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10.3.1916 Erstes Blatt
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Nr. 59

Erstes Blatt

|66. Jahrgang

Der Hlrhcner Anzeiger

erscheint täglich, ander Sonntag?. - Beilagen: viermal wöchentlich

Eichener.samilienblätter;

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Jjwitag, 10. März M

BerugSvreii: monatl. 85 Pf., viertel- jährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.; durch die Post Mk.2.3S vierte!- jährl. ausschl. Bestellg. ZeilenpretS: lokallSPf^ ausw. 20 Pf. Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge­richtssaal: Fr.R.Zenz; für den Anzeigentell: H. Beck, sämtlich in Gießen.

O

MTB.) Großes Hauptquartier, 9. März. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Vielfach steigerte sich die beiderseitige Artillcrietätigkcit Zu größerer Lebhaftigkeit.

Die Franzosen haben den festlichen Teil des Grabens benn Gehöft M a r s o ns d e Champagne, in dem gestern mlt vandgranaren gekämpft wurde, wieder gewönnen.

W esst l i ch d e r M a a s sind unsere Truppen beschäftigt, dre im R a b e n w a l o e noch befindlichen Franzosenncstcr auszuräumen. O estlich des Flusses wurde zur Abkürzung der Verbindung unserer Stellung südlich des Douaumont mtt den Linien in der Woevre nach gründlicher Artillerie- uor-rreitung dasDorfund diePanzerfeste Vaux mit zahlreichen anschließenden Befestigun­gen des Gegners unter Führung des Kommandeurs der 9. Reserve-Division, Generals der Infanterie v.Guretzky- Cornitz, durch die Posenschen Reserve-Regimenter Nr. 6 und Nr. 19 in glänzendem nächtlichen Angriff ge­nommen.

*

In einer großen Zahl von Lustkämpfen in der Gegend von Verdun sind unsere Flieger Sieger gevlieben i mit Sicher-

heit sind d r e, s c i n d l i ch e FI u g z e n g e n b g c s ch o s s e -r Alle unsere Flugreuge sind zurückgekehrt, mehrere ihrer kavieren Führer verwundet. Feindliche Truppen in den Ork- 'chaften westlick) und südlich von Verdun wurden ausgiebig mit Bomben belegt.

Durch den Angriff eines französischen Ftug- zeuggeschwaders im Festungsbereich von Metz wurden zwei Zivilpersonen getötet und mehrere Privalhäuscr be- schädigl. Im Luftkanipf wurde das Flugzeug des Geschwader- fuhrers abgeschossen. Cr ist gefangen genommen, sein Be­gleiter rst tot.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Russische Vorstöße gegen unsere Vorposten-Stellungen hatten nirgends Erfolg.

*

Wie nachträglich gemeldet wird, wurden die Bahn­anlagen der.Strecke nach Minsk sowie feindliche Truppen in Mir in der Nacht vom 8. Februar von einem unserer Luftschiffe angegriffen.

Balkan-Kriegs schauvlatz.

Die Lage ist unverändert.

Oberste Heeresleitung.

* *

Wenn die Franzosen in ihren amtlichen Berichten zur Verschleierung ihrer mißlichen Lage der Oeffentlichkeit immer wieder vorzumachen suchen, die deutscheHeeresführung achte bei ihrem Borgehen um Verdun keiner Opfer, so wird dies durch die tatsächlichen Ereignisse, die sich in u n s e r e n kurzen amtlichen Berichten glänzend widerspiegelu, überzeugend widerlegt. Das Gegenteil ist der Fall! Wir gewinnen von der deutschen Taktik bei der Maasfestung allmählich ein siche­res und klares Bild. Bei ruhiger Betrachtung der GesamÜ- lage wird der Blick immer auf das Nächstliegende gerichtet, urch der Schritt zum Ziele gelingt meist durch plötzliches, über­raschendes Hervortreten aus der Deckung, wobei die Artillerie das Vorspiel zu übernehmet hat. So mußte die von deutscher Führung vorgeschriebene Gliederung der Kämpfe abwech­selnd östlich und westlich der Maas die französische Ver­teidigung fortdauernd beunruhigen. Der deutsche General­stab besitzt die Ruhe des überlegenen Ringers oder Fechters. Auf diese Weise ist der neue Sieg bei Verdun erfochten worden, den wir mit Fahnenschrnuck und Glockengeläut gestern gefeiert haben. Das Dorf und die Panzerseste Vaux nebst zahlreichen anschließenden Befestigungen des Gegners sind durch zwei posensche Reserve-Regimenter unter Führung des Generals der Infanterie v. Guretzkp-Cornitzin glän- zeirdem nächtlichen Angriff" genominen worden! Das Lob gilt also nicht nur der Führung und Oberleitung, sondern auch der Tapferkeit und dem Opfermut der Truppen. Sicherlich Abgabe schwer. Das Fort Vaux liegt, durch ein FKußbbalchen von der Feste Donaumont getrennt, auf einem Hügel, .850 Meter über dem Meeresspiegel. Unsere Kartenskizze läßt die Lage näher erkennen. Wir fahren aus dem Bericht der obersten Heeresleitung zunackpt rncht, von welcher Seite her General v. Guretzky- Eornitz seinen Angriff -gemacht hat, ob er von Nordwesten also Douarumont, oder von der Woevre-Ebene her vor­gegangen ist. Die Eroberung des Forts Vaux bringt uns die von unserer Heeresleitung erstrebte Mkürzung der Ver­buchung unserer Stellung südlich Douaumont' mit den Limen tu der Woevre. Das Fort Vaux bildete einen Vor­sprung in unseren Linien, der nun beseitigt ist. Die Folgen- wirkimgen der Besetzung von Dorf urck> Fort Vanx werden sich voraussichtlich auch! auf die angrenzenden Mschnitte ausdehnen. .Hier kommen zunächst die Stellungen südlich des Douaumont in Betracht, die wir iiun von Vaux aus flankieren. Auch caif den Abschnitt von Eix cm der Straße EtainVerdun in der Woevre-Ebene kann sich mm ein stärkerer seitlicher Druck geltend nrachen. Dem Fort zu­nächst, schon zmn inn-eren Festungsgürtel gehörig, liegt das Fort Souville, ebenfalls Mi der Straße nach Treppe.

Die Stellring der tu der Festung Belagerten wird umuer ungemütlicher. Die Möglichkeit zu Ausfällen wird mehr und mehr äbgeschnitteri, je nteh'r von dein Festunas- daume die Zweige und Aefte beseitigt werden. Der Ring der Belagerer aber wird mit jedem Tgge organischer ; die

Verteilung der Kräfte nach dem jeweiligen Bedürfnis kann schnell nrid sichet erfolgen, und wenn die letzten großen An­griffe kommen, wird es eine Machtprobe werden, der die Franzosen nicht mehr gewachsen sind. Bis dahin müssen wir uns mit Geduld wappnen und der Heeresleitung danken, daß sie die Kräfte und Leben unserer Kämpfer schont.

* * *

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 9. März. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird vcrlautbart: 9. Mürz 1916.

Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Italienischer Kriegsschauplatz.

An der Südwestfront ist Oie Gcfechtstätigkeit noch immer durch die Witterung sehr eingeschränkt. Nur im Abschnitt des C o l d i L a n a und des S a n Michele kam cs gestern zu lebhafteren Artilleriekämpfen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

Der französische Bericht.

Paris, 8. März. (Zf.) Amtliche Mitteilung vom 8. März.

Nachmittags 3 Uhr: In der Champagne in der Gegend von Les Maisons de Champagne führten nur einen Angriff aus, der uns nneder in den Besitz der vom F-eürde am 6. März er­oberten Grabenteile brachte. Im Verlauf dieser Aktion machten wir 85 Gefangene, darunter 3 Offiziere, und erbeuteten ein Ma­schinengewehr. Ein Gegenangriff des Feindes, der ein wenig! später ans die bezeichneten Prmkte unternommen wurde, wurde abgewiesen. In den Ar gönnen beschoß unsere Artillerie die Straßen der Gegend von Montfaneon, aus denen Antonwbiltrans- porte^gemeldet worden waren.

In der Gegend nördlich von Verdun meldet man keine Veränderung. Im Verlaufe der Nacht setzten die Deutschen die Beschießung unserer. Front westlich der Maas fort, ohne eine Insanterieaktion zu versuchen. Unsere Batterien antworteten, energisch aus das Feuer des Gegners in diesem Abschnitt, ebenso wie östlich der Maas, wo das Bombardement mit Unterbrechungen stattsand. In der Woevre sehr lebhafter Artillerie kämpf. Wir bombardierten Blanzöe, Grimanconrt imb die Umgegend von Fresues. Ein Angrift des Feindes auf die Eisenbahnlinie und die Straße von Manheulles wurde durch unser Sperrfeuer und unser Jnsanterieseuer gebrochen.

Abends 11 Uhr: Nördlich der Ais ne Zerstörimgsfeuer ans dre feindlichen Werke aus dem Plateau von Crnonne und nt der Umgebung von Pasly, nördlich von Soissons. In dm Ar­gon nen führten wir Konzentrationsfener aus auf deutsche Ein­richtungen der Cote Chevanchäe ünd in dem Gehölz von Chepptz.

Westlich der Maas versuchte der Feind nach inten­sivem Bombardement neuerdings im Laufe des Tages vorzurückeu. Ein mit großen Beständen gegen unsere Stellungen von Be t hin- court geführter Angriff wurde abgewiesen. Ein von uns gegen den Rabenwald geführter Gegenangriff, wo die Deutschen gestern sich hatten einrichten können, warf den Feind aus dein größten Teil dieses Gehölzes wieder heraus, von dem er nur noch den äußeren östlichen Teil besetzt hält. Auf dein rechten Maasufer wurde das Bombardement mit großer .Heftigkeit in der Gegend von D o u a u m o n t wieder ausgenommen, wo die Deutschen ohne Erfolg unsere Linien östlich des Forts anzugreifen vernichten. Durch eine Jnfcrirterieaktion gelang es dem /feinde, die Redoute von Hardauntont, die wir ihm gestern abgenommen hatten, tvioder zu besetzen. In der Woevre hielt sich der Artckleriekampf sehr lebhaft. Unsere Batterien der MaashÜhen erwiderten der deutschen Artillerie energisch.

Fin Ob er elsaß gestattete uns ein Angriff mit Hand- gronateir. eitrige Teile der von den Deutschnr aur 12. Februar bei Sept genommenen Gräben zurückzugewinncu. Eine unserer Bombardierungsgruppcn, bestehend aus 16 Flugzeugen, »oarf

101 Bomben jeden Kalibers auf die Bahnhöfe vcvk Meß lmB Sablons ab, wo /ich mehrere Züge befanden. Die Geschosse trafen gut. Ein Geschwader feindlicher Flugzeuge versuchte auf unsere Flugzeuge Jagd zu machen, die jedoch alte an ihren Aus­gangspunkt zurückkehrten, mit Ausnahme eines Flugzeriges, dass infolge Aner Panne zur Landung gezwungen war.

Völkerrechtswidrige Beharrdlung gefangener deutscher Feldwebellentnants in Frankreich.

Die französische Regierung behandelt im Gegensatz zu dev engUschen und russischen trotz erneuter Vorstellungen Deutschlands unsere krregsgefan.genen Feldwebellcutuants auch weiterhin nicht als Offiziere, sondern hält sie in Mannschaftslagern interniert, ^wses Verfahren hat die deutsche Regierung veranlaßt, die ür deutscher Gefangenschaft befindlichen, aus dem Unteroffizierstaude yervorgegangenenSous-Lieutenants" aus Ofiiz-erslagern inj Mannsmaftslager zn überführen, wo sie als Unteroffiziere behan-« delt werden. Diese Maßnahme wird erst daun rückgängig gemacht werden, wenn den kriegsgefangeurn deutschen Feldwebellercknants m Frankreich eine ihrem Offizierrange entsprechende Behandlung zuseu wird, insbesondere, wenn ihre Ueberführung in Offiziers gesangenenlager durchgeführt sein wird.

Der türkische Bericht.

Konstantinopel, 9. März. (WTB.) Amtlicher Kriegs oencht: Von den verschiedenen Fronten ist keine Nachricht ernx getropen, die eine wesentliche Veränderung meldet.

Die Kämpfe irr Ostafrika.

London, 7. März. (WTB.) Das Reutersche Bnrecm meldet aus amtlicher Quelle, daß in Ostafrika vom 17. bis 31. Januar mehrere deutsche Angriffe hei Dwenkuba, Mwele, Llbhuni und Serengati znrückgeschlagen wurden.

(Anmerkung: Bei diesen in Britisch-Ostafrika liegenden Orten haben schon inehrsach Kämpfe stattgeftruden. Äkerk- würdig berührt nur der ungewöhnliche karge Inhalt der amtlichen englischen Meldung und der Umstand, daß inan es für nötig hält, sie noch nach der am 12. Februar bei Salita, am Westrande der Serengeli, erlitteneu Schlappe bekanntzugeben.)

Bon den deutschen Kolonien.

London, 9. März. (WTB.) Unterhaus. Bonar Law stellte fest, daß 550 000 Quadratmeileu der deutschen K o l o - uicu besetzt seien. Die sich wie folgt verteilen: Südwestafrika schätzungsioeise 322 450 Quadratmeilen, Kamerum 300 000, Togo 33 700, Samoa 660, Upolu 340, Kaiser Wilhelmsland and Inseln des Stillen Ozeans 70 000, Bismarckarchipel 22 640, Karolinen-^ Palau-, Mariannen- und Marschallinseln 1000, Kiantschon 200 Quadratmeilen.

Englische Dreistigkeit.

Stockholm, 9. Mürz. (WTB.) Meldung des Telelpramm^ Byrau. Der berühmte schwedische Künstler Bruiw Lilsefv rs> meldet der schwedischen Regierung, daß drei ihm gehörende vvn ihm gemalte G e m ä l d e. die aus der sch-vedischen Kunstausstel­lung in ScntFraneisco ansgestellt worden untren, aus der Rück­kehr in Kopenhagen ausgehalten und von dort nicht ineiter bv-, fördert werden würden, wenn der Künstler nicht eine Erklärung, unterzeichne, die (Gemälde würden von Schweden nichtin irgend einer Form" nach einer mit den Alliierten kriegführenden MacÄ ansgeführt werden. Liljefors weigert sich, diese Erklärung unterzeichnen, und ersucht die Regierung um Maßnahmen, durch die er in den Besitz seines Eigentums kommt.

Auch der italieurfche Krirgdminster will zurücktretcn^

Berlin, 9. März. (Priv.-Tel.) DieB. Z. a. Mi." meldet aus Lugano: General Al f ier i ist der Zeitungd'Jtalia" zufolge zum Nachfolger des Kriege Ministers Zupekli ausersehen, der wegen eines schon längere Zeit andauernden jetzt akut gD, wordenen Konfliktes mit dein Generalstabsck-ef Cadorna zurücktrttt,