Ausgabe 
13.4.1916 Zweites Blatt
Seite
2
 
Einzelbild herunterladen

-lachen ' trt Herren boitfdw Truppen in bet französischen Herbst­offensive den Feind noch nach sieb-enzigstündigem Trommelfeuer angewiesen haben. Svweit es nicht durch bas Feuer vernichtet ist, ist bas Unterholz zwischen den beiden französischen Graben- linicn ungemein dicht. Es ist beinahe unmöglich, hindnrchzukommen, zumal überall dort, wo es etwas schütterer steht, Stacheldraht über den Boden gezogen ist, den man unter dem dürren Kraut kaum sieht. Auch hinter der zweiten französischen Linie ist der Wald noch so verwachsen, daß man sich schneller mit der Drahtschere duvck- spanische Reiter, als mit Beil und Haumesser durch diese Gestrüppe und Dornenranke:: hiiwurcharbeiten kann. Dann ver­schwindet, gegen die Mitte des Waldes, das Unterholz; an feine Stelle treten stattliche alte Laubbäume, _ Buchen und zumeist Eichen, an denen dicker, dunkler Efeu bis in die Kronen hinaus-- klettert. Hier hatten die Franzosen ihre Toten während des Stel­lungskrieges beerdigt, nicht weit davon legen jetzt deutsche Sol­daten einen Friedhof für die einstweilen zerstreut im Walde ruhenden Gefallene!: an. Der deutsche Friedhof ist mit Birken­ästen eingezäunt, ein liohes, von: Zeichen des Kreuzes überragtes Tor eröffnet den Weg zu dem Bezirk der Toten. Jedes Grab ist mit einer Fassung aus gelbem Kalksandstein ummauert, deren frische Fugen mit Moos ausgekleidet worden sind. In der Mitte erbebt jid; bas aus großen Findlinge!: hocl>geschichtete Denkmal, welches auf einer marmorne:: 'Tafel die einstweilen durch ein mit Blau­stift beschriebenes Brett ersetzt wird die Ranien der Helden der Nachiwe'lt künden wird. Tie Franzosen haben ihr Gräberfeld hier mit etwas mehr Ordnung eingerichtet, als man es sonst von ihnen gewohnt ist, aber auch hier vermißt ntau die Liebe. Der Platz ist nicht umfriedet, die Grabhügel sind nicht eingefaßt, daher schon verfallen und zertrete::. An j edles Kreuz batten die Franzosen eine große Porzellantafel gehängt, aus welcher der Name uni> der Twrppentei! des Tote:: verzeichnet !var. Ein Teil dieser Tafeln ist jetzt von Gvanatsvlittet!: und Gewehrkugel!: zerschmet­tert. Denn in diesen: Walde hat es Geschosse gehagelt. Im Unterholz an seinem Rande ist, das ist wörtlich! zn nehmen, kaum ein einziger Strauch, der nicht Zersplitterungen durch Gewehr­kugeln aufwiese. Manchmal hat man der: Eindruck, in den durch­bohrte:: Zweigen den Weg einer Kugel verfolgen zu könne.:, die vielleicht gerade den Mann gefällt hat, der unter den: Busch in seinen: frischen Grabe ruht.

Sobald man sich dem längs der Sttaße Bille-Bacherauville verlaufenden Südostrande dos Caures-Waldes nähert, nimmt das Unterholz wieder zu und wird bald so dicht, daß man keinen Schritt mehr vorwärtsdringen kann, ohne sich den Weg mühsam Sit brechen. Man muß einen der Pfade suchen, welche:: unsere Sturmtruppen sich mitten im Kugelregen geschnitten habei:. Bald freilich entdeckt man andere Wege: die Krater der Granatein­schläge, welche hin und wieder eii: großes Loch in den Wald ge­rissen haben, mehren sich,, so daß sie schließlich ineimrndcr über­gehen und förmliche Gräben bilde!:. Diese Granatlöcher haben unsere Sturmtruppen zur Annäherung benutzt. Sie boten einige Deckung gegen das französische Maschinengewehrfeuer, und lvir werden noch erfahren, welche Bedeutung die Granatlöcher bei dem Sturme gehabt haben. Eine sehr merkwürdige Deckung war übrigens in anderer Weise entstanden. Tie höhen Bäume des Waldes sind durch die Arttlleriebeschießung oft umgeknickl, ge­spalten :rnd abgehackt worden. Zurveilei: aber l>at eine Granate einen riesigen Baum, ohne ihn zu treffen, lediglich durch> den Luft­druck entwurzelt. Tie herausgerissene Erdscherbe, die noch an den Wurzeln haftet, bildet dann einen natürlichen Wall, während das dahinter.entstandene Loch, eine Art von Unterstand abgibt, in welchem sich meh.ere Leute sammeln und vor dem gemeinsamen Vorgehen ettvas verschnaufen konnten.

Ganz Plötzlich aber ist der Wald völlig gesperrt. Drahtschlin­gen, Stacheldraht, Fußangeln machen jeden weiteren Schritt un­möglich. Auch hier muß man sich dem schmalen Pfad anvertrauen, den sich die Sturmtruppen geschaffen haben. Er endet vor einem mauevarttgen Astverhau, das mit Maschendvaht so eng zusammen- gefügt ist, daß es ausgeschlossen erscheint, mtt dem Beil eine Bresche hiueinzuschlagen. Aber auch das Ueberklettern ist unmöglich, da die äußere Astschicht senkrecht steht und dieser Knüppelwall über Mannes hoch im Durchschnitt, ftellemveisc auch noch viel höher ist.

Wir werden hören, wie dieses Hindernis bezwungen worden :)t. Dann kam noch eine Zone von Stacheldraht nnb anderen Hmder- nxffen jeder Art, mib dann befand man sich vor der dtttten und stärksten Linie der Franzosen, im Caures-Walde, vor der sogenann­ten e.-o.-Stellung. Auf sie hatten sie alle Kunst der Defensive verwendet. Sehr geschickt die Unebenheiten des Bodens benutzend, für Flieger unsichtbar, zackig nach vor- und rückwärts ausspringenb, so daß man den Angreifer stets flankieren konnte, so lag die e.-e- Stellung tief im Walde, bei ihrem unregelmäßigen Verlaufe von Artillerie kaum zu fassen. Sie war gespickt mit Maschinengelvehren, deren Unterstände so gut betoniert und mit Eisenträger!:, Balken und Erde bedeckt waren, daß ein schwerer Volltreffer allein sie hätte außer Gefecht setzen können. Dazwischen befanden sich durch Erd­wälle nnd Flechtwcrk geschützte Brustwehren für die Infanterie, der dichtbe: tiefe u:u) sichere Unterstände zur Verfügung stunden. Erft nach der Einnahme dieser e.-e.-Stellung war der Caures-Wald in unserem Besitze. Damit war die Straße Bill:Bacherauville erreicht.

Beaunwnt lag sichtbar jenseits der kahlen, in der M Ute flach eingesatteltcn Höhe 325 in einer Senke. Aber diese Höhe ist ein dürrer Kalkrücken, auf den: selbst im'Frühiahr daS dünne Gras nicht recht grün wird; jeder Gegenstand hebt sich aus ihr wie eine Zielscheibe auf den: Schießplätze ab. Dazu überziehen n^hrere Hirwerniszeilen den Höhenrücken, unb von bei: beiden genau östlich und westlich gelegenen Gehölzen des Fay-Wätdchens und des über­höhenden Gipfels La Wavrille lag das Zwischenaeländc, eben d:e kahle Höhe 325, in den: Kreuzfeuer zahlloser Maschinengewehre. Erst nrußten das Fay-Wäldchen und La Wavrille :n unserer Halft» sein, ehe der Sturm weiter vorwärts schreiten konnte, Beaumont zu, das mit Drahthindernissen, doppelten Gräben und Batterie­stellungen vor und hinter dem Orte ausgestattet und wo jedes Haus verschanzt und mit Schießscharten versehe:: war. Das Fay- Wäldchen und La Wavrille, besonders das letztere, waren in sich abgeschlossen, sehr wehrhafte Werke wie der Eauves-Wald, auf den Angriff vorbereitet. Wir werden ihre Schocken beim Berichte über die Kampfhandlungen noch näher kennen lernen.

Alle diese von einem zähen Feind, den zu der: aktiven Elite- truppen gehörenden 56. und 59. französischen Jägern, verteidigten Befestigungen haben die hessischen Sturmtruppen in todcsver- achtendcm Heldenmute überrannt. Beauinont mußte genommen werden, und so wurde es genommen. Aber daß Menschen solch einen Kampf zu leisten vermögen, das grenzt an das Unbegrief- tiche. Je näher ich das Kampfgebiet kennen gelernt habe, desto mehr suhle ich mich a:ft)ächtig im Banne eines Wunders von Heldenmut ruft) Aufopferung.

W. S ch e u c r m a it n, Kriegsberichterftatter.

Zur Behandlung der Wäsche.

Die infolge des Krieges eingetretene Verringerung der Vorräte an Seifen und die damit verbundene Steigerung der Seifenpreise hat dazu geführt, daß wie auch bei anderen Lebensbedarfsgegenständen sogenannte Ersatzmittel der verschiedensten Art meist zu ungerechtfertigt hohen Preisen in den Handel gebracht werden, vor deren Verwendung im allgemeinen gewarnt werden muß. Wir halten es daher für weckmäßig, nachstehend einige Winke für die Behänd- ung der Wäsche den Hausfrauen zu geben:

1. Für weiße Bau mw oll- ::no weiße Leinen­wäsche genügt vom Standpunkt der Hygiene ein Aufkochen in reinem Wasser mit etwas Sodazusatz (etwa 30 Gramm Soda aus 1 Liter Wasser). Im allgemeinen ist für weiße Baumwoll- urft» Leinenwäsche das Waschen mit Seife gar nicht nötig, cs genügt die Verwendung von Soda in dem vorher angegebenen Ver­hältnis. Wird aber Seife verweiset, dann empfiehlt sich, nur abgebochtes Wasser zu nehmen, um imser kalkhaltiges (sog. hartes) Wasser zu enthärten. Weiches Wasser und Regenwasser erfordert bedeutend werriger Seife als hartes, um den gleichen Erfolg zu erzielen.

2. Bei Wollwäsche ist Soda nicht zu verwende::, lwü durch diese die Wollfasern stark entfettet und filzig werden. Es

empfiehlt sich für Wollwäsche die Anwendung tort SakmLckgeN

oder tohlensaurem Ammonium, letzteres im Verhältnis t*m 1 bis lVs Liter aus 50 Liter Wasser. Wollwäsche darf nicht gekocht werden, sic dars nur mit lauwarmem Wasser behandelt werden.

3. Für farbige Wäsche ist die Verwendung von Soda sowie Salmiak nicht zu empfehle::, namentlich nicht, wenn die Farben unecht sind. Für solche ist Seife zu verwenden, jedoch darf farbige Wäsche nicht zn heiß gewaschen und nie gekocht werden.

4. Um bei der herrschenden Seifenknappheit die Seife zu strecken,

empfiehlt sich, auf 1 Teil Seife 1 Teil Soda zu nehmen. Auch für Wollwäsche kann eine solche Mischung verwendet wmden, ie- doch stets nur mit lauwarmem Wasser. Bei farbiger Wäsche i st m: t solcher Seifen-So damischung mit äußerster Vorsicht zu verfahren. Durch Versuche stelle ntan fest, ob die Farbe angegriffen w:rd. Man vermeide ein längeres Einweichen oder ein l ängere s Lregen- lassen nasser farbiger Wäsche, namentlich ein Zusaumüeuliegen mit weißer Wäsche. J _

Schließlich sei vor der Verwendung sogenannter Hanv- rezepte gewarnt, wie sie vielfach in beit Zeitungen bekannt- gegeben werden, insbesondere vor der Verwendung von pflanzlichen u:ft) tierischen Fetten für die Herstellung von Seifen, da solche nach Verordnung des Stellvertveters des Reichskanzlers vom 6. Januar 1946 (R. G. Bl. S. 3) ver­boten ist._

«irchlrche Nachrichten.

Israettüsche Religionsgemeinde.

Gottesdienst in der Lrrnagoge (Süd-Anlage),

Samstag, den 1b. April 1916:

Vorabend: 7.00 Uhr.

Morgens: 9.00 Uhr.

Nachmittags: 3.30 Uhr.

Sabbatausgang: 8.05 Uhr.

I Israelitische Religionsgesellschast.

Gottesdienst.

Sabbatseier an: 1b. April 1916: Freitag abend 6.50 Uhr.

SamSlag vornultag 8.30 Uhr. Predigt«

Samstag nachmittag 3.30 Uhr.

Sabbatausgarlg 8.05 Uhr.

Wochengoltesdienst: Montag morgens 6.00 Uhr.

. ,, i ii .

Märkte.

F. C. Wiesbaden, 12. April. 33: et) mar ft. Zum Ver­kaufe standen: 19 Rmder. darunter 3 Ochsen, 1 Bulle, 1b Kühe,

Nb Kälber, 2 Schale und 27 Sctnveine. Der Markt war schnell geräumt. Tie Stadt stellte 7b Schiveine zum Verkauf.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

April

1916

f ©1

o= - .o

r- C O

3V w

ij

a 's

E Ck> £.0

aj o

S <£. 5 S

S J>

" &

«c

i

£ fcjs £* %

2 S |.§

L?H

Weller

12.

2->!

8,0

5,2

65

_

10

Regen

12.

v»!

_

5,6

6,4

94

10

Beo. Himmel

13.

7»

|

7,0

6,7

89

'

10

Regen

»I I lli

Höchste Temperatur am 11. bis 12. April 1916: -f- 8,6'6. Niedrigste II. . 12. . 1916: -t- 4,4*6.

Niederschlag 11,5 mm.