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AvÄrcchme des Donnmgs.
Ve J&tt&XBtt Iwlftrt^ffrr" werden dem !R«fCtfter' viermal wöchentlich &eiodcgi f das UeftdlStt fär de» Kixts Gieße u" groctmcu wöchentlich. Die r^LS-W«cjck>chUkch*« seit- ftöHM" crfcheöreu monsLksth zrverMsl.
M. Zayrgang
General-Anzeiger für Gvecheßen
Samstag, 27. Mai IM
Rotationsdruck und Derkag der Drühllsch« ttniverstkäts - Buch- iwö ©terrtbxncfcxcu R. L ange, D rehen.
SchrffSeittmg,^schäftSstell-u.Dr»ckereft Schul-
stnche?. Geschäftsstelle mB-ftagTSEöl, Schrift- Leitung: d^112. Adresse ffrr Drahtnachrichten: Adriger Gießen.
Der Bund deutscher Zigaretten-KabriZen
hat an den Reichstag eine Eingabe gerichtet, in der es heißt:
Wir härm, -daß für die zweite Lesnng der Vorlage über die Grböbunq der Tabakabgaben die Kontingentierung der rriaa retten -Industrie beantragt ist. Wir warnen vor ü b e r e i l t e n B e s ch l ü s s e n. Die Kontingentierung widerspricht der Auffassung von mindestens 90% der gesamten Zigaretten-' ^-ndustrie; widerspricht der Auffassung des gesamten .Handels; widerspricht den Interessen der Verbraucher. Sie ist der 90°/o der gesmnten Industrie auf den lebhaftesten Widerstand gestoßen. Beantragt ist sie lediglich vom Verband der Dentschen Zrgaretten-
^^^D^bM^-cgimgen dieses Verbandes in der Frage der Kontingentierung können keine Beachtung finden. Er verkörpert nicht mehr wie 35% der Industrie. Bon diesen 35% entsallen aus den hart Verband Zugehörigen Jasmatzi-Konzern 25%. Von diesen Fabriken ist es bekannt, daß. sie in Gemeinschaft mit den m oer Arbeitsvereinigung voar Berbändden und Unternehmern beu deutschen Zigaretten-Jndustrie vertretenen 65% der Industrie einig in der Auffasftmg sind, daß eine Kvntftrgentierung unter allen Umstanden jetzt ab-ulehnen ist. Wenn der Verband der Deutschen Zigaretten-Jndustrie die Kontingentternngsidee angeregt hat, so tut er das gegen die Auffassung der überwiegenden wirtschlfftlichen Mehrheft dieses Verlxmdes selbst.
Die Bedenken, die gegen die Kontingentierung sprechen, sind außerordentlich schwerwiegende und weittragende. Man stützt sich bei der Propaganda der Kontingentterungsidee aus das Schlatzwort: „Schutz den Sckstvachen." Tie fragliche
kleine Minderheit produziert zUM großen Teil anonpme Zigaretten, jedenfalls keine Markenartikel. Die Absatzgebiete» dieser Fabrikanten warm schon immer auf bestimmte Kreise beschränkt. Ware eine Gefahr gegeben, daß sie durch den Wettbewerb der großen Fabriken erdrückt werden könnten, so wären sie schon längst erdrückt worden. Außerdem ist die Tatsache Uu beachten, daß eine Erdrückung der Kleinen iiur in Betracht käme, wenn das Angebot in der Zigaretten-Industrie die Nachftage übersteigen ivüree. wie Steuer ist aber als eine Maßnahme auf die Dauer des Krieges gedacht Md cs ist bekannt, daß setzt alle Betriebe der Zigaretten- Jndustrie in ihrer vollen Leistungsfähigkeit in Anspruch genommen sind Infolgedessen besteht gar leine Gefahr, daß die erwähnte geringe Minderheit durch die Steuer gefährdet Ware. Die Kontingentierung ist begriffsmäßig ein gesetzlicher Schutz für Untätigkeit und" Unfähigkeit; sie lähmt die Tüchtigkeit, den Fortnbritt und den Unternehmergeist; sie züchtet schlechtere Ware und höhere Preise; sie schädigt den Industriellen ebenso wie den Händler Und den Verbraucher und verringert die Steuereinnahmen; sie trifft die in Qualitäten, Preislagen, Wettbewerbsverhättnissen so außerordentlich vielgestaltige Industrie in ganz verschiedener Weise rund ist deshalb, wenn sie nicht aufs sorgfältigste nach eingehender PrüfMg der Verhältnisse im einzelnen ausgestaltet wird, aufs höchste ungerecht und gefährlich; sie macht es den Industriellen unmöglich, auch nur auf ein halbes Jahr hinaus zu disponieren! und zu kalkulieren.
300 Gefangenen ist in unsere Hand gefallen. Von Nordosten über das weite Wiesental sind die Thüringer zum tz-turm vorgegangen und halten den gatizen Ort besetzt. Den fr an-! zösischen Patrouillen verbleibt lediglich ein Obstgarten und ein Waldstück außerhalb der Dorftrnmmer. Durch diesen Gewinn ist unsere Linie von der Höhe 304 herunb f
planmäßig vereinheitlicht worden. Der sranzoMche Äng%>l auf die verlorene Feste Douaumont ist gescheitert, und me Vorteile, die der überraschende Vorstoß am ersten Angriffs- tage, dem 22., dem Gegner brachte, mußte er zum grollten Teile wieder fahren lassen. Niemals, auch nur für kurze ^err, sind französische Truppen Herren in der Feste gewesen. Diese Behauptung der gegnerischen Heeresberichte ist unwahr Einzelne Leute können in den Kehlgraben, kleine Truppe zu beiden ©eiten des Forts bis an die Schulterpunkte gedrungen sein, daß sie mit dem Leben oder nnt der Freiheit davon!- gekommen sind, ist nicht wahrscheinlich. Richtig ist, wie unser Heeresberlchl sosorl belann^gab, her Verlust des heigumitrrt- tenciÜSteinbruchcs südlich Haudromont. Seit gestern aber haben wir ihn mit 100 Gefangenen zurückcrobert. und seit gestern hat sich das ganze Blatt so sehr gewendet, daß wir die Angreifer sind und die Franzosen bereits wieder bis in die Gegend des Caillctte-Waldes, sogar teilweise über unsere
Hl. Messe. 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion 9 Uhr: Hoch- amt init Predigt. HUfir: Hl. Melle mit Predigt. Nachm. Uhr. Christenlehre: daraus Andacht. — Dienstag abends 8 Uhr ist Man andacht. — Freitag ö Uhr ist Segensmesse. — Freitag abend.- 8 Uhr ist Kriegsbiilandacht. ->° «tu««,
Diasu ora-Gottcs dienst am 28. Sulat . ,Jtt Brun
borg 9 1 /, Uhr. In .Hungen 9'A Uhr. In Sich 8 Uhr.
alten Stellungen hinaus nach Süden znruckgcdrangt haben Die Gefangenenzahl und die Beute nennt der Tagesbericht. Die Meldungen des Gegners sind über diese Seite seines Erfolges merkwürdig unbestimmt.
W. S ch e u e r m a n n, Kriegsberichterstatter.
ArVchliche Nachrichters.
7 V
Uriegsbnefe ans dem Westen.
Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.'»'
Curniöres erobert.
Korstvb auf Douaumont zurückgeschlagen!
Großes Hauptquartier, 26. Mai.
Um ihre zurückgedrängte Front westlich der Maas zu entlasten, haben die Franzosen auf dem Ostufer mit ungewöhnlich massierten Kräften und sorgsamen Vorbereitungen Einen wuchtigen Angriff im Raum der Feste von Douaumont unternommen. Trotzdem haben unsere Truppen den Erfolg wuf den Höhen des „Toten Mannes" konsequent verfolgt und gegen das Maasufer hin ausgebaut. Das Dorf Cumieres mit
" Evangelische Gemeinde.
Sonntag, den 2 8. Mai, Rogate.
Kollekte für die evangelischen Gemeinden tm Ausland. Gottesdienst. 3tt der Stadtlirche Vorm. 8 Uhr: Pfarrer S ch w a b e. Zugleich Eliristenlehre für die Neukonfirmierten ans der Marknsgemeinde. Vorm. 9'/. Uhr: Pfarrer Mahr. Vorm. 11 Uhr" Kinderkirche kür die Matthäusgemeinde. Pmrrer Mahr. — Za der Iohanncskirche. Vorm. 8 Uhr: Pfarrer Ausfeld. a lia (eid) Christenlehre für die Nenkonsirmierten ans derJohmmes- aemeinde. Vorm. 9X Uhr: Pfarrer Bechtolsheim er. Vorm. II Uhr: Kinderkirche für die Lukasgememde. Pmrrer Bechtols- h ei in er. Abends 8 Uhr im Johannessaal: Versammlung und
Bibelbefprechnnq. ^
Himmelfahrtstag, den 1. Juni.
3 n der StadrNrche. Dorm. 9X Uhr: Pfarrer Schwabe. — In der Johannes-Urche. Vorm. 9'/^ Uhr : Pfarrer A u s f e l d. — 3n der alten hriedhof.-kapftle. Nachm. 2 Uhr: Vwrraffislent Hoffmann.
Wartburg, evangel. Ziinglings- u. Männer-Verein. Dtezstr. 15. Sonntag, den 28. Mai, abds. 8 Uhr: Vortrag. - Dienstag, den 30. Mai, abds. 8%'Uhr: Bibelslunde. Mittwoch, den 31. Mm, abds. Sy 2 Uhr: Lesebend. Donnerstag, den 1. Juni, abds. 8/, Uhr: Turnabend. Samstag, den 3. Juni, abds. 8h, Uhr: Aeltere Abteilung. - Gäste stets ivillkom'nen. • . . ...
vibelkränzchen für Schüler höherer Lehranstalten. Für die stmaere Abteilung jeden Mittwoch von- 6 bis 7 Uhr, für die altere Abteilung jeden Sainslag von 6 bis 7 Uhr tm Johannessaal.
Bibelkränzchen Hie Mädchen aus der Johannesgemeinde. Jedeit Dienstag von 6—7 Uhr im Johannessaal.
Kirchberg: Sonntag. 28. Mai, vorm. 10 Uhr. Bittgottesdienst f d. Ernte. Heil. Abendmahl für Mainzlar. - Mainzlar: Mittwoch, 31. Mai, abds. 9% Uhr: Kriegsbetstunde. Dekan Guß ,nan n.
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katholische Gemeinde.
Gottesdienst. S a in s t a g , den 27. M a i:
Nachm. 5 Uhr und abds. 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. S o n n t a a. d e ii 28. Mai, 5. Sonntag nach O st e-r n: Vorni. 6*/, Uhr: Gelegenheit zur heiligen Beichte. 7 Uhr:
Börsen-Wochenbericht.
■ Frankfurt <t. M., 26 . Mai.
cw freiem Verkehr der Börse Hat sich in dieser Woche ein Stimmungswechsel vollzogen. Nach d^r vorangegang^ien Ans- ^ärtsbewesu-L namentlich <mf dem Gebiete der hochwerttgm SpczialPapiere, haben die Mahnungen zur Bef^carnenHeft, m.hr spekulative Zurückhaltung gezeitigt mrd v-^ach dre Nergwng. die großen Kursgewinne endlrch sich,er zu lceften, bcstE. Geschäft bewegte sich in nwsentlrch ruhigerer Bahnan als ,mtoer. da die Umternehiwungslust merklich aügeflmrt rst urnanare Käufer vorerst nicht an den Markt herankommen. Eme gewrffe Zurückhaltung veranlaßt^ wohl auch die zur Ervrte^rng gestandmeu St euer fragen. Da es anderenfalls aber auch Nicht an anregenden Einflüssen fehlte, so wurde ^e GesanftHaltung tuotz aus^ gedehnter Gewiunrealisatiouen nicht sonderlich erschüttert im mung war vielmehr auch geteilt und das Jntemse ba: Aeftilafton war anderen Gebieten zugewendet als seither, Bezerchn^rd für den Gedankengang war dabei, daß man dre tzregesna chrrch ten von den verschiedenen Kriegsschauplätzen und dre ichcr c den, erörterungen zum Anlaß nahm, sich r«n den .^iegswerten abzukehren und den Friedenswerten in erhöptem Maße zu^-m- wenden. Tahin zählte die Spekulatwn rn erfter Lrnae Schrff- fahrtsaktieu, dann aber auch Bank-, Kalr- inrd Warg- qvnsabrikaktien, sowie Kolonralwerte. , Gegen , Me diese Papiere wurden die Kriegskoniunktuttverte tadM «W tauscht und das erklärt zum Terl deren nicht unwesentliche Kurs- lÄgänqe. Alle Waffenaktien, Köln-Rottwerler Pulver, Dynamit, Köln-Deutzer Gasmotoren und Autowerke, nameiitlick) paiinler, erfuhren namhafte Kursrückgänge. Still lagen auch dre ii^isteu Stahlwerke und Kupferaktien. Elektrowerte verkchrben m rtihiger ebenfalls aber etwas schwächerer .Haltung. Etwas mehr begunsttgt waren die Wien Chemischer Fabriken, deren Kurse sich gut behaupteten Lederfabrftaktien gaben meist etwas rM .Kurse nach. Schwächere Haltung zeigten auch Mo nt anp aprere Vagegen konnten sich russische Bankaktien, mrmentlich Petersburger Jnternationale und Russische Bank für auswärtigen Handel, iowre von heimischen Banken Handelsantefte, Nationalbanc und Deutsche Bans befestigen. Von Bahnen waren Lombarden Baltimore und Schantungbalm geftagt und höher. Deutsche: Anlerhen lagen trotz der Einbringung eines neuen lOEllurrdenkredits ziemlich fest. Fremde Staatsanleihen waren wenig verändert Der Geldmarkt hat von seiner Flüssigkeft nichts eftrgebüßl Privatdisk'vn.t etwa 4Vs Prozent.
Für Rheumatiker und Neuralgieleidende.
Jahrelange Schmerzen waren in 3Tagen verschwunden Herr E. Kelch. Hagen, schreibt: „Ich leide schon seit Jahren ari Rhev««uismus und Blasenleiden und konnte vor lauter Schmerzen kaum noch auftreten. Da ich mir schon oster alle möglichen Mittel hatte kommen lassen, welche oft sehr, teuer waren und rem gar nichts geholfen halten, kaufte tch nur eine Packung stogal, denn ich sagte mir: „wenn es nicht hilft, dann Nt nicht viel verloren. Das Resultat war so überraschend, daß ich es selbst kaum glauben konnte. Schon nach dem Gebrauch von 2 Tabletten konnte ich geben und am nächsten Morgen konnte ich wie fett langen Jahren frei und unbehindert austreten. Heute, am dritten ^age, suhle ich mich am ganzen Körper trotz des miwrablen Wetters so wohl, daß es eine Freude ist. Ich kann daher Togal allen Letdensgo führten sehr warm empfehlen." Aehnliche Erfahrungen und nocr überraschendere Erfolge erzielten viele andere, welche Togal mar. nur bei Rheumatismus, sondern auch bei Kopfschmerzen. Hexen schuh, Ischias, Schmerzen in den Gelenken, sowie bei ^nfluenzc gebrauchten. Alle Apotheken führen Togal-^abletten.
Best.: Acid. acet. salic. Chinin. Mg. Li. IdOOpSI
Aus der Kunstgeschichte des Südtiro-er Uampsgebietes.
Der Vorinarsch der siegreichen österreichisch-ungarischen Truppen führt an der Südtiroler Grenze durch uraltes deutsches Kul- turgebiet, dessen germanische Grundzüge durch das jahrhundertelange Auwvgen rom>anischer Strömungen verwischt sind. Um diese geschichtliche Tatsache schon rein außerlicki sinnfäl.lig zum Ausdruck zu bringen, ist, wie gemeldet wird, von höchster Stelle vertügt worden, daß in den Tagesberichten der Obersten Heeresleitung die deutschen Namen der Orte, die durch italienische Umformimgeü verwelscht waren, angeführt werden sollen. Noch mehr wie in den Namen und in der Sprache spricht sich in der eigenartigen Kunst dieses wmrdervolleu Landstriches das Ringen und allmähliche Verschmelzen gernranischer und romanischer Mächte aus. Ist doch die altrömische Provinz Rhätien, die einst das jetzige Kampfgebiet der Oesterreicher Und Italiener umfaßte, in den Stürmen der Völkerwanderung zu einem germanischen Lande geworden, in dem die kampffrohen Goteir sich festsetzten und der kühne Degen Dietrich um König Laurins geheimnisvollen Rosengarten Heldenkämpse aussacht. Nach den Kriegern Theuderichs d. Gr. nahmen die Langobarden von den: Lande Besitz, und nach ihrer Besiegung ward es zu einer Mark des ftänkjschen Reiches erhoben. Unter dem Krummstab des Fürstbischofs, der dann im Mittelalter und in der Renaissance über Tirol gebot, entfaltete sich eine Hochblüte der Kunst und Kultur und erreichte den Gipfel damals, als Trient in den großen Tagen des Konzils zum Mittelpunkt der, Welt wurde. Die Pracht der Renaissance fand nun ihren Weg in die Täler Südttrvls, Ivo bis dahin die Gotik mit ihrer schlichten Innerlichkeit geherrscht hatte. Aus Iden Städteri der oberftalienischeir Ebene kamen berühmte Baumeister, 'die glanzvolle Paläste aus den Höhen errichteteil, auf denen vorher nur steile Burgen und einsame Kirchen ihre spitzen Türme empor gereckt hatten. Die Kunst lombardischer Steinbildner stellte sich neben die eckigen Holzschnitzereien der Tftoler Meister, und so verbargen sich deutsche und ronranische Kunst zu einer nerien Einheit, wie sie sich z. B. in dem schönen Baustil des Etschtales, offenbart. Wie sich aber in den: verwelschten Sprachgebiet noch einzelne deutsche Sprachinseln bis aus den heutiger Tag erhielten, so drang auch die Renaissance nicht überallhin in das ursprünglich deutsche Land. In manchem einsamen Tal, in kleinen stillen Dörfern blieb die alte heinrffche Kunstübung der Gotik von ftemden südlichert Einflüssen ünberührt und lebte in der eigenwilligen Phantastik des Barocks wieder auf. So grüßen denn von steilen Graten und waldigen Höhen, laus allen Winkeln und Ecken des Landes deutsche Bauten und Züge deutscher Kunst die vordringenden Truppen unserer Verbündeten. Im Suganer Tal, aus dem die Oesterreicher und Ungarn fetzt die Italiener vertreiben, erhebt sich das großarttge Sch,laß!der Trientiner Bischöfe, fest umpanzert von seinen Türmen, Mauern und Wehrgängen, liegt der mittelalterliche deutsche Ort Persen, laus dem die Italiener Pergine gemacht l>aben, mit der schönen spätgotischen Pfarrkirche, deren edle Gewölbe so echt germanisch anmuten. Noch andere solche feste Burgen, die von deutscher Kunstübimg erzählen, führt Leo Planiscig in seinem inhaltsreichen Buch über die „Deukmale der Kunst in ben südlichen Kriegs- gchreten" ,an : We eine von Menschnrhand errichtete Stein kl ippe
mitten zwischen einem Gewirr natürlicher steiler Felsen reckt sich im Zimmertal ,Val di Cembra) die Burgruine votr Segonzano aus. Im Nontale iBal di Non) bietet das Schloß Bragerro, das bereits im 13. Jahrhundert erwähnt wird und seit 1333 im Besitz der Grasen von Thun war, besonderes Interesse durch die wundervollen Wandgemälde der gotischen Schloßkapelle. Diese Schlösser und noch so 'manches andere, wie das am Tobliner See, Schloß FrrmiMi, Kastell Madrnzzo und die Burg der Castelbareo zu Avro, halten noch heute lauf den steilen Höhen über den engen Tälern die Wacht, wie im Mittelalter, als durch, sie geschützt die deutschen Kaiser nach Rom zogen, um sich die Krone des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation aufs Haupt zu setzen. ?lußerdem errichteten jwer hohe Würdenträger des Deutschen Reiches prunkvolle Paläste als Statten der Erholung und des Vergnügens, so die Fugger me rerclige- schlmückte Villa Mar gone in der Nähe von Trient Ein altes Kastell und 'scköne Kirchen nennt .auch das ehemals deutsche R o vre 1 1 sein eigen, das von den Jtaliendrn Rovereto genannt wurde. Wohl tritt immer stärker in. den Stadtbildern Welschtirols an die stelle der gemütlichen Enge, der winkligen Gassen und breitete Laub eng an ge, wie sie den deutschen Charakter andeuten, die weiträumigere und kfttere Form der Renaffsance. Aber in deii kleinen ^ckadttn und Dörfern stößt man doch noch vielfach auf die gottschen Ktrcheu des deutschen Mittelalters, und in der Art, wie srch die Orte mit wundervoller Harmonie in die Landschaft schmiegen, wie sie hmein- gefügt sind in den gewalttgen Rahmen der Gebirge, offenbart sich ein Bild von höchstem, uns besonders anheimelndem Rcrz.
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— Warum lsiat der Fez keinen Schirm? Es ist ausfallend, daß unsere türkischen Bundesgenossen eine Kopfbedeckung tragen, die ihnen nicht den geringsten Schutz gewährt vor den scharfen Sttahlen.der Sonne. Sic, die in südlich,eren Breiten als wir ivohnen, haben doch außerordentlich unter dem Brennen! der Sonne zu leiden, und dennoch wird sich, kein Türke von seinem traditionellen Kopfputz trennen, der gerade durch das Fehlen des Schirmes sein besonders nationales Gepräge erhält. Es sind nun etwa 100 Jahre vergangen, seitdem ein türkischer Suttan den Versuch gemacht, den Fez der Soldaten mft einem Schirm zu ver- selMi. .Mahmed II., der letzte große Herrscher aus dem Hause Osmans, siihrte nach dem mit Rußland 1812 zu Bukarest geschlossenen Frieden mannigfache Neuerungen nach europäischem 97duster in der Verwaltung seines Reiches und im Heere ein. So schuf er auch eine neue praktische Uniform für seine Soldaten; nur den Fez mußte er in seiner ursprünglichen Form bestellen lassen. Ms er die Absicht kundtat, die alte Kopfbedeckung dürft- Anbringung eines Schirmes zu verbessern, erhob die Priesterschaft gegen diesen Bruch eines geheiligten Herkommens Einspruch. Den gedachte der Sultan durch ein radikales Mittel ziu beseitigen. Er lud nämlich den Scheich ül Islam zu sich ein und ließ ihm einen Platz so anweisen, daß ihn die durch die Fenster hereinflirtenden Sonnen strahlen direkt ins Gesicht ttafen. Sich selbst setzte ec mft dem Rücken gegen die Fensterscheibe des Zimmers. Nun war der hohe geistliche Würden- träger, kuM den Sultan üherhappt schien und sich selbst vor der
Sonnenglut schützen zu können, gezwungen, oftmals die Hand zu erheben und vor die Augen zu halten. T,er Sultan tat, als bemerke er den Grund nicht, warunr sein Besucher so unruhig loar; er meinte, jener sei wohl krank und zu alt, mim müsse wohl daran denken, ihm einen Nachfolger zu geben. Aufs höchste erschrocken, wehrte der Scheick ül Islam ab, doch plötzlich ftel er, von der Hitze übenvälttgt, ohnmächtig zu Boden. Bald kam er wicwer zur Besinnung, und nun durfte er sich irr den Schatten setzen. Der Sultan aber entließ ihn mit dem Bedeuten, nach diesem Erlebnis werde cr wohl nichts mehr gegen den Fezschirm, der die Augen der Soldaten schützen sollte, einzuivenden haben. Ein allerhöchster Erlap, bestimmte, daß an die Kvpfbedeckmrg des Militärs allgemein ein Schirm anzusehen sei. Damit aber war >das von den Priestern beeinflußte Heer selbst nickt einverstanden und zufrieden. Drohend zogen die Soldaten zum Großvezier imb erklärten, sie wollten kerne Schrrm- mützen tragen, wie die Ungläubigen, die nur deshalb die Augen bedeckten, lveil sic fürckteten, in das zornige Auge ttlahc- zu blicken. Da blieb dem^ Sultan nichts übrig, als seine Verordnung zurüc^uzrehen; und der Fez hat bis heute seine rurrde, schirmlv,s Form behalten, die er von jeher Hatte.
— Ter alte Humboldt als „Hamstere r". Nachdem Wilhelm von Humboldt 1819 vom Staatsdienst Surückgetreten war und nun ganz nach ^ seinem Belieben leben konnte, hat sich der große Gelehrte, von dem man so etwas gar nicht erwartet, manch eigenartiges Stücklein geleistet, das er dann, sich selbst ironisierend, seiner Frau brieflich erzählt. So schreibt er üyt einmal von seinem Gute Burgvrner, wo er einige Zeit allein geweilt hatte, sehr eifrig, daß er an Vorräten 5 Pfund Kaffee und einen ganzen Hut Zucker angeschafft habe. Auf die Erwerbung des Zuckerhutes ilt er ganz besonders stolz, denn beim pfundweisen Kaufen würde man so leicht bestohlen. Ein Hut sei viel sicherer, „seinen ewigen Formen" könne niemand etwas anhaben. Aber mit den fraulrcken Geschäften scheint auch die Inkonsequenz zu kommen, die man sonst nur dem weiblichen Geschlecht nachsagt. Denn er berichtet weiter, daß cr die „ewige Form" zerstört habe und erzählt: „Tann l>abe ich den ganzen Hut geschlagen, mft eigener Hand' Daran habe ick vielleicht nicht recht getan, aber es !var hier eine prächtige Schachtel, in der einmal ein Kuchen ans Halle gekommen ist, und es war längst meine fixe Idee, eine Schaft)tel mit geschlagenen Zucker ganz angefüllt Aufsehen. Ich habe sie,einmal bei Caroline (der Tochter) vorgebracht, bin aber immer abgeschlagen worden. Ta ich nun hier die Zuckerherrschaft allein führe, bade ich nicht >viderstel)en könnm. Damit Grinttn (der Diener) mich nicht auslachte, lmbe ich das große Werk um Mitternacht vorge- nommen und mich, da ich fertig war, ordentlich triumphierend zn Bett gelegt. Wenn nun Caroline wieder 'jnmt, hat ne in vieler Zeit nichts zu tun." Köstlick ist .Humbolds naiver Stolz, daß er den Hmishalt nun auf W>ichen beschickt lwbc. lllid eine geradezu überwältigende Komik liegt darin, sich den großen Gelehrten vorzustellen, wie er um Mitternacht nrit einem Hammer der Zuckerhut zerkleinert, während die Angst vor dem Spott seines Dieners ihn dieses seltene Vergnügen nicht so recht genießen läßt.


