Ausgabe 
14.4.1916 Zweites Blatt
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Swettes Blatt

Ar. 89

Lrschemt «züch mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiebter §amiUenbkatter" werden dem Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das KtetsfeWm für de» tots Sichen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Zeit-

fragen" erscheinen monatlich zweimal.

fbb. Jahrgang

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General-Anzeiger für Gberheßen

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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea Universttäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schriftleitung,Geschäftsstelle u.Drrrckerei: Schul- straße?. Geschäftsstelle u.Vprlag:d^^51,Schrift­leitung: S^A112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

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9lmfterbam, 12. April. (3t)

Daily News- vom Dienstag schreibt über den Feldzug in Meso­potamien : Die Besorgnis über das Schicksal des Generals Towns hend wurde durch die beiden Berichte des '-Sir Percr) Lace nicht vermindert.

Wie lange die Garnison in Kut sich 'halten kann, entzieht sich unserer ge­nauen Kenntnis. Aber wir müssen annehmen, daß das letzte Sandkorn /bald ausgelaufen sein wird, und wir muffen die Tatsache ins Auge fassen,

»der Schlag, der die Belagerung auf. heben soll, muß rasch geschlagen werben oder er kommt zu spät. Der Mißerfolg des ersten Angriffs auf Sannaiyat bebentet einen Ver­lust von unschätzbaren Stunden und .Tagen, so daß der Bericht des Gene­rals Lace zweifelsohne beunruhigend ist. Unglücklicherweise ist es über­dies noch klar, daß die Verbesserung der Wetterbedinqungen und das Fallen der Wasser nicht angebalten habe. Das sind ernsthafte Nach­richten, denn unter den jetzigen Verhältnissen bilden die Ueber schwemmungen nicht nur ein schweres Hindernis, sondern sogar ein unüberwindliches Hindernis für das Vorrücken des Generals Gorringe. Die Formation der Sannaiyat-Stellung hat wohl auf den Geist eines Zeitungslesers in der legten Woche Eindruck ge inacht. Die kurzen Linien nördlich und südlich vom Tigris liegen ln jedem Fall zivischen dein Flußbecken und unpassierbarein Sumpf, und jedes Steigen der Fluten schränkt den engen Weg, auf dem eine Angriffsmacht vorrücken muß, noch weiter ein, währenddem der Feind augenscheinlich an Zahl und wahrscheinlich auch an .Kanonen überlegeii ist und gleichzeitig sich durch ein wohl- ausgearbeitetes Laufgrabeu-System schützt. Wir nu'issen erkennen, daß die Chancen stark gegen iins sprechen, und wir müssen den ,vetteren Ereignissen eher mit Hoffnung als mit Zuversicht e,tt peqensehen.

Die Kämpfe aTTTigris.

'Oie*Frrg/arider //7 ffirf-KlFAmarö unsrer Fefghie. .

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Die New Yorker Autodiebe.

Mit der außerordentlichen Zunahme des Auto mobil verkehr! in New Jork geht auch die Häufung der kompliziertesten und kühnsten Autodiebstähle gleichen Schritt. Die Gilde der N-ew Borker Autodiebe verbreitete sich in solchem Maße, daß die Poliz-eibehör- den von New Vor? schon vor drei Jahren genötigt wurden, sich besonders nrit dieser Masse von Verbrechern zu beschäftigen. Darum inurden zwei eigene Bureaus eingerichtet, deren ausschließliche Aufgabe der Jagd nach den .Autodieben gilt. Einer der leitenden Männer dieser AbtmluM, Arthur Train, berichtet in der Sa- rnrday Evening Post interessante Einzelheiten über seine Erfah­rungen im Kampfe gegen die Autodiebe: Mehr als 250 000 Kraft­wagen sind gegenwärtig^ im Gebiet des Staates New York in Betrieb, und mehrere hunderttausend Menschen sind mit dem Lenken, Reparieren, Verkaufen dieser Kraftwagen beschäftigt. Unter ihnen findet sich naturgemäß der überall zu treffende Prozentsatz unredlicher Leute, die sich kein Gewissen daraus machen, eine günstige Gelegenheit für ihren eigenen Vorteil ausznbeitten. Sie brauchten nicht lange, um herauszubekommen, das; nichts auf der Welt leichter ist, als ein Auto zu stehlen. Mit dieser Erkenntnis begann die Erntezeit der Verbrecher. Das ging so weit, daß eines Mannes Auto verschwand, während er vor irgendeinein Aus­schank ein unschuldiges Glas Sodawasser trank, oder während irgendeiner anderen kurzen Verrichtung, bei der es einen Angen- olrck unbewacht stehen blieb. Bisweilen tvurde ein halbes Dutzend -Wagen an einem einzigen Tage gestohlen. Besonders bemerrens- ttnert ist ein Fall, in dent der Leiter eines großen Autvmobil- 'geschäftes vor seinem Derkaussranm auf dem Broadway vorfuhr; .während er sich aus der Schwelle des Ladens nrit einem Ange­stellten besprach, verschwand ihm sein Wagen hinter dem Rücken. Ter Chauffeur meldete, daß der Wagen plötzlich zu fahren be- -gann und davon raste, während er das Licht des Hinteren Nummer­schildes anzündete; er hat ihn nie wieder gesehen. Ein gestohlener Wagen taucht aber mit größter Wahrscheinlichkeit eines Tages »wieder auf - gewöhnlich in einer Garage in der Borstadt. Wenn er zufällig versichert war und die Versicherungsgesellschaft setzte eine Belohnung aus, taucht er so ziemlich immer wieder ans. Die Diebe selbst aber verschwinden, als habe die Erde sie verschlungen. Findet die Polizei einen gestohlenen Wägen, so ist er sicher im .Besitz eines Menschen, der glaubwürdig Nachweisen kann, daß er ifrit von dem vermeintlichen früheren Eigentümer gekauft habe. Und mögen Polizei und Gerichte auch noch so gewiß davon über­zeugt sein, daß jener Mensch und der Dieb Zusammenarbeiten, in den meisten Fällen ist es unmöglich, diesen Zusammenhang chachzuweisen. Im ersten Jahr ihrer verschärften Tätigkeit ver-

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mochten die Behörden aus einer Unzahl von Fällen nicht mehr als ein Dutzend Diebe und nur einen einzigen Hehler zu über­führen, und mit der Gewißheit, daß sie unangreifbar seien, wuchs die Dreistigkeit der Verbrecher ins Maßlose. Vis schließlich eines Tages ein allzu sorgloser Autodieb in die Hände der Polizei fiel. Und von diesem Mann erfuhr die Behörde gegen Zusicherung eines Straferlasses daß es eine trefflich organisierte Verschwö­rung zu bekämpfen galt, über deren Umfang der Mann nichts aus- zusagen wußte, an deren Spitze aber ein einzelner führender Kops stehen mußte, der die Mehrzahl aller Autodicbstähle in der Weltstadt plante und leitete. Den Namen und das Versteck dieses Mannes vermochte man nicht zu erfahren, wohl aber, daß er Bundesgenossen und befreundete ähnliche Organisationen in einer ganzen Reihe von Nachbarstädten besaß, diese standen in Ver­bindung mit irgendeiner Garage, und dort wurden die in New Port erbeuteten Wagen in Empfang genommen und derartig umgearbcitet, daß sie ohne Gefahr weiter verhanoelt werden können. Einer der schlauesten Züge dieser Berbrechergesellschaft war der, daß die Mitglieder der einzelnen Gruppen nach Möglich­keit nicht öfter als in einem Falle zusammenarbeiteten, und daß jede Gruppe unabhängig von der anderen wirkte. Im Laufe,der drei Jahre, die es dauerte, bis die New Borler Polizei bei aller Arbeit und allem Scharfsinn den Verbrechern ihr Gewerbe einiger­maßen zu legen vermochte, sind nicht weniger als 1000 Automobile gestohlen worden. Da von allen im Bezirk des Staates New Bork gemeldeten Kraftfahrzeugen etwa 10o/o versichert sind, so kann man diesen Prozentsatz von Versiche­rungen auch auf die gestohlenen annehmen. Da die Versicherungs­gesellschaften nun in vollem Umfang für den Schaden durch Ver­lust des Fahrzeuges haften müssett, lohnte sich für sie wohl der Versuch, durch Ankündigung einer Belohnung die Spur des verschwundenen Wagens wieder zu finden. Das bot den Autodieben Gelegenheit zu einem neuen Geschäft. Sie konnten nun nicht nur einen Wagen stehlen und ihn für eine hübsche Summe verkaufen, sondern sie konnten auch uvch die bei einigermaßen wertvollen Wagen bis aus 500 Dollar steigende Belohnung einheimsen, indem sie der Versicherungsgesellschaft Namen und Adresse des unglücklichen Käufers ihrer Beute augaben.

Märkte.

F. C. Frankfurt a. M., 14. April. Schlachtviehmarkt vom 13. April. Austrieb: 137 Kälber und 52 Schafe; Rinder, Kühe, Schafe und Schweine waren nicht aufgetrieben. Der Auf­trieb wird schnell geräumt. Notierungen fanden nicht statt.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gietzen.

April

1916

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Bew. Himmel

Höchste Temperatur am 12. bis 13. April 1916: -ff 11,2'0. Niedrigste 12. , 13. , 1916: + 6,5*0.

Niederschlag 6,4 mm.

Amtlicher Teil.

AussührungSbestimmungen

zur Verordnung des Bundesrats über die Einfuhr von pflanz­lichen und tierischen Oelen und Fetten sowie Seifen vom 4. März 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. 148) vom 30. März 1916.

Aus Grund des § 3 Abs. 2 der Verordnung des Bnndcsrats über die Einfuhr von pflanzlichen und tierischen Oelen und Fetten sowie Seifen vom 4. März 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. 148) (Kreis­blatt Nr. 23) wird bestimmt:

I. Die Ansführungsbestimmungen zur Verordnung des Bun­desrats über die Einfuhr von pflanzlichen und tierischen Oelen und Fetten sowie Seifen vom 8. März 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. 151) (Kceisblatt Nr. 26) erhalten folgenden

§ 8 a. Die Vorschriften der Verordnung des Bundesrats über die Einfuhr von pflanzlichen und tierischen Oelen und Fetten sonne Seifen vom 4. März 1916 und diese Bestinrnmngen werden auf Lacke und Firnisse, Oelsäuren und Fettsäuren ausgedehnt.

II. Diese Bestimmung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft.

Berlin, den 30. März 1916.

Der Stellvertreter dos Reichskanzlers.

Delbrück.

Bekanntmachung

über die Bereitstellung von städtischen! Geläirde zur Kleingarten- bestellung. Vom 4. April 1916.

Ter Bundesrat hat ans Grund des Lj 3 des Gesetzes über die Ermächtigung des Bnndesrats zu wirtschaftlichen Maßnalnnen nsw. vom 4. August 1914 (Reichs-Gesetzblatt S. 327) folgende Ver­ordnung erlassen:

Artikel 1. Tie Bekanntmachungen über die Sicherung der Ackerbestellung vom 31. März 1915 (Reichs-Gesetzblatt S. 210) bezw. vom 9. September 1915 (Reichs-Gesetzblatt S. 557) finden auf städtische, zur landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Nutzung geeignete Grundstücke entspr-ech-.'nde Anwendung.

Artikel 2. Tie Landcszentralbehörden erlassen die erforder­lichen Aussührungsbestiminnngen.

Artikel 3. Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Ver­kündung in Kraft. Ter Reichskanzler bestimmt den Zeitpunkt des Außerkrafttretens.

Berlin, den 4. ?lpril 1916.

Ter Stellvertreter des Reichskanzlers. _ Dclbr ü cf. ______

Bekanntmachung.

Auf Grund des § 2 der Kaiserlichen Verordnung vom 31. Juli 1914, betreffend das Ve r b o t de r A u s - u nb Du rch- fnhr v o t! R.o h st o s f e n , die bei Herstellung uno dem Betriebe von Gegenständen des Kriegsbedarfs zur Verwendung gelangen usw., bringe ich nachstehendes zur öffentlichen Kenntnis:

1. Das Verbot der^ Ausfuhr und Durchsnhr von Kork und Korkwaren der Nrn. 635 bis 637 des Zolltarifs (Bekanntmachung im Reichsanzeiger Nr. 62 vom 15. März 1915) wird auf Kork- Holz und Korkabfälle (Nr. 90a und 90b des Statistischen Warenverzeichlnisses) und aus Kor kstopfen (Nr. 638b des Sta­tistischen Warenverzeichnisses) ausgedehnt.

2. Das Verbot der Ausfuhr und Durchfuhr von Schmirgel- schleifsteincn, sowie Schleifscheiben aus künstlichem Schleiftnatcrial (Bekanntmachungen im Reichsanzeiger Nr. 62 und 166 vom 15. März bzw. 17. Jüli 1915) wird auf Schleifsteine jeder Art ausgedehnt.

3. 'An Stelle des Abs. II in der Bekanntmachung bonr 23. März 1916 l Reichsanzeiger Nr. 72 vom 24. März 1916), betreffend das Verbot der Ausfuhr und Durchfuhr auf Grund des § 2 der Kaiser­lichen Verordnungen vom 31. Juli 1914, tritt folgerte Fassung'.

Das unter dem 12. September 1914 ergangene Aus­fuhr- und Durchfuhrverbot für aeronautische und nautische Meßinstrumente wird auf sämtliche Meßinstrumente für geodätische, trigonometrische rind alle Gebiete des Kriegs- oermessnngswefens betreffende Zwecke ausgedehnt.

4. Es wird verbalen die Ausfuhr und Durchfuhr von: Stein­kohlen poch.

Berlin, den 2. 'April 1916.

Der Reichskanzler.

Im Aufträge: Freiherr von Stein.

Bekanntmachung.

Die am 1. 2. 16. erlassene Bekanntmachung Nr W. M. 562,1. 16. K. R. A. b.tr.frmb Prelsbffchränkimgen im Haudtt mit Web-, Wirk- und Strrckwaren ist durchs Verordnung des Herrn Reichskanzlers vom 30. 3. 16., veröffentlicht im Reichsanzeiger 1916 Nr. 79, ersetzt rvvrden.

Die Beka!mitmarhiung Nr. W. M. 562/1. 16. K. R. A. wird daher mit dem Inkrafttreten der Bundesratsverordnung außer Kraft gesetzt.

Frankfurt (Alain), 5. 4. 1916.

Stcllv. Generalkommando des 18. Armeekorps.

rLunst nnd Wissenschaft.

Der Gunckelvortragszyklus in Christiania. -Tiebiblische Schöpfungsgeschichte" war das Thema des ersten Vortrages, den Professor D. Gunckel-Gießen vor vollständig überfülltem Anditorinnr in Chrisffanias Universitäts­aula hielt. 2-n seinen: Vortrage führte der beklrnnte Religionshistori­ker aus, daß die biblische Schöpfungsgeschichte noch heute nach Jahrhunderten durch die Jahrhunderte hindurch ihre alte Kraft und Bedeutung behalten habe. Die Schöpfungsgeschichte ohne historische Voraussetzungen verstehen zu können, sei unmöglich, es sei denn, daß man ungeachtet feiner eigenen, inodernen Anfsassung sich über die Jahrtausende^ hinwcgsetze, die uns moderne Menschen von jener biblischen Schöpsungszeit trennt. Und dann heißt es auch, jene danialige Weltauffassung zu verstehen, ans der heraus die alte Schöpfungsgeschichte mit der Menschheit weitenvuckS. Das ist ein besonderes wesentliches Mittel für die Erfassung des reli- g i o n s h i st o r i s ch e n Moments, wenn man die entschwundene Zeit verstehen lernt.Fülle die Erde an und herrsche über sie!": diese Gottesossenbarung, die die Jahrhunderte hindurch den Menschen, die die Erde bevölkert haben, Ziel und Richtschnur war, versagt auch in der modernen Zeit keineswegs, wenn es die immer vorwärts eilende Menschheit an die Aus­führung des großen Lebensprogrammes erinnert, das ihm mit diesem Bibelwort gesetzt ist. In seinen weiteren Borträgen be- chandeltc Gunckel diePropheten als Politiker und Denker". Ter >ätte Gott Israels, so ftihrte er aus, sei ein Nationalgott gewesen, denn in Jeremias und Hesikiel kann <man ftnden, nne gewalffg begeistert ihn die Propheten

einst gefeiert haben. Erst die hunderffährigen schweren-

Kämpfe zwischen Israel und Ararnäiern, die sich mit allen Nachtmitteln über Israels Feinde warfen, bringen infolge aus- .ändischer Einflüsse das Volk in eine andere, weltpolitisch angelfauchte Gefühlswelt hinein. Aber wie auch die einzelnen Völ­ker zersplittern, vergehen und wieder entstehen, selbst durch alle Kämpfe, sei der im Sinne der Propheten erfaßte Gottesbegrisi der große Träger sittlicher und religiöser Ideale gewesen. So

werden uns die Propheten als Führer gelten koimen, die energisch betonen, daß Gottes Wille sei, Sittlichkeit und Moral zu pflegen und zu betäffgen, und die aus ihrer Ueberzeugung heraus des praktischen Monotheismus Bcrkünber wür­den. Auf Einladung der theologischien Vereine Norwegens fand am Sch^lusse^ des Borttages im Saale der medizinischen Gesell­schaft Christianias ein Fest esse n zu Ehren des deutschen Gastes ftatt. Der Dekan der theologischen Fakultät, Professor Ording, dankte Professor v. G u n ck e l namens der Universttät Christiania, desgleichen Professor Michel et namens der theologischen Ver­eine. Die stimmungsvolle Gunckelehrung dauerte bis Mitternachr.

Ein Ausl äufer des m itteldeu tscheu Sprach­gebietes in Belgien. Von den drei Gegenden im belgi­schen Ostgrenzgebiet, die als deutscher Sprachboden, sozusagen^ als Vorläufer des deutschen Sprachgebietes anzusprcchen find, ist das deutschsprachige Gebiet in der belgischeir Provinz Luremburg für den Forscher darum am interessantesten und bedeutsamsten, weil cs ganz zweifellos dem initteldeutschen Sprachgebiet organisch zuzu- z-ählen ist. Dieses Gebiet, das P. Langhaus in Petermanns Mittei­lungen als die westlichste Spitze des mitteldeutschen Sprachbodcns bezeichnet, der im Osten an die obere Oder zwischen Oppeln und Brieg grenzt, umfaßt eine Stadt, siebzehn Gemeinden und zwei Sektionen" genannte Teildörser des Arrondissements Avel (Arlon) und ist mundartlich dem Mosekftänkischen zuzurechnen, das im Großherzvgtnm Luxemburg, an der ratteren Mosel und Saar ge­sprochen wird. Als Schriftsprache ist das Neuhochdeuffche ge­bräuchlich. Wenngleich das letztere zu den drei amtlich anerkann­ten Landessprachen (langues nationales") Belgiens gehört, müssen die deittschen Gemeinden sich intz Verkehv <mxt den Staatsbehörden der französischen Sprache bedienen. Gesetzliche, aber incht anpeloandte Rechte der deittschen Sprache zu verteidigen und neue zu erkämpfen, vor allem aber auch die Liebe zur Muttersprache lebendig zu erhalten, wurde 1893 zu Arel derTaittsche Verein zur Hckung und Pflege der Muttersprache im deutschredenden Belgien" ge­gründet. Dem deutschLN Sprachgebiet gehören nicht die ganzen Gemeinden au, da «rnerhalb des Gebietes eine Zhrzahl Gemeinden

französischsprcchende Bevölkerung haben und in einigen die vlä- mische Sprache vorherrscht. Inwieweit sich die Stammes dent scheu mit den Deutschsprachigen decken, ebenso wie die Franzosen mit den Franzöftschsprechenden, ist schtver zu sagen. Doch darf man ohne allM großen Fehlgriff wohl behaupten, daß nur iu Aus­nahmefällen eingewanderte Wallonen sich des Erlernenö der deitt­schen Sprache befleißigen. Wer meist deutsch spricht, dar, ohne weiteres als deutschen Stainmes angesprochen werden, doch auch unter denen, die ledigl-ick,! zur Kenntnis der deutschen Sprache bekannten, werden die meisten deutschen Geblüts sein die erft durch Bildungsgang und Lebensstellung zur Erlernung' der iMoslschen Sprache gelangten. Wenn man die Zählungen von 1900 und 1910 mtternander vergleicht, so sind im Jahrzehnt 1900 Ms 1910 gewachfen dre nur Teutschsprecheuden um 6 v. H, die Deutsch- und Frauzösischsprechenden aber um 34 b. H,, während dieAnderssprachigen" (meist kleine Kinder) sich vumchrten um 21 v H., die Gesamtbevölkerung nur um 12 v. H. Ob sich dieses deutsche Sprachgebiet in früherer Zeit auch auf jetzt französische Grenzgemernden erftteckte, konnte bisher noch nicht endgültig fest- geftellt. werden.

Ein weiblicher Lektor an der Uiriversität Kopenhagen. An der Universität Koperthageit steht die Er- nenennung eines weiblichen Lektors bevor, deren Lehrgegenstand die schwedische Sprache bilden wird. In Aussicht genommen ist für diesen Posten Frau Dm. vhil. Ba l fr id M u n ch - P e t e r s e n A gebotene Palmgren. Die Dame, die ihrer Volkszugehörigkeit nach selbft Schwedin ist, hat sich den Doktorgrad mit einer Abhandlung aus dem Gebiete der romanischen Philologie erworben und sväter- hin eine leitende Stellung im schwedischen Bolksbibliorheksweien eingenommen. Frauen in akademischer Lehrtätigkeit sind an der Universität Mpenhagen bisher recht selten gewesen. Bon dem Jus dvcendi", das nach den akademischen Branchen in Dänemark den Doktorgrad verleiht, haben bisher nur zwei Damen G?braurl> gemacht, außerdem ist ein Fräulein Tr. meb. Christiansen Assistent bei dem Mediziner Professor Salomonen..