Ausgabe 
28.6.1916 Erstes Blatt
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M i>erfamlbelit, ofycr fic gegebenenfalls einem internationalen Schiedsgericht zur Entscheidung vorzulegen Infolgedessen hat dre sckßwedische Negierung beschlossen. die Beschlagnahme der Transit- vaktte nicht weiter aufrecht zu erhalten. Dagegen wird künftig von seiten Schwedens der Transitverkehr solcher Pakete nicht zugelassen, bevr»:' eine zurrredenstellwrde Ott>rrung vvn Schweden nach dem Westen tatsäciilick: durctigeführt ist.

Ein siegreiches Gefecht in Oftafrika.

DieWünsche Vvlkszeittmg" veröffentlicht Einzelheiten über ein siegreiches Gefecht unserer 0 staf rika nischen Schu tz t r u p p e bei Ko n d 0 a - Ir a n g i über die Burenbri­gade des Generals Bandeventer am 9. bis 11. Mai. wonach die äußerst erbitterten Kämpfe zur Eroberung der gesamten englischen Stellungen litten. Die Engländer zogen''sich mit großer Schnellig­keit etwa 10 Kilometer nordwestlich zurück, wo sie eiligst Ver- schanzungen anlegten. Unsere siegreichen Mteilungen konnten den zurückkehrenden Gegner nicht verfolgen, weil ihnen die Pferde, fehlten. Tie Burenbrrgade verlor in dreitägigem heftigem Kamps 1200 Mann, wovon über die Hälfte tot am Platze blieb. Mehrere leichte Geschütze und Maschinengewehre wurden erobert.

Der Seekrieg.

Madrid. 27. Juni (WTB. Mchtamtlich.1 Meldung der Agence Havos. Ans Malilla wird gemeldet, daß der Dampfer Emanuel" dort mit 41 Manu von der Besatzung des javani­schen Dampfers T a i x c t s 11 Maru angekommen ist. der auf der Höhe von Barcelona durch ein Unterseeboot versenkt wurde.

Berlin, 28. Juni. Im Mittelmeer wurde der Dampfer: Cournel" der transatlantischen Schiffahrtsgesellschaft mit 4743 Tonnen von einem deutschen Unterseeboot torpediert Die Be­satzung ist auf den Balearen gelandet.

Der Wahlkampf in Amerika.

Chicago, 27. Juni. WTB.' Meldung des Reuterschen Bureaus. Das fortschrittliche Nati vnalkomitee hat sich gegen die Aufstellung eines fortschrittlichen Kandidaten sür die Präsidentschaft entschieden.

Ans Lhina.

Berlin, 27. Juni. (WTB.> Die hiesige chinesische Gesandt­schaft teilt mit: Das Auswärtige Amt in Peking meldet: Die Pro­vinzen, die sich für unabhängig erklärten, erkennen einstimmig den neuen Präsidenten an: Danton. Szechuan und Shensi machten ihre Unabhängigkeitserllärnng rückgängig. Die Regierung ist ,im Begriff, die vvn den Südprovinzen wieder aufgerollte Ber- fassungs- und Parlamentstrage der Lösung entgegenzusübren

Die Uartofselverforgung für fyltz/p.

Berlin, 27. Juni. (WTB.) Der Bund es rat hat ilt seiner Sitzung vom 26. Juni die Kartoffelversor gung für 1916 17 neu geregelt. Die neue Verordnung hält im wesentlichen an dem bisherigen System der Kar­toffelversorgung fest. Zu neuen Versuchest und neuen Risiken ist die Zeit nicht geeignet, um so weniger, als sich die Kar­toffelverordnung vom 7. Februar 1916 in Verbindung mit den landes gesetzlichen Ausführung sbestimmungeu als ein gangbarer Weg erwiesen hat. Es ist also an dem bisherigen System der Anmeldung des Bedarfs und Zwangsabnahme durch die Bedarfsverbände und der Umlegung aus die Ueber- schartzver bände mit Zwangslieferungen seitens der Kommu­nalverbände und der Kartoffelerzeuger festzuh-alten. Der zu deckende Bedarf wird durch Sicherstellung bei dem einzelnen Erzeuger festgelegt und der freien Verfügung entzogen. Nur Bei Anwendung dieses Verfahrens, zugleich mit wiederholten Borratserhebungen, kann die Kartoffelernte planmäßig erfaßt mtb, soweit zur Deckung des Bedarfs erforderlich, aleichntäßig verteilt werden. Wie bisher, so darf auch künftig der Handel zunächst nur als Kommissionär oder Beauftrag­ter des Komunlnalverbandes zug-elassen werden. Der Ge­danke, bei einer günstigen Ernte die Versorgung dem freien Handel völlig zu überlassen, mußte cmsscheiden. Möglich wäre das nur, wenn wir sehr reichlich Nahrungs- und Futtermittel, hätten und keine Gefahr bestünde, daß mau auf die Kartoffeln von allen Seiten zurückgriffe. Diese Gefahr besteht aber trotz der voraussichtlich günstigen Ernte. Vor allem müssen wir uns gegen alle Gefahren tvappnen Bei völliger Freiheit des Handels würden Kommun alv er­bende, Händler und Landwirte als .Konkurrenten auf denk Kartoffeln:arkt auftreten. Sie würden einänder ob er­laubt oder nicht zu tteiben versuchen. So würde eS kommen, daß die eine Stadt stark, die andere gering ein- gedeckt wäre. Eine Garantie für genügende und gleichmäßige Erndeckung bestände nicht; aller Voraussicht nach müßte letzten Endes doch wieder mit staatlichem Zwange ein­gegriffen werde::.

Träger der Verforgungs-, Lieferungs- und AbUahme- pflicht nrüfsen wie bisher die Komnrunalverbände sein, da­neben sind die Heeresverwaltungen und die Marinever­waltung sowie die Reichsbranntwein stelle und die Deka ver­pflichtet, ihren Bedarf gleich den Konrnrunalverbänden aw- zumcllden Der freihändige Aukauf aller dieser Stellen hat in Zukunft zu unterbleiben. Die Zuweisung au Teka und Reichsorarrntweinstelle darf in Zukunft nur durch die Reichs­kartoffelstelle erfolgen. Preßhefefabriken müsse:: ihren Be­darf bei der Teka auzeigen. Brennereien werden vor: den Komknuualverbändeu nach näherer Airgabe der Reichs­kartoffel- und Reichsbranntweinstelle beliefert. Dem Rxichs- kanzler ist die Berechtigung gegeben, Grundsätze über die Be-- rechnnng des Bedarfs aufzustellen, die sich nach dem Ernte­ergebnis an Kartoffeln und dem Vorrat anderer Nahrungs­mittel richten müssen. Sie können daher im voraus nicht festgetegt werden. Ebenso wird der Reichskanzler die Grund­sätze über die Verpflichtung zur 2lbgabe von Kartoffeln feite::s der Karloffelerzeuger festlegen, nötigenfalls aber auch pur kamt - die Verfütterung von .Kartoffeln und, Trocknungserzeugnissen zu beschränken oder zu verbieten haben. Gleichzeitig sind den Behörden neue Machtmittel in die Hand gegeben, um etwa notwendig werdende Lagerung, Ablieferung und Abfuhr beim Erzeuger zu den richtigen Zeiten zu gewährleisten.

Zuwiderhandlungen gegen diesbezügliche Einordnungen der Verwaltungsbehörden sind unter Strafe gestellt. Neben der Pflicht der Bedarfsverbände zur Aufbewahrung durch Einrnieten und Einlagern besteht für sie selbstverständlich die Möglichkett, an diejenigen Verbraucher, die bisher Kar­toffeln siir den ganzen Winter eiugetagert haben, diese für einen längeren Zeitraum abzugeben. De:: Landeszentral­behörden ist cs überlassen, Einzelheiten zu besttmmen.

Die Berbrauchsregeluug, also die Verteilung bleibt, wie bisher, Pflicht der Kommunalverbände. Auf Grund der neuen Verordnung werden Reichskanzler und Reichskartosfel- stelle in Kürze alle erforderlick>en Amoeisungen bezüglich statistrscher Erhebungen, Bedarfsanmeldungen, Umlegung ufw ergelten lassen So werden in diesem Jahre alle Pro­vinzen, Ueberschußtreije und alle Landwirte in einigen Wochen genau wissen, inievrel fte zu liefern haben und zwar für die ganze Zeit b:s Herbst 1917. Tie sür Herbst und

Winter notwendigen Kartoffeln werden sofort während und nach der Ernte mit größter Beschleunigung Kartofseb- Eilzügen u. dergl. an die Bedarfsorte gebracht. Der Rest wird bei den Landwirten lagern bleiben müsse::, wie im Frieden. Jeder Landwirt weiß aber vor der Ernte bereits, was er im Frühjahr bereithalten muß. Für genügende Re­serven sorgt die Reichskartoffelstelle.

Der Saatguthandet wird später geregelt werden. Aller Voraussicht nach wird er alsdann unter scharfe staatliche Kontrolle gestellt und die Ausfuhr von der Genehmigung des Kommunalverbandes abhängig gemacht werden.

Aus dem Reiche.

Höchstpreise für Süßwasserfische.

Berlin, 27. Juni. Eine Verordnung des Bundesrats regelt von neuem den Verkauf von Süßwasserfischen. Die Höchstpreise im Großhandel für 50 Kilogramm mit Verpackung bettagen bei Karpfen 105 Mk., bei Schleien 125 Mk., bei Hechten 120 Mk., bei Bleien oder Brachten von 1 Kilogramm und mehr 80 Mk., unter 1 Kilogramm 60 Mart, 'bei Plötzen und Rotaugen entsprechend 60 und 50 Mark. Höchstpreise im Kleinhandel dürfen, wenn solche festgesetzt werden, für 1 Pfund nicht übersteigen bei Karpfen 1.30 Mk., bei Schleien oder Hechten 1.50 Mk., bei Bleien und Brachten 1 Mk. bezw. 0.75 Mk., bei Plötz und Rot­augen 0.75 bezw. 0.65 Mk. (Frkf. Zlg.)

Eine Gedächtnishatte für Tannenderg.

Königsberg i. Pr., 27. Juni. (WTB.) Unter dem NamenTan neu b er g-Ge da ch tn is-S t i ftung auf der Neide nbura" wurde ein Verein gerundet, der es sich zur Aufgabe gesetzt hat, die Erinnerung an die beiden Völkerschlachten bei Tannenberg, die des deutschen Ordens gegen Polen und Litauen im Jahre 1410 und die dev deutschen Heere unter Generalfdldmarschall v. Hiudenburg gegen die Russen im Jahre 1914 zu pflegen. Zu diesem Zwecke soll die noch wo hl erhaltene, stolz auf der Berges­höhe inmitten des großen Schlachtfeldes gelegene Orderrs- burg zu Neidenburg instand gesetzt und ihr großer Remter zu einer würdigen Gedächtnishalle ausgestaltet werden. Dem Vorstand des Vereins gehören an der Oberpräsideut der Provinz Ostpreußen von Batocki-Bledau, Fürst zuDohna- Schlobitten, Ministerialdirektor von Bremen und andere mehr.

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Berlin, 27. Juni. (WTB.) Die Kriegstagung des Ge- samtvcrbandes deutscher Krankenkassen nahm heute in Gegenwart des Geheimen Regterungsrates Dr Burck- hardt vom Reichsgesundheitsamt ihren Fortgang mit einem Vortrag des Geschäftsführers Reifenra th-Gelsenlirchen über die Ersatzansprüche der Krautenkassen für Aufwen- düngen au Kriegsbeschädigte. Der Redner forderte, daß das Reich den Kassen Ersatz leistet für die Behandlung von kriegsbeschädigten Krankenkassenmitgliedern, da die Mittel der'Kassen zur Tragung der Lasten nicht ausreichen. Zur Frage der Entschädigung der Landesversicherungsanstalten an dre Krankenkassen für die Beitragsentztehung und den Kartenumtausch äußerte Geschäftsführer Eickhoff von der Allgemeinen Oriskrankenkasse Bonn seine Wünsche. Ganz besondere Anffnerffanrkeit erregten die Ausführungen des Professors Dr. B l a schko-Berlin über das ThemaMit­wirkung der Krankenkassen im Kamps gegen die Geschlechts- lrankheiten". Den L>chlußvortrag hielt das Vorstandsmit­glied des Gesamtverbandes, Volksbureauvorsteher Drcck- München-Gladbach, über die Vorschläge zur Aenderung der Rcichsversicherungsordnungt Der Vorsitzende, teilte dann noch mit, daß die gesamten Verhandlungen in Form einer Broschüre demnächst veröffentlicht werden sollen. Damit fand die Tagung ihr Ende.

Berlin, 27. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, steht die Organisation einer Zentralstelle zur Bekämpfung des Wu­chers bei Gegenstände:: des täglichen Bedarfs durch den preußischen Minister des Innern unmittelbar bevor.

Berlin, 27. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Bei einer Kundgebung für Liebknecht kam cs heute abend zu einer größeren An samml ung am Potsdamer Platz. Ettva 20Personen sind zur Feststellung abgeführt worden. Sonstige Zwischenfälle ereigneten sich nicht.

Das preußische Herrenhaus hat am gestrigen Dienstag die abgeänderte Kriegssteuergesetzvorlage an- genomnien. Die beiden Häuser des Landtags wurden bis zum 14. Novemtber vertagt.

Arrr Stadt t*«6 Lcsnd.

Gießen, 28. Juni 1916.

Der Scheck- und Abrechnungsverkehr im Dienste der Kriegführung.

Als der Aufruf an das deutsche Volk ergii^, alles Gold zur Reichsbank zu bringen zur Stärkurrg unserem Währung und Zahlnnasbereitschast, da zögerte kein Deut­scher, mit seinem Schierstein zu dein Erfolge beizutragen, de:: die Goldsammlung aufzurveisen hat. Durch die damit erzielte ge­waltige Steigerung des Goldschatzes wurde die Reichsbauk in den Stand gesetzt, die infolge des Krieges in außerordentlich gesteigettem Maße an sie heranttetendei: Anspttiche des Zahlungsmittelbedarfs durch Ausgabe von Banknoten voll zu befriedigen, ohne die Jnne- haltung der ihr durch das Bankgesetz gegebenen Deckungsvorschrift«: in Frage zu stellen. Das ständig mackstende Bedürfnis an Zahlungs­mitteln macht schon wünschenswert, daß die durch die Goldsamm- lungspolittk erreichte Stärkung der finanziellen Kriegsbereitschaft der Reichsbauk auch weiterhin durch geeignete Mittel gefördert wird. Ein solches Mittel ist vor allem die tunlichste Einschränkung im Verbrauch der Zahlungsinittel selbst. Hierzu sollte jeder Deutsche, in der 'Erkenntnis, daß es auch ans dem Gebiete des Zahlungsver­kehrs für ihn eine patriotische Pflicht zu erfüllen gibt, nach seine:: Kräften dadurch beitragen, daß er nicht höhere Geldbeträge mit sich hernntträgt, als unbedingt für die Befriedigung der täglichen Be­dürfnisse erforderlich ist, und sich außerdem' bei seinen Zahlungen nach Möglichkeit der bargeldersparenden Zahlungsmethoden bedient.

Es unterliegt keinem! Zwttfel: Die Einbürgerung des Papier­geldes hat die Erscheinung gezeitigt, daß der einzelne größei'e Geld­beträge als sonst mit jich hernmträgt oder bei sich zu Hause verwahrt. Diese ohne ^Notwendigkeit zu ruckgehaltenen, in der Osstamtheü Milli­arden ausnrachearden Beträge beeinflussen unsere Wührungsverhält- nisse insofern ungünstig, als die Banknoten dor Reichsbank entzogen blechen und der Notermntlauf somit unnötigerweise hohe: ausge­wiesen werden muß, als der wirkliche:: wirtschaftlichen Lage Deutsch­lands entsprechen würde. D,:rch Steigerung des Notenmnlaufs wird aber bei der Reicktsbank das Verhältnis von Gold zu de:: Verbind­lichkeiten und die Banßwten sind solche naturgemäß ver­schlechtert, und :venn dieser Umstand auch rein nrateriell an unserer gesunden Lage nichts ändett. so wird doch den Feinden, die uns unter' Hinweis hierarn' eine finanzielle Schwäche untersästebw: wol­len, eine Waffe der Verleumdung an die Hand gegeben.

Wie können torr nunau limlaufsmitteln sparen?" Zunächst ist es Pflicht jedes Deutschen, jein Geld ohne Bersäunnris m die Banke::, Sparkassen usw. zu traqen. die bekanntlich den Teil, de:' nicht Umlausszwecken dient, an die Zenttalstelle die Reickrsbank abführe::. Jeder Deutsche sollte daher ein Scheck- und Ueber-

weisungskonw bei einer Bank, Sparkasse. Postanstalt usw habcn^ waS ihm nicht nur eine sichere Aufbewahrung Keines Papiergeldes, sondern nunÜ sogar den Vorteil einer Verzülsung und die Mögliac­kert biete:, ferne Zahlungen bequem aus bargeldlosein Wege zu er­ledigen. Namentlich der Geschäftswelt erwächst hier eine wertere vaterländische Pflicht der Erziehung: Noch mehr als bisher soll sie daraus sehen, daß größere Zahlungen int Wege der Ueberschreibung von Kvnto zu Konto oder durch Scheck beglichen werden. Jede Hundertmarbrote, die hierdurch als Umlautsmittet gespart wird, stärkt die Lage der Reichsbank und damit das Ansehen un­serer Markvaluta draußen. Der Großverkehr bedient sich ohne­hin schon bei sttnerr großen Umsätzen des Scheck^ und Giro­verkehrs, aber gerade im Kleinen wird hier noch viel gesündigt. Es wäre zu wünschen, daß die deutsche Geschäftswelt durch An­gabe des Bankkontos aut den Bttefbogen. Rechnungen usw. und durch Ueberdruck:Zahlt durch Ueberweisrmg oder Scheck" die Bewegung des bargeldlosen Zahlilngsverkehrs förderte. Jetzt, nach­dem wir Terttsche unsere Goldreserven in so außerodentlichem Maße gesteigert haben, gilt es, an der Verstärkung unseres Wäh­rungsgebäudes weiterzuarbttten durch tunlichste Einschränkung des Barmittelumlaufs. Neben die Forderung:Alles Gold in Rttchsbank" ist jetzt der Aufruf zu setzen :

Bgnknoten, die nicht für den Verkehr unbedingt notwendig sind, gehören in die Reichsbauk. an

ihre Stelle trete Scheck und Verrechnung!

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" Amtliche Personal Nachrichten. Der Groß- Herzog hat am 24. Juni dem Ober-Postsekretär Rechnungsrat V a b st zu Darmstadt die Erlaubnis zur Annahme rmd zum Tragen des ihm aus Anlaß der Jeier seines 50jährigen Dienst» jubiläums von: Deutschen Kaiser, König von Preußen, verliehenen Roten Adlerordens vierter Klasse mit der Zahl50* erteilt.

'* Personalnachrichten derEisenbahndirektion Frankfurt a. M. Im Namen der Großh. Hessischen Regierung in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngenieinschast im Monat Juni 1916 erfolgte Ernennungen :md Beförderungen: Zum Weichen­steller: Rottenführer Meier zu Dorheim, zum Rottenführer: Bahnwärter Christian Keller zu Lich, zum Bahnwärter: Hilfs­bahnwärter Marke! zu Renzendorf.

** Auszeichnung. Dem Kriegsfreiwilligen Oberjäger Heinrich Otto aus Gießen vom Res.-Jäger-Bat. 11 wurde das Eiserne Kreuz verliehen.

** Ehrentage der 222er. 3. Juli 1915: Nach er­folgreichem Sturm unsererseits auf die auf einer Anhöhe bei Slawentzyn gelegenen feindlichen Stellungen zieht sich der Gegner hinter die Zlota Lipa zurück. Seit'5. Juli 1915: Stellungskampf an der ZlotaLipa - Linie bei Nosow und Wierzbow.

** Eine öffentliche Sitzung des Provin­zial - A u s s ch n s s e s der Provinz Oberheffen findet am Samstag, den 1. Juli, vormittags 9U.hr, in dem Sitzungssaal des Regierungsgebmides hier statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Mlösung der Steuerfreiheit der Frei h errlich Riedeselschen Grundstücke in den Gemarkungen Landenhausen, Reichlos, Rixfeld, Schadges. 2. Antrag auf Enteignung der Gewerkschaft Oließener Braunsteinbergwerke, vomnals Fernie in Gießen gegen den Geh. Kommerzienrat Wilh. Gail; hier: Ortsbesichtignng.

** D i e G 0 ld a n k a u's s stel l e für den Kreis' Gießen befindet sich in den Räumen der Bezirks- Sparkasse zu Gießen. Diensfftunden werden Dienstag nachmittag von 136 Uhr und Samstag vormittag von 10 bis 121/2 Uhr abgeyalten. Die Goldankaufs stelle kauft alle Gold­sachen gegen Barzahlung an. Vergütet kvird der wirkliche Goldwert, den die Gegenstände haben; dieser wird durch deeidigte Taxatoren sorgfältig errnittelt. Die Goldfachen werden eingeschnrolzen und >das aus ihnen gewonnene reine Gold wird der Reichsbauk zngeführt. Wie bekarmt, ist die Reichsbank berechtigt, den dreifachen Bettag ihres Gold­bestandes in Banknoten in Umlcuis zu galten Wer also Goldsachen bei der Goldankaufs stelle ein­liefert, trägt dazu bei, die wirtschaftliche Kraft des Zentral-Geldinstitutes des Deut­schen Reiches zu heben mtb dcnnit unsere finanzielle Kriegsbereitschaft zu stärken. In diesem Punkte mit- zuhelscn, ist vaterländische Pflicht.

** Militärische Ausb ildnn g der Jugend. Mle Jungmannen treten hertte (Mittwochs abend A /2 Uhr in der Turnhalle des Realgymnasiums an.

** Barsußge he'n der Schul;u gen d. Die Knapp­heit unserer Ledervorräte iwtigt uns, auf möglichste Ein­schränkung unseres Bedarfs an Schuhwerk bedacht zu sein. Große Ersparnisse nach dieser Richtung würden gemocht werden können, wenn die Schuljugend, besonders auf dem Lande und in den kleineren Städten, zu dem früher weit verbreiteten Branche des Barfußgchens während der Som- nierzeit zurückkehren würde. Auch in gesundheitlicher Be- ziehung würden die Schulkinder damit erheblich gefördert werden, und die am Schuhwerk gemachten Ersparnisse könn­ten der Ernährung der Volkskreise zugute kommen. Ohne ein recht kräftiges und zielbewußtes Vorgehen der Schul­leitungen und sonstigen einflußreichen Stellen (Konsistorien, Pfarrer, ländliche Krieger- und Turnvereine) wird aber in dieser Beziehung nichts Durchschlagendes erreicht werden können. Vorbildlich ist eine Verfügung der Münchener Stadtschulkommissio^ an die Leiter der Volls- schulen, wonach diese bei ihren Schülern auf Einbürgerung des Barsußgehcns hinzuwirken haben.

** Sch ü tzt die Feld er. Die Feldsrüchte erfordern zur jetzigen Zeit ein«: mchergewvhiüichen Schutz. Gegen vorsätzliche Beschädigungen der Felder :Verden die Polizttorgane erirsllich einschreiten. Im Interesse der Allgemeinheit :väre zu würrschen, daß die Feldschutzbeanrten in der Ausübung ihres Dienstes nach Möglichkeit unterstützt werden. 21uch^ jede Gefährdung der Felo- früchte aus Unachtsamkeit nruß verhütet werden. Hierzu gehött U. a. dos unbedachte W-egwersen bvwrnender oder glimmender- Zigaretten- oder Zigarrenstummel oder Strttchhölzer in den Ge­markungen. Es ergeht die dringende Aufforderung, alles zu ver­meiden, was der: Feldsrüchter: mtb besonders den: Getreide schaden kann. Unter Umständen kann selbst das Rmtchen in den Feldern recht schlimme Folgen haben. Ter Schuldige selbst hat neben zivil­rechtlicher Haftbarkeit den leweüigcn Verhältnissei: entsprechende erhöhte Strafen zu gewättigen. Gleich ander«: inacht letzt auckr das stellv. Gmeralkonimando des 11. Arnreekorps unter ylliführung einer Reihe von Borbeugungsmaßnahinen aus die Notwendigkeit aufmm'ksam, namentlich icutt dem La:ü>e die Entstehung vvn Bränden zu verhüten. Es sei dringend notwendig, daß. solange der Ktieg dauert, keine Schmne, kein Stall, kein Wald, kein Moor und kein Vorrat irgendwelcher Art durch Feuer vernichtet lverde. Was vernichtet werde, helfe unseren Feinden den Krieg verlängern; was erhalten bleibe, helfe uns ben Sieg erringen.

** Erhöhung der Tabaksteuer am 1 Jul:. Die den Lesern unseres Mattes wohl -schon lvkaunte Erhöhung der Tabakabgaben tritt an: 1. Juli ds. Js. in Kraft. Zigaretten^ Hersteller und Händler sinb^ verpflichtet, die am 1 Jul: in ihrem Besitz oder Gewvhrsani befttwlichen versteuettcn Von'ätc an Zi­garetten, Zigaretten hüllen und ZigarettLlttabak, letzter«: soweit der Kleinverkarlfspreis mehr als 8 Mk. für 1 Kilogramm beträgt, innerhalb einer Woche, War«! der glttchen Att, die sich, am ge­nannten Tage untei-wegs befinden, alsbald nach ihren: Eingang dem zuständigen Steueraent, d. i das Großh. Hauvtsteueramt Gießen für die Provinz Ober Hess«: nach Zahl. Inhalt und Sten«-- klasse der Packungen schriftlich anzumttd Dbe Änmeldi - zweifacher Ausftttigung einzirreich«:. Wenn der Vorrat eines Händlers an Zigaretten nicht mehr als 3000 Stück, an Zigartttew, tabak nicht mehr als 3 Kilogranrnr, an Zigaretten hüll en nicht nrehr