Der Seekrieg.
. Kopenhagen, 9. März. (WTB.) „Politiken" meldet aus fhrtftüfiria: Ter Dampfer „Memo na" der Aktiengesellschaft Andersen in Frederikstadt ging am 24. November nach Kristiarüa mit Kakes ab, kam aber nrcht ai:, obgleich ein späterer Dampfer derselben Firma, der mit 28. November von London abgefahren .war, bereits angekomnreit ist. Man nimmt an, daß der Dampfer mit 17 Mann Besatzung auf eine Mine gestoßen und untergegangen ist. Der Kapitän des späterst Dantpfers berichtet, daß gleichzeitig mit der „Memona" eine Reihe anderer Schiffe von London nach Norivegen abgegangen ist. Da man von keinem dieser Schiffe etwas hört, ninimt man an, daß es sich um ein großes Minenunglück handelt.
Stockholm, 9. März. (WTB.) Meldung des Svenska Telegramm-Byrau. „Degens Myheter" teilt mit, daß ein deut- sches Torpedoboot eine schwedische Brigg, mit einer Grubenholzladrmg von Malnrö nach Grimsby bestimmt, am Montag in den schwedischen Gewässern im Oeresund weggenommen habe, daß ein sctMchisches Torpedoboot aber die Freilassung veranlaßte. Eine amtliche Nachricht liegt nicht vor.
Zur Uriegserklanmg an Portugal.
Berlin, 9. März. (WTB.) Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt:
Am 23. Februar beschlagnahmte die portugiesische Regierung die in portugiesischen Häfen liegenden deutschen Schiffe. Unmittelbar nach Bekanntwerden dieses Vorganges erhielt der kaiserliche Gesandte in Lissabon Dr. Rosen den Lbustrag, gegen die Maßnahme zu protestieren und ihre Aufhebung zu verlangen. Die betreffende Note wurde gm 27. Februar der poÄugiesischen Regierung übergeben. Ungeachtet dieser Tatsache verbreitete die portugiesische Regierung in Lissabon in ihrer offiziö-sen Presse dre Nachricht, daß eine deutsche Pro te stn o t e überhaupt nicht existiere. In der portugiesischen Kongreßsitzung leugnete der Jinstiz- minister sogar offiziell das Vorhandensein einer Note ab. Eine vom kaiserlichen Gesandten verlangte Richtigstellung der Preßnotiz unterblieb. Erst am 4. März erschien der hiesige portugiesische Gesandte im Austrage seiner Regie- rung im Auswärtigen Amt, um eine Note zu übergeben, welche die deutsche Forderung ab lehnte. Eine Abschrift dieser Note wurde am selben Tage dem kaiserlichen Gesandten in Lissabon übergeben. Darauf erhielt dieser die Anweistmg, der portugiesischen Regierung die nachstehend wiedergegebene Erklärung zuzustellen. Die Uebergabe der Erklärung soll heute in Lissabon erfolgen. Eine Abschrift derselben rmrrde dem hiesigen portugiesischen Gesandten übermittelt.
Die Erklärung lautet: „Seit Kriegsbeginn hat die portugiesische Regierung durch neutralitätswidrige Handlungen die Feinde des Deutschen Reichs unterstützt. Englischen Truppen wurde in vier Füllen der Durchmarsch durch Mozambique gestattet. Die Versorgung deutscher Schiffe mit Kohlen wurde verboten. Ein neutralitätswidrig ausgedehnter Ansentlxrlt englischer Kriegsschiffe in portugiesischen Hafen wurde zugelassen und England die Benutzung D^adeiras als Flottenstützpunkt gewährt. Ter Entente wurden Geschütze und Kriegsmaterial der verschiedensten Art, Eng land überdies ein Torpedobcotszerstörer verkauft. Deutsche Kabel wurden unterbrochen. Das Archiv des kaiserlichen Vizekonfulats in Moss-amedes wurde beschlagnahmt. Expeditionen wurden nach Afrika entsandt und offen als gegen Deutschland gerichtet bezeichnet. An der Grenze von Deutsch-Südwest-Asrika und Angola wurden der deutsche Bezirksamtmann Dr. Schultze-Jena sowie zwei Offiziere und Mannschaften durch Einladung nach Nasulila gelockt, dort am 19. Oktober 1914 für verhaftet erklärt, und, als sie sich der Festnahme zu entziehen suchten, zum Dell niedergeschossen, die U eberlebenden mit Gewalt gefangen genommen. Retorsions- maßnahmen unserer Schutztrirppe folgten. Bon Deutschland abgeschnitten handelte die Schutztruppe in der durch das portugiesische Vorgehen hervorgeritsenen Annahme, daß Portugal sich mit uns im Kriegszustände befinde. Die portugiesische Regierung remonstrierte ivcgen der letzteren Vorgänge, ohne den erfteren zu erwähnen. und beantwortete unser Verlangen, uns mit unsren Kolo- nialbeHörden einen ungehinderten chiffrierten Telegrammv« kehr zwecks Aufklärung des Sachverhalts zu verschaffen, überhaupt nicht.
Während der Kriegsdauer ergingen sich, unter mehr oder weniger offen kundiger Begünstigung durch die portugiesische Regierung, Presse und P a r l a m e n t in gröblickien Beschrmpsungen des deutschen Volkes. In der Kammersitzung vom 2. November 1914 sprach der Führer der Partei der Revolutionisten in Gegenwart fremder Diplomaten sowie der portugiesischen Minister sctzvere Beleidigungen gegen Deutschland aus, ohne daß Einspruch durch den Kammerpräsident«: oder einen Minister erfolgt wäre. Ter kaiserliche Gesandte erhielt aus seine Vorstellungen nur die Antwort, daß der betreffende Passus im offiziellen Sitzungsbericht nicht enthalten sei. Wir haben gegen diese Vorgänge in jedem Einzelfalle protestiert, sowie verschiedentlich die ernstesten Vorstellungen erhob«: und die portugiesische Regierung für alle Folgen verantwortlich gemacht. Eine Remednr erfolgte jedoch nicht.
Die kaiserliche Regierung hatte gleichwohl in langmütiger Würdigung der schwierigen Lage Portugals bisher vermied«:, ern,rere Konsequenzen aus dem Verhalten der portugiesischen Regierung zu ziehen.
Am 2. Februar erfolgte auf Grund eines Dekrets vom gleichen Tage ohne vorherige Verhandlung die Beschlagnahine der deutschen Schiffe. Diese wurden militärisch besetzt und die Mannschaften von Bord geschickt. Tie Kaiserliche Regierung hat gegen diesen flagranten Rechtsbruch protestiert und die Aufhämng der Beschlagnahme der Schiffe verlangt. Die portugiesische Regierung hat das Verlangen abgelehnt und ihre Gewaltmaßregel durch Rechtsausführungen zu begcLrden versucht. Sie geht davon aus, daß unsere durch den .Krieg in den portugiesischen Häfen festgeleg- ten Schiffe infame der Festlegung nicht dem Artikel 2 des deutsch- portugiesischen Handels- und Schifsahrtsvertrages, sondern ebenso wie anderes im Lande befindliches Eigentum der unbeschränkten .Gebietshoheit und damit dem unbeschränkten Zugriff Portugals unterlägen. Weiterhin aber meint sie sich innerhalb der Grenzen dieses Artikels gehalten zu haben, da die Requisition der Schiffe einen: dringenden wirtschaftlichen Bedürfnis entspräche, auch in dem 'Beschlagnahmedekret eine später festzusetzende Entschädigung vorgesehen sei.
Diese Ausführungen erscheinen als leere Ausflüchte. Artikel 2 bezieht sich auf jede Requisition deutschen, in portugiesischem Gebiet befindlichen Eigentums, so daß dahingestellt blerben kann, ob die angebliche Festlegung der deutschen Schiffe in portugiesischen Häfen ihre Rechtslage verändert hat. Den genannten Artikel hat aber die portugiesische Regierung nach doppelter Richtung verletzt. Einmal hat sie sich bei der Requisition nicht in den vertraglichen Grenzen gehalten, da Artikel 2 Befriedigung eines staatlichen Bedürfnisses voraussetzt, während die Beschlagnahme offenbar unverhältnismäßig mehr deutsche Schiffe getroffen htt, als zur Beseitigung des Schiffsraum mangels für Portugal erforderlich war. Sodann aber macht der Artikel < die Beschlagnahmte der Schiffe von einer vorhergehend«: Vereinbarung mit den Beteiligten über die zu bewilligende Entschädigung rlchtngig, während die portugiesische Regierung nicht einmal versucht hat, sich mit den deutschen Reedereien unmittelbar oder durch Vermittlung der deutschen Regierung zu verständigen.
D»S ganze Vergehen der portugiesischen Regierung stellt sich somit als sch',» er er Rechts - und Vertragsbruch dar. Die partvgiesffche ReUverung hat durch dieses Vorgehen offen zu erkenne» gegeben, bach sie sich als Vasallen Englands, betrachtet, ber den englischen Interessen rmd Wünschen alle anderen Rücksichten unterordnet. Sie hat endlich die Beschlagnahme der Sckiiffe unter Formen votl-zs-gen, ins denen eine beabsichtigte Herausforderung Deutschlands erblickt werden muß. Die deutsche Flagge wurde auf den deutschen Schiffen
nied« geholt und die portugiesische Flagge mit Kriegswimpel gesetzt. Das TldmiralsckM schoß Salut.
Die kaiserliche Regierung sieht sich gezwungen, aus dein Verhalten der portugiesischen. Regierung die notwendigen Folgerimgen zu ziehen. Sie betrachtet sich v on j etzt ab als nrit der portugiesischen Negierung im Krregs- zustand befindlich.
Arügsdriefe aus dem westen.
Von unserm Kriegsberichterstatter.
^Unberechtigter Nachdruck, auch auszugstoeise, verboten.)
Im Kampfgebiete von Verdun.
I.
Das Schlachtgelände.
Großes Hauptquartier, den 4. März.
Bei Dun treten die Höhen, die bis dalftn vereinzelt aus der Ebene ausstiegen, in geschlossenem Zuge bis dicht^an das Ufer der MaaS heran. Diese bildet eine tiefe, sumpfige Dalrinne, die jetzt überschwemmt ist, wie alljährlich im Winter, und nun den Anblick eines stellenweise mehrere Kilonreter breiten und meileulangei: Sees mit fttMutzig-dunkelgrüner Fläche darbietet. Kaum daß an beiden Seiten Raum bleibt für die Fahrstraßen und für die Eisenbahn, der«: Damm unmittelbar aus den Fluten aufsteigt.
Folgt man der östlichen, unmittelbar ans Verdun zufrihrenben Talstraße nach Süden, so schieben sich bei jeder neuen Biegung neue Hügelketten ivie natürliche Schirmwälle vor das Festungsgebiet, Ausläufer der Cotes Lvrraines. So zerfällt das Gebiet der Front, in dem sich die Schlacht abspielt, in drei Abschnitte, das Gebiet westlich der Maas, wo die Franzosen stark gebnitden sind. In das Bergland der Cotes, uw wir in gewaltigem Anlause bis in den Fortsgürtel der Festung nach Süden vor gestoßen sind, in je eintägigem Angriffe immer eine der „Rippen" der Cotes- Ausläufer überwindend. Und daran östlich anschließend in das Woevre, die im Beginn des Krieges untb dann im Stellungskampfe mit so viel Blu,i begossene Ebene, die sich zwischen der französischen Maasseste Verdun und der deutschen Moselburg Metz ausbreitet.
Tic Ebene ist reiches Ackerland, die Jurakalkberge der Cotes ssird mit üppigem Walde bestellt, der aber, schlecht bewirtschaftet ivie die meisten ostfranzösischen Forsten, nur weitige gute Stämme ausweist, im übrigen ein schwer durchdringliches Gewirr von Unter- l>olz ist, nicht ganz so urivaldhaft unheimlich wie die Argonnen, aber bedeillend venvachsener als die Ardennen mit ihrem dürftigeren Schieferboden. Trotzdem die Talsohle der Maas hier selbst schon hoch liegt und die Gipfel die Höhe von 400 Meter kaum erreichen, scheinen sie doch bedeutend, namentlich von der Woevrc- Ebene ans. in welche die Hänge meist steil ab fallen.
Die Ortschaften, ob im Waldlande, ob auf der wohlhabenden Ackerebene, gleichen sich alle aus eiu Haar, wie sich nur lothringische Dörfer gleichen können. Nur ein Geschoß hat das Haus, die Mauern sind hell Müncht. Unter dem niedrigen, sehr breiten, roten Ziegcldache sind Wohnung, Stall und Scheune vereinigt. Tie Ziegel liegen nach dem System „Mönch und Nonne" übereinander geschichtet, wie in altrömischer Zeit, und das ganze Dorf könnte so, wie es da steht, vor 2000 Jahren erbaut sein, denn; nirgends hat sich der römische Bauernhausbau in Mitteleuropa! so starr erhalten ^wie in Lothringen. Genau so, wie sie heute drein- schauen, hat diese Dörfer Goethe gesehen, als cr diese Straße als Kriegsberichterstatter entlangfu.hr, mm Zeuge der Beschießung Verduns zu werden. Viele der Häuser stairden damals schon. Die später erbauten kann man nur daran unterscheiden, daß auf jedem Türsturz die Jahreszahl der Erbauung in pluinp erhabenen Ziffern eingemeißelt ist. Das ist aber auch ihr einziger „Schmuck".^ Wie sie von außen dürftig sind trotz ihrer oft stattlichen Größe, so sind die Häuser innen schmutzig und unbehaglich. Sehr schnrutzig. Und untraut wie die Häuserreihen sind die Kirchen, deren Mangel an Schönheit amb Erfindung bedrückt, ob man aus der Champagne mit ihren Auslläng«: von Reims und Laon, ob man aus den Ardennen mit ihren turmreichen, burgähnlich«: Kirchen oder gar aus dem schönen, heiteren Elsaß nach Lothringen stößt. Solche eintönige Nester ohne jede Eigenheit und Reiz srnd alle die Orte, die jetzt die Heeresberichte aus dein Kampfgebiete neunen. Sv sichen Vilosnes -oder Manheulles, Samogneux oder Fresnes ans. So sehen die andern aus, el-e sie die Sclftacht verschlang, Beau- inont, Brabant, Chrmpneuville, Touaumont.
II.
Am Rande der Schlacht.
Wir betreten Dörfer, die vor wenigen Tagen noch, solange hier der Stellungskrieg währte, dem ständigen Bärnrnhigungsfeuer des Feindes ausgesetzt waren Und das durch viele Löcher in Dächern und Mauern beweisen. Und doch ist selbst hier ein Teil der Einwohner zurückgeblieben, unb wenn sie über die Straße gehen, so haben sie erstaunte Augen und kömten es immer noch nicht fassen, was die Dentsclßn aus ihren Dörfern zu machen begonnen haben, während die Franzosen daran waren, sie einziv- schießen. Tie Stuben sind neu getüncht worden, die Türen und Fensterrahmen blank gestrichen und mit mancherlei Malereien versehen, mit denen sich unsere Feldgrauen die vertrieben haben. Aus dem kahlen Torsplatze sind hübsche, in Steinsetzungen gefaßte Gartenanlagen geschaffen, und in der Mitte steift ein mit dem Eisernen Kreuz verzierter Gedenkstein. Bor jedem Hause ringsum, wo Einquartierung liegt, ist ein mit einem Birkennaturholzzaun! umgebener und mit einer oft sehr hübschen Laube geschmückter Borgarten entstanden. Das alles hat man hier nie geftnrnt, und dieser Schönheitssinn, der sich im feindlichen Feuer unbekümmert entfaltet, ist dem Welsckftothringer unbegreiflich. Doch von allen Unbegreiflichkeiten die größte ist das Badehaus, was in einem ursprünglich ganz anderen Zwecken dieneirden Gebäude von einer Pionierkompagnre eingerichtet rvorden ist. Ein Badehaus, wo zu allen Stunden Leute baden, die von der Front kommen, und man immer Jauchzen und Plätschern und Lachen heraushört, als sei das nasse Wasser ein Festgeschenk — da steht der Welschlothringer vor einer fremden Welt. Der Dorsplatz heißt jetzt natürlich Kaisev-WilhelmS-Platz, zur Kirche konrmt man auf der Hinden- burgstraße, so liest man an Aufschriften. Ueberhaupt die Aufschriften, die sind ein Kapitel für sich. „Heldenkeller, Schutz gegen Fliegerbomben!" — „August, Schnellsohlcr und Haarpfleger". Sein Konkurrent nebenan aber schreibt: „Sepp, Barbier und Barbar."
Ich weiß wohl, daß ich da der Heimat nichts Neues erzähle, denn so ähnlich haben sich ja in allen Dörfern hinter der Front unsere Leute eingerichtet, und ich habe das oft genug beschrieben. Aber heute fdjeint es mir, als verdiene das alles einen besonderes zärtlichen Blick. Denn hier haben die Männer gewohnt, haben in endlosen Monaten gewartet, bis ihr Tag kam, die jetzt wie der Wirbelsturm vorgestoßen sind in das Herz der französischen Stellungen.
Was jetzt an Truchpen hier liegt, befindet sich in Ruhe und hat schvn mehrere Gescchtstage hinter sich. Die Leute sind alle sehr ermüdet, aber ihre Augen leuch>ten vor Frsude, daß es endlich nach so vielen Monaten des Stellungskrieges Vvnvärts gegangen ist. Sie wollen nun ein wenig verschuauseir, aber bann so schnell ivie möglich wieder drauf und dran an den Franzmann. „Franzmann" ist hier aus einmal wieder ein geläufiges Wort geworden, als ob das so mit dem Völkererinnern zusammcnhinge in dieser Gegend. Im Anfang des Krieges sprachen unsere Truppen zwischim Maas und Mosel vom „Franzos" ober von den „Rothosen". Jetzt nennen bie Kämpfer aller deutschen Stämme, benen ich begegnete, den Feftrd nur den „Franzmann", wie es die Väter 1870 taten. „Wir lwben den Franzmann schön versohlt." — „Als wir das Dorf Beaumont stürmten, hat uns der Franzmann kennen gelernt!" — „Unser Artilleriefener hält der Franzmann nicht ans, da verliert er die Nerven!" Und sehr fröhlich stell«: sie fest, daß der Franzmamr, der sonst pünktlich unr diese Mittagsstunde ein paar Lagen Granaten hierher zu senden Pflegte, heute ganz still bleibt. Er hat „vorne" Wichtigeres zu tun und wird von unseren Batterien andenvärts genug beschäftigt.
Es ist nicht rötlich, ftirber auf der Straße zu bleiben, da diese zi: genau von den überhöhenden Stellungen des Feindes! am anderen Maasufer emgesehen werden kamt. Aber es sind zahl-
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lose Wege in das dichte Unteelft)l>> des Waldes geschittkvu, und- Wegiveiser erlciclftern in dem Gewirr der Fahrstraßen und 'Fußpfade das Zureclftsinden. Mauchiual sieht man an den Stämmen farbige Marken, als ob .ein Gebirgsverein dem Wanderer die Reize der Gegend habe erschließen wollen. Aber dann steht eine Tafel daneben: „Rechts halten!" Ober: „Annäheruugsgrabenj benützen!" Arft allen diesen Wegen im Walde flutet cs hin und her. Fu Trupps zieheit Abteilmtgen aller Waffengattungen, um sich mtt ihren Kompagnien zu vereinigen. Andere, die nach durchgekämpften Tagen in Ruhestellrmq-en gehen, kommen ilpten entgegen, müde, auf Knüppeln, die sich sich in den Heck«: geschnitten haben, gestützt, von beit Stiefelsoh'en bis zum Helmbezug mit gelbbraunem Schlanrm getüncht, aber alle mit leuchtertden Ge-- sickftern von Sregessreude durchglüht, die einen wie _btc anderen. Es geht vorwärts! scheinen sie zu jauchzen. Und fast alle haben in die Geivchrmündung ein Tannenreis oder ein Zweiglein mit schimmernden Kätzchen oder ern Büschel Nicswurzblüten gesteckt,
als ob ein Festtag sei. Fachrkolonnen kommen und >geh«t ohne Unterlaß. Sechs schvere Pferde ziehen die Wagen durch den tief ausgefahrenen Lehm. Eine Feldbahn kreitzt den Weg. Zwei kleine Lokomotiven ziehen eine schwere Last: in Körben ruhen gewalttge Stahlgußzylinder schwerste Kaliber, die bald ihre Luftreise nach den Werken des Feindes aittreten werben. Auf beut letzten Wagen reiten ein paar übermütige junge Burschen aus den dröhnendew Ungetümen- trnd winken nrit den Feldflaschen d«t Vorüberschreitenden Grüße zu. Meldereiter aatf eiligem Roß kommen vorbei. Im Dickicht sieht man Biwaks, Fuhrparks, Batterien. Der ganze Wald wimmelt von drängendem Leben, von Männern, die alle nur den einen Gedanken Hab«:: es geht zum Sieg!
Wenn man aber bie ge'wckten Pfade verläßt und einer Höhe erstrebt, bie Umblick gewährt, bann sieht mcm niemand. Leer und verlassen sind bie Straßen bcs Feindes, die sich jenseits der Maas znftsckwn den Bergen bahinziehen. Leer und verlass«: sind unsere eigenen Straß«:, soweit man sie cinsehen kann. Alle Bewegungen verhüllt der Wald, der Wirld, den seit Monaten die Granatlagcn buvchkämmt haben, besten F-allaub mit rostenden Granatsplitterr: und grauen Schrapnellwchs'en besät ist, und der bock- noch immer dicht g«mp blieb, lim Freund und Feind zu decken. Ich kehre zurück aus einem Weg, der vorwärts führt, in das Gebiet der Schlacht hinein.
W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.
Aus dem Aeiche.
Essen, 9. März. (WTB.) Das RH-ein isch-West- sälisch e Kohlen synd ik at hat aus bk vierte Kriegsanleihe 30 Millionen Mark gegen 20 Millionen bei der dritten gezeichnet.
Aus Hessen.
Die hessischen Handelskainmern über die neuen Kriegssteuerentwürfe. ,
Die Hess. Handelskammern hielt«: am Mittwoch in Frankfurt a. Mj. eine Besprechung ab, an der auch mehrere Regierungsvertreter, darunter dar Präsident des Großherzoglich Hessischen Finanzministeriums, Staatsrat Dr. Becker, und der Vorsitzende der Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe des Miiristeriums des Innern, Ministerialrat Schliephake, teiln ahmen.
Zu den neuen Kriegsst«lerentwürfen würben einstimmig \oU gende Erklärungen abgegeben.
„Die hessischen Handelskammern sprechen sich zu dem vorliegend«: Entwurf eines Kriegsgewinnst euer gesetzes grundsätzlich zustinrmend aus, in der Erwägung, daß denjenigen, die in der K'risgszeit, bie so viel Opfer an Gut und Blut erfordert, Mehreinnahmen erzielen koirnten, eine besondere Abgabe angesonnen Word«: kann, unbeschadet der Anerkennung, bie die Leistung«: der für die Armee arbeit«:den Erwerbsßäitde verdienen. Auch mit der vorgesehenen Staffelung der Steuer erllären sie sich einverstatck)«:, warnen aber drirrgend vor einer Erhöhung oer Steuer sin! Hinblick auf die mit einer Ueberspannung, der Besteuerung verbundenen großen Gefahren für die gesamte volkswirtschaftliche Entwickelung.
Im einzelner: sprachen die Kammern ftftgmde Wünsche aus:
1. T-ie Absetzung des Kriegsgavimts von Tochtergesellschaften (8 23) sollte schon erntreten, wenn ein Zehntel statt ein Fünftel der Aktien oder Anteile sich, rm Besitz der Stammgesellschaft be- sindet.
2. Es ist ausdrücklich zu bestimmen, daß bei Entscheidung über Beseitigung vmr Härten (8 41) die Landesftnarrzbrhchche zu hören und ein Beirat aus Sachverständigen der Praxis zuzil^when ist.
3. Es ist die Bestimmung Mlszunehm«:, daß bk Kriegsgewinnsteuer bei der Feststellung des steuerpsiichtigen Einkommens für die Bundesstaatei: mrd Gemeind«: abzugssähig ist.
Fenter sprechen die Kammern die Erwärtur^ au?, daß bei der Fesffbellung des Gewinnes der gewerblichen Betriebe die Grundsätze gesunder Bilanzierung insbesondere bezüglich der Beurteilung der sogenannten sttllen Reserven volle MMhtung finden."
„Tie Handelskammern sttmmen einer höheren Belastung des Tabaks zu. Ob die vorgesckftagene Form die richtige ist, müffen sie der sack>perständigen Beurteilung der Interessenten überlassen."
,^8Zas die vorgeschlag«:en Verkehrs steuern (Quittungen, Postverkehr, EiseTÜiahnverkehr) betrifft, so sprechen gegen dieselben vom Standpunkte des Erwerbslebens große Bed«:ken. Die Kammern verschließen sich aber nickft der Mrtwenbigkeit, angesichts des großen Geldbedarfs des Reiches auch diese Steuerguellen nutzbar zu machen, nnd sehen daher, zumal sie einen Ersatz für den Ausfall vorzuschlagen nicht in der Lage sind, von einem Widerspruch gegen dieselb«: ab. Sie sprechen aber bie dringende Erwartung aus. daß nach dem Kriege eine Nachprüfung dieser Steuer:: vorgenommen ivird. Zu Einzell-eiten Stellung zu nehmen, sehen sie unter den obwalteirden Umständen ab."
Wer über das gesetzlich zulässige Matz hinaus Hafer, ^)!engkorn, Mischsrucht, worin sich Hafer befindet, oderGerste verfüttert, versündigt sich am Vaterlande!
Aus Stadt nnd Land.
Gießen, 10. März 1916.
Zeichnet Kriegsanleihe!
Von befreundeter Seite geht uns folgeitder beherzigend werte Aufruf zu:
Auch an die Bevölkerung auf dem Lande richtet sich die Mahnung: Zeichnet Kriegsanleihe. Und besonders ihr Frauen, die ihr für eure drauße:: stellenden Männer jetzt schon lange Monate hindurch Haus und Stall und Feld wartet, mit einer selbstverständlichen Pflichttreue, die euch schon jetzt warme Anerkenrmng aus dem Munde von Staatsmännern und Mgeordneten gebracht hat und euch fttr immer einen Ehrenplatz in der Geschichte dieses großen Krieges sichert, zeigt auch hier, daß ihr die Forderung der Stunde versteht, tut auch hier eure Pflicht! Geldsachen, Wertpapiere, Anleihe zeichnen: Worte, die euch meist ferner liegen, Männersache ist's, ineint ihr und kümmert euch nicht viel drrrm, wenn's nicht sein muß; es muß aber diesmal sein, und die Männer sind draußen im Felde, und so bleibt so manches gute Geld im Sparstrumpf oder vielleicht auch in der Sparkasse, wenn ihr euch nicht drum kümmert: Geld, das dem Reich jetzt gehört, um den Sieg auch der vierten Reichsanleihe sichern: zu helfen, um den Sieg draußen auf dem Schlachtfeld und auf dem Meere, um die Heimkehr eurer Männer zu be-


