Ausgabe 
14.4.1916 Erstes Blatt
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')tit)aUott in der ganzen Welt auszubreiten, in was^ sie <mcy bestehe, diesem Bilde könne man nicht glauben. Das Gift sei zu tief in den ganzen Körper des deutschen Vol­kes e i n g e d r u n g c n und die Idee nicht zu verwirklichen, daß der Handelsverkehr nach dem Kriege Fenau auf der früherer, Basis wieder beginnen könne.

Eine englische Antwort an Amerika.

Washington, 13. April. (WTB.) Meldung des Reuter- fcKit Bureaus: Tie Antwort Großbritanniens auf die amcrikanis-cl)LN Vorstellungen wegen der Verhaftung von 38 Oester reichern, TeutsäM: und Türken auf dem DampferChin a" bei Sclianghai ist vom Staatsdepartement veröffentlicht worden. In der Note wnrd die Festnahme daurit gerechtfertigt, daß die feirrdlichen Fremden sich damit beschäftigt hätten, heimlich Waffen Siun Versand nach Indien zn sammeln imd andere verbrecherische ^Anschläge auSzuhecLen. WeM den Leuten gestattet worden wäre, in Manila zu landen, uüirMn sie ihr schädliches Werk fortgesetzt und dadurch die ddeirtralität der Vereinigten Staaten koinpremit­tiert haben. Grey legt dar, daß das einzige internationale Doku­ment, das <ntt den Fall Mnoendung finde, die von Großbritannien nicht icnteiHaichnete Londoner De k l a r a t i o n sei, in der die Gefangennahme von Personen auf Mitglieder der bewaffneten Macht der Kriegft'ihrenden beschränkt tverde. Der gegenwärtige Krieg habe aber gezeigt, das; die Methoden, dnrch die Groß­britanniens Feirrde, namentlich Deutschland, den Sieg zu erringen suchen, keine Grenzen keirnen. Es seien in vielen Teilen der Welt auf neutralem Boden feindliche revolutionäre Anschläge und Pläne zur Zerstörung des Seehandels nsw. entdeckt worden. Die Note erinnert an die zahlreichen prodentschen Verschwörun­gen in den Vereinigten Staaten rmd sagt dann, daß das Ansuchw: um ein Freigeleite für Deutsche,'die ans den Vereinigten Staaten znrückkehrtm, nachdem ihre Gegenwart dem Lande unbequem ge- Morden sei, auf der Anerkennung der Tatsache beruhte, daß auch ^ andere Personell gefangen genommen werden können, als An­gehörige der bewaffneten Mackst Kriegführender. Greh spricht die Erwartung aus, daß die Vereinigten Staaten angesichts der von ihm angefühicken Tatsachen nicht länger daran festhalten würden, daß die Gefangennahine auf dein DampferChina" ungerecht­fertigt sei.

Washington, 13. dlpril. (WTB. Nichtamtlich.) Funk­spruch von dem Vertreter des Wolfffchen Bureaus. Staatssekretär Ltmsrng teilte mit, daß Englands Note über die Fortführung von 38 Oesterreicheril, Deutschen und Türken vom Bord des amerikanischen TanlvfersChina" die Angelegenheit nicht zur Zufriedenheit der Vereinigten Staaten er­ledige.

England und der Notstand in Serbien.

London, 12. 2lprit. (WTB. Nichtamtlich.) Unter­haus. ^Huf die Anfragen betreffend Abhilfe ,des Not­standes in Serbien sagte der Parlamentssekretär des Auswärtigen Amtes, Lord Robert Cecil: die Regierung ist bemüht, alles mögliche zu tun, was mit den höchsten militärischen Erwägungen verenrbar ist, aber sie wünscht .nachdrücklich festzustellen, daß es Pflicht der das Land be­setzenden Macht ist, für die Wohlfahrt der Bevölkerung des besetzten Landes zu sorgen. Wir müssen gegen die Gefüht- losigkeit derjenigen Einspruch erheben, die absichtlich die Bevölkerung Hungers sterben lassen und von uns rund unseren Verbündeten die Wiederau fsüllung der Vörräte zu erpressen versuchen, die den: Lande niemals hätten genom­men werben dürfen. Es sind uns mannigfache Vorschläge unterbreitet worden, aber bisher hat uns keiner Vorgelegen, der von u:fterem Standpunkte ohne ernstlichen militärischen Nachteil ausgeführt werden könnte.

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Die eingeschränkte Getrerdeversorgung Hollands.

Amsterdam, 12. April. (WDBI Anrtlich wird mitgeteilt: Infolge der Schwierigkeiten bei der Weizen Versorgung von liebersee dürfen die Mehlfabrikanten kein Weizenmehl mahlen, werrn der vorhandene Vorrat verbraucht ist, und spätestens vom 24. Avril ab darf nur noch grobes und braunes Weizenbrot ge­backen werden.

Der deutsch-rumänische Handelsverkehr.

Berlin, 13. April. (Priv.-Tel.) DerBerl. Lokalanz." meldet aus Bukarest: Denrnächst begibt sich eine Kom­mission nach Berlin, um in du st rielleiEr Zeugnisse und Arzneien für. Rumänien einzukaufen. Die Üebersendung erfolgt in besonderen Lastzügen, welche den Weg in höchstens fünf Tagen zurücklegen sollen.

Aus der rumänischen Kammer.

Bukarest, 13. April. (WTB. Nichtamtlich.) In der Kammersitzung vom 10. April interpellierte der Abgeordnete Cuza die Regierung über die Stellung des Finanz- minist e r s C o st i n e s c u im Kabinett, die durch eine Be­teiligung am Zuckerkartell erschwert werde. Mi­nisterpräsident Bratianu erwiderte, daß er die Unverein­barkeit der beiden Stellungen nicht einsehe. Der Finanz- minister sei ein vorzüglicher Kenner der 'Zuckerfrage. Ihm seien wenig Männer in Rumänien bekannt, die ihm darin gleich kämen. Er bediente sich seiner mrnier im .Interesse des Landes, denn C-ostineseu habe stets nur das Interesse des Landes im Auge. Der Abgeordnete Lupu, der zum erstenmal nach seiner Rückkehr aus England und Rußland, wo er für die Regierung Einkäufe zu machen hatte, im Hause war, wendete sich gegen diejenigen, die ihn der Unterschlagung von Staatsgeldern beschuldigten und bezeichnete ihr Verhalten' als eine Infamie. Es entstand ein großer Tumült bei Eigen Föderalisten, die in der Sache Lupu während seiner Abwesenheit interpelliert hatten, wegen des Ausdrucks In­famie. Der Präsident fand den Ausdruck angesichts der An­griffe gegen Lupu in einem Teil der oppositionellen Presse für berechtigt.

, Im Senat verlangte Marghiloman infolge der Mitteilung des Ministers des Innern in der Kammer über dre Beteiligung von hohen Persönlichkeiten aller Parteien am Schmuggel eine parlamentarische Untersuchung, ohne daß dies ein feindseliger Akt gegen die Regierung oder ein Mißtrauensvotum gegen irgend jemanden sein sollte. Der Präsident stellte fest, daß der Antrag nicht die nötige Anzahl Unterschriften trage und somit gegenstandslos sei.

Die vierte österreichische Kriegsanleihe.

Wien,.13. April. (WTB. Nichtamtlich.) Nach dem Pro­spekt für dre vierte österreichische Kriegsanleihe 'beträgt der Zeichnungskurs für steuerfreie mit 5V- Prozent verzinsliche, in 40 Jahren rückzahlbare Staatsanleihe W Proz., für die steuerfreien mit 5V 2 Proz. verzinslichen, ab 1. Juni 1023 riükzahlbaren Staatsschähscheine 957 2 Proz. Die Oesterrerchisch - Ungarische Bank und die Kriegs -Dar­lehnskasse gewähren den Zeichnern die sämtlichen bereits bei früheren Kriegsanleihen eingeräumlen Bezugsbegünstigun­gen. Die Umsätze in beiden Anleihen unterliegen der Effek- ten-Umsatzsteuer nicht. Die Zeichnung beginnt am 17. April und wird am 15. Mai mittags geschlossen.

Ein Besuch des Frhrn. v. Burian beim Reichskanzler.

Wien, 13. April. (WTB. Nichtamtlich.) Ter Minister des Aeußern Frhr. von Burian begibt sich heute abend zu Be- sprecl mgen mit dein Reichskanzler von Bethmann Hollweg nach Berlin.

Italienische Vortäuschungen.

Wien, 13. April. (WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Gestern wurde unseren Truppen in der Formaestettung (Cristallogebiet) die Ueber raschung zuteil, bei dem Feinde französische Lieder und Zurufe zu hören. Die Italiener können doch selbst kaum glauben, daß solche Theater und Witze im Kriege ver­fangen. Uebrigens wäre es nur zu begrüßen, wenn auch fran­zösische Truppen mit den Tiroler Bergen und seinen Ver­teidigern Bekanntschaft Machen würden.

Der §eekmg.

Die Ergebnisse des N-Bootkrieges.

Berlin, 13. April. (WTB. Amtlich.) Im Monat März sind feindliche Handelsschiffe mit rund 207 000 Brutto-Regisder- Tonnen dnrch deutsche U-Boote versenkt worden, oder durch, Minen verloren gegangen.

Die Mincngefahr vor der Themscmündung.

Berlin, 13. April. DasBerl. Tagebl." meldet aus Amsterdam: Ueber dieC o l u m b i a", die in der Nähe der Unglücksstelle derPalembang" aus eine Mine gelaufen ist, wird berichtet, daß sie eines der größten und modernsten Schisse des Holläiwiich Westindischen Postdienstes war. Tie Versicherungs­summe des Schiffes betrug zwei Millionen Gickden. Tie Mais­ladung hatte einen Wert von zehn Millionen Mark. DieCo­lumbia" ist innerhalb weniger Tage das dritte Schiff, das vor der Themsemündung einer Mine zum Opfer fiel.

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Barcelona, 13. April. (WTB.) Der holländische Dampfer Davernire" (?) ist, aus Mexiko kommend, hier eingetroffen. Er hatte neun Matrosen des von einem österreichisch-ungarischen Unterseeboot torpedierten russischen Segelschiff Imperator" an Bord.

London, 13. April. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds mel­det: Wie nunmehr berichtet wird, ist der schwedische DampferMurjak" versenkt worden.

London, 13. April. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds meldet, daß der englische Segler I n v e r l y n" du rch ein U- Boot versenkt worden ist. 12 Vöann der Besatzung wurden gerettet. -

Rotterdam, 13. April. (WTB. Nichtamtlich.) DerRotter- damsche Courant" meldet: Nach einer Meldung von Lloyds Agen­tur wird der DampferA l o c r i t y", der am 29. März von Le Havre nach Svansea aussuhr, vermißt.

London, 13. April. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds Agen­tur meldet: Der DampferA n fu" (3600 Tonnen) ist am 11. April torpediert und versenkt worden. Fermer wurde der Dampfer Adamsohn" (3000 Tonnen) torpediert und versenkt. Die Besatzung wurde gelandet.

Der Kaiser im westen.

Großes Hauptquartier, 13. April. (WTB.) Seine Majestät der Kaiser wohnte heute einem vom Erzbischof von Köln, Kardinal von Hartmaarn, geleiteten Kriegs-Gottesdienst bei.

Berlin, 14. April. Ueber den feierlichen Militär- g o t t e s d i e n st, den Kardinal von Hartmann im Großen Haupt­quartier abhielt und dem auch der Kaiser beiwohnte, berichtet Max Osborn in derVossischen Zeitung": Der kirchliche Akt ge­staltete sich zu einer vaterländischen Kundgebung großen Stils, die auf alle Teilnehmer tiefen Eindruck machte. In dem graugelben Gemäuer verschwamm die Menge der feldgrauen Ge­stalten, die den alten Raum, bis in den letzten Winkel füllte.: Auch einige Franzosen der Zivilbevölkerung, zumeist Frauen, hatten sich eingefunden. Der Erzbischof erwartete am Hairpteingang den Kaiser, den er zu seinem Platz gegenüber dem Altar geleitete. Der Kaiser sah vortrefflich aus. Die gebräunte Gesichtsfarbe gibt seiner Erscheinung eüvas ungemein Frisches und Gesundes. Den Bischofsstab in der Hand, angetan der MUra, bestieg der Kardinal die Kanzel und wandte sich zuerst an die Soldaten, denen er Grüße aus der Heimat überbrachte. Er sprach zu ihnen von dem Gedenken der deutschen Heimat, insbesondere der schönen Rheinprovinz, daß von ihr die Schrecken des Krieges ferngehalten wurden und knüpfte varan die Bitte an Gott, daß den Soldaten! siegreiche, wohlbehaltene Rückkehr beschieden sein möge. Vor einigen Tagen hatte der Kardinal nördlich von Soissons einen Friedhof geweiht und er sprach über die Worte, die dort ein Denkmal schmücken:Er starb für mich!" Dann wandte sich der Kardinal dem Kaiser zu mit folgenden Sätzen:Eurer Kaiserlichen und Königlichen Maje­stät möchte ich den innigsten Tank in aller Ehrfurcht aussprechcn, daß Euere Majestät diesem Gottesdienste haben beiwohnen wollen. Jesus Christus hat gesagt: Wo zivei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Viele, viele Soldaten sind heitte in diesen: Gotteshanse versammelt um ihren Landesvater und haben mit ihm gebetet, Gott wolle uns glor­reichen Sieg und baldigen Frieden schenken. Das vereinte Gebet hat die Gewähr der Erhörung. Sollte Gott :wch weiter schivere Opfer von uns verlangen, so mache ich mich in diesem Augenblicke zum Dolmetsch der katholischen Sol­daten der Armee und lege vor Euerer Majestät das Gelöbnis der unentwegten Treue in allen Kämpfen ab, das Gelöbnis unenttvegter Treue bis zum Tode. Möge Gott Euere Majestät schützen und schirmen, möge er schirmen unser liebes, teures Vaterland." Das Ergebnis einer Kollekte der Katholiken Preußens zum Besten der Verwundeten des deutschen Heeres besteht in einer Summe von 3 360 000 Mark. Der Kardftml hatte diesen Geldbetrag dem Kaiser überbringen wollen.

Am dem Reiche.

Die neuen Steuern.

Berlin, 13. April. (WTB.) Bei der Beratung des Kriegsgewinnsteuergesetzes im Hauptaus­schuß des Reichstages erllärte der Reichsschatzsekretär, daß er unter Wahrung des grundsätzliche:: Standpunktes, daß die Bundesfürsten und ihre Gemahlinnen der direkten Besteuerung durch das Reich nicht unterliegen, mitteilen könne, daß die Bundesfürsten und ihre Gemahlinnen ebenso, wie beim Wehrbeitrag, sich freiwillig bereit erklärt haben, an der Steuer teilzunehmen.

Berlin, 13. April. (WTB.) Nach Ablehnung des sozial­demokratischen Erbsckaftsantrages im Hauptausschuß des Reichstages wurde mit den Stimmen der Sozialdemo­kraten, Fortschrittler und Nationalliberalen ein fort­schrittlicher Antrag auf Erhebung eines aber­maligen Wehrbeitrages in Höhe von einem Drittel der im Wehrbeitragsgesetz enthaltenen Sätze angenom­men. Hierauf erledigte der Hauptausschuß die für die Be­steuerung der Gesellschaften in Betracht kommenden ein­schlägigen Paragraphen des Kriegsgewiunsteuer- gesetz es und nahm hierzu einen gemeinsamen Antrag der bürgerlichen Parteien an. Die Ueberschrift des Gesetzes wurde geändert inEntwurf eines Kriegssteuergesetzes". Damit tft die erste Lesung des Entwurfs beendet. Die Be­schlüsse des .Haup4ausschusses werden für die zweite Lesung zusarrnn enge stellt. Damit beginnt der Ausschuß die Oster­pause. Nächste Sitzung 2. Mai mit der Tagesordnung: Kapitalabfindungsgesetz, Poftetat, Etat des Reichsamts des Innern.

Berlin, 13. April. (WTB.) Vom Steuerausschuß des Reichstags ist der W a r e n um s a tz st eu e r a n t r a g des Zentrums mit einigen Abänderungen gegen die Stimmen

der Fortschrittler und Sozialdemokraten angenommen wor­den. Der Quittun gsstemp el wurde einstimmig rgp' gelehnt.

Vundesratsbeschlüsse.

Berlin, 13. April. (WTB.) Der Bundesrat hat den Entwurf einer Bekanntmachung über die Geltend­machung von Ansprüchen an Personen, die im Auslande ihren Wohnsitz haben usw., den Entwurf einer Bekannt-- machung vom 11. November auf Verträge über die Lieserung von Steinkohlen und Braunkohlen, den Entwurf einer Be­kanntmachung betreffend die steuerliche Behandlung von Biersendungen an die Truppen, den Entwurf einer Bekannt­machung betreffend den Verkehr mit Knochen, den Entwurf einer Bekanntmachung über die Streu- und Weidenutzung auf nicht landwirtschaftlich genutzten Grundstücken und den Entwurf eines zweiten Nachtrages zu den Bestimmungen des Bundesrats über die Gewährung von Neichsbeihilfen an dir Gemeinden für Kriegswohlfahrtspflege angenommen.

Die Heide- und Weidcnutzung.

Berlin, 13. April. (WTB. Amtlich.) Der Bundes­rat hat einer Verordnung über die Streu-, Heide- und Weidennutzung aus nicht landwirtschaftlich genutz­ten Grundstücken zugestimmt. Die Verordnung verpflichtet die Besitzer von Forsten und deren nicht laudwirtschaftlich genutzten Flächen (.Heide, Seen u. dergl.) auf Anordnung der höheren Verwaltungsbehörden und nach den von ihr festgesetzten Bedingnngen Gemeinden und Privaten die Streu-, Futter- und Weidenutzung zu gestatten. Die Weide­nutzung beschränkt sich auf Schweine und Rindvieh, jedoch müssen für diese Vieh Gattungen unter Umständen auch Hür­den und Unterkunftsräume zum Uebernachten angelegt wer­den können. Selbstverständlrch wird ans die eigene Nutzung der Besitzer die nötige Rücksicht zn nehmen sein. Die Ver­ordnung tritt mit dem Verkündungstage in Kraft.

Eine Kontrollstelle für fteigegebenes Leder.

.Wie das FachblattSchuh und Leder"", Berlin, uns mitteilt, ist in einer Besprechung, die am 10. April zwischen Vertretern von Leder Herstellern, Händler:: und Verbrauchern, sowie Arbeit­nehmern im Reichsamt des Innern stattgefnnden hat, beschlossen worden, eine Kontrollstelle für fteigegebenes Leder zn errichten. Diese Stelle soll die Aufgabe haben, darüber zu wachen, daß das von der Heeresverwaltung nichtbenötigte Leder nach bestimmten Grundsätzen unter die verschiedenen Interessenten gruppen mög­lichst rasch verteilt wird. Tie näheren Bestimmungen weroen demnächst veröffentlicht.

Die Kontvollstelle für freigegebenes Leder gibt bekamtt, daß es unzulässig und strafbar ist, wenn Verkäufe freigegebenen Ledders von Bedingrrngen abhängig gernacht rverden, die dem Verkäufer einen besondreren Vorteil veftchaffen, insbesondere, wenn verlangt wird, daß Aufträge aus andere Waren ertellt werden, oder daß frühere Lieferungsvertrage ganz oder teilweise aufgehoben werden sollen .'

Die Verwendung von Knochen.

Berlin, 13. April. (WTB. Amtlich^ Der Bundesrat hat eine Verordnung über den Verkehr mit Kirochen, Rinder­füßen und Hornschläuchen beschlossen. Me Verordnung El eine misgiebigere Berwertmrg der anfallenden Knochen durch ein Vergeudungsverbot und ein Aufhebungsverbot durchführen. Ter Reichskanzler ist ermächtigt, die Verteilung von Knochen an die Verarbeiter zu regeln, und Höchistpreise für Rvhprodutte und Uebernahmehöchstpreise für Endprodukte festzusetzen. Das aus Knochen ustv. gewonnene Fett ist an den Kriegsausschuß für pflanz­liche und tierische Oele und Fette, die gewonnenen Futtermittel sind an den Kriegsansschuß für Ersatzfutter abzuliefern. Endlich wurde dem Reichskanzler noch die Ausdehnungsernrächtigung der Verordnung auf solche Fette und Futtermittel, welche aus Gast­wirtschaften, Metzgereien, Darmschleimereicn, Konservenfabriken und Abdeckerei«: usw. anfallen, gegeben.

Au» Stadt und Land.

Gießen, 14. April 1916.

Warnung vor Butter- und Salatöl-Ersatzpräparaten.

Vom Kriegs aus schuß für Oele und Fette wird uns folgendes mitgeteilt:

Infolge der Knappheit an Fetten und Speiseöle:: sind im Laufe der letzten Wochen Erzeugnisse auf den Markt ge­bracht morden, die sich SalaM-Ersa.tz, Butter-Ersatz, Auf­strich-Mittel, Mdarin u. a. benenne::. Diese Erzeugnisse sollen nach den Ankündigungen geeignet fein, Butter, bezw. Salatül voll zu ersetzen. Eingehende Unterfuchunge:: sämt­licher Mittel hüben jedoch ergeben, daß bei allen von einem Ersatz nicht die Rede fern kann, daß sie vielmehr als Nährmittel vollständig wertlos sind.

Die Butter-Ersatzmittel haben zumeist 50 Proz. Wassergehalt, bestehen im übrigen aus Magermilch oder Kartoffelmehl und weisen sämtlich nur einen geringen Prozentsatz von 12,8117,18 Fett, dagegen einen Wasser­gehalt von 49,5061,54 Proz. auf. Der Salatöl-Ersatz besteht aus 9899 Proz. Wasser und 12 Proz. pflm:zlicher Stoffe, die das Wasser sämig nmcheu und färben. Die Preise für die angebotenei: Ersatzmittel bewegen sich zwischen 1.50 bis 2 Mk. pro Liter, bezw. Pfund. Das Publikum wird also beim Einkauf solcher Ersatzmittel erheblich geschädigt.

In einer Sitzung des Kriegs aus schusses, an der die Kommissare aus dem Reichsgesundheitsamt, dem Krieas- ministerium, dem Ministerium des Innern mrd dem Reichs­amt des Innern teilnahme::, tvurde die Wertlosigkeit dieser Produkte von Sachverständigen nochmals hetvor- geh-oben und dabei insblesondere betont, daß alle diese Mittel geeignet sind, in der wärrneven Jahreszeit als K r a n k h e i t s t r ä g e r z!u diene::, da s:e in hohem Grade einen Nährboden für alle Batterien darstellen. Bisher ist dank der.getroffenen Vorkehrungen der Ausbruch von jeg­lichen Seuchen in der Heimat während des Krieges voll­kommen verhindert worden, um so mehr muß aus die hier drohende Gefahr für die Gesundheit unseres Volkes mit allem Nachdruck hingewieseu werden.

Die Bevölkerung wird daher in ihrem eigensten Inter­esse eindringlich st davor gewarnt, Butter-Ersatz­mittel oder Salatöl-Ersatz zu kaufen.

Es mag besonders darauf hingewiese:: werden, daß Hersteller des Butterersatzmittels wöge:: Vergehens gegea: das Nahrungsmittelgesetz mit schwerer Hast und Geld­strafen bedacht worden sind.

Die geeig:reten Maßnahmen seitens der Behörde:: sftw bereits in die Wege geleitet worden, um solche Präparate, cn:s dem Handel verschrvinden zu lassen.

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* Amtliche Personalnachrichten. Erledigt ist die Stelle des Direktors der höheren Mädchenschule zn Offen- bach a. M. Die Meldungen sind an Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Schlilangelegenheiten, zu richten. Älelde- schluß 10. Mai 1916.

** Beförderung. Der Kriegsfreiwillige Rudolf Döll von Wieseck, bisher Vizewachtlneister in der 2. Batterie des Feld- 2lrtillerie°iRegiments Nr. 61, ivurde 51111: Leutnant dxr Reserve im gleichen Regimente befördert.

** Militärische Ausbildung der Jugend Am Mittwoch abend der vorigen Woche hielt Unteroffizier Weidig einen sehr lehrreichen Vortrag über die Organi­sation des Sanitätswleservs im Feld, der mit großen: Beifall