vec Arieg zu Lande im Monat Apn!.
Von besonderer Seite aus dem 'Felde wird uns geschrieben
I.
Eine Darstellung, welche es unternimnrt, die kriegerischen Er- e:gmsse zusamnnmzulassen, soelche sich Nwhcend eines bestimntten Kalenderabschnittes, also ctnw innerhalb emes Monats abgespielt IZaven, tragt erne l^efahr in sich. Sic ist dem Miß,Verständnis aus- gejedt, als stelle s:e, was rein zahlenmäßig durch den Monatsbeginn und -schluß abgegrenzt ist, anch innerlich ein in sich abgeschlossenes Ganzes dar, während cs sich in der Tat doch überall nur tim ein
noch geeignet sind, die dargcstellte Entwicklung als ein auch inhalt ltch abgeschlossenes Ganzes zu erfassen.
Das gilt im besonderen Main für die Kämpfe, welche sich im Monat April abgespielt haben. War es damals im März noch bis zu einem gewissen Grade möglich, ein Bild zu geben, dessen zeitlicher Rahmen eine auch inhaltlich verhältnismäßig abgerundete Entsoicklung umschloß, so ist es um die Walpiirgismona tsw e nd-e völlig unmöglich, die kriegerischen Gcftamtvorgänge anders denn in einer lediglich zeitlich, also völlig äußerlich begrenzten Zusammenfassung darzustellen.
Diese Vordem ei' knng bat insbesondere für diejenige Gruppe von Kämpfen Altung. snelche auch Hütte noch im Mittelpunkte des Anteils der ganzen Welt steht: für die Kämpfe um Verdun. Bei ihrer Darstellung konute schon der Ablauf des Monats März nur eine Gebegenheitsbedeutimg haben: für den Verlauf des Monats April jgilt das genau im gleichen Maßp. Seit nunmehr zwei und einem viertel Monat wartet hier eine riesige Schlacht, die ohne Beispiel in der Weltgeschichte ist. Tag und Nacht mit nur vorübergehend geminderter Heftigkeit fort. Ihr Ende ist auch heute noch nicht abzusehen.
Für die N o r d o st gruppe der Angriffsarmec, welche in den vorausgegangenen Wochen siegreich aus der Woeore bis zun: Steilbang der Cote Lorraine vorgedrungen war, bedeutete der April einen völligen Stillstand der Operationen. Die N o r d g r u v p e dagegen, vom Dorfe Vaux bis zur Maas, vermochte in zähen:, wechselvollem Ringen ihre Stellung beträchtlich zu verbessern.
?bm Albend des 2. April brachte ein Angriff beiderseits des »Forts Douanmont Geländegenünne in: Caillette-Waldc und bis balbwvgs zur Ferme Thiaumont. An letzterer Stelle svurde am 17. dlpril noch ein weiterer gewichtiger Fortschritt erzielt: die französische Stellu:rg auf der Bergnasc nördlich der 'Ferme, welche schon seit dem Be,ginn der Kämpfe um Fort und Dorf Douaumont eine schwere Bedrohung ftir unser Vorgehen nnd für das Festbalten des Erkämpfteii gewesen war, wurde durch einen kräftigen Angriff aus dem Albain-Walde ^heraus erobert. Weiter ivestlich wurde der Albain-Wäld bis an den Weg Bras—Douaumont gesäubert, an- schließeiid wurde, der Feind von der Höh' des Pfefferrückens in die Mulde östlich Vack-erauville geworfen. Alle diese Errungenscl-aften nmrden -einem zähen Widerstande der Franzosen abgetrvtzt und nrnßten alsbald gegen wütende Gegenangriffe gehalten werden.
Während so auf dem östlichen Maasufer im ganzen Monat April in beständigem schweren Ringen schon ganz erschliche Verbesserungen unserer Stellung erzielt Norden konnten, haben die Operationen auf dem Westufer im Verlaufe von heftigen, mit wechselndem Erfolge hin- und herwogenden Kämpfen unseren Waffen bock-bedeutsame Fortschritte gebracht, Nach Erstürmung des Waldes von Avocourt mar zwrscbei: beffcit Oftspitze und der Höhe 265 südöstlich Bekhincourt (viordivestzipsel der Toten-Mann-Stellung) noch ein weit in die deutschen Stellungen vorsprinqendes Geländestück, die vielherußene „Sackstet ln na", in Händen des Feindes geblieben. Von dieser wurde ihm mm während des April in rastlosem Vordringen ein Stück nach dem andern entrissen. Nachdem! schon am 30. März der westliche Stützpunkt, das Dorf Malancourt. in unsere Hände gefallen war, verlor der Feind am 1. April seine ' Limen nordöstlich dieses Torfes und zwei Tage spater seine sämtlichen Stellringen nördlich des Forges-Baches, ausschließlich des Dorfes' Betbincourt. Am 5. April fiel das einen südöstlichen Ans- lLuser von »Dcalaneourt bildende Dorf Haueourt, und am 9. auch der rechte Flügel stütz Punkt, das Dorf Bethincourt selbst. Am 10. stürmten wir noch die Werke „Elsaß" und „Lothringen" südwestlich Btzthincourt intb hielten damit die ganze erste französische Stellung von 'Haueourt bis zur Höhe 265 in Händen. Schon am Tage vorder hatte ein Angriff an der Mört-Hvmnre-Stellung auch die südöstliche '.Kuppe des auf der französischen Karte als „Mort homme" bezeichneten doppelgipfligen Höhenrückens in unsere Hände gebracht und damit dem französischen Preßgezänk über die Frage/ob wir oder die Franzosen dm Mort homme besäßen, ein- Ende bereitet ?ferner fiel ein Stützpunkt nördlich des Dorfes Cumieres in unsere Hand.
Alle gewonnenen Gelände stücke mußten gegen heftige Gegenangriffe gehalten und in: stärksten feindlichen Feuer aus gebaut werden. Am 22. April setzte die Westgruppe zu einem neuen Stoß an und warf den Feind auch vom Westabbang der .Höhe 295 l Toter .Rann , auf dem er sich bisher noch hatte halten können, b:s zum Bachabschnitt südlich Cumieres zurück. Dafür gelang es' dem Feind am 23., im Verlauf l-efttger Gegenangriffe einige
Gegenangriffe an dieser Stelle heftig erneuert, allerdings ohne wesentlichen Erfolg.
Zusammenfasserü» ist über den Sta:ü> der Kämpfe bei Verdun folgendes zu lagen : Der deutsche Angriff auf das Fcsttingsgebiet un, serviln hat die Franzosen gezioungen, ganz außerordentliche Krane zur Verteidigung he ranzu ziehen, ft'.sbesuindere auch sehr bedeutende Artilleriemassen. In vorderster Lüne sind bisher auf ^tzöen Fvontbreite von wenig mehr als 40 Kilometer über 40 Twcswnerk eingesetzt worden. Die Kräfte alten:, die wer mit unserer Kampffricmt in rmmittelbare Berührung getreten such, betragen also mehr als 20 Armeekorps. In Reserve sind noch wettere ^lv:,wnen zu vernnttcu. Daß angesichts einer solch massenhaften Jus ammenzrehung von Vertechigungsmitteln eine Verlang-
Grabenstücke am ^Ostabhang der Höhe 295 zurückziugewrnnen, die :>!M aber an: 25. tvenigstens teilweise wieder entrissen w?rdm
bei Verdun zu reden uich zu: funken. Die deutsche Oeffentlichkeit lcnntfeit Degmn des gegenwärtigen Krieges wie aus der Geschichte der früheren diese krampfl-aften Versuck-e der Franzosen, ihrfl Ruderlagen :n S:ege rrmzndick-ten. Unsere Erfolge in den ersten Maitagen, über welche der Leser bereits durch die Berichte der Obersten Heeresleitung unterrichtet ist. dürften genügend sein, selcht einen zum krampfhaftesten Selbstbetrug entschlossenen Optimismus zu erschüttern und der Welt den Beweis zu liefen:, daß unsere Angriffskraft so wenig erschüttert ist wie unser An- gnssswille.
II.
Vergleich zu den Kämpfen beiderseits der Maas treten die kriegerischen Ereignisse ü: allen Abschnitten der Westfront m den Hintergrund. Dennoch herrscht auf großen Teilen der Front alles andere _ als Ruhe, vielmehr eine ingrimmige un- nntcrbrocheue Kampftätigkeit, wen:: auch mit örtlich begrenzte. Zrclen. Hervorzulieben ist. daß es in der Umgegend von Ypern zu heftigeren Kämpfen init den Engländern gekommen ist. Dio „Eloi-Stellung", welche durch einen überraschenden Angriff in den Besitz der Briten geraten war, wurde ihnen am 6. Avril wieder entrissen und gegen alle Gegcnairgrift'e behauptet. Am 24. Llpril lgab Mich die englische Flotte einmal wieder ein Lebenszeichen: sic unternahm es, sich vor der flandrischen Küste zu be- tättgen, um Minen und Sperren zu legen. Aber dieser Versuch wurde beim Auslaufen unserer Flotte rasch ausgegeben. und unsere Torpedo- und Vorpostenbootc säuberten die Küste. Im übrigen beschräntten die Engländer ihre Tätigkeit längs der ganzen von ihnen jetzt gehaltenen Front auf Artillerickämpfc, Sprengtätig- keit und Patrouillenunternehmungen. Irgend etwas Ernstliches zur Entlastung ihrer hart ringenden Verbündeten habe:: sie auch neuerdings nicht unternommen.
Aus der Tätigkeit der übrigen Abschnitte der Westftont ist noch her vorzuheben, daß ein deutscher Vorstoß nördlich Celles (bei Badonviller. ungefähr 15 Kilometer jenseits der deurscheu Grenze auf der Höhe von Straßburg) zwei französische Linien in unseren Besitz brachte, während es andererseits den Franzosen gelang, ein vorspringendes Waldstück' der ihnen im März entrissenen Ville- aux-Bois-Stellung (nordwestlich Reims) zurückzugewinncn.
III.
Wahrend der März die große russische Entlastungsoffensive und auch sehr energische italienische Angriffs versuche gebracht hatte, liaben im April nur die Italiener ernstliche Unternehmungen verlacht. Und zwar ist hier hervorzuheben, daß ihr Druck gegen die ^'anzo-Front nachgelassen hat, wälzend sie auf der ganzen Tiroler Front eine erhöhte Tätigkeit entwickelt haben. Indessen sind auch hier wirklich merffiche Verschiebungen der Linien nicht erzielt worden. Zwar mußte die österreichische Stellung am Eol d: Lana infolge eurer seit Monaten vorbereiteten Spreng,mg geräumt werden^ Aber trotz größter Anstrengrmg ist es den Italienern auch hier nicht gelungen, tveitere Fortschritte zu erzielen. Andererseits wurt^n sre im Sugana-Tal aus dem Ort Marter und mehreren Hinteremander liegenden, gut ausgebauten Stellungen bis zum Westrande von Rvnceqno zurückgeworfen.
Dü Russen dagegen blieben nach dem Zusammenbruch ihrer Märzoffenftve vor der ganzen Front unserer eigenen tvie der südlich anfcklreßimden österreichisck^ungarischen Armeen fast völlig rulng. Nur westlich Dünaburg und südlich, des Narorz-Sees unternahmen fte örtlich beschränkt-, übrigens völlig erfolglose Borstöße
Dagegen ist es uns gelungen, selbst den belanglosen Geländege- wmn, den die Russen als einz-igen Erfolg ihrer mü stärkstem Kräste- ernsatz und ungeheuren Blutopsern unternommenen Enttastungs- offenfive in Händen behalte,: l-atten, zurüchUerobrTrn. Es ist noch rn frischer Erinnerung, daß wir <rmi 28. April den bei c>en März- angrüfen verlorenen Teil unserer ehemaligen Stellung südlich des Rarocz-Sees, der: die Russen aufs stärkste ausgebau't hatten, m nnenr wuchtigen Angriff zurückerobert l-aben. Selbst die erste Lrme dar ursprünglichen russische:: Ausgangsstellung ist in unserem Besitz. Die Beute an Gefangenen imd Kriegsmaterial ist groß.
^ IV.
Das Saloniki-Unternehmen der Entente ist noch immer nicht über die Besitzergveifm:g einer völlig wehrlosen neutralen Hafen- ftadt !gnd die dauernde schwere Kränkung und Vergewaltigung eines neutralen Landes hinausgelangt. Das bunte Truppengemisch, das sich auf griechischen: Boden angesiedelt hat, gab bisher keine merklichen . Zeichen kriegerffchcn Betättgungsdranges.
Einen einzigen Fortschritt habcii unsere Feinde zu verzeichnen.
von der See her durch rnsftsche Landungs truppen gefaßt, haben! die Türken noch tapferer Gegenwehr dem^ Feinde Trapezuitt über- laffen müssen. Einenr weiteren Vordringen her Russen in Armenien haben sie indessen Einhalt gebieten können.
Eine reiche Entsch-ädigung für diesen unleugbar cmpfindlicheir Verlust l-aben die Osmanen in Mesopotamien erkämpft. Die seit rrmd fünf Monaten in Kut-el-Amara cingesck'kossenc Armee des Generals Tvwnshenb l>at sich, da alle Entfatzversuch.e .auch nach emem Wechie! m der Person des Obabefehlshabers der Entsatzarmee) fehftchlugen, am 29. den Belagerern ergeben müssen. Es :st überflüssig, die ungehrurc Tragweite dieser glänzenden Wafferr- tat noch näher zn beleuchten. Verzeichnen wir noch ein siegreiches Gefecht ältlich des Suezkanals vom 23. April, bei dem die Türke:: englischer Kavallerie starke Verluste zufüglcn, so ist festzustellen. t^aß die Lage unserer türkischen Verbünoeien. int ganzen genommen, -ernen entscheidenden Auffckwung genommen l)at.
. Der i^ieg der Türken über die Engländer in: fernen Südosten ftellt s,ch als die wesentlichste Veränderung der Gesamtlage dar. welche der Mmwt ^lpril gebracht hat. Alle anderen Erfolge hüben und drübr,: sind teils rein örtlicher Ntttur, teils stellen sie stch lediglick' als .Glieder einer noch keineswegs abgeschlossenen Entwicklungsreihe 'dar. Immerhin ergib, sich aus unseren Be!reck<ung^, nar dies eme: .daß unsere zu Beginn des April bea'eits voll- toinmen befriedigende Gesamtlage während des verflossenen Monats noch erhebl:ck.e Verbesserungen erfahren bat. D«er Verlust Trape- runts wird durch den entscheidenden Schlag von Ku: m-ehr als reichlich ausgeglick>en. Bei Verdun sind wir in rastlosen: Fortschrci- ten, auf alle,: anderen Frontabsckmittei: hat sich die Lage z-um mindesten nicht verschlechtert.
^ Roch stehen unseren Feinden als Aufrick'.tungsmi^el die lleincn Geschenke der Freundsck-aft zu Gebote: oi- überaus dekorattve L-andung russischer^Truppen in Marseill", die unausgesetzten gcgen- ftitigen Besuche, Tischreden, Begrüßungs - und Benoeihräucneülnigs- telegramme. Neben idieser -emsigni Tätigkeit, die ia freilich ^",r kn egerische Erfolge einen etwas inageren Ersatz bilde:, geht das krampfhafte und verräterische Liebeswerben un: die Gunst'per den: Kriege Es her s-nngebliebenei, Staaten, bei denen man gleichzeitig o:e Mittelmächte mit den alten, abgenutzten Mttlelchen ziu verleumden sucht. Dentlickicer noch als vielerlei Anzeichen aus dem mnerholilischen Leben unserer Gegner enthüllt dieses emsige und demUttge Umschineicholn der Neutrale,: die immer deutlicher sich abzeickmendc Erdmrttnis unserer Feiirde, daß sie ihr Spiel verloren gegeben l-abm und eine Wendimg zun: Besseren nur ,röch von einem Wunder erhoffen. Wir l>abe,: das nicht nötig. Was wir Hab«:, das halten w:r und- Mehren es nock' täglich. Wir könne,:' gelaffe:: der stunde ,varken, da die jetzt schon langscmr ausdäm- ttventoc Einsicht unserer Feinde zur augenble,u>enden Klarheit werden wird.
AivehLrche Zla&fvicbtetu
Evangelische Gemeinde.
o Ztadtttrche Sonntag, den 14. Ntai. Jubilate. Vorm.
6 Uhr: Vwrrer Schwabe. Zugleich Christenlehre für die New konflrnnerten aus der Markusgemeinde. Vorn:. 9'/. Uhr: Pfarre, Mahr. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Aiatlhänsgemeinde. Pmrrer Mahr. Mittwoch, den 17. Mai, abends 8 Uhr: Kriegs- belstunde. Pfarrer Schwabe. — 3n der öohanneskirchr. Sonn- tag, den 14. Mai, Jubilate. Vorm. 8 Uhr: Pfarrer 2lusfel d Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten ans der Johannes- gemeinde. Vorm. 9X Uhr: Pfarrer B e ch l o l s h e i m e r. Vorm. 11 Uhr: Kinserttrche für die Lnkasgemeinde. Pfarrer B c ch to l s- heim er. Abends 8 Uhr im JohanneSsaal: Versammlung und Btbelbesprechung.
Kirchberg: Sonntag, 14. Mai, vorm. 10 Uhr. (Heil. Abendmahl für Staufenberg). — Lollar: Mittwoch, 17. Mai. abends 9 Uhr: Knegsbetstunde. Dekan G u ß m a n n.
Li.L&;£*i v >. . ^——• . i i u r ,u
katholische Gemeinde.
Gottesdien st. Samstag, den 13. Mai:
Nachm. 5 Uhr nnd abds. 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Sonntag, den 14. Mai, 3. Sonntag nach Ostern: ™ 0 Fr m ’ 6V, Uhr: Gelegenheit zur heiligen Beichte. 7 Uhr: Hl. Atesse. 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt. Nachm. 2 Uhr: Christenlehre-, darauf Andacht. Dienstag und Freitag, abends 8 Uhr, ist Maiandacht.
Diaspora-Gottesdienst am 14. Mai: In Grüubera 9'/, Uhr. In Hungen 9»/, Uhr. In Lich 8 Uhr._
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Eichener ttonzertverein.
Konzert am 12. Mäi 1916.
Ein Arien- unb Lieber-Abnid war es. den der Gießener Kon- zertocrnn uitter Mttwirkung von Frl. Lillp Haas (Alt), Frieda ^ chm :dt Sopran) und 5>errn Gei ße-W in kel lBariton) zu- gimsten bes 9wten Kreuzes v-eranstaltet hatte. Die Borttagsfolge, d:e gerade bn solchen Darbietungen die Hauptrolle zn spielen pflegt spar vortrefflich gewählt, und bot in ihrer Steigerung ein abgerundetes Bttd. das keinerlei Ermiidung aufkommen ließ. In bunter Reihenfolge zage:: Wagner, Weingartner, Meyerbeer, Löwe n. a. an uns vorüber nnd die sttmmlich sehr gut disponierten) Künstler ernteten reichsten Beifall. An erster Stelle ist ivohl Herr Ge:ße-W:nkel lBartton) zu nennen. Konnte der Künstler in der langatmigen „Hans-Heiling-Arie" ynd der „Ansprache des Sachs" aus „Meistersmger" 3. Akt, sein technisches Könna::, sein kräftiges wohlgebudetes Organ, das allen Höhen und Tiefen gewachsen'zu sem schcnnt, vollauf entfalten, so traf er in der „Morgenhiymne" v. Henschel und der „FrühllNgsfabrt" vvn Sckmmann, den warmen herzlichen ^on, der aus diesen Liedern zu uns spricht Was er gar m per etwas nach „Erlkönig" schmecke:ider: Emden-Ballade von Kettel, dem „Prinz-Eugci:" und ,/Friedericns Rex" von Löwe
gende Künstler die eben gewonnene Erkenntnis zum Ausgangs- I leisttnrg einer'großen Filmfabrik an Punkt emes neuen Werkes macht, um zu cmer neuen Erkenntnis srwvon denn diese
lLwbesfewr, das blaue Meer, Zuneigung) anfangs nicht den rechten Fon zu ftnden vermochte — so hätte ich mir die an und für sich m der Tonmalcre: etwas farblose Liebcsseier lebhafter geivünscht ' " üramtc bald in Arien aus „Prophet" nnd „Odysseus" den ganzen Uin.ang ,hrer äußerst weichen, nwdulationssähigen Alt- >st:mmc zur Geltung, die dann in den „biblischen Gesänge,:" von Dvorak mn vollendetsten Ansdruck kam. Frl. Schmidt (Sopran, bewies sich in der Wiedergabe der Tannhäuser-Arie „Dich teure Halle' und der,Arie der Agathe aus „Freischütz" allen Anfor- erungen gelvachien. Ihr glockenreines Organ, das »yenig Schjvan- - ungen nnterioorfen, sprach auch in de:: höchsten Lagen leicht und sicher an und brachte der Künstlerin nach den innigen Liederic Vraldsee^ und „Daheim" sowie dem graziösen Ständchen ron Brahms besondere Anerkeniumg. An: Flügel erwies sich Herr Hofkapellmerster Stolz als feinsinniger Begleiter. W. M.
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Gberhessischer Kunffocrdn.
Gießen, den 12. Mai 1916.
Zm Oberheffischen Kunstverein am Brand ist neuerdings eine Ausstellung eingezogen, btc bei nur drei Ausstellern die groß'
Mannigfaltigkeit innerhalb der Tckvifensweisc eines Künstlers
!!?!>*- -ß™ E:ck>gleich-bleiben in der Kunst ist ciu Unding, I zu locrden, dichtete einen .prächtige,: Film'unter dem^TitHa- bci lein ..censch verlang n kann. Es ist vielmehr so, daß der rip-1 Boche, ,ou l<r fscwma civupöe en morepattL" und blot dieiH M-än^
zu gelangen, auf der er wieder weiter bauen kann. So sehen wir oft daß innerhalb der Produktion eines .Künstlers gleichsam große Sprünge entstehen, so daß es schwer fällt, die Werke aus verschiedenen Schaffensr>er:ode:: ein imd demselben Künstler zu- zulch^rerben. Zu dieser Betrach-tung fühlt man sich angeregt, wenn man die Schaffensweise des hier schon bestens bekannten Stuttgarter Malers Otto Jung überblickt, der die größte Bilderzahl zur Ausstellung geliefert hat. Wenn nran aber sieht, daß auf den meisten Werken das Entstehungsjahr 1915 verzeichnet ist, und nxmn man dabei bemerkt, wie wechselnd der jeweilige künstlerische Vor- wur, gelöst ist, so muß man wohl zur Ueberzeugung gelangen, daß Jung kein ringender Gestalter, somdern ein unglaublich sicherer Könner ist, der gleichsam spielend alle Register zieht, um zu er- we:ftn, welche unfeUbare Formsicherhett ihm zu eigen ist. Und er :st frnrllich in allen Sätteln gereckft, ob er seine Porträts, in denen größtenteils bekannte Gießener Perlönlichkeiten zu erkennen sind, revl tomsch aus dem Untergrund heraus aufbaut, oder sie impres- ftcmflttsch aus einem Zusam inen spiele:: des gebrochenen Lichtes eittstehen läßt, ob er über eine Landschaft die duftige Mich- hert des Pastells ergießt oder durch Kontraste kräftigere Wirkungen erzielen will. Der Wirkm:g ist cr jedesnml sicher, auch beim Porträt, bei dem ihm iwch eine ebenso sichere Charakteristik >zur Sette steht.
Ebenfalls wirknngssicher ist der Münchener Macker E C u c u e l Se:ne Cngenart ist es, modern gekleidete Frauen harmonisch in c:n Stück Natur einzuordmen. Das Beftemdende eiirer Erscheinung, die man vor dem Krrege mondän gmannt hätte, auf der Lichtung eines Waldes oder am Ruder eines Kahnes, reizt den Künfller immer wieder zu neuer Gestaltung und es gelingt ihm tatsächlich vielfach, die erstrebte harmonische Verbindung dieser gefühlsmäßigen Gegensätze durch ein einheitlich farbiges Sehen 5 U 'erreichen. Da Cucuel nebeiibe: über eine gut ausgeprägte Technik verfügt, sind seine Bilder auch in dieser Bezielmng sehr rerzvoll.
Von dem Bildhauer F. Scheider möchten wir die Holzplastik des „sitzenden Heilandes" m:d die Terrakottafigur „Johannes ' her vor heben. Die Holzplastik des HeUandeS ist techansch hervorragend gut ausgeführt, wie sich überhaupt in allen Pla- sttten des Künstlers eine gute handwerlliche Arbeit feststellcn läßt Die beidcm geilannttm Werke habe:: jedoch> künstterisck-e Bedeutung und erwärmen durch den gefühlsmäßigen Einschlag, dem man sich nur schwer entziehen kann. zz
*
ß- rv? V B .ichter in Nöt e n. Die Nöte des modernen Klnodichters schildert m ergötzlicher Weise der frcu^ösische Humorist P:crre Mille mr „Te:nps". Er beschlost eines Tages, ^binodichter
^ - -- .W Der Leiter ftagte zunächst,
wovon denn diese zerstückelte Frau" handele, woraus der Dichter „Selbstverständlich vvn einer Frau, der«: Leiche zerstückelt wird: man srehi )me der Mörder sie mit Hammerschlägen ft*«' kunstvoll zerschneidet, den Rumpf in einen
Koffer steckt und zum Bahnhofe bringt, die übrigen Teile in Post- pakete legt und an verschiedene bekannte Persönlichkeiten verschickt D°s gärt emen Shefctwr^B !" - Erfolg ? Gnviß, unter mtberen (rud) den, daß dre Zensur die Aufführung sofort verbietet. Aber ?,'E.^brn,Tnlent Mm Kin». An Stoff ist mich kein Mangel. ?iehmen Sie sich rrgend emon alten tmrtiemefrerm Tich- k:r, danach können Sie tnffifcfos einen Film dichten/' Ter Dichter »iwimol sagen. Er nahm an. Sophoklez sei gewiß schon langer a s dreißig Jahre tot nnd daher völlig tan- tiemesret nnd so wrsilmte er zunächst dessen „OediVus". Bild eins: man sicht OedMis als Kind, arrsgesctzt, mit dem Kopf nach nnten cm einem Oltvenbaum des Kithävons hängend lLcmdschaft: Wald von Fontainebleau — Täuschend ähnlich!,. Ein Schäfer kommt, nimmt sich des Kindes an und läßt es von einer Wölftn saugen (Das Motwlst der Sage von Ro mulus uird Remus ent- bw über 1000 Jahre später spielt. Es wirkt aber gut) Zweites Blld: OedftMs ist erwachsen, geht irgendwo in Phozis spaz:eren (LaMchaft aus ^der Gegend von Marseille), begegnet' ,e:nem Vater, der m einem zeitgemäßen Ochsemvagen ausfährt, erschlagt ihn Tann begegnet er — Bild drei — der Sphinx (Tie Dame, foxe dve Sphinx spielt, hat eine glänzende Rolle) und Weiter: er herratet Iokafte, seine Mutter (Bild fünf), er erhalt en dem Seher Trresias einen Brief Ovird mit Blutschrift projlz:ert, sehr wirllmgsvoll!), erfährt sein Verbrechen, sttcht sich d:e aus, wahrend feine Frau und Mutter sich an einer
Säule des Palastes erhängt (Landschaft: Arena von Arles) Hier- mit ging der Dichter tzur Filmfabrik. Der Leiter las die Dichtung durch, erklartt d:e Ereignisse .Mr Verbreche:: eines Automobll- apachen w:e Bonnot erkannte an, daß der Dichter das Automobil der Apachen ganz glücklich durch einen Ochsenwagen ersetzt habe bAuntt er keune weder Svffh^leS :wch den Oedipns, d^s gliche gelte von der Polizei, und lehnte dannn diesen verbrecherischen F:lm ab. Nun meinte der Dichter, es sei wohl besser er schlüae dem Letter erst einige Stoffe vor, ehe er sich ans Dichten ZZ 2ß:e es z. B. Mit Shakespeare sei? „Shakespeare? AilSge^'ichntt' ^ Worauf Mille loslegte: „Z. B. Macbeth Er
tötet den Konrg Duncan, cr tötet Bangiw, er beftagt die Hexen " — „Unmöglich!" — „Vielleicht „Hamlet": eine Frau vergiftet chren Gatten, um ihren Liebhaber zu heiraten, daraus tötet der Sohn seinen Sttcfwter mit einer vergifteten Klinge, er selbst stirbt, scnne Mutter sttrbt -ait Gift, alle sterben..." — „Unmöglich' K.eber nicht Shakespeare! Lieber etwas Modernes. Viell^t Victor Hugv? — „Gut: Hernam ist ein großer Räuber...^ ^Umnogttch. Wissen Sie was.?. Ich spiele lieber: „Lehmann ist.


