteitö bis zur Frühkartoffelernte (deren Ertrag ja auch begrenzt M von den Kartoffeln, gilt vom Zucker, dessen Vorrat vor dar nächstm Campagne nicht vermehrt werden kann. Das Fleischangebot ist außerordentlich gesunken und wird und muß auch noch längere Zeit niedrig bleibeit: denn wir können es uns unter seinem Umstättden leisten, in größerem Umfarrge auf Milch-, Zucht- nrrd Spanuvieh zurückzugreiseit. Wirkliches schlachtbares Vieh für bat Weischvarbrauck ist. wie <ru£ beit verschiedensten Landesteilen immer von neuem berichtet ivird, nach! der Befriedigung der An­sprüche der Heeresverwaltung nur in ganz geringer Zahl vor- «vorhanden. Der Fleischkonsum wird noch, wochenlang auf ein Minimtim herabgedrückt bleiben müssen, wenn wir nicht und charan fiten uitd darf an verantwortlicher Stelle nienvand denken > -qe Grundlage nnsever späteren Versorgung mit tierischen Nah­rungsmitteln. die Grundlagen deö Wiederaufbaus unserer vor dem Kriege so reichen Viehbestände gefährden wollen.

Unsere Soanmerkost wird also fleischarm sein. Dafür werden -Ms bald große Mengen frischer Gemüse zu Gebote stehen, für deren zweckmäßige Verteilung, für deren organisierte Zuführung .an die großen Verbraucherzentren, insbesondere durch die neugeschaf- ftne Zentrale, der Reichs-gemüsestette, gesorgt werden wird. Die wird auch die Produktion fördern, darauf hinzuwirren fachen, daß der für den Gemüsebau in Betracht kommende Boden onSglichst vermehrt und möglichst rest- und unterbrechungslos ans- ^enutzt wird. Für die bessere. Versorgung mit Butter und Fett­stoffen hat, wie amtlich mitgeteilt wird, das Kriegsernährungsamt -vcsondeve, rasch wirkende Maßnahmen in Aussicht genommen. 'fto sich sind gegenwärtig die Voraussetzungen für eine Steigerung »her Buttererzeugung günstig. ...

Die Znsammensetzmtg unserer Mahlzeiten muß sich den be- .simbereu Umständen, mit denen wir zu reckmen haben, anpassen: iGr Wert braucht deshalb nich' oder jedeitsalls nicht nt irgendwie bedenklicher Weise zu sinken. Daß auch mit dem. was vorhanden ist, kräftige und Mtsreichende Mahlzeiten für alle hergestellt werdeit können, werden die ans zentralisierter K ü ch e n s ü h r u n g fußenden Speisegemeinschaften bew^eisen, deren Etn- xichtung in den größeren Städten im Zuge ist oder bevorsteht.

Kriegsbriefe aus dem Westen.

Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.^

Die neuen Kämpfe östlich der Maas.

Bor Verdun, am 5. Juni 1916.

Wieder einm al versuchen die Franzosen das Kriegs g lück, welches gegen sie entschieden hat, durch.eine unwahre Be­richterstattung zu korrigieren. Nach Angabe des französischen Heeresberichtes sei es den Deutschen höchstens gelungen, am Ostrande des Dorfes Damloup Fuß zu fassen, das Dorf selbst aber sei im sranMsischen Besitze. In Wahrheit ist das Dorf Damlontz von uns tu einem Anlaufe restlos erstürmt und die Besatzung samt Könrmandeur igefangen worden. Die Linie ist dann noch beträchtlich westwärts in dem Gelände «wr dem Dorfe vorgeschoben worden. Der oberirdische Teil vrm Damloup ist, wie alle Ortschaften dieser Kampfzone, unkenntlich znsammengeschossener Trümmerhaufen. Da­gegen waren die Keller von den Fvcmzasen mit großem Meitze zu Unterständen aus gebaut worden. Außer der In­fanterie sind in dem Dorfe nanientlich Pionierzüge ge­fangen »genommen worden, welche den Auftrag» hatten, die MÄer durch ein weitläufiges Netz von unterirdischen Gängen miteinander zu verbinden. Die Verluste, welche die Nrwnzvsen bei ihren wiederholten verzweifelten Gegenan­griffen auf unsere neugewonnenen Stellungen erlitten ha­ßen, sind ungeheuer schwer, namentlich die an Toten und jSichSoerverwu'ndeten. Eine einzige, frisch eingesetzte sran- tzSfische Division hat in wenigen Tagen über sechzig Pro- Knt ihres Bestandes liegen lassen, fast sämtliche fvan- Kofische Divisionen, die schon Nach wenigen Tagen der DchVacht wieder aus der Feuerlinie zurückgezogen werden Achten, sind so zerpflückt gewesen, daß sie für dret bis vter

Sine Nacht an der italienischen Zront.

Ern.Engländer, der an der italienischen Front den mächtige!: Vorstoß des österreichisch-ung ar ischeit Heeres von Südtirol ans müerlebt hat. schildert in derTimes" einen nächtlichen AngrM der Oesterreichcr auf den Monte Eollo:

Tie Nacht ist klar und mild: der Mond erhebt sich rot über btvt Horizont. Das Haupt guartier befindet sich in einem ehemaligen österreichischen Schlosse, das einen Hügel krönt. Zu unseren Füßen dchrrt sickz das Tal aus, die.Bergketten rechts mtd lmks scheuten sich im Westen in einent Winkel zu vereinen. Hier beherrscht eure schwarze Bergniasft das Tal. Dies ist der Pmrarot ta, dte starke Stütze des Feindes. . . ..Das Auge der Oesterve-cher . so ruft &A hnwer Offizier, als ton dem KaMm ein L i ch tstrahl aus- gcht, der mit großer Helligkeit die siefer gelegene tlalumsche Stellung bescheint. Sogleich bemüht sich ein italtentscher Scheinwerfer, sein Licht gerade in das des österreichtschen pi werfen, um die Oesterreicher zu blenden. Ein anderes öster­reichisches Licht blitzt über das Tal herüber, und sogleich ntmmt eia anderes italienisches den Kamps auf. Länger Äs em-e Stmtde suchen so feirrdliche Suchlichter einander in der Wirkung aufzu­beben Diese Nacht werden die Oesterveicher angretsen. ^yve Lichter feget: über die .Hügelkämme hin, verfolgt von denen der Italiener. Jetzt steht der Mond hoch am Himmel: schneebAeckte -Gipfel, schattige Abhänge, Dörfer innerhalb der ttaltentzchen Kutten wie die innerhalb des unsichtbaren stählernen Rrnges baden sich tn fernem silbernen Lichte. Wir sind kaum 7 Kilometer am den vorgeschobenen feindlichen Stellungen erttfernt. Tre Bühne ist Hergerichtet, die Schlacht soll ansangen. Wtr gehen durchseme Ege Landstraße. Dte Strahlen der Schemwerfer blitzen durch die DäuMe hin und her me gewaltige Glühwürmchen. Dte klare Stimme einer Nachtigall schallt durch dte sttlle Nacht, Wie liegt eine große Stadt, die jetzt geräumt tst: ihre EtMvohner smd Ln alle Winkel Italiens zerstreut, und die verlassearen Hauser und leeren Straßen geben der ©seltene etwas Avwirkliches, was Summen der Feldtelephondrähte, die eilig^ über dte Aaste der Bäume geworfen sind, ist das einzige Anzeichen der Auwesenhell von Menschen. Truppen steht man nicht, nichts verrat dee ^cähr der großen Schlacht, nichts tonnte friedlicher fern: tm SuuMe ouaken die Frösche und der Geruch frisch gemahlen Gruses durch- Lieht das Tal. Die Minuten dehiten sich: eine Stimde wrrd zu etner Ewigkeit. Am Rtorgen dieses Tages hat hinter den Bergen, nn gtäcksten Tale, ein gewaltiger Kampf stattgcfunden, und dennoch ist kein Laut der Geschütze hierher gedrungen uitd wtr wissen nicht, was sich ereignet hat. Die Oesterreicher greifen nämlich twn mner einzigen Basis an, ihre Schlachtlinie ist nicht länger als ckb Ktlo- weter und geht von einer Zentralstellung aus, während die Italiener int gleichen Mschnitte durch die Art des Geländes gc- tzwungen sind, lauter Eiuzelgesechbe zu liefern, die nur nttt äußerster Schwierigkeit einheitlich geleitet werden können . . . Kurz vor 1 Uhr morgens cröffiten die österreichischen Batterien das Feuer. Vom Westen, vom Norden, vom Osten zerreißt der Hagel der Granaten Und Schrapnells den Kamin der Höhe, des Monte Eollv. gegen die der Angriff sich richtet. So furckstbaresMrtilüriefeuer hat man an der italienischen »Front noch nicht erlebt: 38er, 30,5er, 24er, 14,9er und 10.5 er regnen körntüch auf die fttrze itaüeutsche Grabenlmte.

Wochen gänzltch erledigt waren und die Mannjchasten in diesem Frontabschnitte nicht mehr ins Feuer zu bringen sind. Ein fvanzösisches Bataillon, welches in einer Gefechts­stärke von 700 Mann in die Bereitschaftsstellnng gebracht wurde, um im Chapitre-Wälde einen Gegenangriff zu inachen, verlor noch», ehe es in die Sturmste!lüng kam, dreihundert Mann, hauptsächlich an Toten. Es ist begreif­lich, daß der Rest ohne^ Siegeszntrauen angxiff, als sie vor die festen, deutschen Stellungen kamen. Wie mir die Ge­fangenen erzählten, hätten die Deutschen den Angriff nicht ab gewartet, sondern feien mit Hurraschreien und auf- gepfl-anzten Bajonetten den französischen Sturmlinien ent­gegengestürmt. Dieser Anblick habe so lähmend gewirkt, daß die Franzosen die Waffen sinken ließen und sich ergaben.

W. S ch e u e r m a n n, Kriegsberichterstatter.

Aus dem Reiche.

Zur Rede des Reichskanzlers.

Berlin, 7. Juni. (WTB. Amtlich.) Der Kaiser machte heute nachmittag dem Reichskanzler eine^ längeren Besuch.

Berlin, 7.Juni. (WTB.) Dem Reichskanzler sind nach seiner Reichstagsrede aus allen Teilen Deutsch­lands so zahlreiche Glückwünsche zugegangen, daß es ihm leider unmöglich ist, allen Absendern für die Kundgebung der patriotischen Gesinnungen einzeln zu danken.

Darmstadt, 7. Juni. (Priv.-Tel.) Auf das Glück­wunschtelegramm, das die h e s s i s ch e n M i n i st e r aus An­laß seiner vorgestrigen Rede im Reichstag an den Reichs­kanzler gerichtet hatten, ging, wie dieDarmstädter Ztg." meldet, dem Staatsminister v. E w a l d folgendes Telegramm des Reichskanzlers zu:

Staatsminister von Ewald. Eure ^Exzellenz, unh die Herren Minister von Hombergk und Dr. Becker bitte ich, meinen herzlichen Dcmk zu'ihrer freurtdlichen Zustimmung zu meiner gestrigen Rede entgegenznnehmen. Sehr wider Willen, aber mxä stncttsmännischem Zwang bin ich den Treibereien öffeittlich entgegenAetreten. Die UnteLstützung, die ich ouch im Hessenlcrnde in so wohltuender Weise fand, und die bei meinem neulichen Besuch einen mich tief be­wegenden Ausdruck fand, würdige ich in dankbarster Ge­sinnung. ,

von Bethmcmn Hollweg.

Eine Aussprache über die Kolonialpolitik.

Berlin, 8. Juni. Die Deutsche Kolonialgesell- sch a ft hatte zu gestern abend eine Versammlung ein­berufen, in der Mitglieder aller Reichslagsparteien gemein­sam ihren Gedanken über unsere Kolonialpolitik Aus­druck geben sollten. Vom Zent r u m sprach der Abgeordnete S ch w a r tz e , sür die Nationalliberalen Stresemann, für die Freisinnige Volkspariei Naumann, sür die Kon­servativen Graf Westarp, für die Sozialdemokraten Lensch. Der letztere führte aus, durch den K^rieg habe auch die deutsche Kolonialpolitik für die Sozialdemokratie eine ganz andere Beurteilung erfahren. Die deutsche Kolonial- politik habe in diesem Kriege ihre Feuerpfobe bestanden. Deutschland bedürfe der Sicherstellung seiner wirtschaftlichen Zukunft. Dies sei aber nicht zu erreichen ohne die Erschütte­rung jenesDespoten des Weltmarktes", wie einst Karl Marx die englische Bourgeoisie genannt habe. Alle Ausfüh­rungen des Abends gipfelten in dem Satz, Deutschland mußte ein Kolonialreich werden und es muß es daher auch bleiben. Im Schlußwort wies der Vorsitzende, Herzog Johann Albrecht, darauf hin, daß die Deutsche Kolonialgesellschaft niemals Parteien gekannt habe, und daß sie überzeugt sei, aus der Einigkeit der deutschen Nation werde auch das über­seeische Deutschland zu siegreicher Macht und Blüte empor­steigen.

Zu der Beratung der Ernährungsfragen *

hat Abg. Dr. Werner-Gießen mit Unterstützung der Deutschen Frattion folgende Entschließung eingebracht:Der Reichstag wolle beschließen: den Herrn Reichskanzler zu er­suchen, schleuuigst .alle zweckdienlichen Maßnahmen zur Un- texdrückung des wucherischen Kettenhandels ver­anlassen zu wollen."

Von fernen Tälern her kvntmen viele Granaten, über hohe Berge hinweg, umi inmitten der Draht­verhaue und Gra bcnbrüst u nge n zu krepieren. »Feuerzurtgert schießen aus den kleineren Batterien, die aus benach­barten Hügeln stehen, aber die Mehrzahl der Geschosse kommt ans großer Ferne. Die Erde unter unseren Füßen schwankt bei jedem Einschlag einer großkalibrigen Granate. Nur wenn ein Geschoß zn weit geht und unseren Hügelabschniti erreicht, gibt es einen donner­ähnlichen Krach, den die hundert Talfalten weiterwerfen. Ueber dret Stundeit hält das Troinmelscner an. Die italienischen,Geschütze scheinen auf Antivort zn verzichten. Mer jede Batterie ist bereit, jedes italienische Ge-sck-ütz ist auf eine Stelle eingeschosftit, dte der Feind kreuzet: müß. Jeder Mann ist aus seinem Polten, alles wartet gesvamtt. Der Morgen däintnert allmählich herauf. Die Luft des Alpentals ist kalt und rauh: ein schivacher Wind weht durch dte Bäumtz. Die Kanonade hött aus; von unserer Stellung können imr den Sturnt des Feindes nicht sehen, aber ein breiter schwarzer Stteifen frisch aufgeworfenen Bodens aus dem Kamm des Monte Collo zeigt die Wirkung der Beschießung. Wie ein gähnender Krater ist der Mcken des Berges ansgerissen; um und um gepflügt, Stachel­draht, Schanzen, Grabenlinien alles ist verschwunden und btldet einen Wirrwarr mit aufgeworfenen Erdschollen. Eine Minute ver­geht, zwei Minuten, fünf, sie kommen! flüstert der Beobachtungs- Posten. Ein Donner der italienischen Artillerie begrüßt den An­greifer. Sie komineit heran. Undeutlich unterscheidet man eine dunkle Masse, die sich vorwärts bewegt. Noch emtge Granaten sausen, dann verstumNtt das Geschützfeuer, man hött das Knattern der Maschinengeivehre der »Feind erreicht die itallentschen Graben. Die ersten Lichtstrahlen zeigen neu; eingreifende Massen, Juc den Hügel heraufkommen. Sie drütgen tief in den aufgepstügten^tretten ein. Es scheint, als hielten sie den Hügel besetzt. Sw stolpern durch das aufgewühlte- Gelände bis zu den italienischen Stell'nngen, dann springt aus der Erde ein italienisches^ Bataillon heraus, und man glaubt den SchlachtrufAvanti! Savoda! Avant:!" zu Horen. Einige Stund-en später sehe ich wieder nach dem Monte EoUo hm- nber. Der Kamw ist leer, aber unterhalb des Gipfels haben ttauen>- sche Truppen nette Stellungen bezogen und eine endlose Reihe be­packter Maulesel windet sich langiam^ aus dem Tale am Berge tn die Höhe.

Der heilige Medardus und der Rc ge n s ch t r m. n 8. Juni.) Der 8. Juni, der St. Medardustag, ist ein von Landlmteit gefürchteter Derinin, denn wenn es an Mwem e regnet, regnet es nach einer alten Wetterregel 40 Tage lang. Tag gehört' zu den sog. Lostagen, die Zengeit ein^ alttu. auch Nserer mtsgxklärten Zeit noch nicht überwimdenen Merglaubens , und die nus der Amtahme beruhen, daß die an geivtsten en herrschende Witterung von bestimmtem Einfluß auf das ter der nächstfolgeitdeu Zeit sei. Es hat sicherlich, noch, nremand Htat können, daß es nach einem verregneten Medardus-Tage zig Tage hindurch täglich, geregnet habe. Trotzdem verbergt so schreibt uns ein Mitarbeiter, in dem an diesen Pag getniM- Aberglaubeit ein kleines Körnchen Wahrheit. Es steht fest ist durch langjährige Beobackstungeit erwieset: wvwen, daß wr ersten Hälfte des Jüüi stets ein starker Kalöerückfall em-

Stuttgart, 7. Juni. (WTB. Mchtamtlich.) Der Ent­wurf des Finanzministeriums für den württember g i - scheu Staatshaushalt von 1916, der heute im Staatsanzeiger veröffentlicht wird, stellt fest, daß die staat­lichen Finanzen die gewaltige Erschütterung durchs den Krieg im »ganzen nicht schlecht üb erstanden haben.. Für' 1916 sind vorgesehen rund i 21 Millionen Mark Staat saus gaben und 112,8 Millionen Mark Staatseinnahmen. Es ergibt sich ein Abmangel von 8148045 Mt. Zur teilweisen Deckung schlägt die Regierung die Erhöhung der Einkommen- st en er um 25 »Prozent vor, wobei sich die Erhöhung bei den Einkommen von 5000 Mk. abwärts ans 20 bis nur 5 Prozents ermäßigt. Es werden hierdurch 3 Millionen Mark Mehr­einnahmen gewonnen. Die Deckmtg des übrigen Fehlbetrags soll der Zukunft überlassen bleiben. Ter Abmangel soll zu­nächst »durch einen Vorschuß aus dem Betriebs- und Vor- ratskapital der Staatshauptkasse ausgeglichen werden. Der Entwurf gibt dem dringendsten Wunsche Ausdruck, daß un­mittelbare Eingriffe in das Gebiet der direkten Steuern von seiten des Reiches vermieden werden.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 6. Juni 1916.

Neuregelung des Margarincbezuges.

Die ständigen Klagen, die ans allen Teilen der Bevölkerung bei den Reichs- und Staatsbelstirdeit über eine ungleichmäßige Ver­teilung der Inla nds ma r g a r ine , d. h. derjenigen Mengen, die von dei: Margarinefabriken Deutschlands hergestellt werden, einliefen, haben den Krtegsausschuß für Oele und Fette veranlaßt, nachdem auch der von der Margarineindusttie eingesetzte Ausschuß sick damit einverstanden erklärt hatte, den zuständigen behördlichen Stellen eine Neuregelung der Verteilung dieser Jnlandsmargarinc vorzuschlagen. Ter Kriegsausschuß ging hierbei von der Erwägung aus, daß es im Interesse der gesamten Volksernährung liegen müsse, nicht nur die Auslands mar gar ine, bereit Verteilung ihm als Monopol bisher oblag, unter Berüch'ichtigung des Bedürf­nisses der Bevöllerung zur Verteilung kommen^ zu lassen, sonvern auch die Jnlarrdsmargarine durch eine Zenttalstelle zu leiten, um zu vermeiden, daß, wie dies bisher anscheinend noch der Fall war, gewisse Teile der Bevölkerung sich reichlich durch ihre Handels­beziehungen Mtd auf sonstigen Wegen mtt Inlands Margarine ver­sahen, während der größere Teil der Bevölkerung,, tnsbesondere die schwer arbeitende Jndustriebevölkerung bei der Eindeckung mit Margarine leer ausging.

Die gesamten Ma-rgarinefabviken des Inlandes sind nunmehr verpftichtet worden, die am Abenddes 3. Juni 1916 in den Fabriken vorhandenen Vorräte an fertiger Mar­garine und Speisefett zur Verfügung des Kriegs­lau s s chu s s e s zu halten. Das gesamte auf diese Weise dem Kriegsausschuß zur Verfügung stehende Monatsguantum wird nach einem besttmmten Verteilungsschlüssel unter Anlehnung an den Butterverteilungsschlüssel aus die cin^lnen Bimdesstaaten verteilt, die ihrerseits bereits dem Kriegsausschuß die Empsangsttattonen und Verteilungsstellen in den einzeltten Bundesstaaten angegeben haben. ... ^

In Preußen erfolgt die iVet'teilung aus die einzelnen Provinzen nach den Weisungen des Ministeriums des Innern.' Tie Vettei- lungssLellett in den einzelnen Bundesstaaten oder preußischen Pro­vinzen geben ihrerseits das ihnen zustehende und ihnen genau bekannte Quantum Margarine an die einzelnen Kvmnrunaloer- bände und'Gemeinden zm Abgabe an die Bevölkertmg weiter.

Es darf wohl erivartet werden, daß bei dieser Regelung der Volksernährung weitere Fettmengen und in gleichmäßigerer Weise als bisher zugesührt werden. Es ist nun Sache der Kom­munen, die ihnen überwiesenen Mengen mtter Berüchichtigung der besonderen Bedürfnisse bestimmter Bevölkernngsklasftn ztir Verteilung zu bringen. Die-Margarine, die ttotz einer noch recht erheblichen Produktion in den Winterinvnalen selten nur im Verkehr zu haben war, wird jetzt ein regelmäßiger Faktor der kommunalet: Nahrüngsmittelverteilnng werden._

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Betr. : Die Berusungsftist für die Staatssteuerveranlagung.

Durch Verfügung Großh. Ministeriums der Finanzen, 916* Leitung für Steuerwesen, vom 22. Mai ll I. zu Nr. F. M. St. 17 784, ist für unseren Bezirk die Frist für die Berufungen gegen die Staatssterterveranlagung für 1916 bis zum 20. Juni l. I. erstreckt worden.

Grünberg, den 29. 9Rai 1916.

Großh. Finanzamt Grünberg.

Wenzel. '43470

zittreten vftegt, in dessen Gefolge dann Regengüsse eintteten. Diese Wetterstürze haben sich dem Gedäckstnis des Volles eingeprägt, und man hat sie aus bestimmte Tage festgelegt. Warum gerade der heilige Mcdardus, der einstige Bischof von Nyon und Herr des Landes Salenoy, der int 9. Jahrhundert gelebt hat, und desset: Todestag ttach seiner Heiligsprechung zu seinem Gedenktage ans­ersehen wurde, mtt frm Regen in Verbindung gebracht worden i»t, läßt sich nicht mehr feststellen. Vor einigen Jahren erzählte das in Metz bis zum Ausbruch des gegenwärtigen Krieges in franzö­sischer Sprache erscheinende BlattLorrain" nach einer französischen Quelle über die Beziehungen des Heiligen zum Regen folgendes: Eines Tages begab sich der heilige Bischof Medardus an den Hof Lothars I., dessen Beichtvater er war. Unterwegs wurde er von einem wolkenbrttchartigeit Regen überfallen, aber zrnn Schutz sandte ihm Gott einen Adler, der ans seinem ganzen Wege über ihm schwebte und ihn mit seinen ausgebreiteten Flügeln bedeckte. Sv war die Idee des Regenschirmes erfuitden: es war nur noch nötig, den Stock dazu zu erfinden." Danach könnten also die RegMschirm- fabrikanten in diesem Heiligen ihren Schutzpatron verehren. 9lber sicherlich hat der heilige Medardus mit der Erfindung des Regen­schirmes nicht das geringste zu tim. Dieser stantmt aller Wahrschein­lichkeit nach aus dem Orient. Nichtiger gesagt verwandelte sich der vom Morgenlande überkommeite Sonnenschirm in deit Ländern, in denen der Regelt geivissermaßen an der Tagesovdirung ist, in einen Regenschirm. Der Besitzer des ersten Regenschirms, der bisher historisch nachgeiviesert werden konnte, war der Papst Jo­hann XXIII., der auf idem im Jahve 1415 in Kvnstcntz abgel-attcnen Konzil abgesetzt wurde. In einent sehr seltenen Buche, das itfrr dieses Konzil erschienen ist, befindet sch eine Mbildung, aus der eilt geharnischter Ritter dem Papst auf einer Fahnenstange ein großes ungefüges Regendach nachträgt. In der Kvnstanzer Chronik findet mau über diesen Regenschirm folgende Auskunft: Man führt auch dem Papst ein Wunder großen Hut nach, der war von färben rot und gelb, geformiett glhchioie ein große Hütten, oben gespitzt wie ein Jmmenkorb, und ein guldiner Csnget daram mit einem Creutz. lind solchen Wätterhut und Hütten, sürt ein Ritter im ganzen Kürist, ans einem weißen Pferd mtt rotem Thuch verdeckt, an crirer stangen. Und diesen Hut mußt tnan dem Heiligen Man fülwen, sich des Regens darunter zu erweliren." Es kann keinen: Zneisel ;un±erliegen, daß dieser Re.geitschirm de-> Papste? nach dem Muster eines Baldacksins angesertift wurde, der »ett jeher in der katht^Mten Kirck^e bei Prozessionen üblich war Es vergingen freilich noch melwer-e Jahrhunderte, bis die eigentltch-e Lausbahtt des modernen Regenschirms beginnen konnte. 9lm ver­breitetsten nurde >däs Paraplltie unter dem Könige Ludwrg \1\ . von Frankreich (1643 bis 1715). In Deutschland iverden tm 16. JahrhundertSchirmträger" fürstlicher Personen ermahnt; aber erst im Anfang des 18. Jahrhunderts fand hier das ,.Regen­dach" allgemciite Ausatahme. Ter kiütttrgesctricbtltchen Forscht mg gegenüber halt also die Legeitde nicht stand, daß der hetltge ''..me­dardus der Erfinder des Regenschttms gewesen sei. Er gttt aber in km katholischen Gegenden' Deutschlands und in Ftnukreick- von altersher allgemein als RegenlMiger und tn den Zetten großen Dürre wird seine Fürbttte angerusen.