Ausgabe 
24.3.1916 Zweites Blatt
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bcntit Deutschland in HandÄsverbindung steht, düs Fabrikat überwieyt, während die deutsche Einfuhr auZ Europa ans Roh­stoffen, Nahrungsmitteln, halbferttgen und fertigen Fabrikaten O ungefähr zu gleichen Teilen sich zusammenfttzt, die Einfuhr aus Uebersee hauptsächlich aus Rohstoffen und Nahrungsmitteln besteht. Diese statistischen Tatsachen lehren uns einmal, daß die deutsche Industrie, welche hauptsächlich Qualitätsware herstellt, die mrsnahmesLhigeven Märkte der in der europäischen Kultur vor­geschrittenen Welt aussuchen must.

Tie eigenartige territoriale Diffevenzierung des deutschen Alchenhandels lehrt uns noch ein zweites: Bis zum Ausbruch des Krieges ist Deutschland, wie bereits gesagt, mit mehr als drei Viertel seiner Ausfuhr aus europäische Länder angewiesen, und seine Einfuhr aus überseeischen Gebieten ist seit 1889 von 21 auf 46 Prozent der gesamten deutschen Einfuhr gestiegen, während der Anteil unserer Ausfuhr, der aus nichtenrvpöische Länder entfällt, sich seit 1889 fast nicht verändert hat. Es erwächst daher für uns die schwierige Auf- ^be, mrs-ere Ausfuhr in überseeische Gebiete entsprechend unserem von dort gestiegenen Bezüge zn vernrehren, um so einen Ausgleich zu schassen, was uns nach menschlichem Ermessen in etlichen der wichtigsten europäischen Länder zunächst verloren gehen könnte. Denn während des Krieges sind zahlreiche Bestrebungen unsevsy Gogner bekannt geworden, welche ausnahmslos darauf Hinzielen, den deutschen Außenhandel dauernd nicht nur von den Märkten der jetzt mit uns im Kriege stehenden Länder, sondern vom Welt­märkte . selbst auszuschalten.

Redner gab hierauf eine,: kurzen Heb erblick über all die Mittel icrib Methoden, welche England und seine Bundesgenossen während des Weltkrieges angewandt haben, um die deutsche Konkurrenz fn beseitigen, womit er ein wertvolles und für die Wirtschafts­geschichte unsever Zeit außerordentlich wertvolles Material lieferte.

Wie weit und wie lange nun der auch nach dem Kriege fort­bestehende Daß der Völker auf wirtschaftliche Verhäftniffe ein­wirken wird, läßt sich heute noch rächt übersahen. Es würde aber ein schwerer Irrtum sein, werm man sich dem Gedanken hingeben ivollte, daß bald nach dem Kriege die früheren Handelsbeziehungen unter den Völkern Platz greisen würden. Man muh im Gegenteil allen Ernstes der drohenden Gefahr ins Auge sehen und schon jetzt Mittel und Wege ausfindig machen, wie den Schwierigkeiten auf den Markten des feindlichen Auslandes wirksam begegnet werden kann.

Warnende Stimmen, die däe Unmöglichkeit eines Boykotts deutscher Waren darlogen, erheben sich schon sowohl in England wie in Frankreich mtb Rußland. So kann es wohl nach den Aeuherungen von feindlicher Seite ohne Bedenken ausgesprock?en werden, daß. allen Boykottbeftrebrmgen gegenüber das Gesetz immer seine Wirksamkeit betzatte:: wird, daß der WÄthandel ein Austausch von Waren im Gegenseitig Seitsverkehr ist und dah infolgedessen auch England für seinen deutschen dlbsatz, Ruhlnnd für ferne lan^ wirtschaftlichen Erzeugnisse und Frankreich für seine Ansfuhr nach Deutschland nicht so leicht einen Ersatz finden werden. Der mter- nationale Warenaustausch kann eben nur bis zu «mij gewissen Grade von Sftmmrmgsn und VolMeidenschastMi b»e»l stützt werden, da abseits von dieser kimfLichen BeeftMmung des kaufenden Pubtt- kums bestimmte Gesetze den internationalen Handelsverkehr regeln, roelche auch durch eine noch so wcttgehende Organisation des Wirt­schaftskrieges grundsätzlich nicht unrgestotzen werden können.

Es wäre aber doch nun von Grund aus verkehrt, wollte man sich über die angekündigtsn MotznahNren des feindkchen Ms- landes' einfach mit den: Tröste hinwvgsetzen. dah sich alles nach dem Kriege schon wieder einrenken werde. Man mutz aber dabe: den Handel in bestimmt- Bahnen lenken, d. h. wE muh von Staats wegen in eure systematische Förderung dos Außenhandels eintveten Und da erwächst zunächst als vornchmste A-mgabe sur eine kluge und weitcrusschauende Politik der Abschluß langfrrfttger Handelsverträge. Der ungeheuere Wert von Handslsvevtragen liegt weniger in der Vereinbarung niedriger Zollsätze, als vornehnllich in der Schaffung stabiler Berhältnffse, welche bem Kaufmann, besonders dem Exporteur, eme srchere Kalklllatton für eine Reihe von Jahren ermöglicht Ihr Abschluß wrrd also dre Grundlage für eine neue Betätigung rm Anslande, auch nn seurd- lick.en, chldsn müssen. Den größer: Wert muß dre deutsche Äand«ls- polittk aus einen gut«: Handelsvertrag mit Rußland legen. Denn RuUand äks ein gesichertes Betätigun-gsfeld ftrr die deutsche Wrrt- sckMstskraft übertrifst alle denkbaren Kolonialreiche der Welt. Drcses HarrdclsverlvagsverhÄtnis braucht durchaus nicht ungünstig für Rußland zu sein, derm Hmndelsverttäge sind ja immer gegenscrttg.

Bei der Neuregelung der Handelsb^iehungen mit F r a n k r e i ch wird vor allem zu erwägen sein, ob nicht an die Stelle des bis­herigen MeistbegünstigungsVertrages ein Tarifvertrag zu setzen ist, in welchem auch Vorsorge zu tteffen ist, daß sich die Zoll- schikanen nicht wiederholen, unter welchen die deutsche Ausfuhr- industrie in den letzten Jahren besonders schwer zu leiden gehabt bat. Und die Regelung des zukünftigen Verhältnisses mit Eng­land \xmb ganz von der Frage abhängen, ob England auch zur Schutzzollpolttik übergehen wird, ivovan allerdings kaum noch zu zweifeln ist Für Amerika bleibt nach den Worten eines ameri­kanischen Gelehrten bei dem heuttgen Stande der Sachlage kein anderer Weg übrig, als möglichst bald die alten Handelsbeziehungen mit Deutschland wieder auszunchnven und nach Möglichkeit zu er­weitern. Dadurch allein wird es Amerika möglich werden, am Kriegs­ende nicht isoliert da-Mstehen, denn es würde sich dann wohl erreichen lassen, daß Deutschland größere Mengen Rohstoffe und Waren von Amerika bezöge und mit dem Geld« einer Kriegsentschädigung' bezahle. Im übrigen wird sich die Zoll- und Handelspolitik Deutschlands nach den Erfahrungen dreses Krieges mehr nach Gesichtspunkten der Freundschaft und guter nachbarlicher Bezie­hungen orientieren müssen. Wir werden engere Fühlung mit unseres Verbündeten suchen müssen, besonders mit unserem nächsten Nach­bar Oesterreich-Ungarn. Bei einen: Wirtschaftsbünd-nis mit Oester­reich-Ungarn handett es sich um ein schwierigeres Problem, als jene, die seinerzeit bei dem Zollverein in Preußen und Deutschland entgegenstandem Die Durchführung des Gedankens kann s:ch aber nur Schritt für Schritt volhsiehen und wird aus beiden Seiten Opfer erfordern. Bei der Abwehr der organisatorischen Boykott­bewegung s-Be streb ungen unserer Gegner wird man ferner dem breiten Landstreifen, welcher sich von Berlin über Wien und Sofia nach Konstarrtmopel und von da nach Mesopotamien erstreckt, in wirtschaftlicher Hinsicht eine ganz besondere Pflege angedeihen lassen müssen. Nur darf man fteilrch sich in dieser Beziehung noch nichü allzugrvßen Erwartungen hingeben.

Gewiß wird cs bei siegreichem Ausgange des Krieges eine wichtige Mfgabe für uns sein, auch die militärische Bundes­genossenschaft mit Bulgarien und der Türkei wirt­schaftlich auszubauen, ganz besonders in Kleinasien und Mesopo­tamien die Erzeugung für uns so wichtiger Güter wie Getreide, Baumwolle und Wolle, sowie Petroleum möglichst zu fördern. Aber die Erfahrung, daß der alte SatzGut Ding will Welle haben", im Morgenlande doppelt und dreifach gllt, wird auch durch den Krieg nicht umgesdoßen werden. Ter Weg Antwerpen- Bagdad darf also nicht der einzige bleiben; Deutschland muß sich den-Wog über die Nordsee neu erobern, cs darf nicht daran denken, den Kamps un: den Weltmarkt irgendwie aufzugeben. Dentscst land «muß den Kamps init den: ersten Tage wieder ausnehmen, au welchem der erste deittsche Handeksdampfer den heimische:: Hasen verläßt. Im Hinblick aus dieses Ziel mutz eine kluge und wert auss (bauende Jost- und Handelspolitik nach wie vor die denkbar beste Pflege den überseeischen Beziehungen angedechen lassen, deven Nvtnnckigksit in der überzeugendsten W^je bereits in erner Denkschrift des ReickMrarineamtS ans dem Jahre 1914 trenend Ausdruck gegeben wird. In dieser Beziehung kann uns England vorbildlich fern. Nicht die starke Flotte allein hat England groß gemacht, sondern eine we-itschauende großZügrge Wirtschaftspottttk, eine praktische ylnwendung und Erprobung des alten Erfahrungs- schtzesder Handel folgt dem Kapitale" im größten Stile. L^irch Investierung großer KkprtaKsn in überseeischen L«chern hat Eng­land es stets verstanden, sich den maßgebenden Einfluß aus dre Absatzgebiete z-u verschaffen. Es könnte daher auch für den deutsä-en Handel nichts gefährlicher und verderblicher sein, als unser Kapftal aus überseeischen Unternehmungen zurückzuz-iehen. Ern beständiges und inniges Zusammenarbeiten des deutsche n G ro ß- kapitals mit dem Exporthandel muß bre Forderung des Tages bilden. Eures der vielversprechendsten MerseeMen Absatzgebiete, auf dem sich deutsches Kapftal ersvlgrerch bettürgen kann, ist das chinesische Reich. Tie Wiedergeburt des alten chine­sischen Reiches im Geiste unserer Zeit wird die Handelsverhaltmsie der gnzen Welt beeians lassen, und an uns wird es sein, zu ent- sckvchei:, wie weit wir daraus Vorteil ziehen wollen, mid) über Stambul und Bagdad tzchrt der Weg nach Peking. ,Em neues und zukunftsreiches Feld wirtschaftlicher Betätigung bretet ferner Persien. Es hat sich ja im Laufe der Zert gezeigt, datz Persreü aus eigener Kraft nicht in der Lage ist. die vorhandenen Ertrags­quellen zur Entfaltung m bringen.

So liegt nach denr Gesagten zu erner triiben Beurterlunsi d^ kürrftigeu Eirtwickelung unsere* WclthcurdclsinteMkerr kern lvrmro vor. Nur das eine muß als Bedingung gefordert lverven, daß das Deutsche Reich sich kraftvoller als s.ert^ her hinter den deutschen Kaufmann ber ferner Betätigung auf dem Weltmarkt stellt. Iftrsere drplo^ matische und konsularisch)« Vertretung im Auslände muß mehr vom kaufmännischen Geiste drrrchdrungen sein. Es rst werter unvedurgr erforderlich:, den anderen Völkern Aufklärung über uns zu ver­schaffen, ihnen ein richtiges Blld unserer Bestrebungen zu geben, sie das deutsche Wesen verstehen und deutsche Kultur schätzen zu lehren. Zu diesem Zwecke muß nach dem Frieden erne ßtofr* zügige Bearbeitung des internationalen dtachrrchterrdrenstes und Beeinflussung der Presse des Auslandes, die unsere Ferndc uns zum Schaden schon seit Jahrzehnten betriebe:: haben, euu- setzen. Und der deutschen Handelsschiffahrt muß smlretz- lich diejenige Sicherheit gegeben werden, deren fte beda^ wenn sie auch nach dem Kriege in der Enttoickelung fortschretteü soll, welche sie während der letzten Jahrzehnte so glänzend voll­führte. Und diese Sicherung, ohne welche sich das Kaprtal von der Schiffahrt abrvenden ivürde, ist e i n e st a r k e Kr i e g s f l v t t e.

Mit der Förderung unseres Außenhandels mutz aber erne Erstarkung unseres inneren Marktes gehen. Und da muß die. erste Forderung lauten, daß der rnUmdrfche Martt dem freien Wettbewerb des Auslandes nia# sofort nach dem Frieden frei gegeben wird, solange lverbe noch nicht in der Lage ist, ihn selbst zu decken. Da Deutschiano bei Kriegselll>e ein rohstoffarmes La:ch sein wrw, so wüsten Sck-utzmaßregeln so lange getroffen werden, bis dre deutfche vsnou- strie im Besitze derjenigen Rohstoffe ist welche cs rhr ermöglichen, zunächst die Bedürfnisse des inländischen Marktes zn befrrttngen und auch den Wettbeiverb mit dem Ausland wieder aufzuneynren. Eine dauernde Stärkung des inneren Marktes wird aber erst ge­währleistet durch eine weitaus schauende Verkehrspvlitik. Dre Er­fahr mrgen des Krieges dränge:: mit geradezu gebieterrsaiier Not­wendigkeit zu einer grundlegenden Aenderung nicht :rur unserer Eisenbahn- sond>ern auchunserer Wasserstraßen- Politik. Tie Zusammenfassung aller Verkehrsftagen unter einem einheitlichen Wille::, Schaffung eines R e i ch s v e r k e h r s m r n r- steriums, dem die Eisenbahnen und Wasserstratzen unterstehen, muß die Forderung sein, lvelche loir als Lehre aus diesem Kriege mit tu den Frieden hin übernehmen muffen. Und nun noch ern Letztes: Soll unsere Handelspolitik und Verkehrspolrttk vvn vollem Erfolge gekrönt sein, dann müsse:: wir es lernen, noch d e u t f che r zu denken und zu handeln als seither, denn daran haben nur es in der Vergangenheit oft genug fehlen laffen.

In lausten Friedensjahren haben wir uns, so schloß der Rwrier, weil wir allezeft den Frieden wolltm, ruhig, doch bel>arrlrch ge­rüstet zum Kriege. So wollen wir uns jetzt mit gleichem Erfer und derselben Zuversicht rüsten für den ehrenvollen Frreden. In ihm auch für des Vaterlandes Wirtschaft festzuhalterr, was gut und groß war aus vergangenen Tagen und damit fest und dauernd zu veveinen, was immer au erhebenden inneren Werten uns neu beschiedeir ward im Sturm und Wetter der gewaltigen Zeit, das dünkt uns echte und rechteDeutsche Arb erst.

Am Schlüsse dankte Professor Krausmüller im Namen er beiden Vereine dem Redner für seine klaren 'und feffelnden Lusftchrungen.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M. Viehhofm arktbericht vom 23. März, llustrieb: Rinder 135 (darunter Ochsen 32, Bullen 3, Kühe und Färsen 100), Kälber 213. Schafe 54, Schweine 0.

Marktverlaus: Kälber und Schale werden ber lebhaften:

Handel schnell abgesetzt.

Kälber.

feinste Mastkälber ...... .

Mittlere Mast- und beste Saugkälber Geringere Mast- und gute Saugkälber

Äeringe Saugkälber.

Schafe.

Weidemaslschafe.

Mastlämmer und jüngere Masthammel

Preise für 100 Psd Lebend- Schlacht gewicht.

Mk. 135138 130135 120-125 113-118

Mk.

225 -230 217225 204-212 192-200

192-00 200-00