Ausgabe 
15.4.1916 Erstes Blatt
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-nemr 2 c Ir mrfbcte, daß das SBeftcr sehr schlecht sei. Am 12. Avril jkn ein Orkan mit starken Regengüssm ansgebrochen; die Ueber- schwemmung ans beiden Usern ist im Wachsen,

Angriffe auf Griechenlands Neutralität.

Athen, 13. April. (WTB.) Offiziell verlautet, daß eine ^^^sterkrife nicht bevorstehe, da zwischen der Krone, der Degi-enmg und der Kanrmer rückhaltloses Einvernehmen daru, bestände, die bisher befolgte Neutralitätspoli- L ii xmt größter Entschiedenheit durchgu führen.

DL« attgcbliche Besetzung KephalonienS.

Athen, 13. April. (WTB. Nichtamtlich.) Das Preßburcau veröffentlicht ein Tementider Nachrichten über die Besetzung KcpHalvniens und der übrigen ägäischen unb jonischm In­seln, die von den Ententegesandten Skuludis gegenüber angekündigt worderr sein soll. Es wird behauptet, die EuLentegesandten hätten vorgestern Skuludis mitgeteilt, die lÄrtente würde vor deni Hasen von Arg-ostoli nur Drahtnetze anlegen, ohne die Ueberseeverbindung der Stadt zu verhindern

Bern, 14. April. (WTB.) Eine Meldung desCorriere della Sera" aus Athen besagt: Die Gesandten des Vier­verbandes haben die griechische Regiernng um die Erlaubnis gebeten, die auf Kor fu befindlichen serbischen Truppen auf der Eisenbahn PalrasAthenLarissa nach Saloniki zu bringen. Der^Mrnisterpinssident Skuludis behielt sich seine Antwort vor. Das den Ministerkreisen nahestehende Blatt Embros" sagt in einer Besprechung dazu: Es sei trotzdem möglich, daß die Alliierten die Eisenbahnen ulrd Tele- graphenMnter besetzen, um Heroen der Lage zu werden unü das Ministerium zur Demission zu zwingen

Von einem Privatkorrespondenten des Wolffschen Bu­reaus wird dagegen aus Athen gemeldet: Die griechische Regierung hat sich auf das Bestimmteste ge w e i g e r t, auf das Verlangen der Entente einzugehen, ihr die Eisen- bahnlinien PatrasAthenLarissa zur Verfügung zu stellen, um von Patras serbische Truppen aus Korfu nach Saloniki zu transportieren. Es verlautet, daß hiesige füh­rende Krerse mit allen Mitteln die Ausführung des Entente­planes, der ein-er vollständigen militärischen Besetzung Grie­chenlands gleichkäme, vereiteln wallen.

London, 14. April. (WTB.) Das Reutersche Bureau meldet aus Athen vom 12. April: Die diplomatische Lage ist wieder weniger günstig geworden, durch die unnachgiebige Haltung der griechischen Re- Sierung wegen der zeitweiligen Besetzungen, die die Alliierten für durchaus notwendig halten und wegen'der Weigerung, Erleichterungen auf den Eisenbahnen zuzu­gestehen

.Das BlattHestia" schreibt: Man erwartet, daß die Veränderung der Lage binnen einigen Tagen zu einer Ver­änderung im Kabinett führt.

DieTimes" meldet aus Athen: Zaimis wird als vermutlicher Nachfolger von Skuludis genannt, falls dieser zurricktreten sollte. Andere glauben, daß Rhallis große Aussichten habe. Die griechische Regierung hat den Unter­tanen nenttaler und kriegführender Länder verboten, durch Griechenland zu reisen

Berlin, 15. April. Aus Athen wird demBerliner Lokal- Mrzer^er" unter dem 13. ds. Mts. berichtet: Tie politische Lage ist' unverändert. Die Enteiite hat, da Skuludis erklärte, nicht ein- inal im Prinzip über eine etwaige Besetzung der Eisenbahncii Pat­rasAthen und AchenLarissa durch die Entente in eine Tis- wssron eintreten zu wollen, von neuen Schritten abgesehen Die ^ntmrtekveisen nahestehende Venizelvpresse läßt verlautbaren daß die Entente von ihrem Vorhaben angesichts der starken griechischen Oppchitwn absehen n^vde Die Preise betont fast einstimmig, daß Grrechtmbrnd falls cs werter als freie Nation gelten wolle, mit ledem Mittel, wenn nötig mit Gewalt, jeden Versuch einer mili­tärischen Besetzung im Innern Griechenlands abweisen müsse.

Köln, 14. April. 1WTB. Nichtamtlich.) Die Kölnische Iertung mewet mis Men vom 13. April: Das Foreign Offne teilte dem griechi,chm Gesandten in London mit, daß die enaliscke Regierung angesi^s der Unmöglichkeit, alleii drin^nden Wünschen nach K oylen nachzukommen, sich genötigt sehe, dreiemgen Dampfer zu ^Vorzügen, welche für Englarid und ferne Verbündeten votterlhaste Fahrten ausführten. Trotzdem Eng- lcnw deri Wunsch habe, der griechischen Handelsflotte jede Er- leich^nrng M gewähren, be-dmiere es doch. Kohlenlieferungen an Schaffe, du nicht Mit Rückfracht nach England zurückkehren allgemein ernstellen zu müssen. Nach Salonikier Meldungen entfernten^die Alliierten zwangswecke alle griechischm Gendarmen aus den lottern an der Grenze. Sie entwaffneten sie unter den Augen der Bevölkerung und schieben sie unter Bedeckung nach ÄemInnern Mazedoniens ab. Tie Regierung hat die Rückkehr der Gendarmen von der Grenze nach Saloniki angeordnet.

Dorr der rumänischen Kammer.

Bukarest, 14. April. (WTB.) Die Kammer hat ein Ge­setz angenommen, das die Bestimmungen der Verfassung über die Unveräußerlichkeit der Bauerngüter bis auf weiteres ver­längert.

Die Tagung des Parlaments ist bis zum 17. April crusge- dehnt worden.

' Dias Aäoratorium wurde aus iveiteoe vier Monate verlängett.

Das Deutsch-rumänische Abkommen.

B u k a r e st, 14. April. (WTB. Nichtamtlich.) Das Blatt Steagul" begrüßt das zwischen Rumänien und Deutschland in wirtschaftlichen Fragen zustande gekommene Abkommen und teilt darüber folgende Einzelheiten mit: Dem Abkommen entsprechend lverden ständige Bureaus in Berlin un d B ukarest _ für den Warenaustausch arbeiten. Die Zufuhr aus Deutschland erfolgt in Sonderzügen, die den NamenCarmen" führen. Für ihre Regelmäßigkeit bürgt die Tatsache, daß 50000 Bahnwagen Weizen in einigen Monaten aus dem Lande gekommen sind. Mit den damals oeretts gekauften Vorräten bedeute dies eine Ausfuhr von 100 000 Wagen, was nur dank der bewunderungswürdigen Organisation der Deutschen, Oesterreicher und Ungarn mög- u.u). gewesen sei. Der Fall zeige aber auch die Entwicklungs­fähigkeit der rumänischen Transportmittel, wenn sie richtig, , eiIfin ojgamftert würden. Rumänien kehre damit zu einer gesunden s, e i\ Politik zurück. Dies sei der beste Schritt gewesen, den die rumänische Negierung hätte machen können.

Die Rekrutierungspolitik Englands.

Rotterdam, 14. April. (WTB. Nichtamtlich.) DerRot- terdamsche Courant" meldet ans London: Lord Miln er hat im Oberhause denselben Antrag ans Einführung der allgemeinen ^ienstpslrcht erngebracht wie Carson im Unterhaus«. Es soll Diens- wg darüber beraten werben. Heute wird das Kabinett über die Relrntterungspolittk Beschluß fassen.

rbpser aus Golgatha gibt wundervolle Antwort. Es redet denen, die hören wollen, von zweckvollem Sterben, das unendliche Frucht zu schassen berufen ist. Es läßt den Tod nicht als blindes Schicksal walten, sondern stellt ihn kraftvoll in den Dienst einer ewig großen Sache. Denn ^hrt vertrauen, daß der Herr der Geschichte, der' Gott alles Lebens, auch dies Dunkel zum Heile lenken, zur uw begreiflichen Saat kvinmender Zeiten kann werden lassen. Wir trauern an den Gräbern unserer Helden, wir glauben und hoffen in stiller Ehrfurcht, daß ihr Sterben unmeßbarr Lebenskräfte wecken und wirken wird in deutscher Zukunft.

Eck.

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Jahresberichte

Der Seekrieg.

Barcelona, 14. April. (WTB.) Meldung der Agcnce Davas: Aus Palmas de Mallorca wird berichtet: Das Schiff ,,^anue 2" fand und nahm ein Rettungsboot mit Schiffbrüchigen der Besatzung des f r a n z ö s i s ch e n T a m p f e r sV e g a" (2957 Bruttoregistertonnen), der von Bahia unterwegs war, auf. Tie ,,->oega" war einem Unterseeboot begegnet, das einen eng­lisch c n Z e h n t a il s e n d t o n n e n d a m p f e r und ein russi­sch^ Segelschiff versenkte. Ter Kommandant gab der Be?atzung emige Minuten Zeit zur Rettung. Danach wurden ein Torpedo und zwei Kanonenschüsse abgcfcucrt, die dieBega" ich'nll v e r s e n k t c n. TieBega" war ein Schiss, das 143 F-ahr- ga,rc des spanischen DampfersPrincipe de Asturias" gerettet

hatte xte Bemannung derBega" bestand ans 33 Personen.

Barcelona, 14. April. (WTBE Meldung derÄgenc^. Davas". Die Mannschaft des englischen Dampfers O r l 0 k De ad" erzählt, daß der Dampfer, von einem Kanonenschuß getroffen, stoppte, ^ und daß das Unterseeboot der Mannschaft zehn Minuten Zeit gab, um_ von Bord zu gehen. Tann legten! deutscke Offiziere und Matrosen an Bord- Sprengbomben, welche neb,t dem Geschützfeuer aas Schiff sprengten.

Die Ueber-lebendm des englischen DampfersArgus" be­richten, ihr Schiff sei von zwei deutschen Unterseebooten auf dieselbe Art versenkt worden.

Mailand, 14. April. (WTB.) Nach, einer Meldung des Seeolo" aus Florenz benackrichtigte das Marin-eministerrmn vm Eigentümer des SegelschiffesGiuseppe Padre", daß ras Schliff beim Kap Bon torpediert sei. cm ^ 0 nd 0 u , 14. April. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung aus Palmas nahm der spanische DampferMallorca" 28 Schiffbrüchige des englischen DampfersO w l" auf, der von einem deutschen U-Bvot versenkt worden war.

London, 14. Apttl. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds meldet: Der DampferOhio" ist von einem Unterseeboot versenkt worden. Ein Teil der Besatzung ist gelandet.

~ - 7,- .höherer Schulen. Das Gvvßh.

Landg r af-L u d io igs- Gymnasium wurde von 373 Schü^- lern, darunter 9 Schülerinnen, besucht, davon waren 308 evange­lischen, 26 katholischen, 25 israelittschen und 4 sonstigen Glanb«is- bekcnntnisses. 290 waren ans Gießen, 45 aus anderen hessischen Orten, 27 aus nicht-hessischen Orten, 1 arcs nichtderrtscheu Staaten.

Krregsreiseprüfung bestanden am 29. Juni 1915 6 Schüler,

13. Oktober 15. Tie Reifeprüfung am 6. März 1916 4, am 13. März 6 Schüler. Ter Kriegsabitnrient Schirmer ist an einer Venvundung geftorbeii. Ein Schüler erwarb das Eiserne Kreuz 1. Klaffe, 4 das Eiserne Kreuz 2. Klasse, 1 die Lressische Ta^er- j leUsmedaille. Ten Unterricht erteilten Direktor Dr. Wilh. H e n- Geh. Schulrat, und 25 Lehrkräfte. An Gold wnttxu ge- fammelt 90 193 Mark, davon seit dem 1. Januar 1916 14 971 Mk. Aus ihren Spargeldern zeichneten die Schüler 34 848 Mk. be, der 3., 27 691 Mark, davon in bar in der Schicke 8191 Mark bei der 4. Kriegsanleihe. Das Grvßh. Realgym sinm wurde von 265 Schälerri besucht. Hiervon waren 227 evangelisch. Io katholifch, 15 israelitisch und 1 Dissident. 169 Schüler waren aus Gießen, 53 aus anderen hessischen Otten, 36 waren Nicht- hesfen, 1 Ausländer. Ter Unterricht lmrrde von Direktor Baur

21 Lehrkräften erteilt. Die .'itzriegsreifeprüfung am 28. Juni 1915 bestanden 10 Schüler, am 28. Oktober 1915 einer, die Reife­prüfung am 8. März 1916 2, am 25. März 9. Von früheren Schulerir sind 5 seit Ostern 1915 gefallen. An GoldgÄd sind bis zum 25. März 60 315 Mk. abgeliefert ivvrden.. Bei der 3. Kriegs­anleihe waren 14 300 Mk. gezeichntt. Bei der 4. 5driegsanleilre zeichneten die Schüler Beträge über 100 Mt. selöstärchig, kleinere Betrage wurden 3242 Mk. angelegt.

'"' Die Bezirks-Sparkasse Gießen macht im An- zcigenteil vorliegender Numiner besonders bekannt, daß ihre Ge- fchaitsraume am Oster-Sainstag, 22. April, geschlossen bleiben.

** S t a d t t he a t e r. Aus dem Stadttheaterbure-au Witt) mib geteilt: Zu den Mitgliedern, die sick> in der rnorgigeir Vorstttlnns vonTraumulus" von Gießen verabschieden, gehört mißer der bereits gestern genannten noch Frl. Hertha Zondervan Sicherlich wird iücht nur die einmalige Aufführung d«s irtter- e'hauten Werkes, sondern mich das letzte Lluftteten verschiedenai crfter Kräfte dieser Schlußvorstellung der diesjährigen Spielzeit ernerr besoiideren Charakter verleihen.

** Ter G ab elsb ergersche Stenographen-Ber-. ein von 1661 imd der Dmnen-Verein Gabelsoerger- Gießen eröffnen an: 26. April im Postkeller einen Anfänger-Lehrgang in Gabelsberg-Stenographie. (Siche Anzeige.) In Anbetracht der Uuentbchrlichikeit der Kurzschrift kann die Beteiligung mr diesem Kursus nur empfohlen werden.

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TieGeschäftsräumedcsAlice-Frauen-Ver-

Die griechische Presse über die Kanzlerrede.

Athen, 13 Aprck. (zb) Tw ;etzt in vollmr Wortlaut vor- /liegende Rede des Reichskanzlers findet bei allen iftcht worerngenommenen Blättern u ne in a e sckr ä n k t es «oh freudlge Zustimmung. Die Rede, sagtAphlnai" ftn durchweht von einem Glauben, oer die Aussprache von Walw- heitcn und Zuficherungen znm Rahmen habe und die lebhafte Ausmerk,.anrkeit der neuttalen Staaten auf sich zöge. Man sehe m H Z.", ^autschlmid eine andere Auffassung von den Reckten der Neuttchen herrsche als bei der gegnerischen Gruppe Die Aufhebung fedes internationalen Rechtes durch den Bierverband die Venmigernng des Rechtes der Neutralen, ihre Angelegen^ .Herten felbft nach eigenem Gutdünkeii zu regeln, die Ausübung emer druckenden Hmidelsblockade, der Einfall in die Greiiz^ omes unalchangigeii Landes hätten in der deutschen Diplomatie ^ern Be'.fpiel. Dre klnnen Nachbarstaaten des Deutschen Reiches lebten inmitten des Weltkrieges in Ruhe und Frieden. Die Ver-

baß Belgien und Polen kiinftig ein freies ^ebdn vorRhalten sei, und daß die Achtung der 9iatiouali- taten dw Art des «Friedens bestimmen werde, bilde eine Ermutigung der kleinen Volker, die mit Bangen nicht so sehr die Gefahren bei gegenwattigm Krieges, als bte sich daraus ergebenden Folgen iind die Umgcftaltung der Katte Europas vor Augen hätten Die Er llarungen Btthmanns, die mit den bisherigen Handlungeir der deutfchen Tiplomatie gegeii dre Neutralen zusammenftelen, seien von außerordentlichem Interesfe auch) für Griechenland, das von ihnen K'enntnis nehme als Zu,ichernngen, die vor der ganzen Welt von dem bisher Negreichen Deutschen Reich gegeben würden Da nach der deuticheir Aussafsung dwfer Krieg unc .Haus mrd Mar gehe, durften dre kleinerc Volker hoffen, daß nach Schlußes Bcrfprechungen des Reichskanzlers ihre Erfüllung ftn-

Regsamkeit in Saloniki.

Athen, 13. Aprck. (WTB. Nichtamtlich.) Aus Saloniki wird gemeldet, ^daß die^ Emwvhner 7 griechischer Dörfer im Gebiet

von Doiran in Kilkis aiigekommen sind. Die Dörfer muhfm geräumt werden. Die Militärkreise oer Entente in Saloniki tr-ffen fieberhafte Vorbereftungen.

, , Saloniki, 13. April. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterfchen Bureaus. Das Artillerieduell im Mschnitte Gewqheli-Doiran ist wieder ausgenominefi wor­den. 20 französische Flugzeuge warfen heute morgen 150 Bomben aus die feindlichen Stellungen bei Podaorica öst­lich Gewgheli. Lllle Flugzeuge sind wohlbehalten zurück- gekehrt.

Aus Stadt tmfc

Gießen, 15. April 1916.

Sonntagsgedanken.

Wir treten in die stille Woche des Jahres ein. Die, Christenheit sammelt sich unter dem Kreuz von Golgatha. Wie lange her, daß in der Ltnschauung dieses Todes der Opfergedanke durch die Geschichte wandert. Zwar es hat nie Religion gegeben, die das Opfer nicht gekannt hätte. Aber von jenen dunklen Karfreitagsstunden her hat es alles

Aeußere, Sinnliche von sich abgestreift, sich ganz in das

Innere des Geistes geflüchtet: Opfer und Glaube, Opfer und Liebe sftid zu eng verschrvisterten Begriffen geworden. So aber hat die sittliche Forderung auch ihre letzten Folge­rungen gezogen: ein ganzes Opfer, das Leben ohne Rückhalt soll sich ihm unterwerfen. Das ist, wie Goethe es langsam verstehen lernte, ein Letztes, wozu die Menschheit gelangen konnte und mußte, die Ehrfurcht vor dem, was unter uns ftt' Niedrigkeit und Armut, Spott und Verachtung, Schmach ilnd Elend, Leiden und Tod als göttlich anzuerkennen, ja Sünde selbst und Verbrechen nicht als Hindernisse, sondern als Fördernisse des Heiligen zu verehren und lieb zu gewinnen

Einen Schleier will Goethe über dies Dunkel das Heiligtum des Schmerzes, die göttliche Tiefe des Leidens ge­zogen sehen, eben weil er sie so hoch verehrt. Nur aüs- stattungsweise möchte er diese Ehrfurcht jedem mitgeben Es sott ein jeder wissen, wo er sie zu finden hat, wenn das Be­dürfnis darnach sich in ihm regen wird.

Wir meinen, dies Bedürfnis ist da, übermächtig drängt es sich unserem Volke auf. Die Witwenschleier mehren sich im deutschen Lande, zahllos sind die stillen Kammern, in denen Mutterleib die Augen trübt. Durch alle Kraft des Kampfes, alle herrliche Zuversicht, die uns erfüllt, zieht Mors Imperator seine dunkle Bahn. Er tut es nicht wie sonst mit schleichendem Schritt, unheimlich Lebenskraft aus- hohlend uiid sem zerstörendes Gift in die Adern gießend Er weiß, seine Zeit ist da: Zu Huicherten darf er sie hin­mähen unter dem Donner der Geschütze und dem Wehen siegreicher Fahnen. Und sie selbst bieten ihm ihre Brust, nicht geschwächt von des Lebeiis Last und Schuld, in freiem stolzem Willen eme schlachtenfrohe Jugend, in eisernem Pflichtgefühl der reife Mann. Aber um jeden einzelnen sammelt sich daheim die Schar der Trauerndeil. Sie gaben sie dahin, an ihrer Seele frißt der gierige Wurm des Leides. Ihnen ist das Haus arm geworden und öde. Wie viel Sonnen gingen für immer unter in dieser Zeit und ließen wieviel Lebenswege in unheimlicher Dämmerung zurück!

Ehrfurcht vor diesen Schrecken, diesem lang und wild nachzitternden Grauen? Nicht Mitgefühl mit den Leidenden das versteht sich von selbst, Ehrfurcht der Leidenden selbst vor ihrem Leide soll es sein. Muß sich ihnen iiicht die Seele aufbaumen un Schmerz, in wilder Anklage gegen Gott und Geschichte, diese Geschichte, die in unendlichen Zurüstunqen menschenwürdigem Leben den Boden bereitet, in ihren Wet­tern schnell wieder alles zerstört? Es ist leicht gesagt: süß und chrenreich fürs Vaterland zu sterben. Aber wenn nun )ies Vaterland verarmt zurückbleibt, verarmt an edlem Blut das unsme zurückkommt", ist nicht dann auch der Sieg *u teuer erkauft?

c m s Gießen sowie desBezirksausschuß für vermißte und kriegs- gefangene Deutsche" fiub vom 20.25. Aprck einschließlich ge- '.cktosscn. .vie Wiederaufnähm-e der Näharbeit erfolgt Montag, deil 1. Mai. Näheres siehe Anzeige.

** Tie Kriegskinder-Spemde II des Mce-Fr-tvren^ Vereins kommt Montag, den 17. Llprck, zur Verteilung. Näheres

liehe Anzeige.

** Der Unterricht der gewerblichen Fortbil­dungsschule Gießen begümt Dienstag- den 2. Mai ls. Js.> nachmittags 1 Uhr. Näheres im Anzeigenteil.

** Einkaufsgesellschast für das Großherzog- tum Hesse n. Wir machen au? eine Bekanntmachung im amt- lrchen Teil unseres heutigen Blattes aufmerksam, die die Abgabe von Waren an Kleinhandelsgeschäste betrifft. Ueber die Gründung der Einkaussgesetlschaft baden wir seinerzeit ausführlich berichtet.

** Der Oberhessis che B i e hh a n d els ver b a n b macht int Anzeigenteile unseres heutigen. Mattes bekannt, daß .vierten Alex Baum - Gießen und Hermann K a tz - Wieseck zu Ber^ trauensleuten des Kreises Gießen ernannt worden sind.

Landkreis Giehen.

sg. Reiskirchcn, 16. April. Die hiesigen SchuMnde« veranstalteten auf Anregung ihrer Lchver eine Eiersammlnng für die Verwundeten in den Lazaretten zu Osterri. Es wurden rns-^ gesamt 453 Eier emgebracht. Tie Mnder, welche keine Eier ab- gebeir konnten, gaben Geld. Die Sammlung soll nach Gießen gebracht 'werden.

Kreis Büdingen.

Himbach, 15. April. Das «Eiserne Kreuz erhielt der Gc> frette Knickel.

Kreis Alsfeld.

# Maulbach, 15. April. Znm Leutnant der Reserve be- fordert wurde Lehrer D ö h n.

Kreis Schotten.

44 Schotten, 15. April. Von 4600 Schulkindern des KreiseS wurden 49 870 Mk. zur 4. Kriegsanleihe gezeichnet. Im Durch­schnitt kommen 11 Mk. auf ein Kind. Das Eiserne Kreuz er­hielt der Unteroffizier Ludwig.

e. Gedern, 15. Avril. Dem Sergeanten H e r m. D i e h! i,t das Eiserne Kreuz 2.Klasse, seinem Bruder, Unteroffizier H e tn r. Diehl, die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen worden.

* 15 April. Bei der HolzversteigeruNg

der fiskalischen Waldungen wurden, wie bei allen anderen der Um- aebuna. auck wied^n- 1^.4f»r+

Hebung, auch wieder hohe Preise erzielt. Es wurden im Durch­schnitt für den Rm. Buchenscheit 1112 Mark, für den Rm Buchenknüppel 69 Mark bezatstt.

- 8 Sichenhausen, 15. April. Ein sehr beklagenswerter Un­

fall, der den Land mann nickt genug zur Vorsicht mahnen kann ereigntte sich hier. Landwirt Ludwig Adolph hatte sich beim düngen mit Jauche^ eine ll-eiue Verletzung am Finger zugezogen, welche eine schnell umsichgreifmde Blutvergiftung folgen ließ Gestern wurde er zur Klinik nach Mesien überfühtt, >00 er kurz darauf starb. Adolph war Mitgl^d des Gemeinderats und stand in dem noch rüstigen Alter von 52 Jahren.

# Eichelsdorf, 15. April. Auf dent Felde der Ehre fiel der Unteroffizier Adam im Infanterie-Regiment 117.

# Ulfa, 15. Aprck. Den .Heldentod fürs Vaterland starbev die beiden Söhire des Laiidwirtes Konrad Jäger II

Kreis Lauterbach.

^ cv? ^ cr / 15. April. Tie Anregung des Kreis-

amtes, Mohn- und S 0n n en b l u m e u p f l a n z c n zur Oel- getvmnung anzubaueti, hat hier entsprechende Beachtung gesunden ^er Bürgermeister stellte nämlich den Schülern aus seinem Pttvat- besrtze unentgeltlich 1 / 2 Morgen Ackerland zur Verfügung. Dieses !verden die Schulkinder unter Leitung ihres Lehrers gemeinsam mit den so wichtigen Oelpslanzm bebauen. Es wäre dringend zu daß dieses Beispiel recht zahlreiche Nehmer fände, to-em Mangel an Oelen und Fetten muß mit allen Mitteln zu Leibe gegangen werden. Ueberall findet sich wohl ein Fleckchen Land, das man den Schülern zu diesem Zweck überweisen laun. Den nötigen Simen oder die Bezugsquelle wird das Kreisamt auf Ver­langen gerne zur Verftigung stellen. Bei der lster durch die Schüler vorgenonunenen Enisammluug von Alt-Gummi kamen rund 27 Pfund zusanrmcn, davon 18 Pfund gegen spätere Bezah- lung In der Hauptsache wurden verbrauchte Fahrradmüntcl uird Luftschläuche aogeliesert.