Ausgabe 
22.5.1916 Zweites Blatt
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iffaafen schon hm. Diele Kleinwohnungen muffen geschaffen werden. ,

Mg. Brühne (Soz.):

Die Arbeiter sollen ihr Geld nicht für unnütze Zwecke auS- geben, aber viele junge Leute helfen ihre Eltern über Wasser halten. Das anzusehen, ist eine Freude. Die Handwerker sind heute schlimmer dran als je. Ein recht baldiger Frieden schafft hoffentlich bessere Zustände.

Abg. Gotting (natl.):

Derstcberungszwang ist eine Wohltat. Aber Sparzwcmg ist etwas anderes. Sparen muß freiwillige Vermögensfesthaltung sein. Selbstzwang ist die beste Triebfeder zum Sparen. Selbst Organisationen haben ihn zu entwickeln gesucht. ZwangZsparen hat man sogar als eine Art Arbeitslosigkeitsversicherung einführen wollen. Lassen Sie uns diese neue Probe mit den Jugendlichen einmal machen. Die Eltern fijnpen ja Freigabe verlangen, wenn die Umstände, danach geartet sind. Dem Jugendlichen muß durch Berater zur Selbständigkeit geholfen werden. Deshalb gibt es ja auch Vormünder. (Abg. Stadthagen, Soz. A.-G.: Nicht die Polizei!) Der Jugendliche kann über das Ersparte verfügen. Das Erzwingen des Sparens ist aus die außerordentlichen Umstände der Zeit zurüctzuführen. Der Versuch müßte jedoch allgemein in Deutschland gemacht werden. Aus der Probe, die hoffentlich gut ausfällt, werden wir lernen. Die Freizügigkeit ist in keiner Weise unterbunden. ^ - /

Abg. Stücklen (Soz. A.-G.):

Bei der Zivilverwaltung in den Etappenge­bieten werden unerhört hohe Gehälter gezahU. Einzelne Beamte erhalten neben den Heimatsbezügen und dem WohnungS- 8eldznschu.ß noch Tagegelder von 30 Mark. Beamte, die zu Hause 10 000 Mark erhalten, beziehen dort 20 000. Mit einem ange­messenen anteiligen Zuschlag hätte man das Richtige getroffen. Ein Assessor mit 3000 Mark Einkommen bekommt 6000 Mark Zuschlag, also insgesamt 9000 Mark jährlich. Dafür wird das Volk kein Verständnis haben. Für diese Herren wäre ein Spar­zwang angebracht. damit sie später noch etwas haben. (Heiter­keit) Rechtsanwälte, die zu Hause nichts verdienen würden, be­kommen draußen bis 12 000 Mark. Die Proviantämter geben. Waren an Offiziere unter dem Einkaufspreise ab. Das hat be­denkliche Folgen. Die Satze der jetzt geplanten Reform sind zu hoch, namentlich für die höheren Beamten. Den unteren Beamten gibt man ganz unzureichende Teuerungszulagen. Der Reichstag mutz Ersparnisse verlangen. In Flandern find Zj. vilbeamte tätig. Lre gar nichts zu tun haben, weil sie im Opera­tionsgebiet sind

Ministerialdirektor Lewald: '

Don den Groschen des deutschen Steuerzahlers wird für d i e Verwaltung in den besetzten Landesteilen nicht ein roter Pfennig ausgegeben, sondern die dafür aufgewendeten Mittel werden von den Ländern selbst getragen.

Die besetzten Gebiete gehören eigentlich nicht zur Zu­ständigkeit des Reichstags. Unter diesem Vorbehalt will ich trotzdem Auskunft geben.

Daß die Beamten dort geradezu in Gold schwimmen, trifft durchaus nicht zu. Durch die geplante Neuregelung der Gehalts­sätze wrrd anerkannt, daß bei der langen Dauer der 'Besetzung eine anderweitige Festsetzung der Tagegelder stattfinden kann. Es bandelt sich immer nur um vorläufig eingerichtete Stellen. Kein Beamter darf seine Familie mitbrrngen. Wovon soll die Familie zu Hause leben? So bleibt nichts anderes übrig, als daß man das Heimatsgebalt der Familie weiter gewährt und dem Beamten für die Tätigkeit draußen einen pauschalierten Betrag bewilligt.

Dann noch ein allgemeinerer Gesichtspunkt. So billig, wie diese Länder jetzt verwaltet werden, find fie un. zweifelhaft noch niemals verwaltet worden.

den russischen Beamten will ich gar nicht reden. Nicht daß pit Gehälter sehr hoch waren, aber desto erheblicher waren d i e iNebenernnahmen. Belgien spart ganz enorm.

Ds erspart ich bitte nur das nicht übel zu nehmen die !Kosten für den Senat und bi£ Kammer (Heiterkeit), ebenso die Gehälter für zehn Minister und ireun Gouverneure. (Abg. Ledebour ruft: Wir können auch 20 Fürsten sparen! Prä­sident Dr. K a e m p f ruft ihn zur Ordnung.) Die Fahrt nach dem Mrliiäreisenbahntarif im besetzten Gebiet ist außer­ordentlich teuer. Deshalb ist es unerläßüch, den Zivilbeamten freie Fahrt zu gewähren.

Keine Rede kann davon sein, daß dort draußen Bergnü- gungsposten für junge Leute wären, die in Sans und Braus leben können. Mitglieder des Reichstags, die in Warschau tätig waren, werden befEtigen können. mit welchen Hingabe und Aufopferung dort gearbeitet wird. Auch die Teue- rungsverhältniffe dürfen nicht außer acht bleiben. Eine teurere Stadt als Warschau gibt es gegenwärtig über» Haupt nicht. Die Herren sollen dort auch angemessen auftreten, wenn sie, mit der Autorität des Deutschen Reiches ausgestattetz. dort hingehen. In ihrer äußeren Erscheinung, kmrch die Art, wie sie in den Gasthäusern Verkehren, sollen fie das Ansehen des Reiches verkörpern, sie dürfen nicht in entlegenen Vorortlokalen einkehren. Das wäre mit der notwendigen Assrechterhaltung der Disziplin nicht vereinbar.

Ueber die Zivilverwaltung in Flandern wäre ich gern bereit gewesen, dem Vorredner Auskunft zu geben. Durch eine Aknnachung zwischen dem Generalgouverneur und dem Ober­kommando der 4. Armee ist ein erheblicher Teil der dortigen Ver­waltungsausgaben von Zivilbeamten übernommen worden. Die betreffenden Beamten üben genau dieselbe Tätigkeit aus wie ihre Kollegen in dem Generalgouvernement Belgien.

Alle diese Männer stehen in schwerer uird harter Arbeit. Ganz besonders z. B. die Kreisärzte. Ebenso habe ich von einem Staatsanwalt Nachricht erhalten, der geswrben ist. nachdem er bis zur Erschöpfung gearbeitet hatte. Gegenüber diesem wirklich mühevollen Dasein, das die Herren führen, hätte ich gwünscht, daß ein Wort der Anerkennung für ihre Tätigkeit gefallen wäre. -(Beifall.)

Abg. Stadthagen (Soz. A.-G.):

Ich lege Verwahrung dagegen ein, daß die Beamtenverhält- nisie in Belgien nicht zur Kompetenz des Reichstages gehören sollen. Dort gibt man das Geld mit vollen Händen aus, hier will man der Arbeiterjugend nicht einmal ihr verdientes Geld aus­zahlen. Das ist ein schreiender Widerspruch. Der Redner geht dann noch einmal ausführlich auf die Sparerlasse ein.

Abg. Dove (Fortschr. Dp.):

Al? Mitglied des wirtschaftlichen Ausschusses kann ich das, was Ministerialdirektor Lewald über die Verhältnisse gesagt hat, vollkommen unterschreiben. Die Zivi'lverwaltung in Polen leistet nicht nur für das Heer, sondern auch für das Land Dienste, die in gar keinem Berhüstni?. zu dem Aufwand stehen. So ist die Hinterbliebenenversorguna dieser Zivilverwaltung außerordentlich mangekhaft, die Hinterbliebenen sind auf den Gnadenweg ange­wiesen. Die Beamten nehmen in ihrem Eifer oft Dinge in An­griff, die auf Jahrhunderte berechnet sind und bei denen man erst Wissen sollte, wie sich die Verhältnisse endgülfig gestalten.

Auf weitere Ausführungen des Abgeordneten Stückle n (Sitz.) erklärte

Ministerialdirektor Lewald:

Wenn ich mit einer gewissen Lebhaftigkeit mich gegen die Ausführungen des Abg. Stücklen gewandt habe, so ist es be­greiflich, denn vor einigen Tagen sind imTemps" und in der ^,Times" Artikel über die Erpressungen der Deutschen in Polen erschienen, in denen der lügenhafte Versuch unter­nommen wurde, es so darzustellen, als wenn die deutsche Ver­waltung aus diesen Ländern ungeheure Summen herausquetschte und nichts dafür leistete. Ich freue mich, daß der Abg. Dove das bereits richtiggeftellt hat, und ich würde mich gefreut haben, wenn auch der Vorredner ein Wort der Anerkennung für die Leistungen unserer dortigen Beamten gehabt hätte. Man ver­gleiche mit ihrer Arbeit nur die Wirtschaft der Russen in Galizien, die eine große Anzahl von Beamten auf das Land losgelaffen hatten, ohne etwas zu leisten. Wie schwierig die Gehaltstagen sind, dafür ein Beispiel. Denn wir für eine Stadl wie Lodz mit 600 000 Einwohnern, die keine Wasser­leitung und keine hygienischen Einrichtungen hat, einen hervor­ragenden Kommunalbeamten suchen, so müffen wir ihm ein ver­hältnismäßig hohes Gehalt geben, denn er bekommt schon daheim ein viel höheres Gehalt als die Staatsbeamten. Das heißt aber doch nicht, das Geld auf die Straße werfen!

Der Vorredner hat den Vorwurf ausrecht erhalten, es g ä b e erne Reihe von Beamten, die überflüssig wären. Ich muß bestreiten, daß irgendwo eine zu große Anzahl von Be­amten vorhanden ist. Im Gegenteil, die Verwaltungschefs leisten mit einem geringen Beamtenapparat, was irgend zu leisten ist Es ist augenblicklich überhaupt noch schwer, tüchtige Beamte zu be­kommen bei der ungeheuren Beanspruchung dieser Kräfte in der Heimat. Durch die Ausführungen des Vorredners darf nicht der Erndruck erweckt werden, daß etwa in irgend einer Weise mit den Geldern der besetzten Landesteile Verschwendung getrieben würde. Im Gegenteil, sie werden außerordentlich sparsam nach den besten preußych-deutschen Boamtengrundsähen mrgewandt. Was in wesen Landern geleistet worden ist. ist erfreulicher Weise auch von Neutralen rückhaltlos anerkannt worden und wird immer ein Ruhmesblatt der deutschen Verwaltung sein. (Beifall.).

Mg. Haas (F. Vp.>:

Polen wird mit einem außerordentlich geringen Beamten- apparat verwaüet. Eher stich z u we n i g Hea m 1 1 dort. Werter tonä mit großem Fleiß und großer' Liebe gearbeitet. Wenn der Abg. Stücklen hiEme. würde er selbst zu dieser Ueberzeugmrg kommen. Wre leicht kann der Eindruck entstehen, daß wir in Polen auf Kosten des Landes wirtschaften. Auch die künftig in ^ssirht genommenen Gehaltssätze erscheinen mir nicht zu hoch für diemittleren Beamten, eher zu niedrig. Wir wollen nicht russische Sitten nachahmen, aber wegn wir dort geizig auftreten, fordern wrr den Verglich mit den splendiden russischen Offizieren beraus. Wenn wir auch Polen nicht behalten, so wird doch die Erinnerung an gute deutsche Arbeit unverwischbar sein.

Mg. Gotting (nl.):

Die Mhne reicher Leute find meist nicht selbständig Ver- sie, so wird chre Geldquelle etwas zugestopft. Bei den Nsiandlgell Jugendlichen gibt es diese Bremse nicht. Eine a-us- oruLlrche Beschränkung der Freizügigkeit würde ich mWüüigen.

Abg. Stücklen (Soz. Arb.-Gem.):

Meine Worte sollen keine Bestätigung der Auslanbsvor- tvürfe sein. Die Reform beweist, daß die bisherigen Sätze zu hoch waren.

Mg. Fegter (F. Dp.):

Auch ich kann aus eigenem Augenschein bestätigen, daß in Polen Hervorragendes geleistet wird.

Weiterberatung: Montag 12 Uhr. Wohnungsfrage» Zensur.

Schluß YtO Uhr.

Die neuen 5teuerabgaben in den post- und Telegraphengedühren.

Berlin, 20. Mai. Tein S t e u»e r a u s s ch u ß des Reichstags ist für die zweite Lesung des Gesetzentwurfes be­treffend -eine mit den Post- un d Te l e gr a p he n g e b üchr e n. zu erhebende außerordentliche Reich sab gäbe nach­stehender gemeinsamer Antrag zugegangen:

Im § 4.) (./Der Reichskanzler kann mit Zustimmung des Bun­desrates die Reichsabgabe ermäßigen oder ausheben") als zweiten Satz hinzuzufügen:Die Aufhebung der Reichscchgaben hat aber spätestens nach Ablauf des zweiten Rechrumgsjalires nach Friedensschluß zu erfolgen, wenn es der Reichstag verlangt."

DieZusaminenstellung der Reichsabgaben im Post- und Tele- graphenveckehr" erhält folgende Fassung:

Zuschlag von jeder Sendung für

1. Briefe, a) im Orts- und Nachbarortsverkehr 2 1 / 2 Pf. (Vor­lage : 2 Pf., erste Lesung: 3 Pf.), b) im sonstigen Verkehr 5 Pf. (5 bezw. 3 Pf.).

2. Postkarten 27* Pf. (2 bezw. 3 Pf.).

3. Drucksachen zuschlagfrei (Vorlage: bis 50 Gr. 1 Pf., erste Lesung: Drucksachen überhaupt 2 Pf.).

4. Pakete, I. bis zum Gewicht von 5 Klg., a) auf Entfernungen bis 25 Klm. einschl. 5 Pf. (5 bezw. 5 Pf.), b) auf alle werteren Entfernungeil 10 Pf. (10 Pf. bezw. 10 Pf.), II. bei einem Ge­wicht über 5 Klg. a) auf Entfernungen bis 75 Klm. einschl. 10 Pf. (10 bezw. 10 Pf.), b) auf alte weiteren Entfernungen: 20 Pf. (20 bezw. 20 Pf.).

. 5. Briefe mit Wertangabe a) aus Entfernungen bis 75 Klm. einschl. 5 Pf (5 Pf. bezw. zuschlagfrei), b) auf alle weiteren ^Ent- fernungen 10 Pf. (10 Pf. bezw. zuschlagfrei).

6. Postauftragsbriese 5 Pf. (5 Pf. bezw. zuschlagfrei).

7. Postanweisungen zuschlagfrei (Vorlage: 5 Pf. bis 20 Pf.; erste Lesung: zuschlagfrei).

8. Postscheckverkchr zuschlagfrei (5 Pfg. bezw. zuschlagfrei).

9. Telegramme 2 Pfg. von jedem Wort, mindestens 10 Pfg. von jedem Telegramm wie erste Lesung (Vorlage: Stadtverkehr 15 Pfg., sonstiger Verkehr 25 Pfg.).

10. Rohrpostbriefe und Rohrpostkarten 5 Pfg. von jeder Sen­dung (5 Psg. bezw. 5 Pfg.).

11. Anschlüsse an das Orts-, Vororts- oder BezirM-Fern-

Iprechnetz: 10 v. £). von jeder Pausch- oder Grundgebühr wie erste Lesung (Vorlage, 20 v. &.).

12. Ortsgespräche von Teilnehmeranschlüssen gegen Grund­gebühr: Gespräche im Bororts verkehr, im Bezirksverkehr und im Fernverkehr 10 v. £>. von der Gebühr für jedes Gespräch wie erste Lesung (Vvrlage 20 v. £>.).

13. Fernsprech-Nebenanschlüsse 10 v. H. von der Gebühr für reden Nebenanschluß wie erste Lesung (Vorlage 20 v. H.).

Für, dring ende Gespräche ist die Reick)sabgabe nur in Höhe der vlbgabe sür nicht dringende Gespräche zu erheben.

Bon der Reichsabgabe befreit werden Sendungen an Angehörige des Heeres und der Marine oder von solchen, wenn sie Porto- oder GekMhren Vergünstigung genießen: Auslandssendungen. soweit

Staatsvertrage nicht bestehen: Zeitungs- oder Zeitschriftenpakete, penn fte vom Verleger an andere Verleger oder an Personen ver­schickt rverden, die sich nicht gewerbsmäßig mit dem Vertrieb dieser Zeitungen und Zeitschriften befassen (die Post darf den Inhalt prüfen); endlich Presse-Telegramnre, das sind an Zeitungen, Zeit- fjWften oder Nachrichtenbureaus gerichtete Telegramme in offener' Sprache, ivenn ihr Inhalt aus polftischen, Handels- oder anderen Nachrichten von allgemeiner Bedeutung besteht, die zur Veröffent­lichung rn Zeitungen und Zeitschriften bestimmt sind.

Die Uebergangs vorschriften barten, daß bei Briefen, bte nach den bisherigen Vorschriften freigemacht sind, in den ersten beiden Monaten nach Inkrafttreten dieses Gesetzes nur die Reichs- abgabe. nicht aber der gesetzliche Zuschlag von 10 Pfg. nacherhoben wird und daß jeder Fernsprechteilnehmer in den ersten beiden Monaten nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes berechtigt ist. feinen Anschluß mit cininonatlicher Frist zu kündigen._

'iegzbriefe aus dem westen.

Telegramm unseres Kriegsberichterstatters. (Unberechtigter Nachdruck, mich auszugsweise, verboten.)

Dir Verbesserung unserer Front westlich der Maas.

Großes Hauptquartier, 19. Mn.

Eine wesentliche Verbesserung unserer Fvvitt auf dem westlichen Maasuser meldet der heutige Heeresbericht. Roch gestern wußten

Nrinst, wissenschast «nv Leben.

~ ?p?elbrücks. Der Rücktritt des Staatssekretärs Dr. Tel druck ruft dre ungent-em zahlreichen Delbrücks in der Erinnerung wach che rn Preußen auf so verschiedenen Gebieten zu An)eben und Bedeutung gelangten. Es ist ein tüchtiger Stamm Mcn Glieder !rch übexatt durch Umsicht und Energie auszeichneten Johann Friedrich Gottlieb Delbrück, den /Friedrich Wilhelm III. nn August 1800 zur Erziehung seiner beiden altejten Lwhne beriet, war diese Energie eigen, und er mußte sie em TTr besten Zögling, dem späteren König Friedrich Wilhelm IV. gegenüber anwenden, dessen beweglicher Geist und Witz auch den Erzieher Nicht verschonte. Königin Luise rühmte besonders dieses Delbrücks Einstuß auf den zweiten Zögling, den spateren Kaper Wilhelm I. Er starb 1830 im Alter von 62 Jahren als Suvermtendent in Zeitz. Sein Sohn war der preußische Staats­mann Martm Friedrich Rudolf Delbrück (18171905), die rechte -Hand Bismarcks. Besonders veroient machte er sich dadurch daß er während des Deutsch-Französischen Krieges die Verhandlungen E den chdderttschen Staaten leitete. Als später Bismarck vom Freihandel zum Schutzzoll abfchwenkte, nahm Delbrück seine Ent­lassung und ttat im Reichstag in die Opposition. Sein Reffe ist der berühmte Jenenser Sanskritist Berthold Delbrück, der dem pom- nierschen Zweige des Geschlechts anqehört, dem auch der Berliner Geschichtsforscher Prof. Tr. .Hans Delbrück zuzählt, der Heraus- geben derPreußffchen Jahrbücher", der übrigms auch als preu- ßpcher Prinzenerzieher feine Laufbahn begann. Der jung gestorbene Bruder umeres jetzigen Kaisers, Prinz Waldemar, war von 1874 bis zu des Prinzen Tode, 1879, seiu Zögling. Sein jüngerer Bruder ist der bedeutende Berliner Agrikulturchemiker Professor Mrx Delbrück. Auch ein anderer Delbrück des pommerschen Zweiges war ursprünglich Chemiker, Dr. Werner Delbrück, der Gründer mib Direktor der Aktiengesellschaft Seebad Herrngsdorf. der vor ein paar Jahren im besten Mannesalter bei einer Ballonfahrt töd­lich verunglückte. Aus älterer Zeit muß ein bedeutender Delbrncr erwähnt werden, der jüngere Bruder des erst^nannten Erziehers der preußischen Prinzen. Johann Friedrich Ferdinand Delbrück (17721848) war Lehrer am Grünen Kloster und spater Literatur- Professor in Königsberg und dann in Bonn. Ms Verfasser guter« Bolksickanspiele, Rvmane usw. hat sich auch noch ein anderer Delbrück bekannt gemacht, der Pfarrer Kurt Delbrück an der Schöneberger Apostcl-PauluS-Kirrlie. Daß auch auf kommerziel­lem Ge biete die Delbrücks sich hervorgetan, bleibe nicht unerwähnt; verschiedene Konnnerzrenrütc, Inhaber großer Bankhäusir in Berlin und Stettin waren, gehörten dieser tüchtigen preußischen! Familie an.

Sofia, 20. Mai. <WTB.) Die deutschen Musik feste in Sofia und Ko n stan t i n o pe l wurden gestern im Natto- naltfratci: vor übervollem Hause in Gegenwart der Königin, des Kronprin-en Md des Prin-en ZtyM eröffnet. In den Rängen I

faßen Kopf an Kopf bulgarische, deutsche und österreichische und un- aaril ck e Sol daten, wahrend die Studenten der Sofioter Universität das Parterre dichtgedrängt füllten. Die Mirrister, an ihrer Spitze Ministerpräsident Radoslawow, die Gesandten der verbündeten Erachte, die Militär- und Sanitätsmi« fronen, wohnten dem Konzert vollzählig bei. 'Das fürstlich Reußsche Hoforchester, das hinreißend spielte Md vor allem die Solistin Emmy Leisner und K<rrl Clewing von dem Königlichen Theater in Berlin, wurden mit Blumen und Beifall überschüttet. Emmy Leisner erweckte mit Brahm und Schubert tiefen, nachhaltigen Eindruck. Karl Clewing, ter gleich zu Anfang mit den schweren Rhythmen der Schillerfchen HuDigung der Künste" eine ergreifende weihevolle Stimmung «chnf, wurde nach seinen Volks- und Soldatenliedern wieder urrd wreder hervorgexubelt.

io /T Die AussteNung für Kriegsfürsorge Köln E gegenwärtig mit Eifer betriebene pnd ball) ft'ir die Eröffnung bereiteAusstellung für Kriegsfürsorge Köln 1916" soll nach einem Bericht der Deutschen Landwirtschaftlichen Presse erstmalig rms gemeinsame Wirken von Medizin, Technk und Volks­wirtschaft für die körperliche, seelische und auch soziale, möglichst vollwertige Wiederherstellung der Kriegsbeschädigten zeigen. Wäh­rend dre bisherigen Deilausstellungeri an verschiedenen Orten des Reiches nur einen verhältnismäßig begrenzteii Elirblick in Sonder­abteilungen auf diesem weiten Gebiete gestatteten, wird die Aus- jtellung in Köln alle in Betracht kvmmeriden Truppen, Bestrebun­gen und Errungenschaften nebeneinander und miteinander wirkend ^igen. Besonders wird auf zwei fast fertiggestellte Arten von Heil- und Ausbildungswerkstätten hingewiesen, die mrs verschiedene Weift der Verwirklichung desfeiben Zieles zustreben. Die eine Art von ^Werkstätten liegt im Bereich der Aerzte, deren Leitung sie fast vollständig untersteht. Hier sollen die Kriegsbeschädigten sich gleich­sam scheuend und pvobeweise wieder an prattische Arbeit gewöhnen und fte werden dabei ärztlichen Mesftmgen der Arbeitsleiftmrg wie i*3 Kraftaufwandes unterworfen, so daß die Fähigkeiten des Einzetnen vom rein inedizinischen Standpunkt eudgültig festge- stellt werden können. Die andere Art, nämlich die Ausbildkmqs- und Anlerrvungswerkftätten, läßt die ärztliche Beobachtung zurück- ttettn und dient zur möglichsten Wiederherstellung der Kvnknrrenz- ftchigkeit der Kriegsbeschädigten. Sie ist also bereits rein praktisck>- ttchnisch, m ihren Einzelheiten aber aus den in der erstgenannten Art von Werkstätten gesammelten Beobachtungen und Feststellun­gen aufgebaut.

i . -- Sporgel-Une7d"oten. M«an kann in dieser fteisch- loftn Zett von erneml neuen Siegeszug des Spargels spreck>eu. Zwar war me Gemeinde der Spargelver^er auch ftüher bereits so groß, daß sie eines Zuwachses kaum noch bedurfte, der Unterschied aber ijt, daß die notwendige Einschränkung des Fleifthgenusfts alle früher vielleicht noch! geltend gemachten Bedenken beiur Spar­gelkauf über^ den Hauseir wirft, uird daß Man den Spargel jetzt «azusageu nftt gutem Gewissen essen darf, auch wenn der Preis

msolge des Kätterückschlages nicht als durck-aus beftiedigend an- | gesehen werden kann. Wenn Man auch die Ansichten darüber, daß der Spargel em wohlschmeckendes Gericht ist, kaum ausemcnrder- gehen, so i)t Man. über den Nährwert dieses bevorzugten Giernüfts immer noch recht geteilter M-einung. Tire Behauptung, zu der sich em Lobredner des Spargels, J'ohn Evelyn, im vorigen Jahr- chmdert verstteg, daßnächst dem Fleisch nichts so rrahrhaft und krafttgend fti wre der Spargel", dürfte wohl in der rnrvderniM WMerftchaft recht energischem Widerspruch begegnen. Weniger leicht laßt ftch eme Anschauung widerlegen, die Charles Larnb in lvahr- haft ideallsttscher Spargellrebe in die Worte faßte:Der Spargel fit em Erzeuger Md Beförderer edler Gedanken." Warn auch diese Behauptung wÄrer bewiesen noch einfach abgeleugnet iverden kwtn, so spricht doch für sie die Tatsache, daß gerade unter den hervor- ragendsteii Männern bn Kunst und Wissenschaft verhältnismäßig vrele Spargelverehrer zu ftnden waren. So soll einmvl ent be- wnders poettsch veranlagter Fremrd dieses Genrüses, der als Naturwis ensckmftler wußte, daß der Spargel ziu dQi Lilien, irämlich M.«r Zatttmg der Liliaeecn, gehört imb sich hierdurch an die bleiche Alphodelos-Blume auf den Dotenfelderrr im klassischen ElyftuM erftmcrte, einmal begeistert ausgeruden haben:Gibt es wrchl eme schönere Vorstellung, als die, daß die Asphodelos-. ftlder m den Gefilden der Seligerr, in denen die lvunschloftn Schatten des Elysiums wandeln, Spargelbeete geweseir sein müs­sen?" Selbst der menschenfeindliche, erbitterte Jonathan Zwist wMte bei einer Spargelmahlzeit fröhlich werde,c, und er achitete sehr darauf, bei solchm Festessen nicht zu kurz zu kommen. So erzählt Verleger Zwlfts, George Faulkener, daß er bei eurem Spargel- mahl, «zu sdeni er von Zwist eingeladen worden war, sich zum zweiten Male von dem Gemüse nehmen wollte, ehe er noch seinen ersten Teller ganz geleert l-atte. Doch Zwist blickte ihn säst drohend an und wres ihar zUreckst mit den Worten: erst auf, bevor Du rmümstj" Und da Zwist wesentlich schneller den Spargel ver- trlchr als sein Gast, ntußte der letztere sich mit einer bedeutmM, kleineren Menge begnügen. Auch der ftmizösische Schriftstcklec Fonterrellc hegte für den Spargel eine geradezir clrenzeulose Ber- chrmrg. Im Gegensatz zu einem ihm beftemrdeten Mhe, der den Spargel nur mit Butter essen wollte, vertrat Fontenelle mit ernE Temperament, das crner wichtigeren Sache würdig ge­wesen wäre, die Ansicht, daß der Spargel nur in Oel zuberntüt lve^.emdürfte. Als Fwntenelle eines Tages, da er sich gerade eins Mvße Schussel Mit Spargel m Del bestellt hatte, den unerwarteten Besuch des Abbes empfmg. imchte er sich rvvhl oder Übel dareftt ftnden, bic VEe des Spargels in Biitter anrichteii zu lassen. Tvch während Mkde auf die Mahlzeit )varlalen. wurde der Mb6 rwm Schlage getroffen M-d starb mif der Stelle. Einen Angeiiblck lang stand Fontenelle erschiittert neben scmeni toterr Gast, dann al>er elUe er plötzlich zu dem Kochj, um ihm schoir von ferme zuzanTiisent Mach den ganzen Spargel mit Oel Ml, wie ich! zuerst befvhleul