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Zweites VlM
Erfchenrl rra* Ausnahme des Sonntags.
Die „Sietzener Kamiüerchlätter" werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ..Urcisblatt für den «reis Sietzen- zweimal wöchentlich. Die „L<md»ittfchasttichen Zeit- srssen^^ erscheinen monatlich zweimal.
Zm Rundreise des Reichskanzlers.
$6. Jahrgang
General-Anzeiger für Oberhessen
Dienstag, 30. Mai \9\b
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Bilch- und Stein druck erei.
R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsstelle ».Druckerei: Schul- straße 7. Geschäftsstelle u. Berta g:«-^51, Schrift- leitung: d^Dl12. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
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„ ®“ Mitarbeiter, dem wir für den
|ctner Informationen di-e SBcrcmtmortunq überlassen nvöffeu, schreibt ttus.: -
# Zweck der derzeitigen Rundreise d^s ReichskmrzLers rn SEentschland hat ein großes Rätsel- rtäeat <n^»bcn. Die einen sind fest überzeugt, daß es sich um bte BestwechnnH und Feststellirng der deutschen Kriegs- zEe handelt. Die mrderen glauben versichern zu können, daß -.verrv. Bechtmanu den demnächst.erfolgenden Maß-nahmen des Krüegsiernährimgs amt.es sden Boden bereiten und etwaige Bedenken nnd Widerstände beseitigen wolle. Um so über- rasthender-lrmcken die Meldungen aus München, die elsaß- lotAr-imgifchc Angelegenheit, an der die süd- dQ^schen Staaten, insbesondere Bayerat, stark interessiert sei der .Hauptgegenstand der persönlichen Fühlung- ^rccks'meLes Kanzlers. Daran hatten allerdings nur wenige gedacht. Aber man erinnert sich jetzt, daß gerade diese r-srage trotz aller Kriegssorgen im Schoße der Reichsregie- rnrrg nicht zur Ruhe kam. Im Haushaltungsausschusse des RsLLMagxs wurde sie vor einiger Zeit vertraulich erörtert, mfo -bet Stekwertveter des Reichskanzlers wies darauf hin daß dre Entwicklung der Verhältnisse in Elsaß-Lothrmqen ZwttßÄ darüber habe entstehen lassen, ob der bisherige Zustand in den Reuhslandeu nach dem Frieden aufrecht <t u erchMmr sei. In Besprechungen, die der Reichskanzler mit den leitenden Ministern einzelner Bnndesstaaten gehabt habe, sei diese Frage berührt worden. Die gesprächsweise Behaarung habe indessen zu einem bestimmten Programm noch nicht geführt. Die Regierung des „führenden." Bundes- 'tarches sei zu einer Entscheidung, in welcher Weise das Problem in Angriff genommen werden solle, noch nicht gelaugt. Seitdem ist Woche um Woche verflossen, und es ist ,ehr wohl möglich, daß die einschlägigen Pläne greifbare Gestickt angenommen haben. Immer aber, ehe die Regierungen ihre Absichten in solchen Dingen kundgeben, pflegen Besuche und Besprechungen des Reichskanzlers und preußischen Vtinifterpräsidenten an den süddeutschen Höfen stattzufinden. Es entspricht das dem Herkommen und dem staatspolitischen Dienstweg. Um was handelt es sich nun? An den narHglcherchen Stellen ist man genau so itrie in weiten VolkÄkrersQN IdeEnsicht, daßsttte neue Verfassung der Reichs- lande vom Jahve P911 nicht den Anspruch machen kann, der gesetzgeberischen Weisheit letzter Schluß zu sein. War man schon mr Frieden überzeugt, daß nur eine Stufe der Ent- ^vuklurvg damit erreicht war, auf die eine weitere Fort- bW«Mg folgen müsse, so haben die Erfahrungen des Krieges aus öuen erst recht die Augen darüber geöffnet, daß mit dem Rerchsland etwas Außerordentliches geschehen müsse um es wirklich fest an das Reich zu ketten und den französischen Gelüsten für alle Zukunft ein Ende zu machen. Viel Schvrerzlrches hat sich ereignet in der ersten Kriegszeit, von der verhalten französischen Gesinnung bis znm offenen Verr ock Ab er es waren doch nur einzelne Namen, die auf die schwarze Tafel der Geschichte geschrieben werden mußten. Dre geradezu erdrückende Mehrheit des elsaß-lothringische Volkes hat sich bewahrt und bewiesen, daß auch sie ihren Boden als nrdeutsches Land ansieht, der gar nicht rmng genug mit dem Reiche verkittet werden kann. Gerade der Charakter des Zwischenlandes zwischen Frankreich und Deutschland, jene Abgesondertheit vom Ring der deutschen Bundesstaaten hat jenseits der Vogesen den Gedanken und dre Hoffnung genährt, daß der nächste Krieg den gewünschten Rückschlag rn den Besitzverhältnissen bringen werde. Und so ist aus deutscher Seite immer klarer geworden, daß es auf die geradezu krankhafte Forderung Frankreichs, den Krieg nicht eher beenden, al§> bis das Schicksal Elsaß-Lothringens entschieden sei, nur eine Antwort gibt: Die Angelegenheit
noch während des Krieges aus deutscher Kraft heraus staatsrechtlich zu erledigen. Der Vorschläge zu solcher Neuordnung gibt es ja viele, die süddeutschen Reisen des Kanz- lers aber lassen vermuten, daß das Aufteilung s- P r o b lem rn den Vordergrundber Pläne gerückt ist Um es mit einem kurzen Satze zu sagen: Das an die bayerische K'H.Kreuzende Gebiet Elsaß-Lothringens käme bei solcher Aufteilung an Bayern, der Rest an Preußen. Die anderen Bundesstaaten konnten durch „Kompensationen" beftiedigl werden, soweit sie solche entschädigenden Abrundungen verlangen. Baden z. B. soll schon bei den „gesprächsweisen" Vorverhandlungen jede Entschädigung abgelehnt haben, ganz rm Sinne des verstorbenen Großherzogs Friedrich, der seinerzeit bei Gründung des Reiches zu dem Minister Iolly sagte: Wir Badener müssen besonders vorsichtig sein, da uns seder Schritt als eigennützig ausgelegt werden kann. Der Gedanke, Baden durch Elsaß zu vergrößern, widerstrebt ^sts.b^^n Anschauungen... Die Provinzen kann nur der Stärkste erhalten, der allein imstande ist, sie mit eigener Kraft zu behaupten; in Baden ist man deshalb dafür, daß Elsaß und Lothringen der Krone Preußens unterstellt werden". Funfundvierzig Jahre sind seitdem verflossen. Nun hat der Weltkrieg, wie es scheint, gerade diese innerpolitische Frage aus der Tagesordnung an eine der ersten Stellen geruckt.
München 29. Mai. (W.TB.) Der Reichskanzler ist heute vormittag mit den Herren seiner Begleitung hier eingetrosfen. Er wurde von dem Legationsrat im Ministerium des Aeußern, Erh. von Stengel, dein preußischen Gesandten dem Botschafter Frh. AN Schon, und dem preußischen Gesandtschaftsattache Bacon Rothschild empfangen, .rer Reichskanzler, der feldgraue Generals- unftorm trug, wurde am Bahnhof vom Publikum freudig begrüßt Er bewohnt m der Residenz als Gast des Königs die Kursürsten- zimmer.
M ü n ch e n , 29. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Der R e i ch s - kan zier stattete heute nachmittag 6 Uhr dem Ministerpräsidenten Grasen Hertlin g einen drewiertelstündigen Besuch ab und unternahm daraus eine Spazierfahrt nach dem Nhmphenburger Schloß Abends folgte er einer Einladung des preußischen Gesandten Frhr v. Schon und dessen Gemahlin zn einem Abendessen.
Stuttgart, 29. Mai. (WTB.) Der Reichskanzler ttisst morgen nachmittag mit seinem Schwiegersohn Grasen Zech Legationsrat im Auswärttgen Amt, von München kommend, hier eiic und wrrd auf Einladung des Königs im Residenzschloß Woh- nung nehmen. Abends findet Empfang und daran anschließend Voftafel beim König 'statt. Am Mittwoch um 12 Uhr 27 Minuten reist Verr von Bethmann Hollweg nach Karlsruhe.
Die Lrnahtungssrage im Keichshaushaltsausschuß.
_ ^ Berlin. 27. Mai. In der weiteren Debatte des Reichshaushaltsausschusses erklärte Unterstaatssekretär v. Stein, daß Butter nic^t sür Seisenfabrikation Verwendet werde. Die radikale Regelung der B u t 1 e r s r a g e st e h e bevor Das Milche trocknungsverfahren werde begünsttgt. Der Ausschluß geht über zur Besprechung der Futtermittel. Der Berichterstatter teilt A bie Nutzbarmachung des Laubes organisiert werde. Präsident Kautz betont, daß die Futtermittel durch schlechte Ernte ungünstig beeinflußt wurden. Man habe versucht, nach Möglichkeit Ersatzmittel zu beschaffen. Der Kriegsausschuß für di- Beschaffung von Ersatzsuttermftteln sei geschaffen worden. Es sind zehn Fa- briken für Nährhefe mit einer Gesamtproduktton von jähr- ich to 400 sonnen gebaut, btefe Höhe sei aber noch nicht erreicku sondern erst etwa die Hälfte. Tie Nährhefe eigne sich auch für dre menschliche Ernährung. Das Stcohmehl sei mit gewissen Zusätzen lehr wettvoll. Heidekraulfutter sei mtt Zusätzen ein gutes Schwernekutter. Aus den Kuschen werde ein sehr gutes Ei- wEutter hergestellt. Tierkörper mehl werde aus Kadavern unter Mitwtrkung der Heeresverwaltung- erzeugt. Auch im Frie- den jei eitle bessere Verwertung der Kadaver und Scklachthofabfälle möglich. Aus Miesmuscheln werde ein wettvolles Futter erzeirgt pslanzlrche Stoffe könnten auch in höherem Umfang zur Futter- gewmnung herangezogen iverden, z. B. das Holz. Es sei zu lwfferr dap wir uns auch rm Frieden von ausländischen Futternfttteln unabhängig machen können.
Ein nationalliberaler Redner begrüßt diese beruhtgenve Darstellung und wünscht Propaganda in ihreni Sinne.
Staatssekretär Tr. Helsserich betont, daß die jetzt hergestellteu gettngen Mengen ohne Propaganda leicht abgesetzt werden.
Tie Deutsche Fraktion wünscht Beigabe von Gchalt'garanlic. auch bei der Nährhefe. Ein Regierungsvettretcr sagt Berücksichtigung zu. Ein Zentrumsredner wünscht eine bessere Vetteilung der Futtermittel unter Berücksichtigung des Rindviehs. Die neuen Fabriken sollten auch nach dem Süden kommen.
Ein fortschrcktlicber Abgeordneter spricht dem Kttegsausschuß für Ersatzmittel seine Anerkennung aus. Im Kriege dürfe die Preisfrage keine Rolle spielen. !Für die Friedenszeit aber sei es entscheidend, wb die künstlichen Futtermittel rattonell, d. h. zu angemessenem Preis herzustellen seien, was bei der Nährhefe ausgeschlossen erscheine. Der Redner bittet um Auskunft, wie sich die Friedenspreise stellen würden, und verlangt, daß bei den Liefere ngs- Verträgen unbedingt ausreichende Mengen gegeberr werden müssen.
Staatssekretär Dr. Helfferich erwidett, daß sich die Rentabiittät •x ,künstlicher Futtermittel für die Friedenszeit noch übersehen lasse; sie hänge von verschiedenen Umstünden, den Rohitoftpreifen nsw. ab. Immerhin hoffe er, daß manche Tin- rlchtmrgen auch für die Friedenszeit von Bedeutung sein würoen.
Nachdem noch ein konservativer Rediier gewünsstn hatte, daß dre Amottiiation der neuen Fabriken aus das Reich übernommen und tue Kuchenabsälle besser verivertet Werder: sollen, vertagt ich der Ausschuß auf Montag vormittag: Organisattonsfragen in Anwesen Heft des Präiidenten des Kriegsernährungsamts v. Ba.tocki).
b e rj i n , 29 Mai. (WTB.) Im Hauptausschnß des Reichstages erklärte auf eine Anftage der Berichterstatter, der W . Gras Weftarv und Hoch, der Präjident des Krn.gncrnährungs- ö amtes, v. Batock:, unter anderem, auf die Einst, hr habe'er kernen Einfluß; erst in dem Augenblick, wo Ware ins Land komme, . trete ,re unter seine Verwaltung. Tie zweite Schranke be-, stehe sur ihn in dein Verhältnis zu den mil'itärischenKvrn- ma n dost e I l en.^ Während des Krieges sei es ganz mrdenll daß die mrlrtärifchen Drgmre sich irgend einer anderen Stelle unterordnen könnten. Weites Entgegenkomrmen werde er gewiß finden. Wir müßten uns innerhalb des Rahmens der verraal- tungsmaßigen ftaatsrechtlichen Möglich feiten halten: darüber chn- ausgehende Lroftnungen würden völlig zusck>anden werden. Hinsichtlich des Wirtschaftsplanes für das neve'Ern^e- ha h r verkenne er den Ernst der Zustände und die Vorhand. ^een. Schwierigkeiten durchaus nicht. Trotzdem sehe er mit eiwew ge- funoen Optimismus in die Zukunft. Die hochbedeutsame Fraae der Fettvenorgiing werde kaum in einigen Wochm gelöst werden können: es bestehe begründete Hoffnung auf Abhilfe in ganz.
Man solle doch nicht vergessen, daß in den landwitt- schaftlichen Betrieben alles auf das Wetter ankomnu. Die Butrer- menge hänge von der Milcherzeugung ab: diese aber wieder vom Wetter. ^ Wenn es heute gründlich regnen würde, hätte morgen Ostpreußen 30 Prozeiit Milch nrehr. Erfreulicherweise habe eS in ben ersten Tagen seiner neuen Amtsführung schon stark ge- - regnet; das sei ein gutes Omen. In der Lani»vrrlsck)ast dürfe b^ Großbetrieb nicht als ein typischer Produktwnsfaktor angefes-en werden: die nicht gut organisietten Klein- und Mrttclbttriebe, die doch nur von Falk zu Fall disponieren könnten, würden!
90 Prozent der Gesamterzeugung stellen. Mft den bretten Bolk-- krerien hofte er Fühlung zä erlangen und aufreckst zu erhalten. Ueber die -Tätigkeit des Kriegsernährnngsamtes solle innerhalb der von den 'Rücksichten auf den Ktteg und das Ausland zu, ziehenden Grenze fortlaufend bettchtct werden. Ader daö Amt tverde sich vor Maßnahmen, die aufreizend wirken könnten, hüten Rach Pftngsten werde er die bundesstaatlichen Hauptstädte aufsuchen, um mtt den maßgebenden Herren'Fühlung zu nehmen.
- Auf einige Bemerkungen eines sozialdemokratischen Ausschust- mitglledes führte v. Batocki weiter -aus, er werde mft dem parlamentarischen Beirat die engste Fühlung ,rntcr- hatten, um die Ver,tandigung auftecht zu erhallen. T i e M a s s e n- " spersung solle gefördert werden. Zu ch-rer Finanzierung werde er ;chon in den nächsten Tagen Geldmittel vom Reichstag anfordern müifen, damit die Gemeinden untersrützt werden konnten ^ie Erhebungen über den Fleischvorrat sollten aus die Haushaltungen ausgedehnt lverden, ohne daß man kleinlich vor gehe.
Brrlin, 29 Km. (WTB.) In einem 5Run b erljt6 an dre Regierungsprdiidcnten wenden sich, die preußischen Mi. nntericn für Landwirtschaft. Sandel uird Jnne-
Deutsche Nriegstrüppel der Vergangenheit als Uriegshelöen.
Der deutsche Wille zur Ueberwindung aller Fehler und Unvollkommenheiten des Körpers hat sich bereits in der Urzeit germanischen Wesens einen großartigen Ausdruck geschaffen dattn, daß selbst die Götter, diese Jdealgestatten des alten Deutschen, als Krüppel dargestellt wurden. Der Gott erschien den Germanen dadurch noch größer, daß er auch mit diesem äußeren Hindernis das Gewaltigste, das Götlliche vollbrachte. Lo besitzt Wotan nur ein Auge: Donar trägt einen Felsensplitter im Haupte: Tyr, der Ur- gott des Himmelslichtes, verliert durch den Biß des Fenriswolfes eine .Hand: der Halbgott Meland schafft Wunderwerke als Krüppel, an Händen und Mßen gelähmt, und die buckligeit Zwerge besitzen geheimnisvolle Kräfte und hohe Macht. An diese „Kriegskrüppel der deutschen Mythenwelt" eriirnert der Erzieh-ungsdirektor des Os- kar-Helene-Heim, einer der erfahrensten Pädagogen auf den: Gebiete der Krüppelbehandlnng, Hans Würtz in einem Aufsatz „Götz von Berlichingen und Wir", den er als 4. Nummer der von Hermann Kalkoff herausgegebenen Monatsschrift „Wegweiser für das werktätige Volk" veröffentlicht. Würtz will den Kriegsgeschädigten unserer Tage den eisernen Willen und den starken Lebensmut zur Bezwingung ihrer Leiden einftößen, indem er sie ans leuchtende Vorbilder der deutschen Vergangenheit hinweist. Und da stellt sich ihm als erster Götz von Berlichingen dar, den Goethe in seinem ^rama als „ein Wünderzeichen" der Nachkommenschaft ans Herz gelegt hat. In seiner -Lebensbeschreibung entwirft der tapfere Ritter ssmicht und treuherzig das^ typische Sckncksal des Kriegskrüppels, der sich yl einem neuen Lebenszweck und Lebensmut durchringt. Nachdem ihm die Hand durch die Kugel einer Nürnberger 'Feldschlanga weg^rissen war, ist er zunächst trostlos^ und möchte „in Gottes Namen hinfahren, ich wäre doch zu einem .Kriegsmann verdorben. Da ftel mir aber ein Knecht ein, von denk ich durch meinen Väter und alte Pfalzgräflichx nrid hohlenloKsche Knechte gehört hatte, Köchli genannt, welcher auch nur eine Hand gehabt hat und im Felde dem Feinde gegenüber alle Dinge ebensogut hat verrichten können wie geder önme. Ich betete zu Gott und dachte bei mir, auch wenn ich zlvolf Hände hätte und seine Gnade und Hilfe stände mir nicht bei, so wäre alles umsonst. Deshalb vermeinte ich, hätte ich auch nur wenig Ersatz durch eine eiserne Hand, ich wollte dennoch ini Felde fo tuchtrg ,stn, wie irgend ein anderer gebrechlicher Mensch. ^>»ch brn stntt-er mit Köchli's Söhnen geritten, die redliche und berühmte Retter waren. Und wahrlich kann ich nicht anders ftnden noch sagen, nackchem ich fast sechzig Jahre mit einer Faust Kriege, FehLerl und Handel gesLhrt habe,, als daß der allmächsige, ewnrn und barmherzige Gott wunderbarlich mtt großer Gnade bei unü mit mir in allen meinen .Kriegen, Fehden und Gefahren gewesen ist." Gotzens aus Eisenblech gefertigte künstliche Hand hatte er selbst in
ihrem Mechanismus auf seinem Krankenbette ausgesonnen- ein Waffenschmied aus Olnhausen fertigte sie ihm daiin an. Sein treuer Gefährte war der einbeinige Hans von Selbitz, der in Goethes Drama humorvoll ausruft: „Meine Leichtferttgkeit müßt Ihr eigentlich loben: denn seht, da ich ein hölzern Bein habe, was mich ein wenig unbeholfen macht, so nehme ich dagegen desto weniger Gepäck z^ mir." Wie Götz mit seiner linken Hand das Schwert und die Schreibfeder führte, so war er mit seinem einen Bttn ein kühner Reiter, und -die beiden verübten solche Taten, daß Kaiser Maximilian in Augsburg ausries: „Heiliger Gott! Was soll das werden? Der eine hat nur eine Hand, der andere nur ein Bern. Wenn sre erst zwei Hände und zwei Beine hätten, was würdet Ihr dann tun!" Ein tüchtiger Mmpfer blieb auch Herzog Christian IV Don Braunschweig, der 16Z2 bei Fleury die linke vand verlor und mit seinem künstlichen eisernen Arm doch „alles regieren und fassen konnte". Großen Feldherrnruhm errang der Holsteiner Josias von Rantzau mit nur einem Auge, einem Arm und einem Bein. „Die beispiellose Verstümmelung," erzählt die Chronik, „die ihm von allen Paarweisen Gliedern des^ Mannes das eine geraubt, vermochte ihn weder zu hindern, ein großer Feldherr, ein glänzender Kavalier und jeder Zoll ein Ritter zn sein, noch etnit seiner Schönheit Eintrag zu tun. Im Oiegenteil, diese Zeugen seines Ruhmes im Verein mit allen den Tugenden und reichen Gaben des Helden vollenden erst das herrliche Reiterbild." Bekannt sind die Heldeittaten des Pri nz e n von Hessen- .H omburg mit dem silbernen Bein, dem eine dänische Kanonenkugel bei der Belagerung von Kopenhagen 1659 das eigene Bein fortgerissen hatte und der doch noch 1670 den Sieg des Großen Kurfürsten bei Fehrbellin erringen half. Auch im gegenwärtigen Weltkrieg hat ein einarmiger O b e r s ch l e s i e r als vortreff- lrcher Schütze im vordersten Schützengraben gekämpft und einmal allein 25 Russen gefangen genommen.
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— Berliner Uraufführung eines dänischen Lustspiels. Aus Berlin wird wi$ geschieben: Tic Berliner Bühnen rüsten sich noch und nach für den LuftspttAeldzug der Sommersprelzei t. Nach der großen Zahl ernster und schwieriger Werke, die wächrewd der erfolgreichen Wintersprelzert m reicherer Zahl als rn den letzter „tangogeftttbten" Frttdensjahren zur Darstellung gelangten, wallen fast alle Berliner Theater dnrch- haltcn, teils mit ihren eigenen Kkäsden, teils durch LlusnalMv von Gasts Pi eleu. ?luch das L e s s i n g - T hea te r. dos noch ganz zuletzt einen vorzüglich einstudierten Ibsen-Zyklus brachte, setzte am ^ pn nabend ein heiteres Stück vor, das wohl für die henwn V^oiintc bestimmt ist und, allem Anschein nach sanier Aufgabe ruck' ge rech, iu: re-c-t büi,;c. Das, brciai'tigc Lustspiel '•P 0' w c v ö c r P eie r" t. ou H i a l IN a r Be r g st r ö Ni lind ttnicr Marsen, das so seine Uraufführung in Deutschland
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erlebte, geswrt zu jener Gattung harmlos-gesämurckvotler Untere ^ltungsstncke, der inan in letzter Zeit immer seltener begegnete Bergstrom, den man aus einer Reihe flott hrnaeworsmer Novellen und ein paar sttmmungshaltigeff Romanen kennt ist im Verein mu dem sarkasttsch-senttmQttalen' Larsen eine hübsche Szenensolge Enckt, die eine zwar nicht neue aber anmnttge Art der ans der Buhne bevorzugten Lrebesorrth-metik mit Geschick und Tenft>era- ment abhandely Auch die Figuren dieses Spiels, das pe,n Leben von cmer gutgelaunten und dabei doch nid: aü*u oberst Ech.m öeue begegnet, sind nicht gerade überwältigend m:bekannt Ä die junge Frau, die sich nach den Restaurants, Konzerten und Maskenbällen des großstadttschen Kopenhagen lehnt, dreimil 'sie wrn von der Hauptstadt auf dem Lande >. , Seit*
Adustergatten, der als Oberarzt einem Küstenhospital vorst ch der erwähnte Gatte,Ferner eine justizrätliche Mutier ^ fchunegernrutter, ern drasma gez
und schließlich der ebmfalls zu Besuch wettende Kopenhagens Allerwelts remch und Nervenarzt, der das ganze Stück anv ™ bAn und rm Rollen zu erhalten hat. Die junge Frau und ch'- islandpch kauderwelschende Bildhauer Thvrlild Pjctturson n sich in emem sommerlichen Licbesslackcrfeuer, wodurch das Glück Ehegotten und der Bildhauerliebsteu ernstlich qefähr-H . , nf
Der liebenswürdige Nervenarzt imternimwt es als 'unbeteiligt« Junggeselle, die Karten des Spieles zu mischen ldaher der Katten- spielausdruck „schwarzer Peter"), um die Utolc 3u&- ! bett wieder tu die richtigen Gleise zu bringen. Die - ward aut lehr nette und Mach sttuattonsnchere Weise mtt Hilfe ftn^ Stell- .icherns eines Fahrrades, eines Ohnmachäsanfallcs nnd al lerer Regumten gezeigt,,,prtzftndig gekrönt durch den Dick da 5 ^ über den Parieren stehende Vermittler Feuer fänw r L scheint wieder die Sonne, alles ist in jrtftrcüJ ,e
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