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05/05/1916 Zweites Blatt
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Nr. 105

Äoertrs Blatt

Lrschemt O-Üch mit 3hc5tta$tn« deS SmmtsgS.

DirEichener Famittendlätter" werden dem

^Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das Lreisdlatt für den Breis Sietzev" zweimal wöcheirttich. Die .^and»trtfchastlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

£

Ivv. Jahrgang

General-Anzeiger für Gderheffen

Stettag, 5. Mi IM

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckereu N. Lange, Gießen.

Schristleitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle u. Verla g:^-?A51, Schrift» leitung: ^^D112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.

haAsbefitzer- und Wohnungr-Not.

Gießen, den 5. Mai 1916.

(Schluß.)

Anhang.

Wenn ich! >es unternehme, an dieser Stelle auch ein rein rechnerisches Bild zu geben, so wolle man dabei beachten, daß die natürlichsten Rücksichten eine Zusammenstellung gebieten, die es nnnuiglich macht, aus bestimmte Personen und Hausbesitzer zu schließen. Ich habe daher in den nachstehenden rechnerischen Bei­spielen je eine große Anzahl von Hauscmwesen ganz verschiedener Besitzer zusammengesaßt, mich aber bemüht, jede Kategorie von Anwesen idarin vertreten zu haben: Wohnungen für lleine Leute, für wohlhabende Personen, Geschäftshäuser, Bureauräume usw. Die zug-runde liegenden Zahlen sind gut kontrolliert. Selbstver­ständlich verschwinden in einer solchen Zusammenfassung gewisse Einzelerscheinungen. Eine private Arbeit muß daraus verzichten. Es wäre nur einer amtlichen Arbeit möglich, tit einer Fülle von Einzelbeispielen Näheres zu zeigen. Diese könnte dann auch zeigen, was für bestimmte Mietpreise gerechterweise geboten werden kann, nach» Lage, Raum, Ausstattung usw. Private Ausmachungen kön­nen das nicht ersetzen.

A. Mein erstes Beispiel umfaßt 16 verschiedene Anwesen ver­schiedenster Art und ergibt folgende Berechnung:

I. Tie derzeitige ortsgerichtliche Taxe für

alle diese Anwesen zusammen beträgt 1 186 500 Mark.

II. An Mieten werden derzeit von den Be­

sitzern, falls kein Ausfall dabei eintritt, insge­samt erhoben, also Mietsoll 62464

einschließlich Wassergeldern und sonstigen Nebenleistnngen.

Tie Mietroheinnahme beträgt also nur etwa 5,27 Prozent des Taxwertes.

III. Ansgabenberechnung:

A. Kapitalverzinsung:

1. I. Hypothek mit 60% = 711900 Mk. zu 41 / 2 %

2. II. Hypothek mit 30% 355950 Mk. zu 5%

3. Eigengeld mit 10% 118 650 Mk. zu 60/0

B. Abschreibung hier mit durchschnitt­lich 3 / 8 % =

C. Unterhaltung hier mit durchschnitt­lich 5 /s% =

D. Verwaltung hier mit durchschnitt­lich 4 /l5% =

E. Mietausfall hier mit durchschnitt­lich V 5 O /0 =

F. Abgaben: Hier setze ich die wirklichen Zahlen ein, die jetzt zu entrichten sind:

1 . Wa s se rg el d

2. Kanalgebühren

3. Grundstenern

4. Versicherungen

5. Schornsteinfeger

32 035,50 Mk.

17 797,50

,/

7 119,

4 449,38

//

7 415,62

3 164,

n

2 373,

"

1 273,25

1 739,02

2 857,86

,

864,50

213,

zusammen 81 301,63 Mk.

NB. Die Abgaben für sich betragen zusammen 6947,63 Mark, also ettvas mehr als */»% der Werttaxe.

Ergebnis: Tie derzeit erzielte Miete bringt (ohne Ausfall gerechnet) 62 464 Mark, = 5,27% des Taxwertes, während eingehen müßten 81301,63 Mark = 6,85%.

B. Mein zweites Beispiel umfaßt eine über doppelt so große Anzahl von Häusern m nur etwas höherem Gesamttaxwert als im ersten Beispiel, lauter Mietwohnungen, in den verschie­densten Gegenden der Stadt, in verschiedenster Art, für ganz lleine Verhältnisse, für untere, mittlere und höhere Beamten und Ge­werbetreibende, aber keine Geschäftshäuser.

I. Gesamttaxe 1 196 800, Mk.

II. Sollmiete derzeit 68666,

also etwa 5,74 0 / 0 .

III. A u s g a b e n r c ch nung:

A. Kapitalverzinsung:

1. 60% 1. Hypothek = 719 080 Mark

zu 41/2 0/0 ---- 32 358,60

2. 30% 2. Hypothek = 359 540 Mark

zu 5o/o 17 977,

3. 10% Eigengeld = 119 680 Mk. zu 6%

7 190,80

B. Abschreibung 3 / 8 % =

4 538,

C. Unterhaltung Vs% =

7 430,

D. Verwaltung 4 15 <0 /o =

3191,45

E. Mietaussall V 5 % =

F. Abgaben: 1 * «

2 393,60

1. Wassergeld

1 815,

2. Kanalgebühren

2 229,

3. Grundsteuern

2 969

4. Versichernngsgelder

948,

5. Schornsteinsegcrgelder

316,

Mk.

Summa .83 356,45 Mk.

NB. Die Abgaben betragen für sich zusammen 8277, Mk., also fehlen fast 7 /io% der Werttaxe.

>Ergebnis : Die derzeit erzielte Miete bringt (ohne 9t u s - fall gerechnet) 68 666 Mk. 5,74 % des Taxwertes, während eingehen mußten 83 356,45 = 6,965 %.

Beide Beispiele ergeben also, daß die derzeit erzielten Mieten um l hi bis IV 2 0/0 des Taxwertes hinter dein Betrag Zurückbleiben, den diese Anwesen erbringen mußten. Daß die in vorstehendem be­rechneten Zahlen ziemlich das Richtige tteffcn, beweist dar Umstand, daß in der Tat in beiden Beispielen auch in Wirklichkeit im Ge­samtergebnis für die Besitzer im Laufe der letzten Jahre ein Aus- f a l l eingetreien ist, der annähernd dieser Differenz entspricht. Im ersten Beispiel bleibt er etwas hinter dem Betrage zurück, im zweiten übersteigt er ihn sogar noch um einiges.

Selbstredend bedürfen beide Beispiele noch der Korrektur durch nähere Nachrechnung und Zusammenstellung zahlreicher anderer An­wesen, insbesondere durch eine amtli ch e Erhebung. Aber auch Hausbesitzer und Mieter sollten sich der Mühe unterziehen, ein­mal ihre besonderen Verhältnisse einer Nachrechnung an .Hand der vorstehenden Erwägungen zu unterziehen. Insbesondere wäre es erwünscht, wenn sich Fachleute aus dem Baufach (Architekten und Bauunternehmer) einmal zu den hier angesetzten Zahlen äußern würden.

Es ist kürzlich im Preußischen Herrenhause dem Hausbesitz der Vorwurf gemacht worden, er schreie über die Lasten der Zeit, wäh­rend der Mieter sie still zu tragen wisse. Dieser Vorwurf geht fehl: Vermieter und Mieter haben das gemeinsame Interesse, daß. die höheren Zinssätze erstklassiger Staatspapiere und Jndustriewerte den Hypothekcnzins nicht verteuern. Denn entweder muß der Mieter diese Verteuerung letzten Endes ttagen oder der Hausbesitz gehl zugrunde. Ten Vorteil hat nur das Kapital, also letzten Endes der Kapitalismus, die Wurzel aller Spekulation.

Aur dem Reiche.

Fürsorge für Konfektionsarbeiter usw.

Berlin, 4. Mai. 'WTB.) Der Mangel an Rohstoffen für unsere Textilindustrie und die militärischen Beschlrgnahinema ß- nahmen haben für die beteiligten Gewerbebetriebe, insbesondere für die Konfektion, schwere, aber opferwillig getragene Beein- ttächtignngen zur Folge gehabt. In steigendenc Maße werden, namentlich, in den größeren Städten, in denen sich Massenkonfek- tionsbetriebe befinden, Angestellte und Arbeiter beschäftigungslos werden.^ Schon in der Januartagung des Reichstags war in Aus­sicht gestellt worden, daß sich das Reich der betroffenen Angestellten und Arbeiter ,annehmen werde. Vorbehaltlich! weiterer Maß­nahmen, über die die Erwägungen zurzeit noch schweben, 'Mt der Duudesrat durch eine Verordnung vom 13. April bestimmt, daß die nach dem Bundesratsbeschluß von: 18. November 1915 für die Angestellten und Arbeiter der Textilindustrie bereitgestellte Bei­hilfe auch« Angestellten und Arbeitern der verarbeitenden Gewerbe zugute kommen |imb zu diesem Zweck den Gemeinden und Ge­meindeverbänden zugänglich gemacht werden soll. Neu ausgenom­men unter jene Bestimmungen sind darnach die Herstellung von Filz, soweit sie nicket zur Textilindustrie gehört, mrd - diejenigen) Betriebe, in denen Web-, Wirk- und Strickstoffe oder Filz verar­

beitet werden, also insbesondere die gesamt" KonfektionsindustriL Ferner ist durch die Verordnung vom 13. April bestimmt worden, daß auch kleinere selbständige Gewerbetreibende, die erwerbslos werden, der Fürsorge teilhaftig werden können, so £. B. selbständige Musterzeichner und ähnliche Kategorien, also alle solche Gewerbe, die nicht zur Textilindustrie im engeren Sinne gehören, wohl aber in ihrer Tätigkeit von ihr abhängig sind.

In der erwähnten neuen Bundesratsverordnung werden auch die Allsführungsbestimmungen der Bekanntmachung vom 18. No­vember 1915 erläutert und ergänzt. Nach diesen Aussührungs- bestimmuugcn darf die Erwerbslosensürsorge durch die Gemeinden nur solchen ,Ortseinwohnern gewählt werden, die sich infolge des Krieges durch Erwerbslosigkeit in bedürftiger Lage befinden. Diese Bestimmung ist nicht immer berücksichtigt, nicht sellen in falsch­verstandenerLiberalität" so aufgefaßt worden, daß man. schon bei Verlust eines Tagelohns in der Woche das Eingreifen der Er­werbslosenfürsorge für notwendig und berechtigt ansah, ja sogar für jede einzelne Stunde Lohnaussall Ersatz zu gewähren ge­neigt war, ohne daß oas den Unterstützten verbliebene Gesamt­einkommen und die Gelegenheit zur Ausnutzung der fteigeworde- nen Zeit zu anderweitenr Lohncrwerb berücksichtigt wurden. Darin lag natürlich die Gefahr, daß die betroffenen Bevöltcrungskrcise abgehalten wurden, sich anderweit lohnende Beschäftigung zu suchen. Vielfach lehnten Arbeiter mit Rücksicht aus die ihnen ge­währte Unterstützung die Uebernahme geeigneter Arbeit in anderen Berufen ab, und Familien, die zwar in bedrängte Lage gekommen waren, deren Ernährer sich aber doch in der Heimat befand und Ge­legenheit zu anderem Verdienst hätte finden können, waren durch die Zuweisung öffentlicher Mittel nicht selten bessergestellt, als die Familien von Kriegsteilnehmern. Tie neue Verordnung bestimmt zur Verhütung derartiger Unzuträglichkeiten, daß eine bedürftige Lage nur dann angenommen werden soll, wenn die Einnahmen des zu Unterstützenden einschließlich der Einnahmen der in seinem Haushalt lebenden Familienangehörigen infolge gänzlicher oder teil­weiser Erwerbslosigkeit derart zurückgegangen sind, daß er nicht mehr imstande ist, damit den notwendigen Lebensunterhalt zu be­streiten.

Die letzten der neuen Bestimmungen regelt die Zuziehung von Vertretern der Arbeiter und Arbeitgeber zu den für die Erwerbs­losenfürsorge geschaffenen, besonderes Fürsorgeausschüssen, wie sie schon vorher in der Praxis vielfach erfolgt war.

Man darf onnehmen. daß durch diese Maßnahmen vorläuftg wenigstens den Notstänoen wie in der Textil- so auch in der Kon- ,feftion^iitbuftrie ausreichend und zugleich sinngemäß vorgebeugt ist, ohne die Ueberleitung frei gewordener Kräfte in andere Industrien und Berufe zu hindern.

A»iverfitcrts-Ncr>chr!chte«.

Frankfurt a. M., 4. Mai. Zur Errichtung eines Lehrstuhls für Pädagogik an der hiesigen Universität stiftete ein ungenannter Bürger 300 000 Mark.

Merkte.

kc. Wiesbaden, 4. Mai. Heu- und Stroh markt. Man notierte: Heu 9,00 Mk., Sttoh (Richtstroh) 5 Mk. einschließlich Fuhrlohn für 50 Kg. - Frucht markt. Am Fruchtmark! war kein Geschäft.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

Mai

1916

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Klarer Himmel

5.! 8

14,6

8,5

68

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8

Sonnenschein

Höchste Teinperatnr am 3. bis 4. Mai 1913: - 7 - 25.5" Niedrigste 3. , 4. 1916: + 9,5*0.

Niederschlag 0,0 mm.

Ein Abend vor Verdun.

.ImBuchhändler-Börsenblatt" veröffentlicht B. A l t h a u s , der gegenwärtig als Leutnant der Landwehr im Felde steht und zur Gruppe der schreibgewandten feldgrauen Buchhändler gehört, eine besonders stimmungsvolle Schilderung eines Abends vor Ver­dun.Hoch am Südhange eines langgestreckten Hügels' zieht sich von Westen nach Osten der alte deutsche Stellungsgraben. Ein sonnen­heller Vorfrühlingstag neigt sich zu Ende.

Ich stehe, an die Brustwehr gelehnt, und genieße die wunder­vollen Farbenübergänge der Abenddämmerung. Vom südlichen Himmel, von jenseits des kahlenToten Mannes" her treibt lamgsam im Winde ein französischer Fesselballon ans unsere Linien zu und darüber hinweg, dessen Haltetau wohl ein deutsches Geschoß zerrissen hat: vorhin noch schimmerte er golden im Sonnenlicht, dann rot und violett, von Fliegeni wie Bienen nnrschwirrr. jetzt verschwindet er grau im Norden. Ich wende mich wieder nach vorn und verfolge von neuem das Schauspiel, von dem er mich abgelenkt hat. Mein Blick schweift über einen grüngrauen Vortzügel, auf dem sich unsere Feldwachen eingegraben haben, zum Tal hinab, wo die östlichen Häuser von Bsthincourt hinter einem Berge vorlugen. Ueberall steigt Rauch auf, als ginge dort unten ein lebhafter Jndustrieort seiner Friedensarbeit nach. Dahinter wellt sich das Gelmrde wieder, hier und da bewaldet, zumeist aber unbestellter Acker, durchfurcht von Schützengräben; links ans den Höhen sieht man einige Forts, nach der Karte sind es wohl Bois Bourrus, Marre, Belle EpinS, noch weiter links thront, zuhöchst das zackige Gemäuer von Touau- nwnt. Rechts liegt, von einem Berge verdeckt, das vielgenannte Malancourt. dahinter das Gehölz von Avocourt und in der Ferne der dunkle Argonnenwald.

Aber nicht friedlich sinkt der Abend nieder auf die weite Land­schaft, sondern unaufhörlich ist die Lust erfüllt von einem Krachen und Dröhnen, wie wenn ein schweres Gewitter sich von der Gegend nicht lösen könnte. Immerfort zittert es wie Wetterleuchten durch den Himmelsraum, und aller Augenblicke zucken Blitze. Rote, grüne und weiße Leuchtkugeln steigen auf und verlöschen. Manchmal schwillt der Lärm ungeheuer an, ganz harte Schläge von Abschüssen aus nächster Näh; hauen hinein, dann wieder ebbt das! Gedröhn ab, nur Nachhallwellen rollen ins Unendliche und verstummen. Doch gleich darauf ertönt über mir das seltsam schlürfende, kratzende, singende, fauchende Geräusch einer weither sausenden schweren Gra- nate, sie schlägt mit riesigem Mach dicht-hinter meinem Graben in den harten Bodem Svrengstücke summen durch die Luft, nach einigen Augenblicken prasseln Steine und Erdbrocken herunter, die der Ein­schlag ttirnrhoch aufgewirbelt hat und das wilde Getöse beginnt aufs neue. Es ist ein großartiges Konzert, das da Freund und Feind ein­ander geben; ich lvünschte, ich verstünde mich aufs Tonsetzen und könnte die gewaltige Melodie des Schlachtenlärms musikalisch meistern.

Aus dem Abend lvird langsam tiefe Nacht, noch immer stehe ich an meiner Brustwehr und lausche dem Kamps, den hier zwei erste

Völker der Erde miteinander ausfechten. Hoch vom Himmel her­nieder funkeln die ewigen Sterne, kalt und fremd und stumm. Oder tönen sie auch mit in meiner Ntnsik?"

*

Teirtsche L Peru aussührnngen in Holland. Aus Elberfeld lvird uns geschrieben: Ter Intendant des Elber- felder Stadttheaters, Arthur von G e r l a ch , der sich schon wiederholt um die Pflege der deutschen Konst im Auslände Ver­dienste erworben hat und noch vor einigen Monaten u. a. mit den Meistersingern" in Holland SvmMthien für die deutsche Kunst er­warb, ist abermals mit Mitgliedern der Mberfelder Oper und des Elberfelder Orchesters nach .Holland gefahren, um je in A rn he'i m und in Rotterdam Aufführungen ber .,W ulkür c" und des Siegfried" aus Wagners Ring des Nibelungen zu beranstal- ten. Die Hauptpartien werden von folgenden Künstlern gesungen: Ejnar Forch.Hammer, Wiesbaden (Siegfried), Karl Schrö­der, Köln (Siegmnnd), 9llsons Schützen darf und Erich Hu- n 0 ld, Elberfeld (Wotan), Fryu Mimi Werhard-Poens- gen, Köln (Brünhilde), Sophie Wolf. Köln (Sieglinde). Ten Stamm des Tonkörpers stellt das Arnhnmer Orchester. Mnsikali- Gesamtleiter ist Hans Knapper!sdusch, Elberfeld, szenischer Intendant von Gerlach.

Daser st e elektrische Schlachtschiff. Die Ameri­kaner, die mit ihrer Kriegsflotte schon so manche mehr oder minder geglückten Versuche gemackft haben man denke etwa an die Gitternrasterr, haben gegenwärtig ein Schlachtschiff in Bau, das das erste elellrisch betriebene Schlachtschiff der Welt und zu­gleich das größte Kriegsschiff der amerikanischen Flotte überhaupt sein wird. Im Herbst des vorigen Jahres hat man auf der Re- gienrngswerst in Broollyn den Kiel derCalifornia" gelegt^ nachdem man eingehende Versuche über die Zweckmäßigkeit elek- trischler .Hochseeschiffe unternommen hatte. Mmiral R. S. Griffin war von dem VcrsuchsschiffeJupiter", einem Kohlenschiffe, dem ersten elektrischen Hochseeschiffe überhairpt, das der Obermgcnreur Emmei von derGeneral Electric Co." entworfen hatte, so befriedigt, daß außer derCalifornia" noch, zwei weitere elektrische Schlachtschiffe für die amerikanische Miegsflvtte gebaut iverden sollen. Ueber Bau und Eirrrichtung derCalifornia" nmchen dieMitteilungen über Gegenstände des Artillerie und Genie­wesens" nähere Angaben: mit 32 000 Tonnen Verdrängung über­trifft dieCalifornia" das bisher größte amerikanifck>; Schlacht­schiff um 4500 Tonnen. Die Länge ist auf 187,5 Meter ver­anschlagt, die Breite soll 11,7 Meter, der Tiefgang 6,7 Meter hetrag.en. Nach den Berechnimgen soll dieCalifornia" 22 Knoten laufen. Zweipolige Wechselstromturbogeneratoren speisen die elek­trischen Motoren, die die Schrauben antreiben; diese sitzen auf vier Wellen und sollen 17.5 Umdrehungen in der Minute machen. Im ganzen werden die Maschinen derCalifornia" 37 000 Pserdc- kräfte leisten. Das Schiss ist für Oelfcrrerung mit Röhrkesfeln ein-,

I gerichtet und weist die wichtige Neuerung auf, daß es nur einen j einzigen, besonders eingerichteten Schornstein hat: auf Grund der im Weltkriege gesammelten Erfahrungen hält die ainerikanische Flottenleitung es für zweckmäßig, daß der untere Teil d-es Schorn­steins stark gepanzert wird. Tie Panzerung derCalifornia" wird im übrigen schwerer sein, als die der bisherigen amerikanischen! Schlachtschiffe. Unter den Neuerungen der inneren Einrichtung sind besonders die Torpedoschutzschotten erwähnenswert. Tie Bestückung soll aus zwölf 14 zölligen Geschützen bestehen, die zu je dreien in vier Panzertürmen angebracht sind; die Geschütze werden 50 Kaliber lang sein. Außerdem ist eine Anzahl Torpedoabwehrbatterien mit fünfzölligen Schnellfeuerkanonen vorgesehen, und schließlich wer­den an Bord noch vier dreizöllige Ballonabwehrkanonen angebracht werden.

Lichtbestrahlung a l s Blindenschrift. Es ist selbstverständlichl, daß gegerlwärttg in Hinblick auf die Zahl der .Kriegsblinden die Versuche, den ihres Augenlichtes Beraubten ihren Verlust nach Möglichkeit erträglich zu machen, mit besonde­rem Eifer und in hoher Zahl unternommen werden. Zu den Neue­rungen, deren Kunde am meisten Msinerksamkeit erregte, ge hotte auch das bereits mehrfach besprochene Optopbon, ein Apparat, mit dessen Hilfe es dein Blinden möglich gemacht werden soll, den Inhalt einer Druckschrift mittels des Gehörs in sich auizunehmen. Nunmeh-r übernimmt es der Augenarzt Pros. Dr. Zehnder. auch den Gefühlssinn in das Bereich derartiger Forschungen zu zieben, mit dem Ziele, den Blinden durch besondere Entwicklung des Ge- füblssinnes das verlorene Augenlicht wenigstens teiliveise 'u er­setzen. Wie aus den im Prometheus angcsührteu Einzelheiten über diese Versuche hervorgeht, ging der Gelehrte von der Tatsackie ans, daß durch Erzeugung des Sonnenbildes aus der Haut mit'.els einer Lupe ein bestimmtes Gefühl entsteht. Lln Stelle einer Lupe benutzt nun Prof. Zehirder eine photographische Kamera, die auf einem empfindlichen Teil der Körperoberflächenhaut am besten auf der Brust angebracht wird, so daß die Brust die Stelle der bei photographischen Apparaten üblickien Matffcheibc cinnimmt. Die Linse der Kamera, die aus einer für Wärnre imb Lichtstrahlen be­sonders empfindlichen Substanz verfertigt ist, kann je nach Bedarf aus mehrere Meter eingestellt werden. Wenn nran nun den auf die geschilderteJMeisc mit einem solchen Apparat versehenen Blin­den gegen die Sonne stellt, so wird er arrs 'der Brust durch die Be strahlnng ein bestimmt umrissenes Geff'chl hccken. Durch einerv Schirm, der die Svnnensttablen abblendet, und an der Stelle, wo die opttsche Achse ihn trifft, Oeffnungen in allen möglichen Foronen und Linien enthält, aus denen man das ganze Alphabet bilden kann, können nun beliebige Wotte ans die Brur! .tnt aew uilt wer­den. Die bisherigen Versuche l>aben die Ansickl bekrästig!, daß die Nerven so sein ansgebildet werden können, daß nran auch an Stelle des Sonnenlichtes sich einer starken elckttischen Lanrpe bedienen kann. Ans diese Weise soll der Blinde durch das ausgedildete Ge­fühl seiner Haut die auf ihn projizierte Schriftlesen" können.