Ausgabe 
7.6.1916 Zweites Blatt
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VHKH wb zerrst nicht fco einer übertriebenen Bescheidenheit. (Zststimmung.) Richtig ist das auch nicht. (Erneute Zustimmung.) Wir gestehen niemand zu, daß er mehr Vaterlandsliebe besitzt als wir übrigen Reichsangehörigen. Ich glaube auch nicht, daß sie mrS so überlegen sind, daß sie eine Ausnahmestellung für sich be­anspruchen können und ich bestreite ihnen auch eine bessere Kennt­nis der tatsächlichen Verhältnisse, als wir und vor allen Dingen die verbündeten Reigerungen sie besitzen. Hätten sie nicht bei den vielen Vertrauensmännern, auf die sie sich immer berufen, die Möglichkeit gehabt, bei unseren vertraulichen Be­sprechungen alles das zum Ausdruck zu bringen, wozu sic nach chrer Meinung verpflichtet waren? (Sehr richtig!) Sie hät­ten darauf verzichten müssen, öffentlich vor der ganzen Welt Dinge zu verhandeln, von denen sic sich sagen müssen, daß die Welt sie nicht zu wissen braucht. (Sehr richtig!) Bei allen diesen Dingen innerhalb und außerhalb des Hauses handelt es sich nur umdieBeseitigungd es Reichskanzlers. (Sehr richtig!)

Die Bundesgenossen, die sich hierzu zusam- mengefunden haben, würden nach der Erreichung dieses Zieles sehr bald wieder auseinanderfallcn. Sic haben sich aus Motiven mnerpolitischcr und außerpolitischer wirtschaftlicher und sozialer Natur zusammengefunden, erreichen sie es hier, dann wird unter ihnen der Streit erst recht ausbrechen über das. was sie wollen. Es würde nur der erste Schritt, aber nicht die Lösung des Streites fein. (Sehr richtig!) Wir bekämpfen diese Agitation nicht um^der Person des Reichskanzlers, sondern um der Sache -willen. Schon sachlich ist es ein Unglück, wenn mitten im Kriege ein Volk den leitenden Staatsmann wechseln muß. Das kann man bei unfern Gegnern sehen, die wohl mehr als wir Ver­anlassung zu einem Wechsel der leitenden Staatsmänner hätten, die aber im Interesse ihres Vaterlandes itzll mit allen Kräften zu verhindern suHen. Wir haben keinen Grund zu einem Wechsel im Reichskanzleramt. (Zustimmung.) Wir wissen nicht, wer sein Nachfolger werden soll. Es ist ja eine ga-nzc Liste genannt. (Heiterkeit.) Der Reichskanzler verfügt über daS unbegrenzte Vertrauen der Bundesfürsten und des 'Bundesrats, unserer Verbündeten und ihrer Sraatslenker. und täglich mehr über das Vertrauen des ganzen deutschen Volkes. (Zustimmung.)

Das Volk ist dem Kanzler dankbar, daß er den Ausbruch des männermordenden Krieges zu verhiiUrern gesucht hat, inenn auch seine Anstrengungen nicht' von Erfolg gekrönt waren. Besonders dankbar sind wir, daß er uns vor einem unheildrohenden Kon- fftf* roit den Vereinigten Staaten bewahrt ^hat. Wir wissen jetzt schon, wie wertvoll es für uns ist, daß wir den Frieden mit den Vereinigten Staaten bewahren konnten, und daß wir uns damals nicht ans neben der Sache liegenden Mo­tiven in eine verderbliche Politik haben hincinreißen lassen. Wenn es einmal zu Fricdcnsverhau dl ungen kommen wird, wird der Reichskanzler nicht über' unsere Köpfe hinweg, sondern im Einverständnis nrit der Volksvertre­tung Vorgehen. Wir versehen uns zu ihm, daß er die Friedens­verhandlung mit Einsicht, mit Festigkeit und mit Kraft führen werde. (Lebst. Zustimmung links.) Man kann allmählich auch seinen Freunden, gegenüber von seiner Kraft reden. sLebhafter Beifall.) l

93ci der Abrechnung mit seinen Gegnern hat man sehen können, auf welcher Seite die Kraft steckt. (Lebhafter Beifall.) Der Reichskanzler ivar der Stärkere. (Erneuter Beifall links.) Er wird sich bei den Fricdensverhaudlungen nicht von denen ins Schlepptau nehmen lassen, die glauben, nur mit der gepanzerten Faust allein könne ein Frieden zurechtgestämmert werden. Wir trauten dem Reichskanzler zu, daß er sich bei der kommen­den Neuorientierung nicht in den Dienst einer mächtigen politischen oder wirtschaftlichen Gruppe stellen, sondern die Wah­rung der Allgemeinheitsintcressen zu keiner alleinigen Richtschnur nehmen wrrd.^ (Beisall.) Unser machtvolles Heer und unsere be­wunderungswürdige Flotte haben Großes vollbracht. Im Bunde mit ihnen wird der NeiÄMkanzler uns auch den endgültigen Sieg auf allen Fronten schaffen, der uns den Frieden bringt. (Bei fall.)

Ist es denn nicht eigentlich unser aller Pflicht, den R e i ch s k a n z l e r z u st ü tz c n , zu tragen und zu heben? (Leb hafte Zustimmung links.) Nur durch volle Einigkeit können wir

den berechtigten Kern zu erkennen. (Bravo! rechts und bei einem Teil der Natl.) Viele diejer Aeußerungen, der größte TeU von ihnen, beruhen auf vaterländischen ernsten Empfindun­gen, das durchaus gepaart ist mit einer sorgfältigen und gedank­lichen Durcharbeitung der Interessen unseres Vaterlandes. (Leb­hafter Beifall rechts und bei einem Teil der Natl.) Vielfach kommt in diesen Aeußerungen öffentlicher und nicht öffentlicher Art eine entschlossene opferwillige und tatkräftige Gesinnung zum Ausdruck.- (Sehr wahr! rechts.) Gewiß, vielfach sind auch weit gesteckte Ziele ausgestellt. Der Reichs­kanzler aber würde sich den Dank des Landes verdienen, wenn er sich entschließen könnte, über die Form hinaus den berechtigten Kern auch dieser Ziele nnzuerkcnncn und ihn nutzbar zu machen. (Sehr wahr! rechts.) Wenn dann die Zensur aufhörcn würde, auch nur der leisesten Kritik selbst da, wo sic aus bestem Willen und wohlverstandenen Gründen hcrvorgeht, den Weg in die Oessentlichkeit zu verlegen und sic mit dem Schleier des verbotenen Geheimnisses zil umkleiden, so würde auch damit viel erreicht sein. (Beifall rechts.)

In der gestrigen Kanzlerredc fanden die Ausführungen bc- sonders lauten Beifall, in denen sich der Kanzler gegen die Vor­würfe verteidigte, die ihm wegen seiner Politik gegenüber der Sozialdemokratie gemacht worden sind. Heiße Liebe und glühende Bewunderung durchdringt uns alle für die Pflichttreue, mit der auch jene Männer, die sich zur Sozialdemokratie rechnen, draußen ihre Pflicht erfüllen und ihr Leben, ihre. Gesundheit und ihre Tatkraft für Vaterland cinsctzen. sLebhafter Beifall.) Heiße Bewunderung empfinden auch wir dafür, daß die sozial­demokratischen Abgeordneten am 4. August, nach außen geschlossen und scheinbar einmütig, in selbstverständlicher Pflichterfüllung, wie wir alle, dem Vaterlandc gaben, was des Vater­landes ist. Das ist uns eine liebe und teure Erinnerung. Es befreit uns aber nicht von der Verpflichtung, ernste Bedenken zur Sprache zu bringen gegenüber der Politik, die der Reichs­kanzler jetzt gegenüber der Sozialdemokratie verfolgt. (Lebhaftes Hört, hört! links.)

Die Sozialdemokraten haben jede Gelegenheit ergriffen, um zu erklären, daß sie von ihrem früheren Programm nichts, aber auch gar nichts aufbietcn. (Sehr richtig! bei den Soz.) Noch am 6. April hat der Abg. Scheidemann ausgeführt: ..Wir find, was wir waren, und wir bleiben, was wir sind: Sozialisten und De­mokraten." (Sehr richtig! bei den Soz.) Der Abg. Scheidemann hat auch das Programm der Sozialdemokratie er­wähnt, an dem festzuhalten sie entschlossen seien. Dieses Pro­gramm aber ist das Programm des K l a s s e n k a m p f e s , der Umwälzung der .Grundlagen unserer Gesell- schaf tsordnung, das Bekenntnis zur Republik. Ich habe keine Aeußerung irgend eines Sozialdemokraten kennen ge­lernt, in der er dieses Bekenntnis zur Republik zurückgenommcn oder redigiert hätte. (Sehr richtig! rechts.) Das ist ein tiefer und g r u u d l e g e n d e r Gegensatz. Und dieser Gegensatz übt seine Wirkung auch aus auf die Stellungnahme und Be­handlung der politischen Fragen, die mit der Kriegsführung un­mittelbar Zusammenhängen. Die Ablehnung jedes Annexious- gedaukens hat Formen angenommen, die diesen Gegensatz noch verschärfen müssen. (Sehr richtig! rechts.

Annexionsgedankens auf anderem Standpunkt stehen als niedriger Profitgier beschuldigt und sagt, daß cs Leu

dir» «-in <m S/iw £v= r. ~ c.

Deutschland dauernd gestärkt aus dem Krieg an Macht. Ehre und Einfluß. (Stürmischer

unsere Ziele erreichen. (Beifall.) Lassen wir die innnn Kampfe, sie schaden d:r Allgemeinheit. Die die Kämpfe ge imhrt haben, kämpfen für aussichtslose Ziele. Deshalb sollten sie Jetzt auf ibrc Weitervcrfcchtung verzichten. Unser KricaSzicl darf Jetzt nur sein, daß ~ 1

hervorgeht, gehoben

Beifall.) Das müsten wir Durch planmäßiges und e i n h e i t lichcs Zusammenwirken zwischen Regierung und Parteien fordern Die Meinungsverschiedenheiten der Beratungen der letzten Monate haben die Bevölkerung verwirrt. ~ Mr müssen uns wieder auf ein klares Ziel einigen. Dann werden wir <ruck das unbegrenzte volle freie Vertrauen der ganzen Be. volkerung haben. (Lebhafter Beifall.)

t j Abg. Graf Westarp (Kons.):

Die gestrigen Vorgänge sind ungewöhnlich

Einem Teil der Ausführungen des Reichskanzlers vermag ick nicht die entscheidende Bedeutung bcizulegen, wie cs vielfach der ,--all zu sein scheint. Er hat sich eingehend mit der ano­nymen Broschüre beschäftigt, die unter dem Decknamen Iunius Alter erschienen ist. Sie ist uns vollständig unbe kannt. Inzwischen habe ich fcstgcstellt, daß sie mir auch zuge gangen ist (Aha-Rufc links), und durch einen Zufall nicht den Weg gesunden hat, den bei mir anonyme Broschüren sonst ungc- lelen wandern. Die Anonhmjtät ist für mich auch dadurch nicht gehoben, daß die Broschüre unter der Firma der Abg. Struwc macht Bewegungen, als wenn er mir nicht glauben wollte, ich wciie das mit Entschiedenheit zurück (Heiterkeit links) die Anonymität ist für mich dadurch nicht aufgehoben, daß die Ucber- rxichung von einer Bismarckrundc geschehen ist. Ich kenne die Vereinigung nicht, ebenso wie mir ist cs allen meinen politischen freunden ergangen, mit denen ich über diese Angelegenheit lprochcn habe. sZuruf bei den Soz.: Ahnungsvoller Engel!)

Nachdem ich jetzt den ersten Blick in diese Broschüre getan kann ich nur sagen, daß die Aufmerksamkeit, die durch die Reichskauzlerrede auf sic geleiikt worden ist, nicht im vatcrlän- dllchen Interesse liegt. (Sehr richtig! rechtst Ernster als diese anonyme Broschüre liegt für uns die Ailgelegenheit des Ge­ne r a ! l a n d s ch a f t s d i r c k t o c s Kapp. Gegen Kapp hat der Reichstaiizlcr den schweren Vorwurf erhoben, er habe ihm den Vorwurf staatsvecräterischer Gesinnung gemacht. Weder der Wortlaut des vom Reichskanzler verlesenen Satzes noch der Zu­sammenhang, in dem er steht, zwingt irgendwie dazu, solche i\ r ^ Ü r f c gegen Herrn Kapp zu erheben. (Sehr £ lC w rcc * ,t§ -) Herr Kapp wendet sich nur dagegen, daß unter dcr Parole der Einigkeit versucht lvird, Kritiken und Meinungs­verschiedenheiten zum Schweigen zu bringen, deren Aussprache denjenigen, die diese Meinung haben, als vaterländische Pflicht crjcnenicn. '(Sehr richtig! rechts.) Das ist ein Gedanke, der in weiten und wohlgesinnteii Kreisen weit verbreitet ist und wenn dieser Gedanke zum Ausdruck kommt, so kann ich nicht an­erkennen, daß dadurch Anlaß zu einem so schweren Angriff vor­liegt. (Lebhafte Zustimmung rechts uiid bei einem Teil der Nationalliberalen. Widerspruch links und Zurufe: Jena!)

Gewiß, öffentlich und nicht öffentlich verbreitete Aeußerungen bringen oft das, was sie sagen ivollen in Form einer scharfen Kritik an unserer auswärtigen Politik zum Ausdruck. Viele dieser Aeußerungen schießen nach Form und Inhalt weit über das Ziel hinaus. Sie enthalten Angriffe, von denen ich zugeben will, daß der Reichskanzler berechtigt ist, sie als ver. letzend zu empfinden. Ich möchte auch den Reichskanzler und die ihm nachgestclltcn Organe'bitten, in diesen Aeußerungen

ge-

zu rütteln vermocht. (Beifall können wir unsere grundsätz- Eisen werfen. (Wiederholtes

Wenn dann der Abg. Noske all die Leute, die hinsichtlich des

er. hier

, , ^ eute feien,

die ein Interesse an der Verlängerung des Krieges haben (leb­hafte Zustimmung links), und wenn heute Dr. Gradnaner von rücksichtslosen Gewaltmenschen und ausschweifenden EroöerungS- politikcrn (L-ehr gut! links) sprach und ihnen egoistische Interessen unterstellte, wenn er sagte, daß man Kricgsziele aufstelle, um a u s in ncrpoliti scheu Gründen den Reichskanzler zu beseitigen, so ist das alles eme Kampfesart, die als Agitations­mittel im Klassenkampf wirksam sein mag. die uns aber nicht die Ucberzeugung beibringcn kann, daß dcr tiefe und unüberbrückbar« Gegensatz Zwischen uns und der Sozialdemokratie jetzt übcrbrückt sei. (Lebhafte Zustimmung rcckls. Unruhe links.) Wir können diesen Gegensatz auf keinen Fall bcrwischen lassen. Auch wir haben unter dem Eindruck des Krieges neue Anregungen bekommen und sind bereit, neue Forderungen än- zu erkennen. (Zurufe links: Welche?) An den Grundlagen unserer Auffassung, an. unserem monarchischen Stand­punkt aber hat der Krieg nicht rechts.) Unter keinen Umständen lichen Auffassungen zum alten Bravo! rechts.)

Besondere Bedeutung legen wir den Ausführungen des Reichskanzlers bei, in denen er die Politik der V c r'st ä n d i - gung mit England, wie er sie vor dem Kriege verfolgte, rechtfertigte. Es gibt jm Deutschen Reiche keinen einzigen Menschen, dcr nicht volle Billigung hätte für das Ziel des Reichs­kanzlers, .England von' der Koalition unserer Feinde zu lösen, und für den hohen sittlichen Ernst, mit dem er für die Verfolgung dieses Zieles eingetreten ist. Die Frage ist nur, ob immer die richtigen Mittel angcwendct worden sind, ob das Ziel nicht viel besser erreicht worden wäre durch festes Betonen unserer eigenen deutschen Interesse! als durch Nachgiebigkeit, ob insbesondere nicht 1912 von unserer Seite Angebote gemacht worden sind, die dem Gegenwert nicht «n'tsprachen. und ob die Aussichtslosigkeit der Verständigung nickt früher' hätte erkannt werden können. (Sehr richtig! rechts.) Das sind Meinungsverschiedenheiten unter ernsten Männern. die wir aber nicht setzt, sondern erst nach dem Kriege zum Austrag bringen wollen.

Heute kommt es auf etwas anderes an: d i c V o I i 1\ f b c r Verständigung mit England i st fehlge schlagen. Die Tatsache, daß wir mit England nicht zum Ziel gelangt sind, steht fest; sic ist lart. aber sic ist unwiderleglich. Unter diesen ''Umständen glaubei wir jetzt, wo der Reichstag auf Monate aus­einandergeht, um unserer Verantwortung willen unseren Stand­punkt zu dieser mwiderleglichen Tatsache aussprcchen zu sollen. Wir meinen, sfr eine Politik der Verständi - gung ist in diesem Kriege kein Raum mehr. (Sehr wahr! rechts.) England ist der Feind, der die Welt von Feinden gegen un; aufgerufen hat. von Englands gutem Willen haben wir nichts, wer auch gar nichts für den Frieden, nichts, aber auch g ar n' ch t s für unsere Zukunft zu crwar t c n. (Sürmischc Zustimmung rechts.)

Um der Versündigung mit England willen dürfen wir kein Krnegszicl, das wir erobert haben und da? wir im Interesse un­seres Landes behacken müssen, aufqeben. (Erneute Zustimmung rechts.) Es g i l t, E n g l a n b s K raft z u s ch w ä 'ch c n und unsere Kraft ( u st ärken , daß wir England zwingen töu- nen, unser Recht cuf Dasein, unsxr Recht auf Zukunft, auf den Zutritt zur Welt md zum Weltmeer anzuerkeunen. In diesem Zusammenhong Hahn die Erörterungen über die Anwendung der Il-Bootc für uns eire besondere Bedeutung. Die Meinungsver­schiedenheiten über >icfc Frage sind nicht beseitigt. Ich wider­stehe der' Versuchuni, gegen das zu polemisieren, tnas der Vor­redner gesagt hat. ^ ch kann die Vertraulichkeit nicht b r e ch e n und beginge mich mit der Wiederholung der klaren und deutlichen Fcstsellung, daß die Eutlvicklüng, die diese Frage genommen hat, unercn Erwartungen nicht entspricht. (Sehr richtig! rechts und bi. den Natl.)

Ich habe eine Er k r u n g obzugeben, zu der ich mich schon gestern, bevor der Richskanzler sprach, zum Wort gemeldet habe. Wir geben der E nt r ii ft u n g Ausdruck, die wir und weite Kreise mit uns übei die letzte Antwortnote des Präsi­den t c n W i l so n mpfindcn. Der mehrfach ausgesprochene Ge­danke, dvrß dcr Präsidnt Wilson zum Friede ns Vermittler berufen sei. erschein uns unerträglich. Daö deutsche Volk hat zu ihm nicht das Betrauen, . . . sSt>i'-miWidersbriech im Zentrum, bei den Foischrjttlern uub bei den Soz. Zuruf hei den Soz.: Sic sind nickt as Volk! ^ic dürfen >ucht im Namen des Volkes sprechen. Erruter Widerspruch und Lärm. Ruf- Die paar Mann um Sie. Präsident Dr. Kacmpf bittet, die Zu­

rufe zu unterlassen.) Wenn der ameri^anksche Dvtfchafrer^

es für angezeigt gehalten hat, zu dem Vertreter eines deutschen Blattes von der Möglichkeit zu sprechen, baß Präsident Wilson bei seinen Vermittlungsvcrhandlungen einen Druck auf die K r i e g s f ü h r e n d e n auszufübren beabsichtige, so müssen wir aus^prechen, daß der Druck, der von jener Seite kommt, um uns unsere Siege gegen eine Welt von Feinden aus der Hand zu winden, das Maß des Erträglichen überschritten hat. (Sehr richug! rechts.)

Auf Grund der deutschen Antwortnote steht die deutsche Re­gierung vor einer neucii Sachlage, dtc ihr die Freiheit der Ent- ichliegung wiedergibt, die Untcrscebootswaffc rücksichtlos einzu- ,ehen zur siegreichen Beendigung des Krieges und zur Erlangung eines dauernden Friedeiis. (Beifall.) Rückhaltlos stimmen wir dem zu, was der Kanzler über die Tapferkeit und den Er­folg u n s c r e r Truppen, über unsere Kriegslage, über die 51 , r a s t und den Willen zum D u r ch h a l t e n, über die Un- Möglichkeit von Friedensverhandlungen gesagt hat. Als Bericht­erstatter des Haushaltsausschusses werde ich die Erklärung de? Reichskanzlers, daß trotz aller offen zugegcbenen Entbehrungen

v u n g c r f r i c g uns nicht zu Boden werfen wird, nach sorg, faltigen Erwägungen bestätigen und belegen können. Ebenso sind wir durchaus einverstanden mit den Ausführungen, daß weder die Kriegslage, noch das Verhalten unserer Feinde Fri edcnsver. h-andlungen von unserer Seite zur Zeit möglich machen. ..Jedes Friedensgespräch, das wir jetzt beginnen würden, ist nich­tig und nicht zu seinem Ziele führend."

Mit heller Begeisterung erfüllen uns die Tapferkeit und die Erfolge unserer Truppen im Osten und im Westen, die bald im zählen Aushalten, bald in herrliber. tatkräftiger, ungebreckener Angriffskraft überall gegen eine Welt voll Ueüermacht Erfolge großartigster Art erringen. Mit hoher Befriedigung gedenken wir der Taten und der Siege unserer Verbündeten. Besonderen E-tolz und besondere Freude ruft auch in uns der Sieg unserer Flotte über die größte Seemacht der Welt hervor. (Beifall.) In Dantbarkeit gedenken wir aller wackeren Kämpfer und der Füh­rer. -^.-iefc Dankbarkeit hat, wie auch wir erklären ivollen, in einer dem ganzen Volke zg Herzen gehenden Weise der Kaiser ausgesprochen, als er in Hinden'vurg den Nation-alhelden des Volkes feierte.^ Dankbar gedenken wir auck feines treuen Vkit- arbciters, des Schöpfers der deutschen Seerüstung, des Großadmi­rals von Tirpitz (Beifafll), der an seinem Lebensabend noch den Erfolg unserer Flotte miterleüt hat. All diese Taten zeigen bic ungebrochene und nie erlahmende Kraft unseres Volkes (Beifall).

.poLLwca:

NeichSl'anzler v. Beibrnausr Vom Vorredner ivic auch vom Abg. D assermann ist be­mängelt worden, daß ich durch meine gestrige Besprechung den Schriften eine Publizität verschafft Härte, die nicht nöiig gewesen wäre. Ich habe nur einige Schriften aus einem Bündel gleichartiger Schriften herausgegriffen, die, wie wohl ganzen Hause bekannt ist. seit Monaten in Deutschland, im

dem

Jnlande und auch in den Schützengräben in Umlauf ge­setzt werden (Hört, hört!) und weil ich erkannt habe, daß durch diese Treibereien nicht nur die Stimmung im Innern vergiftet wird, sondern daß dabei auch eine Rückwirkung schließlich auf den Ge ist d r a u ß e n möglich ist.' Darum habe ich mich für verpflichtet gehalten, mich nicht in die Oesfentlichkeit zu flüchten, sondern diese Machenschaften an die Oesfentlichkeit zu ziehen. (Sehr gut!) Der Herr Vorredner hat gegen meine Ausführungen Widerspruch erhoben, die ich über die Denkschrift des Genercrllandschaftsdirektors Kapp gemacht habe. Der Aba. Gras Westarp hat gemeint, der Vor- w u r f ft a a t s v c r r ä t c r i s ch e'r Handlung, den ich a u s der K a p p s ch e n Schrift herausgelesen habe und auch noch heute herauslesc, habe nicht darin gestanden. Ich möchte das hohe Haus darauf aufmerksam machen, daß chie Einleitu-ng zu diesem fraglichen Passus lautet:Der Reichskanzler beruft sich demgegenüber auf die unbedingt > notwendige Einigkeit des Volkes, das in solcher Zeit voll Vertrauen hinter ihm stehen müsse." Und bann konimt der Satz, in dem die Parole zur Einig­keit mit Jena verglichen wird, Ich habe nicht gewußt, welch« andere Folgerung ich daraus habe ziehen sollen, als die, die ick gezogen habe. (Sehr richtig!) Wenn das nicht die Absicht des Genecallandschaftsdircktors Kapp gewesen ist, so wird er dies ja wohl klarstellen können. Im übrigen habe i.ch mich beschränkt, nur diese eine Stelle aus der Schrift anzuführen. Sic wimmelt von den allerschärfsten Angriffen gegen mich. (Sehr richtig!) Es wird mir unausgesetzt in dieser Schrift zum Vorwurf gemacht, daß ich die Ehre des Landes preisgeüe. (Hört, hört! links.) Das wiederholt sich'an unzähligen Stellen. Ich glaube, niemand kann es mir übelnehmen, wenn ich gegen derartige Angriffe scharfe Verwahrung ciulege. (Lebhafte Zustimmung links.) Der Abgeordnete Graf Westarp hat in der Erklärung seiner politischen Freunde auf die

Friedensvermittlung Wilsvns

Bezug genommen. Ich kann nur sagen, ich habe in den Zeitungen gelesen, daß Präsident Wilson zu vermitteln beabsichtige. Ich habe auch heute noch in der Zeitung gelesen, daß die englische Presse sich mit großer Entschieden­heit gegen eine Friedensvermittlung Wilsons erklärt. Offiziell ist an mich auch nicht ein Wort herangetreten, daß der Präsident Wilson vermitteln wolle. Insofern ist diese ganze Frage absolut

nicht aktncll.

Daß wir bei einer Friedensvermittlung nicht einen Druck aus uns a u s n b e n lassen werden, der uns um die Früchte unserer Siege bringen wird ich glaube. Sie verlangen wohl- von mir nicht, daß ich noch bie. ausdrückliche Erklärung abgebe, daß ich für solche Fricdensvcrhandlungen nicht zu haben wäre. (Beifall.)

Dann noch eine kurze Bemerkung zu den Ausführungen des Abg. Gr a f e n W c st a r p zu meinen gestrigen Bemerkungen über die innere Politik, über die Stellung zur Sozialdemo­kratie. Ich habe gesagt, Gnd wiederhole es: Zeihen Sie mich eines Optimismus. Ich kann in diesem großen Kriege ohne Optimismus nicht leben. (Sehr gut! links.) Zeihen Sie mich eines Optimismus ich habe die Hoffnung, daß wir nach dem Krieg in einen Zustand komnien werden, wo der Gegensatz, der doch niemand unter uns Freude machen kann, zwischen ^tational und Antinational verschwunden sein witd. In dieser Hoffnung lebe ich, und diese Hoffnung gibt mir einen großen Teil der Kraft, die ich in diesem Kriege entwickeln muß. (Bravo!) Der Abg. Graf Westarp hÄt dann von den Unter- schieden gesprochen, die auch nach dem Kriege seine Freunde und andere Parteien von den Sozialdemokraten trennen werden. Gewiß, diese Unterschiede werden bestehen, die Herren von recht? werden niemals mit den Herren von links Arm in Arm gehen. (Heiterkeit.) Ich habe dies auch niemals beo:uptet. Aber cs