nt. 98 Zweiter Blatt
iszLch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „HleHeper ^nnilkenblätter" werden dem pAnzeiger^ vierinal wöchentlich beigelegt, das „Lrrisdlatl für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen 3eit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
M. Jahrgang
General-Anzeiger für Gberhejjen
Donnerstag, 27. April M6
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea Universitäts - Buch-- und Steindructerei.
R. Lange, Gießen.
Sch ristleitung,Geschäftsstelle „.Druckerei: Schulstraße?. Geschäftsstelle u.Verlaq.'^-^öl,Schrift- leitung: ^-^112. 2ldresse für Drahtnachrichten.' Anzeiger Gießen.
Die neue amerikanische heeresverstärknng.
Die Verstärkung der a^lerikaniscken Armee, die ctitc ganj eigenartige Organisation aufwerst, ist durch die Annahme der Vortage im Senat einen guten Schritt weiter gerückt. Der Vorschlag, der angenommen wurde, soll die Armee um 261000 Freiwillige und 280 000 Mann Miliztruppen verstärken. Für arnerikanische Armeeverhältnisse würden diese Zahlen außerordentlich viel bedeuten. Gegen- wärtig beträgt die Stärke der regulären Armee in Wirklichkeit nur etwa 80 000 Manu. Es wurde schon als eine Tat betrachtet, daß kürzlich Präsident Wilson durch das Repräsentantenhaus autorisiert wurde, die reguläre Armee aus ihren vollen Stand von 120000 Mann zu bringen. Nach dem amerikanischen Wehrsystem besteht das stehende Heer aus Freiwilligen, die sich durch Werbung ergänzen. Sie u-erden auf sieben Jahre ang-eworben, wovon sie vier Jahre aktiv und den Rest in der Reserve zubringeii. Wenn jetzt eine Vermehrung der Armee um 261000 Mann Freiwillige ver langt wird, so würde dies eben der Verstärkung der regulären Armee aleichkommen, die demnach auf etwa 380 000 ^opfe anschkvellen würde, in der Voraussetzung, daß 120000 Mann vorhanden sind. Die reguläre Armee würde sich also mehr als verdreifachen. Wenn 280 000 Mann neue Miliztruppen aufgestellt werden, so würde fast eine Vervierfachung der Miliz stattfinden. Die Miliz der Vereinigten Staaten besteht aus zwei Klassen: der organisierten Miliz oder „Nationalgarde" und der Reservemiliz. Die Aufnahme in die Miliz ist ebenfalls freiwillig, und die ein tretenden Bürger verpflichteil sich zumeist auf drei Jahre. Nach den letzten Daten wurde die Stärke der organisierten Miliz auf 9000 Offiziere und über 100 000 Mann geschätzt. Die Reservemiliz uuifaßt mit gewissem Ausnahmen die ganze männliche Bevölkerung von 18 bis 45 Iah en. Im Falke nationaler Gefahr ist jeder Bürger verpflichtet, zwei Jahre unter den Fahnen Dienst zu tun. Die diesbezüglicheii Berechnuiigeii -ergeben auf diese Art etwa 15 M i l li o n en W ehrp fl i cht i ge, die aber vollkommen unausgebildet sind.
Durch die neue noch nicht abgeschlossene Reorganisation der amerikanischen Armee wird bezweckt, schon ini Frieden eine enge Verschmelzung der rugulären Armee mit der organisierten Miliz herbeizuführen. Nach der Berechnung des amerikanischen Generalstabes, die jetzt aber schou überboten ist, bedürfe die Union im Kriege einer Militärmacht voii etwa 350000 Mann in erster Linie, welche Zahl sich nun natürlich bedeutend erhöhen würde, wenii die^amerikanische .Heeresverstärkung Gesetz wird. Da zurzeit höchstens 120 000 Mann der regulären Armee und über 100 000 lamt Minzen als wirkliches Heer zunächst aufgestellt werden können, jv müßten nach dieser Berechnung 150000 Manii weitere Milizen vorhanden sein. Von dieser Zahl ist die organisierte Miliz zurzeit aber noch weit entfernt. Man wird angesichts der geringen Neigung der Amerikaner, sich anwerben zu lassen, also noch geraume Zeit warten können, ehe die geplante Heeresvernrehrung auch wirklich durchgeführt ist. Ehe die Union ein wirklich kriegsbereites Heer im Sinne der ädrigen Großmächte in der Stärke von rund 600 000 Mann leerster Linie aufstellen kann, wie es nach dem letzten Beschluß im Senat doch beabsichtigt scheint, kann noch viel Wasser den Mississippi entlang fließen. Die ungünstigen Werbeverhältnisse, die äußerst mangelhafte Disziplin — zuviel Fahnenflüchtige.' — der geringe Einfluß der Offiziere und Unteroffiziere sind Eigenschaften, die erst gründlich vertilgt werden nrüssen, bevor ein militärischer Geist die Armee der Yankees durchziehen kann
' bic englische Blockade gegen Deutschland verfaßt worden war. Frankreich antwortete in ähnlichem Sinne, es ging jedoch hierbei noch auf einzelne Punkte von untergeordneter Wichtigkeit ein.
Die Klage der amerikanischen Regierung ist, so sagt das Memorandum, die, daß die englische Art, sich Beweise über die feindliche Bestimmung von Frachten nach neutralen Häfen zu beschaffen, unrechtmäßig sei. Die einzige rechte Antwort würde sein, daß die neue Art, Güter an den Feind zu schicken, auch durch neue Methoden gehemmt tverden müsse, um sich der eigentlichen Bestimmung dieser Waren vergewissern zu können und um ein Recht, einen derartigen Handel zu verhindern, auAüben zu können. Unter den Verhältnissen eines modernen Krieges würde, es unmöglich sein, das Reckt, ein Schiss zu untersuchen, an der Stelle ausznüben, an der das Schiss angehalten wird. In der Note Greys vom 20. Februar 1915 wurde bereits gezeigt, daß die Größe der modernen Dampfschiffe und ihre Fähigkeit, bei jedem Wetter die Gewässer zu befahren, wo die Patrouillenschiffe der Entente operieren, -es unmöglich mache, an die Breitseite zu kommen, wenn die Schisse nicht in stilles Wasser gebracht werden.
Admiral I elli c o c erklärt in seinem Urteil über diese Frage: Es ist klar, daß. je größer ein Schiss und je umfangreicher sein Platz i|t, es um so schwieriger wird, eine Untersuchung ans offener Sec vorzunehmen. Jellicoe bestreitet die Pehauptnng der Bereinigten Staaten, daß es keinen Unterschied in der Untersuchung von Schiffen von 20 000 Tonnen und von 1000 Tonnen gäbe. Jellicoe zeigt noch andere Tatsachen, die es nötig machen, die Schisse zur Untersuchung nach -einem Hasen zu bringen und die Gründe sind diese: die vollständige Verachtung, die die Deutschen gegen das' Völkerrecht an den Tag legen, die eigenen Prisenbestimmungen der Deutschen und die Tatsache, daß sie englische und neutrale Schiffe in Grund bohrten, ohne daß diese Schiffe und ihre Ladung untersucht worden sind. Jellicoe fügt hinzu, daß, der Mißbrauch, den die Deutschen von amerikanischen Pässen machen, um dienstpflichtigen Personen und Agenten feindlicher Nationalitäten ein freies Geleite zu verschaffen, es nötig mache, alle Schiffe, die verdächtig sind, zu untersuchen. Um dies am zweckmäßigsten tun zu können, sei es nötig, die Schiffe nach ein ent Hafen zu bringen . Mit Bezug aus die Lsiste von Schissen, die in der amerikanischen Note genannt werden und deren Ladungen angehalten worden sind, sagt das Memorandum: „Bei dieser Liste fällt es aus, mit welcher Schnelligkeit oie angehaltenen Schisse wieder fr eigelassen worden sind, und cs darf auf den geringen Verlust und die sehr geringen Beschwerden hinge wiesen werden, denen die Schiffe -in der Regel ausgesetzt worden sind." Das Memorandum schließt: „Die Regierung wünscht, den Vereinigten Staaten zu versichern, daß sie bei der Ausübung dessen, was sie^alsj ihr Recht als kriegführende Macht betrachtet, den Neutralen so wenig wie möglich Beschwerden verursachen will."
Lim englische Antwort auf amerikanische Beschwerden.
Haag, 26. April. (Zf.) Reuter meldet aus London: Die Regierung veröffentlicht ein langes Memorandum, das durch ben britischen Botschafter in Washington gestern dem Staatssekretär L a n s r n g als Antwort auf die Note der Vereinigten Staaten über
Au§ dem Reiche.
Aus dem elsaß-lothringischen Parlament.
S tr a ß b u r g , 26. April. (WTB. Nichtamtlich.) In der Eröffnungssitzung der Ersten Kammer des Landtages hielt Präsident Dr. Hö f fel eine voir patrio-, tischem Empfinden getragene Ansprache, in der er der gewaltigen Taten des Heeres gedachte, insbesondere nach der iin Felde stehenden elsaß-lothringischen Brüder. Auch die Tätigkeit der Eisenbahnen und anderer staatlicher Dienstzweige in der Heimat seien rühmend hervorzuheben. Dank denr Heere und dank der Organisation im Innern dürfe man rnit fester Gewißheit dem siegreichen Ausgang des Krieges entgegensehen. Die erste und beste Kraft der Daheimgebliebenen sei dem Kamps gegen die schweren Folgen des Krieges gewidmet. Industrie und Landwirtschaft lieferten uns 'die Waffen für unsere Verteidigung. Die in der .Heimat gebliebenen Arbeitskräfte seien auf das höchste angespannt. Es gebühre Dank auch- den wackeren Frauen und Jungfrauen zu Hauje, die überall trotz des Fehlens der männlichen Arbeitskräfte volles Verständnis für den Ernst der Zeit gezeigt hätten. Sie hätten sich der im Felde stehenden Männer würdig erwiesen. Durch ihre Arbeitsleistung sei der deutsche Boden fruchtbringend bestellt. Die Lebensmittelversorgung sei bei weiser Einteilung gesichert. Neue Leitgedanken in der staatlichen Politik seien maßgebend. Ein weitverzweigtes Systenr von Oraanisations- und Vertei- lungsmaßnahmen verbürge den Erfolg. Man habe gelernt, gemeinwirtschaftlich zu denken und sich zu fühlen als Werk
zeug und Organ der gesamten deutschen Vollswirtschaft, bereit, allen zu helfen und die Eigenliebe zurückzustellen. Die oft nur widerwillig gegebene Anerkennung der Vortrefflichkeit deutscher Organisation erklinge heute mit erstaunlicher Einmütigkeit aus den Stimmen des Auslandes. Dank dieser Organisation gingen auch im Kriege die Werke des Friedens weiter, doch seien, wozu auch die elsaß-lothringische Bevölkerung stets bereit sei, unermüdliche Arbeit und Hingebung erforderlich. Des Vaterlandes Kraft und Wohlfahrt, schloß Dr. Höffel, werden das Ziel unserer Arbeit sein.
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Berlin, 26. April. (WTB. Nichtamtlich.) Die zweite k rie g sch iru r g i s che Tagung unserer feldgrauen Aerzte nahm nachmittags im Langenbeck-Virchow-Hause ihren Fortgang, mit einer Reihe von Borträgen durch Lichtbilder, graphische Darstellungen und Vorführungen von Kranken illustriert. Exzellenz v. Schjerning sprach einige Schlußworte und dann fand nach ernster Arbeit ein gemeinsames Abendessen im großen Festsaal des Zoologischen Gar- tens statt.
Lübeck, 26. April. (WTB.) Der Bürgerausschuß bewilligte einstimmig 2 296 000 Mark für Schaffung neuen Jndustriegeländes und eines n euen Jnd u str ieh a se n s.
Englische Zeppelin-LNenntm?.
Wenn die letzten Zeppelinangriffe auf Großbritannien selbst nicht mehr sichtbaren Schaden angerichtet hätten, als die englische Regierung sich einzugestehen begnenne, so hatten sie auf jeden Fall den Erfolg, dem bisher noch immer von der Londoner Presse aufrecht erhaltenen Märchen von der Bedeutungslosigkeit unserer Zeppeline endgültig ein Ende zu machen. In einenc „Was man über die Zeppeline wissen muß" überschriebcmen Artikel der „Daily News" wird endlich der hohe Wert der deutschen Zeppeline im Weltkriege ossen zugestanden. „Alle die guten Leute," schreibt das Blatt, „die uns einreden wollten, daß die Zeppeline keinerlei militärischen Wert haben, befanden sich durchaus auf dem Holzwege. Tenn diese Behauptung wäre bestenfalls richtig, wenn man unter militärischem Wert nur die direkte Verwendung in offener Feldschlacht verstände. Aber in einem weiteren Sinn haben die Zeppeline sich für die Deutschen von imgeheurer Bedeutung erwiesen. Wenn sie nichts weiter vollbracht hätten, als das, was sie in der Nordsee und in der Zusammenarbeit mit dem Kampf der Unterseeboote taten, so hätten sie sich schon allein dadurch vielfach bezahlt gemacht. Aber sie haben uns auch gezwungen, in England selbst die Lichter zu verlöschen und mit Beginn dev Dunkelheit jederlei Geschäftsverkehr aus sehr fühlbare ÄZeise zu beschränken. Hierdurch tvurde unsere Arbeitskraft vermindert und viel für wichtigere Zwecke benötigtes Geld verbraucht. Außerdem wurden wrr gezwungen, zahlreich Geschütze und Mannsck>asteu zur Zeppelinabwehr im Lande zu behalten, die an der Front besser« Arbeit leisten könnten." Dieser nunmehr einwandffei aufgedäm- inerten Erkenntnis fügt das Blatt gleichsam als Trostmittel eine Anzahl neuer Verhaltungsmaßregeln hinzu: „Da wir in Zukunst noch- häufigere Luftangriffe zu erwarten haben, sollte jeder die Ratschläge beherzigen, die das Verhalten bei solchen Angriffen betreffen. Die zwei wichtigsten Punkte sind': das Licht auslöschen und Deckung suchten. Die bisher allgemein verbreitete Meimmg, daß die tiefgelegenen Kellerräume den besten Schutz gegen die Zeppelinbomben bieten, ist heute als durchaus irrig zu bezeichnen. Denn wenn eine stark geladene Bombe ein Hans trifft, so reißt sie meist das ganze Gebäude in Trümmer, und die in die Keller Geflüchteten müssen unter den herabstürzenden Steinen und Schntt- massen zugrunde gehen. Aber auch der Aufenthalt im höchsten . Stockwerk unter denr Tack ist nicht zu empfehlen: denn hier sind die Bruchstücke der explodierten Bomben und die Splitter der Schrapnells unserer Abwehrgeschütze zu fürchten. Man nruß sich immer vok Augen halten, daß auch die Beschießung der Zeppeline für uns insofern gefährlich ist, als die Schrapnellsplitter ,rotwendigerweise wieder auf die Erde herabsallen müssen." Als bestes Schutzmittel erscheint den „Daily News" daher das folgende, aller dings etlvas primitiv annkutende Rezept: man eile ungefähr in das mittlere Stochverk des Hauses, bei einem vierstöckigen Haus in den zweiten Stock, bei einem fünfstöckigen in den dritten, verlösche sorgsani die kleinste Lichtguellc und hüte sich davor, sich dem offenen Fenster zu nähern.
„3um Unterstand".
(Das Bierhaus einer Reserve-Division in Frankreich.)
Von der Westfront wird uns geschrieben:
Wie ich an einem schönen Frühlingssonntage durch die Straßen kleinen Stadt in dem von uns besetzten Nordfrankreich schlendere, fällt mir ein großes Plakat in die Augen mit der großen gedruckten Frage: „Wohin gehen wir?" Neugierig trete ich näher und lest werter, daß ich unbedingt zur Eröffnung des Deutschen Vcerhau,es „Zum Unterstand" gehen muß, allwo die Kapelle eines Regimentes spielen wird. Das lockt nrich, denn ich kenne die gemütlichen Bierlokale, die an verschieden en Zentralpunkten der Front eingerichtet sind. In dieser Stadt ist es eine R e s e r v e - D i Vision, die aus einem großen, mit Wellblech und Glas bedeckten Gebäude, das für Sportzwecke bestimmt war, eiuen prächtigen Bierpalast geschaffen hat. Und das innerhalb weniger Tage! Weißgetünchte WÄrde, lange, saubere Holzbänke, geschmackvoll herge- rrchtete elektrische Lampe,r, an den Wänden große, von einem Gardisten flott und porträtähnlich gezeichnete Bilder unseres obersten Heerführers, des Kronprinzen, bekannter Feldmarsckälle, sowie des Divisionärs, ein durch Grün abgeteilter Raum für die Offiziere endlich ein freier, ebenfalls mit Bänken und Tischen besetzter Raum da draußen — das alles gibt dem großen Gebäude einen Ansttich von Ordnung, Sauberkeit und Gemüllichkeit. Für Unterhaltung ist durch eine Auslegung Berliner. Potsdamer und anderer Zeitungen aus allen Provinzeir und Staateii Deutschlands, sowie durch regelmatzige Abendkonzerte verschiedener Militärkapelleii gesorgt. Ter Eröffnungstag — ein wundervoller Frühlingssonntag — gestaltete sich zu einem wahren Riesenbummel unserer Feldgrauen stach der Rue Faudherbe, der Straße, an der das Bierhaus gelegen ist. Obwohl in der Stadt und in der Umgegend noch andere Formationen liegen, überwog bei tveitem doch, die Gardelitze. Wer um 5 Uhr kam, mußte in den Gängen stehen bleiben oder fidr ins Freie setzen. Mit dem Glocken schlage 5 begann die Musikkapelle ein-es Regimentes den „Preußenmarsch" zu spielen: erschreckt flatterten die Spatzen, die sich vordcni unter dem Wellblech eingenistet hatten, emjwr, und neugierig bleiben die Franzosen da draußen stehen. ±ic feldgraue Menge aber hörte andächtig zu — welcher Soldat kennt nicht die anfenernde Schneidigkeit unseres Preußen- -marsches, und die Angeii blitzteri Heller auf, als es erklang- "Ich brn ein Preuße . . " Dann bestieg ein Gardist, der in Bcerlin wohnhaft gewesene Schauspieler Hermann Mauuc- ba ch,^das M ckstpodium, um einen schwungvollen Prolog zu svre- Hauses^^ ** r 9ftÜ€lt iünä ^ [ der Bestimmung des Deutschen
in dem zum Sange
Des deutschen Liedes mit hellem Klange Das deutsche Bier uns soll erfrischen Und auch ein Ort, wo deutsche Weisen Hell sollen Deutschlands Zukunft preisen;
An dem wir warten voll Sehnsucht der Stunde,
Die endlich uns bringt die ersehnte Kunde:
^etzt braucht Erich der Kaiser zu neuen Siegend -vaim soll hellauf znm Himmel llingen Der Jubelruf, der auch am heutigeu Tag Als allererster erllingerl mag:
„Es lebe der Kaiser — die Stunde ist da? —
Der Deutsche Kaiser: Hurrah! Hurrah!"
Ein tausendstimmiges Hurrah all der Offiziere Und Mannschaften in der Runde erllang durch das Deutsche Haus, in dem einst fran- zösiiche Jugend dem Tennis gehuldigt hatte. Ein begeistertes Gelöbnis war es. das feierlich in die Frühlingsluft drang, das den ^-ranzosen da draußen auf der Straße aufhorchen ließ Und wen,i dereinst — vielleicht schon bald, wer weiß es? — der Kaiser rufen wird, dann wird es ein Ruf zu neuen Siegen sein' Tos sind wir hrer dranßeii alle gewiß, wir, die wir die prächtig stolzen Gestalten unserer Leute und ihrer siegbegeisterten Offiziere kennen. Und das dürfen auch alle in der Heimat gewiß sein' Es war eine reine und doch fröhliche Feiertagssttmmung, als ich wieder meiner Kaserne zuwanderte. Und dort kam gewissernraßen noch ein kleines Nachspiel. Dort saß nämlick) ein früherer Gardist der fetzige Landstürmer W i l hel mDh m k e, der 2,08 Meter lange Riesengardist von der Leibkompagnie des 1. Garde-Regimentes zu Fuß, und ließ sich von einem jüngeren Soldaten all dessen Erlebnisse un fetzigeii Weltkriege erzählen. Als ich den jungen Kameradeii fragte: »Ist es wahr, daß Ihr alle Euck> danach sehnt, lvieder — wie es im Prolog hieß — feindwärts zu inarsästeren?", da ent- Mgnete der junge Kamerad stolz und leuchtendeii Auges: „Ja! Je eher, desto lieber wollen wir wieder ran an den Feind' Wir alle!" — Unsere Gegner an der Westfront werden dieses Gelöbnis, diese Begeisterung nicht hören, sie werden sie aber fühlen ivenn deremst der Kaiser uns zu neuen Siegen braucht! (Zens. Berl.)
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S o m 'u erzeit au f I s lan d. Die Sommerzeit, die sich unter dem Anstoß des Krieges jetzt mit einen, Male das halbe europäische Festland erobert hat, ist auf Island bereits seit langen Zeiten altcingeführter Brauch. Wie aus einer Zu- schnst an du Kopenhagener Zeitung „Politiken" hervorgcht, haben die Isländer nicht etlva m einer systematischen oder methodischen Werse dre ErnMrmrg der Sominerzcit vollzogen, fonderii es ist
dort eme stillschiweigende Vereinbarung, daß die Bauern zur Sommerzeit, um die langen Morgenstunden besser ausznnutzen, ihre Uhreil vorstellen, bisrveilen eine Stunde, bisweilen anderthalb, ja an einzelnen Stellen sogar zwei Stunden. Daraus entsteht allerdings eme gewisse Unsicherheit der Zeitverhältnisse. Es rann z. B. Vorkommen, daß man des Abends zu einem Bauernhöfe- wie n,an glaubt, noch zu guter Zeit kommt Und dann die Entdeckung machen muß, daß dort alles schon zu Bett gegangen ist, weil hier dre Uhr besonders stark vorgerückt worden ist. Man sicht hieraus daß der individuellen Freiheit in der Gestaltung der Sommerzeit m Island viel Spielraum gegeben ist, aber im Grundsätze stimmt der isländische Brauch mit der jetzt bei uns emgeführten Einrichtung überein. Uebrigens erllären die isländischen 'Bm, daß sie mit dieser Anordnung sehr zufrieden sind und sich dabei' sehr wohl befinden.
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Stimmen über die deutsche Sommerzeit.
D er Tag edieb.
Wozu wül man voll Lng urid Trug,
Wie spät es sei, verhehlen!
Mir wird es so schon schwer genug.
Dem lieben Gott den Tag zii stehlen.
Der Vielbeschäftigte.
Was von der Neuerung icki halte?
Mein Urteil Hab' ich bereit:
Ob neue -oder alte.
Ich habe doch nie Zeit?
< Der Langschläfer.
Stellt ihr die Uhr auch immer vor.
Mich stimmt das doch irur heiter.
Ich leg' mich auf das aiidre Ohr,
Und schlafe zeitlos weiter.
Ter Kilowatt st unden-Zählcr.
Wenn auch wie sonst die Sttrnden rinnen,
Tie Wahrheit läßt sich nicht verhehlen:
Der Tag kann eine Stunde nur gewinnen.
Indes wir viele Stunden wen'gcr zählen.
Der Hahn.
Ihr glaubt, daß ihr der Zeit gebeut! Mit Nichten iseid, eitle Menschen, wirllich ihr so weit!
Wohl nwgt ihr selbst euch nach ihr richten,
, Doch kräht lein Hahn nach einer Sommerzeit!


