bfa* rafftfdjen ©teüirreqot 'in In Treue und tn Verehrung
«fcenfcn ich imi> mJeiitc braven NlriegÄeute an diesen Ruhmestag Euerer Majestät und de? g-lorveickjen dorischen Leeres!! Jene innige dnrch Not uitb Tod «gestählte Waffenbrüderschaft, die vor Jahresfrist einen der größten und folgenreichsten Siege der Weltgeschichte errungen hat, wird mit (&>tta3 Hilfe auch weiterhin die sicherste Gewahr für unseren Erfolg bilden. Mag auch noch heute Arbeit be- vorsteheu, der Sieg bleibt unser. „ „ _ ..
Erzherzog Friedrich, Feldmarschall.
Der deu ts che Ka i se r , der treue Freund und Bmrdesgenosfc unseres allergu-ädigsben obersten Kriegsherrn, Hot hieraus huldvoll st qeontwortet: , _ *
,S^ch danke Dir freundlichst für Dein hnzftches Lelegranrm. Auch ich erirrnere mich in dielen Tagen. in denen sich der Beging der grasten galizischen W^ensivc fährt, danlbaren Herzens aufs neue der Tapferkeit und Einmütigkeit, womir die Soldaten unserer verbündeten Heere begeistert zum Stnim schritten. Ich bllte pich. d«s den unter Deinem Koniwando stehenden Trirvsteu nntzuteuen. Mn Rückblick auf die Ruhmestaten deS Vorjahres berechtigt uns zu der vertrauensvollen Hvffnimg. da.st der aemeinstime Wille den endgültigen Sieg erringen wird. Gott helfe dazu!
Wllhelm.
Diese beiden Kundgebungen sind an alle Truppen zu vorlaut- baren. Erzherzog Friedrich, Feldmarschall.
London, 5. Mai. (WTB?« Unterhaus. Meldung des Reuterschen Bureaus. Bei der Debatte über die Militärdieust- pflichtbill wurde von einem Wgeordneten, teils aus allgemeinen, hauptsächlich aber aus wirtschaftlichen Gründen deren Ablehnung beantragt. Ll»yd George erklärte in seiner Antwort, das Kabinett sei einstimmig zu dem Beschluß gelangt, da st die Forderung des Armeerates nach jedem verfügbaren Mann unbedingt berechtigt gewesen sei. Eine Ueberlegenheit an ausgerüsteten Mannschaften sei für ^den Sieg lorerlästlich. Term während sich die Ausrüstung der Rusien wieder bedeutend verbessert habe, sei es wesentlich, das; Frankreich und Grvstbritannien, die ftir ihre Aus- Pistung selbst sorgen körrnten, dieses Jahr sofort so viel als möglich von den Kriegslasten auf sich nehmen, bis Rußland seine Ausrüstung vollendet habe. Tie Einberufung aller Männer Grostbritanniens, die von der grosten Mehrheit des Hauses unterstützt werde, würde die schlechteste Nackiricht für den deutschen Generalstab sein.
Rotterdam, 5. Mai. (WTB.) Ter „Rotterdamsche Courant" ineldet aus London: Carson hielt bei dem Festmahl des uuimnstischen Krregskomitees eine sehr feind selige Rede gehen die Koalition, vor allem gegen Asguith. Er sagte, der Premierminister sei nur als Parteiführer und Redner groß. Man sei seiner Redekünste überdrüssig und glaube, daß es ein Unglück für das Land sei, daß der Premierminister ein so großer Redner sei.
Eine holländische Stimme.
Der türkische Bericht.
Kvnfi«ntiir»pel, 5. Mm. (WTB, Nichtamtlich.) Be- richt des Hmwtguartiers. . ^ „
An der Irak front ist die Lage unverändert. Am Tage vor der llebergabe von Kut-el-Amara glückte es einem unserer Flugzeuge, das von Hcncptmann Schutz geführt wurde, im Lustkamps ein feindliches Flugzeug avzn- schießen, das von uns genommen wurde. Der Führer ist tot, .der Beobachter gefangen. Hauptmann Schütz schoßt an selben Tage ein anderes feindliches Flugzeug ab, dessen Insassen verwundet in unsere Hände fielen.
An der Kaukasus front überraschte eine unserer Kavallerieabteilungen feindliche Kavallerie, schlug sie und vernichtete ebenso eine inzwischen erschienene Aufl'läruitgs- abteilung «des Feindes. Auf den anderen Teilen der Front unwichtige Gefechte zwischen Aufklärungsabteilungen.
Bon den übrigen Fronten nichts Wichtiges.
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Das Luftschiff L. 20.
Stav a nge r, 5. Mai. (WTB.) Meldung des Telegramm -Byran: Der Regimentskommandeur Oberst Jo- hannsen hat nachmittags das L u f t schiff „L. 2 0" von einer Abteilung Soldaten beschießen lassen, so daß es explodierte. Das Lnftschifs begann wegen des starken Wftrdes heftige Bewegungen zu machen und hätte sich^ weil es noch stark mit Gas gefüllt war, leicht losreißen und Schaden anrichten können.-Die Explosw'.Owar sehr stark und weithin hörbar. Ein paar Bootsschuppcn gerieten in Brand; in den Häusern sind Fensterscheiben zertrümmert worden.
Die englische Schiffsnot.
London, 5. Mai. (WTB.) Im Oberhaus sprach Lord Beresford über die Schiffsnot und sagte, England hätte bei Kriegsausbruckii über 11 000 Schiffe von über 4M Tonnen gehabt. Die dldnüralität hätte 2M0 bis 3000 in Anspruch« genommen und für den Handel seien etwa 8853 übrig geblieben. Die Verluste des Krieges seien auf diese Ziffer zu beziehen: sie , betrügen also nicht 4V» Prozent, sondern 14 Prozent des für den Handel verfügbaren Schiffs raum es. Lord Beres- borf evvähnte, daß mehrere Schiffe gekentert seien, weil die Geschütze auf Schiffen, die zu wenig Ballast führten, falsch aufgestellt worden waren. Der Schiffsbau wurde verzögert, da die schottischen Werke sich w-eigern, für den Schiffsbau Stahl zu den Preisen zu liefern, die der MunitionSnrmister für den Schiffbau in England festgesetzt habe. Curzvn erwiderte, 43 Pvozent der Harr- delsflotte such von der Regierung für militärische und andere staatliche Zwecke requiriert worden, 14 Prozent werden zur An- ffchr von Lebensmitteln und Rohstoffen benutzt und 43 Prozent bleiben den britischen Reedern unter Staatskontrolle. 500 Schiffe sind zur Verfügung Frankreichs, Italiens und Rußlands gestellt nwrden. Der tatsächliche Verlust durch den Krieg sei durch Beschlag- . nähme und Erbeutung feindlicher Schiffe fast gmtz ausgeglichen worde::. Tie britische Handelsflotte habe jetzt fast genau so viel .Schiffe wie vor dem Kriege. Salisbury bezweifelt diese Angaben.
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Dar v?en?tpslichtgesetz im englischen Unterhaus.
London, 5. Mai. (WTB.) Das Unterh aus hat das Dieustpflichtgesetz mit 328 gegen 36 Stimmen in zweiter Lesung angerwmmen.
London, 2. Mai. (WTBö Premierminister Asguith sagte in einer Rede, in der er die neue Dienstpflicht ankündigte:
■ Tue Armee bestand im August 1914 aus sechs regulären und vierzehn DerritoriakdivisionQl oder zusammen mit den überseeischen (Garnisonen aus 26 Divisionen. Jetzt baben wir 42 reglkläre und j 28 Territorialdi Visionen, also zusammen 70 und mit der Marinedivision 71. Heer und Flotte zählen jetzt fünf Millionen Mann. Im letzten Juli war festgestellt, daß eine Armee von 70 Divisionen zrr ihrer Erhaltung eine wöchentliche Rekrutierung von 25 000 bis 30 000 Nöann brauche. Asguith gab sodann einen Ueberblick über die Rekrutierungspvlitik der Regierung, erwähnte kurz die Uebergabe von Kut el Am-ara und sagte: In dem Krieg gegen 3äapoleon habe man Pitt und Wellington ebenso UneMschtvffenheit, Hinzögerung und Aufschub vorgeworfen wie der jetzigen Regierung. Er schloß mit der Verteidigung der Regierung und sagte, sie könne ihre Aufgaben nur voklsühren, wenn sie das Vertrauen der Nation besäße. — Car- s 0 n erwiderte, er brauche die Regierung nicht zu rühmen oder ihr seine Sympathie auszusprechen, da sie das stets selbst besorge. An dem Tage, wo die ganze Nation über solch ein 11 n g l ü ck, wie die Uebergabe von Kut el Amara trauere, könne man ihre Sorge nicht verscheuchen lntb ihr Gemüt nicht beruhigen, indem man mit schönen Worten abzuschwächen suche, wovon jeder wisse, das; es ein großes Unglück sei. Was die Rekrutierung betreffe, sage Asguith bei solchen Gelegenheiten stets, was das Land alles getan habe; aber es komme darauf an, ob es genug getan habe. Wenn Asguith während des ersten Kriegsjahres an die Nation appelliert hätte, wäre die allgemeine Wehrpflicht schon damals angenommen worden.
John Simon sprach gegen das Prinzip der allgemeinen Wehrpflicht. Sir Alfred Mond sagte, die Nation könne die Bemühungen der Regierung nur noeft ihren Ergebnissen beurteilen. Wenn, die Ergebnisse schlecht seien, könne die Regierung kein Vertrauen erwarten. Angesichts Irlands, Kut-el-Amaras und Galli- volis sei es unmöglich, aus die Regierung zu vertrauen Es sei wichtig, daß die Regierung das Vertrauen, das unzweifelhaft sehr ersäMtert sei, wiedergewinne Wenn es möglich sei, seien Neuwahlen ein geringeres Uebel als Negierung und Parlament, die keine Fühlung mit der allgemeinen Stimmung im Lande hätten. In diese Lage treibe man hinein; es könne eine gefährliche Lage werden. P r i n g l (Liberal) sagte, die Schwierigkeiten der Regierung hätten mit der Bildung der Koalition begonnen, weil ein Teil der Presse seitdem gegen das Prinzip der Frenvilligkeft agitiert l)abe. Major W-ood «Uniomst) sagte, die Ncgrerrmg habe in der Frage der Rekrntierung nichts getan, aicher wenn sie durch die Presse oder das Parlament dazu gezwungen werde. Es sei Zeit, daß die Kompromisse auchörten. Thomas iArbeitmvartn sagte, es sei nicht erstarmlich, wenn bk .Arbeiter tief eingewurzelte Vorurteile gegen die allgemeine Tienstpfllcht hätten. Die Arbeiterkonferenz habe sie säst cmftinmiM r — Ta rn diesem Kriege 20 Millionen kämpfen, würden 200 W) Mann die Entscheidung kaum herbüführen.
Amsterdam, 5. Mai. (WDB.) „Nie'uws van den Dag" schreibt über die Dienstpflicht in England: Wenn die letzten Zelmtausende der Verheirateten aus gebildet und ein gereiht sind, ist England mit seiner großen Reserve fertig und traut höchstens noch wie in den andern Ländern die Altersgrenze erhöhen. ?lber mit den linerschlöpflichen Hllfsguellen an Gut und Blut, über die die englische Presse in den ersten Ktiegsmonatest den Mund so voll geirourmen kMt, ist es dram aus. Wenn diese Maßregel kein Heer ergeben sollte, das zur Vernichtung des preußischen Militarismus ausreicht, dann wird vielleicht auf seiten der Enterrte die Stimmung für den Frieden etwas anders werden.
Der Seekrieg.
London, 5. Mai. (WTB.) Der fvanzösische Fischereischoner ,,Bernadott«e" (486 Brirttvregifterlonnen) ist am 1. Mai im Atlantffchm Ozean, 150 Mellen von der nächsten Küste entfernt, vers«enkt worden. 34 Mann der Besatzung sind in Booten ent- komnien; 8 Mann sind ausgenommen worden, die übrigen 26 treiben noch.
F re der i.ks stad , 5. Mai. (WTB.) Der Leichter „Mars" aus Frederiksstad, der von Sarpsborg nach Englmtd uiiterwegs war, ist am Tietistag abend in -der ^äordsee Vvii einem deutschen Unterseeboot cmgdjatoi und in Brand gesetzt worden. Tie Besamung von 7 Mann ist an Bord eines Schleppdampfers hier an ge lom ntren. _ * _
Au§ dem Reiche.
Die Beratung des Reichstagsausschusses über die -auswürligr Lage,
die am Freitag vormittag begonnen hatte, dcru-erte bis in die sechste Mendstunde, und der Reichskanzler, der mehrfach das Wort ergriff, um Fragen zu beantworten, blieb bis zum Schluß anwesend. Der Chef des Rcichs- marineamts, Admiral v. Capelle, gab marine technische Auskünfte. In der Debatte sprachen die Mgeordneten (gröber (Ztr.), Bass ermann (Ntl.), Ledebour (Sozialdem. Arbeitsgem,), v. Paper (Vp.), Graf Westarp (Kons.st Scheide mann (Soz.), v. Gaanp (Deutsche Ftaktion), Hoch (Soz.), Dr. Struve (Bp.) urrd Dr. Rösicke(Kons.). Am Sanrstag steht der Reichsp 0 ste tat auf der Tagesordnung.
Berlin, 5. Mai. (WTB.) Zu der heutigen Sitzung des Hauptausschusses des Reichstages waren erschienen: Der Reichskanzler, die Staatssekretäre Dr. Delbrück, v. Jagow, Dr. Helfferich, Kraetke, Lisco und Capelle, der stellvertrskende Kriegsnrrnister v. Wandel, Unterstaatssekretär Wahnsckmffe, Vertreter der Bundesstaaten, sowie etwa hundert Reichstagsabgeordnete. Gleich zu Beginn der Sitzung nahm der Reichskanzler das Wort, um die deutsche Antwortnote an Amerika bekanntzu- geben und unser Verhältnis zu Amerika darzuleg-en. Hieran schloß sich eine Besprechung, an der sich Vertreter aller Parteien beteiligten. Die Atlsführung des Reichskanzlers sowie die Besprechung waren streng vertraulich. Im Sitzungsziinmer waren die gewohnten Absperrmaßnahmen getrofferr
Ein Telegramm des.Kronprinzen.
Berlin, 5. Mai. (WTB.) Der Kronprinz hat an die Witwe des im Luftkamps gefallenen Herrenreiters G r a- fen.Holck folgendes Telegramm gerichtet: Die Nachricht, daß die tödliche Kugel des Gegners Ihren lieben braven Mann in einem kühnen Luftkampfe ereilte, hat mich aufs schmerzlichste betroffen. Sie wissen, liebe Gräfin, wie ein guter, werter Kamerad er mir war, und wie oft und gerir ich seinen Schneid, seine Willenskraft mch Geschicklichkeit bewundert habe. Einzig stehen seine sportlichen Leistungen als beste des Larrdes da. Und so gehörte er auch zu meinen verwegensten und mutigsten Fliegern, dessen mir und meiner Armee in unermüdlicher und aufopfernder Tätigkeit vor Verdun geleisteten Dienste unvergessen bleiben werden. Seien Sie versichert, daß ich Ihren Schrnerz urtd Ihre Trauer aufrichtig teile und dem leider zu früh abberustnen heldenhaften Offizier und Freund ein ehrendes und treues Andenken bewahren werde. Wilhelm, Kronprinz.
Die Vereinigung der schwar.zburgifchen Fürstentümer.
Rudolstadt, 5. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Der Ausschuß der beiden schwarzburgischen Landtage zur Beratung über die Vereinigung der schwarzburgischen Fürstentümer zu einem Staate der öont'l. bis 4. Mai in Arnstadt unter dem Vorsitz des Staatsmmisters v. d. Recke tagte, erzielte u. a. eine ZÄtffbecndigirng dah-rn, daß er einen Zusammenschluß' für zweckmäßig und durchführbar hält. Er ist überzeugt, daß eine einheitliche Verwaltung beider Länder organisatorische, finanzielle und andere Vorteile mit sich bringen würde. Der Sitz der Regierung soll in Arnstadt sein.
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Berlin, 5. Mai. (WTB.) Der Magistrat der Stadt Berlin hat beschlossen, alles von den Viehhandelsverbä-nden angelieferte, cruf Berlin entfallende Vieh unter Ausschaltung der Gr 0 ßschl achter unmittelbar den Ladenschlächtern bezw. Maekthallenständen zufiihreri zu lassen. Die Fleischverfvrgung der RestmwLtimden und Hotels bezw. Anstalten erfährt eine besondere Regelung. Der Versand von Fleisch aus Berlin nach auswärts soll verbotet; werden. Ferner wird eine Einschränkung der Verarbeitung von Fleisch zu Wurst herb ei geführt werden. Schließlich^ ha't )er Magistrat noch Höch st preise für Kalb- und Hatmnel- fleisch festgesetzt.
Berlin, 5. Mai. (Priv.-Del.) Das Berlitrer Polizeipräsidium hat ein besonderes Dezerimt für die U e b e r - wachun g des Leben smittelmarktes eingerichtet, >as der Kriminalpolivei untersteht und von dem Kommissar Lehnart geleitet wir Das Dezernat hat bereits in den letzten Tagen eine a...',erordentlich ergiebige Tätigkeit entfaltet. In Berlin sirid bei 16 Schlächtermeistern große
Vorräte an Fleisch- und Wurstwaren beschlagnahmt worden. Es handelt sich zumeist um Meister, die schon seit Jahren ihre Geschäfte betreiben und durch diese reich geworden sind. Insgesamt wurden gestern 200 Zentner Schinken und Wurst beschlagnahmt.
Aus Stadt nnd Land.
Gießen, 6 . Mai 1916.
Sonntagsgcdanken.
Unvergleichlich blüht um uns der Frühling. Wieder, zum zweitenmal im Kriege. Und deutsches Genrüt läßt sich von dieser blühenden, ariineiiden Herrliche keit umfangen, wie nur je in glücklichsten Friedens- tagen. Es Mngen uns alte kleine Frühlingslieder durch die Seele, auch wenn kein Burschenjubel in unserer Stadt den geliebten Mai begrüßte. Wer weiß, wo sie draußen, weit- tin zerstreut, dem ersten Finkenschlag, dem ersten Lerchentriller lauschten. Aber sie hörten ihn gewiß, und sie sahen die junge Pracht, und sie glauben an die unendlichen Kräfte, die überall wieder wirken und weben. Erinnerung an vergangene Mainacht spinnt sich zu goldner Hoffnung aus. Sie schauen in srühlingsstarker Ahnung die Zukunft Heraufziehen über deutschern Volk und Reich. Und es hämmert etwas in ihnen mit freudig-stolzem Herzschlag: sie, sie selbst sind der neue Frühling des Volkes, der reife Frucht verheißen soll und will. Viele Blüten gewiß müssen vom alten Stamm fallen nn Frühlingsfturm. Aber die da bleiben, die Gottes Wunder uns bewahren, die werden stark und frei den Stamm mit jungem saftigen Leben schmücken. Und das Blut selbst, das Blut der gefallenen Blüten, rvird durch die Adern ihres Gemütes ziehen, daß ihr Wille, vom Staube rein, dem blauen Himmel offen, der Sommerglut des Lebens im Vaterland zu trotzen fähig wird.
AüH^Msträume! — Haben sie uns nicht schon einmal getauscht? Sollen wir ihnen diesrnal trauen? Auch vor ernem Jahr schien uns der Lenz herrlich wie nie. Und in das Gewoge seiner jungen Kräfte mengten sich die Siegesdonner von Galizien, Bürgen deutscher Kraft, Verkündiger deutschen Heldentums. Aber wie haben wir dann fragen müssen nach Wiesen und Feldern, bangen müssen um die kommende Ernte. Und heute? Kann das blüljende, klingende Frühlingsleben uns über die Sorgen wegtäuschen, die unser Herz beschweren? Wohin wir uns wenden, da slüsterffs von Alltagsnötcn: Fleisch, Butter, Milch! Diese kleinen Dinge, tnie joerden sie uns kostbar, da wir ihver bedürfen, sie uns mangeln wollen. Und wir hören und spüren: in unserer lieben Stadt haben.wir es noch« so gut, aber die Großstädte! Wo sich die Hunderttausende und Millionen um den magern Brotkorb drängen, wo noch anders als bei uns Mutterangft hilflos um bleiche Kinderwangen bangt. Wie wird es werden, bis uns die neue Ernte kommt? Wird sie kommen, und noch rechtzeitig kommen, so wie wir sie brauchen?
Llber der Frühling schaut sprießend und jubilierend über uns Soraende hin. Noch sind seine Kräfte da in unermeßlicher Fülle. ES ist nicht wahr, er hat uns vor einem Jahre nicht getäuscht. Wir leben noch und regen uns. Wir hatten dennoch Brot genug. Und wenn das Jahr manchem den leckeren Bissen vom Munde toegnahm, was hat's geschadet? Nur fester stehen wir da, nur kühner sind uns Glauben und Hoffen geworden. In dieserFrühlingspracht werden crlbe, unvergängliche Worte in uns wach, die wir von Kindertagen her kannten, die nur unter Alrbeit uitd Sorgen in uns vev- graben lageji. Von Lilien reden sie, die der Vater im Himmel kleidet, von Vögeln, die er nähret. Wir sehen cs wieder und immer wieder. Unser Auge leuchtet auf über den alten neuen Frühlingswundern. Und durch die Seele klingt die ernste und doch so unbeschreiblich hoffnungsvolle Mahnung: „sollte er das nicht viel mehr euch tun, 0 ihr Kleingläubigen?"
Eck.
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** Geburtstag des Kronprinzen. Se. Kaisers, und Königl. Hoheit Kronprinz Friedrich Wilhelm vollendet heute sein 34. Lebensjahr. Aus diesem Anlaß haben die öffentlichen Gebäude Flaggrmschmuck angelegt.
** Am tliche Per svnaln ach richten. Ter Grvß- h erzog hat den evangelischen Pfarrer Rudolf Schlosser zu Rodheim, Dekanat Nidda, auf sein Nachsuchen zwE Uebernahme einer Pfarrstelle an der St. Jakobikirche in Chemnitz, mit Wirkung vom 30. April 1916, aus dem Dienste der hessischen evangelischen Landeskirckie entlassen. — Der Großherzvg hat dem Rechnungsrat Ludwig Götz zu Darmstndt, bisherigen Gc- hllsen und St ellve rtreter des Schatzmeisters des Uliee-Frauen- vereins das Ritterkreuz 2. Klasse mit der Krvne des Ordens Stern von Brabant verliehen. — Ter Grv ßher^vg hat am 19. Ärit dem Mitglied der Königlichen Eisenbahndrrektion zu Frankftcrt a. VH., Regierungsrat Otto Tresche r den Charakter als Ge^ heimer Regierungsrat vom 5. 9lpril d. Js. an verliehen.
M Auszeichnung. Dem Obermatrosen Joses F e g b e i t e l von hier wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen.
** W v hl tätigkeits-Konzert. In der neuen Universitäts-Aula findet am 12. Mai, abends 81/2 Uhr, ein Wohltätigkeits-Konzert zugunsten des Ro ten Kreuzes statt, zu dem erste Mitglieder der Wniglichen Hosoper in Wiesbaden ihre Mitwrr^rng freundlichst zu- gesagt haben.
** Kunstverein. Die diesmalige Ausstelkmgerregt lebhaftes Interesse nicht allein wegen des kütrstlerischür Wertes des Gebotenen, sondern auch, weil ste eirre Reihe von Bildnissen hiesiger bekannter Persönlichkeiten enthält. Neben den Porträts ist Landschaft und Plastik nicht minder gut vertreten.
** Ziegen- und Kaninchenzucht. Die Stadt Gießen wird demnächst die Einrichtung einer städtischen Ziegen- und Kaninchenzucht in die Wege leiten.
Landkreis Gietzen.
^ Grünberg, 6. Moi. Tie hiesige Realschule hat das neue Schllljahr mit 14b Schülern und Schülerinnen begonnen; im ganzen wurden 47 neu ausgenommen, davon in die Sexta 17 Knaben und 20 Mädchen. In dem Lehrkörper trat wiederum eine Veränderung ein, indenr Tlssesior Steuernagel, seither stellvertretender Direktor, und Assessor Walther zum Heeresdienst eingezogen wurden. ,
a. Göbelnrod, 5. Mai. (Schwindlerin.) Auf die gestrige Notiz im .Gießener Anzeiger" von Allendors (Kr. Kirchhaiu) kann mitgeteilt werden, daß am vorigen SamStag mit deni Mittaqs- zuge eine in Schwesterntracht gekleidete Dame hier ausstieg, bei oen Leuten unter deur Vorwände vorsprach, sie sei vom Großherzog geschickt und sammle Geldbeträge sür verwundete Sanitätshunde. Nebenbei nahm die Schwindlerin auch Butter, Matte und Käse in Empfang. So wird wohl nnt der in Allendorf Verhafteten identisch sein.
N. Reiskirchen, 5. Mai. Ein bedauerlicher Falt ereignete sich hier in letzter Nacht. Ein in Urlaub befindlicher Soldat vergrrügte sich auf der Straße mit Schießen. Der Polizeidiener, der nach der Ursache des Schusses sehen wollte, nnrrde hierbei durch einen zweiten Schuß schrver verletzt, so daß er nach Gießen in die Klinik verbracht werden rnußte. Der unvorsichtige Schütze wurde verhaftet.
Kreis Büdingen.
D Ortenberg, 4. Dücn. Im Hotel zur Post fand gestern die ordentliche Generalversaminlung der LAttvnäre der hiesigen


