Ausgabe 
18.5.1916 Erstes Blatt
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mtfeterftauten j>ber ntifcixartft werten tu Anbetracht der Art und Meise, in der Schweden die Fortermigen der Neutralität in schwie­riger Lage stets erfüllt hat. Ich brauch? nicht hinzuzusügen, das; die Regierung während des ganzen Verlaufes des Krieges jeder lpolitischen Diskusion ferngestanden hat, die in dieser oder jener Richtung von den wiederholten Erklärungen der Regierung ab tvercht, und daß die Regierung solche Erscheinungen bedauern muß die geeignet sein können, das Vertrauen zu dem Willen, Schwedens Selbständigkeit und Neutralität zu wahren, zu vermindern. Was die vom Vorredner- besonders berührte Frage betrifft, muß jeder der die geschichtliche Entwicklung der sogenannten Alandfrage studiert hat, einsehen, daß diese Frage eine Lebensfrage für Schweden ist. Dies war auch die 2lnsicht des schwedischen Reichs tages 1908 und ist die Ansicht der schwedischen Regierung 1916. Ich bin überzeugt, daß diese Meinung auch jetzt vom schwedischen Reichstag geteilt wird. Aus diesem Grunde kann ich der Kammer in lieberem stimmung mit dem, was ich eben ausgesprochen habe, versichern, daß die Regierung es für ihre Pflicht hält, diese Frage mit unerläßlicher Aufmerksamkeit zu ver­folgen, und daß sie nichts unterlassen wird, um aus diesem wie auf anderen Gebieten die Rechte und Interessen Schwedens wahr- zunehmen. Nähere Erklärungen kann ich aus leicht begreiflichen Gründen jetzt nicht abgeben.

Nach der Rede des Ministers erhielt der Sozialist 'B r a n - t i no das Wort.

Der Transport der Serben nach Mazedonien.

'London, 16. Mai. (WTB.) Wie das Reutersche Bureau erfährt, verhandeln die britische und griechische' Regierung über den Transport der serbischen Truppen nachMaze- donien. Eine Verletzung griechischen Gebietes werde nicht statt-

finden.

Brasilien und das Völkerrecht.

Rio deJaneiro, 17. Mai. (WTB.)Journal de Comer-- cio" teilt mit, die b r a s i l i a n i s ch e Negierung werde in einer an die fremden Negierungen gerichteten Denkschrift ihren Standpunkt zu den verschiedenen Fragen des Völkerrechts dar- die durch den gegenwärtigen Krieg aufgeworfen worden sind.

Der Scefrfeg.

Ein Seegefecht au der flandrischen Küste.

Brüssel, 17. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Gestern nach­mittag erschienen englische Seestreitkräfte vor der flandrischen Küste. Deutsche Torpedoboote und BewachUngs fahrzeuge liefen daraufhin aus, wobei es zu -einem kurzen Artilleriegefecht aus große Entfernun­gen kam. Eines der deutschen Flugzeuge warf während des Gefechts auf einen feindlichen Zerstörer Bomben ab und erzielte dabei einen Treffer im Hinteren Kommandoturm -des feindlichen Fahrzeuges.

London, 17. Mai. (WTB. Nichtamtlich.') Meldung des | Reuterschen Bureaus. Die nt i r a I i t ä t teilt mit, daß gestern irachmittag in der Nähe der belgische n ,K ü fr c eine B e g c g nung zwischen einem Geschwader britischer Zer störerund Moni toren und einigen deutschen Zer 'störer u stattgefunden hat. Nach kurzem Gefechte zogen sich die feindlichen schisse nach ihren Häfen zurück. Das britische Geschwa der hatte keine Verluste.

Berlin, 17. Mai. (Priv.-Tel.) DasBert. Tagebl." meldet -aus dem Haag- Eine Liverpooler Versicherungsgesellschaft be j zifsert die hauptsächlichen S ch i s f s v e r l u st e im April 1916 !<mf 118183 000 Mark gegen 42 Millionen im April 1915 und >6 500 000 Mark im April 1914.

London, 17. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds meldet In Great Yermouth ist am 16. Mai der holländisch DampferBa lavier 5", der mit gemischter Ladung von (London nach Rotterdam unterwegs war, morgens in die Luft ge -flogen. Bier Mann der Besatzung wurden getötet, der Rest wurde sgelandei.

Aus dem Hag wird hierzu gemeldet! Das Rettungsschiff Atlas" verließ den Ankerplatz, um nachBatavier 5" Nach forschungen anzustellen.

von ihm keine Rede über Kriegsziele erwarten dürfe. Seme Aigrcht sei, in dieser für die Weiterentwicklung Deutschlands so entschetten- den Zeit vereinzelt laul gewordenen Zweifeln und Bedenken gegen­über das koloniale Interesse zu sammeln, neu zu beleben und, wenn möglich, die Zweifel und Bedenken, die seiner Ansicht nach nur auf rein äußerlichen Vorgängen entstanden seien, zu zerstreuen. Zum Schlüsse faßte er seine Ausführungen ungefähr wie folgt zusammen: Ich glaube dargetau zu haben, daß die ursprünglichen Gründe für eine a k t i v e d e u t s ch e Kolonialpolitik nicht nur weiter bestehen, sondern noch triftiger wurden, daß ein neuer militärischer dazu kam, daß wir wegen der Verteidi­gungsfähigkeit des deutschen Kolonialbesitzes in der Zukunft nicht allzu ängstlich zu sein brauchen, daß für den deutschen Kolonialbesitz die Beherrschung der Meere keine absolut notwendige Voraussetzung ist, wohl aber, daß ein deutscher'Kolonialbesitz eine wertvolle U n- t e r st ü tz u n g der deutschen Seegeltung. bieten kann und schließlich, daß der kontinentale Wirtschaftsbund Berlin-Bag- d a d eine wertvolle Ergänzung des deutschen Kolonialreiches zu bieten vermag. Ich glaube weiter nachgewiesen zu haben, daß nicht die Erhaltung des deutschen Kolonialbesitzes den Keim zu neuen kriegerischen Verwickelungen in sich trägt, sondern daß viel eher er­zwungener oder freiwilliger Verzicht aus ihn diese Gefahr mit sich bringen wird. Auf Grund dieser Zusammenfassung noch eine kurze Würdigung der Vorteile, welche gerade unsere Hauptfeinde aus ihrem Kolonialbesitz gezogen haben, gebend, zog der Vortragende das Fazcit seiner Ausführungen: Ohne aktive Kolonialpolitik ist eine gesicherte und ruhige Weilerentwickelung Deutschlands un­denkbar.

Graf Julius Andrassy in München.

München, 16. Mai. (WTB.)-Zugunsten des Roten Kreuzes sprach am heutigen Abend im dicht gefüllten, großen Hörsaale der Ludw-ig-Maximilians-Universität Graf Julius Andrassy über die Solidarität des Deutschtums und des Ungartums. Unter den Erschienenen bemerkte mau außer dem österreichisch^ungarischeu Gesandten den ehemaligen bayerischen Gesandten am Wiener.Hofe, Ministerpräsidenten a. D. Grasen Podewils. Mit Nachdruck wies der Vortra­gende die von gegnerischer Seite ausgestellte Behauptung zurück, daß der jetzige Weltkrieg dem deutsch>-österreichisch- ungarischen Bündnis zur Last falle, und faßte seine Ge­zanken über eine engere Gestaltung der politischen und wirt- chaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Ungarn dahin zusammen, daß das auf dauernden Interessen b'e ruhende Bündnis zwischen Deutschland und Oesterreich Ungarn noch enger gestaltet werden müsse. Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen.

Aus drm Reiche.

Eine Verständigung in der Steuerfrage?

Berlin, 17. Mai. In der heutigen Sitzung des lSteuerausschusses des Reichstags gab zu Beginn Zer Verhandlungen der Schatzsekretär Dr. Helfferich folgende Erklärung ab:Gestern und vorgestern haben rVerhandlungen mit den F-inanzministern der Bundesstaaten (nüer die schwebenden Steuerfragen stattgefnnden. Das Er sgÄurs der Beratungen läßt erhoffen, daß die bisher moch ungeklärten Fragen zu einer Lösung geführt werden kennen- Angesichts des engen Zusammenhanges der ver IWjwöKn Steuervorlagen erscheint es, bevor der Steuer- ausfchuß seine Beratungen fortsetzt, nützlich, abzuwgrten, rnwrewmt die Hoffnung hinsichtlich der verschiedenen Punkte, I^^..^'.§^E6Zltenergesetz in engem Zusammenhang iteyen, sich erfüllt. Der Hauptausschuß des Reichstages wird 2 iwvgen die zweite Lesung des Kriegssteuergesetzes vor­nehmen." Auf Vorschlag des Vorsitzenden vertagte sich herauf der Stenerausschuß auf Freitag, wo sämtliche 'Steuervorlagen zur Beratung gestellt werden sollen.

Berlin, 18. Mai. Sämtliche Blätter berichten nach der ^Germania", daß die Verhandlungen im Bundesrate mit !den Frnanzministern der Einzelstaaten über die Steuervor Schlage zu einer Verständigung geführt haben. An Indirekten Steuern würden nach dem Kompromiß zur Erledigniig gelangen: Die Erhöhung der Postgebüh­ren rn etwas geänderter Form, der Fr a chtur ku n de n- Stempel und auch die zunächst umstrittene Tabak-und Zigarre inteuer einschließlich der Zigaretten- steuer. Auch die vom Steuerausschuß beschlossene Um- 1 atz st eu e r sei nunmehr gesichert. An d i r e k t e n Steuern wurden kommen: erstens eine einmalige Abgabe vom Vermögen. Man gehe dabei von der Annahme <rus, dap 10 Prozent aller Vermögen dem .Kriegsgewinn glctchzuerachten seien. Von diesen 10 Prozent aller Ver- rnögen von 20 000 Mark auswärts soll eine einmalige' M- lgabe von 10 Prozent erhoben werden. Diese einmalige Ver­mögensabgabe werde in die Kri e gs g e Win n ste ne r -hineingearbeitet, die als zweite direkte Steuer kommen :wrrd. Tie Gesamteinnahme aus den genannten idirekten sSteuern und ans der einmaligen Vermögensabgabe werden lauf rund 750 Millionen veranschlagt. Mit der Krieos- ! gewmnsteuervorlage hätte der Ausschuß auch die Besteue- !ZENS des Einkommeuzuwachfes beschlossen. Gegen diesen Beschluß habe der Bundesrat Widerspruch erhoben, ebenso gegen die Wiederholung des W e h r b e i t r a g s. Letzterer üomme also daher nicht mehr in Frage und ebenso seien aus ^r Kriegsgewinnsteuervorlage die Beschlüsse betreffend den Einkommen zuwachs gestrichen worden. Die Kriegsgewinn- Iteuet soll erhoben werden von jedem Zuwachs des Ver­mögens von 3000 Mark auswärts.

Staatssekretär Tr. Solf über Weltkrieg und Kolonialpolitik.

Berlin, 17 Mai. -WTB. Nichtamtlich.- Im großen Saale rnionie hielt heute abend aus Veranlassung der Deutschen >ell schart Staatssekretär Dr. Sols einen Vortrag Bevor

der Philh Ävlonralg

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nlT icinrii Vortrag begann, begrüßte der Präsident ter'Deut- üoloinalgfsfllichatt, Herzog Johann Al brecht zu Mecklen- -ckpoerm, die Anwesenden. Staatssekretär Tr. Solf be­bak man, wie die Verhältnisse nun einmal liegen würden

Berlin, 17 Mai. (WTB.) In der heutigen Be­sprechung über die Versorgung Groß-Berlins wurde unter dem Vorsitz des Ministers des Innern die Be Hebung einer Reihe von Mißständen in der NahrUnas Mittelversorgung erörtert. Im Mittelpunkt standen die brennenden Fragen der B u t t e r - u n d F l e i s-.ch v e r s o r gn n g. Der Minister wies unter anderem darauf hin, daß die Butterkarte und die Fleischkarte variabel zu gestalten seien, je nach dem vorhandenen Butter- bezw. Fleisch ^orrgL. Es sei unerläßlich, den Verkauf von Butter und Fletsch derartig zu regeln, daß die Käufer ihren Bedarf iit

führung der Fleischkarte in allen Gemeinden Groß-Berlins gerechnet werden. Uebereinstiminend wurde die Nottvendiq- kelt anerkannt, in der nächsten Zeit den Fleischver­brauch auf das Aen ß e r st e e i n z u s ch r ä n k e n, iim die Fleisch- und Milchversorgung für den Herbst und Winter sicherzustellen.

Ans Stctzdt und Lcrud.

Gießen, 18. Mai 1916. Die ReichHfleifchstclLe.

.Leipziger Neuesten Nachrichten" schreiben unter

Die

dieser Ueberschrift:

Wenig bewundert und viel gescholten, das ist das Schick- wl, das die Reichsfleischstelle in den ersten Monaten ihres Be stehens über sich hat ergehen lassen müssen. Ein Vorwurf freilich, her sie selbst zu Unrecht trifft, weil sie für die Zuj- stande, die sie bei der Aufgabe ihrer Arbeiten vorsand, nicht verantwortlich ist und naturgemäß eine gewisse Schonzeit braucht, um die Maschine in Gang zu bringen, mit der sie den Schwierigkeiten der Fleischversorgung ein Ende zu ma­chen hofft. So ganz einfach ist das natürlich nicht, die Re­gierung hat auch in diesem Fall die Dinge viel zu sehr an sich

rankommen lassen, als daß jetzt plötzlich von heute auf

morgen ein Umschwung zu erwarten wäre. Wer also nicht unangenehm enttäuscht sein will, der tut gut daran, sich auf einige Monate der Fleischknappheit einzurichten, allerdings mit der angenehmen Aussicht, daß wir gewissermaßen nur vorhungern und dafür im Herbst mit Verhältnissen rechnen nnnen, die, wenn auch nicht wieder Friedenszustände schaffen, o doch iedem einzelnen ein beschränktes Maß von Fleisch icherstellen.

Das Vieh bietet ja in seiner Bewirtschaftung für das Staatsganze insofern seine Schwierigkeiten, als es nicht, wie )as Getreide, beliebig beschlagnahmt und verschickt werden nun, daß es vielmehr bis zum denkbar letzten Augenblick nn Besitz des Erzeugers gelassen werden muß. Auf der an­deren Sette aber muß dem Erzeuger auch ein bestimmter Gewinn sichergestellt sein, wenn er nicht die Neigung zur Aufzucht verlieren soll. Deshalb war hier ein ganz anderer ehr viel umständlicherer Aufbau als beim Brotgetreide not­wendig : die Schaffung von Biehhandelsverbänden, die frei­lich bisher sehr ungleich gearbeitet haben, von denen man aber doch vielleicht hoffen darf, daß sie nach der Uebergangs- zeit ihrer Ausgabe gerecht werden.

Ueber ihnen schwebt die Reichsfleischstelle, die für die Verteilung zu sorgen hat. Aber auf Grund wclcheii Maß- tabes? Trotz der Fülle von Statistiken, mit denen wir auch in Friedenszeiten überschüttet worden sind, scheint eine ver­nünftige Statistik über den Fleischkonsum der Bevölkerung nicht vorzuliegen. Der Maßstab müßte also anders geschaffen werden. Denn die Einfachheit der Verteilung auf die Kops- zahl, die \a das Naturgemäße war, hat bei der Verschieden- artigkert der Lebensmittelbedingungen im Osten und im Düften in Stadt und Land in ihren Wirkungen etmas so Oberflächliches, daß sie als berechtigte Grundlage nicht an­erkannt lverden kann. Sie würde dem^ einen zu viel, dcnr anderen aber viel zu )venig zusprechen. Die Reichssleischstellc hat sich nun dadurch geholfen, daß sie den Durchschnitt der Schlachtungen der letzten fünf Jahre seststellte und dadurch den Durchschnittsbedarf der einzelnen Landesteile heraus- rechnete. Diesem Bedarf galt es nun den vorhandenen Vor­rat üegenüberzustellen. Der Versuch aber, zwischeii beiden mrwn Ausgleich herbcizuführen, war deswegen nicht so eiw ach, weil mit bestimmten feststeheiiden Bedürfnissen zu rech- neu war, dre es in erster Linie zu befriedigen galt. Einmal ne Aiiforderungen des Heeres, an denen nichts gestrichelt werden darf, denn es ist selbstverständlich unsere erste Auf­gabe, dafür zu sorgen, daß die Soldaten draußen im Felde

gut uitb ausreichend ernährt werden, daneben die Anforde^ rungen der immobilen Truppen und der Lazarette,^ an denew auch nichts gespart werden kann. Von den drei großen Grup­pen also, deren Bedarf gedeckt werden sollte, war '.iur bei der letzten, der Zivilbevölkerung, eine Beweglichkeit möglich. Und sie hat infolgedessen die ganze Differenz zu tragen, die sich herausstellle, als man den Bestand an schlachtreifem Vieh mit den angemeldeten Mengen verglich.

Der Bestand an schlachtreifem Vieh ist in diesem Jahre ungewöhnlich gering, geringer vielleicht noch, als die Vieh­zählung erkennen läßt, die für den 15. April angesetzt war, uird deren reine Zahlenergebnissc nicht einmal zu Bedenken Veranlassung geben. Aber die Ungunst der Witterung, unter der wir im vergangenen Jahre zu leiden hatten, macht sich gerade jetzt in ihrer Nachwirkung am schlimmsten geltend, weil die Einfuhr an Futtermitteln nur sehr gering ist. Von der letzten Rauhfutterernte ist im Osten der erste Schriitt größtenteils ausgefallen, der zweite zum großen Teil durch Regen verdorben, die Haferernte war so schlecht, wie sie seit einem Menschenalter nicht vorgekommen ist, und auch die Strohernte war ganz schlecht. Die natürliche Folge war, haß viele Landwirte ihr Vieh vorzeitig abgestoßen haben, und daß jetzt die Produkte der Stallmast, die sonst um diese Jahreszeit auf die Märkte gebracht wurden, ansfallen. Eine Fleischknappheit also ist, nachdem rechtzeitig versäumt wurde, in den Zeiten des Ueberangebotes große Mengen Gefrier­fleisch anzusammeln, unvermeidlich. Die einzige Aufgabe, die die Reichsfleischstelle zu erfüllen hat, besteht darin, für eine gleichmäßige Verteilung der vorhandenen Bestände zu sorgen und aufzupassen, daß, wenn schon gespart werden muß, dann auch gleichninßig gespart wird, und daß nicht gerade in den Großstädten, durch Fehler der Organisation, das Fleisch auf die Preishöhe unerschwinglicher Delikateßware heraus- getrieben wird. Geschi ht das>, dann müssen wir uns wohl oder übel mit den gegenwärtigen Mißständen abfinden, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft und in der Gewißheit, daß zum Herbst wieder erträgliche Verhältnisse eintreten werden.

*

Die üereittigten Hassia-Militärvereine Gießens

haben über ihr? Kciegstätigkeil Bericht erstattet, woraus folgendes zu entnehmen:

Ti? dem Landoskriegerperband Hassia an geschlossenen neun hiesigen Militärvereine, nämlich Kviegerverein. Vetercrnenverein, Kriegcr»amieradschaft, Marine-, Garde-, . Artillerie-, Pionier-, Kavallerie- und ehemaliger 116er Verein bilden für gewisse ge­meinsam? Aufgaben seit 1902 genannte Vereinigung.

Die Bereinigung hat zusammen 1126 Mitglieder, davon stehen 453 ,im -Kriegöd wirst. 31 Mi tglieder starben den Heldentod. 52 Aüs- zeichnungen von Mitgliedern mit dem Eisernen Kreuz (darunter cnlch soll ' mit 1. Kl.) und 56 sonstige sind bekannt geworden. Tie Vereine haben sich während dem Krieg ganz besonders der Liebes- .tgieir gewidmet. So wurden an Mitglieder etwa für 2300 Mk. Liebesgaben gesandt. Ebenso haben v>erschiedene Vereine Liebesgaben für beuimmle Truppenteile gesammel., bzw. sich an öffentlichen Sammlungen beteiligt, 2 Vereine, die selbständig Sammlungen veranstalteten, hatten z. B. zusammen für ettva 1700 Mk. Gaben abgesandt. Tie Vereine wandten weiter zum Teil recht ansehnliche Summen aus dem Vereinsvermögen sowohl für Libesgaben, als auck für Unterstüsungszwecke für ihre Mitglieder auf, wie auch rcckn viele ^Mitglieder außerdem- in bar und nattrra dazu sehr wesent­lich beilragen. Für die Unterstützung van alten Veteranen standen der Vereinigung noch Mittel ans früheren Wohltätigkeitsveran- stalttmgen und aus Gaben der Bezirkssparkasse zur Verfügung, von denen auch, eine Anzahl auswärtiger Mitglieder untersllitzt wurden.

Auch einige iVereine haben Barunterstützungen rn reichem Maße an a l 1 e Bet e r a n e n ausgestellt. Gerade diesen alten Veteranen, t\c wtzt schon fast durchtveg durch ihr hohes Mter nicht mehr er­werbsfähig sind, wenn sie nicht Vermögen besitzen oder aus andere Weise ihr Auskommen haben, soll der Lebensabend erleichtert werden, sie dürfen durch die neuen Kviegshandlnngen nicht in Vergessenheit geraten. Darum muß an Auffrischung der bald erschöpften Mittel zur Unterstützungen, die Leine Almosen darstetten dürfen, gedacht werden.

Für die Unterstützung von Angehörigen jetziger Kriegsteilnehmer- einerlei ob letztere einem Verein angehött'en oder nicht haben die Vereinigungen und die Vereine viele Tau­sende Mark aufgewandt. Die Beträge wurden meist ans den Ber- einsvermögen entnommen, aber auch die cinzslnen Mitglieder haben durch Gaben in bar und in natura sehr reichlich dazu bei- gerragen, daß Angehörigen von .Kriegsteilnehmern die dkbwesenheit oder der Verlust des Ernährers nicht so sch.wer loird. LVienu auch durch die gesetzliche:: Famliennlnterstütziimgen, sowie durch die Für- sorgetätigkeit der Stadt und des Roten Kreuzes in mierkennens- werter Weise gesorgt wird, so koimte gerade der Vorstand der Ver­einigung in sehr vielen Fällen sich die besttmmte Ueberzeugung perschasfen, daß es caid) noch Notfälle gab, mo eine unauffällige Zusatzunterstützung sehr nötig war etwa 1300 Mk. wurden dafür von der Vereinigung allein verausgabt. Lttder stehen auch hierzu weitere Mit Kl nickst mehr zur Versügmig, öffeittlickies Sammeln ist nicht mehr zülüssig. Ob die erforderlichen Mittel fernerhin Mich freiwillig gespendet werden, bleibt avzuwarten. Es wäre jeooch schade, wenn dke außerordentlich bewährte Untcrstützungstätigkeit, wie sie seither bettieben wurde, mangels der erforderlichen Mittel aushoren würde.

Tie Vereine haben während der Kriegszeit rege mit ihren dr außenstehenden Mitgliedern in Fühlung gestanten, so daß reich- hattige V e re i n s chr on i ken entstehen. Tie dah?imgebliebenen Mitglieder versammelten sich in den Vereinen zeitweise nicht nur um über Vereinsangelegenheiten zu beraten, sondern auch um Erlebnisse heim gekehrter Kriegs kam erad>en und Vorträge anzuhören.

Taß dabei alle Friedenmöglichkeitei: erörtert und gewünscht wurden, läßt sich denken. Die Vereinigung l-at eine Beratungs­telle eingerichtet, die Mitgliedern und sonsttgen Kriegsteil­nehmern und deren Angehörigen über alle Angelegenheiten kosten­los Rat erteilt, sei es in Uitterstützungs- und Rentcnsachen oder sonsttgM Rechts angelegen hei ten. Bewährte Sachverständige wirken dabei mit. ?lnfragen sind an den Letter, Bahnhofstraße 66 II, zu richten oder Sonntags, vormittags von 1011 Uhr, mündlich vorzubringen.

Die »nieder ans dem Krieg zurückkehrenden Mitglieder lverden über die Leistungen der zu Halste gebliebenen nicht zu klagen haben

** Auszeichnu n g. Dem Jäger Heinrich M e l ch e r aus Gießen, 4. Komp, des Reserve-Jäger-Batmtlons Nr. 24, seil dem Juli 1915 im Felde, wurde die Hessische Tapferkeits­medaille verliehen.

F l ei s ch v e r s o r gu n g. Zurzeit mackst sich hier wie a\\* derwärts ein gewisser Mangel an Fleisch bemerkbar. Diese Erscheinung jst einmal eine unvermeidliche Folge des Ueberganges vom freien Verkehr zu einer Regalnilg der Versorg,mg, die eine möglichst gleichmäßige Verteilung des zur Verfügung stehenden Fleiiches bezweckt. 'Andererfeits> ist'der Bestand an s o s o r t schlackst- ifem Vieh augeirblicklich nicht sehr groß. Es ist aber begründete Aussicht vorhanden, daß sich die Verhältnisse in den nächsten Mo­naten erheblich bessern werden. D r i i:ge nd e r f o rde r l i ch ist es, daß, jetzt mit dem Vi eh siparsam und haushäl te­il ch um g ega n gen wird, dmmit für die Herbst- und Wintermonate auSreichemd Fleisch zur Verfü­gung steht. Zrirzett, wo fri,che Gemüse hinreichend vorhanden :nd, köimen sich die Haushaltungen ohne oder mit nur wenig Fleisch weit eher behelfen, als in der käSteren Jahceszett Alles, was fetzt an Fleisch erspart wind, kann später ver­raucht w e r d c n!

D i e Fl e i s ch e r i n n u n g 6) j e ssc n gibt beka.mt, daß die Laden ihrer Mitglieder an den für den Füeych- und Wurstverkauf reigegcbeueu urageu, soweit Vorrat vorhanden, morgens nicht vor i Uhr und nachniittags nicht vor 4 Uhr geöffnet sind.