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2.6.1916 Erstes Blatt
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Am 29. Mai nxirfen feindliche Flugzeuge 31 Bomben auf einige Stadtviertel von Smyrna, wobei sie mehrere Personen teils Löteten, teils verletzten und einige Däuser beschädiglcn Am 27. Mai Wingen ein ferndtickies Torpedoboot und feindliche Flieger gegen »Kl Arisch vor. Tie von einem Flugzeug geschleuderten Bomben !»erl^teu sieben Personen. Zwei unserer Flugzeuge griffen das pSchiff und die Flugzeuge des Feindes vor El Arisch an, warfen mit Erfolg Bottcken und feuerten aus Viaschinengewehren.

Ko n fta n tino pe l, 1. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Amt- Mchcr Bericht.

An der Jrakfvont keine Veränderung. ^

An der K a u k a s u S s r o n t auf den: rechten Flügel kein Er­eignis, abgesehen von imbedctrteudem Jnfanteriefeu-er. Tie O f f e n- sive , die wir am 20. Mai morgens aus der allgemeinen Richtting 'Tu s l a d e r s und Mamachatun gegen die russischen ^-tel- t'Luugeu 8 Kilometer westlich, 6 Kilometer südlich und 18 Kilometer .südöstlich Mamachatun in einer Ausdehnung von 30 Kilometern -Ämternaymen, war von Erfolg gekrönt. Da diese Operationen säst überraschend durchgeführt wurden, waren die Russen ge­zwungen, sich in diesem Abschnitt zurückzuziehen, teils jmach Osten, teils nach Nordosten, ohne daß es ihnen an mehreren ^Stellen gelang, irgeitdwelchen Widerstand zu leisten und mit dem s Ergebnis, daß die Ortschaft Mamachatun von uns besetzt wurde. sDie Angriffe, die die Russen mit einem Teile ihrer Streitkräftg als Erividerung aus unsere Offensive im Abschnitt von Tschoruk 'und auf dem linken Flügel unternahmen, wurden nach heftigem Artillerie-, Infanterie- und Bombenkcrmps zurückgewiesen.

Ein Monitor und zwei Torpedoboote des Feindes bombardier­ten aus einiger Eittfernung mehrere offene Dörfer aus dem west- . lichen Teile der Insel Keusten. Einige Däuser wurden dadurch leicht (beschädigt, ein Bauer verwundet.

Aus den übrigen Fronten kein wichtiges Ereignis.

Die Kämpfe in Oftafrika.

London, 31. Mai (WTB.' Meldung des Reuterschen Bureaus. General Nor t Hey, Oberbefehlshaber der von Süden her gegen D e u t sch - O st a fr i ka vorrückencen britischen Streit­kräfte, drahtet, daß seine Truppen den Fund gezwungen haben, Neu-Langenburg zu räumen. Sie besetzten die Stadt und er- beutetcn große Mengen Munition und Lebensmittelvorräte aller Art. Die feindliche Besatzung, die Name Ma <23 Meilen ostnord- wärts Abercrori' besetzt hält, ist ein ge schl ossen.

(Notiz: Diese Meldung ist die, Fortsetzung der gestern ^einge- * troffenen, über das Vordringen der englisch-südafrikanischen Lrtreit- jfräftc über die Südwestgrenze DcuLsch-Ostafrikas zwischen dem ! Nyasja- uitd Tanganjika-See. Da die dort stehenden deutschen ! Gvenzschutzabteilmigen infolge der Anspruchnahmc der Schutztruppe saus'sürtt verschiedenen Kriegsschauplätzon dem Gegner an Zahl und ^Hilfsmitteln sehr unterlegen sind, muß mit der allmählichen Räu- nnmng des Grenzgebietes gerechnet werden. Es scheint jedoch wenig wahrscheinlich, daß bei der Räumung von Neu-Langenburg, das '-übrigens keine Stadt, sondern nur eine Rgierungsstation ist, dem Gegner große Mengen Munition und Lebensmittel in die Hände '^gefallen sein sollten. Bei dem über kurz oder lang zu erwartenden . Angriff und der grenznabcn Lage der Station dürften wohl alle 'Vorräte schon vorher in Sicherheit gebracht worden sein. Tie eng­lische Berichterstattung hat es offenbar für nötig erachtet, durch diesen Zusatz der Besetzung der Station eine erhöhte Bedeutung anzudichten. Der in der Meldung genannte Namen ist hier un­bekannt, es kann sich also nur um ein unbedeutendes Negerdorf (handeln.)

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EnglischeHilfe".

A m st e r d a m , 31. Mai. WTB. Nichtamtlich.)Nieuwe van pfem Tag" bemerkt zu dem Bericht des Generals Haig, in dem als Einzige Tat der englischen Armee an der Westfront ßznüscken dem 19. Dezember 1915 und heute gemeldet wird, daß die

f uglander es tzden Franzosen ermöglicht hätten, Truppen Dorr esem Teil der Front znrückzüzichen und brm Druck der Deutschen i Verdun Widerstand zu leisten. Dias Kunststück erscheint uns als ^einziges Resultat und die Tätigkeit der Millionenarmee in mehr kals 5 Monaten recht armselig. Wenn wir englische Bürger wären Mnd mit dem Verträgen, aber auch urrgeduldiger Spwmnng einem s<mtfcheide7cd ni Siege der Entente-Armeen entg egensä lftn, so würde Puns der Bericht Haigs ärgerlich stimmen, denn darin ivird mit swiel Genugtuung registriert, das; es den Engländern mit großer -Mühe gelungen sei. dem Bundesgmossen bei der Aufrechter Haltung '.des gegenwärtigen Zustarrdes zu Helsen. Das ist es eigentlich nickst, mvraus sie fetauswollen. Tie Engländer und Franzosen führen an ^ife westlichen Front keinen Defensivkrieg mehr, sondern nwllen Üfen Feind'e das evobertc Gebiet wieder entreißen. Daß die Hundert- »ausende, die nach Frartkreich geschickt worden sind, nicht mehr /-erreichen konnten, als den Franzos-en zu ermöglichen, Truppen, tdie zwischen Soucfe und Vimy standeli, nach Verdun zu schicket!, ItzrÄttde uns, wenn wir englische Bürger wären, mutlos stimmen oder ^ß#frnten. Wir glauben auch, daß die Oppositionspresse die sch iSttnmrung ausdrücken wird. Natürlich wird wieder gesagt werden, gdaß es nickst in der Absicht der Entente gelegen habe, in dem Zeit­abschnitt, über den Haig berichtet, eine große Offensive anzufangen,, sondern daß damit genxrrtet rverden muß, bis Derbys mrdere »Rekruten in genügender Zahl an der Front erschienen seien. Wenn jlcker die neu ang-ekommenen Rekruten indirekt dazu dienen müßten, »die Lücken .in der französischen Armee infolge der Kämpfe bei 'ßSerbuu ausznfütlen, so wären sie nicht wehr für die große Offensive: 'verweitdbar. die schon seit Wochen im Gange sein müßte, wenn sie Noch in diesem Sommer zu einein entscheidenden Erfolge führen sollte. Dies alles bestärkt unsere Ansicht, daß die Deutschen bet ^Verdun dadurch, daß sie die französischen. Truppen an sich zogen, .-tatsächlich ihr Ziel erreicht haben, nämlich die große Offensive zu erschweren oder unmöglich zu machen.

Skandalöse Szenen in Rußland.

Berlin. 31. Mai. (Priv.-Tel.) DerBerliner Lokalanz." fctrffe aus Stockholm: Die vorgestern stattgesundene Einberu- ffvtt g des Jahrganges 1914 führte in ganz Rußland j M s k a n t a l ö s e n Szenen. Etwa 50 Prozent leisteten der ; Ernberufnngsordre überhaupt keine Folge. In der Nikolewsker »Maserne wurden die Jnstruktwnsöffiziere von wütenden Wei­fbern verprügelt, wobei verschiedene Untermilitäps ernstliche ver­hetzt wurden. Von der Polizei sind bereits zahlreiche Fahnen­flüchtige verhaftet worden.

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Die Pariser Wirtschaftskonferenz.

Paris, 30. Mai. (WTB. Lord Robert Cecil ist abends hier i iemgekoMMen. um mit Briand und dem Münster ohne Portefeuille Deichs Cochin Fragen der Konterbande zu erörtern und über die Mnsckränkung der wirtschaftlichen HilfsguelleK des Feindes zu ver­handeln.

Paris, 31. Mai. ^WTB. Nichtamtlich.) Viviani und Thomas sind aus Rußland wieder eingettoffen.

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Niranschikai nicht vergiftet.

Berlin, 31. Mai. (WTB.) Die hiesige chinesische Ge- ^sMrdtschaft meldet: Das Auswärtige Amt in Peking teilt 4nnt, daß die Meldung aus Tokio über die Vergiftung des Wnäftd enden Manschikai frei erfunden ist.

Einnahmen der üfterrerchifchen Staatsbahnen.

Wi-en, 31. Dtai. (WTB.) Nach den vorläufigen Ermtttlungen !-tigert di? Einnahmen der österreichischen Staatsbahne,t für den l'Mivnoi Avril 1916 bei Ausschaltung der Ergebnisse im Bereickse (der galizischen Staatsbahn-Tireftionen gegen April 1915 eine iMe h r einna h me von rund 4,7 Millionen Kronen und gegen ./April 1914 eine solche von rund 4,8 Aöttlionen. Einschließlich der ^Mc«Lbmffc der galizrschen DtrekLionen lassen die Einnahmen im

April 1916 gegen den April 1915 eine Steigerurrg um rund 12,4 Millionen und gegen April 1914 eine solche von rund 4,2 Millio­nen erkennen. Im Zeitabschnitt Juli 1.915 bis Ende April 1916 erhöhten sich die Einnahmen des G.'santtn-etzes gegen den gleichen Zeitraum 1914/15 um 65,2 Millionen und übersteigen auch die Einnahmen noch unter den iwrmalen Verhältnissen der vor- laufenden Vergleichszeit 1913/14 bercfts um 17,1 Millionen.

Der Seekrieg.

Bewaffnete Frachtdampfer.

Berlin, 31. Mai. (WTB. Amtlich.) Eines der kürzlich von einer Unternehmung im At!antik zurückgekehrten deutschen U-Boote versuchte ain 2. Mai in der Nähe von Quessant einen etwa 3000 Tonnen großen Fr ach t dampfe r ohire neutrale Abzeichen durch Warnungsschüsse anzuhalten. Der Dampfer eröffnete darauf nach wenigen Minuten das Feuer aus, einem etwa 5-Zentimeter-Kaliber großen Heckgeschntz. Das deutsche U-Boot konnte sich durch Ablauf mit hoher Fahrt in Sick)erheit bringen, es gelang ihm aber später nicht, an den mit Zick-Zack- Kursen laufenden Dampfer ivieder heranzukommen. Am Nach­mittag des nächsten. Tages folgte dasselbe U-Boot einem größeren Dampfer und schoß ans große Entfernung einen Warnnngs- schuß ab. um diesen zum Stoppen zu vcranlasseu. Ter Dampfer eröffnete darauf 'sofort das Feuer aus einem Geschütz von etwa 12- bis 15-Zentimerer-Kaliber. Das U-Boot lief mit hoher Fahrt fort.

London, 31. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds Ageiitur meldet: Der DampferD a l e a a r t h" <2265 Tonnen) ist gesunken.

Londoii, 31. Mai. (WTB Nichtamtlich.) Lloyds Agentur meldet: Der englische Dampfer ,.S o u t h g a r t h" (2414 Tonnen) ist gesunken. Die ans 22 Mann bestehende Besatzung wurde gerettet.

Der Uaiser im Hauptquartier Gst.

Berlin, 1. Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Berichte aus dem Osten erzählen von einer Reise des Kaisers in das Hauptquartier Ost. Die Nachricht von seinem Kom­men traf dort erst in letzter Stunde ein, aber trotzdem legte der Ort reichen Fahnen- und B>l u m e n s ch m u ck an. Am Bahnhof umsäumten riesige Flaggenmaste den Zugang zur Stadt, welcher durch eine stattliche Triumph- Pforte führte. Im Abendsonrienschein lief der Hofzug unter K a n o n e n d o n n e v ein. Ter Kaiser wurde voir dem Ge­neralfeldmarschall v. Hindenburg und dem Stabschef Generalleutnant Ludendorff empfangen. Eine Land- sturmlompagnie erwies die Ehrenbezeugungen. Ein Truppenspalier säumte deit Weg vom Bahnhoß bis zum Sitze des Oberkommandos. Hinter ihm drängte sich die Bevölkerung, welche den Kaiser mit lebhaften Kundgebungen empfing.

Airs nisS Land.

Gießen, 2. Jilni 1916.

Die Natur iru Juur.

Tie Sommer herrlich reit begimil und es blüht nickft nur mehr, sondern es reift auch schon. Viele Pflanzen bekommen bereits reifen Sameii und die Kinderwelt freut sich der ersten Kirschen. Ihr böses Gcgcnbild, die Tollkirsche, blüht erst und mit ihr im Walde Mid aus Wüstland Ginster und Wegericharten, Ochsen- und Hundszunge, ^ gelblich-rveiß das windende Geißblatt, Kugelblume und Leimkraut, Tausendschön, Hartriegel ^igustrum), Geraniumarten, die Ra­punzeln oder Spikel. von denen Phyteuina spicatum in ihren jungen Blättern den sogenannten Wi-esenkohl liefert, Glockenblume und Nelken. Eu,e Unmenge Gräser entfalten ihre zarten Reize, unter deiren Briza media, das zierliche, überall wachsende, aber kein anderes Grqs verdrängende Zitter- oder Liebesgras d-en Städter Mm mindesten ans denMakartbuletts" schauderhaften Andenkens bekannt ist. Tie Disteln blühn und auf dem Felde sieht es auch bimtscheckig aus. Roter Mohn und blaue Kornblume drängen sich hervor zur geringen' Freude des Landwirts, dazu Ackerveiühen und wilde ^Reseda, von Bimen und Hummeln fleißig aufgesuckne Kleearten, Schafgarbe und Vogelwicke, Kornrade und auf Wiesen die Natterwurzel mit ihren Purpurblüten, deren Kraut ein^ ganz eßbares Gemüse gibt. Iin Gartm ist dre schönste, die Rosenzeit, aber auch die sanften Schwestern der stolzen Blumen, die Lilien blühen, Robinie', gefüllter Weißdovn usw. Tie Nadel­hölzer und Weißdorn blühen in: Walde und im Dorfe können die junge Wirtin und der fahrende Gesell unter der blühenden Linde sitzen. Irgend eine auch nur halbwegs vollständige Aufzählung: dessen zu geben, was in der Pftrnzeiewelt vorgeht, ist unmöglich, aber daß die 5)imbeeren reifen, Muß gesagt werden. Ebenso ist es nicht möglich, auch nur den bunderKerc Teil d^r Käser zu nennen, die umherkriechcn und -fliegen. .Der Junikäfer (Rhizotropus sol- stitialis) freilich hat ein Recht auf Erwähnung, und der Riese unter dem Käfervolk, der bewehrte Hirschkäfer, der sich jetzt an, dem süßen, ans verwundeten Eichen fkießeirden Saft labt. Und natürlichi hat das Glühwürmcheir (Lainpyris), b<i$ ja auch Jo- hanmswürmchen heißt, Anspruch genannt zu werden. Am Abend fliegt das Männchen mit seinern Laternchcn umher und sucht die gleichfalls leuchtende, im Grase sitzende Erkorene. Weniger poetisch, aber nützlich sind die vielen Necrophoni3 und ihre Verwandten, die, wie schon der Name sagt, Ticrl-eichname beseitigen, oder Ca- losoma, die Raupen fangen. Für d<rs widerlich? Gezücht der Kehrichtwanzen und die schädlichen Blattläuse ist gute Zeft, Bremsen und Schnecken machen sich lästig. Schmetterlinge erhalten Zuwachs 'durch Vanessa urtioae, den kleinen Fuchs. Die liefen? inte rer sind wohl alle so ziemlich verschwunden. Dafür freut man sich au Coenonympha lphis, Hero, Arcania und an den Eisvögeln, von denen der große die ganz respektable Flügelspannimg von 80 bis 85 Millimeter mißt und auf Waldwegen fliegt. Das Geschlecht der Spanner mehrt sich, an Natterkopf und Salbei schwärinen Noc- tuinae. Von Libellen (Wasserjungfer) gibt es recht viele, darmrtcr die L. depressa, die den häßlichen Namen .der gemeine Platt­bauch" führt. Tie Kinder nennen eine wie die .andere Schillebold. Bei Reptilien, Amphibien und Fischen ist nicht gerade vii'l los. Baeerta viridis, die Smaragdeideftfte legt Eier. In stillen Wassern ftnden sich Larven von Fröschen mrd Kröten, Cllritze und Lachs laichen. Auch von den Vögeln ist nicht mehr viel zu melden; nach der langen Reise sind die Zu gezogenen seßhaft geworden und brüten. Hausstands sorgen machen, daß sic gegen Ende des M-mwtes^ zum großen Teil zu singen aufhören. Etliche aber, wie der Mönch und Rohrsänger und Baumpieper (Antus arboreus), sowie die, welch? die erste Brut hinter sich haben, singen aus voller Kehle und die Wachtel schlägt. Auf flügge Junge können schon Rot-^ kehlchen, Grünftnken und die Storcheltern stolz sein: über diese und ihre flüggen Jungen mag man bei Andersen Nachlesen. Bei Hirschen und Rehen ist die Kinderstube besetzt, beim Hasen schon zum zweiten, ja dritten Male. Die jungen Füchse macken sich selbständig ^nd beginnen ihr Räuberleben auf eigene Faust.

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75. Jahrfeier der Höheren und Erweiterten Mädchenschule.

Mit dem 1. Juni d. I. komtte die Höhere un d E rw ei­terte Mädchenschule zu Gießen auf ihr 75jähriges Bestehen znrückschauerl. Ter Ernst der Zeit verbot, diesen Tag mit einer größeren öffentlichen Feier zu begehen, und die Schule befchränkte sich daher au.s eine einfache Gedenkfeier innerhalb ihres Kreises. Die Schulfeier fand heute morgen um 10 Uhr in der Turnhalle der Anstalt statt und hatte folgende Ordnung: 1. Gebet von R. Wagner für Geige, Klavier mid Harmv-uimn. 2. Verlesung des Psalms 145. 3. Cl)ur: Lohe den Herrn. 4. Ansprache des Direktors.

5. Andante von Beethoven für Geige, Klavier mrd Harmonium

6. Feftvortrag: Tie Geschichte der Schule. 7. Chor: Die Himmel rühmen des Etvigen Ehre.

Tie^am 1. Juni gegründete ?lnstalt wurde am 7. Juni mit 80 Schülerinnen, einem Lehrer und zwei Lehverinnen erösfnei. Ter erste Lehrer war Mitpväfer Daniel Ball>r, die erste frauzüftfche Sprachlchrerin Frl. Luise tzve-.«7stL Haud-

-..rbeitslelrcrin Frl. Karoline Henry. Außerdem erteilten Unter­richt särntiiche Lehrer der Volksschule. Den Zeichenunterriäft über­nahm Maler Ernst Vieler, ein Veteran von 1813, den Gesang- nnlerrid)t Kantor Schwabe.

Im 10. Jahre des Bestehens chatte die Schül-erinnenzahl um 76 zugenommen. Innerhalb der ersten 25 Jahre war sie von 80 auf 196 gestiegen. Beirn 50jährigen Bestehen im Jahre 1891 betrug die Schälerinnenzahl der Gesamtschule 532, und heule am 75jährigen Iuüiläumstag hat die Höhere und Eriveiterte Mädchen­schule einen Höchstbestand voll über 600 Schülerinnen.

^ Für die 1841 gegründete Höhere. M-S.chenschule wurden zwei Schulsäle im sogenanntenneuen Schul haus" in der Schulstraße hergerichtet, das aus dem Gelände des fettigen Stadtpostgebäudes lland. 1849 siedelte die Schule in ein neu erbautes Haus am Oswaldsberg" über, das- heute der Aliceschule zu unterrichtlichen Zwecken dient. 1880 lvurde das neu erbaute Haus in der Schiller­straße bezogen, 1907 das jetzige neue Schulgebäude in der Nord- Anlage.

Tie Schule umfaßte ursprünglich 2 Abteilungen: die .'igent- liche höhere Mädchenschule und eine sogenannte Vorbereitmrgs- schule mit je 4 Jahrgängen. Im Jahre 18l>1 wird sic vierklasfig mit je 2 Jahrgängen, 1869 wird sie durch Einfügung einer bis dahin nicht verbindlichen Fortbildungsklasse ftinfklassig, von 1875 bis 1880 ist sie neunklassig. Nach Trennung der Anstalt im Jahre 1880 in eine Höhere Mädchenschule mit 2 fremden Sprachen (Französisch und Englisch'» und in eine Erweiterte M ä d ch e n s ch u l e mit einer ftenttan Sprache (Französisch» erhält die höhere Schule 10 Klassen, die erweiterte Schule 8 Klassen. Beide Schulen sind in einem Hause vereinigt und unterstehen ein- und derselben Schulleitung. B.

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Auszeichnungen. Dem Leutnant der Reserve un.d Komvagnieftthrer Fritz Sievers im Ins.-Rqt. 116, 11 wurde

Eiserne Kreuz erster Klasse verlieben, ebenso de'.n Oisizier-Stellvertreter Margolß Jnf.°Ngt. 186 (früher Inf.-Rot Nr. 116». Margolf ist seit Oftober 1914 tm Besitz des Eisernei Kreuzes 2. Klasse und der Hessischen Tapferkeitsmedaille. De Strnßenbahnsührer Pionier Heinrich Becker erhielt das Eisern Kreuz und die Hessische Tapferkeitsmedaille.

** Auf dem Ehr en friedh o f, den die Stadt süt in unsererr Lazaretten verstorbene Krieger errichtet hat, sind bis 31. Mai d. I. im ganzen 210 Soldaten bestattet worden. Von diesen entfallen 141 Mann an.f Angehörige der uns feindlichen Staaten, Franzosen, Belgier, Rnsssi^ und Engländer, während 69 Berstorb-ene dem deutschen Heere angehört haben.

** Gießener Freilichtbühne. Wenn infolge schlechten Wetters eine Vorstellung verschoben werden mittf, ivird dies bis spätestens um 4 Uhr des betreffenden Tages -- in diesem Falle am Sonntag durch Anschlag an der Bürgermeisterei (Sud-Anlage) bckanntgegeben. Die Karten behalten danu ihre Gültigkeit, dlaheres werden wir tags darauf in unserem Blatte bekanntaebeu. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß die Vorsteluing schon um 5Hz Uhr beginnt.

** Der gestrige Himmels ah rtstag , der nach irebligem Morgen in leuchtendem Sonnenglanz-e erstand, hatte die Gießener in hellen Scharen ins Freie gelockt. Die Bahn hatte Mühe, die vielen Ausflügler zu befördern.

** Zur Reichsbuchwo ch e. Ein Grenadier schreibt , Die Sehnsucht nach Büchern, nach guten Büchern bei unseren Feldgrauen ist groß, aber es ist bisher noch lauge nicht genug geschehen, um ihren durchaus berechtigten Wünschen zu ent­sprechen. Noch schlimmer steht es in den Lazaretten. In vier Kriegs- und Feldlazaretten Frankreichs und in zwei deut­schen Neservelezaretten hatte ich Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln. Wie war es nur möglich, daß eine solch un­geheure Menge wertloser Kram in den Lazarettbüchcreien Platz finden konnte! Ich nenne aus dem Gedächtnis: Reise führer durch alle möglichen Orte und Gegenden, ein Ein tommensteuergesetz von 1891, zweite, dritte und vierte Bände alte Roncaue, Jugeiwschrisbe-n von der berwchtigsden Sorte, die 38 oder 40 Pfennig kosten, alte Schullesebüchcr und Plato und Livius im Urtext, Schundromane und unvollständige Zeitschriftcniahrgänge, alles, was unverständigen Menschen daheim im Wege stand, findet ma nhier wieder, für die Soldaten ist es ja wohl immer noch gut genug, und dabei sind, wie mir von dem Lazarettbeamten erzählt wurde, Waschkörbe voll Schundliteratur dem wohlverdienten Feuer­tode überliefert worden. Gewiß, es gibt auch sehr viele gute Bücher in diesen Büchereien, aber lange nicht genug, um den vielen Verwundeten und Kranken, die'ja sonst nicht viel zu tun haben, genügend Unterhaltung und Belehrung zu bieten. Das soll anders werden, und einem jeden ist Ge^ legenheit geboten, während der Deutschen Buchwoche durch Zuwendung guter Bücher dazu beizutragen.

** Der Ober hessische Verein für Innere Mission wird, wie so?lst, seine Frühjahrssitzung kurz noch Pfingsten, am Tiomrerstag, 22. Juni, halten. Außer geschäftlichen Angelegenheiten wird die 'Frage nach den dringendsten Aufgaben der Inneren Mission in Oberhessen mit krcrzen Darlegurrgen von Stiftsdechant K l i n g e l h ö f f c r (Licl^ mrd Pfarrer Sattler (Staden) besprochen »verden. Pfarrer Thiele aus Berlin, Vor­sitzender des Verbands zur Pflege der weiblichen Jugeird in Deutsch- land, wird einen Bortrag halten überDie Arbeit an der weib­lichen Jugend" Mit Rücksicht auf diesen Vortrag wird die Ver- sa^nnrluug einen etwas größeren Umfang ainrehmen.

** Für die Deutsch-Kameruner. Im Auftrag der .,K r i e g s g e f a n g e n e n h i l f e" undi des darrrit verbundenen Lie besgaben-Ausschusses, der unter dem El/renVorsitz der Frau Kron­prinzessin Cecilie steht, reist ein neutraler Telegierver am Dienstag den 6. Iron nach Spanien, mic die dort befind­lichen Deutsch-Kameruner zu grüßen. Es besteht für die Angehörigen die Möglichkeit, Nachrichten pertöulicher so wie familiärer Art durch diesen Telvgierten zu übernritteln und unseren Tapferen einey. Gruß der treuen Liebe zu senden, wenrr diese Nachrichterl bis Sonntag den 4. Juni unter folgender Auf­schrift eingetrosfen sind:An die deutsche Krregsgesangeuanhilse Berlin C 2, Kleine Museumssttaße 5 b" mit dam Vermerk: .,Fiir die Teutsch-Kamerimer". Alle Mitteilungen müssen in lateinische, Schrift abgesaßt sein, dürfen fertbert Worte nicht über steigen und 'weder Nachrichten über die Kriegslage noch Ernährungsfragen entl-alterr. Es kann ohne weiteres angenvirrmen werden, daß alle diejenigen Persönlichkeiten, die sich bei .Kriegsausbwuh in Kamerun aufhielten, sich nunmehr irt Spanien befinden, wofern inzwischen etwas ^Gegenteiliges bei der: Angehörigen nickt bekannt geworden ist.

** (£ t n seltenes s i lb e rne s Iub i l ä u m beging gestern der Lok-omotivsührei- PH. Dammbier, Schanzwstraße 8. Es waren 25 Jälwc verflossen, seitdem der Jubilar mit seiner Gatti.i im zweiten Stock des Hauses als Mieter sein .Heim ausgeschlage", hat. Ter Eigentümer des Hauses, Büchsemntacher Dickore, hat es sich nicht nehmen lassen, seinem' Mieter gestern mit seiner herz­lichsten Gratulation entert Strauß und ein kleines Geschettk zu überreichen. Interessant ist, daß der Mieter in dem Vierteliahr- hundert im Preise für seine Wohnung nicht gesteigert wurde, daß er aber infolge treirndschaftlichen Uebereinkommens bei Ein- führung der Kanalisation sich bereit erklärte, dafür eine besondere tlbgabt von 18 Mark im Jahr zu bezahlen.

Regelung des Absatzes von Verbrauchs- z u ck e r i m G r o ß h e r z o g t u m Hessen. Am 1. Juni tritt die Bekanittmachung des Großherzoglichett Ministeriums des In­nern vom 18. Mai 1916 in Kr^aft, durch »velche die Verteiltl.n^ und der Ms-atz von Verbrauchszucker im Großherzogtum einheit­lich geregelt wird. Der Verkehr mit Verbrauchszucker wird sich darnach folgendermaßen vollziefei. Die E i n k a u f s g e s e l l - s cha f t für das Großherzogtum Hessen m. b. H. nt Mainz, die zur ,Lande-svermittelungsstelle für Lerbrauchszucker bestimmt ist, gibt an-die KmTmrumakverbände und Gemeinden, denen die Verbrauchs-'