..Haben Sie mm «uÄ eine Nachricht bekommen^ fragte ich Üttciitc duftrtierrairtin. eine aitlidne abgehärmte Bäuerin, die n-och jhteltte uvorgerl geklagt hat, daß sie seit den: August 1914 kein Wort Mehr von ihrem Manne gehört habe. „Ja," sagt sie bekümmert. ^Endlich eine Nachricht, aber keine gute. Bisher — so schreibt der innge Grasse um- mein Atann immer in Reserve, da habe ich mich umsonst um ihn.geängstrgt. Aber letzt — das steht da in dem — ist sein Regiment nach Verdun geschickt worden." Sic Mischt sich die nassen Augen mit der Schürze. „Ich wollte, er wäre endlich auch gefangen, dann märe er in Sicherheit." Sie must plötzlich ihre Magen unterbrechen, denn der kleine Louis, ihr Jüngster, 'der eben den ^SchäferHund Fram des Pionierhauptmanns aus einem Nachbarhause am Schwanz gezogen hat, ist von dem Tier umgeworsen worden und schreit jämmerlich. Der Hund steht wedelnd dabei und macht ein dummes Gesicht.
Fram und Louis, die spielen miteinander ein Stück Dorfgeschichte, das mancher Verdunkämpfcr kennt. Der kleine Louis war genrde 4 Tage alt, als sein Vater als Territorial unter die Jahnen gerufen wurde. Da die Mutter immer das Haus voll Einonartierimg hat, so hat sich der kleine semmelblonde Bengel <m die feldgrauen Leute angeschlossen, die er, solange er sich erinnern kann, als fast die einzigen Männer kennt, die in dem Torfe waren. Von ihnen hat er spreche lernen. Zum Schmerze seiner Mutter redet er säst kein Wort französisch, aber jedrm Morgen, wenn er seine Milch bekommt, schüttelt er sich und ruft mit Schelmenäuglein: „Ist beiß!" Tann flitzt er hinaus, in die Ställe und Küchen und Soldatenguartiere und erneuert überall Nahrhafte Freundschaften, die seinen dicken Beinchcn gut angc- schftlgen sind. Sind die Fellgrauen gerade alle beschäftigt, baun geht er zu dem Schäferhund Fram, der schon auf den kleinen Quälgeist wartet, und zaust ihm den Pelz. Fram läßt sich alles gefallen, 'denn er weist, dast die Dinge der Welt kraus gehen. Sinne Mutter hat einem wilnischen Schloßherrn gehört und ist mit eurer deutschen Kolonne durch Rustland gezogen. Er selbst ist unter einer Protze in Serbien zur Welt gekommen. Nun spielt er mit dem kleinen deutsch stammenden Franzosenjungen auf einer schmutzigen Dorfstraste vor Verdun. Wer weiß, was noch kommen mag. #
Me, denen man begegnet, sind voller Unruhe und Spannung. Mvr uns an der Front ist die Schlacht unablässig in vollem Gange, aber niemand kann nach! vorn. Allmählich hat sich der Wind gedreht, (imb man hört ihren stumpfsinnig grollenden, eintönigen Lärm immer stärker. Nach und nach dringen auch mehr Einzelheiten durch. Unser Angriff ist im Fortschreiten. In das Feldlazarett, das am Ausgange des nächsten Dorfes cursgeschlagen ist. kommen immer neue Verwundete verschiedener Regimenter zum Verbunden. Man geht sie besuchen, bringt dm wunden .Helden ein paar LiÄ>es- gaben mit mrd hört ihre Berichte. Alle stimmen darin üüerern, daß der Angriff über Erwarten leicht und ohne Verluste gelungen .ist, und daß die Franzosen sehr schlecht standgehalten haben.
Bei Einbruch der Dunkelheit wandere ich zu meinem Quartier zurück. Der Himmel zuckt wie Wetterleuchten unter dem fortwährenden Äufblitzcn der Mündungsseuer und Einschläge. Die Erde zittert und bebt: über Donaumont und Vaur steigen Kaskaden von Lenchtraketen auf. Von Minute zu Minute wüster wird das Trommelfeuer. Jeder Schlag gilt Menschenleibern ? Doch das ist nicht auszudenken Das wäre die dlusrottung des Menschengeschlechtes. Plötzlich ertönt ein wahnsinniger Schlag, nnd über dem Wäldchen neben meinem Dorfe ist der Himmel eine Sekunde lang blutig purpurnch.berlau.fen. Der Einschlag eines ganz schweren Brummers, eine Muniüonsexplosion? Das Wäldchen liegt wieder schwarz lund erstarrt da und gibt keine Wttwvrt.
Als ich an mein 5)ous komme, steht da am Torpfosten eure Gestalt und schluchzt zum Herz zerbrechen. Es ist die ältliche abgehärmte Bäuerin. die Mutter des lustig die ersten deutschen Worte krähenden kleinen Louis, die in die rasende GnrmrdmhSlle auf den Höhen vor uns hrnccusweint. Seit heute weist sie, daß ihr Mann darin ist, vielleicht mitten in der kahlen Mulde zwischen den beiden flachen .Hügelrücken, in der die Flammengarben herumsprchen, wie eine brennende Feuerwerkskiste.
Das Ttxrr mein Hi mmelsahrtLdag vor Verdun.
W. Schewe-rmann, Kriegsberichterstatter.
A«» Stadt ««d Canft,
Gießen, 9. Juni 1916.
** Amtliche Parsonaln ach r rchtan. Der Großher- tzog hat am 7. Juni den Landgerichtsvat bei dem Landgericht dar Provinz Oberhessen Friedrich Koch Mm Landgerichtsvirektor bei diesem Gericht ernannt. — In den Ruhestand' versetzt wurden am 7 Juni der Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitz in Darmstadt Georg Gottfried B e r b e r t auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, am 3. Juni der Gefangenenwärter amHaftllkal in Osthofen Alexander Brehm auf sem Nach suchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom Dienstantritt fernes Nachfolgers. — Der GvvWerzvg hat am 7. Juni dem Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Darmftadt Georg Gottfried Berbert dir Krone zum Silbernen Kvcutz' des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwcklrger Feuerwehren wurde verliehen Ludwig Bohland zu Rockenberg.
** Ernte flachen-Erhebung. In der Zeit vom 9.biis 15 Juni findet eine Ernte slächen-Erhebnng statt, die sich auf nach- ^mnib verzeichnete Feldfriichte erstreckt: Weizen. Spelz, Roggen, Gerste, Menggetreide, Hafer, Mischfrucht, Luchnen, Erbsen, Lrnsen, Acker-(Sau-)Bohncn, Wicken zur Körnergewinnung, Raps- und Rüben, Mohn, Dotter, Sonnenblumen, u. a. Flachs, Hanf, Frühkartoffeln und Spätkartoffeln, Zuckerrüben, Runkelrüben, Gemüfe zur m enschlichen Nahrung. Klee aller Art. Kartoffeln, Gemüse und andere Gewächse in H a u s g ä r t e n bleiben außer Betracht. Näheres siehe Bekanntnrachung des Oberbürgermeifters m der gestrigen Nummer ^ r ^ t . ,
**Ansiedlungvon K r i e g s b e s ch a d i g t e n und Kriegerwitwen in Hessen. Die von dem Hessischen Zentralwohnungsverein aufgenommenen Bestrebungen zur Ansiedlung von Kriegsbeschädigten und Kriegerwitwen haben inzwischen zu umfangreicher praktischer Tätigkeit geführt. Es liegen bereits eine Anzahl Meldungen vor. Die zur Verwirklichung derselben notwendigen Verhandlungen sind im Gange. Die Kapitalbeschaffung ist dadurch wesentlich erleichtert, daß nunmehr die Kapitalisierung eines Teils der Renten möglich ist; im übrigen hat sich die Landesversicherungsanstalt Großh. Hessen bereit erklärt, Mittel zu billigem Zinsfuß bereitzustellen. Auch die Sparkassen werden die Sache nach Kräften unterstützen. Wegen der Beschaffung gut gelegener und preiswerter Grundstücke ist mit den betr. Gemeinden in Verbindung getreten worden, die überall großes Entgegenkommen gezeigt haben. Die hessischen gemeinnützigen Bauvereine stellen sich gleichfalls in den Dienst der Sache; sie werden die Erbauung der Eigenheime und die Hcrrichtung der zugehörigen Gärten in die Hand nehmen. Der von dem Hess. Zentralverein für Errichtung billiger Wohnungen in Darmstadt. Wilhelminenstraße 3, eingesetzte Ausschuß, in dessen Hand die Bearbeitung der Angelegenheit liegt, nimmt auch weitere Bewerbungen von Interessenten entgegen.
** Flei s ch verbrauchsreßelnng. Durch Bekanntmachung des Oberbürgermeisters ist die seitherige F l ei sch menge vvn 600 Gramm für Kopf intb Woche herabgesetzt worden; es er-
r lten bis auf weiteres Erwachsene 300 Gramnr und Kinder unter Jahren 150 Gramm Fleisch die Woche. Diese Maßnahmen waren erforderlich, da nach den Erfahrungen der letzten Wochen die der Stadt (Resten vom Kommirnalverband überwiesenen Viehmengen diesem Satz annähernd entsprechen. Durch die Bestandsaufnahmen ist ftftgestellt worden, daß größere Mengen schlachtreifen Viehs nickt zur Verfügung stehen. Es effcheint daher im lmrtschastlichen Interesse dringend ^ebuLcu, daß das jetzt noch, nicht schlacht- x ei'f-e $-i<4 das. in ausrmchkiller Adenge vorhanden, ifc mittels!
der reichlichen Grünfutterernte zu vollfteischi^en Tieren herangemästet wird, bevor es zur Schlachtung Lonrurt. Wir können deshalb erwarten, daß uns im Frühherbst ausreichende Fleischmengen wieder zur Verfügung stehen. Die Einschränkung des Fleischverbrauchs wird dazu führen, daß die Familien und insbesondere die Gasthäuser in vermehrtem Umfange 'zur Herstellung fleischloser Gerichte übergehen werden müssen. Dies wird deswegen nicht so schwer sein, da jetzt Gemüse in reichlicher Menge zur Verfügung stehen. Tie Herabsetzung der Fleischmarten wird den Vorteil haben, daß gegen die Fleischmarken auch tatsächlich Fleisch zu haben sein wird, da die ausgegebeuen Marken sich mit den vorhandenen Fleischdorräten annäherrrd decken. Es ist zu hoffen, daß der wenig erfreuliche Andrang vor den Metzgerladen aufhört, sobald jeder die Gewißheit bekommt, daß gegen die Fleischmarken aukch! ^virklich Fleisch zu erhalten ist. Weiter wird damit erreicht werden, daß die Fleischmarken von jedermann als wertvoll angesehen werden und nicht mehr wie seither, soweit sie nicht verwertet werden konnten, vielfach den Gastwirten und Metzgern airsgehändigt werden; dadurch wurde eine genaue Kontrolle über hie Art des Verbrauchs des Fleisches fast unmöglich gemacht. Hoffen wir, E daß auch auf dem .Gebiet der Fleischversorgung bald befriedigende Zustäirde eintreten.
** Wichtig für Pfingftausflügler. Das Kriegsernährungsamt weist auf folgendes hin: Die Psingsttage werden bei günstiger Witterung in diesem Jahre einen besonders großen Ausflugsverkehr bringen. Den Ausftüglern ist die Pfingst- erholung und dm Gastwirtm die Einnahmen in dieser schweren Zeit zu gönnen, (ßrstere müssen aber ernstliche darauf hingc- wiesm werdm, daß bei den bestehenden Grundsätzen für die Verteilung der Lebensmittel auf die Versorgung größerer Ausflüglermengen aus den am Orte vorhandenen Lebensmitteln nicht zu rechnen ist. Den Kurorten werdm zwar zur Versorgung von Kur bedürftigen die nötigen Lebmsmittel besonders zugewiesen werdm, aus den Massen- a u s f l u g S v e r k e h r kann diese Maßregel aber ohne die an- sässigö Bevölkerung, insbesondere die schwer arbeitenden Personen zu sck-ädigm, unmöglich ausgedehnt werdm. — Jeder Ausflügler wird deshalb gut tun, sich die Nahr un gs - mittel aus dem Heimatsorte mitzubringen. Die Gastwirte werdm sich darauf einrichtm nrüssm, gegm tzlblieierung >der eutsprechurdeil fytengcn die Speism l-erznftellen. und zu liefern. Die Regelung der Bezahlung wird bei beiderseitigem guten Willm keine Schwierig leitm bieten. Der altbewährte Brauch „Familim dürfm ihrm .Kaffee kochm" muß in jetziger Zeit auch cmf andere Lebmsmittel sürngemäß ausgedehnt iverdm.
** Das Kreisblatt der vorliegenden Nummer enthält u. a. eine Bekanntmachung über die äußere Kennzeichnung der Waren, über die Höchstpreise von Benzin, über die Einfuhr von Butler ar»s dem Auslande, das Verbot der Aus- und Durchfuhr von Strick- und Wirkmaschinen, das Verbot der Veröffentlichung von Adreffen im Felde stehender Soldaten usw.
Landkreis Gießen.
** Annerod. 8. Juni. Dem Gefreiten Gerhard Koch von hier, bei der Munitionskolonne Fuß-Arl. Bataillon Nr. 23 wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen.
tz. Obbornhofen, 7. Juni. Dm Heldentod fürs Vaterland starb am 29. Mai Friedrich Groß im 36. Lebensjahre. Ein Kanierad hatte seinen Angehörigen den schweren Verlust initgeteilt. Zu Ehren des Gefallenen fand beute abend eine Gedächtnisfeier statt, woran sich fast die ganze Gemeinde und der Kriegerverein beteiligte. Groß ist das 14. Opfer, das der Krieg von unserer Gemeinde fordert.
Kreis Blldingen.
^ N i d d a , 7. Juni. Mit Beginn di!s neuen Schuljahres ist die Schülerzahl an der Bürgerschule wieder gestiegen und zwar auf 133; darunter sind 34 Mädchen. Ortsangehörige sind 73 Schüler, bezw. Schüleriimen
Kreis Friedberg.
— Friedberg, 8. Juni. Geh. Medizinalrat Dr. Weckerling, der am 28 Mai d. I. fein goldenes Doktorjubilärun feierte, begeht heute sein övjähriges Jubiläum als Arzt im Dienste unserer Stadt. Dem 1843 hier geborenen, allseitig hochgeschätzten Arzte wurde von der Gießener medizinischm Fakultät das Doktordiplom erneuert. ,
-Btützb« ck, 8. Juni. Im Anschluß an die Vvn der
Bürgermeisterei eürgcftihrte Fleischregelung beschloß der Genreinde- vat: Für die laufende und nächste Woche zusamnrm erhält jede Person 500 Gramm Fleisch oder Wurst, der Besitzer Vvn Dauerwaren 350 Gramm, 1 Krnd bis zu 6 Jahrm 250 Gramm und ein Kind vvn einem Besitzer Vvn Dauerwaren 175 Gramm. Die bereits in dieser Woche bezogenen Quantitäten Fleisch oder Wurst werden in Al^ug gebracht. Wer durch Bezug bei mehreren Metzgern sich mehr als die vorgchchriebene Menge verschafft oder zu verschaffen sucht, erhall in den folgenden 14 Tagen kein Fleisch. Die Metzger sind verpflichtet, Kontrollisten zu führen, die vvn einem Mitglied des Geineinderats nachgeprüft werden. Fleisch und Wurst darf durch die Metzger nicht mehr dem Besteller oder Käufer bezw. Verbraucher ins Haus gerächt weiden. Als weiteres Kvmmissionsmitglied für die Fleischversvrgung wurde das Gemeinderats Mitglied Metzger gewähll. Vom 19. Juni ab wird die Fleischvvntrvllbarte eingejührt und baff Fleisch, Wurst oder Fett nur gegen Vor zeigen der Kontrollkarte verabreicht werden. Dir Metzger haben Montags dir Fleffchbestellungen entgegenzmrehmen imb in die KontroMarte dir abgegebene Menge Fleisch usw. unter Angabe des DMrms einzntragen. Persinwn, die Dauerwaren besitzen, erhalten nur 2 /s des vorgesehenen Ouantmns und Kinder unter 5 Jahren nur die Hälfte der vorgesehenen Menge. An Wurftwarerr soll nur Mischwurst hergestellt uird verkauft werden.
Starkruburs und Meruhessen.
** Darntstadt, 8. Jiuri. Der Vortragende Rat im Mni- sterinmder^Finanzen, Geh. Oberbmrrat HermannJmroth,ist gestern int Alter vmr 65 Jahren plötzlich gestorben. Der Verstorbene war ein auf dem GÄnete des Jngenieurwesens erprobter Fachmann, der sich ^sonders um den Wasserbau Hessens große Verdienste erworben hat. Sein Eintritt in den heffischeu Staatsdienst erfolgte am 1. November 1888, und zwar als Wnsserbauinspcktor des Wasserbauamts Mainz. Seine Beruftmg zum Vortragenden Rat im Ministerium erfolgte am 1. Januar 1892. Jmroth bekleidete dank seines hervorragenden Wissens eine Anzahl wichtiger Nebenämter. \
fc. Aus Rhein Hessen, 8. Juni. Nunnrehr find sämtliche drei Lehrer des Ortes Wackernheim gefallen.
Hessen-dtassau.
\] Marburg, 8. Juni. Tie gestrige Stadtverordnetenversammlung hatte ein schnelles Ende. Hauptpunkt der Tagesordmmg bildete das schon viele Jahve schwebende Pvojekt der Regulierung der Lahn innerhalb des Stadtgebietes etwa vom Hruwbahnhos bis zum Südbahnhof. Diese Arbeit, die einen Kostenaufwand von etwas über 300 000 Mark erfordert, bildet die Grundlage für die bauliche Effchließung des Geländes jensclls der Eisenbahn vom Hauprbahnhof bis zur Borstadt Weidenhauseu: Während der Oberbürgermeister daraus drang, daß die Lahnregulierungsvorlage sochrt genehmigt werde, tvar die Mehrzhal der Stadtverordnete,' der Änsicht, daß die Arbeiten gemacht locibeit müßten es habe aber so lange gegängelt und deshalb wolle man zur entgülti'gen Beschlußfassung dieses kostspieligen Projettes das Ende des Krieges abn-arten. Die sich sehr ausdchnelrde Aussprache und die Sitzung selbst fand plötzlich einen jähen Wschluß dadurch, daß zwei Stadtverordnete erklärten, sie hätten keüte Zert mehr und> weggingen Dadurch wurde bei der schwachen Besetzung der Sitzung deren Besch lußunsähchkeit IstrbeigesÜhrt.
= Frankfurt a. M., 8. Juni. Unter dem Vorsttz des Regierungspräsidenten Dr. von Meister-Wiesbaden hielt die 1914 gegründete L andes ve reinigun g des Deutschen S chulschi ff Vereins für Hessen nndH essen-Nassau heute im „Frankfurter Hof" ihre zweite Hauptversammllmg ab. Vor Ellttritt in die Tagesordnung widmete der Vorsrtzende den gestorbenen und gefallenen Mitglroderir ehvende Worte des Andenkens Ueber die im Mvember 1915 in Berlin stattgesundeue KuMtversammlung des Schulschiffverems erstattete Hofrat ^za
Bericht, dem zu im Verein unter-
Nlatolski-Franksurt a. M. euren erngehenden entnehmen war. daß die Besatzuirgen der drei haltenen Schickschisfe 'während des Krieges der Mar me wertvolle Dienste geleistet haben. Ein vierres Schulfchift soll baldigst geba u t werden. Auch die Landesvereinigung lmt trotz des Krieg. ? mHr freulicher Weise in .allen Teilen des Bereinsgebietes Wiirz-elJje- schlagen und zahlreiche neue Mitglieder gewonnen. Die Vorstandswahlen hatten u. a. folgendes Ergebnis: R-egiertMgspräs ident Tr. von Meister - l. Vorsitzender', Geheimrat Dr. M e r ck - Darmftadt (2. Vorsitzendech Hofrat Sza mgtols ki-Frankfurt (Schriftführer), Geh. Kommerzienrat Be 1 1u © pc t) c r« Frankfurt (Schatzmeister), ferner Hofrat Prof. Tr. Friedländer- 5)ohemart, Reichstagsabgeordneter Bartling -Wiesbaden, Geh. Kommerzienrat H e n f ch e l - Kassel, Geh. KonAnerziammt W. G a i l- Gießen, und aus Frankfurt Oberbürgermeister Voigt, Freiherr von Goldsckprlidt Rothschild .und (Generalkonsul ^E. von Weinberg.. Nachi der geschäftlichen Sitzung hielt Hofrat 2 z a m a t o l s k i - Frankfurt einen Lichtbildervvrtrag über „Zwecke und Ziele des Deutschen Schulschiffvereins".
ob. K i e d r i ch jm Rheingau, ?. Juni. Heute versteigerte der Kiedricher Winzer-Verein 56 Nlimniern 1914er und 1915er Weine, die durch-.veg zil hohen Preisen Zuschlag fanden. Dabei wurden Preise bis zu 3200, 3260 und 4160 Mk. für das Stück bezahlt. Er- löst wurden für 8 Halbstück 1914er 610—980 Mk., zusammen 6140 Mk., durchschnittlich das Halbsmck 768 Mk., für 23 Stück 1915er 1500—2130 Mk., 25 Halbstück 870-2080 Mk., zusammen 70850 Mk.. durchschnittlich das Stück 1996 Mk. Der gesamte Erlös für 23 Stück und 33 Halbstück stellte sich auf 76 990 Mk. ohne Fässer. In den deiden Versteigerungen dieses Vereins wurden fiir 55 Stück und 00 Halbstück 164 530 Mk. eingenommen.
Ver»nis«htcs.
^Berlin, 8. Juni. Ter „Berliner Lokalanzeiger" meldet aus Kopenhagen: Der Nobelpreisträger der Medi- z i n für 1915, Dr. Robert B a r a n y, der seit Kriegsausbruch in russischer Gefangenschaft gehalten wurde, ist sreigelassen worden. Er tst gestern in Harparanda eingetroffen.
* D i e neuen Kur- und Badeanlagen in Aachen nebst den damit verbundenen umfangreichen Bauten wurden am gestrigen Donnerstag durch den Wtinister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten Dr. Freiherr v Schorlemer als Vertreter des Kaisers eröffnet. Von den neuen Anlagen ist das monumentale Kurhaus die bedeutendste. In ihm besinden sich drei große Freskengemälde von Professor Ederer aus Düffeldors, in denen die Entwickelung des Badelebens vom klassischen Altertum bis zrrr Neuzeit geschildert wird. Die Stirnseiten des Deckengewölbes schmücken zwei hervorragende Plastiken von Professor Pfeifer aus München, Kaiser Wilhelm II. und Kaiser Karl den Großen, den Gründer und Schutzpatron der Stadt Aachen, darstellend. Die Anlagen sind eine Unternehmung der Aktiengesellschaft für Kur- und Badebetrieb der Stadt Aachen, deren Aktienkapital 1750 000 Mk. beträgt.
Rischliche Nachrichten»
Israelitische Religionsgememde.
Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage).
Sainstag, den 10. Juni 1916: Vorabend: 8.30 Uhr. — Morg ens: 8.30 Uhr. Aden ds: 10.00 und 10.35 Uhr.
Israelitische Religionsgesellschast.
Sabbatfeier am 10. Juni 1916:
Freitag abend 8.30 Uhr. — Samstag vorm. 8.30 Uhr. — Nachmittags 4.00 Uhr. — Sabbatausgaug 10.35 Uhr. — Wochengottesdienst morgens 6.00, abends 8.30 Uhr.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Samstag, den 10. Juni 1916: Wechselnd bewölkt. Meist trocken. Etwas wärmer.
Letzte Nachricht«.
Die Wirkung des deutschen Granatftuers in der Seeschlacht.
Amsterdam, 9. Jmn. Ein Bericht des „Daily Telegraph" gesteht ein, daß die yux großen Flotte gehörigen Sch iffe, der Livn-Klasse an der NordseeMacht teillrahmen und nchrt aus, daß alle größten Angegebenen englischen Schiffs- verlnste, immlich von „Queen Mary", „Jnvrncible", „Jnde- fatigable" und .LLarrwr" im feindlichen Granatfeuer erfvlgken. Ine drei erstgenannten sanken innerhall ein und der- sellen Viertelstunde. Mit der ,^Jnvineible" sank.Vizeadmiral Sir Horace Hood, der Kommandant der Schlachtkreuzerflvtte und über tausend Mann.
Die Lage bei Thiamonrt.
Genf, 9. Juni. Tkr Verlust des Banx-Forts bedeutet für die Pariser Presse ein als unabwendbar erkanntes Ereignis. Das Hauptangenmierk der Heeresleitung sei nunmchr der Verteidigung des Wschnittos Froid-Terve-Seusvrl le-Tevaw- nes Angchackst. Eflrige Fachkrittter hallen auch die Lage per Franzosen bei Thianevurt für ernst.
Neue Lärmszenen in der italienischen Kammer
Lnganv, 9. Jnni. In der am 7. ds. Mts. abgehallenenj Kammersitznng ereigneten sich überaus heftige Szenen.
Ms gleich W Anfang Callengo Kitcheners Gedächtnis feierte und einen Hymnus ans Englands Heer imd Marine an- stimmte, welche die Herrschaft über die Meere besitze, warf der <Svzialist Mazzvni höhnisch ein: .Man sieht es! Wildes groteskes Geschrei der Nöehrheit imd Rufe: Hinaus mit dem Oesterreicher, hinaus nrll den Oesterreichcrn und ilaen 91 genlen! waren die Antwort. Callengv fährt fort, indem er voll Entrüstung die Hinterlist der deutschen Flvtte (!) geißelt, aber die Sozialisten unterbrechen ihn mit den Zurufen:
„Hören Sie doch mit diesen Albernheiten auf!" Neuer Lärm. Callengv: Köimt Ihr vielleicht leugnen, daß die deutsche Flotte vor der englischen floh? Stürmischer Beifall xbei ‘ der Mehrheit, spöttische Rufe der Soziaüften. Darauf beanttEtet Salandra die Anfrage Tumti über die Internierten. Natur- - llch beschönigt der Ministerpräsident das Verfahren der Regierung, wird aber von den Sozialisten scharf angegriffen. Brunelli ruft: Sie haben ein Polizeisystem wie in RuUand. Die Mehrheit schreit: Halt den Mcnnd, Oesterreicher-! Andere rufen:
Ihr verteidigt die Spiorre, Schande über !Euch! Die Sozialisten
antworten.: Und ihr habt die Oesterreicher ins Land ge
rufen. Ihr Kanaillen, Spitzbuben, Schwindelpatrroten. Toben im ganzen Hause. Turati zu Salandra: Haben Sie nicht eine ganze Anzahl Biirger nur darum' deportiert, iveil sie deutsche sFrauen haben? Warum haben Sie demr nicht auch einen gewissen hohm Herrn deportiert, der eine deutsche Prinzessin geheiratet hat? Von mehreren Seiten wird gefragt: Wer ist das? Turatt: es ist der Statthalter des Wnigreiches, Herzog von Genna. Große Hnterk«it. in die auch Salmidra einstimmt ^ttubdem die Kammer Turatis Tagesordnung mit 216 gegen 45 Stimmen ab- gelelmt bat, entsteht wieder Tumult. Tie Sozi-aülten loerwir Karten in den Saat, auf welchen gefesselte Dnmaab<ieor dnetc aut dem Transport nach Sibirien zu sehen sind. Das ganze Mmpte- rium verläßt den Saal. Magtioti ruit Sttandra narb: Geben » ^ Sie doch z-ai Ihren Rufs e n. zu denen^ gehören Schließlich hebt der Präsident die L>rtznng auf. und läßt die Tribünen räumen.
Die Fleischmtt in Frankreich.
Bern, 9.Juni. Auf Enuladung des Ministeriums des Innern findet am 13. Jum eine Zusammenkunft aller Bür germeister der Stadtgemcinden Frankreichs statt zwecks ^Austausches von Meinungen und Wünschen, um der immer d rohender we rd end e n Fr ag e derF1 e ischno t im Kleinhandel zu begegnen. Es ist ein Verband geplant, der die Organisation regeln soll.


