Rr. 12 Zweiter Blatt
Erschein,-tMch nn, Ausnahme des Sonntag».
Die „«iezener SamMenblStter" werden dem «Anzeiger- viermal wöchentlich b-igelegt das „llreirdtat, fßr den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Di- „Landwlrtschaftitchen Seit,
(tagen'* erscheinen monatlich zweimal.
\ 66 . Jahrgang
GeneM-Anzeiger für Gberheffen
§amrtag, 25. März
Rotationsdruck und Vertag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul- straße?. Geschäftsstelle u.Verlaq:S-UA51,Schrift. Leitung: d-^112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
hessische Zweite Kammer.
Präsident Köhler eröffnet^ie^Sifelnq uni SutSlIjT* 2 ü 3 berat Werst die Regiernngsvorlaqe. bArefseud ^ öic Anstclüing her Volksschullehrer.
•■«•ftonf I)at »5 b! l fEr Vorlage die Gesichtspunkte auf- KsfE' ^ Dauer des Krieges die A«.
ollsschukilchrcr erfolgen soll mw ersucht die Kammer Wellung ihrer Zustimmung dazu.
tM* P P & hattet mündlichen Bericht darüber.
Dre Regierung hatte zu Beginn des Krieges den Beschluß gefaßt
*?* vorerst nicht lvieder endgültig
L besetzen Durch! drese Maßnahme wurden die im .Heeresdienst Kunden Lehrer benachteiligt, und die Vorlage bezweckt dÄe Nachteile zu beserttgen. Es soll eine Regelung in der Weise erfolgen, daß dre Schulverwalter zwar ans eine beftimmtc Stelle
s. r r —; o ,i,u ^ ""I fiuc ufinnimic ^teuc
aefegt, haltei aber Vorbehalten wird, daß diese Anstellung auf E Böm le Stelle nur der Gehaltsverrechnung .veg'u Lfolgt und der ,o angestellte Lehrer nach Friedensschluß sich um die ^on rhnr erwünschte freigewordene Stelle bewerben kann
^spricht kurz die Gesichtspunkte der Bcn-- ^^erung für diese Regelung der Sache und bittet, me Vorlage nt der retzigen Form cmznnehmen.
Ausschuß hat gleichfalls die unveränderte Annahme der Widmsprnch tmqt imÖ ' bü * &au * beschließt demgemäß ohne Es erfolgt darnach- die
* - ,, „.Beratung des Finanzgcsetzcs.
^«T.'^t^ 11 beantragt hierzu folgende Entschließung: w r r? 1 "? 1 ' wolle die Regierung unter voller Billigung der Schluß ausfuhrungen der Denkschrift des .Herrn Präsidenten Ftnanzministertums zu dem Hauptvoranschlag ersuchen, im ^unDesrat Stellung zu nehmen gegen jede weitere Jnansprnchl- nahme der Einkommen- und Vermögenssteuer für das Reich. als einer schweren Schädigung der finanziellen Verhältnisse der ständigtaf"* 11110 '^ Ten wirtschaftlichen imb politischen Selb-
^ 1 des Finanzgesetzes wird dann bestimmt, daß das
Gesetz vom 1^. August 1899_ über die allgemeine Einkommen-, fteuer dahin geändert wird, daß die Einkommensteuer um 12 Proz Und dre Vermögenssteuer um 5 Pfennig für je 1000 Mark erhöbt wrr,.-. ^.te drei untersten Klassen der Ernkommensteuerpflichtigen zweiter .lbtetlung bletbeii von der Stenererhöhnng frei. Den folgenden .Artikeln des Finanzgksetzes, die nur die üblichen formellen Besttmmungen eiithalten, hat der Ausschuß noch folgenden Art. 6 beigefugt:
,.Ob Und inwieweit die Mittel zur Deckung des Teiles eines etwaigen Fehlbetrags, der aus den Krieg zurückzuführen ist, aus r.en vorhandenen Fonds oder auf Anleihe zu nehmen fiitb, ist erforderlichen Falles durch besonderes Gesetz zu regeln."
/e r der Aussprache hierüber bemerkt zunächst Abg. Reh (frs. Bp.): Der Finanzausschuß habe sich nach Möglichkeit be- mnht, den Voranschlag zu verbessern und den Fehlbetrag niedriger zu gestalten, sowohl durch die Erhöhung verschiedener Einnahlne- posten, wie durch- Verkürzuug der Ausgaben. In Betreff der Steucrerhohung hätten sich im Ausschuß grundsätzliche Bedenken ergeben: er scn dafür, daß die Steuerkräftigen mehr belastet und ore Einkommen bis 2300 Mark mehr entlastet würden, wie das oer Antrag Henrich bezwecke. Tjie gegeri die Ausfüllung dieses Antrages erhobenen Bedenken km nie er nicht verstehen; man habe r»och auch m Preußen hieriii ein Vorbild. Der Redner begrürrdet und enipsiehlt darauf zur Annahnie folgende Entschließung: w /'2ie^Regierung wolle nach Beendigung des Krieges eine Revision der Einkommensteuergesetzgebung in der Richtung einer sozialen Ausgestaltung und einer Verstärkung der Progression zugleich mit der Freilassung der unteren Steuerklassen' in die Wege lettcTk."
.?bg., Tr. Osann legt als Vorsitzender des Finanzausschusses die Beschlüsse desselben und die vorstehende Entschließung
‘W der Reichssteuenr naher bar. Der Finanzausschuß hält £5° ^prozcutige Steuererhohmig für völüa ausreichend. In vem Antrag Henrich auf Einführung einer jdriegssteuer könne er M dessen allgemeine Tendenz und seinen materiellen Inhalt billigen. Es entpsehle sich aber, die spätere Neuordnung der Steuer- gesetze abzuwarten, die doch nach dem lirieg einsetzen und sich mög- ttwst an das preußische Vorgehen anschsießen ioerde. Er könne in der Ablehnmig d^.Antrags Henrich keine Schwäche der Zroeiten Kammer erblicken. Die Annahme des Antrags sei schoir deshalb nicht zu errncheii, iveil sowohl die Erste Kammer, ivie auch die megierung Widerspruch dagegen erheben würden, llnb man könne poch ui der letzigen Zeit nickst einen Konflikt über Stenerfragen inszenieren wolle,!. Ter Redner erklärt zum Schluß, der Ausschuß habe die Steuererhöhung auf ein nuiglichst geringes Maß beschrankt und er bitte, den Ausschußbeschlüssen zuzustimmen.
Abg. Molthan (Zentr.) bezeichnet es als bemerkenswert, daß die verbündeten Regierungen sich auf den Standpunkt stellen, daß ein Eingreifen des Reiches in die direkten Steuern abzulehnen wi, wahrend die Sozialdemokratie immer wieder mit diesem Ge- danten hervortritt. Redner erklärt nantens seiner politischen oreunde, daß sie jedem Eingriffsversuch in das direkte Stcucr- Mblet den schärfsten Widerspruch entgegensetzen würden. In den Ausschußverhandlungen mit den Vertretern der Ersten Kammer habe der Antrag .Henrich sowohl, wie die Erhöhung der Vermögenssteuer eine direkte Ablehimng erfahren und die Herausbeschwörung emes Konflikts mußte aus jeden Fall vermieden werden. Gegen die von freisinniger Seite beantragte Entschließung hätten seine Politischen Freunde nichts einzuwenden.
m ^9- ~ T - Weber (Bbd.) ist der Meinung, daß bezüglich der Vermögenssteuer m der jetzigeil Kriegszeit ihre eigentliche Grundlage völlig verändert worden sei. Eine Abänderung der Grund- best immrnigen, nameutlich in der Ricbtung des Ertragsivertes, sei daher unvermeidlich. Dem Antrag Reh könne seine Partei nicht zusttmmen.
Abg. Henrich (-fr. Vp.) ist der Meinung, daß die Zweite Kammer durch ihr Zurückweichen von der Ersten Kammer in der rz-rage seines Antrags ihre Position schwächen werde. Er halte es auch noch gar Nicht für ausgeschlossen, ob nicht die Erste Kammer schließlich doch auf seinen Antrag eingegangen wäre; nian hätte es doch mal auf die Probe ankommen lassen sollen. Ter Redner- begründet dann ebenfalls die vom Abg. Reh behandelte Entschließung.
Abg. Ulrich (sozd.) ist der Ansicht, es werde dem Reichs- schatzsekretär ans die Tauer doch nicht möglich sein, vor einem weiteren Eingriff in die direkten Stenern der Bundesstaaten zurückzuschrecken. Ter vom Abg. Tr. Weber verlangten Abänderung der Grundlage der Vermögenssteuer könne er nicht znstimmen. Rach seiner Meinung hätte sich die Kammer wohl auch mit einer 10prozentigen Erhöhung beider Steuerarten einverstanden erklärt Tie vorgeschlagene freisinnige Entschließung sei eigentlich eine Resignation.
Rach einer Panse verliest Präsident Köhler folgenden neuen Antrag des Finanzausschusses:
„Großh. Regierung wird ersucht, nach Beendigung des Krieges eine Revision des Einkommensteuergesetzes in der Aticksl- tung einer sozialen ^Ausgestaltung, nainentlich durch gesetzlichen Ausbau des KiNderprivilegs und einer Verstärkung der Progression zugleich uiiter Entlastung der unteren Einkommen- stenerklassen in die Wege zu leiten.
Abg. Reh (Fr. Vp.) gibt seiner Freicde Wer die Einigkeit der Zweiter! Kammer Ausdruck, wie sie in der soeben verlesenen Entschließung znm Ausdruck komme. Er ziehe darnach seine Entschließung wieder zurück.
Ulri ch (Soz.) erklärt, daß er für die Ausschußent- schliesning sei und ebenfalls seinen Antrag zurückziehe.
Präsident Tr. Becker gibt seiner Freude über den Beschluß des rvinanzausschusses, der ebenfalls jeden Eingriff in die direkten Steuern zurücrweisen will, Ausdruck. Wenn ein solcher erfolgte, würden die Knltnraufgaben der Einzelstaaten schwer leiden müssen. ! Tre Großh. Regierung werde sich jetzt mit der 12°/o-Erhöhung der I
Einkomnienfteuer einverstanden erklären, das Finanzgesetz aber nur unter Ausschluß des Zusatzes 6 des Finanzausschnsies. Er bezweifle nicht, daß auch mit der Ersten Kammer ebenso glatt, wie mit diesem Hause, eine Verstärrdigung erreicht werden wird.
Bei der Abstimmung wird der Abschnitt iiber die Verhindernng weiterer Eingriffe des Reiches in die direkten Steuern gegen die Stimmen der Freisinnigen und der Sozialdemokraten angenomrnen/ die Annahme der 'Artikel 1—5 erfolgt ^einstimmig, der Zusatzantrag 6 wird gegen eine größere Minderheit abgelehnt.
Abg. Ulrich (Soz.) gibt darauf die Erklärung ab, daß seine Partei sich infolge der geänderten Halttmg der Regierung seiner Partei gegenüber entschlossen habe, fmr das Finanzgesetz zu st im men.
Das Finanzgesetz wird darnach auch im ganzen einstimmig au genommen.
Zu der zurückgestellten Abstimmung über Kap. *73 in Betreff der Anstellung eines Staatskommissars für die landwirtschaftliche! Zentralkassc der hessischen Genossenschaften berichtet Äbg. Dr. Weber und begründet einen neuen Ausschußantrag, der auch ohne Aussprache vom Hause angenommen wird. Der Antrag lautet:
In Kap. 23 wird folgender Nachtrag eingefügt: Die Stelle eines Staatskommissars bei der Zentralkasse der Hess, landw. Genossenschaften wird nachträglich in Kapitel 93 als eines weiteren Hilfsarbeiters im Ministerium des Innern eingefügt und der in Kapitel 73 I vorgesehene Betrag ist von der Zentralkasse zurückzuerheben.
Beim Kapitel 12, Direkte Stemern usw., bringt Abg. Damm (Fr. Vp.) eine Beschwerde über eine Steu^erveranlagungz in Friedberg vor.
^ Abg. Calman (Ratl.) spricht den Wunsch aus, daß bei -Steuerveranlagungen eine größere Berücksichtigung für im Kriege verminderte Einkommen Platz greisen möge, und nicht einfach der Durchschnittsertrag der letzten drei Jahre.
Das Kapitel wird darnach in der Ausschußfassung angenom^ men, ebenso der Verwaltungsvoranschlag der Zweiten Kammer für das Rechnungsjahr 1916.
Damit ist die Beratung des S t aa t s tz or an s chla g s beendet.
. Zum Schluß der Sitzung nimmt noch Präsident Dr. Becker das Wort zu einer
Mitteilung üb er die neue Kriegsanleihe.
Rach dem vorläufig lermittelten Ergebnis beträgt die Summe für dre Kriegsanleihe
- in Hessen 190-200 Millionen Mark.
-1-ic dntte Anleihe ergab die^ Sumure von 205 Millionen. Es ist aifo jetzt zwar nicht ganz so viel gezeichnet worden, wie bei der dritten, aber das Ergebnis ist ein glänzendes und hocherfreu- L,Ebs, wmn man bedenkt, daß bei der zweiten ^Kriegsanleihe nur 161 Millionen und bei der ersten nur 66 Millionen in .Hessen gezeichnet wurden. Es wurde also jetzt das dreifache aufgeb r acht g e gen ü b e r der ersten Kriegsanleihe. Das Ergebnis stellt Nicht nur der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, sondern auch der großen Opserfteudigkeit ein glänzendes Zeugnis! aus und wir hoffen, daß diese auch uvch bei einer eventtEtzij suuften oder sechsten .Kriegsanleihe nicht erlahmen wird. (Lebhafter Bet, all nn ganzen -Hause.)
Damit ist die Sitzung geschlossen.
Nächste Sitzung: Donnerstag, vormittags 10 Uhr.
Gretzeirer Staditbeatepi
Auch a/s Liebesgabe im Felde begehstl
Om Feldpostbrief portofrei.)
Der Fremde.
: J ' Ein Schelmenspie! von Fritz LicnHardt.
^ i Fritzchen.
Drama von Her m ann S n d ermann.
Hockenjos.
Eine Lügenkomödie von Jako b W a s s e r m a n n.
Ein lehrreicher Mend fürwahr. In drei Vertretern ein Stück -Literaturgeschichte, das den Vorzug hat, noch, der Gegenwart an- -zngehören und daher nicht allzu großen Anspruch darauf machen 'to™, aus unserer Bühne Raum zu finden. Wäre der letzte Einatter bewußter gewählt gewesen, hätte man statt des neuroßlanti- schen Erzählers Wassermann einen neuromantischen Dramatiker zu Worte kommen lassen, so könnte inan an den drei Stücken die ganze Entwicklung des deutschen Dramas seit den achtziger Jahren darlegen, ivegn auch nicht an typischen Vertretern, so doch an viel lehrreicheren Uebergangserscheinnngen. L i e n h a r d t, als der bewußte Fortbilder des idealistischen Leidenschaftsdramas trotz ^Naturalismus zu einem Neu-Jdealismus, der gerade jetzt, als positivste Erscheinung unserer Literatur stark an Boden gewinnt. Sudermann, als zweifelhafter Vertreter des Naturalismus, von dem er als starker Theatraliker ivohl die Bühnenmitlel übernommen hat, während er die Sprache des Leidenschaftsdrarnas beibehielt. Wassermann (als Erzählers, ein feiner Vertreter der Neu- Romantik, jener fruchtbareren Seitenlinie des Symbolismus, der zuerst als Reaktion gegen die kalte Leere des Naturalismus einsetzte, und nur die Welt des Ich, die rein subjetttve Auffassung der Welt gelten ließ. ES ist schade, das dies in Hockenj-os nur be^ dingt zum Ausdruck konnnen konnte.
Ter Fremde von Lienhardt ist das Mittelstück einer Eulen spiegeltrilogie, deren erstes Stück „Eulenspiegels Ausfahrt" und deren letztes „Enlenspiegels Heimkehr" heißt. Auch hier hat Lienhardt wie im Münchhausen eine Volkstünckiche Gestalt idealisiert und vertieft. Er hat in beiden Fällen die Tragödie eines Menschen gezeigt, der im alltäglichen Leben nicht Raum findet mit), da er feine Mitwelt nicht anders packen, nichts Großes aus ihr erschaffen kann, sich in ein Traumland flüchtet oder ihr Narr wird, um seine Peitsche über ihr zu schwingen. Es ist gesagt worden, die ganze Trilogie könne auch, den Titel „Das verhinderte Genie" tragen. Ties trifft den Kernpunkt von Lienl)ardts Eulenspiegel-! gcstalt und dieses, sckn lvahrstes Wesen offenbart er, ivenn cr dem Wirtstöchterlein gegenüber von seinem unbändigen Stolze und seiner Menschenverachtung spricht. Sein Spiel trerbt er mit dem Wirt und den Schankgästen. Dann findet er in der stolzen Tochter des Wirtes, die sich den spießerischen Freiern verweigert, dw ebenbürtige, stolze Seele, den Menschen, zu dem er hinauf- sehen möchte wie zu einen! Berge, statt mit Verachtung aus ihn h^abzublicken. Ta fällt sein Posserlspiel von ihm ab, und wenn er als übermütiger Narr die Wette eingegangen, Kunigunde werde H^lse liegen, so löst er jetzt in tiefinnerlicher Vtenschlichkeit das Mädchen aus der Verhaltenheit ihres Stolzes zu aufrechter Große. Und da er selbst bekennen muß: „Ich Hab euer Wesen lieb, linc mich selbst", schwingt er sich ans zu bitterem Verzicht. „Soll sie Frau Närrrn heißen?" Sie aber schlingt die Arme uin seinen Hals, lvilt ihn znrückhalten: Eulenspiegel hat seine Wette gewonnen, ohne ihrer noch zu gedenken Er läßt sich aber nicht hal- M6 or befiehlt sie ihren! kindlicherl Freier. Hans iin Glück, art:, '©ü tac ^ * u öe f uer Königin, Junge! Sei lvenigstens ihr getreuer der,hu ihr König nicht sein tannft" , und reißt siH hin
weg von der seltenen Stunde, nur ungebunden frei hinfahren zu können, wie der Wind auf der Heide.
Eine seltsame Stunde, das Erkennen und Vvrübergehen zweier Menschen hat Lienhardt mit wundersamem Gehalte gefüllt und zu wirklichem dramattschem Leben erweckt. Der Fremde ist wohl das stärkste dranratische Werk Lienhardts überhaupt.
^ Sicher wirkte dieser starke, echt dramatische, nicht wie bei -Ludermann esfektdramatische Gehalt bestimmend ans die Darstellung ein, die zur einheitlichsten Leistung des ganzen Abends wurde. Ferdinand Steinbofer gab den Fremden. In der Gesamtanlage hatte er den Wesenszwiespalt Enlenspiegels richtig erfaßt. Wo er seine Maske abivirft, wirkte er unverfälscht echt.
Tie Pose des Narren blieb jedoch bei ihm öfter in der Pos« stecken. Dieser zweiten Natur des Helden fehlte die Leichtigkeit des Narrenspiels, der tragische Untergrund schimmerte zu stark durch. Martha Schild brachte den herben Stolz, die abweisende Verschlossenheit und das überquellende Hinstürzeu des Gefühls zu dem einen, großen, starken, der ihr ebenmäßig, überzeugend zuni Ausdruck. Wilhelm .Hellmuth schuf wiederum einen prachtvollen Wirt und auch die übrigen Rollen, Walter S t r o in als der kindliche Freier, sowie Albert Stettner und Earl Delion als Schreiber tnid Schneider, waren gut besetzt. Für eine gutgeleitete Regie sorgte Direktor Hermann Steingoetter.
Fritzchen von Sudennann ist ebenfalls das mittlere und beste Stück einer Trilogie „Morituri", deren andere Teste „Teja" und „Das eivig Männliche" kaum mehr gegeben werden. Fritzchen ist ein Offiziersdrama in dem, wie vielfach bei Andermann der Ehrbegriff eine entscheidende Rolle spielt. Fritzchen, der als junger Leutnant eine Verivandte hieiraten wollte, ist von seinem Vater erst an's Erleben vertviesen worden. Dabei gerat er iir einen peinlichen Ehrenhandel, der ihm als anständigen Mensck-en nur die eine Möglichkeit läßt, im Duell zu fallen. Der als Kalastrophen- drania behandelte Einakter gibt nur Frätzchens Besuch bei semen Eltern, der ein Abschied fürs Leben ist. Eine Aussprache mit seinem Vater läßt den größten Teil seiner Schuld aus diesen übergehen. Den Rest sühnt Fritzchen ausrecht und gefaßt mit seinem Tode. Sudeinnann hat in äußerst geschcktem Ausbau sich der stärksten Wirkungen versichert und saßt uns west n>eniger pathetisch und mehr menschlich als sonst. Gut gesehene Gestalten, die auch in den Nebenrollen mit Sorgfalt behandelt sind, machen Fritzchen wertvoller als seine theaterwirksaineren Stücke. Auch daß er hier an der kränkelnden Miutter den mit peststicher Gewißheit vorauszuahnenden SchlaMnfall diesmal an uns von'ibergehen läßt, muß ihm um so höher angerechnet werden, als es ihn sicher Selbstbeherrschung gekostet hat.
Die Spielleitting hatte ftir Fritzchen Walter Dworkowski, der auch den Rittergutsbesitzer und Major a. D. von Drosse spielte. Sein sSpiel hielt sich ans einer maßvoll beherrschten Linie, die ruhig und sicher im' Verlaufe der dramatischen Entwicklung ihren Aufstieg nahm. Ferdinand S t e i n h o f e r traf sehr sicher die nervöse Hast, das Sichgehenlassen des Todgeweihten und das Sichzusammenreißen des Mr Sühne Sckweitenden. Martha Schild sagte in ihrem stummen Spiel vortrefffich alles das, was ihr vom Dichter zu sagen verwehrt war, und Auguste Frenzel gab geschickt die kränkelnde, in Ahnungslosigkeit erhaltene Mittler.
In dLebenrollen wirkten mit: Walter Strom als korrekter Leutnant, Albert Stettner und Herntann Stichel.
.Hockenjos von Wassermann bringt die oft wiederkehrende Fabel vom Totgesagten in eine äußerst groteske Fassung. Der Md^ix Mse ss-rL MlÄMsMiÄLL M Lp imnb mm . -
er das
n^./^nmann em, Kitschdenkmal fertiggestellt, wobei ^ Unalucf hatte, daß dreier Ehrenmann sich nach seinem Tode als Lump entpuppte. Um seinen Ladenhüter loszuwerden, beredet er den ordensgierigen Bürgermeister einer kleinen Stadt einem früher dort ansässigen Maler Hockenjos, der gleichfalls etwas beleibt war und entcit Vollbart trug, dieses Denkmal zu setzen ^.§ENl 0 s. em Prachtlimip, den ina,l zu Lebzeiten nfft seiner Kunst
[ l f B ' aus den malaiischen Inseln nt ..tcTifd)emre|firnin<]?it verschwunden sein. Unglücklicherweise 'ebrt Hockrnioö. eu, Qurrkavf, wie cr nun einmal ist. am iaw l' finr
Vaterstadt zurück und ift
Citngfntaiufimr durchaus nicht einverstanden. In einer aeschick'cii Szenenrerhe tmrd d,e,er drastische Konflikt ansgesponnln bis d7r SSÄlte «ersteht eine Anleihe auszunehmni, dam"
usten kann. Während sich .Ho
lassen muß enthMt^seinem ewigen Ruhme sein Denkmal. lemenr
lödie wurde seh 1 -.-—a.»uns!ungen des B
Kudott G o l ^.ausgezeichnet. Wilhelm He ’nYu t iTÖ
Lwckenios nach' Amerika »erdusfen'Lnn^UäS sich^ckenjos ^^L!.°«1.der Buhne den Bart -?scheerm
5 . in diel er Lügenkomödie wurde sehr ffott und 6>Tir
Die komnchen »ec*iDcifluitopn kJ kJZZ, - [cI,r ^ Rudolf Goll ausgez
lvar kernig Walther D w o r k v lo s k i inth (vmd t
anerkennenswert, wenn anckll der letztere ^
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derer Rollen hinüberglitt. Walter S tr o tn ol.*- n *■ 7
"ud Hermann Stichel warm gut am Platze ^ert e t t n e r
bv>es. daß auch wertvoll«, moderne des Publikums nicht ver-
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mancnersstz'Ä^?^- N. dessen neuem Ruhm als Modestadt dame^dl^tün c$, xc Gliederpuppe" ist eine.Wnfettions-
Z i^rltner Dichter die Möglichkeit des Aufstiegs zur tragische Konflikt entsteht, als dev
baufhpff m< r' Tf/ [ nner ^' rau ' iTt bent lttvßen Konftkttons- oenut „Seele" die 'neue Direktrice ist, zum zroeiten Male errchentt, um 1 eurer Frau zu der bcvorstelrenden Uraufführung sei- l] c - „Die Gliederpuppe"" ein Kleid zu kaufcu. Efttsctzt
?fOrelst dw Heldin des Sttickes. daß das Drama ihres „Gönners" me» Episode bchändelt, die sie selbst zum Mittelpunkt seines Stuckes werden läßt . . . Der Akt im Damenkonfcltionspalast gab Gelegenheit zu einer pompösen, unterhaltsamen Modesclwn, mic uoerhaiipt dieser Aufzug ein einigerrnaßen beroegtes Bild bietet. Dre Wiedergabe der Neuheit war von Direktor N ei mann selr-r umsichtig und mit Geschmack, der sich vor allem bei der Mode- schon betätigen konnte, vorbereitet. Frl. Tillmanu spielte di^ „Gliederpuppe"" entzückend, schlicht und herzlich. ÖJvak Jnnr als Konkektionshaus-Chef vorzüglich.


