RMgsbttefe am dem Osten.
l.'vNsereM.zLM Osthec-e entsandten Kriegsberichterstatter <vrckcrr>ch«st«r RachdruL auch «MäsrgÄvciZr, verbot«^
Der Sturmangriff am Narocz See.
Am. Narocz-See, den 2.Mai.
i Die Mächtige Braune Welle des russischen Jstfantetteaugriffes 'chen Narocz- und Wiscuiew-S-ee war abgeebbt. Die Fluten der waren zurückgelaufen, nur dichte Leichenreihen, Zeugen «einer vergeblichen Tapferkeit, lagen vor den deutschen Linien. Im Höhepunkt des russischen Angriffes war unsere Linie zurückgebogen «worden: Am 22. März drangen nach Bern stundenlangen Trommel- ren« der russischen schweren Artillerie dichte Kolonnen in unsere «teklungen auf dem Granathügel ein. Mit Handgranaten arbeiteten die Unseren vom Süden und Norden gegen die Einbruchsstelle, und im wütenden Kampfe, Mann gegen Mann, wurde noch einmal der beherrschende Hügel gesäubert. Wieder hämmerte die russische Ar- jttlUrrc. Das Hindernis war zerschossen: jede Stelle des rückwärts gen GsKmdes wurde bestreut. Es war einmal Tannenwald an den »äugen, er wurde zerschlagen, zersetzt, zerrissen, selbst die kahlen ^Stangen, die den Rest von Bäumen bezeichneten, ivarfen die Gra dmten durch einander, zerbrachen sie und hämmerten sie in den ■M&oben hinein. Am 24. März, nachdem die dichten Glieder der Acuffifchen Angrisfskolomren wieder und wieder zersichelt waren kamen die Russen in den Msitz der das Land weithin beherrschen- derr Huppe und'nmßien nun ihrerseits den Granathagel der deutschen -Artillerie ertragen. Der HügcL trug seinen Namen mit Recht, seine Braune Erde sieht ans wie die Haut eines Blatterkranken, so sich 9carbe an Narbe; der neue Granattrichter gräbt sich in Rand des alten. Am 26. März traten westpreußische Negi päm (ein Telegrammsehler machte aus meinem Telegramm dom ’« April „westfälische" daraus) zum Gegenstoße an. Der Granatwurde genommen. Die Kraft der Russen, die fast 2000 Geliehen, war zunächst erschöpft. Ein paar anschließende Ar eriebeobachtungsstellen blieben noch in ihrer Hand hier und wei- nöiHAch, dicht am Narocz-See, wo sie sich bei Blisniki vorge- tgfc&K.
I Die Schneeschmelze begann. Die russische Offensive in ihrer jß&tgtn Ausdehnung war in „Blut und Sumpf" erstickt.
Nur gegen das Zentrum ,dieser deutschen Stellungen — südlich bes Narocz-Sees bis zum Ladischki- urtd Ostupi-Bruch — gegen dieFrüemel-Höhe, setzten die Russen am 6. April raxB einmal einen heftigen Angriff in dichten Gliedern an. Was bei dem Sturm tat? den Granathügel nicht gelungen war, sollte hier versucht werden, von der beherrschenden Höhe die Stellungen südlich und Nördlich zu flankieren, der Artillerie Einsicht in das ganze Gelände jweLt über Mokryza hinaus zu verschaffen. Tie sanft ansteigende Auppe ist ebenso von den Granaten zerbissen wie der südlichere kHügel. Wer das Land vor dem März gesehen hat und es nun. -viE-eebKckt, kann sich kaum mehr zurech tsinden, so gleichmäßig Hat die eiserne Walze alles geebnet und niedergelegt. Ein junger ^Artillerist sagte, daß er seine eigenen Stellungen nicht mehr erkannt Wabe, als er nach vier Wochen wiederkam. Wer im Westen auf Voretto gewesen, dachte an die Granathölle zurück, fand keinen Mrtsffchied mehr aus Erinnerung und Gegenwart. Tie Russen fcmr.Ktfu dst, drangen über die dichten Haufen der eigenen Toten Lrr die Stellung. Ter Unterstand des Bataillons st ab es war von fbtn schweren 18-Zentirneter-Granaten verschüttet worden. Unten äst 3 Meter Tiefe saß der Stab. Tie Russen fanden den Eingang stricht, hatten auch kaum' Zeit, viel zu suchen. Eine halbe Stunde
r ix fegte sie der deutsche Gegenstoß von der Höhe zurück in Vernichtung des Sperrfeuers, das die Friemelhöhe wie mit ^Granatttorhängen abschloß. Aus dem Schacht grub man die Le- fftdtcn llameroden: „Sonne, wie bist du uns gut!"
Das Wasser stieg. Frühlings sonne. Die Wege wurden zu Morästen. Frühlingssonne. Langsam' hörte die Wegelosigkeit aus.
Die Lage war nun gegen Ende des Monats April so, daß die Müssen den kleinen, schmalen Geländegewinn, den sie als einzigen Erfolg eines gewaltigen Einsatzes von Menschen und Munition als «nzige Frucht für ungeheure blutige Verluste aufzeigen konnten, daß sie dies gewonnene Gelände, in dem vormals unsere Artillerie- beobachtung vor allem sich eingenistet hatte, mit schnellen Mitteln ausb.tuten. Sie schufen Sandsackstellungen von ziemlicher Stärke sie legten spanische Reiter und Drahthindernisse, die schnell und fcidjt aus eisernen Trägern in den Boden geschraubt werden konnten >Ber dem zunehmenden Aus trocknen der sumpfigen Stellen bei Dem Zuruckbiegen unserer Stellungen am Ladischki-Bruch, kon üe chas nicht gerade als gut empfunden werden. Der Gegenstoß wurde tvowerertet.
' Die Arttllerie schoß sich ein. Munition wurde in riesigen Mengen berertgestellt. Tie Hellen, sonnigen Frühlingstage waren Der Arttllerie günstig. Man braucht« sich m-it dem! Einschüßen md)t zu uBereilen. Am! 28. April war man bereit zum Sturm
Es ist in diesen Tagen schon um 3 Uhr morgens hell. Die Artillerie tastete an, begann bald das Wirkungsschießen, verlegte das Feuer von der vorderen in die Hinteren rusftschen Linien. Diq Russen verstärkten die erste Linie, warfen neue Truppen in den Kampfraum. Unsere Artillerie arbeitete wie ein« höllische Maschine. Sobald die Gräben besetzt waren, begann um 9,30 Uhr das Trommelfeuer. Mehr als 40 Granaten durchheulten in jeder Sekunde die Luft auf die Linien von etwa 5 Kilometer Länge. Der russische Bericht mag wohl mit Recht von dem „Orkan des deutschen Artilleriefeuers" sprechen. Um 10 Uhr sprang die Infanterie ans der ganzen Linie zum Sturmangriff auf. Vier Minuten nach 10 Uhr kamen die Meldungen, daß die ersten russischen Vorstellungen genommen seien. An vielen Stellen! wurden die russischen Linien einfach hintereinander überrannt. Tie von der Arttllerie Verschonten hoben die Hände hoch, unsere Sturmlinie ging durch die Reihe durch, und hinter dem genommenen Graben sammelten sich die Gefangenen zu Trupps, die immer mehr anschwollen.
An Stellen wurde wütend gekämpft. Südlich der Friemelhöhe arbeitete ein russisches Maschinengewehr, das die Kanonade überstanden hatte. Ein.Leutnant sprang darauf zu, erhiell elf Schüsse, bekam das Gewehr und sank erst dann vor Schwäche überwältigt zusammen.
Dicht am Narocz-See, bei Gut Augustow, schlich sich eine Abteilung in dem Gestrüpp am Soeufer während unseres Sturmschießens in die Flanke der Russen, die natürlich unter dem Granathagel keine Beobachtung hatten. Als der Sturm begann, sahen sich die Ruffert sofort von der Seite angegriffen und hoben sofort die Hände.
_ Vier ruffische Stellungen wurden so hintereinander durchstoßen. Schon um 10 Uhr 35 war jedes von uns im März aufgegebene Stückchen Gelände wieder in unserem Besitz, und um 10 Uhr 50 war die frühere russische Hauptlinie erstürmt. Die Truppen waren kaum zu halten. Badener, Westpreußen, Pommern, Thüringer ivetteiferten im Vorwärtskonttnen. „'s Wtte noch gute Weile so weitergehen dürfen," sagte mir ein Jäger. „Wir waren so gut im Zuge."
Sie waren gut int Zuge. Hinter der russischen Stellung, südöstlich der Friemelhöhe, liegt der Hügel 200,9, auf dem sich die russische Artilleriebeobachlung ^eingebaut hatte. Im wütenden Bajonettangriff wurde die Höhe gestürmt. Um 7 Uhr abends war den Russen mtdji dieser beherrschende Punkt entrissen. Ueber Sanarot- schia. hinaus stieß die Truppe selbständig vor, man hatte Mühe, sie den festgesetzten Rahmen des Unternehmens nicht allzusehr überschreiten zu lassen.
Hinter der Höhe 200,9 standen die russischen Batterien. Als am Abend die Linie zum Festsetzen kam, standen 10 russische Geschütze 200 Meter vor unseren Linien. Sie waren über die Achsen im Kot feftgefnnken, es gelang noch am selben Abend, ein Geschütz zurückzubringen. Tann, gegen 2 Uhr nachts, setzte der russische Gegenangriff vom Dorf Stachowsy ans gegen 200,9 und Sanarocza ein. Tie Arttllerie schlug furchtbare Verluste in die Stürmenden — eine grauenhafte Vorstellung solcher russischen SturmVerluste bekam ich gesterti lauf dem Gelände vor der Friemelhöhe, das tatsächlich mit russischen Leichen so dicht besät ist, daß alle paar Meter sich die Reste menschlicher Körper zu Knäueln hänfen —, die Maschinengewehre und das Jnfanteriefeuer tat den Rest. Ter Angriff brach zusammen, ein zweiter Angriff bei auf- kommender Helligkeit mit Artillerieunterstützung kam in dem Sperrfeuer unserer Batterien gar nicht mehr zur Entwickelung. Das V. russische Korps war zum zweitenmal zermürbt, zerschlagen, für längere Zeit erledigt. Zwei russische Regimenter wurden vollständig aufgerieben oder gefangen; unter den gefangenen Stabsoffizieren befanden sich zwei Regimentskommandeure. Nach allem, waS ich sah, müssen dabei die blutigen russischen Verluste noch sehr viel stärker als die an Gefangenen gewesen sein.
Nach diesem nächtlichen Versuch, die verlorene Stellung wiederzugewinnen, begnügte sich der erschöpfte und geschlagene Feind mit Arttllerieeinwirkung, blieb so zerbrochen, daß er unsere schneidige Unternehmung der nächsten Nacht weder ernstlich hindern konnte oder wollte. Bon den tioch zwischen den Linien stehenden neust Geschützen holten wir vier in unsere Stellung, machten die andern unbrauchbar. Es ist keine leichte Arbeit für die Thüringer gewesen, die vier Geschütze durch den schweren Boden zurückzuschleifen, aber es gelang vollständig. So blieben als Siegesbeute des Frühljngs- 'turms: 5683 Gefangene, 5 Geschütze, 29 Maschinengewehre,
10 Minenwerfer und ein sehr reichliches Material, das überall chon sorgfältig gesammelt wird.
Das Ziel der russischen Märzoffensive war Wilna. Die alte Geschichte. Das Ziel wurde erreicht. Nur aus Sturmwellen wurde acht fließendes Wasser. Der braune Strom der russischen Gefangenen strömte durch die Straßen der Hauptstadt Litauens. Das deutsche Ende eines russischen groß angelegten Planes!
Rolf' Brandt, Kriegsberichterstatter
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Ernst v. pojfart als Linjährig-Sreiwilliger.
(Zirm 75. Geburtstag des Künstlers, am 11. Mai.)
I , Das beredteste Zeugnis gegen die Behauptung unserer Gegner, TOS der Dienstzwang in Deutschland die freie Entwicklung der ruugcn Leute hemme und. die Persönlichkeit abtöte oder zumindest stark hevabdrücke, bildet die Tatsache, daß auch die am meisten auf freie Entfalttmg angewiesenen Persönlichkeiten, die Künstler, sich stets gerne ihrer Dienstzeit erinnern und in ihr eine für die Ent- wickk >ng des Körpers und der Selbstdisziplin notwendige und höchst erspricM.che Epoche erblicken. Auch Ernst von Possart, 'der nunmehr 75 jährige, der unter den noch lebenden Bühnengrößen Deutschlands sicher als einer der Phantasie- und abenteuerreichsten bezeichnet zu werden verdient, empfand, wie.er selbst in seinen Lcbens- «nnnerungen „Erstrebtes und Erlebtes" (Verlag Mittler und Sohn) Lerichtet, trotz seines künstlerisch vorwärtsstürmenden Temperaments bic Zeit, in der er die Uniform trug, durchaus nicht als hindernd toter auch nur überflüssig. Gerade heute, da das Militär ( im Vordergrund des Interesses steht, ist es nicht bedeutungslos, zu Dören, wie der Künstler.Possart über seine Dienstzeit urteilt. Als 'der junge Possart nach Beendigung seiner Studien *tm Berliner Friedrich-Gymnasium durch seine Lehrzeit bei
Hof schau spieler Wilhelm Kaiser seine Berufswahl bereits entschieden lMtte, zog er trotz aller ihn zur Bühne hinziehenocn Un- «ed-uld gerne den Waffenrvck an, um sein Freiwilligenjahr abzu- Mcnen. Ms Neunzehnjähriger meldete er sich im Jahre 1860 beim 'S. Garve-Regiment, wo er, wegen seiner guten Turnausbiloung
rn das Füsilier-Bataillon eingestellt wurde. „Ich wurde", schreibt »er selbst, „der 10. Kompagnie eingereiht. Prinz August von Württemberg, an Körpermaß der größte Mann der preußischen
Älrmce, kommandierte zu jener Zeit das Gardekorps, und unsere Division unterstand dem Befehl des Kronprinzen, des späteren /Kaffer Friedrich!, der sehr oft den Uebungen des Regiments bei- ,wohnte. Meine Geschicklichkeit im Turnen ließ mich bald zum Mit- sgkicd der Unterofsizier-Turn-Kompagnie vvrrücken. Eines Tages besichtigte der Divisionär auch diese. Ich überholte meine Vorleute. „BravwFreiwilliger," rief der Kronprinz. Damals hörte ich zum ersten Male den Ton dieser unvergeßlichen Stimme: es war der <erste Beifall aus königlichen Munde, der mir zuteil wurde." Den -Efttdruck, den Possart aus seiner Dienstzeit erhielt, und die vorzüg- twfyen Eigenschaften, die er in ihr erblickte, schildert er mit beredteil, -lfffenElich dankersüllten Worten. „Mit Dank und Freude er- •irrmve ich mich jener ersprießlichen, Kraft und Sinne stählenden Ze,t: es war ein gewinnbringendes, für meine körperliche wie 'seelische Entwicllung gleich gedeihliches Jahr. Tie Offiziere voller Cknxi ■’rtitffeit und Wohlwollen, die fubalteruen Vorgesetzten cin- !sichtSvoll, und das Verhältnis der .Korporalschaftcn untereinander «in ei*qniäe*fr waffenbrüderliches. Es stählten sich in jenen unver- geUichen Tagen nicht nur meine Leibeskrast und die körperliche ' heit, ein größerer Gewinn erblühte mir aus den Zucht- v-Z Triften der 10. Kompagnie: ich lernte Unterordnung, blinden G ' sam und eine schweigende Demut, drc späterhin iit Stunden • Unzufriedenheit, wo das Schicksal verschleiert an meine
Tür pochte, mir zum Heile gereicht hat." Noch heute spricht Possart gerne und mit Stolz davon, daß er das Examen mit der yiote „vorzüglich" bestand, worauf ihm am Ende des Dienstjahres die goldenen Tressen angeheftet wurden. Im übrigen fand Possart trotz des strengen und den größteri Teil des Tages ausfüllendeti Dienstes Zeit genug, auch damals an seiner Fortbildung in der von ihm' erkorenen K'unst z'u arbeiten. Und sein Freiwilligenjahr war auch« insofern für ihn von besonderer Bedeutung, als der Zufall es wollte, daß er gerade zu jener Zeit seine erste Rolle auf einer Bühne spielte. „Lluch meinem zukünfttgen Berufe,^ so erzählte er, „sollte dieses Dienstjahr wesentliche Förderung bringen. Das Liebhabertheater „Urania" öffnete mir seine Pforten, jene altbewährte Tilettanten- bühne, auf der so viele Unserer spät?er berühmt gewordenen Mimen die ersten Schritte getan. Mein Meister — Wilhelm Kaiser gab mir empfehlende Zeilen .an den dort herrschenden Ooerregisseur Böttcher mit, und in einer Aufführung der Lessingschen „Minna von Barnhelm" wollte dieser umsichtige 9Naun mit mir den ersten theatralischen Versuch wagen: er vertrante mir die kleine, doch wicktige Rolle des Grafen von Bruchsal an." Poffart hatte gleich mit dieser Antrittsrolle viel Erfolg und. Wurde für seine erste Leistung dadurch! belohnt, daß er gleich darcrüs eine tragende Rolle in dem damals belichten Töpferschen Lustspiel „Der beste Ton" erhielt. So legte er in seinem Freiwilligenjahr auch! den Grundstein zu seiner BühnenlMifbahn, die alle seine hochgespannten Wimsche auch wirklich erfüllt hat.
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— England, der Friedensengek. Eine holländische Zeitung brachte vor nicht langer Zeit einen ausführlichen Bettcht über einen Vortrag, den einer der „begabtesten und vorzüglichsten" englischen Journalisten, I. L. Garvin, der Haupt sch riftleiter des „Observer", vor dem National Liberal Club in London „unter großem Beifall gehalten hatte. In diesem Bortrag wurde England als die große Friedensmacht der Welt gefeiert und, versteht sich, zu Deuttchland, dem Lande des Militarisums, in vorteilhaften Gegensatz gebracht. Unter anderem sprach der Redner das große Wort: „Großbriwnnien muß Deuttchland cinfehen lehren, daß Kriegführen in Wahrheit keftren Vorteil bringen kann". Zu diesem Wort gilt eine holländische Wochenschrift, die die Wahrheit nicht in polittschen Schlagwörterbüchern, sondern in den Tatsachen der ttleschichte sucht, einen g raus an i nüchternen Kommentar. Was den Krieg als ,/unrentables Geschäft" anlange, so könne England allerdings aus gründlick>er Erfahrung reden. Denn dieses Land des Friedens habe in den letzten 76 Jahren nicht weniger als 41 Kriege und militärische Expeditionen uuternoinnren. Mit welchen geschäftlichen Erfolgen, könne die folgende Liste dieser Untermeh- nmngeit erzählen:
Kriegsunternehinnng gegen Rußland 1854:
„ „ Afghanistan 1838. 1840, 1878;
„ „ China 1841. 1848, 1856, 1860;
„ •„ die Sikhs 1845,1848:
„ „ die Kasfern 1845, 1851, 1877;
„ „ Birma 1850, 1852, 1885;
Ariegsbriese aus dem Osten.
Von unserem zum Ostheer entt'andten Kriegsberichterstatter.
lUnberechttgter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Zn der Seenenge.
Am Narocz-See, Anfang Mai.
Sobald das Heulen und der dumpfe Aufschlagton der Granaten aussetzt, hört man deutlich das jauchzende Tirilieren von Hunderten lwn Lerchen, die sich über die frühlingsgrünen Fellner in den zärtlichen weiß-blauen Himmel emporschrailben. Der Russe streut das ihm eben entrissene Gelände in kurzen Pausen ab, die Stellung, die am 27. April noch seine Haupttinie bedeutet«, liegt unter diesem unregelmäßigen Bennruhigungsfeicer, das sich gelegentlich auch auf das Hinterland ausdehnt.
Werm man aus den Waldstücken herauskommt, kann man nach links von den Höhen die weite Fläche des Narvcz-Sees cmfleuchten sehen. Von einem harten Grau-Blau bis zu einem ganz tickffen leuchtenden blauen Don, der wie die Seen unten im Süden glänzt, habe ich den Spiegel sich verändern sehen. Immer aber beherrscht das Seenauge die Landschaft, die voll ist von einer ttesen und lieblichen Schönheit. Tannenwälder grünen an teu leicht geschwungenen Hügellehnen, Felder, sprießende Felder, ziehen sich dazwischen hin. Die Seen glänzen. Es ist Frühling, ein heißer Frühling, so daß mau bei uns zu Hause meinen würde, es lutiijjte bald in den Sommer gehen.
Näher zur Front sieht man, wie der Krieg das Bild dieser Laicdschaft zerrissen hat, wie nur noch rührende Reste an Gewesenes erinnern.
Der Wald ist gelichtet. Jeder Stamm, der nicht eben zur Deckung gegen Flieger oder Artilleriebeobachttmg nöttg ist, mußte der Säge und dem Beil verfallen. Zuviel Holz fraß der Bau der Stellungen, der Ban der Knüppeldämme, fraßen die Sägegatter- die Bretter und Holzwolle lieferten.
Dann steigen die leichten Höhen stärker aus deM Waldland. Vöan nähert sich Makryza. Es soll einmal ein Gut gewesen sein. Es soll Stuben, Möbel, Ställe, Vieh, Scheunen gegeben haben. Jetzt lteht als ettlziges Zeichen noch der Rest der Bremrevei und ein paar schwarze Mauerreste. Eine BirVenallee schwenkt ihr« hellgrünen Zweige in dem leichten Wind, aber jeder zweite Stamm ist niedergelegt, um der Artillerie den Durchschuß zu sichern, und die noch itehenden bluten. Der dünne gelbe Birkensaft perlt in gleichmäßigen Tropfen aus den großen Narben, die die Granaten gerissen haben. Die ganze Allee tropft dies Helle, gelb« Birken- blut, weißer Schaum steht unter den Stämmen.
Httrter den Bäumen, von denen einer halb eingedrungen im starken, weißen Stamme einen russischen Blindgänger trägt, liegt ein Soldatenftiedhof. Hier liegen die, die den Granathügel gehalten und wieder gestürmt haben, hier begraben eben die J'äger ibre Toten vom letzten Sturm auf die russischen Grüben. Zimmern vie weißen, Wien Birkenkreuze und pflanzen ein paar von den Leb erb tu me u, die den Waldboden Werall blau au fschi miniem lassen. Langsam geht sich der Weg zum Granathügel. J-e mehr man sich dem Gipfel nähert, uniso zerwühlter und zerbissener ist das Erdreich. Man durchschreitet tee deuffchen Stnrmstellniigcn, und dann kommt man in die russischen Sandsackstelttrngan, die aus unseren umgekehrten, ehemaligen Vorstellungen bestehen. Die ehemaligen deutschen Ar titleri cheobachtu n gsuuterstände liegen diesseits der mssi- schen Linie. Hier ist 6 Stunden lang der Granathagel niedergegangen. Grabenteile sind leingeebnet, Hindernisse in den Boden geschlagen. Vian kann in jeder «Einzelheit studieren, was es bedeutet, rvenn die deutsche Artillerie eine Stellung fturmmf geschossen hat- Wir gehen durch die AnTräherUtigsgräben in das Gelände, das neu «robert ist. Die Trümmer vom VoriverkStachvwtt) liegen vors wärts zur Linken. Die gelblichen Erdfontänen des Granataufschla- ges schießen überall ans dem Boden, die deutsche Arttllerie antwortet. Es ist so, als ob sich der StnriU der Arttllerie nach, dem großen Tage noch nicht recht beruhigen kann, immer noch scUagen die Wellen des Artilleriekampfes.
Südlicher von .Vorwerk Mokryza aus kommt m«an zur Friemelhöhe, die nur einmal auf eiue halbe Stunde, am 6. April, in den Händen der Russen ivar. An dein Tage, da russischer Massensturm die Hohe um jeden Preis nehyren mollte. Dicht unter der Höhe liegt «in sumpfiger Bruch, der die frontale Amräherung nicht gestattet. Man muß von Süden und Norden durch mit Erlengebüsch bestandrnes Wiesenland den Raum dicht vor der Höhe gewinnen und kann sich hier zum Sturm sammeln. Auf dieses schmale Stück Land dicht am Fuße der Höhe ist im März und am 6. April tels« deutsche Sperrfeuer niedergegangen. Der Wleg von Mokryza bis zur iFriemekhöhe ist ein Weg, der durch Vernichtung führt, hier am Fuß« das Hügels war die Hölle und ist das Grauen'. Auf der blumenbesäten IFrüHlingserde liegt jedes Enffe^en des Krieges. Hunderte — wer will zählen? — von schwarzen Russenleichen, oft wie zu Hügeln getürmt, lvenn die letzte Not die Sterbenden zu- sammenkriechen ließ, menschliche Glieder, arme mdnschlichc Reste zeugen da für den furchtbaren ruffischen Einsatz. Wer einmal diesen Bruch vor der sFriemelhöhe gesehen hat, weiß, was das kurze Wort wiegt: „.brach blutig in unserem Feuer zusamnten."
Kriegsunterttehinnng gegen Gnglisch-Jndien 1857, 1860, 1863,
1864,1868,1869,1890,1895,1897; „ „ die Ashantis 1864, 1873, 1896;
„ 7, Messynien 1867;
„ Persien 1852;
„ die Zulits 1878;
„ >, die Basutos 1879;
„ >, Aegypten 1852;
„ >, Sudan 1894, 1896, 1899;
„ Sansibar 1890;
„ die Malabelen 1894';
„ /, Südafrika 1881, 1899;
„ I * * 4 7, Deuttchland 1914.
Wir geben unseren Feinden das sicherlich nicht schwere Rechen- exempel auf, die Zahl der von dem „militaristischen" DeuttckLand int gleichen Zeiträume unternommenen Kriegsimternehmungen hiergegen zu stellen — von den Veranlassungen und den Zielen dieser den sichen und englischen Kriege zu schweigen! Man wird danach vermutlich auch exakt mathematisch scststellen köimen, ton „bet Freund der Schwachen Und der Beschützer der Neincn Völker" gewesen ist.
— Das Ende der englischen Stahlfeder in Frankreich. Jüngst hieß es in der ftanzöftschen Presse, es stäirde für Franftleich eine StaUfedenrot bevor, weil Birmingham die Stahlfedererzeuguitg Und die Äusftlhr nach« Frankreich eingestellt hätte, ia, die Schwarzseher behaupteten schon, man müsse wieder zum Gänsekiel greifen. Mit einer gewissen, nur zu gut verständ- licken Befriedigung stellt demgegenüber der „Tomps" nach den Angaben eines Fachmannes fest, daß zwar keine englischen Stahlfedern mehr nach! Frankreich kommen, daß aber trotzdem kein Ausgehen der Stahlfedern in Frankreich zu befürchten sei, weil dank der durch den Krieg geschaffene Lag« Frankreich seine Stayl- federnerzeugmig erheblich ^steigert hat. In Frankreich hat man erst 16 Jahre später als in Engtmrd mit der Stahlfedererzeugung begonnen, und die französische Jstdnsttic hat in dieser Hinsicht die englische nie einholen kömieu: noch heute ist sie von England abhängig, denn Shefsield liefert ihr den besonderen Stahl, aus dem die Federn hergestellt werdm. Im ganzen erzeugten vor dem Kriege drei französische Betriebe Stahlfedern: in den ersten Monaten ging d>as Geschäft sehr zurück, tveil es an Arbeitern fehlte, neuerdings aber ist ein großer llnifchwung eingetreten. Der Wettbewerb der englischen Fabriken in Birmingham ist nicht mehr vorhanden, denn die englischen Fabriken erzeugen an Stelle von Stahlfedern nur noch- Geschosse Und Geschütze. Von den drei französischen Fabriken hat eine ^ebenfalls umgesattelt lmd stellt jetzt statt der Fedlern Bleistifte her (iveil der französische Markt jetzt vom deutschen Bleistift „befreit" ist) die beiden arideren aber haben soviel Arbeit, wie sie nur wünschen können, und es fehlt ihnen weder an Arbeitskräften noch! an Stahl aus Sheffield. Ter Fachmann spricht sogar die Hoffnung aus, daß man in Frankreich in absehbarer Zeit an eine Ausfuhr von Stahlfedern denken könnte, sodatz die Lage gegenüber btm befreundeten England vollkommen umgekehrt wäre.


