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03/03/1916 Zweites Blatt
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Nr. 53

Zweites Blatt

166. Jahrgang

Erscheint ISgüch mit Ausnahme des Sonntags.

DieGiehener FamMenbtttter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ..«relrdlatt für den Ureir Sichen" zwennai wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Sett- fragen'' erscheinen monatlich zweimal.

General-Anzeiger für Gderhessen

Srettog, 5 . März 19)6

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchev Universitäls - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schrlltleitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle u.Verlag:^sK51,Schrift» leitung: «^112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Die vierte Ariegzanleihe.

Seit Kttegsbeginn wendet sich die Reichsfinanzverwaltung in regelmäßigen Zeitabschnitten an das gesamte Volk, an die Groß­kapitalisten und kleinen Sparer, an die Großindustrie und die Handwerker, an alle Erwerbe- und Berufs kr eise, um sich immer neue Mittel zur Wehrhaftmachung des Vaterlandes und zur Fort­führung des Krieges bis znm siegreichen Ende zu holen. Das ist eine Bekundung der allgemeinen Wehr Hastigkeit, deren Inanspruch­nahme ebenso selbstverständlich ist wie ihre Befolgung. Darüber herrscht im Deutschen Reich kein Zweifel. Niemand, der mit offenen Blicken die tveltgeschichtlichen Ereignisse an sich vorüber ziehen sieht, ist in Unkeimttris über die Bedeutung des Geldes bei biefeit Geschehnissen. Gr weiß, Laß der Krieg nicht nur Geld kostet, sondern auch immer teurer wird. Heute muß Deutschland täglich fast das Doppelte der Summe auftvenden, die es in Len Anfängen des gewaltigen »Ringens um seine Existenz ausgegeben hat. llnd daß die Aufbringung dieses notwendigen Aufwands nicht versage, ist eine der wesentlichen Vorbedingungen des Sieges. Die Feinde verkünden den Zusammenbruch der deutschen Finanzen. Wir aber lverden ihüen beweisen, daß die Stützen ungebrochen sind und daß die Kraft des Volkes uner- schöpfbar ist.

Im Zeichen unbedingter Gewißh.it des militärischen Sieges der Zentralmächte erscheint die vierte deutsche Kriegsanleihe.

Das ist die beste Vorbedingung des Erfolges. Und die Aus­stattung der neuen Schuldverschreibungen ist wieder ein Beweis dafür, Laß das Deutsche Reich >sür das, was es fordert, die ent­sprechende. Gegenleistung zu bieten gewillt ist. Die vierte Kriegs­anleihe steUt der deutschen Finanztechnik insofern ein glänzendes Zeugnis aus, als sic die e r st e Abweichung von de m fünfprozentigen Kr i e g s z in s f u ß bringt. Es erschien zweckmäßig, den Versuch mit der Einführung eine? neuen An­leihetyps zu nmchen: und so entschloß sich die Reichsfinanzverwal- tung, neben der f ü n f p r o z e n t i g e n R e i ch s a n l c i h e wieder Reichsschatzanweisungen zur Wahl zu stellen, diesmal aber vier ein halbprozentige. Damit ist, was die Ver­zinsung betrifft, eine neue Art von Schuldverschreibungen in die Reihe der deutschen Reichs- und Staatsanleihen cingcführt, während die Art selbst bekannt und beliebt ist. Die beiden ersten Kriegs­anleihen litten gleichfalls Schatzanwcisungeu gebracht. Das erste Mal im festen Bettag von 1 Milliarde, auf die 1340 Millionen gezeichnet wurden: das zweite Mal, unbegrenzt, mir einem Zcich nungsergebnis von 775 Millionen. Bei der dritten Anleihe ivurde das Doppelangebot unterbrochen, um jetzt wieder anfgenommen zu werden. Die Reichsschatzanweisung ist ein allgemein beliebtes Papier, Las immer wieder seine Abnehmer findet. Und der Aus­gabekurs von 95 Prozent bietet bei der Rückzahlung zu 100 Pro­zent einen sicheren Kursgewinn von 5 Prozent. Das ist ein Reiz, der nicht unterschätzt werden.wird. Die reine Verzinsung des 4Vzproz«:tigen Papiers beträgt 4,74 Prozent. Dazu ist aber der Berlosungsgewinn zu rechnen, der zum erstenmal am 1. Juli 1923 fällig wird. An diesem Tage beginnt die jährliche Rück­zahlung der Schatzanweisungen zum Nennwert, nachdem die Aus­losung jewellig ein halbes Jahr vorher ftattgefunden har. Die Stücke, die zum ersten Rückzahlungstermin an die Reihe kommen, bringen also, nach rund 7 Jahr«:, einen Kursgewinn von 5 Pro­zent. Aufs Jahr berechnet: 0,71 Prozent, um die sich die jähr­liche Verzinsung von 4,74 auf 5,45 Prozent erhöht. Bei der Rückzahlung nach 8 Jahren (1. Juli 1924- sind es 5,36 Prozent, nach 9 Jahren (1. Juli 1925) 5,29, nach 10 Jahren (1. Juli 1926) 5,24 und selbst nach 16 Jahren (1. Juli 1932), im letzten Jahre der Auslosung, nod) 5,05 Prozent. Die 4^/°prozcntigen Reichs- schatzanweisungen gehen also während der ganzen Dauer ihrer Gültigkeit mit ihren: Zinsertrag nicht unter 5 Prozent. Die letzte Rückzahllmg findet am 1 Juli 1932 statt. Wichtig ist, daß ein besonderes Entgegenkommen für die vor­zeitig ausgeloften Stücke besteht. Die Schatzanweisungen, die vor dem 2. Januar 1932 ausgelost werde::, können in eine vlerein- halbprozenlige Schuldverschreibung ikmgetanscht lverden, die nn - kündbar ist bis zum Endtermin der Verlosungszeit, den 1. Juli 1932. Statt der Barzahlung kann ein solcher Umtausch gewählt werden, der den großen Vorteil bietet, daß der Besitzer des Pa­piers möglichst l a n g e im Genuß einer viereinhalb­prozentigen Verzinsung bleibt, während es Nicht sicher ist,

ob nicht in der Zeit bis znnr 1. Juli 1932 der allgemeine Zins­fuß wieder aus 4 Prozent zurückgegangeu ist.

Die fünfprozentige Neichsanleihe wird diesmal zu 98,50 Prozent angeboten.

Die Ermäßigung des Preises um ein halbes Prozent gegen­über dem Ausgabekurs der dritten Anleihe ist geschehen, um den Zeichnern einen Ausgleich für die um ein halbes Jahr kürzere Geltungsdauer der neuen Reichsanleihe zu bieten. Während die dritte Anleihe noch ans 9 Jahre unkündbar war, ist bei der vierten Ausgabetag Ziel des 1. Oktobers 1924 nur noch 8 l / 2 Jahre ent­fernt. So wird den Zeichnern für den verhältnismäßig geringen Zeitverlust ttn ansehnlicher Vorteil in der Verbilligung des Erwerbspreises geboten. Dabei sei wieder darauf hingewiesen, daß der Termin des 1. Oktober 1924 nur die Uv kündbar- keit der Schuldverschreibungen durch das Reich fest­setzt. Das Reich muß also'bis dahin die fünf Prozent Zinsen zahlen und muß, werm es sie voll dem geirannten Tage an nicht weitergewähren will, die Anleihe und zwar zum Nennwert zurückzahlen. Natürlich bleibt es ihm aber unbenommen, sie unter den alten Bedingungen über den 1. Oktober 1924 hinaus fort- bestehen zu lassen. Auch ist von neuem darauf zu, achten, daß die Unkündbarkeit der Anleihe, die einzig und allein einen Vorteil für den Zeichner darstellt, mit der Verwertbarkeit der Stücke nichts zu tun hat. Sie können jederzeit, wie jedes andere Wert­papier, durch Verkauf oder Verpfändung zu Geld gemacht lverden. Die neue fünfprozentige Reichsanleihe bietet, bei dem Preis von 98,50 und dem Tilgungsgewinn von 1,50 Prozent eine Ver­zinsung von 5,07 plus 0,17 gleich 5,24 Prozent. Ein solcher Ertrag von einem Anlagepavier ersten Ranges, dessen Sicherheit durch die Macht und das Vermögen des Deutschen Reiches ga­rantiert tvird, setzt bei dem Käufer keinerlei Opfer voraus. Nach 19 Kriegsmonateu ist das Reich imstande, Schuldverschreibungen anzubieten, die ebenso würdige Zeugnisse seines Kredits wie vor­teilhafte Kapitalsanlagen sind. Von einer Begrenzung der An- leibebcträge wurde, nach den guten Erfolgen der drei erst«: An­leihen, sowohl für die Rttchsanleihe wie für die Schatzanwcisnngen wiederum abgesehen. Immerhin könnte, bei sehr großem Zeich­nungsergebnis, die Reichsfinanzverwaltung sich möglicherweise ge­nötigt sehen, den Betrag der Schatzanweisungen zu begrenzen. Allen denen, die mit iltz-er ganzen Zeichnung an der Anleihe be­teiligt lverden wollen, sei dahier empfohlen, sich bei der Zeichnung auf Reichsschatzanweisungen, wie dies auf dem grünen Zeich­nungsschein vorgesehen ist, damit einverstanden zu erllären, daß ihnen eventuell auch Reichsanleihe zngeteilt wird.

Die Bedingungen für den Zeichner sind mit den bekannten Bequemlichkeiten ausgestattet.

Tie Dauer der Zeichnungen, erstreckt sich wieder über einen Zeitraum von beinahe drei Wochen, und die Zahl der Zeichnungs- stellen ist so groß, daß sie alle Wünsche und Wege umfaßt. Auch die Post nimntt wieder Anmeldungen an allen Schaltern ent­gegen, dock ist darauf zu achten, daß bei der Post V o l l z a h l u n g bis zum 18. April zu leisten ist, und daß nur Reichsanlei^, nicht auch Schatzanweisungen, bei der Post gezeichnet werden kann. Die Stückelung der fünfprozentigen Reichsanlcihe und der Reichsschatzanweisungen ist wiedermn auf die k l e i n st e n S p a r e r zugeschnitten, und die Einzahlungen, auch für den kleinsten Betrag von 100 Vkrrk, sind so verteilt, daß die sofortige Bereitschaft baren Geldes nicht nötig ist. Vom 31. Marz an könne:: die zugeteilten Bettäge voll bezahlt rverden. Wer das nicht will, kann seine Einzahlungen an vier Terminen, vom 18. April bis 20. Juli, leisten. Teilzahlungen werden nur in Bettägen für Nennwerte, die durch 100 teilbar sind, angenommen. Wer 100 Mark zeichnet, braucht erst am 20. Juli zu zahlen. Für die Zeit zwischen dem Zahlungstage und dem Beginn deS Zinfenlanfes (1. Juli 1916) werden dem Zeichner S t ü ck z^i n s e n vergiitet, und zlvar auf die Reichsanleihe 5, auf die Schatzanweisungen 4Vs Prozent. Wer Vollzahlung am 31. März leistet, bekommt die Stückzinsen auf 90 Tage, bei Zahlungen am 18. April auf 72 Tage, am 24. Mai auf 36 Tage. Diese Zwischenzinsen haben die BtReutung, daß der in bleuer Kriegsanleihe angelegte Betrag von dem Augenblick an Zins«: ttägt, in dem er eingezahlt worden ist. Sowohl auf die Reichsanleihe als auf die Reichsschatzanwei sungen werden die am 1. Obai 1916 fälligen 80 Millionen Mark 4 proz. Schatzanweisungcn des Reiches in Zahlung genommen, und

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zwar so, daß dem Besitzer 4 Prozent Zinsen vom Verrechnungs- tage bis zum Fälligkeitstage in Abzug gebracht werden. Er tritt dafür schon vom Verrechnnngstage, statt vom 1. Mai, an in den Genuß der 5- oder 4V2vroz. Verzinsung. Unter normalen Umstän­den bekäme er das Geld für die 4 proz. Schatzanweisungen erst am 1.- M ai^könnte also mit dem Gelde, das er für sie erhält, erst von diesem Tage ab Kriegsanleihe bezahlen. Dieser Schwierigkeit lvird er durch den Umtausch enthoben. Auch die im Laufe befindlichen unverzinslichen Schatzscheine des Reichs werden in Zahlung ge­nommen.

Große Vorteile bietet die Eintragung der gezeichneten Reichs- auleihe-Bettäge ins R e i ch s s ch u l d b u ch. (Die Schatzamoeisun- gen können nicht eingetragen lverden.) Die Zeichnungen sind um 20 Pfennige für je 1.00 Mark billiger als die gewöhnlichen Stücke. Zudem gewinnt der Besitzer eines solchen Guthabens die Befreiung von jeglicher Sorge um die sichere Verwahrung und Verwaltung seines in Kriegsanleihe angelegten Vermögens und n.m die Einkassierung der Zinsen. Den Zeichnern von Stücke:', der Anleih' und von Schatzamoeisungen bietet die Reichsbank den Vorteil kostenfreier A u f b e w a h r u n g und Verwal­tung bis zum 1. Oktober 1917. Bis zum gleichen Termin ist auch die kostenfreie Aufbewahrung und Verwaltung der Stücke der früheren Kriegsanleihen verlängert worden.

Alles in allem genomMeu, bietet die viette Kriegsanlckhe dem deutschen Volke wieder so viele Vorteile, daß einen: jeden, auch unter den: Gesichtspunkte seines persönlichen Interesses, zur Zeich­nung nur zugeratcn werden kann. Es ist deshalb abermals ein c^rotjer Erfolg mit voller Bestftmnthttt zu erwarte::.

va§ neue CabWeuergesetz.

Berlin, 2. März. (WB.) DieNorddeutsche Allg-e- meine Zeitung" veröffentlicht den Entwurf eines Gesetzes über die Erhöhung der Tabakabg-aben und verweist in einer beigegebcnen Begründung darauf, daß die Besteue­rung dieses entbehrlichen Genußmittels im Vergleich mit dein Auslande in Deutschland wesentlich geringer ist. Der Entwurf will eine Vermehrung der Einnahmen erreichen durch eine Erhöhung der bestehenden Abgaben auf Rvh- t a b a l, Ta b a k e r z e u g n i f s e , sowie bntdr Erhebrrug eines Kriegsaufschlages zur Zigarettensteuer.

'Mit der vorgeschlageneu Bemessung der Zoll- und Steuersätze für Rohtaöal soll zur Förderung des heimischen Tabarbaues der Zollschun für inländischen Tabak verstärkt werden, da dieser bisher nicht genügte^ Die (Erfahrungen des Krieges drängen ebenfalls auf eine tunlichste Begünstigung der heimischen Rohstofferz-eugung. Der vorgeschlagenen Be­günstigung des inländischen Tabaks kommt der Massenver­brauch von billigeren Zigarren und billigem Rauchtabak zu­gute. Eine unerschwingliche Preiserhöchnig und eine dauernde Schädigung des Tabatgewerbes wird nach der AusführHtng von Sachverständigen durch die Aögabenerhvhimg nicht ern- treten. Es lverden fernerhin wohlfeile Zigarre:: heryestellt lverden und die Fabrikation der für die westfälischen Betriebe wichtigen 10-Pfg . Zigarren Mts rein überseeischen Tabaken wird nröglich sein. Der billig'e Rauchtabak erfährt :rur eine mäßige Mehrbelastung. Die .Kairdabakherstellung ist durch Belasfung des bisherüxen Zollsatzes für TabaLaugen begünstigt. Die vorgeschlagene Abgabenerhöhung nimmt auf den Tabatgenuß der minderbemittelten Bevölkerung gebüh- renb Rucks icht und dürfte deshalb einen größerenVerbrauchs- rückgang und eine Bermindemmg der 2lrbeitsgelegenheil nicht verursachen. Was den crws der Zigarette herauszu­holenden Mehrbettag anlangt, so ersckDeint eine Erhöhung der geltenden Zigarettensteuersatze und auch die Einführung eines Z i g a r e t t e n m o n o p o l s in der Kriegszeit u n « tunlich. Die Einführung eines besonderen .Kriegsauffchla- ges, der noch de:: Vorteil einer leichten klar erkeuntlichsn Abwälzung der Mehrbelastung bietet, tvird auch von der Mehrheit des Zigarettengewerbes einer bloßen Erhöhung der bestehenden Steuersätze vorgezogen. Entsprechend diesen Wünschen soll eine N a ch v e r z o l l un g und N a chver-

Auttft und wiskcttfchaft.

Berliner Theaterbrief: ReinhardsM a c- b e t h" - I n s z e n^ier n n g. Aus Berlin wird uns gesckrieben? In dem Zykli^ 'Shakespearescher Wecke, der die Griuwlage der großen Jnfzenierungserfolge Mcrx Reinhards bc: cShHtif und Publi­kum bildet, fehlte b:sl>er die Macbeth-Tragödie, die zu gestalten seit Jahren am Deutschen Theater in Berlin Absicht rvar. Daß dies nunmehr mitten im Kriege gelang, und zwar init so starkem einheitlichem Erfolge, wie die Erstaufführung am Tiei:stag es erwies, mag als der beste und schönste Beweis für die mwev- minderte Kraft der deutschen Theatettuust gelten, die durch den Krieg keinen Abbruch erlitt. Von den: märchenlzafttn, in legendäre, svutteichc Bilder Pracht getauchten Rhythmus der Sl>alespeareschen Komödien zu strengerem, psychologisch-differn^iertevem Ernst über­gehend, schuf Reinhardts instinktiv den Wcse::Skern erfassende Kunst mit kann: fühlbares Mitteln den Rahmen und die Atmosphäre des Macbeth-Schicksals. So ist dieser Macbeth weder ttiegerisch s Königsdrama mit waffenklirrercken Szenen und lieroisckiel: Ver- wandlungen, noch ein Theatersttick mit Mord, Blut und aiwercn! Effekten, sonder:: die Tragödie von Mensche::, die trotz des historischen Rankenwerkes ausführlich klingender Nainen, trötz höfi­scher Bildhastigieit und äußerlich lebhafter Haiwlungsfabel Mensche:: sind, deren Seelen bloß liegen unter Prunk und dem Ring der Geschehnisse, nackte, schmucklose, bis in die innerste Tiefe durchleuchtete Seele::. Aber auch in dieser Auffassung ging Rein­hardt nicht zu weit. Man n:achte nicht - wie dies, in verschiedenen allzubeivußt modernen Inszenierungen hier und dott geschah aus den Gebildeten Shakespeares peinlichst differenzierte Gestalten Jbsenscher Färbung. Ueber die Ncenschen, über Herz und Sinn deS einzelnen wurde ein Höheres, lln;xrcisbarcS, Mystisches gestellt, ein Unfaßbares, das inan Macht des Schicksals nennt. Was Shakespeare durch die Einfügimg der Hcpenszenen als den on'- borgenen Schlüssel se::ws WilleriS erkennen ließ, lmrrde oon Rein­hardt lückenlos erfaßt; das Schicksal tauchte aus dem stilisierten Rahmen der Bühne einpvr, und erst was so in den: Taten gezeigt worden war, verivandelte sich in das zweite innerliche Drama rein menschlichen Empfindens. Tie Beschränkung des Dekorativen auf Ausschnitte nnd Ausblicke zwischen nwglichst einfach gehaltenen Formen und Linien, die äußerst geich'ckt und in oiesein Fall als das einzig Richtige angebrachte Dreiieiluug der Bühne, die es ge­stattet, die einzelne:::stalte.i: losgelöst aus deiu Dunkel erscl>einen und verschwinde:: zu lasse:: wie der Dichter es wünscht, die Ver­dunkelung der Bühne u:w ^4clenästung des Mienenspiels der Haupt­figur im jelveilig ins Wesenslose zurücktreteiwei: Ra:un all dies ließ 'den geistigen Inhalt des Macbeth-Drainas ein Eigenes wer­den, eine doppelte Einheit von Schicksal und Röeirschentnn:, eine) unlösbare Vermischirng des Menschlichen mit Uebermenschlichem, des l)Kschickes mit der Tat, und der Tat mit der seelischen Reaktion. So find in dieser DluMhrimg Macbeth und die Lady weder gut noch

schlecht, weder stark woch schwach an sich: das in dem Reigen der .Hexen symbolisiette Sckücksal treibt sie zi: dem, :oas sich als Tat äußett und als die Qual des Gewissens seinen geistigv'n Abschluß findet. Reinhardts Verdienst ist es, die Büh:^nverwirNichung des Macbeth in eine visionäre Höhe. gesteigert zu haben, die von: Geiste Shakespeares er stillt ist. Tie Darstellung war Mittel zur Erfüllm:g dieser Msichten. Mittet im best«: Sinne. Paul W e - g cners Macbeth ist svoll mystischer Kraft und erfaibener Schwäche eines bis zarm^ Letzten^ durch den Gang seines Lebens zerrüttetem Gemüts. Großattig ist das Visionäre zu Beginn und der innere Zusam:nenbr::ch beim Niederglrng dieses Sästcksals. Tie mächtigste ich au spielen>e Leistung des Abe::ds war die Lady Macbeth der Hermine Körner, eigcwvillig inanchmal, stets aber auf großer Linie, am :nte::sivsten in der Nachtivandlerszcne. Bon den übrigen, die alle Shakespeare spielten, seien der scharf gezeichnete Banguo Emil I a n n i:: g s und der Macduff Brrmo De c a r l i s besonders genannt. Der Erfolg war mrßervrdentlich. B.

Der neue PariserPalast der Presse". Einer großzügigen Propaganda für den Krieg dient der soebe:: in Patts eröffnctePalast der Presse" in den Chaml>s Elysöes. Es ist ein fünfstöckiges Haus, in dessen ciittelnen Stockwerken sich M tcilungen für Diplomatie, Militär, Propaganda, Pl-otographie, Strategie u^d Kiuematographie befinden. DiesesGroße Haupt guartier der Pariser Presse" stellt das Biudeglied zwischen den: französische:: Kttegsmimsderium und den Zeittmgen einerseits so­nne zwischen der Front und den Zeitungen aickerersttts her. Die ganze gewaltige Organisation des französisckien Zeittmgswcsens erhält hier eine Zentralstelle. In der Mtttlnng für Diplomatie verhandeln Jounralistei: mit Diplomaten und "?ll>geordneten: in der Abtellung für Militär geben Mitglieder des Kriegsministe- riunis und Generalstabes den Zeitungsleuten die nötigen Jnfm'- mationen. Dergeographisckie Dienst der Armee", dem die offi­ziellen Kriegsphotographrn angehören, stellt sein nngek^ures Ma­terial an Aufnahmen der Presse zur Verfügung. In der Kino- abtcilung kann man die an'uesten Filnrs von der Front sehen, nnd besonders tverdtw auch die Vertreter der neutralen Presse zu diesen Vorstlhrungen ttngeladen. llebcrall häiuxen Karten, uiib statistische Darstellungen veranschaulichen die schwierigen Fragen der >tzri^hswirtschast. Die W'an:ten diesesPressepalastes" sind alle Journalisten und zugleich Soldaten. Sic dürfen lln-e Uni­form weiter trag«:, sind abre znm Dienst an dieser von der Regierung eingerichteten Stelle von der Verwendmrg an der Front befreit. Der Pressepalast steht nicht nur in ständiger Beziehung mit dem Kricgsministettum und dem Große:: Hauptgllartier, son­dern er unterhält auch durch-läufige Eittsendung seinerOffizier- Journalisten" e:rge Beziehungei: zu de:' Presse der Alliierte:: und der neutralen Lände:'.

- Kri cgsnn terricht in den Londoner Schulen. Ter llttzlich im Hause der Lords erhvberre Vorwurf, die Londoner Gememdeschnlen venurttriten den Küidern feit geringe Kenntnisse

über ben Weltkrieg, veranlaßt die Loickoner Preffe zac intereffanteu! Mitteilungen über die Sorgfalt, mit der die Heranwachsende Eng- ländergeneration über Grund und Verlauf des gegenwattigeui Ringens terrichtet'd. In den meist«: Schulen' werden die' Ereignisse des vorbergel^nde:: Tages der: Kindern ans groß«r Karten erklärt und von Zeit zu Zeit Aufsätze abgeiordett, um das Verständnis de:- Kinder zu prüfen und möglicherweise zu ver­tiefen. Tie Geschichissttlnden u»erde:l der Geschichte des Ktteges nnd der Darstellung der enwpäisch«: Lage nninittelbar vor Ai:s- bruck des Krieges gewidmet, im Erdk:ntdeunterttck« wird über st^atnr und Bevölkerung der ell^el:ren Kttegsfchauplätze der Gegen­wart irnd Zukunft gesprochen, nnd selbst die Gesangsstturden stehen im Zeichen des Krieges: lverden sie doch dazu benutzt, die Volks­hymnen Englands und seiner Verbündeten einziüiben. Danrit nicht genug, werden in manchen Sclnilen in r-egetwaßigen Abständen Sammlungen für Kriegsz>tvecke venrnstältet, deren Bedeirtung «r- her in den einzelnen Klassen a::seinandergefetzt wmRen ist.^ Sv konnte neulich der Rektor einer Loiw-on«' 0>stmeindeschule rinemj im Felde befind!ick-en eyeinaligen Schüler der Anstalt ttne Gcrbe senden, z:: der jedes Kind fein ^cklerflein beigestÖrcrt lwtie: in Erzbischof Tenisons Grammar School siird durch Halbv«:::yspenden 20 Pft:nd (400 Mark) zusainmeugekommen. Das Interesse, das die Kiirder dem .Kttegsunterrichte entlxegeiibttugen. soll überaus lebhaft sein, die Ki:al>en niöchten am liebsten an die Front, die Mädcl^e:: sttickeu intb schneidern und backen ft'ir die Soldaten Ob England siegen wird, wird fclbstverstarrdlich gar nicht crft er­örtert, das steht l»ei allen von vornlxnttn fest. Jltteressant ist dabei, daß, wie beteiligte Lelner erklären, .Haß gegen TeucksMand mckttgelehrt" tvird. Wie die Leitettn ein«- Rlädckenschille mit- teilte, wird den Kinden: gesagt, d«' Gni:nd des Krieges sei der derttsche MilitarisNliis, und der niüsse ..zerschmetren" werden: im übrigen n»erden die Geftihle d-er >ttndei' niM lxi'infttrßt, und so sollen diese zumeist elier Mtleid ft'ir die Deutsch":: als Haß gegen sie einpsinden.

Frankfurt a. M., 3. März. Ter hiesige B:idd«ner Jobs. Belz hat zwei Büsten des vm-storbenen Oberbürgerm.nsters A dickes geschaffen. Die eine Büste in Fvrn: öftrer Herme ist aus Eichenholz geschnttei: nick ft'ir das Oberbürgermeisterzirnnrer im Römer bestimmt. Tie zweite Büste, ans pentelischen: Marnrar M'meißclt, soll in de:' Brnballe der- Universität aM'gestellt n^rde::. Beide Werke, die von einem Frankftrtter Bürger gestiftet wurden, bringen den durchgeistigten Zug des elxmialigeu Ober'bürgernittsters zu ftischem, lebhaften: AuÄ>:i:ck.

Mainz, 3. März. Im Alter twn 66 Jahr«: vcr urrb heute früh der um das Iiittiw' Väusikleben kockwndieirte rR-h. Justizrat Dr. L u d w i g O p p e n he i m. Wertesten Kreisen wurde er dadurch bekannt, daß es ibm gelang, die KafterFriedttck Sttf- tung mit ihren bekannten Tonkünftlerfesten und Haendelfeft-cn :wch Ma::^ zu verleg«: u:ü> danrit auch der Btainzer LtzRertafel in aller Welt zu künsllerischnr Rnlnne zu verhelfen.