Ausgabe 
14.4.1916 Erstes Blatt
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«rstzemcknmen «Mrde. Der Sinns tagnb-end führte die 'Jung­mannen in einer sehr interessanten Nachtübung bet gutem Wetter durch den Philosophenwald zum Eulenkops, der von einer M Leitung verteidigt wurde. Am letzten Mittwoch abend wurden die Hebungen für dieses Winterhalbjghr geschlossen. Der Redner des Abends, Obermatrose Keil von der Goeben", schon mit .Händeklatschen von der Jugend emp-

i angen, erntete mit seinen Ausführungen stürmischen Bei­all. Mit einem Hoch auf Heer und Flotte und dem Gesang esFlaggenliedes'" schloß der schöne Abend. Die erste Uebung des Sommerhalbjahres findet Sonntag, 7. Mai, statt. Bei dieser werden Neuanmeldungen entgegen^ genommen.

** Die Auszahlung der Familien Unter­stützungen an die Familien der zum Heeresdienst Einberufe­nen für 16. bis 'Ende April 1916 findet statt: An diejenigen deren Namen beginnen mit: AH Samstag, den 15. April 1R Montag, den 17. April, 8Z Dienstag, den 18. April. Zahlstunden: von 81 Uhr vormittags. Zahlstelle: Stadthaus, Zimmer Nr. 7. Die Unterstützungen dürfen nur an den vorge­nannten Tagen abgeholt werden.

** Städtischer Erbsenverkauf. Die Stadt hat wieder eine größere Menge grüne ungeschälte Erbsen, sowie versuchsweise einen Posten spanischer Erbsen angekauft, die sehr reich an Mark sind. Beide Sorten kommen in der nächsten Woche zu einem wohlfeilen Preis in der alten Schule in der Neustadt zum Verkauf. Der Verkauf von Bohnen, Erbsen und Käse findet aber nur nachmittags von 26 Uhr statt, während vormittags Fleisch zu haben ist.

** Blinde Passagiere int Hundeabteil. Als gestern vormittag auf unserem Bahnhof ein von Leipzig kommender Militärzug einlief, entdeckte der Zugführer im Hundeabteil des Packwagens zu seinem Erstaunen drei lebende Wesen, obgleich ihm nicht bekannt war, wie diese ohne sein utun in den Hundekäfig gekommen waren. Bei näherem usehen stellte es sich heraus, daß diese Wesen drei junge, 17 jährige Burschen waren, die heimlich schon in Leipzig Platz gefunden hatten. Die Burschen hatten die Absicht, sich nach dem westlichen Kriegsschauplatz durchzuschmuggeln, sie muß­ten aber in Gießen den Weg zum Stationsvorsteher machen, wo sie erklärten, es sei eigentlich aus der Fahrt im Hunde­abteil sehr langweilig gewesen, da sie vor der Abfahrt dev- gessen hätten, sich mit Karten zu versehen, um sich die Zeit mit einem Spielchen verkürzen zu können. Die drei Leip­ziger wurden der Gießener Polizei übergeben.

** Di e HöHere und Erweiterte Mädchenschule hat ihren Jahresbericht erscheinen lassen. Wir entnehmen daraus, das; die Schule bei Beginn des Schuljahres einen Bestand von 348 Schülerinnen hatte, der bei einem Zugang von 13 und Abgang von 16 Schülerinnen am Schluß des Schuljahres 345 betrug. Hiervor: waren 322 Schülerinnen evangelisch, 28 katholisch, 10 israelüisch, 1 konfessionslos. Aus Gießen waren 345, aus Hessen 9, aus anderen Staaten des Reiches 6, 1 Ausländerin.

** Gewerbe schu l e Gießen. Tie Gewerbeschule führte im verflossenen Schuljahr ihren Betrieb voll und ganz durch. Tie Schülerzahl betrug 299, von denen 8 die Abgangsprüsung in der Hochbauabteilung bestanden und 70 die Gesettenprüftcng ablegten. Es unterrichteten außer dem stellvertretenden Hauptlehrer 9 Lehrkräfte. An dem Unterricht in verschiedenen Fächern nahmen 56 Kriegsbeschädigte teil, um sich für einen neuen Berus vor­zubereiten oder in ihrem Fach zu vervolMmmneu. Das neue Schul­jahr beginnt am 2. Mai d. I. Der Unterricht in der gewerb­lichen' Fortbildungsschule erstreckt sich auf Freihand-, Projektions- und Fachzeichuen, Deutsch, Geschäftskunde, Buch­führung und Wechselkunde, Geschäftsrechnen, Geometrie, Veran­schlagen, Baustofslehre, Naturlehre, Gesetzeskunde. Er bezweckt, dem Zungen Handwerker während seiner Lehrzeit diejenigen zeichneri­schen und beruflichen Kenntnisse beizubringen, die zur Ausübung seines Handwerks nötig sind, und dient als gründliche Vorberei­tung für eine erfolgreiche Ablegung der Gesellenprüfung.

** Gesellenprüfung 1916. Tie Gesellenprüfung fand im März d. I. unter dem Vorsitz von Architekten Huhn statt. Es unterzogen sich der Priifung 145 Lehrlinge, die 18 verschiedenen Berufen angehörten. Es bestanden 134 die Prüfung. Bon einer feierlichen Ueberreichung der Gesellenbriese wurde abgesehen. Der Vorsitzende entließ die Junggesellen mit ernsten Mahnungen und Glückwünschen für ihr späteres Leben.

"Der Wert des Hackens. Das Hacken der Gemüse­pflanzen ist eine der wichtigsten Arbeiten im Garten. Zweimal Hacken kommt, wie ein hervorragender landwirtschaftlicher Fach­mann sagte, einer Salpeterdüngung gleich. Das Hacken hat den Zweck, den Boden zu lockern und die Feuchtigkeit zu erhalten, weiter wird die Durchlüftung gefördert, durch die das Gedeihen der Bodenbakterien, besonders der salpeterbildenden, erreicht wird. Durch das Hacken wird aber auch die Unkrautbildung gehemmt und vorhandenes Unkraut vernichtet. Es empfiehlt sich, das Hacken des Bodens rückwärts gehend vorzunehmen, da sonst die behackten Stellen wieder sestgetreten werden und der eigentliche Zweck des Hackens, Lockerung des BodenS, vereitelt wird. Das Hacken er­folgt am besten während eines leichten Regens. Sonst muß nach dem Hacken gegossen werden. Man hackt die einzelnen Beete etwa alle 2 Wochen.

** Stadttheater. Aus Mn Stadttheaterbureau wird mit- geleilt: Die letzten Vorstellungen der Spielzeit am kommenden Sonntag bedeuten für eine Anzahl beliebter Mitglieder den A b - schied von Gießen. InMaria Magdalena" tritt Fräu­lein Martha Schild zum letzten Male hier auf. InT r a u m u - lus" verabschieden sich Herr Dworkowski, Herr Stein- hofer und Fräulein Rubens. Herr Oberregisseur Dwor­kowski, der vier Jahre unserer Bühne angehörte und sich zweifellose Verdienste durch manche feinsinnige Inszenierung erwor­ben hat, führt in den beiden Aussührustgen des Tages die Regie und spielt zugleich inTraumulus" die Titelrolle. Sicherlich wird ihm wie den andern von hier scheidenden Mitgliedern am Sonntag nochmals der Dank des Publikums für so manche genußreiche Stunde ausgedrückt werden.

** Hederichbekämpfung zur Steigerung der Hafererträge. Berefts im vorigen Jahre war als Folge unzureichender Arbeitskräfte eine stärkere Verunkrautung^ der Felder bemerkbar. Auch in diesem Frühjahr werden viel­fach die Arbeitskräfte zum Hacken oder rechtzeitigen Eggen den Saatfelder fehlen. Es ist daher erneut auf die bewährte Be­kämpfungsmethode des Hederichs in Gerste und Hafer durch Be­spritzen ntit Eisenvitriol hinzuweisen. In den letzten Jah­ren vor dem Kriege wurde ein großer Teil der Eisen Vitriol er zeu- gung Deutschlands für die Bekämpfung des Hederichs verwendet Die Bespritzung mit Eisenvitriollösung vernichtet den Hederich und schadet dem Getreide nicht. Da Eisenvitriol in ausreichender Menge voraussichtlich nicht zur Verfügung, steht, ist auf die Ver­wendung von feit: gemahlenem Kainit hinzuweisen, welcher der besseren" Stteubarkeit wegen mit Kieselgur vermischt wird. Der Kainit wird ftühmorgens im Tau in einer Menge von fünf Zentnern auf den Morgen ausgestreut. Wenn die Kosten durch Verwendung dieser Menge auch etwas höher als früher bei Ver­wendung des Eisenvitriols sind, so ist doch zugleich eine erheb­liche Kalidüngung damit verbunden. Da auch die Kalibeschafftmg durch die Kri'egsverhältnisse erschwert ist, empfiehlt sich die srüh- zeittge Bestellung des Kainits.

Landkreis Gießen.

x Großen-Linden, 14. April. Gestern verließen mit einer Schulfeier im Beisein der Elter:: und des Schul­vorstandes 17 Knaben und 21 Mädchen unsere Schule. Außer Kriegsgedichten kam die neueSommerzeit" zu eingehender Behandlung. Im Anschluß an die Verlesung vonTell" 11,1 ermahnte Hauptlehrer Bach seine Schüler, treuen Heimat und Volk zu stehen und entließ sie zu ihrer neuem, Arbeit als Kämpfer in unserer wirtschaftlichen Front. Auch Pfarrer Schulte sprach ihnen noch gute Worte in die

^ele. Mit 52 Schutretruten werden wir im neuen Schul­jahr 376 Schüler haben.

i_j La >1 g - Göns , 14. April. Musketier Heinrich Reu sch im Jnianlerie-Regt. 253 starb am 6. Avril m Rußland den Heldeniod. - Kriegssreiw. Geireiter Karl Stoll, früher Juf.- üegt. 222, jetzt Jiri.-Regt. 116. wurde zum Unteroffizier befördert.

e. Stockhausen, 14 April. Bei dem am 10. d. Mts. au dieses Stelle berichteten Drahtseilbahn Unfall handelte es nch, wie lvir zu berichtigen gebeten wrrdeu, nicht um die Draht­seilbahn der Grube Hoffnuna, sondern der Grube Werckartsheim, Eigentum der Gewerkschaft Louise zu Essen.

Kreis Lauterbach.

§ Aus dem O b e r w a l d , 13. April. Wieder haben die Kulturarbeiten der Forstwirtschaft begonnen. An vielen Stellen des Oberwaldes und der angrenzenden Waldgebiete sieht man nun wieder Frauen und Mädchen, und solche von 1416 Jahren männlichen Geschlechts mit diesen Kulturarbeiten beschäftigt. Nach­dem erst verschiedenerlei sonstige Arbeiten, wie Aufräumen der durch Schneebruch im Winter 191314 hart mitgenommenen Fichtenbestände, die inzwischen nun ganz abgcholzt werden muß-" ten, gemacht worden sind, werden nun diese nutzenbringenden Flächen wieder neu mit jungen Fichten bepflanzt. Auch magere schlecht gelegene Waldwiesen werden ebenfalls auf diese Weise umgebaut: andere Wiesen werden von Maulwurfshügeln und dergleichen gesäubert, damit bei Werntung des Grases dem.Mäher die Sense nicht stumpf wird.

Kreis Friedberg.

Bl. Friedberg, >4. Avril Dieser Tage fand in Anwesenheit des Geh. Regiernngsrats N o a ck -- Darmstadt in der hiesige» G e w e r b e s ch u l e die feierliche Ueberreichung der Gesellen­briefe an die zu prüfenden Gesellen statt. Außer den Elter,i und Angehörigen der Prüflinge waren sämtliche Mitglieder des Gewerbevereins, sowie der Beigeordnete Landtagsabgeordneter Karl Dam m - Friedberg erschienen. Der Vorsitzende des P'üsnngs- ausschnsses, Klempnermeister E F. Frick, gab einen kurzen Be­richt über den Verlauf der Prüiung. Hierauf sprach Geh. Reg.-Rat N o a ck über die Bedeutung der Gesellenpruinng in der gegen­wärtigen Zeit. Der Vorsitzende des Prüsungsatisschnsses überreichte hieraus unter Handschlag die Gesellenbriefe. Sämtliche Prüflinge, 35 männliche und 8 weibliche, insqesaint 43, bestanden die Prüfung, davon 14 mit der Note gut. Mit der Besichtigung der ausgestellten Gesellenstücke und Werkzeichnungen schloß die Feier.

LI. B a d - N a l> h e i m, 14. April. Der bei der Marine stehenden Stabsarzt Dr. Fischer, der schon mit dein Eisernen Kreuz ailsgezeichnet wurde, erhielt jetzt aitcf) das Friedrich-August- Kreuz 2. Klasse. Der Ersatzreservist Alfred Volk wurde durch Verleihung der Hessischen Tapferkeitsinedaitle ausgezeichnet.

Q. Bad-Nauheim, 14. April. Eine hübsche Ueberraschung wurde unseren im Militärlazarett liegenden Feldzugsteilnehmern gestern zuteil. Dreißig Kinder aus Rodheim v. d. H. überbrach­ten eine große Menge gesammelter Liebesgaben bestehend in Honig, Gelee, Obst und ähnlichen Sachen und sangen den Feldgrauen eine Anzahl reizender Lreder vor. Der Vortragsverein hielt gestern seine Hauptversammlung ab, in der beschlossen wurde, daß die Tätigkeit des Pereins, die durch den Krieg beeinflußt war, im nächsten Winter wieder voll einsetzen soll. Der Verein zählt zur Zeit 175 Mitglieder, sein Vermögen beträgt 860 Mk.

Kreis Alsfeld.

e. Alsfeld, 14. April. Die städtische höhere Bürger- (Mädchen-) Schule wurde im verflossenen Schuljahre von 82 Schülerinnen besucht, wovon 74 evang., 3 kath. und 5 isr. waren. 77 waren a»ls Alsfeld, 5 aus anderen Orten. Den Unterricht leitete Geh. Schiilrat Dr. Ritz mit 10 Lehrkräften.

Kreis Friedberg.

LI. A u s der W e t l e r a u, 14. April. Der ttt den letzten Tagen niedergegangene Regen hat geradezu Wunder gewirkt. Troß des kühlen Wetters sieht man das Gras förmlich wachsen. Der Klee zeigt eine Ueppigkeit, wie seit langen Jahren nicht. Welche Vorteile der Regelt brachte, zeigt sich auch an den blühen- deii Bäumen, welche durch den Frost großen Schaden gelitten hätten, wenn der Regen den Frost liicht sofort wieder ausgezogen hätte. Diesmal heißt es nicht Mai kühl und naß, sondern April kühl und naß, füllt dem Bauern Scheune und Faß.

Hessen-Nassau.

hs. Marburg,- 14. April. Am Mittwoch abend fand im Hörsaale der Anatomie ein Kammermusikabend von Frl. Herta Z onde r van-Gießen (Sopran) und Frau Joh. W ei­chelt (Klavier) statt. Zum Vortrag gelangten Werke älterer und neuerer Meister, sowie eigene Werke von Frau Joh. Weichelt. Tie Klavierdarbietungen dieser Künstlerin zeugten von einer reifen Technik und ttefem Verständnis, ebenso erwies sie sich bei voller Beherrschung des Instruments als eine feinsinnige Beglefterin. Ihre eigene Sonate in L-äur war ihren meisterlichen Ab­tönungen und der elementaren Kraft einzelner Stellen ein ganzer Erfolg, und eine ganz eigenartige Märchenstimnrung liegt in ihrem kleinen Stimmungsb-ildchen: am Fluß. Die Gesangsleistun­gen von Frl. Zander van standen ans einer sehr hohen künst­lerischen Stufe. Man weiß nicht, was man bei dieser jungen Künst­lerin höher einschätzen soll: die erstaunliche Wandlungsfähigkeit des' Ausdrucks, wodurch sie die zartesten, lyrischsten und die dramatisch bewegtesten Werke absolut glaubhaft zu Gehör brachte, oder die glockenreine, metallene Stimme, die mühelos alle Schwierigkeiten überwindet. Hervorzuheben ist auch ihre reine und deutliche Llus- sprache. So sang sic das Egmvntlied: Die Trommeln gerührt: mit einer entzückenden Frische:Welch Glück sondergleichen, ein Mannsbild zu sein". Glänzende Leistungen waren das Gebet der Elisabeth und Weylas Gesang: Du bist Orplid. Das neckische Lied­lein von D'Albert: Zur Drossel sprach der Fink, ivurde durch den Vortrag von Fräulein Zondervan zu einem ganz erlesenen Genuß.'

ra. Waldgirmes, 14. 2lpril. Die Holzfällung, welche in früheren Jahren für die Gemeindekasse eine Durch- schnittseinnahine von 6000 Mk. ergab, hat eine bedeutende Einschränkung erfahren. In unserrn großen Gemeindewnld finden sich noch herrliche Eichenbestände vor.

ra. Naunheim, 14. Llpril. Lehrer Fr. D o n s b a ch ist nach einer achtjährigen erfolgreichen Tätigkeit in hiesiger Gemeinde auf seinen Wunsch nach Herb ornsoeld ach versetzt.

ra. Fri e d ri ch s d o r f, 14. April. An Stelle des ge­fallenen Bürgermeisters Schneider wurde Beigeordneter F ru g a r zum Bürgermeister gewählt.

e. Frankfurt, 14. April. Ein interessanter Neuankömm­ling im Rundbau des Zoologischen Gartens ist ein Halsband- p e k a r i, ein Vertreter der kleinsten lebenden wilden Schweineart, die in den Wäldern von Süd-, Mittel- und südlichen Nordamerika heimisch ist. Die fünfte Nachzucht erzielte der Garten von den: ungleichen, aus einem weiblichen Rotstirnmaki und einem männlichen M o n g o z bestehenden Halbaffen paar. Das zierliche Junge wird von der Mutter wieder mit rührender Sorgfalt be­traut. Im A n t i l o p e n h a u s erfreuen die ersten diesjährigen Sprößlinge der Hirschziegenantrlovcn den Besucher.. Auch aus 'dem Schafberg zeigt sich bereits diesjähriges Jungvolk.

Homburg v. d. H., 13. April. Die Hotelbesitzer von Baden-Baden, Bad-Nauheim, Bad Homburg, Bad Ems usw. haben vereinbart, während der teuren, durch den Krieg geschaffenen Ver­hältnisse Mindestpreise für Pension feftzusetzen. Der Pen­sionspreis für eine Person beträgt auf den Tag mit einem Fleisch­gang zu jeder Mahlzeit 1011 Mk. Auch der Internationale Hotelbesitzerverein (Sitz Köln) hat sich an das Kriegsministcrium gewandt und um Erhöhung des Pensionspreises für Offiziere von 6 auf 7,50 Mk. gebeten.

Bad Orb, 14. April. Auf dem hiesigen Bahnhose wurde dem Arbeiter Josef Schreiber durch einen Rangierzug der rechte Arm abgefahreu.

* Aus dem Kreise Kirchhaiu, 14. Avril. In der vorgestern int Kreishause zu Kirchhain abgehaltenei: Kreistags­sitzung wurden die bisherigen Mitglieder des Kommunallandtags, Konsistorialpräsident Freiherr Schenk zu Schw e i ir sberg in Kassel und Gutsbesitzer Karl B o p p - Kleinseelheim ivieder ge­wählt. Der Krcishaushaltsvoranschlag schließt ab mit einer Ein­nahme und einer Ausgabe von 648 700 Mk. Die Kr ei s st e u er n,

die einschließlich 10 Prozent Betriebssteuer mit 50 Prozent ver­anschlagt sind, bringen eine Einnahme von 86 632 Mk. Unter den laufender: Posten befinden sich 500000 Mk. für F a m i l i e n nu­te r st ü tz u n g e n der zum Kriegsdienst emberufenen Mannsäzaften. Die Kreiskommunalkassen-Rechnuug für 1914 wurde mit einer Einnahme von 280 982.08 Mk. und einer Ausgabe von 269 323.73 Mark genehmigt. Wie aus dem Verwaltungsbericht für, 1915 zu entnehmen ist, sind im Etatsjahr 1915 an Kriegsunterftützunchejr im Kreise rund 411 000 Mk. gezahlt worden. .Beim Zweigckerein vour Roten Kreuz ginger: über 10 000 Mk. freiwillige Gaben ein. Die Einkommensteuern für 1915 betragen 64 448 Mk. gegen 62 830 Mark im Vorjahre. Die Vermögenssteuer ist von 25 175 Mk. gegen 25 594 .Mk. in 1914, die Gewerbesteuer auf 4236 Mk. (gegen 4300 in 1913), mrd die Betriebssteuer 1915 auf 1775 Mk. zurückgegangen. In den 33 Kreisgemeinden wurden am Umlagen erhoben: in 3 unter 100, in je 1 120 und 125, in 5 15,0, in 1 160, in 4 175, in 1 190, in 10 200, in je 1 220 :md 230, in 4 250, in 1 300 Prozent. _ %

Kircfje und Schule.

qit Gedern, 14. April. Eine gemeinsame Konferenz von P f a r r e r.n und Lehrern der Bezirks-Lehrervereine Schot­ten, Ortenberg und Gedern tagte vorgestern nachmittag, auf dem Hof Zwiefalten. Auch von dem Bezirks-Lehrerverein Hungen waren einige Lehrer erschienen. Zweck der Tagung war Besprechung des neuen Lchrplaues für den Religionsunterricht in den Volksschulen. Das Referat hatten übernommen Pfarrer hl - Wingershausen und Lehrer Würz- Eschenrod. Pfarrer Rühl legte seinen Aus­führungen die folgenden drei Hauptleitsätze zu Grunde: 1. Neuorientierung der wissenschaftlichen Theologie vomDogma- tizismus" undHistorizismus" ft'chrt auch zur Neuorientierung des Religionsunterrichtes, der nicht mehr der Erlernung dogma­tischer Lehrsätze, sondern der Darbietung religiösen Lebens aus der Geschichte diene:: soll. 2. Tie Neiwrientierung des Religions­unterrichtes zeigt sich a ) in der überwiegenden Bedeutung, die den geschichtlichen Stoffe:: der biblischen Geschichte und der Kirchen- geschichte zngewiesen wird, b) In der Forderung, auch den bekenntnismäßigen Stoff Katechismus und Kirchenlied und Spruch geschichtlich zu unterbauen, o) In dem Zurücktreten der Rücksichten auf bekenntnismäßige Rechtgläubigkeit zu Gunsten einer kindlich verständlichen Darbietung der in der Geschichte hervorgetretenen religiösen Personen und Gedankeii. 3. Die Neu- orientierung des Religionsunterrichtes fordert: a) eine Neuein­teilung des Stoffes bezw. # der Religio ns stunden, b) eine neue Methode des Unterrichts. Die Ausführungen, die von großer Sach­kenntnis zeugten, wurden von den Anwesenden mit großem Beifall ausgenommen. Tie Leftsätze des zweiten Redners, Würz, werden erst demnächst an dieser Stelle mitgeteilt, da von der Versamm­lung beschlossen 'wurde, diese Leitsätze, die sich aus die neue Methode des Religionsunterrichtes beziehen, in einer zweiten Tagung am 17. Mai zu besprechen. An die zwei Vorträge schloß sich eine sehr rege Aussprache, an der sich insbesondere die Lehrer Link- Rudingshain, Lehrer Ludwig-Burkhards, Lehrer Hensel- Hirzenhain, Lehrer S o m m e r - Inheiden, Lehrer Kraushaar- Trais-Horloff, Pfarrer Weidner -Ober-Lais ruid Pfarrer R ü h l- Wingershausen beteÜigten. Die Versammlung wählte zu ihrem Vorsitzenden auch für alle künfttgen Konferenzen Lehrer Link- Rudingshain, zum zweiten Vorsitzenden Pfarrer H ö g y - Burkhards. Es wurde beschlossen, im Laufe des Sommers öfters zu tagen, inonatlich einmal. Im Mittelpunkt der Tagung soll jedesmal ein Vortrag stehen über zeitgemäße Fragen aus dem Gebiet der Religion oder der Polittk oder der Kunst. Gegen sieben Uhr schloß der Vorsitzende die in allen Teilen recht anregend ver- lanfene Versammlung. _

Gerichtssaal.

Schn eidemühl, 13. April. Das Schwurgericht hat nach viertägiger Verhandlung den ehemaligen Lehrer, jetzigen Gntspächter W e st p h a l wegen Mordes, versuchten Mordes, schwerer Urkimdenfälschung, Ansttftung zur schweren Urkunden- fälschung und Anstiftung zum wissentlichen Meineide und Betrug unter Versagimg mildernder Umstände zum .Tode, dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, 15 Jahren Zuchchaus und noch zu 10 Jahren Ehrverlust und 6000 Mark Geldstrafe, den Angeklagten Tischlermeister Weftphal senior wegen chrverer Urkundenfälschung unter Zubilligung mildernder Umstände zu sechs ?1donaten Gefängnis, von denen 2 Monate aus di^ erlittene Uitter- suchungshaft angerechnet werden, verurteilt. Die Geschworenen haben beschlossen, für Westphal senior ein Gnadengesuch einzu- reich-en. *

^ Lp

Handel.

Wien, 13. April. Die Skoda werke weisen einen Roh­gewinn von 24 758329 Kr. utrd euren Reingewinn von 9 957 860 Kr. auf. Als Dividende schlägt der Verwaltrurgsrat 34 Kronen gegen 28 Kronen im Vorjahre vor. 1090 510 Kr. sollen aus neue Rechnung vorgettagerr werden. Ter Verwaltungs- .rat hat ferner beschlossen, bei der Generalversammlung zu bean­tragen, da-, Aktienkapital von 42 auf 45 Millionen Kr. zu er­höhen.^ Die neuen Mtien sollen ab 1. Januar 1916 dividenden­berechtigt fein und den bisherigen Aktionären zum Bezüge an- geboten werden. _

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentlicher Wetterdienste Gießen.

Wetteraussichten in Hessen am Samstag, den 15. April 1916: Wechselnd bewölkt, vereinzelte Niederschläge, später anfklärend, Teniperatur wenig geändert, nachts kalt.

Letzte Nachrichten.

Die russische Presse über die baltische Frage.

Stockholm, 14. April. Die Erklürimgen des Reichs­kanzlers, battesfend das baltische P r o b l e m, werden von der russischen Presse schadmfroh kommentiert. Die Worte deo Reichskanzlers werden zur Verschärfung der deutschfeindlichen Pro­paganda ansgenutzt. DieRjetsch" schreibt: Wir sind keine Enteignungsfteunde, jedoch einen größerer: Bärendienst konnte der Reichskanzler den Freunden der' Entcigrurng nicht erweisen, dir sich nun auf seine Rede berufen können. DieN o w o j e W r e-m j a" meint: Mm ist der rätselhaften baltischer Loyalftät der Boden unter den Füßen weggezogen. Die ,,W et scher Naja Wrem- j a" erklärt: s>dmr hebt Deutschland jelbst den Unterschied zwischen den Deutschen derrtscher Staatsangehörigkeit und russischer auf. Das ist ein frecher Hohn, aber diese Offenheit wirkt wohltuend. Der T j e n" beschäftigt sich in eincur Leitartikel ebenfalls mit der Rede das Reichskanzlers. Auck; diesural, sagt das Blatt, habe Herr von Bethmann .Hollweg das Problenr nicht präzisiert. Wles sei nur in groben Umrisserr gezeichnet. Nrrr an Polen u. Belgier: lv-erde in seiner Rede gedacht. Man dürfe daraus schließen, daß das Weichsclgebict nicht länger dem Zarerrreichc angehören solle, das heißt: Oester-- reich-Ungarn und Deutschland wollen es annektieren, ohne näl>er zu bestimmen, welche Staatseinrichtung sie dort beabsichtigen. Da die Frage der Autonomie übergangen und der unllare ?llrsdruck Reichsgebiet" angervandt wurde, so beweist das, daß Deutschlarrd wünscht, das Gebiet zu behalten, ohne den Polen etrvas dafür zu geben. Im übriger: rvürde die Rede erst dann eine Bedeutung traben, rvenn ne in der flieichstagsdebattc weiter erttrvickelt rvorden' wäre. Die Reichstagsmitglieder würde«: dann korrekte Tatsachen gegenüber den unllarcn Sätzen der Rede des Kanzlers verlangt haben. Es ist merkwürdig, daß derDjen" die Frage der Ostseeprovinzen und Finnland ganz übergeht.

Neue Unruhen in Irland.

Amsterdam, 14. April. Die Unruhen in Irland nehmen arr Umfang und Bedeutung zu. Ar: verschiedener: Orten ist es zu Straße nkämp fei: gekonrmen. Große Waftenmagazinc wur- dcr: entdeckt und ein Magazir: vor: Feucrrvafter: beschlagnahlmt/ Zahlreiche Zeitungen sind verböte:: worden. An der Agitation be- tciftgen sich auch ^Lausende von dier:stpfl:chtigen Engländern, die in Irland eine Zuflucht gesur:den I-abeu. Das Miuntionsgesetz kan " zurzeit in Irland nicht mehr durchgesührt rverden.