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26.5.1916 Erstes Blatt
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Verlangen, seinerseits bamit cnrfjitrchtnTim. Die deutschen Sozial- demvkraten verbreiten Reden Zttrnciinans in den Schützengräben «ls Beweis dafür, das; es Englands Absicht sei, die deutschen Kamillen in Armut zu stürzen.

Maedrnnld schilderte dann die furchtbaren Leiden der neu- itralen Länder, wie Norrvegeu, Schweden und Holland, vor allem in Holland, wie die Löhne nicht in: Verhältnis zu den Hungersnot- Preisen gestiegen seien. Er setze sich dafür ein, daß der Krieg nrchr läiiger dauern würde, als bis er sein höchstes Maß an guter Wirkung erreicht habe. Greh u:ü> das Unterhaus seien nur dann .wert, den tapferen Viämiern, die für England ihr Leben auf- rxpftrn, in die Flügen zu sehen, wenn sie dafür Sorge tragen, daß kerne Gelegenheit zu diplomatischen .Verhandlungen versäumt werde.

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Ein bulgarischer Bericht.

Sofia. 25. Mai. (WTB.) Bericht des Hauptquartiers über Hrc Lage auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz: «Seit zwei Monaten haben die englisch-französischen Truppen be- gomk-en, das befestigte Lager tarn Salon: k zu verlassen, fund sich unlerer Grenze zu nähern. Ihre Hauptstreitkräfte sind im Wardartal ausgestellt und breiten sich ostwärts über Dvva Tepe bis zum Strumatal und westwärts über die Gegend von Subotsko und Bodena bis Lerine (Florina) aus. Ein Teil der wiederhergc- stellten serbischgl Armee ist schon in Salonik gelandet. Seit einem Monat ungefähr herrscht fast täglich Geschiitzfeuer an der Front DairanGewgheli. Aber die Engländer und Franzosen über­schritten bis jetzt nirgends die Grenze. Vorgestern wurde eine fran­zösische Aufklärungsabteilung von unseren Patrouillen im Dorfe Gorni Garbale befeuert. Die Reiter ergriffen die Flucht und ließen ihre Pferde im Stich, die von unseren Srldaten eingefangen wurden.

Der türkische Bericht.

Konstantinopel, 25. Mai. (WTB.) Amtlicher Bericht: An der Irak front keine Veränderung.

Tie russischen Streitkräfte, deren Vormarsch aus ^-Richtung Kasri un Schirm auf Kankin (Hanikin) (?) gemeldet Nmrde, würden gezwungen, ihr Vordringen in der Gegend der Grenze e i n z u st e l l e n. In einen: Gefecht mit russischen (Abteilungen, die an der persischen Grenze gerade nördlich Sulei- .ttnanich bemerkt worden waren, brachten wir diesen einen Verlust 'tum über 200 Mann bei.

Kaukasusfrvnt: Auf dem rechten Flügel im Mschnitt vm: Bitlis unbedeutende Patrouillengefechte. In: Zentrum und «m linken Flügel nwrden Ueberfallsversuche des Feindes gegen unsere Vorhutstellungen in der Nacht zun: 23. Mai mühelos abgewehrt.

An der Halbinsel Gall: pol: wurde ein Torpedoboot, 'das sich Kuetschiik Kemikli zu nähern versuchte, durch Geschützfeuer

d i e Flucht gejagt. Eines unserer Wasserflugzeuge warf auf seinem Fluge in Richtung auf Jmbros erfolgreich Bomben lauf einen Monitor, den er im Hasen von Kephalo bemerkte ßowie aus d:c Einrichttingen des Hafens und Flugzeugschuppen, und !rief dort einen Brand hervor, der genau festgestellt wurde.

Von den cutteren Fronten keine Veränderungen.

Ein Schreiben des Königs von Montenegro.

Bordeaux, 25. Mai. (WTB.) Meldung der Agence Davas. Ter König von Montenegro hat an den rmontenegrinischen Ministerpräsidenten Radowitsch fol­genden Brief gerichtet:

Herr Präsident! Um zu vermeiden, daß der Aufenthalt Meines jSohnes. des Prinzen Mirko in Wien, der nach Blätter- dUeldungen wegen Erkrankung sich dort zur Pflege au sh alt, in übler Weise ausgelegt werde, erachte ich es fi':r notwendig, den Re­gierungen unserer mächtigen Alliierten durch Vermittelung ihrer bei uns beglaubigte:: Vertreter zur Kenntnis zu bringen, daß ich sehr entschieden diese Reise mißbillige und streng jedes etwaige Vorgehen verdamme, welches dahin zielen würde, Montene­gro 'rmseren Feinden gegenüber zu vers-flickten. Wollen Sie über­dies erklären, daß Prinz Mirko krast unserer Verfassungsgesetze, ^besonders des Artikels 16 unserer Verfassung, keinen offi­ziellen Rang bekleidet und keinerlei gesetzmäßigen Einfluß in ! Montenegro lausznüben vermag. Ueberdres hören die in Mon- Iteireg-ro gebliebene:: Minister nach Bildirng des neuen Kabinetts hruf . zur Regierung zu gehören. Uebrigens hatten sie vor meiner Klbreise keine Vollmachten, die in dem okwnerwäkmten Artikel 16 longeführt sind. Sie kehren setzt in den Rahmen einfacher Beamter kmrftres teuren Vaterlandes zurück, das mit Gottes Hilfe und der dmftrer tapferen und ruhmreichen Verbündeten bald den Augen­blick seiner so sehr erhofften Wiederherstellung herankommen sehen wird.

Teuerung in Rußland.

Berlin, 25. Mai. (Privat-Tel.) Der BerlinerLokcrl-- nanzeiger" meldet crus Stockholm: Einer Meldung aus -Moskau zufolge hat am Sonntag auf dem Roten Platz eme gewaltige Teuerun g s kund gebuna stattgesun- derr, an der etwa 10000 Menschen, vornehmlich Arbeiter, sich beteiligt haben. Allgeinein wurde geschrien:Nieder Mit dem Krieg, wir hungern!" Die Menge plünderte eine Anzahl Läden.

Fn Bessarabien stehen infolge der Ueberschwem- rnung des Dnjestr über 3000 Quadratkilometer Acker unter Wasser. Der Schaden wird auf 100 Millionen Rubel geschätzt Die Note Amerikas an England.

Washington, 25. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Mel- ftmng des Reuterschen Bureaus. Das Staatsdepartement Hut Western dem britischen und französischen Bot­schafter eine identische Note überreicht, in welcher die Vorstellungen gegen die Anhaltung der regelmäßigen amerikarnschen Post durch Großbritannien und Frankreich lwiederholt werden.

leutnant vorrückte. Er sollte den Krieg erst lernen, ehe er ihn lenken durfte.

Karl Franz Josef hatte dazu beste Gelegenheit. Zwanzig Monate lang war er im Standquartier des k. und k. Armeeoberkommandos in ständiger Gesellschaft Konrads von Hötzerrdorffs- des überragendsten und genialsten Generals der österreichisch-ungarischen Truppen. Oft durfte er den Beratungen beiwohnen, in denen sonst nur unter vier Augen zwischen Konrad und Erzherzog Friedrich Tag für Tag die letzten endgültigen und entscheidenden Beschlüsse gefaßt wurden. Er hatte alle Truppenkörper, an allen Fron ten, aus allen Völkern Oesterreich-Ungarns, nicht nur ein mal, sondern wieder und wieder besucht, im fernsten buko- winischen Nordosten wie im äußersten Südwesten Tirols, und er wird nun, wie kaum einer im österreichischen Heere zuvor, wissen, wie jedes einzelne Volk dieses Völkerstaates sich schlägt.

Uns Oesterreichern ist es eine gute Verheißung und ein festes Unterpfand, daß der Habsburger Karl Franz Josef den ersten Stoß gegen den italienischen Schützengraben- und Festungswall geführt hat, den fast auf den Tag vor fünfzig Jahren der Habsburger Erzherzog Albrecht zerschmetterte. An Italien und dem österreichischen Süden ist Karl Franz Josef über das Maß seines künftigen Herrscherberufes rein menschlich aufs innigste interessiert: als Kind hatte er man ches Jahr in Brixen, der Stadt Südtirols, verlebt; Mira mar, Pas Schloß des Kaisers Max von Mexiko bei Görz, war sein Lieblingssitz; Tolmein (wie oft haben wir in diesem Jahre von der heldenmütigen Verteidigung des Tolmeiner Brückenkopfes gelesen!) war der Standort des Regimentes, das er mehst als Oberst kommandiert hat; und am Ende ist seine Frau, Erzherzogin Zita, im italienischen Schloß Pia- nore geboren, die Tochter jenes Erzherzogs Robert von Parma, der 1859 das Land seiner Väter verlassen mußtet

Darum soll das Wort Karl Franz Josefs gerade in diesem Jahr in den Tagen der Krise mit Italien, besonders ausmerkam gehört worden sein. Seit Beginn des Krieges nahm der Erzherzog-Thronfolger an allen Krön- und Kriegsräten im Schönbrunner Schlosse teil. Beim Besuche Kaiser Wilhelms im Winter 1915 war Karl Franz Josef bei dem kleinen Frühstück, das die beiden Herrscher allein Einnahmen und das ungewöhnlich lange währte, der Dritte an der Tafel. Vor kurzem aber wurde der Hofstaat des Thron­folgers umgestaltet und Graf Berchtold, der ehemalige Mi­nister des Auswärtigen, zu seinem Obersthofmeister ernannt. Der Fall ist einzig in der österreichischen Geschichte! Bis zum 12. Januar 1915-hatte Gras Berchtold an dieser ersten Stelle des Staates gestanden, viel befehdet, vielfach unterschätzt, aber in kürzester Frist von der Geschichte geradezu glänzend ge­rechtfertigt und bestätigt. Berchtold nämlich war in der Zeit des zweiten Balkankrieges mit pointierter Entschiedenheit für Bulgarien eingetreten. Ec schien manchem damals zu weit gegangen und bekam es bitter zu hören. Im Spätsommer 1915 aber sagte mir ein führender österreichischer Politiker: Wenn Bulgarien mit uns geht, nehme ich alles, was ich gegen Berchtold gesagt habe^ reumütig zurück!" Am 11. Oft. 1915 ging t3 mit uns!

Mittlerweile war der ehemalige Minister des Aeußern, Graf Berchtold, in seiner Charge eines Rittmeisters (a. D.) als einer der ersten Kriegsfreiwilligen an die Front gegen Italien eingerückt. Ein Jahr lang hat Oesterreich-Ungarn gegen den Bundesverräter in Defensive gestanden, Zähne zusammengebissen, Faust geballt. Ein Jahr lang wartete es ans das KommandoVorwärts!" Nun siel das erlösende Wort von dem Manne, der nach Franz Josef der Erste im Staate ist! H. W.

llekrfrsll auf einen deutschen Botschafts-Attache in New York.

.Münchener Neuesten Nachr." ge-

Der LeeMeg.

Berlin, 25. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Der schwache »DampftrA n g e r m a n l a n b" hatte am 23. Mai in der Nähe 'von Sartkluppe ein plötzlich vor seinem Bug auftauchendes U-Boot überfahren, das nicht wieder auftauchte und nach Ansicht der Be­satzung des Dampfers gesunken ist. Bon schwedischer Seite wird ijes als ausgeschlossen bezeichnet, daß es sich dabei um ein schwedi­sches Unterseeboot gehandelt habe.

Von zuständiger Stelle erfahren wir, daß ein deutsches ul n 1 er s e e b o o t ebenfalls nicht in Frage kommt , London, 24. Mai. (WTB.) Lloyds Agentur meldet: jDas russische SchiffR e g i n a" und die italienischen Schiffe ^Roberto" undGenista" sind von Tauchbooten Angegriffen worden.

Heerführer Uarl Franz Josef.

Man schreibt uns aus Wien:

In dem Generalstabs- und Siegesbericht vom 19. Mai 'ist der Thronfolger Karl Franz Josef zum erstenmal als Heerführer genannt. Nach fast zweijährigein Kriege hat nun cuch Oesterreich-Ungarns jüngster General das heiß- :rwünschte Kommando erlangt. An den Daten der Gesckffchte gemessen, ist er freilich nicht der Jüngste. Als der Krieg bc- Mann, zählte Karl Franz Josef 27 Jahre. In diesem Älter Watte der Sieger von Aspern, Erzherzog Karl, schon den Höchsten Rang: er war Feldmarschall der damals kaiserlich österreichischen Armeen. Karl Franz Josef aber blieb in sachlicher Bescheidenheit, was er war: der Erzherzog ^Oberst. Ein volles Jahr verging, ehe er sich die rottn Gene- jralsstreifen verdiente, und wieder ein Jahr, bis er vom Rang

/des Generalmajors kürzlich erst Min Feldmarschall- 1 rung, sie xurückzugeben, wurde n2ürlich abgetönt, als er aber

A:^ New Bork wird den schrieben:

Seit der Abberufung des deutschen Militärattachss in Washing­ton, Hauptmanns v. Papen, hat sein früherer Sekretär, Herr v. Igel, die geschästlichen Angelegenheiten erledigt, die nicht abgeschlossen werden konnten. Er 'wurde zu diesem Zweck als Mit­glied u:tt Attache der kaiserlich deutschen Botschaft akkreditiert und -erhielt die übliche Zusicherung der Unverletzlich- k e i t seiner Person, seiner Papiere und Geschäftsräume. Däs hat die amerikanisckM: Behörden, die schnell von den englischen zu lernen schienen, nicht verhindert, ihn in der br uta lst en Weise zu überfallen und zu verhaften, sowie cmen Teil der unter seiner Obhut befindliche:: Akten mit Beschlag zu belegen.

Der Uebersall fand genau 24 Stunden vor dem Augenblick statt, wo der Präsident dem Kongreß über das nach Berlin gesandte Ultimatum berichtete, und der Schluß ist vollauf gerecht­fertigt, daß man hoffte, Material zu finden, loelches zu weiteren Angriffen auf die Reichsregierung und die kaiserliche Botschaft dienen konnte. .Um wenigstens eine Entschuldig ung an geben zu können, hatte der Staatsanwalt eine Anllage gegen Herrn v. Igel wegen Beteiligrmg an dem Komplott, den Wellandkanal in Kanada zu sprengen, erhoben, obgleich auch nicht der Schatten eines Be­weises für die Anschuldigung vorhanden war.

Gegen 11 Uhr vormittags an dem betreffenden Tage kamen zwei^Männer in das Bureau und sprachen den Wunsch aus, Herrn v. Igel zu sprechen. Sie wurden in sein Zimmer geführt und machten frte Tür hinter sich zu, was nicht auffiel. Plötzlich hörte der im Nebenzimmer arbeiterrde Herr v. S k a l biut um Hilfe rufen, rarmte in Herrn v. Igels Stube und sah, wie er auf den Geldschvank zusprang, verfolgt vm: zwei Kerlen, die nicht gerade Vertraue7rer:vecke::d aussahen. Herr v. Skal packte den einen an der Gurgel und stieß deir anderen zur Seite, so daß Herr v. Igel den Schrank, an dem s8ch Äbrigens das Siegel der deut­schen Botschaft bef'mrd, schließen konnte. Im Nu hatten die Geheimpolizisten, deren Zahl sich inzrvischen auf sechs vernrehrt hatte, ihre Revolver gezogen und hielten sie den Opfern vor die Brust, was aber nicht den geringsten Eindruck inachte. Ihr Befehl, aus Stühlen sitzen zu bleiben, während die Polizisten das Bureau durchsuchten, wurde nicht befolgt. Herr v. Igel bestand darauf, daß er Mitglied der Botschaft und daher unantastbar sei, und wehrte sich verzweifelt gegen die Uebermacht. Herr v. Skal erklärte, da kein Haftbefehl gegen ihn vorliege, dürft seine Frei­heit in keiner Weift verletzt werden, und verlangte das jedem amerikanischen Bürger zustehende Recht, sofort seinen Anwalt benachrichtigen zu dürfen; auch forderte er, ihm müsse gestattet' Norden, das Bureau zu verlassen. Tie Polizisten verhinderten die Benutz::ng der Fernsprecher mit Gewalt :md zerbrachen die Apparate, als ihnen das zuviel Mühe machte. Hierauf ergriffen sie die Akten, die sich auf dem Schreibtisch befanden, und packten sie in eine Reisetasche, die sie mrtgebracht l-atten. Alle Proteste waren nutzlos, und auch das Ansuchen, den Staats­anwalt telephonisch um Erlaubnis zu bitten, daß Herrn v. Igels Rechtsanwalt herbeigerufen und ihin gestattet werde, mit den Men in das Gericht zu gehen, wurde abgeschlagen. Schließlich einigte man sich, daß Herr v. Igel die Reisetasche tragen und in seiner Obhut behalten sollte, bis der Richter entschieden hätte, ob die Akten unverletzlich seiln: oder nicht. Kaum hatten die Polizisten aber mit ihrem Gefangenen das Bureau verlassen, als sie ihr Wort brachen und ihm die Tasche unter Anwendung der rohesten Gewalt und schweren Mißhandlungen entrissen. Inzwischen hatte Herr tf. Skal entdeckt, daß inan von ftinem Pult alle dort befindlichen Privatpapiere und Briefe, darunder eure Anzahl von KorrespEdenzen an deutsche Zeitungei:, die er gerade abschicken wo llte, weg genommen hatte. Die Forde-

uun nochmals in der bestimnlteßen Weife erklärte, er ta,fe f:cv nicht langer gefangen halten und werde sich, falls nöttg, den Ausgang mit Gewall erkänrpfen, die Polizisten aber für die Folgen ver- antroortlich machen, machten ihm die Leute, die immer noch ihre Revolver schußbereit hielten, Platz, und er konnte von einem arideren Bureau in demselben Gebärche die Botschaft durch den Fern­sprecher von den: Vorfall in Kenntnis setzen.

Herr v. Igel wurde bald gegen Bürgschaft entlassen, und die kaq erliche^Botschaft nahm sich der Angelegenheit an. Das ameri­kanische Staatsdepartement kam bald zu der Ueberzeugung, daß es die Papiere wieder herausgeben müsse, aber der Juftiz- m in rfter ver zögerte die Ablieferung. Er hoffte augenscheinlich, doch noch etwas in den Akten zr: finden, das als Belaftungsmaterial in einem der vielen schwebenden Prozesse dienen könne. Auch er wird sich schließlich fügen muffen. Inzwischen machen f:ch die Behörden aber das Vergnügen, allerlei geheimnis­volle Andeutungen über den überaus wichtigen Inhalt der Akten m Zettungen gelange:: zu lassen, woran kaum ein Körnck»en von Wahrheit ist. Es geschieht eben alles, um Stimmung gegen o:e_ deutsche Regierung und die Deutschen zu machen, und in d:efem ehrenwerten Benrühcn reichen sich alle amerikanischen Be­amten, vom Präsidenten bis zum simplen Polizisten, die biederen Hände.

Am dem Reiche.

Wstimnnmgen über das Vereinsgesetz.

Berlin, 25. Mai. Der Reichstagsausschuß zur Be­ratung der AerrdeTmug des Reichsvereinsgesetzes besprach am Donnerstag noch einmal alle Probleme, außer dem gewerkschaftlichen, sehr eingehend, insbesondere auch die Frage des S p ra chenpcrr a g r a phen. Das Zentrum hatte solge7rden Antrag e:7:gebracht:Die Kommission wolle beschließen. Idem Reichstage außer dem vom Bundesrat vorgelegten Gesetzentwurf auch noch folgende zwei Gesetz­entwürfe zur llebernahme vorzuschlagen:Die §§ 12, 14 Nr. 1 und 6, 19 9fr. 3 des Vereinsgesetzes werden aufge- hoben." (Das sind die Besttrmnungen über den Sprachen- paragrchihen.)

Bei den Abstt77rmungen wurden die weitergeherrden An­träge der Polen und der sozialdemokratischen Llrbeits- gemeinschaft gegen deren Stimmen nbgelehnt, ebenso auch die einschränöenden Anträge der Konservativen gegen deren Stimmen und zwei Zetitrumsstimmen. Sodann wirrden die Regierungsvorlagen mit 19 gegen 8 Stimmen aTtgenom- men. Dagegen stimmten die Konservativen nnb zwei Ver­treter des Zentrums, die Polen und die Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft. Für die Regierungsvorlage sttmmten die SozialdeTTrokraten, die Fortschrittliche Volkspcrrtei, die Nationalliberalen und die Zentrumspartei mit Ausnahme der zwei Abgeordneten, sowie der Vertreter der deutschen Fraktion. Der Antrag des Zentrums wurde gegen 9 Stim­men angenommetu

Aeußerungen v. Batockis.

B e r l i n , 25. Mai. (WTB.) In der heutigen Sitzung des Hauptausschusses des Reichstages erklärte der Präsident des Kriegsernährungsamtes v. B a t o ck i, man dürfe nicht eine plötzliche Aerrderung oder Besserung aller Verhältnisse erwarten. Innerhalb von fünf Tagen ein Pro­gramm über ein so großes Gebiet wie die Volksernährung vorzulegen, wäre wohl niemand und auch ihm nicht möglich. Von besonderer Wichtigkeit ft: die Zusammenarbeit des neuen Amtes mit den Behörden der Bundesstaaten, der Heeres­verwaltung und der Zivilverwaltung. Große Schwierigkeiten biete das Verhältnis zu den einzelnen Bundesstaateu Aus Württemberg hlibe er bereits drohende Zuschrif­ten erhalten, die sich dagegen verwahrten, daß Württemberg durch Preußen ausgesogen werde. Ohne die willige Mitarbett der bundesstaatlichen Behörden und Organisationen sowie der ganzen Bevölkerung könne seine Tätigkeit nicht ans Erfolg rechnen. Eine der zu lösenden Aufgaben ft: die, mit Hilfe der Kommunen in den großen Wohngebieten Einrichtungen zur M a sse nspe i s un g zu schaffen; dies habe sich in Belgien sehr bewährt. Weiter müsse man sehen, woher weitere Reserven herangeholt werden könnten, um sie den Bedarfs­gebieten zuzuführen. Ferner sei eine Kontingentierung und Vereinfachung des Verordnungswesens nötig. Das Verhältnis zum Erzeuger müßte ein gutes sein und allzu scharf dürft man da nicht zufasftn, um nicht mutlos zu machen und die Arbeitsfreudigkeit zu unterbinden. Ein großer Teil der beklagten Uebelstände sei aus die letztjährige Ernte zurückzuführen. Werde die kommende Ernte gut, so könnten manche Wünsche berücksichtigt werden.

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Berlin, 25. Mai. (WTB. Anrtlich.) Der Kaiser hat heute früh im Reichskanzlerpalnis einen etwa einstÜTldigen. Vortrag des Reichskanzlers entgegengeTwnrmen.

Berl in, 25. Mai. (WTB.) Der Kaiser begab sich am frühen Morgen zu einer Besprechung mit dem Reichs­kanzler nach dem Reichskanzlerhaus. Um IlVsUhr empfing der Kaiser im Schloß Bellevue die türkischen Prinzen Elmer Farok Efftndi und Amet Maureddin Efftndi und im An- chluß hieran die hier weilende Abordnung der türkischen Abgeordneten. Zur Frühstückstasel bei Ihren Majestäten waren geladen die hier aggregierten Gesandten der deutschen Bundesstaaten und die Staatsftkretäre.

Berlin, 25.Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Der Präsi­dent des Reichstages Dr. Kämpf hatte heute abend die an- weftnden türkischen Abgeordneten zu einem Festmahle im Hotel Mlon enrgeladen. Ueber hundert Gäste leisteten de: Aufforderurig des Präsidenten Folge. Vizepräsident Dr. P a a s ch e hieß die türkischen Gäste in einer Ansprache will­kommen, auf die der Abgeordnete von Konftantinopel, Salab Eddin Bey Ddjimdjer erwiderte.

Aus Studt und Lund.

Gie ßen, 26. Mai 1916

Finnland.

Die Vereine, die zum. Baltenvvrttage eingelab#t hatten, hatten ür gestern übend zu einem dritten Vortrage Professor O ehq u i st (Helsingsors l gewonnen. Erve Heimat, Finrlland, über die der Red­ner sprach, ist auch^ uns in ihren Schicksalerr durch die Kriegsereig­nisse näher gerückt irwrden. Be: der sehr eingehenden Schilderung von Land und M'enschen, einem harten Volksschlag von etwa 2 1 /* Millionen Menschen in einem Land von herber Schjönheit, betonte der Rcdner vor allem das persönliche Freiheitsgefühl des Finn­länders, ians dem sich ein starkes soziales jBewußtsein entwickelt Hobe. Ter finnische Bauernstand habe niemals die Leibe:genschaft kennen gelernt. Dift völkische Eigenart der Finnen blieb von den Schweden, die wohl die .Herren, aber niemals die Bedrücker des Landes waren, während einer 600jährigen Herrsckmft unangetastet. Als Finnland 1809 durch den Krieg mit Rußland von Schweden losgerissen wurde, nahm es sein Schicksal in die e:g>ene Hand, indem es R::ß- lands Angebot annalml, unter der Verfassung, die es bis dahin unter Schweden gehabt habe, selbstständig zu sein. So war es Finnland vergönnt, sich bis 1899 als ein den russischen Ver- hälkniflen ziemlich entgegengesetztes Staatswesen verhältnismäßig ungestört zu entwickeln. Damals herrschten Ordnung und Recht- sicher heit in: Lande, Besteckflichkeit war unbekannt. Es hatte seinm eigenen .Staatshaushalt, seine eigene Heeresverwaltung, nahm selbstständig ausläirdische AttteiHen auf, knüpfte mit seiner eigenen