Issue 
04/05/1916 Zweites Blatt
Page
1
 
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

Nr. m Zweites Matt

feftfpni ÄHAch mit Ausnahme des Sonntags.

DieSietzener Kamttiekblrtter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das .Freirblatt fitr den Ureir Gietzen" zweimal wöchenittch. Die ..Ltmd«irtschaftlichen Zeit, fragt«" erscheinen monatlich zweimal.

M. Jahrgang

General-Anzeiger skr Gberhejsen

Donnerstag, 4. Mai IM

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchei» Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schriftleitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul» straße 7. Geschäftsstelle u.Verlag:s^51, Schrift» leitung: e-^112. 9ldresse für Drahtnachrichten.' Anzeiger Gießen.

Uriegrschäden.

Maßnahmen gegen die Knochenbrüchigkeit (Unterernährung).

Der Mangel cm nährkräftigen Futterstoffen macht sich hier imd da »unter den Rindern und Schüveuren, weniger bei den Pfer­den. durch Verarmung des Körpers au Kuochensalzen, an auf­nahmefähigen Aschebestandteilen, durch die sogenaunte Knochen­brüchigkeit, -empftndlich bemerkbar. Ein Zustand, der, weckn ihm nicht nrit allen verfügbaren Mitteln entgegengetreten wird, zu be­sonders wirtschaftlichen Nachteilen führen kann.

Besonders fehl, nach der spärlichen Winterfutterung, machen sich die schweren Ernährungsstö rnngen bei den trächtigen Rindern und Schweinen geltend durch Verkalken und Verferkeln, sowie durch das Gebären nicht lebensfähiger und toter Leibesfrüchte. Aber auch die wachsenden, also die jungen Tiere, welche zum Auf­bau ihrer Knochen großer Mengen aufnahmefähiger Aschebestand­teile bedürfen, leiden not, es fehlt ihnen die erforderlickte Wider­standsfähigkeit, so daß Knochenbrüche und die sonstigen Erschei­nungen der mangelhaften Bildung der Knocliensubstanz auftreten. Nicht selten werden die Knochenbrüche bei alten Kühen ohne nach­weisbare Veranlassung gesehen.

Andere beobachtete Schäden sind:

Bei den Rindern Kreuzschwäche, Unvermögen des Aufstehens derjenigen trächtigen Tiere, die sich vor dem Abkalben befinden, Verkalken, tzstbären mangelhaft entwickelter, nicht lebensfähiger und toter Kälber. Bei den Schweinen Verkrümmungen der Beine, Auftreibungen der Gelenke und am Kopfe. Gebären nicht lebens­fähiger und toter Ferkel, kümmerliche Entwicklung der Ferkel. Tie sämtlichen Zustände beruhen auf einer Unterernährung.

Tie Unterernährung ist entstanden durch die Verfütterung solcher Futterstoffe, die nicht hinreichend alle diejenigen Grund­stoffe enthalten, welche zum Körperaufbau und zu dessen Gesund­erhaltung absolut notwendig sind, das sind Eiweiß und Knochen­salze. Ferner sind hieran auch solche Futtersto,,e schuld, die durch gewissenlose Menschen einer Verfälschung unterzogen wurden. Hierzu gehört die Kleie, sowohl die Weizen- als auch die Roggen- kle«, welche während der Friedenszeit mit Vorliebe und mit gro­ßem wirtschaftlichen Erfolg an die Kiihe und Schweine verfüttert wurde. Tie Kleie -enthält, selbst in dem scharf ausgemahlenen Zu­stande, noch alle notwendigen wertvollen Nährstoffe, aber sie hat heute, wegen der .argen, schwer erkennbaren Fälschung, weni- ger Nährtraft. Mancher Landwirt hat durch die Herfütterung der minderwertigen Kleien an seinen Rindern und Schweinen schweren Schaden erlitten. Die .Landwirte sollten deshalb äußerst vorsichtig sein beim Ankäufe von Futtermitteln und nur gegen Garantie und nur bei reellen bekannten Händlern, oder bei den Genossenschafter kaufen!

Die Abhilfe der Unterernährung könnte durch die Verfütterung besonders eiweißhaltiger und reichlich Aschebestandteile enthaltenden Futtermitteln geschehen, wenn wir z. B. Hülsenfrüchte, Hafer, Meeheu. Palmkuchen usw. in hinreichenden Mengen haben könnten. Ta das aber nicht möglich ist, bleibt uns nur der direkte Weg durch unmittelbare Beimengung der Aschebestandteile in geeig­neter Form zum iFutter übrig. Insbesondere ist cs nötig bei den sehr phosphorsäure armen mich kalkarmen Futtermitteln, dem Zucker, den Rüben und derr Mrrtosfeln (auch deren Produkte und Abfälle), der Melasse, Stroh, Spreu und dent beregneten Heu usw.

Man gibt dem Großvieh« von dem käuflichen Futterkalk (kohlen­saurem und phosphorsaurem Kalk), Knochemnehl dreimal täglich etwa einen Eßlöffel voll; den Schweinen je nach Größe entsprechend weniger. Auch ist für die Rinder eine geringe Beigabe von Koch­salz, etwa 20 bis 50 Gramim pro Kopf und Dag für 10 Zentner Lebendgewicht wertvoll.

Kal kr eich und phosphorreich sind: Getreide. Malz­keime, Kleieri, Biertreber, Oelkuchen, Fischfnttermeht, Kadavermehl, HÄsenfrüchte, Klee, gutes Heu usw.

Eine gute Quelle, all den Mßständen zu entgehen, ist die Grün­fütterung. Tas Grünfuttec ist für unsere Tiere das wertvollste und bekömmlichste Futterrnittel! Aber zur guten Verwertung seiner ganzen Vollkraft gehört dessen rohe und möglichst fri- s ch e Verfütterung, wie es der Acker nach dem Ab mähen bietet. Be­sonders schädlich ist, wie auch jedem Landwirt bekannt sein dürfte, dessen lange Bergung zu Hause in hohen Haufen. Dadurch wird es welk, warm, verliert au Nährkraft und Bekömmlichkeit (Blähsucht). Man sollte nicht mehr heimsahren, wie etwa in 24 Stunden ver­füttert wird.

Durch das Brühen des Grünfutters, wie es in kleinen Wirt­schaftsbetrieben gebräuchlich ist, gehen große Kraftwerte verloren: außerdem führt die gebrühte schlappe Fütterung bei den Rindern gerne zur Erschlaffung des Magen- und Darmkanales. Auch durch

* rM L''ZSYS&JffT - ,M,| | m

das Kurz schneiden des Grünfntters zur Mischung mit Häcksel gehen wertvolle Grassäfte verloren.

Für die trächtigen Mutterschweine ist die Verfütterung von Grün­futter außerordentlich wertvoll. Die Mutterschweine, die auf guter Weide grasen, können sich vollständig ernähren und ihre Jungen die sie hier gebären, sind gesunde, kräftige Tiere. Ihr Nährzustand bleibt dauernd ein guter. Bei der Stallfütterung reicht inan den Schweinen das Grünfuttcr ebenfalls in möglichst frisch gemähtem Zustande und gibt ihnen nebenher das gebräuchliche Futter in ge­ringerer Menge.

Den Schweinen und Rindern, welche durch die einseitige,. eiweiß­kalkarme Fütterung notgelitten haben und mit der Knochenbrüchig­keit behaftet sind, ist die Grünfütterung die beste Medizin!

Die Pferde können bei der gewöhnlichen Verrichtung landwirt­schaftlicher Arbeiten mit ausschließlicher Grünkleefütterung gut be­stehen. Will man ihnen besonders gut sein, oder stellt man an sie größere Arbeitsforderungen, so reicht man ihnen über Mittag und abends eine Ration Kurzfutter. Außerordentlich vorteilhaft für die Arbeitspferde ist der nächtliche Weidegang. In den Stunden, die ihnen zur Verfügung stehen, können sie nach Belieben fressen und mit Leichtigkeit so viele Nährstoffe in Farm von Weidegras aufnchmen, als sie zur Erhaltung des Lebens ge­brauchen. Zur Arbeitsleistung reicht man ihnen den Tag über als Beifutter Hafer oder dergleichen. Hoffentlich ist man jetzt nach den Kriegserfahrungen über das nächtliche Verweilen aus der Weide anderen Sinnes geworden. Tas Weiden bekommt ihnen vorzüg­lich! Nur darf man in den ersten Tagen nicht ängstlich werden, wenn sie etwas trauern. Tor Holsteiner bezeichnet diesen Zustand mit Grasseuche und pflegt zu sagen: wenn sie mal diesen Zustand überstanden haben, gedeihen sie vorzüglich?

Außerordentlich wertvoll und sehr erwünscht ist das tägliche Austreiben des Jungviehs, der Jungrinder, Schweine und Ziegen in die den Gemeinden benachbarten Waldungen. Ter Schaden, welcher hier an dem jungen Waldbestande entstehen sollte, ist gegenüber dem großen Wert des Beweidens nicht nennenswert. Ter Austrieb des Jungviehs wirkt nebst der Sättigung durch Gras und Laub außerordentlich günsttg auf den Gesundheits­zustand der jungen Tiere ein, indem die Bewegung, die Besonnung und die Belichtung die Stofswechselvorgänge im Körper vorteil­haft beeinflussen!

Geringe Fütterungsschäden, die in dieser schweren Zeit wäh­rend der Wintermonate entstanden sind, können durch Weidegang wesentlich gebessert werden.

Schäfer oder Gefangene könnten im Bedarfsfälle als Viehhüter angefordert werden.

von George Washington bis Woodrow Wilson.

Seit unser Volk gegen die halbe Welt in Waffen steht, hat sich jenseits des Atlantik allerlei Merkwürdiges begeben und der Weltkrieg öffnete wohl gar vielen Leuten bei uns zum ersten Male die Augen für die Segnungen des amerika­nischen Regiernugssystems. Jedem, der in die Bai von New Hork fahrt, bringt von Liberty-Island aus Bartholdis Statue der Göttin der Freiheit, die bekanntlich genau. vor 40 Jahren von der glorreichen Nation geschenkt wurde, den ersten Gruß aus der Stadt der Wolkenkratzer und dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Statue ist das Symbol der Vereinigten Staaten, denn da drüben ist jedermann, wie nur immer wieder mit Staunen vernehmen, ein freier Mensch, und daß nicht König und Kaiser, sondern nur ein simpler Präsident dasSzepter" führt, gilt als eines der bedeutendsten Freiheitszeichen. Das Volk selbst, sagt die Theorie, wählt aus seiner Mitte den besten Mann, den klügsten, edelsten im Land, und dieser führt es dann und lenkt seine Geschicke. Das ist wie inr Märchen, es ging auch ungefähr so an, als man im Jahre 1789 George Washington an die Spitze der jungen Republik rief. Wie es sich schließlich in der Praxis bewährt, da§ wird uns heute besonders klar, wo Woodrow Wilson, der achtundzwanzigste in der langen Reihe, prüfend die Mittel erwägt, die etwa zu seiner Neu­wahl führen und den Stahltrust befriedigen könnten. Der erste Präsident, Washington, war tatsächlich der beste Mann des.Landes; nach langen schweren Känrpfen, in denen sich des Kriegsgottes Wage oft wechselnd geneigt, war es ihm gelungen, sein Land vom Britenjoch zu befreien, unter das

Urinst »rnd Wissenschaft.

_ Ernst M ach und seine Spatzcn. Ernst Mach, der Unlängst dahin gegangene bedeutende Physiker, hat des öfteren Tierstudien gemacht, die ihn als großen Tierfteund und liebevollen Beobachter und Pfleger seiner Hausgenossen aus der Tierwelt zeigen. So hat er mehrfach Sperlinge im Hause gehalten, die er '-als Nestlinge durch Zufall in seinen Besitz bekam. Einigever­gleichende tier- und menschenpsychologische Skizzen", die dieNa­turwissenschaftliche Wochenschrift" (Gustav Fischer, Jena) aus dem Nachlasse Machs veröffentlicht, cntl-alten reizvolle Schilderungen, die er von seinen Spatzen entwirft. Einmal bekam er einen ganz jungen, ans dem Neste gefallene, federlosen Spatzen, dessen Auf­ziehung zunächst einige Schwierigkeiten bereitete, da das Tier zu Anfang nicht zur Nahrungsaufnahme zu bewegen war. Es kostete große Mühe, bis Mach, den passenden Reiz ausfindig machte, der die Reflexbewegung des Schlmgens auslöste. Diese gelang schließlich, indem er ein kleines Infekt um den Kopf des Vogels rasch herumbewegte. Sofort sperrte das Tierchen den Schnabel auf und schlug mit seinen Flügelstummeln. Bald wurde das Tier selbständig und dann, schildert Mach,nahm es sukzessive alle possierlichen Spatzenmanieren an, es sprang auf meinen vorge- haltenen Finger, wetzte an ihn: den Scknabel mW ergötzte das Äuge, indem es die mannigfaltigsten Bewegungen erwachsener Sperlinge annahm, die es doch nie gesehen noch eigens gelernt haben konnte Das flügge Tier fing an, allerlei Kurzweil zu treiben sich mit der Umgebung Eins fühlend und wenn es mttkindlicher Zärtlichkeit" seinen Schnabel an meinem Finger wetzte, erlebte ich wahre Vater- oder Mutterfreuden. Auch benahm cs sich keineswegs diskret, zupfte mich oft an Haar und Bart und zwickte mich mitunter ins Ohrläppchen. Es war also mehr das Verhältnis zwischen Potentat und Hofnarr, Ähnlich, wie es sich gelegentlich zwischen Eltern und Kindern herstellt, wenn diese den Grad der Jntelliganz oder der Vtacht.erstcrer noch nickst in Betracht ziehen können. Wenn ich am Morgen meinen Spaziergang aus der Wiese längs einer Baumreihe machte, pftegte ich meinen Sper­ling milzunehmen, er flog auf die Bäume, kam aber aus meinen Ruf zip... zip immer wieder auf meinen Finger herab." Einen anderen Sperling hatte Ernst Mach volle ackst Jahre bei sich. Es war ein Weibckien, das schwächlichste Tier eines ganzen Geleges, das der fürsorgliche Forscher bei sich behielt, weil er fürchtete, es wäre dem Kampf ums Dasein nicht gewachsen.Krepannzl" so hieß das Tierchen erheiterte Machs Enkel, wenn es ihn an Haar und Bart zupfte oder zwickte; sic meinten dann, der »Vogel wolle den Großvater necken, aber diese Deutung hält Viach für

ausgeschlossen:Fast hätte ich anfangs diese naive Auffassung ge­teilt, aber welche Intelligenz, welcher Humor und welch ein Stand­punkt, den man einem jrmgen Tier überhaupt nicht zutraueN kann, gehört dazu, die Vorstellung des Neckens anzunehmen! Dies könnte noch bei einen: intelligenten Hündchen zutreffen, das schon durch die .Erziehung eines Menschen eine klare Vorstellung (Gefühl) eines eigenen und fremden Jchs' gewonnen hat. Intelligente Tiere, wie Sperlinge könnten vielleickst diese Stufe durch Erzie­hung gewinnen, angeboren ist dieselbe gewiß nicht. Ich meine also, daß diese Tiere nur ihre eigenen Angelegenheiten im Auge batten und beispielsweise ihren angeborenen Nestbauinstinkt übten, indem sie mit meinem Haupt- und Barthaar spielten." Eine reiche Fülle hübscher Beobachtungen teilt Ernst Mach weiter von diesemKre- paunzl" mit:Meine Spätzin hielt einen Serviettenring, wenn dieser unbeweglich auf dem Tische lag oder stand, für ganz harm­los, sobald er aber rollte oder vermöge seines mittleren um seinen äußeren Umfang ziehenden Wulstes hin und herschwankte, stellte sie sich mit gespreizten Beinen, gestuftem stopf und aufgesperrtem Scknabel gereizt gegen den Ring und hackte wütend aus ihn los: dann hielt sie ihn offenbar für belebt und hatte ihn vielleicht im Verdacht, daß er konkurrenzfähig im Fressen sei!" Im Laufe der Zeit fand Mach heraus, daß das Vögelchen an schönen heiteren Ta­gen -eine andere Physiognomie, als bei trübem, kühlem oder gar nebligem Wetter, wie überhaupt Stimmung und Temperament von der Witterung abhängig waren.Mein langjähriger Haus­genosse," so schließt Mach die Biographie Krepaunzls, wurde schließlich leidend durch eine schmerzhafte, krebsartige Wucherung unter einem Flügel und so schwach, daß er nicht in ehr imstande war, sich auf eine höhere Sprosst zu setzen, weswegen mein Sohn durch eine Aethernarkost seine Ueberführung in das Nirvana der Sperlinge bewirfte: und damit war dieses stille, lleine und dock wieder so lange Leben zu Ende . . ."

Shakespearein-Oxford. Unter den zahlreichen Aus­stellungen, die anläßlich der Shakespeare-Feier in England eröffnet wurden, bietet die Zusammenstellung von Erstdrucken und verschie denen noch aus den Zeit Shakespeares überwiesenen Dokumenten in der Ausstellung der Bodleian-Bibliothek in Oxford nach den Schilderungen derTimes" besonders reichhaltiges und wertvolles Material. Nach dem Britischen Museum in London ist keine Bi­bliothek im Besitz so vieler Shakespeare-Dokumente wie die von Sir Thomas Bodley in Oxford gegründete. Ganz besonders sind zahlreiche Gedichte Shakespeares in Einzelausgaben vorhanden. So befindet sich in Oxford die einzige Abschrift vonVenus und Adonis" (1593), ebenso die ersteil Ausgaben vonLubretia", verschiedene Erstausgaben der Sonette und die erste Ausgabe von

sein jüngster Nachfolger es augenblicklich durchaus triebet beugen möchte. Washington hatte den klugen Kopf und den starken Willen, die notwendig waren, die Republik, die eigentlich erst auf dein Papier stand, wirklich zu schaffen., und wir finden unter seinen Nachfolgern noch manch anderen tüchtigen und aufrechten Mann, dessen Präsidentschaft für das Land ein Segen war. Man braucht nur zu erinnern an Abraham Lincoln, der, eines Quäkers Sohn, seine Laufbahn als Ackerknecht und Holzhauer begann und sich schließlich vom Advokaten zum Präsidenten emporarbeitete Un­lauterer Eharakter, der es gegen eine Welt von Angriffen durchsetzte, daß durch seine Proklamation vom 22. April 1862 den Sklaven die Freiheit gegeben wurde, und dessen Statue in Washington durch freiwillige Spenden von Negern be­zahlt wurde. Da ist James Monroe, der in derEra of good feeling" alle Parteigegensätze im Lande möglichst aus- zugleichen suchte, oder Chester Man Arthur, der nach der Ermordung Garsields ans Ruder kam und in jeder Hinsicht ein Ehrenmann war, und noch mancher andere.

Immerhin aber sind diejenigen unter den Präsidenten, die dem Ideal dessen, was man von ihrern Amt erwartet, nähe kamen, sthr in der Minderzahl gegenüber solchen, denen es nur die melkende Kuh war. Sie'verfallen oft in äußerst bedenklichem Umfang dem Parteiwesen und nicht selten auch Einflüssen von außen her. Daß bereits die Wahl nur eine Parteisache ist und von den Parteien oft mit un­lautersten Mitteln, wobei vor altem der Dollar rollt, be­trieben wird, ist eine bekannte Sache. Wilde Parteikämpfe gingen schon gleich nach Washingtons Abdankung der Prä­sidentenwahl voraus und wurden zum ersten Male bei John Quincy Adams Wahl mit ungeheuerer Erbitterung geführt. Andrew Jackson^bekannte sich dann offen zu den: Grund­satz, daßdem Sieger die Beute" gehöre, und seine ganze Regierung war nach Parteiprinzipien organisiert. Nach Recht unb Unrecht fragten Persönlichkeiten dieses Schlages nienrals. Franklin Pierce, der kurz vor dem Bürgerkrieg Präsident war, machte gar nie einen Hehl daraus, daß er einfach ein Werkzeug der sklavenhaltenden Südstaaten war, er wie sein Nachfolger Buchanan diskreditierten die Union durch ihre offene Unterstützung des Freibeuters William Walker und durch das mehr als zw'eifelhafte Verhalten gegenüber Zentralamerika im Interesse der Sklaveichalter, denen letzterer seine Wahl verdankte. Dasfpoil fystem", wie es von der berüchtigten Tammany Society besonders vertreten wurde, der Nepotismus in seiner schlimmsten Art, die Korruption in Bezug an.f innere und äußere Angelegen- heiten galt auch unrer sonst in mancher Hinsicht bedeutenden Präsidenten, ixne General Grant, als etwas Selbstverständ­liches, und wenn einzelne der Lenker der Union sich damit begnügen, ihr Amt zu einem Piedestal für ihre Person zu rnachen, wie Roosevelt, der sich an Selbstbewunderung und Beweihräucherung nicht gering tun konnte, so ist das ver­hältnismäßig harmlos gegenriber anderen, die, wie Grover Eleveland, sich das Schiedsrichter amt es handelte sich damals um England und Venezuela in fremden Kon­flikten anmaßen, oder vollends Woodrow- Wilson, der mit der Höchstschätzung seiner eigenen Leistungen noch die Ge- jchäftsinteressen der angloamerikänischen Plutokratie in mehr als ungenierter Weise verbindet.

Märkte.

st. Frankfurt a. M.» 3. Ntar. Schweinemarkt. Zinn Verkauf standen 384 städtische Schlveme, die zu den festgesetzten Höchstpreisen schnellen Absatz fanden.

st. Frankfurt a. M., 3. Mai. Frucht- und Futter- m i t t e t in a r k l. Gegen Montag hat sich die Stimmung ans dem Markt nicht geändert. Das schivnche und geringe Angebot hält an. Futterinittelnachfrage und Angebot lassen von Woche zu Woche ' ü. nach. Alich Getreide ist gejchästslos. Das i-lngebot wird zu den festen hohen Preisen gehandelt.

ke. Frankfurt a. M., 3. Mai. K a r t 0 ss e l m a rk i. Kartoffeln 10,10 Mk. per 100 Kilogramm bei Abnahme von mindestens 500 Kilogramm.

st. Wiesbaden, 3. Mai. Di eh markt. Am heutigen Dieb- markt war nichts angefahren.

Romeo mrd Julia" und beitKaufmann von Venedig". Aus zablreicken Schriften und Briestn ist zu ersehen, das unter t^n An­gehörigen der Oxford-Urriversität in der Zeit zwischen 1623 und l dem Bürgerftiege unter Shakespeares Bübnenwerken Romeo und Julia am meisten geschätzt wurde. Ganz besonderer Beliebtheit er- fteute sich damals die berühmte Balkonszene, und viele Lcare gingen nur ihrellvegen zu den Aufführungen. Tic zweite Stelle im Spiel plan nahm Julius Eäsar ein. Ein interessantes Stück b'r Ausstellung bildet auch eine Abschrift, die Shakespeare von den Metamorphosen" des Ovid verfertigte. Auch ist aus zahlreichen Schriftstücken in Oxford sowie in der Ausstellung in ^tratsord on Avon festzustellen, daß Shakespeare in mancherlei Handwerk er­fahren war und sich in allen Lebenslagen als ein so vorzüglicher Geschäftsmann erwies, daß seine Mitbürger es für unmöglich hiel­ten, daß solch ein Mann auchnebenbei dichten könne".

Ter urkomische I 0 f f re. T ie Kriegszeitung der 4. Armee bringt eine sehr hübsche Zusammenstellung von Sätzen, aus Joffres Berichten über die Kämpfe bei Verdun, die mit un­freiwilliger, deshalb umso stärker wirkender Komik die Akrobaten- tun st der Joffreschen Berichte spiegeln.Es gelang dein Feinde, den Wald von Haumont zu besetzen. Seine Beniüi ungeu. aus dem Walde hevauszutreten und unsere Stellungen östlich Brabant sur Meuse anzugreisen, wurden glatt abgewiesen." -- Wir haben un­sere Gräben östlich, Brabant sur Meuse geräumt. Tie Anstrengun­gen des Feindes, in Braürnt selbst einzudringen, erstickten in unse­rem Sperrfeuer."Ter Feind konnte Brabant sur Meuse nehmen. Wir vereitelten leicht alle Versuche, seine Linien über das Torf hinaus in der Richtung auf Farges vorzuschieben."Un­sere planmäßigen Rüchzugsbeweg^mgen aus Forges wurden in guter Ordnung ansgeführt. Wir hielten alle Anstrengungen Feindes, aus Forges hervorzubrechen und unsere neuen Stellungen nördlich Regneville zu nehnten. darnieder."Ein starker An­griff gestattete dem Feinde, in Regneville Fuß zu fassen. Wir ver­schanzten suns in den Ausgängen des Dorfes und halten je gegen alle Anstürme."Wir verließen die Ausgange von Regneville n:«d richteten uns auf den Höhen nördlich d^> Enmieres Wa'ckee ein Alle Versuche des Feindes, die Höl>en anzugrciien, tnwiiestm frucht­los."Wir überließen dem Feind die Höl.en rirNut des CumiereS-Waldes. Seine Bemühungen, in den Wald selbst ein- ' zudringen, erstickten in unserem Feuer."Es gelang dem Feinde, den Wald von Cumieres zu besetzen. Alle Versuch-? mis deni Wald herauszntreten, wurden leicht abgewiesen." llnd so weiter mit Anmut ins Unendliche. Man kann nicht glänzender rückwärts siegen.