diesem Siege gedenken wir auch des Schöpfers und genialen Orga- ntfators unserer Flotte, des Großadmirals von Tirpitz. Unsere Herzen waren erfreut, als wir heute morgen das Telegramm des Kaisers an ihn lasen. (Zustimmung.) Wir gedenken auch des Grafen Zeppelin, dessen Luftschiffe sich bei dieser Seeschlacht im Aufklärungsdienste große Verdienste erworben haben. Mit großer Geduld sehen wir die Früchte unserer Siege der Ernte entgegenreifen. Niemals war die Kriegslage mehr geeignet, den Wahlspruch Hindenburgs zu beherzigen: Nicht nur durchhalten, sondern siegen!
Nichts liegt meinen politischen Freunden, jedem ein zig e n in unserem Kreise, f e r rs e r, als aus eigensüchtigen Motiven aus eine Verlängerung dieses furchtbaren Krieges hinzu- arbeiten. Was wir aber nicht wollen, ist, daß eine Abkürzung ^d es Krieges cintritt auf Kosten eines daucrhasten Fricdcns, eines Friedens, der Deutschland die Sicherung bringt, die cs vor künftigen Kriegen schützen soll. (Beifall b. d. Nationallib.). Gestern hat der Reichskanzler fest- gestellt, daß sich seit seinen letzten Erörterungen die Kricgs- karte zu unseren Gunsten verändert hat. Ich darf an ein anderes Wort des Reichskanzlers erinnern: je länger und er
bitterter der Krieg geführt wird, Ü e st o mehr wachsen die Garantien, die für uns nötig sind.
Unsere Reichsorganisation und unsere Landesverbände sind zu e i n i g c n Beschlüssen in der K r i c g s z i c l f r a g c gelangt. Der Schwerpunkt liegt nach unserer Auffassung der künftigen Sicherung Deutschlands in dem Ausbau unserer deutschen F c st I a n d s - und K ü st e n st e I l u n g. Dahinter tritt die Forderung eines großen Kolonialreiches, das auch wir erstreben wie jedes Weltvolk, zurück, weil es für eine kontinentale Sicherung einen Ersatz nicht bieten kann. (Sehr richtig? bei den Nationallibcralen.)
Gegenüber manchen Deutunasvcrsuchen liegt es mir in dieser letzten Stunde, in der wir zur vollen Oeffentlichkeit sprechen können, am Herzen, in Kürze zu rekapitulieren, was der Reichskanzler in früheren Reden zu diesen Fra gen'ge sagt hat.
In der Rede vom 2. Dezember 1914: Weder im Osten noch im Westen dürfen unsere Feinde von heute über Einfallstorc verfügen. durch die sie von morgen an uns aufs neue und schärfer als bisher bedrohen. Dann: Sollte Europa jemals zur Ruhe kommen, so kann das nur durch eine starke unantastbare Stellung Deutschlands geschehen. Am eingehendsten hat er sich am 15. April 1916 mit diesen Fragen befaßt. Er geht zunächst auf die polnische Frage ein, stellt fest, daß sie durch diesen Krieg aufgerollt ist und sagt: Deutschland und Oesterreich müssen und werden sie lösen. Er umgrenzt das Ziel im Osten schärfer, indem er die Frage stellt: Kann man annehmen, daß Deutschland freiwillig die von ihm und seinem Bundesgenossen befreiten Völker zwischen der baltischen See und den wolhynischen Sümpfen wieder dem Regiment des reaktionären Rußlands ausliefcrn wird, mögen sic Polen, Litauer. Balten oder Letten sein? Das belgische Problem berührt er, indem er ausspricht, daß Belgien nach dem Krieg nicht mehr das alte sein wird.
Wir haben besonders begrüßt, daß das Problem der Balten und Flamen hier angedcutct ist. In der Tat sind wir der Meinung, daß hier ein weltgeschichtlicher Augenblick vorhanden ist, den, wenn er nicht benützt wird, vielleicht keine Ewigkeit zurückbringt. (Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Gelingt es nicht, diese, germanischen Volksteile dem Germanentum im siegreichen Kriege zu erhalten,^dann werden sie ihm verloren gehen und der Passifizierung und Fran- zösicrung verfallen. (Sehr richtig! bei den Natl.) Der General- gouverneur von Belgien, Freiherr v. Bissing, bringt der Flamenfrage volles Verständnis entgegen, möchte auch die belgische Zivilverwaltung den berechtigten Forderungen der Flamen tunlichst entgegenkommen. Wir sehen, wie es in der Flamenbewegung sich regt, wie die nationalen Zusammenhänge, dort erstarken und wie man sich mit Hoffnungen nach einem selbständigen Flandern trägt, losgelöst von dem - französischen Walloncntum und seiner Hoffnung auf Zerstörung des Germanentums.
In bedeutungsvollen Worten hat der Reichskanzler von dem See sieg gesprochen. Aber dieser Sieg ist ein Wahrzeichen für unsere Zukunft, einer Zukunft, in der sich Deutschland Gleich, bcrcchtigung auch auf dem Meere erkämpft und damit auch den kleineren Völkern die dauernde Freiheit der jetzt durch die englische Mleinberrschaft abgeschlossenen Seewege erficht. Das, meine Herren, ist das belle und verheißungsvolle Licht, das der 1. Juni in unsere Zukunft wirft! — Auch dieser Satz findet unsere volle Billigung, enthält er doch den Gedanken, daß n i ch t V e r t r ä g c über die Seeherrschaft und die Freiheit der See entscheiden, sondern der Sieg und die Macht. (Lebhafte Zustimmung bei den Natl.)
In seinen gestrigen Darlegungen hak der Reichskanzler nochmals daraus hingewiesen, daß starke Differenzen in der U-Boot - Frage und in iin seren, Beziehungen zu Amerika vorhanden waren, daß die Ansichten scharf aufeinaudcrfielen; er hat aber gleichzeitig festgestellt, daß die gegenseitige Ueberzcugung und Absicht geachtet worden ist, und daß die Verhandlungen aus sachlichem Boden geblieben sind. Die besten Gründe für und wider können ja nicht öffentlich erörtert werden. Wenn die überwiegende Mehrheit meiner Freunde für den rücksichtslosen U« Boot - Krieg ein getreten ist, so waren sie getragen von der Ueberzcugung, daß iins in der O-Boot-Waffe das Mittel 'zur Verfügung steht, das in der Tat den Hauplfcind England zum Frieden zwingt oder doch mindestens dem Frieden viel näher bringt, und daß diese Ausnützung der O-Boot-Wafse das Mittel ist, den Krieg abzukürzcn. Diese Uebcrzeugung stützten wir dabei auf Autoritäten, deren Gewicht wir voll in die Wagschale fallen ließen. Dabei haben wir die auftau chcnden Gesa h r e n der Führung c'ues solchen Krieges nach der Richtung Amerikas und der übrigen neutralen Staaten, das dürfen Sie uns glauben, nicht gering cingcschätzt, im Gefühl der vollen Verantwortung aber, die jeden einzelnen in dieser Frage, die eine der schwersten des ganzen Krieges ist, durchdrungen hat.
Diese r-Dl -Boot-Krieg führte ja dann zu der amerikanischen Note, die den Abbruch der Beziehungen in Aussicht stellte und zu den bekannten deutschen Konzessionen. In der deutschen Note beißt cs: „Sollten die Schritte der Regierung der Vereinigten Staaten nicht zu dem Erfolge führen, den Gesetzen der Menschlichkeit bei allen kriegführenden Nationen Geltung zu vcr- schaffen, dann würde die deutsche Regierung sich einer neuen Sachlage gegcuübcrschcn. für die sic die volle Freiheit der Entschließung sich Vorbehalten muß." In unserer Zentralorganisation haben wir die Forderung ausgestellt, Haß in Ausnützung der in der deutschen Note vorbchaltenen Freiheit der Entschließung rechtzeitig und wirksam von allen uns zu Gebote sichenden Machtmitteln Gebrauch gemacht wird.
Der Reichskanzler hat auf seine Rede vom 9. Dezember hin- gcwicsen, die die Ankündigung der Friedensbereit- s ch a f t enthielt, unb auf die Unterredung mit dem amerikanischen Journalisten v. Wiegand, worin er davon sprach: „Nur wenn sich die Staatsmänner der kriegführenden Mächte auf den Boden der wirtlichen Tatsachen stellen, wenn sie die Kriegslage so nehmen, wie sie hier die Kriegskartc zeigt, nur daun werden wir uns de mFrieden nähern." Er hat dann die Abneigung unie- rer Feiuoe festgestcllt. auf solche Fricdenscrörterungcn cinzu- gchcn, und schloß seine Bemerkungen damit ab, indem er sagte: „Jedes Fricdensgespräch, das wir jetzt beginnen, ist nichtig und Incht zum Ziele führend!" ^ . ..
Asquith hat bei dem Empfang der Duma-Abgeordneten die Perspektiven, wie sie sich rn seinem Kops spiegeln, auSgesprock)en. Er sprach dabei von einer r us fisch-eng li chen Kultur ifyiwc Heiterkeit.) Es ist die Teilung der Welt zwischen Bär und Waliii'-b Ein Helles Liebt daraus, wie es in den Köpfen der französischen Politiker und Presselcute aussieht, wirft eine Erörterung aus jüngster Zeit. „Um stark zu sein, braucht es zwischen Frankreich und Belgien nach dem Krieg «mc einzige Armee,
einen einzigen Oberbefehlshaber, einen einzigen Gesamtplan!'
- Also von einer Wiederherstellung Belgiens ist nicht die Rede, sondern Belgien soll dem sraiizösischcn Einfluß vollständig untergeordnet werden und als Konsequenz davon ergibt sich eine wcsenl- lichc Schlcchtcrstelluiig Deutschlands. Angesichts dieser Sachlage erübrigt cs sich, aus die Anregungen im Sinne der Wicderhcr- slelluiig des Friedens cinzugehen. Wir werden abwarteu, wie weit cs Wilson gelingt, bei'unseren Gegnern das Gefühl der Friedeiisbereitschaff herbeizusührcu, das doch die Grundlage zu Vcrhandlungeii unserer Regierung sein muß. Bis jetzt sieht cs iiicht daiiach aus. In E n g l a ii d haben feine Bestrebungen durchweg eine s ch r o f f e A b l e h n u n g gefunden. Auch über die Methode habe ich doch Zweifel, ob die Konferenz zweckrnäßig ist, die Wilson im Auge hat, die die Frage behandeln soll, daß icdcs Volk sich die Regierung wählcii darf, die cs für die richtige hält. Selbstverständlich würde dadurch die ganze irische Frage, die indische Frage, die ägyptische Frage, die B u r c n f r a g c und eine Reihe anderer Fragen aufgeworfen- werden. Das ist sicherlich iiicht zur Herbeiführung eines raschen Friedens geeignet.
Wir bedauern. daß die äußerste Linke an den indirekten Steuern Anstoß genommen hat. Andererseits war aber klar, daß das Stcuergesetz im Hause den alten Streit auslösen mußte. Die bürgerlichen Parteien konnten sich angesichts der Belastung des Besitzes durch die einzelstaatlichen Kommunen nicht dazu verstehen, nun auch noch jm Reich den gesamten Stcuccbcdarf aus direkte Steuern zu legen. Dainit soll iiicht gesagt sein, daß bei komnienden Steuerreformen im Reich nicht auch auf dem Gebiet der direkten Besteuerung Konzessionen gemacht werden müssen. (Sehr richtig! liiiks.) Wir werden da die richtige Mitte cinhalten. Mit Freuden begrüßen wir die Erklärung, der sozialdemokratische Fraktion, daß sic die Kriegskredite, bewilligen wird. (Beifalls Wir zeigen damit dem Auslande erneut, daß der Reichstag mit wenigen Ausnahmen einig i st über die Notwendigkeit, deii Krieg sortzusctzcn, bis ein ehrenvoller Friede erreicht ist. Zum Etat des. Auswärtigen Amtes haben wir eine Entschließung etngebracht im Interesse der sich .n Not und Bedrängnis befindlichen Ausländsdeutschen. Wir halten cs für dringend wünschenswert, daß das Reich hier mit Unterstützungen und Darlehen cingreift.
Be d c u t u n g s v o l l e Neuorganisationen sind bei wichtigen Reichsämtern cingetrctcn. Dr. Delbrück ist gegangen. Ihm war bei Kriegsausbruch die Riesenaufgabe gestellt, ein Siebzig-Milliouenvolk mit Lebensmitteln zu versehen. Die Lösung ist nicht vollständig geglückt. Daß es nicht geglückt ist, liegt einmal an der Mißernte des «vorigen Jahres, und dann vor allem an Mängeln in der Organisation. Immerhin erfeunen wir den guten Willen und das reiche Mas; von Arbeit bei Dr. Delbrück an und werden ihm auch nie vergessen, daß cs ihm gelungen ist, mit den Arbeiterorganisationen in e t-n er« träglichc 6 Verhältnis zu, kommen. (Beifall.) Wer die gestrige-Rede des Reichskanzlers gcbört hat. mit der K c n n- z c i ch n u n g der Piraten d c r ö f f e n t l i ch e n Meinung, die unter Mißbrauch der nationalen Flagge cinhermarschicren. der mußte der Meinung sein, daß hinter dem anonymen Autor eine sehr bedeutungsvolle Persönlichkeit stehen muß. Jedenfalls ist der Broschüre, die gar nicht sehr verbreitet war, durch die Rede eine
große Bedeutung beigelegt worden ‘ ' * "
führen, land
sich eines größeren und stärkeren Deutsch- erfrcuen können. (Beifall.)
er Reichskanzler sprach von dem w e n'i g erhebenden Eindruck unserer letzten Z c n s u r d c b a t1 c. Wenn aber auf einem Gebiet, wie cs die Zensur ist, eine solche Menge von Verstimmung unb beleidigtem Gerechtigkeitsgefühl, von dem Gefühl, daß mit ungleichem Maß gemessen wird, sich auftürmt, dann ist cs schließlich selbstverständlich, daß hier im Paria- m c n t s i ch c i n m a l d i e S ch l c u s c n ö f f n e n. Es ist jedenfalls eine Jroiiie der Geschichte, daß'dcr Oberstgevoaltige der Zensur genötigt ist, sich angesichts von Mißständcn, die durchs die Zensur erzeugt werdeii, in die Ocfsentlichkcit zu flüchten. (Sehr richtig! rechts und bei den Nationallib.) Ter Reichskanzler hat recht mit seinem Protest gegcii a n o ii tjinc Broschüre n. Ihre Zahl ist Legion, und jeder von uiis wird mit solchen Denkschriften Schub- larrcn füllen können. (Sehr richtigl) Aber es sind das nicht nur Broschüren, die den Reichskanzler angreifen, cs sind auch Ver- tcidigungsschriften erschienen.
Wir meinen, daß in diesen Dingen man Betrachtungen unter, lassen sollte, die den politischen Gegner verdächtigen. (Sehr richtig! recbts und bei den Natl.) Man sollte mit dem alten System brechen, dem politischcii Gegner Motive zu unterschieben, die außerhalb seiner Denkungsweise liegen. Gerade wir haben es m letzter Zeit erfahren müssen, das; mau uns nachsagtc, wir ließen uns bei der Verfolgung unserer Kriegsziele von Wünschen, Gesichtspunkten, Anschauungen und Forderungen leiten, die außerhalb der Fragen selbst liegen, von G e Id in t e r c ss c n . von dem Wunsche, die Verdienste der Schwerindustrie zu st e i g c r n usw. Meine politischen Freunde lassen sich bei allen Fragen i n i h r c r H a l t u n g. die sich ja nicht immer deckt ry i t der Haltung des Reichskanzlers, nur von sachlichen und Vater- I ä n d i s ch c n Gesichtspunkten u n i von keinerlei Nc benrücksichten I e . t c n. (Lcbh. Zustimmung bei den Natl.)
Reichstag und verbündete Regierungen können mit Befriedigung aus diese Rcichstagstagung zurülckblickcn. Es ist ein Ruhmestitel für die gesetzgebenden Faktoren daß die Sozial- refoem auch in der Kriegszcit nicht stillg-standeu hat. Ich erwähne nur die Herabsetzung der Altersgrenze, das Verernsgeieh, das Kapitalabfindungsgesetz und die Nobelst zur Besoldungsord- uuug. Wir hoffen, daß die Begeisterung, )ic der Reichskanzler gestern gezeigt hat, zur Wahrheit werden wird, und daß wir auch nach dem Kriege in großen nationalen Fragen einig bleiben werden. Wir erkenten die Notwendigkeit einer Neuorientierung der Verhältiisse im Reich und m den Einzclstaatcn, Preußen voran, an. Wir verlangen Reformen unserer Gesetzgebung, die Fortführung dir Sozialrcform und Reformen in der Verwaltung. Vor allem nussen m Preußen allerlei Einseitigkeiten und jede Rückständsikeit und Engherzigkeit fallen. Es muß auf die Wünsche der Bevölkerung mehr Rücksicht genommen werden. Die heutigen Blätter bringen einen Erlaß des preußischen Kultusministers fir den Ausstieg Volksschüler zu den Gyninasien. Darübci hinaus erheben die Fordcvung, daß für a l l e T ü ch t i g j n d i e B a h n f r e i gemacht wird. Alle Schranken müssen bcfiirgt ivevden, die der Entfaltung ihrer Fähigkeiten im Wege sichen. (Beifall.)
Der Vertagungsantrag ist ja bereits angenommen. Wir hätten eine kürzere Vertagung lieber eschen. Wir wünschen, daß bei dringlicher Veranlassung der Reickstag auch frilher schon cinbcrufen wird, und daß die Derb ndung zwischen Regierung und Parlament sandig aufrechterhalten bleibt. Aus den Worten des Reichskanzfrs klang Glaube und Liebe zu unserem Volke heraus. Er sprach jon ferner Heldengroße. Diesem Wort können wir 'alle zustimmcl. Dieser Krieg gewonnen durch unser tüchtiger, opfcrwillges Volk drinnen draußen. Deswegen soll das Vertrauen ku unserem Volke der Leitstern der künftigen deutschen Politik siiu. (Lebhafter Beifall.) Daß dieses Bewußtsein fest in unserem 8olke verankert ist. das klang aus der gestrigen Rcichskanzlerrcdc hervor. Vor wenigen Tagen hat hier im Reichstag der Deutsche Kulturbund getagt, und ein deutscher Soldat und Dichter, der auf allen Fronten draußen gekämpft bat, hat auf der Tagung ben gemeinen Mann als den wahren Holde n uutzres Volker bezeichnet. .Sehr gut!) Der Soldat habe mir ein £*I, den Sieg, der cmen Frieden bringt, der die ungeheuren Opfer lohnt. Vorher höre der Soldat nicht auf. und man solle nicht s-agcn, von ihm dar zu verlangen. Das ist die Parole draußen und sie soll und wird es auch im Innern sein. Von Tausends von Lippen geht täglich das Gebet dahm: Mögen die Opsiri nicht vergeblich gebracht sein, mögen unsere Söhne und Enkel,'für die wir den Krieg
Abgeordneter von Payer (Fortschr. Vp.):
Für unser Volk wird cs höchst peinlich gewesen sein, daß der Reichskanzler gezwungen war. gegen Verdächtig ii n g c n und Schmähungen üblkr Art sich im Reichstag öffentlich zur Wehr zu setzen. Wer aber die' Vorgänge der letzten Monate genau verfolgt hat, das Anschanellen dieser geheimen Literatur, die Heftigkeit ihres Tones und die persönlichen Angriffe, der hatte schon seit langem das Gefühl, daß es so nicht sortgehcn konnte, daß dieser politischen B r u n n e n v c r g i f t un g vielmehr endlich einmal ein Ende bereitet Iverdcn mußte. (S-ehr richtig! links.) Man empfindet es als eine Befreiung, daß' diese Machwerke in dem gestrigen Gewitter endlich mit aller Tmstich- feit als das bezeichnet worden sind, was sic in Wirklichkeit sind: eine schwere Gefahr für das Reich nu Innc r n und für seine Stellung nach außen! (Lebhafte Zustimmung links.)
Wir wollen jenen Leuten nicht das Recht ihrer eigenen Meinung bestreiten. Dieses Recht gilt aber nur, soweit die Interessen des Vaterlandes es während des Krieges gestatten. So, wie sich bei uns die Zensurverhältnisse zu unserem Leidwesen gestaltet haben, kann man cs begreifen, daß Meinungen, die sonst nicht zum Ausdruck kommen, auf den Weg der Geheimniskrämerei verwiesen worden sind. Das muß man an und für sich in Kauf nehmen. Was wir ihnen übel nehmen, ist in erster Linie die absichtliche, ans Unwissenheit beruhende Entstellung der f e st st c h c n d e n Tatsachen durch tendenziöse Verdrehungen, wie sie durch alle diese Schriften bindurch- gcht. (Sehr richtig.') Die Trugschlüsse find so handgreiflich, daß die Verfasser sich ihnen nicht entziehen können. (Sehr richtig!) Was wir ihnen übel nehmen, ist vor allem der persönliche Haß gegen die Person des Reichskanzlers, dcp so gesteigert ist. daß wir diejenigen, welche ihm in dicker Form Ausdruck geben, einer objektiven Beurteilung und sachlicher Motive nicht mehr für fähig halten. (Zustimmung.) In letzter Lime nehmen wir übel den Mangel an jeglichem Gefühl d e r Verantwortlichkeit für das, was aus dieser Hetze für die Geschicke des Vaterlandes hcrauswächst nach innen und nach
außen. ,. . .
Wer mag d a h i n t e r st c ck e n? Heute lonnen wir ^.en Schleier noch nicht lüften Die Stunde ist noch nicht gekommen, in eine förmliche Untersuchung cinzutreten, wer die Schuld an dieser bösen Verwirrung unserer Zustände trägt. Freilich drangen sich manche Vermutungen aus. Jedermann hat sich in den letzten Monaten davon überzeugen können, daß diese Agitation mit einer ganz ungewohnten Freigebigkeit geführt worden ist, mit einer so offenen Hand, wie wir cs m Deutsch. Iaitb bisher nicht gekannt haben, vnd wie sie beängstigend auf die nück-tern und ruhig denkende Bevölkerung cinwirken muß, wie sic die Sorge erweckt, was ivohl daraus hervorivachscn möge, ob mit diesem Geldvergeuden zu höchst einseitigen und zweifelhaften Zwecken nicht ein unreiner Zug in unsere denbsche Politik und unser deutsches Wesen hmcinkommt. /Sehr richtig' links.) Wer dahinterstcckt. ist zunächst nebensächlich'gegenüber dem gemein, schädlichen Charakter dieses Treibens. (Sehr richtig!)
Die Leute, welche diese systematischen Verhetzungen begangen haben, konnten leider durch Vorgänge in diesem L>ausc und durch einzelne unbedachte Aeußerungcn von Abgeordneten zu der falschen Anschauung kommen, als ob ihr Treiben um seines Zweckes willen auf irgend einer Seite dieses Hauses eine g c w i s s c U n t e r st ü tz u n g findet. Dem ist nicht so (Zuftimmnng). Allerdings ist in diesem Hause hier und da gesündigt worden und in der letzten Zeit erst wieder sehr stark (Sehr richtig!). Die Vorredner haben noch einmal die Stellung ihrer Parteien zu den verschiedenen Fragen klargclegt. Unsere Stellung ist unverändert gewesen. Was heute hier über die Diffe- rcnzcn in der El-Boot-Fragc gesprochen ist, sind hoffentlich er- lediglc Dinge. Wie die flämische und die baltische Bewegung sich gestalten wird, was auf Belgien wird, sind Fragen, zu bcncn niemand heute Stellung nehmen kann, weil die Entscheidung hierüber nicht von uns allein abbängü Was am letzten Mittwoch sich hier abgespielt hat, als wir die Zenfurdebattc hatten, und als unter Mißbrauch der Tagesordnung (Zuruf u Unruhe rechts u. b. d. Natl.) — Herr Bassermann möge mir verzeihen, die Ausführungen, die dam<rls unser Mißfallen er- regt haben, harten mit der Zensur nichts zu tun (Zust. lmL§ ^u Zentr.) — unter Mißbrauch der Tagesordnung .h c f t r g e griffe gegen die Regierung und den Reichskanzler richtet wurden, zwingt mich doch zu einigen Ausführungen
i.
A n - ge. Nicht
der
wir
wirb
und
wir
um parteipolitischen Honig aus ihnen zu saugen, gehe ich darauf ein, sondern um durch eine sachliche Würdigung vielleicht eine Wiederholung solcher Vorgänge zu verhindern. Was sich da- mals abgespielt hat, das hat dem Reichstag nicht gut getan (Sehr richtig!), noch weniger hat es dem Reiche in seiner Stellung nach innen und außen gut getan. Wir haben mit Erstaunen gesehen, daß eine ganze Rcil>e von Fest- st c l l u n ge n und Erklärungen, die sich in vcr. traulichen Besprechungen unwiderleglich ge. zeigt haben, hier in diesem Hause lviederholt worden stnd. als ob alles, was wir in jenen I'agen miteinander verhandelt haben, nur Luft gewesen wäre (iL>ehr richtig!). Wir haben mit Erstaunen gemerkt, daß Angelegenheiten, die zwischen uns in vcr- traulichen Besprechungen als erledigt und abgemacht galten, hier im Reichstag eine frohe Auferstehung gefunden haben. Wir sehen mit tiefem Bedauern, wie einzelne unrichtige Behauptungen in der ganzen Bevölkerung und über die Grenzen des Reiches hinaus Eindruck gemacht haben und machen mußten, weil sie mit aller Bestimmtheit, wie wenn sie unanfechtbar wären, ausgestellt wurden, lvährend wir, die wir diese Anschauungen bekämpft haben, welche mit uns auch die Regierung bekärnpst h<rt,'ihnen nickst so cntgegcntreten konnten, wie wir gewünscht hatten, weil wir das, tvas wir zu sagen hatten, nicht cmssprechcu konnten. (Sehr richtig!) Wir' mußten uns darans beschränken, zu widersprechen, weil aus Gründen der Vaterlandsliebe nicht ent- geamm konnten. Leider sind die so leicht erzielendmi Folgen tat- sächlich cingetreten. Im Inlande ist man unruhig und unsicher geworden. Ich wüßte nicht, was uns im Innern so schaden könnte wie Unruhe und Unsicherheit. D<is Ausland hat ich lebhaft über diese scheinbare Uneinigkeit gefreut und ous ihr Kraft und Ausdauer gezogen, indem sic ihre Tragweite ins Viel, fache acstcigcrt hatte. Bei ruhiger sachlicher P-rusung der Dinge wären diese Differenzen nicht so herv-orgetreten. Von jener Scite hört man immer wieder die Befürchtung, daß die Feder wieder verderben werde, was das Schwert gewonnen hat. und man deutet txchei immer wieder auf die Schwäche der Reichsrcgicrung hm. die dann die Feder in der Hand führen iverdc. Aber a u ch j c d e x Publizist hat eine Feder und jeder P a r l a m e n . tarier ein Wort, und auch fi$ beide können mit Hand und Mund sehr,viclcs verderben, nicht nur an dem was da- Schwert noch gewonnen hat, sondern was eS erst zu erringen im Deyriffe steht. Jenen Leuten.fehlt vollständig das Gefühl der Verantwortlichkeit. (Sehr richtig!) Man muß immer wieder betonen: wir sind im Krieg (Sehr richtig!) Am letzten Mittwoch hätte man das den Rednern alle Viertelstunde einmal zurusen sollen. (Zustimmimg.) Im Krieg ist jede? Maß von Verantwortlichkeit gesteigert, nicht nur vor dem Feinde, sondern auch daheim bei der Erörterung der öffentlichen Dinge.
Ich knüpfe daran die Hoffnung, daß eS jetzt dieUeicht möglich sein werde, das Maß von Verantwortlichkeit zu steigern. Jene Herren behaupten uns gegenüber, sie hätten ein so ungewöhn!ick)es Maß von Patriotismus, daß es sie zwänge, aus ihrer besseren Einsicht heraus durch den Sturz der Rc- gierung eine Wendung in der Regierung und ^n der Kriegs- führung herbeizuführerr. Das ist allerdings nicht gerade sehr


