** Die Allgemeine *J r ts tränten fafi« Gietzen- Stadt hat trotz der durch bet Krieg geschaffenen schmierigen Ver- bältniffe auch im Jahre 1915 günstig abge.chnrtlen. Die Turnah- mm der Kasse betrugen im Voriahre 258 342.49 Mk, die Ausgaben 866 295 17 Ml'. Das Vermögen der Kasse betrug Ende 1915 806 243 97 Mk. gegen 189 084.23 Mk. Ende 1914. mithin eine Zunahme von 17 159.74 Mk. Im Hinblick aus den gegenwärtigen Stand der Kass-enverhältnisft hat der Vorstand der Ortskrankm- «asse beschlossen, beim Veriichcrungsamt die Genehmigung zu erwirke,! das; für die Folge den Mitgliedern der Kasse das Krankengeld auch für die Feiertage (soweit solche auf einen Werktag satten) oevlhlt daß außerdem das Hausgeld bei Krankenhausbehandlung rn Höhe des Krankengeldes gewährt werden kann. Diese Mebrlei- si-,innen waven bei der Kasse bereits vor dem .Kriege eingeführt. ImK ab^infvlge Notgesetz vom 4. August 1914 eingestellt
werden.^ reffen de Urteilsbegründung. In einer Sckoffenaerichtssitzung in Köln machte der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Dr. Küppers, gelegentlich einer Strafsache den übermäßigen Gewinn bettcffend folgende Ausführungen: Ter Umfang des Begriffes des übermäßigen Gewinnes ist zu um- ^-ichnen nach der Strafandrohung der Bundesratsverordnung vom 83^uli 1915 fiür Preise, die unter Berücksichtigung der gesamten Nerbältnisse, insbesondere der YNarktlage, eineii übermäßigen Gewi m enthalten und nach dem Zivecke der Verordnung die Verbraucher vor Uebersorderungen schützen. So erhält der Richter die ^eritnug bei seinen Entscheidungen die Lage ^.euffchlands, denen tarnte Verhältnisse in diesem Weltkriege vor ungeeigneten Maßen £nb Folgen zugrunde zu legen, die gebieterisch verlangen, da» der (finulnc wie er vor dem Feinde alles l>ergibt. auch nn wirtschaftlichen Lcbcn seine das M^meinnwhl schadi- c,enden Sonderintercssen hinter die der Allgernnnheil stellt, ^.imit sind folqende in der dicsseitrgcn Rechtspreclumg «c-^cnen t^lqernnaen sieaeben: 1. Jeder über einen iwrnialcn Frieden ?
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Arbeit
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und Risiko
dem
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gewinn hinaus gehende. Nicht lmonders
recht fertigte Gewinn ist unpatthaft. - sich Uer auch bei einem frevelhaft, insbesondere durch Preistreiberei erhöhten Marktpreis, mit einem mäßigen Gewinn -.-I begnügen. 3. Jeder unnötige, nur dem Interesse des betteffen-
Händlers dicmende und lediglich Preistreiberei herbeisuhmide Zwischenhandel, in den in dieser Zeit sich dem Handel oder d<m betastenden Harchelszweige fernstehende, unb^nfene Perlten eindräugten, wo also der direkte Weg zum Verbraucher hntxt* offen steht, ist auch beim geringsten Gewinne, dß iol'cher nach Wortlaut und Ziel gedachter Verordnung eben crn üb-wmäßiger Gewinn ist, strafbar Hiernach ist alto Ketten- und Schiebcrhandel mit den btshertgen
s 'mnrnngen der Bnndesratsvervrdnnna betreffend übermäßigen
. i -nrn und solgerichttg auch auf Grmu> der vom 23. ^nl l915 mir Fernhaltuug unMverl affig er Personen vom Handel 1 e h r wohl beizukommen. Diese zwei Bewrdmrr^i, hiernach rtmc Buchstaben-Bedenken großzügig und dem furchtbaren Ernst
Zeit entsprechend angewandt. bieten neben den Bundesrats- verordmwgen, betreffend Höchstpreise, sowie betrettend unerlaubtes 'HuRückhalten von Waren ausreichende Handhabe zur ''.'kümvfung des Kriegswuchers. Ilm, der durch die -chnld einer ruchlosen Minderheit die Spannkräfte des Volkes mit. kühostrm Drucke niederhält, mit zermalmender Faust auszu- i^tten und so dem ehrsamen Handel fteie Bahn zu schaffen ist das Gebot der Stunde, und wie sehr das unserem vh*"^ dessen Erfolge in ihrer vollen Wirksamkeit er zu beeinträchtigen vermag, geschuldet wird, läßt sich diirch Worte gar nicht Ausdrücken. , „ r .
*- Darf ein Kanfm ann seine Butter für seine Kundschaft zurückhalten? Diese Frage die das Recht des Publikums aut den Bezug von Butter betrifft, ist vor einigen ?xrgen vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte in längeren Aus- ft'chrmWen geprüft nwrden. Eure bekannte Berliner Bulterhand- iung hatte, 'lfm der Ansammlung von Frauen vor ihreni Geschäft «iffg^'genMrtreten, an ihre Kundschaft Gutscheine ausgegeben. gegen die aiff 6^rund der Butterkarte der Kauf von Butter gewährt .imtbc Sic lmt infolgedessen ahgelehnt. Käufern ohne Gutscheine Butter zu verkaufen. Tie Firma hat hierbei die ihr zugeteitte Menge auch stets verkauft und gegen die Kriegsgesetze nur dadurch ^Hrrstvßen. daß sie die Butter nicht jedermann, sondern mir einem bestimmten Kreis von Personen abgab. Das Gericht kam zirr Verurteilung der Firma, weil ein Reservieren von Butter für best, anntc Personen imzulässig ist. Damit hat das Gericht auch in- 'tfftf ausgesprochen, daß der auf eine Lebensmittelkarte Bezugs- 'berechtigte nicht ans einen bestimmten Händler oder Verkäufer ange- "iesen rst und daß ihm verkauft werden muß, lvo die entsprechenden Vorräte vorhanden sind.
** Fahrraddieb st ah l. In der Nacht zum 16. Mai wurde aus dem Hofe eines Hauses in der Bahnhofstraße dahier ein Fahrrad, Marke „Deutschland" von der Firma August Huckenbrock von Einbeck entwendet. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige .Kriminalpolizei entgegen.
** Die Haurau nn d die Papier ersparnis. Die städtische Preisprüfunysstelle Frankfurt gibt bekannt: ^,Bei dem bestehenden Papiermangcl und der damit verbundenen Steigerung der Papierpveise liegt es im J-ntereffe sowohl der Ersparung von Papier als auch von Geldausgaben, daß die Hausfrauen auch ihrerseits dazu beitragen, daß beim Einkauf von Waren Papier gespart wird Den Hausfrauen wird deshalb dringend angeraten, beim Einkauf größerer Mnrg-en von Lebensmitteln Körbe oder sonstige VerpackungSm'.ttel mitzubringen und die Waren Möglichst lose tm Korb anzunehmen. Auf diese Weise kann insbesondere die B-erivm- oung größerer Papierbeutel gespart werden. Den Verkäufern ivird unter Berücksichtigung der gesteigerten Preise das Recht zvgestanden, beim Verkauf von Waren über 5 Pfund in Papierbeuteln die Selbstkosten dieser Beutel besonders berechnen zu dürfen."
** Ein Mantelmarder. Am Vormittag des 17. Mai 1916 wuide ihr der hiesigen Lesehalle ein gelblich-grüner Gummimantel, in dem sich 180 Mark in Papiergeld befanden, entwendet. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen.
** Di e Brennessel als Viehs utter. Neuerdings wird vielfach auf die Brennessel als aussichtsreiche Gemüsepflanze bmgewiesen, doch ergibt sich auch ein sehr gesundbütss ordern des Mehftitber, das z. B. in Dänemark viel verwandt wirb. Die Nessel kommt auch auf sästechten, schvtterigen Gründen fort und kann dort 4—5 mal gemäht und zudem ffedörrt werden. Sie ist eine dev frühesten Futterpflanzen und wiederum die einzige, die noch grün bleibt, wenn alle anderen vertrocknet oder verbrannt sind. Sie verträgt Fröste und anhaltende Hitze, besonders, wenn sie ihren! Standort gehörig eingenommen hat. Das Blatt gibt, als Trockcn- futter angewendet, ein vortrefflich nährendes und sehr grsundes Futter für Rinder und Schafe, sstdan reicht es den Tieren gebrüht oder trocken unter das ^Futter gemischt. Die so gefütterten Tiere geben viel und gute Milch. Die Samen weiterhin und ein gutes Beifutter für Pferde. Eine Handvoll, morgens und abends dem Futter beigemischt, niacht sie fleischig und haarglatt. Auch für das Federvieb ist cs gedeihlich. WaS nun den Anbau dieser Futterpflanze anbetrisft sc. geschieht er am besten^im Oktober. Ter Boden muß möglichst unkraulfrei sein. Der Same kommt mrist im September zur Reift und kann von wildwachsenden Pflanzen genommen iverden. Er muß beim Säen von Erde völlig unbedeckt bleiben. Zum Zwecke der Futterpslanzengewinnung darf auch eine starke Düngung nicht übersehen werden. Der Nährwert der Nessel ist etwa rnit dem lbes Klees zu vergleichen.
** Pferdeversteigerung. Wie die Landwirtschafts- kämm er mitteilt, kommen am Samstag, den 20. Mai, vormittags IOV 2 Uhr. im Hofe des Jagdschlosses Kranichstein acht aus Belgien bezogene Fohlen, darunter fünf Stuten und drei Wallache, im Alter von 2—2 3 /4 Jahren, zur Versteigerung. An der Versteigerung können nur heffische Lauchvirte teilnehmen, die eine Bescheinigung der Bürgermeisterei beibringen, daß ihnen Pftrde bei der Mobilmachung genommen worden sind. Die Versteigerung erfolgt gegen Barzahlung
Landkreis Gießen.
a. H e u ch e l h e i m, 18. Mai. Reservist Ludwig Rinn von hier und Handlungsgehilfe Ludwig Schäfer von Wieseck, in
Stellung bei der Firma ft tim & Eioos, wurden mit dem Ehernen Kreuz ausgezeichnet.
Kreis Alsfeld.
uv. Ober-Ohmen, 18. Vtai. Am letzten Sonntage wurde in hiesiger Kirche eine Gedächtnisfeier abgehalten für den fürs Vaterland gefallenen Wilhelm Unger. Der hiesige Kriegerverein nahm mit umflorter Fahne an der Feier teil. Unger^ war der Armierungstruppc zugctcill und rückte am 27. Juni 1915 ins Feld, nachdem er schon seit dem 4. Mobilmachungstage in Mainz bei der Arbeiterkrmpagnie beschäftigt gewesen war. Am 6. Januar d. Js. wurde er von einem Granaffplitter tödlich getroffen und erlag seiner Verletzung. — Am stiachmittag desselben Sonntags hielt Pßarrer Jung eine Trauerfeier zu Rupvertenrod ab: ne galt dem Heldentod des fürs Vaterland gefallenen Konrad Preiß von dort. Auch hier war die Kirche dicht gefüllt.
Kreis Lauterbach.
Ll. Lauterbach, 18. Mai. Bei der am Sonntag abend im Schwarz'schen Saale durch die Verwundeten des Vereiuslazarettes ^Turnhalle" bier veranstalteten Theateraufführung wurden 222 Mk. erlöst, die zrir Deckung der Kosten des am Sonntag vorher emgeweihten Denkmals, das die Verwundeten der Stadt Lauterbach stifteten, verwendet werden sollen.
rr. Schlitz, 18. Mai. Die Firma Bohnekamp, deren Hauptsitz in Plettenberg in Westfalen sich befindet, hat in den Gräfl. Görtzschen Waldungen große Mengen von Holz angekaust, das hier und in anderen Orten des Schlitzerlandes zu^ Gruben holz verarbeitet wird, wobei zal-lreiche ältere und jüngere Leute lohnende Arbeit ftnden. Ta aber trotzdem die Arbeitskräfte nicht ausreichten, hat nunmehr die Firma sich genötigt gesehen, die Militärbehörde um Unterstützung zu bitten. Dem Ersuchen wurde dieser Tage entsprochen, und ein Komniandv von 12 Landsturmmännern mit Militärpferden hierher überwiesen, um den Abtransport der für Grubenholz bestimmten Holzntengen aus den Wäldern fördern zu helfen.
Kreis Schotten.
Wa. S cho tten , 18. Mai. Der Gendarmerie-Wachtmeister Sch. von hier erschoß vorgestern seine Frau und verübte darauf Selbstmord. Was ihn zu dieser Tat getrieben hat, ist noch unbekannt.
Kreis Friedberg.
LI. Dorheim, 18. Ntai. Der Hoboist Gefreiter Wilhelm Bauschmann, der schon von Anfang des Krieges an bei den 87ern im Felde, wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.
LI. R 0 d h e i m v. d. H., 18. Mai. Unterolsizier Karl Kunz und Fahrer Kester erhielten die Hessische Tapserkeitsmedaille.
Hessen-Nassau.
Der bulgarische Besuch.
ch. Bingen, 18. Mai. Gestern nachmittag um 41/2 Uhr tra- fenauf dem großen Dampfer ,Lohengrin" der Köln-Düsseldorfer Gesellschaft die fünfzehn Mitgli eder der bulgarischen So-- b ra n j e unter Führung eines Vertreters des Auswärtigen Amtes in Berlin hier ein. Der Dampfer hielt knapp eine Mnute und fuhr dann weiter. In Rüdesheim nahm er ebenfalls kurzen Aufenthalt, um dann seine Fahrt durch den Rheingau nach Mainz fortzu- setzen. Ter Dampfer wies am Bugspriet die Hausflagge der Gesellschaft „rotweiß mir den drei Kölner Flammen" auf, hatte am Vormast hoch über dem Deck die bulgarische^weißgrünrote Flagge und hinter dem Schlot dreimal zwei Mächttge Flaggen, zuerst den preußischen Adler schwarz auf gelbein Grund, dann den bayerischen Löwen auf weißblauem Grund und schließlich die drei lvürttembergischen Löwen und Geweilte in schwarz auf rotem Grund. So fuhr das mächtige Boot dahin, den Vertretern des uns verbündeten Staates den herrlichen Weg weisend, den wir mit Stolz unseren deutschen Rhein nennen.
---- Franffur t a. M., 18. Mai. Die bulgarischen Abgeordneten trafen gestern abend kurz vor 8 Uhr von Köln hier ein. Sie hatten einen Teil der Reise — von Koblenz bis sstdainz — zu Schiff auf dem Rhein zurückgelegt. Auf dem Hauptbahnhof hatten sich zu ihrem Empfang Bürgermeister Dr. Luppe und die Stadträte Dr. Saran und de Neufvillc eingefunden Nach kurzer Be- griißung und gegenseitiger Vorstellung begaben sich die bulgarischen Gäste unter dem stürmischen Jubel einer großen Volksmenge durch hie reichgeschmückten Straßen nach dem Frankfurter Hof, wo sie Wohnung nahmen.
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0 Marburq, 18. 9Rai. Vergangene Nacht gegen 3 Uhr wurde in der Vorstadt Weidenhausen eine große Spiegelscheibe des Holzmannschen Schuhgeschäftes mittelst^ eines dicken Steins eingeschlagen und vier Paar Herrenschnürschuhe entwendet. Als Täter komnren zwei anscheinend jüngere Männer jit betracht, die eiligst das Weite suchten, als die Hcrnsbeivohner uird Nachbarn aufmerksam wurden.
rs. Biedenkopf, 17. Mai. Pfarrer Christian in Eckelshausen wurde zum Dekan über das Dekanat Biedenkopf ernannt.
[] Aus dem Kreise Biedenkopf, 18. Mai. Die vom Kreise wöchentlich aufzUbringerrde Schlachtvieh menge ist wöchentlich auf 81 Rinder, 59 Kälber, 28 Schaft und 176 Schweine festgesetzt. Davon stillen 13 Rinder, 17 Kälber und 43 Schweine im Kveffe verbleiben und der Rest an den Verband abgeliefert werden. Die Preift für Schweiuefteisch bester Ware ohne Beilagen, auch nach auswärts, sind für das Pfund ivie folgt geregelt: Schweinefleisch, frisch, 1,50 Mk., Kammstück und Kotelette 1,60 _M., Solperknochen 0,60 Mk.. Speck, srffchi, 1,80 Mk., geräuchert 2,00 Mk., Roll- und diußschrnken 2,40 Mk., Schmalz, avM. 1,90 Mk., Schmalz, ausgelassen 2,20 Mk., Wnrstfett 1,40 ML, Fleischwurst und Schloartemaqen 1,80 Mk., Blut- und Leberwurst 1. Sorte 1,80 Mk., 2. Sorte 1,40 Mk., Mettwurst 2,20 m. Ein Drittel des Schweins ist zu Wurst zu verwerten, geräuchert und gesalzen dürftn nur diejenigen Stücke iverden, welche beim frischen Verkauf keinen Llbsatz finden. Die .Höchstmenge von Fleisch ist für Erwachsene aus 750 Gramm und für Kinder unter 6 Jahren aufW75 Gramm die Woche festgesetzt.
— Frankfurt a. M., 18. Mai. Auf Anordnung des Magistrats findet die-durch das Generalkommando verfügte Bestandsaufnahme an Fleisch^ uud Fleisch,varen aller Art im Stadtbezirk Frankfurt a. M. am Freitag, den 19. Mai statt. Die Bestandsanfnahme erstreckt sich auch auf Familienhaushaltungen und Einzelpersonen. Eine Nachprüfung der erstatteten Meldungen behält sich die Behörde ausdrücklich vor.
— Frankfurt a. M., 18. Mai. In eineni hftsigeu Militär- übernachtungsramn trug sich dieser Tage ein ergreifende« Vorfall zu. Ein älterer Landsturmmann, der sich von der Westfront zu längerem Urlaub in seine märkische Heimat begab, kam hier fvät abends an und fand in dem Quartierhause für die Nacht Unterkunft. Als er nach etlichen Stunden noch sinnend auf seinem Bett lag, hörte er, wie der diensttuende Unteroffizier, bei der Verlesung neuer Gäste plötzlich seinen Familiennamen aufrief und zugleich einem jungen Soldaten ein Bett zuwies. Der alte Landstürmer sprang aus, fragte und sieht sich den jungen Kameraden näher an. Es waren Vater und Sohn, die sich seit 20 Monaten nicht gesehen hatten und sich icnerwartet begegneten. Am nächsten Morgen nahmen beide Abschied von einander. Der Vater reiste in die Heinvat, der Sohn ging an die Westfront
— Bad Homburg v. d. H., 18. Mai. Der Einbrecher in die Kirdorser Osedächtniskirche, über dessen Verhaftung wir berichteten, ist der als Einbrecher bekannte Dreher Hans Wehn er ans Esten. Bei seiner Verhaftung ans dem Tüsteldorser Hauvt- bahnhof trug er die geraubten Kirchengeräte in einer Pappschachtel bei sich.
ra. Usingen, 17. 'Mai. Für das hier zu errichtende Waisenhaus des Reichsvereins ^Waisenfrennd" stehen bisher 104 000 Mk. zur Verfügung. Der Verein wird in Zukunft auch elternverlastene und uneheliche Kinder unterstützen.
ke. Wiesbaden, 18. Dkai. Eine in der vergangenen Woche von der Polizeibehörde vorgenommene Revision der Läden und Lagerräume der einschlägigen Lebensmitttelgeschäfte hat ergeben, daß Waren unberechtigterweise nicht zurückgehalten werden.
versnijcdtes.
* Berlin, 17. Mai. In Groß-Besten bei Königs« wnsterhansen brach vergangene Nacht in dem Wohnhause de? Besitzers Kietz Feuer ans. Als Kietz seine unter deni Dachboden schlafende zehnjährige Tochter zu retten versuchte, wurde ihn- der Weg diirch Flammen imd Ranch versperrt. Kietz selbst, sowie seine Tochter sind verbrannt.
* Berlin, 17. Dia,. (Priv.-Tel.) Als Mörder der Witwe C e r v 0 m der Wassertorstraße ivnrde der siebzehnjährige Fürsorgezögling Karl von Klopothek und sein fünfzehnjährige, Bruder W i l l y ermittelt. Beide sind geständig, die Witive a>r Sonntag, den 30. Avril vormittags in ihrer Wohnung ermorde und beraubt zu haben _ _ _
Witterungsbericht.
(O öffentlicher Wetterdienst.)
Gießen, den 16. Mai 1916.
Am Anfang dieser Berichtstvock)c — 10. bis 16. Mai — lagen wir an der Südseite einer nach Osten abzieh enden T-epression. Bei vorwiegend westlichen Winden blieb das Wetter wie am Ende der vorigen Woche zunächst noch veränderlich und kühl, und nur zeitweise gingen Rcgcnsälle nieder. )llut st)er Rückseite des ab-- ziehenden Tiefdruckgebiets stteg der Druck im Südwesten schnell an, unter dessen Einfluß sich nunmehr das Wetter allmählich ausheitertc. Tie TageSteinperatnren stiegen zwar ein wenig an, jedoch trat bei Nacht infolge der Aufheiterung starke Mkühlung ein, so daß die Temperaturen in höheren Lagen sogar unter Null sanken. Doch sckwv am Freitag, den 12. Mai erstreckte sich das Hochdruckgebiet nur noch in einem schmalen Streifen von Norwegen bis nach den Alpen, während im Osten über Polen ein Tiefdruckgebiet lagerte und von Westen.her eine neue Depression ostwärts vordrang. Die Bewölkung nahm^ daher wieder zu, die Nachttemperaturen stiegen stark an, so daß wir über die „Eisheiligen" fast überall glimpflich hinweggekommen sind. Doch auch diese ivsstlickze Depression beeinflußte uns aus ihrem Zuge nach Osten nur mit Randwirbeln: bedecktes, zeitweise ausheiterudes, doch meist trockenes Wetter herrschte vor. Bon Südivesten her ftlgte dem abziehenden Tiefdrilckgebiet hoher Druck nach, der sich allmählich über ganz Deutschland ausbreitet und uns immer mehr unter seinen Einfluß bringt. Herrscht zwar zunächst nock) bei Winden aus westlichen bis nordwestlichen Richtungen wolkiges trockenes Wetter vor, so dürsten wir später jedoch mit vollständiger Aufheiterung reckmeu. die tagsüber die Temperaturen ansteigen läßt, nackits dag egen A btühlnug bringt.
Wetteraussichtcn in Dessen am Freitag, den 19. Mai 1916: Heiter und Nocken, tagsüber warm. _
Letzte Nachrichten.
Die Handhabung der Zensur.
Berlin, 17. Mai. Der Reickishausbaltsausschuß des Reichstages setzte heute die Beratung über dicZenfur- praxis bei den dazu eingebrachtcn Bittschriften fort. U.a. wurde über eine Bittschrift L i e b i a beraten, die sich über die Handhabung der Brieszensur gegen den Petenten beschlvert. Ter Berichterstatter, ein Sozialdemokrat, führt aus, daß, wenn der Mann auch ein Buch geschrieben habe, das der Regierung nicht gefalle, so habe sie doch noch kein Recht, ihn unter Brieffperre zu stellen. Ein Vertreter des Kriegsministeriums teilt mit, daß das Generalkommando des 18. Armeekorps am 29. Dezember 1915 aus Grund des BetagerungszustaudSgefttzes die Beschlagnahme des Manuskripts des Liebig'schen Buches angeordnet und den Berfaffer unter Brief- sperre gestellt habe, die inzwischen wieder aufgehoben worden sei. Irgendwelche Ranküne habe nicht Vorgelegen, gegen diesen Vorwurf nrüsft er die heute nicht vertretene bayerische Militärbehörde in Schutz nehmeii. — Die Sozialdemokr. Arbeitsgemeinschaft erklärt solche Eingriffe wft im Falle Liebig für zweifellos gesetzwidrig. Der Berichterstatter beanttagt, die Entscheidung zurück- zu halten, bis ein Vertreter der bayerischen Militärbehörde zur .Sj^lle sei. Der Ausschuß beschließt so. — Es folgte die Beratung des Kolonialetats.
Italienische Beschwichtiffungsversuche.
Lugano, 18. Mai. Die militärischen Fachleute des „C 0 r r i e r e" und des „S e c 0 l 0 " sind nach Kräften bemüht, ihren L-escru frie bittere Pille des österreichischen Sieges in Süottrol zu versüßen. Der Feind würde auf dem .Hochplateau der „Sieben Gemeftlden" und aus den Bergen von Arsiero Widerstand ftnden der jede Offensive brechen müsse. Das Zurückweichen der Italiener aus die Verteidigungslinien sei „ganz natürlich", da sie hierdurch in vorteill)aftere Stellungen kämen und sich besser verteidigeir könMen. Der „Seeobi" gibt den Montent der lleberraschung zu. indem er ftststellt, daß die Offensive früher begonnen l-abe, als die Artillerievorbereitungen erw a rte n ließen. Es handle sich aber nicht um einen österreichischen Erfolg, wenn die italienischen Limen zurückgcmommen wurden, sondern um einen Akt italienischer Taktik (!), um ein Ereignis^, das in der Entwicklung der heutigen Schlachten noiTmal sei. Der.Feind habe daher nicht den geringsten Erfolg davongettagen und die tapferen italienischen Truppen würden ihm zu antworten wiffen. — Abwarten!
Der Fliegerangriff airf Venedig und Udinc.
Lugano, 18. Mlai. Nach dem „Corriere della Sera" erschienen die österreichischen Flieger vorgestern abend vor 9 Uhr über Venedig. Sie hielten sich aber io hoch, daß ihre Anzahl nicht festgestellt werden ll>nnte. Die Bevölkerung wurde durch Erlöschen des elekttifchen Lichtes, durch die Stimmen der Sirenen und die Schürft der Abwehrkanonen alariniert. Alle Kafsee- häußer und-öffentlichen Lokale waren sofort geleert und die Sttaßen einen kurzen Augenblick init Menschen gefüllt, die aber schnell lvieder in sichere Unterkünfte verschwanden. Die feindlichen Flieger hielten sich etwa eine Stunde über Venedig auf und vevcbwairden gegen 10 Uhr, verfolgt von den italienischen Megenr. in der Richtung aus Mestre, Ivo sie ebenfalls Bomben abwarsen, durch die zivei Personen getötet und mehrere verwundet wurden. Im Venedig seien nur einige Personen leicht verwundet worden. Ein einstöckiges Haus, deffen Bewohner sich zurückgezogen hatten, sei zerstört worden, ein mrderes in Brand geraten und einige andere hätten gestützt werden müssen. Im Theater Goldoni mußte die Vorstellung unterbrochen werden, und das Publikunr ftüchtete in sichere Räume.
Nach dem „Seeolv" l>aben die österreichisch-ungarischen Flieger, nachdem sie Venedig und Mestre ihren Besuch abgestattet hatten, sich nach Trewiso begeben und zehn Bomben aus die Stadt abge- worfen. Tie Opfer sdien drei Tote und sechs Verwundete. Gesterii (Dienstag) morgens 9 Uhr ist ein österrcichisch^ungarisches Fliegergeschwader über Treiviso erschienen irnd hat weitere Bomben ab- geworfen, jedoch anscheinend ohne Resultat. Auf ihrem Rückwege haben die feindlichen Flieger nochmals Venedig besucht. „Corriere della Sera" berichtet ferner: Während die serndlick)en Flieger vorgestern abend Venedig verließen, folgten sie der Eisenbahnlinie nach Mestre in dem gleichen Momente, als der direkte Zug Venedig- Bologna, der um 9.30 Uhr Venedig verließ, die Sttecke befuhr. In dem Zuge befanden sick^ zwei Königstöchter. In Mestre angekommen, traf der Zug mit dem aus Udine eingetrosfenen Zug zusammen, in welchem die Königin Elena reiste. Sofort nach ihveni Eintreffen stiegen die Priuzessinnen in den Wagen ihrer königlichen Mutter um und während nock) die Bonrben der Flieger krachten, führ dei' Zug in der Richtung aus Padua ab. Bis Padua börtc man das Feuer der Abwehrkanonen und das Kracben der Bomben. In Rovigo traf der Zug mit IV^stündiger Verspätung ein.
Amtlicher TeU.
Bekanntmachung.
Betr.: Maul- und Klauenseuche im Kreise Friedberg.
In der Gemeinde O b e r - E s ch b a ch ist die Maul- und Klauenseuche erloschen. Die angeordneten Sperrmaßregeln sind ausgehoben.
Gießen, den 13. Mai 1916.
Großherzoqliches Kreisamt Gießen.
I.V.: Hemmerde.


