Nie Ausgaben für Me neue Ernte.
Die Zeit steht unmittelbar vor der Tür, in der die Aussaat für die neue Ernte vorgenommen wird, von dieser Aussaat hängt der Gesamtertrag hauptsächlich ab. In je größerem Umfange die Aussaat vorgenommen wird, auf um so größere Ernteerträgnisse ist zu rechnen.
Vertrauensseligkeit ist bei dem Ernst der Zeiten imangebracht. Um die völlige Ernährung des deutschen Volkes aus eigener Erzeugung sicherznstellen, ist Rechenschaft über den Bedarf und organisatorische Vorbereitung für die neue Ernte notwendig.
Rechenschaft über den Bedarf ist ziffernmäßig unmöglich. Nur das Erfahrungsverhältnis zwischen Erzeugung und Bedarf bietet einen Anhalt für den Umfang des Bedarfs. Und daher muß es rückschließend für die Boden- frnchtkultur heißen: Vergrößerung der Anbaufläche, vermehrte Aussaat, intensivste Bewirtschaftung!^Und für die Fleischerzeugung: Pflege der Schweinezucht, Schonung des Rindviehbestandes, unbedingte Erhaltung, ja weitgehende Vergrößerung des Bestandes an Milchkühen/und fleischerzeugenden Tiergattu-ngen.
Die Durchführung dieser Ziele, die dem Streben, der Knappheit in der Ernährung ein Ende zu machen, am besten gerecht würde, begegnet aber unter der Kriegswirtschaft einer Reihe von Schwierigkeiten, die überwunden werden und an deren lleberwindung die Zurückgebliebenen Mitarbeiten müssen.
Die Landwirtschaft leidet unter Mangel an Arbeitskräften und an Füttermitteln sowie unter Mangel an Düngemitteln. Es besteht also, was die Erzeugung von landwirtschaftlicher Produktion betrifft, die Gefahr, daß diese eher zurückgeht, denn eine Steigerung erfährt. Dieser möglichen Gefahr muß innerhalb aller landwirtschaftlichen Kreise durch organisatorisches Zusammengehen unter allen Umständen vorgebeuHt werden. Hier heißt es fest zusammenstehen und einer für den anderen einzntreten. Ersparnis au Arbeitskräften ist bei organisierter Verwendung und Verteilung der vorhandenen Arbeitskräfte, bei einheitlicher Leitung möglich. Kein Stückchen Acker darf unbearbeitet bleiben, und dieses Ziel ist zu erreichen.
Dem Futtermangel muß durch erweiterten Anbau von Futterstoffen Rechnung getragen werden. Die Wiesen müssen sorgfältig gedüngt werden und wenig ertragreiche und nur schlechtes Heu liefernde Wiesen müssen umgepflügt und mit Futterpflanzen bestellt werden. Jntensivester Wirtschaftsbetrieb ist trotz der ungünstigen Vorbedingungen notwendig, damit der Umfang der Erzeugung die größtmögliche Höhe erreich.
Auf diesen Wegen muß die Landwirtschaft von allen Verbraucherkreisen, der Heimarmee der Zurückgebliebenen, unterstützt werden. Auch das kleinste Stückchen Garten- und Brachland muß mit Nahrungs stoffen bepflanzt werden, auch der geringste .Kücheuabfall muß gesammelt und der Ver- Mterung zugänglich gemacht werden. Die Notwendigkeit der Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung kann nur noch mit Hilfe aller vorhandenen Kräfte erreicht werden.
Diese Mahnung kann nicht oft genug wiederholt werden. Die Stunde ist gekommen, zu der die Kräfte eingesetzt werden müssen. Möge nichts unterbleiben, was geschehen kann. Der Erfolg muß ein Ernteerträgnis sein, das uns vor Not schützt und das aus sich selbst heraus die Teuerung mildert.
Aus stnfc Caitfc*
Gieß en. 7. April 1916.
onalnachrichten. Durch Gutes Innerr Kreiling zu Grimberg
wurde der Lehramts zum Lehramtsassessor
•• Amtliche Per.- ...
»chließung Grotzh. Miuislerimns des Innern eierendar Karl
ernannt. _ . . . .
** Auszeichnu n g. Vizeieldwebel Kaufmann Otto L o 11 \ et), siüher in Gießen, erhielt das Eiserne Kreuz e r st e r Klasse. Loitsch rückte mit dem Landwehr-Regiment 119 als Gefreiter aus, erhielt im September 1914 das Eiserne Kreuz 2. Klasse und wurde Unteroffizier. Im Mai 191b mit der Hessischen Tapserkettsmedaille ausgezeichnet, wurde er im Oktober 1915 zum Vizeieldwebei befördert. L . _ . .
Alice-Frauen verein. Gestern wurde ein Kreis- verband der Alice-Frauenvereine im Kreise Gießen gebildet. De»" Vereine mit etwa 3300 Mitgliedern beitraten. Als Vorsitzende würbe die Fürstin Emma v o ii S o l nx s - H o tffe ir s o l m 8»
L i ch gewählt, mit deren Einverständnis Geheimeral Tr. U s i n g e r als Schriitiührer die Verhandlinigen leitete. — Einen eingehenden Bericht werden ivir noch veröffentlichen. .
** Gieß-ener H au s f rau en-Ver e in. In der gestrigen Mitgliederversammlung machte die Vorsitzende unter anderem bekannt, daß am Montag in der Geschäftsstelle des Vereins. Mausburg 5, von 6—8 Uhr nachmittags Samen von amerikanischem Tafel- oder Zuckermais abgegeben wird. Tie Anpflanzung dieser neuen Gemüsepflanze wird von Fachleuten dringend ungeraten. Die Anziucht ist sehr einfach, das Gemüse sehr schmackhaft.,Da xn Gießen kein Samen ziu haben ist. hat der Verein von außerhalb Samen 'kommen lassen, der in kleinen Mengen an dxe Mitglieder verkauft wird. — Unter Punkt 2 der Tagesordnung sprach Rcchts- miwatt Lean über das Thenra: Die Rechts stelln ng der Frau nach dem B. G.-B.
Landkreis Gießen.
II Weickartshain. 6. April. Gefreiter Georg Theiß vom Infanterie-Regiment Rr. 115, der bereits das Eiserne Kreuz 2. Klasse und die Hessische Tapserkeitsmedcsille besitzt, erhielt nun mehr das E if e r n e Kreuz erster Klasse. Es wurde ihni vom Kaiser persönlich überreicht.
LI. U t p h e, 7. Avril. Ter Reservist Karl Schäfer von hier erhielt bei den Kämpien bei Verdun das Eiferne Kreuz 2. Klasse. „ _ „
# Hungen, 7. April. Dem Gefreiten Adolf Sehrt von hin, Jns.-Rcgt. Nr. 81, wurde in den letzten Kämpfen das Eiserne Kreuz verliehen.
Kreis Büdingen.
# Echzell, 7. .April. Auf dem Felde der Ehre siel der Ersatz
reservist Will). O st he im. Er hinterlM zivei mutterlose, noch unmündige Kinder. ^ v
# Borsdors, 7,, April. Unser früherer Lehrer Lebr zurzeit verwmxdet im Res.-Lazarett zu Frankfurt, wurde mit der Hess. Dapserkeitsmedaille ausgezeichnet. Das Eiserne Kreuz war ihm einige Tage vorher verliehen worden. Lehr ist zmn zweiten mal verwundet.
Starkenburg und Rheinhesscn.
mL. Oifenvach a. M., 6. April. Direktor Adalbert St eff ter hat das Th e a t er n n te r n e h m cn in Offenbach a. M.» das städtische Subvention erhalt, und das Stadttheater in Homburg v. d. H. auf eine Reihe von Jahren weiter gepachtet. In Hanau, wo er ebenfalls der langjährige eriolgreiche Leiter des Stadttheaters war, ist es ihm noch nicht gelungen, einen neuen Vertrag abzuschließen. Der Stadtmagistrat hat sich entschlossen, zu vor ein diesbezügliches Ansschreiben zu erlassen.
ö. Mainz, 6. April. In -der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurde eine weitere Teuerungszulage an städtische Arbeiter, Bedienstete, Beamte, Schulverwalter und an die Familien der Kriegsteilnehmer, die bei der Stadt in Diensten gestanden, -einstimmig beschlossen. Die Ledigen erhalten pro Monat im ganzen 6 Mk., die Verheirateten 12 Mark und für jedes Kind 2.50 Mk. Zulage. Die Zahlung erfolgt mit Rückwirkung vom 1. Februar 1916. Ferner wurde beschlossen, die Angehörigen von Kriegsteilnehmern mit ärztlicher Hilfe zu versorgen. Es wurde mit
dem ärztlichen Krexsverein ein Vertrag abgeschlossen, wonach an dw Aerzte für deren Hilfe vierteljährlich 10 000 Mk. gezählt werden. — Dem Erlaß einer Satzung zur Prunmg und Begutachtung der Bedürsnisfrage wurde xugestimmt. , r . M s P r
ch. Bxngen, 6. April. Ans der Fahrt der
D o n a u sind wieder zwei Schraubenschleppdammer .-Erhard und .Walter" hier bergwärts durchgekommen. Die,e beiden Boote flammen von der Spree und der Havel. Roch andere Boote dieser Flüsse gelangeix nach der Donau, um der dortigen Schiffahrt zu
blCUe 4 Vom Rhein, 6. April. Für das Jahr 1914/15 ist der Jahresbericht der Zentralkommission für die Rhnn,chttfahrt herausgekommen. Daraus ergibt sich, daß dxe Rhein flotte 11689 Schisse von 15 Tonnen Tragfähxgkett und mehr umfaßt, von denen 1745 Dampfer. 9944 Segel- und Schleppschiffe sind, ^xe größten rheinischen Dampfer und damit dxe -roßten Flußboota Europas sind „Karlsruhe Nr. 9, 10 und 11", dre ie-130b Tonnen laden können. Tic stärksten Schlepper sind: „Rob. Muser Math, Stinnes 22", „Hugo Sttnnes 1 , und „2 , ,,T. SchurmanN Sslme 6", „Franz Baniel 14". De preuß. Stromstrccke wies 206 Motorboote ans. die Nebenflüsse 71. Ter Rhnü-Stt-Verkehc wurde durch 63 Dampfer versehen. Ueber die holländische Grenze fuhren 51915 Fahrzeuge. Davon führten 11 789 die t^utsäx Flagge. Ter gesamte Floßvcrkchr aut dem Nhem stellte sich aus 884 864 Domren. Tie Ausgaben für Strombanten, bezüserden sicb aus 2 944 826 Mark, die rn Preußen allein aus 1038 16b Mt., in Holland aus 1204 884 Mark, während dre Hafenbanleu 8 355 709 Mark beanspruchten. Die Regulierung bei Straßbnrg erforderte 508 520 Mark. Tie Zahl der ausgestellten Rhein- schiffer-Patente betrug 803 Stück. Auf dem Rhexn herrschte exn Gesamtverkehr von 80942798 Tonnen, wahrend er 1913 sich aus 109181065 Tonnen stellte. Tie sämtlichen Rhexnichiiw waren mit zusammen 33 041 Schisssleutenbemannt. Der Verkehr der Köln-Düsseldorfer Dampsschifsahrts-Gesellschasi stellte sich auf 278 2 Fahrten zwischen Mannheim und Rotterdam, wober 688 331 Kilometer znrückgelegt wurden gegeii 4246 Fahrten und 990 230 Kilometer 1913. Der Verkehr wurde mtt 32 Dampfern
unterhalten.^ ^ ^ e r g st r a ß e, 7. April. Die Bergstraße steht
im herrlichsten B l ü t e n s ch m it ck. Die reiche Blüte der Baume verspricht iür dieses Jahr einen guten Obstertrag.
Märkte. n r
fc. Frankfurt a. M. Viehhofmarktbericht vom 6. April. Auftrieb: Färsen und Kühe 68, Kälber 329, Schafe 114, Schweme 0.
Marktverlauf: Bei lebhaften! Handel wird schnell der Markt geräumt, (Rinder waren.nur dänische). Preise für 100 Pid.
^ Lebend- Schlackn-
_gewicht.
Kälber. Mk. Mk.
Feinste Mastkälber.,. 160-165 266-275
Mittlere Mast- und beste Saugkälber . . 140—-155 233 -58
Schafe.
Weidemastschafe.
Masilämmer imb jüngere MasthammeG^^^l08—110^235—240
Meteorologische Beobachtungen der Station Sietzen.
April
1916
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Höchste Temperatur a>n 5. bis 6. April 1916: -st 13,2*6. Niedrigste * „ 5. , 6. , 1916: -si 6,9'C.
Niederschlag 0,0 mm.
Wetter


