Ausgabe 
5.6.1916 Zweites Blatt
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Es erheben sich bei 8er UnkerstützungSfräge mir Me wenigen anwesenden Mitglieder der Soz. Arb.-Gem. Die sozia-ldem. Frnktro« bleibt sitzen. (Große Heiterkeit.) Die Unter­stützung reicht also nicht aus. Die Beratung geht

weiter.

Abg. Vvgtherr (Soz. A.°G.)

spricht gegen die Vorlage. Die Fürsten mißbrauchen ihre Porto- freiheit zur Beförderung ihrer Hasen und Rehe. (Vizepräsident Dr. P a a s ch e rügt diesen Ausdruck.) Der Verrvaltungsbureau- krat der Post bewegt sich auf steuerlichem Gebiet wie der Stier im Porzellanladen.

Staatssekretär Dr. Helffcrich:

Den Angriff auf die Bundesfürsten muß ich aus daß entschiedenste zurückweifen. Bei der Postvorlage haben wir die Form der Reichsabgaben gewählt. Die Portofreiheit der Landesfürsten beruht auf gesetzlicher Grundlage und wird davon nicht berührt. (Zustimmung.) Aucü jeder anderen Form von Portofreiheit haben wir Rechnung getragen, wie bei der Feldpost. Saust wäre es ja ein Ausnahmegesetz gegen die Lan- desfürften gewesen. (Widerspruch bei den Soz.) Jawohl, wenn man von der Portosreihcit der Landesfürsten abgewichen wäre. Dagegen habe ich Einspruch erhoben. Der Vorredner hat behartptet, es sei nicht anzunehmen, die Landesfürsten würden irgendein Verständnis zeigen, nach dieser Richtung hin etwas freiwillig zu tun. Nun. dem Wehrbeitrag haben sie sich freiwillig unterworfen. (Unruhe bei den Soz.) Gewiß, in voller Höhe wie jeder Staatsbürger, eine Bezweiflung lasse ich nicht auffommen. Auch jetzt weder haben, auf eine Anfrage des Herrn Reichskanzlers, sämtliche Landesfürsten er­klärt, daß sie auch von der Kriegsgewinnsteuer ihren Anteil zahlen werden (Zuruf bei den Soz.: Kein Rechtszustand!), ohne jede Einwendung, ohne jeden Vorbehalt und aus vollster Freiwilligkeit. (Lebhafter Beifall.)

Staatssekretär des Reichspostamts Kraeike:

Der Vorredner hätte mit seiner Behauptung etwas vorsichtiger sein sollen. Schon mehrfach habe ich dargetan, daß die Fürsten nicht für sich in Anspruch nehmen, daß derartige Sendungen auf wirtschaftlichem Gebiet frei sein sollen. Werden uns derartige Falle angegeben, so wird das untersucht werden. Es kann ja auch einmal ein Hoftzeamter ein Versehen machen. Wenn das zur Sprache gebracht wird, so wird es verfolgt, und es wird Remedur Eintreten. Die Portoabgaben sind eine Kriegs- abgabe, die eigentlich von keiner Partei sehr gern bewilligt wird. Aber der Haushalt muß' stimmend werden, deshalb kann man an der Post nicht Vorbeigehen. Das ist auch durchaus nichts Abnormes. Gerade England ist mit der Verteuerung der Post, abgaben im Krieg vorangeganaen. Italien, Rußland und die Niederlande find auch mit derartigen Vorlagen hervorgetreten. Die Gebühren find so bemessen, daß sie nicht verkebrs- störend wirken werden.

Abg. Buck (Soz.):

Drei Anträge fordern die Beseitigung der Poriofreiheit. Die Fortschrittler wollen einen Gesetzentwurf, wtr die sofortige Beseitigung ebenso meine Freunde von ver änderen Fakultät, von der ArbeitSgemeinschaft. (Heiterkeit.) Lehnen Sie das ganze Gesetz ab, aber nehmen Sie unsere Anträge an. (Heiterkeit.)

Damit schließt dl "Aussprache. Der fortschritt­liche Antrag Kopsch-Hubrich, dem Reichstag einen Gesetzentwurf oorzulegen, durch den die Bestimmungen über die Befreiung der regierenden Für st en, sowie ihrer Gemahlene» und Witwen von den P o r t o g e b'ü h r e n auf» gehoben werden, wird von der Linken und einem Teil des Zentrums angenommen. Die sozialdemokratischen Anträge werden abgelehnt. Eine Entschließung des Ausschusses fordert die Einführung einheitlicher Postwertzeichen für das ganze Reich.

Aba- Mayer-Kaufbeuren (Zentr.) fbnfit «eyen den Antrag. Gr ist jetzt im Kriege gar nicht durch- Khrbar vnb such politisch ganz verfehlt. Das bayerische Postreservat ist eine herkfame Konkurrenz für die RerchSpost. Ich erinnere nur an die bayerischen PostautoS, die auch im Felde gute Dienste geleistet haben.

Abg. Lirsch'mg (ForisHr. Dp.):

ES handelt sich gar nicht um das Reservatrecht, sondern um vre Einheitsmarke. Bor 14 Jahren waren die Freunde des Vor­redners auch bxr uvr in Württemberg Aegner der Ein-

heitsmarke. Herr Pichler warf uns im bayerischen Landtag so­gar vor, wir hättenSchmiergelder" für die Einführung der Einheitsmarke bekommen. (Heiterkeit.) Das war nicht wahr. Unser Rescrvatrecht ist dadurch nicht berührt. Die bayerische Briefmarke ist em Verkehrshirckernis für die Grenzbewohner.

Berichterstatter Dr. Wiemer (Fortschr. Vp.) bittet um Annahme der Entschließung. Die Einheitlichkeit des Verkehrs ist dringend notwendig. Diesem Zug der Zeit kann auch die bayerische Regierung nicht widerstehen. Auch in Bayern ist eine große Meinung für die Einheitsmarke.

Die Entschließung wird darauf mit schwacher Mehrheit der Linken angenommen.

Damit ist die Vorlage über die Postab gaben erledigt.

der AachlsuMeHeMe!.

Das FrachrurkuNdenstempel-Gefetz ist von allen Regierungsvorlagen am wenigstens verändert worden. Der Ausschuß hat die Gebühren etwas herabgesetzt und bestimmt, daß Urkunden über die Beförderung von Milch, soweit sie nicht in Wagenladungen erfolgt, gebührenfrei sein sollen. Die Sozialdemokraten beantragen die Aushe­bung des Frachturkundenstempels spätestens nach Ablauf des zweiten Rechnungsjahres nach Friedensschlutz, wenn der Reichstag sie fordert.

Abg. Rerßharrs (Soz.)

Der Frachturkundenstempel ist verhältnismäßig die h arm­loseste aller dieser Vorlagen. Leider hat man die Jnterestenten vorder nicht gehört. Mit Ausnahme der Kriegs­gewinnsteuer ist in allen diesen Vorlagen kein neuer Gedanke. Man nimmt das Geld, wo man cs am bequemsten kriegt. Für Handel und Gewerbe kennt man keine Rücksicht Man schlachtet die Henne, die die goldenen Eier legen soll.

Abg. Dr. Carstcnö (F. Vp.):

Die Stellungnahme der Sozialdemolraien ist unverständlich, weil diese Steuer die breite Masse am wenigsten kifft Die In­dustrie will Lasten tragen, form a&ct Belästigungen nicht ertragen. Eine Differenzierung wäre schwer durchzuführen. Die VerkehrS- interesten dürfen nicht -leiden. Die Erzeugungskosten werden namentlich für die A n S fu h e i n t u ft r i e zu sehr verteuert. Ihre Wcttbewerbskraft kann dadurch sinken.

Die Erörterung schließt.

Der sozialdemokratische Antrag wird a b g e l e h n !, das Gesetz erledigt.

Damit sind die Kriegs st euervorlageu in zweiter Lesung erledigt

Die zweite Lesung des Hanshaltspfons wird fortgesetzt

Der Haushalt der R e i ch s s ch u l d wird genehmigt.

Angenommen wird eine Entschließung, das Reichs- st e m p c l g c s c tz dahin ändern, daß die Stempelpflicht aus dem Ausland eingeführter Wertpapiere erst dann eintritt, wenn sie im Jnlande veräußert werden.

Der Haushalt der allgemeinen Fi.nanzverwal- tung wird erledigt

Einige Entschließungen, die Teuerungszulagen für verschiedene Beanitengruppen fordern, werden angenommen.

Ae ßsliwlfige

wird in dritter Lesung angenommen. J

Ae hershschsm &« MRSgrerqe.

Etz folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs, wonach die Altersrente bei der Invalidenversicherung nicht erst vom 70., sondern schon bei Erreichung des 65. Lebens- jahres gewährt werden soll. Der Ausschuß hat einige Ver­besserungen zugunsten der Waisen eingefügt.

Abg. Mvlkenvuhr (Soz.):

Die Wohltat deö Gesetzes hätte schon diel früher eingefuhrt werden sollen. Besondere Rücksicht verdienen die Arbeitslosen.

Geh.-Rat Aurin

weist darauf hin. daß für die Uebergangszeit Bestimmungen ge­troffen sind. Eine Herabsetzung der Wartezeit ist oyne Er­höhung der Beiträge ausgeschlossen.

Abg. Büchner (Soz. A.°G.)

empfiehlt trotzdem einen Antrag, die Wartezeit auf 1000 Wochen herabzu setzen.

Dieser Antrag wird abgelehnt , Das Gesetz wird nach der Vorlage angenommen.

Las KWlal'MfinduWS'Geseh.

Es folgt die zweite Beratung des Gesetzent­wurfs über Kapitalabfindung anstelle von Kriegsversorgung. Der A u S s ch u ß hat die Abfindungs­summen erhöht Er schlägt einige Entschli etznngen vor, nämlich Maßnahmen zu treffen, um die Wohltaten der Kapital­abfindung in geeigneten Fällen auch kriegSbeschädigten Offizieren und den Witwen gefallener Offiziere zuzuwenden.

Er verlangt einen Eüffetzentwurf zur Einführung der Kapital, absindung für alle Witwen von gefallenen Kriegsteilneh­mern, d i e eine weitere Ehe eingehe n. Weiterfordert er noch in dieser Tagung einen Gesetzentwurf, in dem zur För­derung derAnsiedlung Kriegsteilnehmer und ihre Hinter­bliebenen von der Reichsstempelabgabe befreit werden. Die An - s i e d l u n g von Kriegsteilnehmern und besonders von Kriegs­beschädigten und Kriegswitwen soll in allen Bundesstaaten er­leichtert werden.

Dbg. Bauer (Soz.):

Der Entwurf ist im Ausschuß verbessert tvordcn. Im ^all­gemeinen stehen wir der Kapitalabfindung steptisch gegenüber, weil das Kapital sehr leicht verloren gehen kann. Deshalb be­grüßen wir es, daß der Abgefundene gegen Rückgabe des Kapitals wieder in den Genuß seiner früheren Rente kommen kann. Stadt und Land werben von dem Gesetz ihren Vorteil haben. Die städ­tische Siedlung ist mindestens ebenso wichtig wie die ländliche. Wird das Gesetz vom Kriegsministerinm richtig angetPndt, so kann e§ unserem ganzen Wirtschaftsleben zum Segen gereichen.

General von Langermann:

Hoffentlich wird das Gesetz bald verabschiedet zum Segen der­jenige^ die in ernster schwerer Zeit ihr Blut und ihr Leben dem Vaterlande zum Opfer gebracht haben.

Abg. d. NiegoltwSki (Pole):

Wir haben vergebens versucht, eine Bestimmung in daS Gesetz hineinzubringen, die verhindert, daß es gegen die Polen angewendet wird. Da uns das nicht gelungen ist, wer­den wir uns der Abstimmung e n t h-a l t e «.

Abg. Henke (Soz. A.-G.):

Dem Krregsministerium ist eine viel zu große Machwoll- kommenheit eingeräumt. Dys Ersetz bezweckt eirve Beschrän­kung der Freizügigkeit der Kriegsteilnehmer.

Abg. Bauer (Soz.):

Jede Siedlung eines Arbeiters beschränkt ihn in seiner Be­wegungsfreiheit. In der Arbeiterschaft wächst die Sehnsucht nach einem eigenen Heim von Jahr zu Jahr. Daher liegt eine gewisse Bindung'an die Scholle in ihrem eigenen Interesse

Abg. Giesbcrts (Zentr.):

Jeder, der ein Grundstück erwirbt, bindet sich selbstverständ­lich. Eine Beschränkung der Freizügigkeit ist das aber nicht

Das Gesetz wird in zweiter Lesung angenommen, ebenso die Entschließungen des Ausschusses. Die eingegangenen Bittschriften werden durch die Beschlußfassung für erledigt erklärt.

In der dritten Lesung betont nach ein« Bemerkung des Abg. Henke (Soz. A.-G.)

General tarn LarrgerWamr:

Wir waren bei diesem Gesetz nur von dem besten Willen ML die Soldaten beseelt. Könnte der Abg. Henke uns in die Seele blicken, würde er alle Bedenken gegen das Gesetz fallen lassen. (Beifall.)

DaS Gesetz wir- auch in dritter Lessntz angenommen»

ebenso nachträglich auch das Gesetz üb« die AkterSrerrte.

Damit ist die Tagesordnung erledigt.

Nächste Sitzung: Montag 11 Uhr. Nechnnngtzsachen, KrfogS* kontrollgesetz, Vereinsgesetz, dritte Beratung der KJ * t g steuergesetze, dritte Lesung des Etats.

Schluß gegen b Uhr.

Gietzesrev Frerttcht-Vühne.

Wallensleins Lager.

Bon Fr. von Schiller.

Ten bedenklichsten Wittermrgsaus sichten zum Trotz konnte die Gießen« Freilichtbühne ihre Eröffnut^svorstellung, vom herr­lichsten Sonnenwetter begleitet, sehen. Nur loenig Wölkchen stan­den am Himmel, bedeckten Kr Minuten die Sonne und ließen eine feuchte Kühle aus den tieferen Waldesgründen hcrvorwehen. Das Wetter ist sozusagen der Stimmungsmacher der Freilichtbühnen. Wie konnte es da aushleiben, daß die unsere gesternt nachmittag die Zahl ihrer Besucher gar nicht fassen konnte.

Ein farbenfrohes Bild bot sich ihnen, bevor _ noch die Auf­führung ihren Anfang genommen hatte. Das linke der beiden! Häuschen war zu einer Trödelbude hergerichtet. Bunte Bänder wehten von seinem Dache, bunte Bänder, Tücher und sonsttqer Trödelkram baumelte lustig um den Stand. Hellebarden, Feuer­büchsen, Zelte am Waldesrand, Tische imd Bänke aus Bierfässern und Bahlen, absichtlich so primitiv wie möglich zurechtgebaut^ verrieten schon vor Beginn der Aufführung dve Hand eines ver­ständnisvoll sich anpasstnden Spielletters. Der erste gute Eindruck des Bühnenbildes blieb für die ganze Aufführung in Geltung. Von den Anfangs signalen mit dem Tumult hinter der Szene bis zum Schlußgesang, während der Käpuzrnerpredigt und in der Anordnung der episodisch wechselnden Lagervorgänge konnte man seine Freude haben an denk stets abwechslungsreichen, geschickt an­gelegten Bühnenbilde. Daß dies mit völlig ungeschulten Kräften, hauptsächlich Schülern der höheren Lehranstalten, erreicht wurde, nruß dem nunmehrigen Spielleiter der Freilichtbühne, Karl Rot- t e cf, noch als ganz besonderes Verdienst angerechnet werden. Er hatte seine, gewiß nicht leichte Aufgabe viel besser gelöst, als es sich unter obwaltenden Umständen überhaupt erwarten ließ.

Es wäre ihm das sicher nicht geglückt ohne den augenscheinlich sehr großen Spieleifer der Mitwirkenden, womit sie die mangelnde Erfahrung ersetzten. Bei einigen mußte erst die leichte Unsicherheit eines kleinen Lamvenfiebers überwunden werden; war das vorüber, so tvaren sie mit einem Eifer und Verständnis dabei, daß man ihre Jugend, die schon unter Perücken, Schnanzbärten, Harnisch und farbigen Kotlettern verschwand, nicht wehr störend empfinden konnte. Alle hielten sich brav und loacker, bis zu dem Kleinsten hinunter, die in der Prügelszene sehr echt durcheinander purzelten. Unter txnt eigentlichen Sprechern fand sich tatsächlich manch wirkliches Talent, und wenn das Spiel im Ganzen genommen wohl ohne Be­denken einer Wiedergabe durch Berussschauspieler gleichgestellt wer­den konnte, so hätte auch manche Einzelvolle von einem Berufs- fchausvieler kaum besser ansgefüllt sein können. Es kann hier nicht jeder Einzelleistlmg besonders gedacht werden, l?ervorgehoben werden möge aber dock der Kapuziner und der Wachtmüster. Diese beiden Rollen waren besonders gut beieist. Während beiin Kapuziner das Groteske ein klein ivenig zu stark über den immerhin ernsten Unter­ton der Predigt dominierte, war der Wachtmeister mit dem gewich­tigen s^>habe seines überraschend sicheren Spieles kaum besser zu fceriLeu. Um diese beiden Mittelpunkte gruppierte sich alles mit ungezwungener Belebung. Es kann bei der Unterlassung von

Einzelwüachiguugen nur noch einmal betont werden, daß alle Mit­spielenden, die Damen mit eingeschossen, auf ihrem Platze waren und zu dem großen Erfolge dieser Eröffnungsvorstellung mit bei­trugen.

Tie Zuhörer kargten daher auch nicht mit ihrem Beifall mtb es ist zu erwarten, daßWallensteins Lager" noch mehrere Male starten Zudrang ftnäxu wirb. zz.

*

Thcateraufführnngen für die deutsch-en Kriegsgefangenen am Vierwaldstättersee. Aus Zürich wird uns .geschrieben: Vereine und Private sind. un­ermüdlich darin, für die gegenwärttg sich zur Erholung hier be­findlichen deutschen Kriegsgefangenen Zerstreuungen auf Zerstreu­ungen zu ersttruen. Freudig zu begrlißen ist hier vor allein die Absicht des Züricher Stadttheaters, den Kriegs gefangenen am Vier­waldstätterseeMinna von Barn Helm" und Werke von Shake­speare vorzuspielen. Man trug sich anfänglich mit dem Gedanken, die Aufführungen in dem neuen hübschen Theatergebäude in Buochs, am Vierwaldstättersee gelegen, vor sich gehen zu lassen. Technische Grüirde und vor allem die verhältnismäßige Knappheit des dort zur Verfügung stehenden Raumes hinderten die Ausführung dieses Vorschlages. An Stelle des Bnochser Theaters, das gerade für dieMinna von Barnhelm" sich eignet, wühlte nr-an für die Aus­führung von ShakespearesTer Widerspenstigen h- mung".den Platz des ehemaligen Freilichttheaters von Herten stein, dicht bei Luzern gelegen, in einem Kastanienhain von erlesener Schönhett. Tos .Hertensteiner Freilichttheater war seinerzeit von Rndolph L-orenz gegründet tvorden und fand bei Joseph Kainz großes Interesse; er freute sich noch aus dem Krankenbette darauf, einmal dort zu spielen. Sicherlich werden diese Aufführungen bei den internierten Feldgrauen, die so lange den Klang der Muttersprache hatten entbehren müssen, freudigen Anklang finden.

Tie Kriegsschönheit der Kathedrale von Reims. Ganz eigenartig in Form und Inhalt ist eine Be­schreibung der hertttgen Schönheit der Kathedrale von Reims, dn dieRevue des Teux Mondes" in ihrer neuesten Nummer bringt, und die sich wohltätig von der ewig wiedertehrenden Kla über die hunnenähnliche Zerstörungswut der Deutschen unterscheidet, in der für gewöhnlich ein französischer Artikel über Reims und seine Kathedrale gipfelt. Mitten in der Stadt Reims, so heißt es in dem ansprechenden Stimmnngsbild, in der Stadt, die im Ver­gleich zu mit flandrischen Orten nur wenig beschädigt ist und in der doch alle Energie wie eingefchlttfen ist, liegt der Kirchplatz. Ter Platz ist verwüstet, die Häiffer, die ihn umgeben, sind ver- schslossen. Und dort ragt vor nns die Kathedrale empor, eine andere Kathedrale, als die, die wir frühes founten. Bei Beginn! der Beschießung war die westliche Fassade mit Gerüsten bedeckt; die Granaten setzten sie in Brand, tmo die ganze.Kirche wurde von den iFlamnren eingeMlt. So erhebt sich jetzt auf diesem nüchternen Platz einer Provinzstadt ein so seltsam schöner Bau, daß man aus der TanteschenHölle" oder irgend einer orientalischen Fabel die Worte erborgen müßte, irm die Pracht dieser märchenhaftes Erscheinung beschreiben zu können. Tie Feuersbrtunst hat die

unteren Teile des Gebäudes in die warmen Time des Bernsteins und.der gebrannten Sienna gekleidet; weiter oben gehen diese Farben Harmonien durch ein Rosagelb in Töne von Karminrot über, um endlich in das gelbliche Weiß alten Elfenbeins zu zerfließeu. Die Diese der Tore und der Nischen hinter den Figuren scheint gedoppelt dnrch ern Sammetschwarz, von dem sich die. Skulpturen lebendiger abheben dcmr je. Tie Farbenmischtmgen auf der ganzen Fassade der stolzen Ruine erinnern an die metallisch glänzend^ Außensckffcht der Felsen längs des Golfes vott Aegina oder an das bunte Schillern des Pstru.en.vides. Die .Schönheit dieses Ein­drucks nurd noch imeirdlich vertieft durch den Gedanken, daß sie vergänglich sein wird, mrd daß diese Schönhett zu deneu gehört, die die Sterbenden umhüllt. Werden die voM Feuerbrand gefärbten Statuen nicht unter dem Regen zusamntwtbrechen? Werden diese goldenen und korallenfarbenen Steine nicht zu grauem Stand zerbröckeln? Tie Kathedrale von Reims blendet uns heute wie ein schöner Sonnenuntergang. . .

Temperatur und Feuchtigkeit im Waldeund int Freien. Tie Frage, ob die Luft im Walde oder im freietr Felde kühler und feuchter sei, gab häufig zu Erörterungen Anlaß, ohne daß sie ans Grund rein wissetrschaftlicher 'Feststellungen ent­schieden worden tväre. Eine svlcl>e Entscheidung wurde erst durch die von Richard Aßmann konstruierten und für diesen Zweck be­sonders geeigneten Meßapparate, die sog. Aspirationsfppchrometer, möglicl gemacht. Mit Hilfe dieser Apparate hvurden, wie die Naturwissenschaftliche Umschau der Chewiker-Zeitung bekanutgibr, in Eberswalde während mehrerer Jahve Messungen borgenonttnen, die über die Beeinflussung der Denryerattlr und FeuckUigkeft der Lust durch einen jungen Laubwald Aufschluß geben. Tie Feststellun­gen wurden in einer 4 Meter hohen Bnckienschonnng des Stadt- sorstes von Eberswalde und auf einer Feldstatwn so vorgenommen, daß man Tenrperatttr mrd Luftfeuchtigkeit in drei verschiedenen Höhen kontrollierte. Tie oberste Älblesung nahm man aus einer hohen, die anderem Bäume überragenden Kiefer über den Buchen­kronen vor, die unterste ganz nahe am Erdboden, die mittlere in einer Höhe von 2,2 Meter über dem Boden. Eür Vergleich der durchschnittlichen Messungsergebnisse in dem Buchenwalde und ans freiem Felde ergab- daß im Walde die Dentpsiratur am Boden dte niedrigste war. auf brn, Felde hingegen die höchsten Temperaturen in der Nähe des Bodens herrschten. Tie Feuckittgkeit erhöhte sich im Walde je näher man dem Boden kam, während auf dem Felde eine solche Erscheimmg nicht ausgeprägt festgestellt werden sonnte. Beim Sinken der Sonne kühlt sich die Luft im Walde sehr schnell ab', was ditrch die grogen Ausstrahtungsitächwr der Blätter betoirkt wird. Ta außerdem die Luft im Walde ruhiger lagert als aus freiem Felde, bleiben die abgekühlten Luftschichten liegen, um smmer kühler zu werden. Daher nruß die Lust im Walde kühler sein als unter denselben Umständen auf freiem Felde, weit die örtliche Mkühlung sickt im Walde gründlicher durchzusetzen vermach Auch die höhere Luftfeuchtigkeit im Walde lnird durch die ruhigere Lage-, rung der Lust verursacht. Demnach steht auch wissenschaftlich ein­wandfrei fest, daß es im Walde unter sonst gleichen Umständen stets merklich kühler und feuchter sein muß, als ans freienr Felde, f

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