Provence H".
Von der Schweizer Grenze, 2. März. (Zs. Frkf.) 'Das untorg-egangene Transportschiff „Provence II" ist -ein Scl-nelldarnpfer der Transatlantisck)en Gesellschaft, der im Jahre 1905 vom Stop-el gelassen, im Mai 1906 seine erste lieberfahrt von Le Havre nach New Jork in sechs Tagen und drei Stunden durchführte. Die „Provence" schlug damals den Rekord des Schnelldampfers „Deutschland" der Ham- burg-Amerikalinie. Die „Provence" hatte Kabinen für 400 Reisende 1. Klasse, 204 2. Klasse und 900 3. Klasse. Wie wir den jetzt ein getroffenen Pariser Zeitungen entnehmen, konnte das Schiff mit Einschluß des Personals 1960 Personen tragen. Es ist auch wahrscheinlich, daß sein ganzer Raum für den Truppentransport in Anspruch genommen wurde. Das Schiff führte als .Hilfskreuzer den Namen „Provence II", weil die französische Marine bereits einen Dreadnought rnit dem Namen „Provence" besitzt. Unter den geretteten Personen befindet sich, wie aus der amtlichen Mitteilung hervorgeht, auch der Pariser Deputierte Oban, der als Reserveoffizier des dritten Regiments der Kolonial- arm-ee dem Stabe des Generals Sarrail zugeteilt worden ist. (Frkf. Ztg.)
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London, 2. März. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds meldet aus Lowestoft: Die Besatzungen der Fischersahrzeuge „Tvevose", „Uryon", „Reliance" und „Harold" wurden gelandet. Die Schiffe sind in der Nordsee her senkt worden. Das italienische Segelschiff „Elisa" ist gleichfalls v er s e n k t worden
London, 2. Marz. (WTB.) Lloyds meldet: Der Minensucher „Au Revoir" ist von einen: deutschen Unterseeboot torpediert worden. Die Besatzung wurde gerettet. Der ru sfisch e D a nrp f e r „Alexander W e n tz e l" ist versenkt w-or- den. 18 Mann der Besatzung sind ertnmfen, 11 wurden gerettet.
Uömgm-witwe Elisabeth von Rumänien P
Königin-Witwe Elisabeth (Carmen Sylva) ist, wie aus Bukarest telegraphisch gemeldet wird, gestern vormittag gestorben.
Die „königliche Dichterin" erblickte als das älteste Kind Und die einzige Tochter des Fürsten Hermann zu Wied und seiner Gemahlin, Marie, Prinzessin von Nassau, am 29. Dezember 1843 im Schlosse zu Neuwied das Licht der Welt. Von ihren Vorfahren — die Großmutter war eine begabte Dichterin, und ihr Vater besaß eine ungewöhnlich tiefe Bildung — scheinen sich die Talente auf die Prinzessin vererbt zu haben, bie später zu so hoher Blüte gelangten. Als Kind war sie, wie sie selbst später erzählte, ungemein herrisch und voller Widerspruchsgeist, so daß der Vater die Erziehung seiner Tochter in die Hände der geduldigeren Fürstin legte, die 1850 einem Prinzen, Otto, das Leben schenkte, der kaum Zwölfjährig, 1862 nach jahrelangem Leiden starb, 1851 siedelte die Familie nach Bonn über, wo sich in ver Vinea Domini bald ein glänzender Kreis hervorragender .Künstler und Gelehrten ltnt das Fürstenpaar versammelte. Der greise Ernst Moritz Arndt, Ehr. Jos'ias Bunsen, Jakob Bernais u. a. waren häufige und gern gesehene Gäste im fürstlichen Hause. 1853 siedelte die Familie nach Paris über, wo die gelähmte Fürstin Heilung bei dem als Hypnotiseur bekannten Grafen Szapary suchte.
Fürst .Hermanns Tätigtest als Schriftsteller, der sich viel mit philosophischen und sozialen Problemen beschäftigte, belieb lrrcbtt ohne Einfluß auf baä- empfängliche Gemüt der Prinzessin. Nachdem ihre Ausbildung, bei der das Haupt- gewicht auf Sprachen, neuere und alte Aesthett? unb Malerei gelegt wurde, zum Abschluß gelangt und sie Ostern 1860 durch den Kirchenrat Diethey aus Biebrich ein gesegnet war, besuchte sie rnit ihrer Mütter die Höfe van Berlin, Stockholm, Petersburg im£> Paris. 1864 hielt Prinz Karl von Hohenzo llern, der 1866 einstimmig zum Fürsten von Rumänien gewählt wurde und der sie am Berliner Hof kennen gelernt hatte, um ihre Hand an. Nach kurzem Besinnen gab sie ihr Jawort. Am 15. Noventber 1869 fand die Vermählung statt und wenige Tage später folgte Prinzessin Elisabeth ihrem Gatten in die neue Heimat. Am 7. September 1870 schenkte sie einem Töchterchen das Leben; sie fühlte sich auf dem Höhepunkt ihres Mucks. Ihre Mutterfreude sollte ein jähes Ende finden. Im April 1874 starb die kleine Prinzessin, deren Dvd ihr „die Nacht auf Erden" schuf.
Ms Dichterin hat sie eine fast unübersehbare Zahl von Werken geschrieben. Ohne daß sie zu einer ltterarischen Größe wurde, finden sich in der Vers- und Prosadichtupg der Königin doch recht beachtenswerte Schriften. Am weitaus stärksten zeigte sie sich auf dem lyrischen Gebiet. Von den vielen Gedichtsammlungen seien erwähnt: „Leidens Erden- gang", „Aus Carmen Sylvias Königreich", „Lieder aus dem Drmbowitzcv-Dale". Dramatische Versuche sind „Frauenmut", „Meister Manole". An ihren zahlreichen Romanen war ihre Freundin, Frau Mite Kremnitz, die Gattin eines in Bukarest ansässigen Oberstabsarztes und Tochter des berühmten Berliner Chirurgen Bardeleben, ihre treue Mitarbeiterin. Die Romane und Novellen erschienen unter dem Pseudonym von „Dito und Indern".
Die Königin erkrankte vor einer Woche an einer Erkaltung, die sie zwang, das Bett zu hüten, und die sich rasch zu einer Lungenentzündung entwickelte.
Aus dem Reiche.
Berlin, 2. März. Die Landwirtschaftliche Zentral-Darlehnskasse für Deutschland zu Berlin, die Zentral-Geldausgleichstelle der Raiffeisen scheu Genossenschaftsorganisation, hat auf die vierte Kriegsanleihe für sich und die ihr angeschlossenenKreditgenosien- schaften vorläufig 30 Millionen Mark gezeichnet. An den bisherigen .Kriegsanleihen ist sie für sich und ihre Genossenschaften mit 140 Millionen Mark beteiligt.
Berlin, 2. März. (Priv.-Tel.) Das „Berl. Tagebl." meldet aus Danzig: Der K a i s e r ließ der Witwe !Wilhelmine Schmalz, geb. Rasch, in Danzig-Brösen anläßlich ihres 100. Geburtstages ein Gnadengeschenk von 300 Mark zugleich mit einem Handschreiben überreichen.
Berlin, 2. März. (WTB. Amtlich.) In Ergänzung der bisherigen scharfen Bestimmungen gegen jene Kartoffek- erzeuger, die es auf eine Enteignung ankommen lassen, hat der Bundesrat beschlossen, daß bei der Enteignung von Kartoffeln der nach der: bestehenden Gesetzesvorschriften festzusetzende Uebernahmepreis um 30 Mark für die Tonne zu kürzen sei.
Stuttgart, 2. Mär. (Priv.-Tel.) Nach! einer Verfügung des Ministeriums des Innern werden mit Wirkung vom 9. März 1916 ab zur Regelung des Verbrauchs von Butter Buttermarken ein geführt. Bezugsberechtigt sind diejenigen Personen, die zum Bezug von Mehl- und Brot- huVsA ^-chtigt sind. Jeder hat 'Anspruch aus monatlich bk 5Um von je 125 Gramm Butter
Ans Hessen.
rb. D a r nt stadt, 2. März. Die Finanzausschüsse beider Ständekammern traten heute vormittag zunächst leder für sich zu Beratungen über den Staatsvoranschlag zusammen und hielten dann am Nachmittag eine gemeinsame Sitzung ab, die um Y24 Uhr begann und sich bis abetrds l / 2 9 Uhr ausdehnte. Jur Finanzausschuß der Ersten Kammer wurden unter Borsitz des Grafen Erbach-Fürstenau der Voranschlag im allgemeinen und die bei der Etatsberatung des Ausschusses Zweiter Kammer gefaßten Abänderimgsbeschlüsse im besonderen erörtert. Im Finanzausschuß der Zweiten Kammer wurde die Sitzung hauptsächlich mit der Verlesung der von den verschiedenen Aus- ichußbcwichterstattern abgefaßten Berichte ausgefüllt.
Tie gemeinschaftliche Sitzung der beiden Finanzausschüsse am Nachmittag wurde in Gegenwart der Regierungsvertreter abge- halten, für welche die drei Minister, Staatsrat Süffert und eine grötzere Anzahl weiterer Rcgierungsbeamten erschienen waren. L.:e Vertreter^ der Ersten Kammer erklärten sich zunächst mit den vom Ausschuß der Zweiten Kammer beschlossenen Abstrichen im Gesamtbettag von etwa 700 000 Mark einverstanden und auch die Regierung erhob keinen Widerspruch dagegen. Ferner wurden von den Vertretern . der Erpen _ Kammer noch _ verschiedene weitere Borschläge zu Ersparnissen und Verbesserungen des Staatsvvranschlags gemacht, wie z. B. zur Erzielung größerer Einnahmen für Nutz- und Brennholz aus beit staatlichen Forsten, lieber diese Vorschläge entspannen sich lange Erötterungen, die zu keinem endgültigen Ergebnis führten. Dagegen war man in beiden Ausschüssen darin emig, dcy; die .drei untersten Steuerstufen von jeder steuerlichen Mehrbelastung fteigelassen werden müßten. Ter Satz von 15 Prozent als Erhöhung für die Staatseinkonrmensteuer wurde besonders von mehreren Mitgliedern der Ersten Kammer als zu hoch bezeichnet und die Notwendigkeit eitter weiteren Herabsetzung, wenigstens auf 12 Prozent, verlangt. Endgültige Beschlüsse wurdet: jedoch noch nicht gefaßt. — Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer wird am nächsten Dienstag wieder zusammentretckn und sich mit den verschiedenen neuen Vorschlägen näher beschäftigen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 3. März 1916.
* v Amtliche Personal Nachrichten. Am 11. Febr. d. I. wurde der Lokomotivführer in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Heinrich Müller zu Bischofsheim aus sein Nachsuchen vom 1. März 1916 an in den Ruhestand versetzt.
** Personalnachrichten der Ober-Poftdirek- tion in Darmstadt. Verliehen wurde das Eiserne Kreuz 2. Klasse dem Etapven-Telegravhensekretär G ö tz in Darmstadt und dem Feldwebelleutnant Telegraphenassistent Schuld 1 in Gießen; die hessische Tapserkeitsmedaille dem Feldwebelleutnant Postassistent K a d e l und dem Gefreiten d. R. Postassiftent B u n g in Mainz; das hessische Allgemeine Ehrenzeichen für Krrtgsverdienst am Kriegsbande dem Feld - Oberpostsekretär Schmidt in Bensheinr rmd den Feldpostsekretüren L a n t e l m e in Mainz und Sauer in Oppenheim. Angenommen wurden als Postanwärter Vizefeldwebel Wolf in Mainz; als Telegraphengehilfin Kath. Kel ler in Darmstadt. Etatsmäßig angestellt wurde Telegraphengehilfin Lynker in Friedberg (Hessen). Freiwillig ausgeschieden ist Telegraphengehilfin Berwig in Darmstadt. Gestorben sind Ober-Telegraphen.sekretär Ackermann in Worms, Postsekretär Beck und Ober-Postassistent Krell in Darmstadt.
** Zei chn u n gen auf die vierte deutsche Kriegs- an le i he werden vom 4. bis 22. März auch bei allen Post- an st alten entgegen genommen. Tie Zeichnungsbedingungen mit dem Zeichnungsschein, in den nur der gewünschte Betrag und die Unterschrift einzurücken sind, sind <rm Postschalter und bei den Bestellern erhältlich.
** Ergeb nis der Sammlung für die deutschen Gefangenen in Rußland. Wie schon mitgeteilt wurde, hat die im Oktober v. I. auf Veranlassung des Hessischen Landesvereins vom Roten Kreuz abaehaltene Sammlung für die deutschen Gefangenen in Mißland ein sehr erfreuliches Ergebnis gehübt. Es gingen im ganzen 148 506.57 Mk. ein, darunter aus dem Kreise Gießen allein 23678.12 Mk. Hiervon wurden 1650 Liebesgaben Pakete mit einem Kostenaufwand von 52 952.36 Mark angeschafft und alsbald zur Berseudung an die in russischer Gefangenschaft befindlichen Deutschen gebracht. Ferner wurde ein Beitrag von 6000 Mk. an das Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz in Berlin hur Beschaffung von Weihnachtsgaben für die deutschen Gefangenen in Frankreich urid ein Beitrag von 10000 Mark an den Ausschuß für deutsche Kriegsgefangene in Frankfurt a. M. zur Förderung der Zwecke desselben (Ver- mißtenermittelung und Unterstützung von deutschen Kriegsgefangenen!) abgefiihrt. Nach Abzug weiterer Ausgaben für Druck und Jnseratkosten usw. verblieb noch ein Ueber- schuß von 79185.49 Mk. Von diesem Ueberschuß sollen rund 25 000 Mk. in der Weise Verwendung sinden, daß alsbald an bedürftige deutsche Gefangene in Rußland Unter- stützungen von je 20 Mk. angewiesen werden. Von dem dann noch verbleibenden Ueberschuß von 54185.49 Mk. sollen 14 185.49 Mk. als Rücklage für kommende Fälle zurückgestellt bleiben, während 40000 Mk. an die im Lande bestehenden sieben Bezirksausschüsse für vermißte und kriegs- gefangene Deutsche für Unterstützunaszwecke verteilt werden sollen. Jedem einzelnen Geber se: nochmals Herzlichster Dank ausgesprochen.
** Stadttyeater. Ans dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben; Der nächste Sonntag Nachmittag bringt die erste Nachmittagsvorstellung der neuen Gesanqsvosse „Das GlückS- mädel-, die mit ihrer hübschen, volksstückartigen Handlung, den flotten Bildern und Tänzen sich in Gießen, wie überall, zu einem Zugstück ersten Ranges entwickelt hat. Tie Vorstellung findet bei kleinen Preisen statt. — Um den Freunden ernster Dichtung, denen nur der Sonntag zur Veriügung steht, entgegen zu konnuen, ist für Sonntag abend, ebenfalls bei kleinen Preisen, Friedrich Hebbels „Maria Magdalene" angesetzt worden. — Am Dienstag abend findet, wie schon bekannt gegeben, als Gastspiel von Frau H e y in a n n - E n g e l, Herrn Anton S i st e r m a >: n s und Herrn Max Men sing ein heiterer Rokoko-Opernabend statt, der Mozarts „Bastien und Baslienne" und Perqoleses „Die Magd als Herrin" bringt.
** Xer bunte Abend, den das Lichtspielhaus gestern veranstaltete, erfteute sich eines außerordentlichen Zuspruches. Ueber den Rahmen des Lichtspieles hinaus rvaren Instrumental- und Vokaldarbietungen angesagt und das ausverkaufte Haus bewies, das; man mit einem solchen Programm das Richtige getrofsen hatte. Aus einen: eigens dazu her gerichteten Vortragspodium erschienen die ausübenden Künstler und wußten, wie der außerordentlich lebhafte Beifall zur Genüge dattat, sofort die Gunst der Llnwesenden zu erringen. Ter Humorist Josef Nagel und Robert Matter. der Veranstalter des Abends, fanden mit ihren zeitgemäßen Liedern und Vorttägen bei ihrer Zuhörerschaft lebhaften Änklang Ebenso entfesselten die Solisten Jac. van De ne ka mp (Violine), C. M. Grvenendjyk (Klavier) und Ludwig Reich, langjähriger Kapellmeister am Zoologischen Gatten in Frankfurt (Violine) mit chren technisch schwtettgen Darbietungen langanhaltenden Beifall T:e Freude des Publikums an dem Gebotenen zeigte sich auch daran, daß alle Künstler sich zu Zugabe:: verstehen mußten. Auch das Orchester des Lichtspiel-Theaters zu Frankfurt trug zum guten Gelingen des bunten Abends mit bei. Eine Filmaufnahme unserer Marineflugzeuge und ein Henny-P o r t e n-Füm, „Der Sieg des Herzens", vervollstätrdigten das Programm und ein Film- icherz, „Gute Nacht, auf Wiedersehen", gab dem Abende seinen heiteren Abschluß.
„ ** Gesellschaft der Lahntal freu ndc. In der
Retchshauptstxidt smd^ Besttebungen im Gange, eine „Gesellschaft der Lahutalfreundck' ins Leben zu rufen. Der vorbereitende Aus
schutz dteker Gesellschaft teilt uns in Verfolg mit, daß bereits für d:e dtesiahrige Pstngstwoche die etsite größere Gesellschaftsreff« vorbereitet wird. Zu diesem Zweck ist ein Rundschreiben an die öttlickxen Berkehrsvereine ergangen, zur Unterbringung größerer Reriegeiellschaften, die in Cassel bezw. Marburg oder Mainz ihren Ausgangspunkt nehmen und mit Frankfntt a. M. bez. Darmstaot tlTreit Abschluß finden sollen. Die Gesellschaft ist kein gewerb- ttches Unternehmen, sondern beruht auf strenger gemeinnütziger Grundlage und trüt lediglich in Verbindung mit den örtlichen Ber- kehrsveretnen und amtlichen Verkehrsstellen des Reisegebiets aus Auskünste erteilt die Geschäftsstelle der „Gesellschaft der Lahntal- tteunde" (W. Mannes) Berlin-Wilmersdorf I.
?* : ?3erle&n:ffetit Kamerun. Auf Veranlassung öer bststgen Ortsgruppe des Frauenbundes der Deutschen Kolo- rnalgeielfichast sprach gestern abend in der Neuen Aula Herr Dr. G. Lohringer über seine Erlebnisse wäl-rend des Krieges :n Kamerun und in der englischen Gefangenschaft. Der Redner schlldette zuerst die Angrifst der Engländer und Franwsen auf d:e Kolo me Kamerun Er betonte dabei, mit welcher Tapferkeit und m:t welchem Erfolg unsere schwarzen Truppen überall auf dem ^aude gegen d:e Feinde gefochten haben. Auch große Ueber- v ^ 9binde wurden von unseren wenigen Truppen ver- mchtend geschlagen. Von ganz besonderer Bedeutung für die kunstrge Entwicklung unserer afttkanischen Kolonien sind diese Kampfe deswegen, weil sie zeigten, daß sämtliche eingeborenen Stamme der deutschen Herrschaft die Treue hiel- ten, w sogar freiwillig.Hilfsttuppen anboten und stellten. Einzig dre Duala haben uns verraten. Der Erfolg für die Englands und Franzosei: war lediglich der, daß ihr eigenes Atychen m Zentral-Afrika einen schweren Stoß erlitten hat. Wahrend uns dre Kämpfe im Inland von Kamerun nur Ruhm und Festigung des deutschen Ansehens gebracht haben, mußten o^ Flnndlrchen Aktroner: gegen das Küstengebiet für uns verhäng- nwvoll werden, weil hier so gut wie gar keine Vetteidigungs- mrttel vorhaiwen waren. Die Engländer und Franzosen versammelten erne Strestmacht'von 12 000 bis 14 000 Mann schwarzer Truppen, 2 große Kreuzer, einen kleinen Kreuzer, einen Fluß- tteuzer, em Kanonenboot und eine größere Zahl von gedeckten Barkassen m:t Kanonen und Maschinengewehren gegen unsere Streitmacht von ca. 70 Europäern, einigen hundett Schwarzen und 4 Salutkanonen. Darauf legten sie sich, nachdem fie sich zuvor an dem unbefestigten Viktoria im Schießen geübt hatten, :n ficherer Entfernnng vor Duala und beschossen die Stadt. Nach erntagrger Beschreßung wurde Duala übergeben. Damft be- gann für bte Bevölkerung des Küstengebiets von Kamerun eine Seit körperlicher und seelischer Lnden, eine Zeit, in der stch dre Engländer in Afrika für immer mit Schmach be- ceattn Die Hauptmaste der Europäer wurde in hinterlistiger Weife dadurch gefangen genommen:, daß Man sie auffordette, zum Registtieren auf das Bezirksamt zu kommen. ©§ wurde erklärt, matt brauche gar nichts inüznnehmen. man werde sosott wieder eutlayen rverden. 22 Stunden nachher waren die auf diese Weise Gefangenen auf dem Weg nach Tahomey, wo sie, wie auch ein Teil der ttt Togo gefangen genommenen Deutschen in lleineren Trupps aufgeterlt^ und den Lokalämtern zur Arbeit überwiesen wurden. Tort mutzten sie wie Sklaven unter schwarzer Aufficht in Planta- gen und an Wegen arbeiten, zum Teil nur mit Lendentuch und Sandalen bekleidet. Besonders charaftettstisch ist, daß Schwarze, rrl ol P e Gefangene grüßten mit empfindlichen Geld- und Prü- gellttafen bedacl-t wurden. Nachdem die Hauptmasse der T>ent- fchet: entfernt war, wurde der Rest ^^änner und Frauen, darunter auch der Redner, durch schwarze Soldaten ohne weiße Aufficht in das Reg:erungs-Hosp:tal zusammengetrieben. Auf engen Raum :n wenden Zimmern wurden so ca. 150 Männer und Frauen zrisammengepfercht, — eine wahre dNatter für dieselben, da ein Verlaffen dieser Räume unter keinen Umständen gestattet wurde Von hier wurden die Gefangenen auf den Dampfer Bathurst gebracht, wo die Frauen Kabinen erhielten, während die Männtt Mts dem nackten Deck dem Regen preisgegeben kampieren mußten Es nmrden weder Decken noch Eßgeschirr noch Eßbesteck geliefett, obwohl die Allerwenigsten außer dem, was sie auf dem Leibe tru- gen, hatten etwas mitnehmen dürfen. In der ersten Nacht zwischen 11 u. 12 Uhr wurden alle Gefangenen geweckt, aufs peinlichste unter - sucht und ihiwn alles Geld über 100 Matt abgenommeu, ohne datz,d:e verlangte Quittung gegeben wurde. Bon Duala ging die R^fe zunächst :n langsamer Fahtt nach Lagos. Abgesehen davon, last nrchtis zu essen gab — im Dag manchmal nur em ^mmmzhad — und der Regen häufig den Aufenthalt fast un- erttaglich machte, war auf dieser Fahtt nicht viel zu klagen. Tie alten englischen Söldner benahmen sich, das sei zu ihrer Ehre ge- fagt. :m Gegensatz zu dem früher beobachteten Verhalten der Off^iere, musterhaft. In Lagos gab es 14 Tage Aufenthalt bei ausreichender Verpflegung, aber ziemlicher Wassernot. Dotthin wurden^anch die später gefangenen Deutschen — selbstverständlich lauter Zivilisten — gebracht. Diese späteren Transport wurden wegen der mzwtschen erlittenen Schlappen bei Jabassi und an der Mittellandbahn besonders schlecht behandelt. Bei Tage war z. B. ein Transpott in einem so engen Ramn zusammengepfercht, daß die Herreii weder sitzen noch liegen konnten. Bei Nacht lagen sie ohne Decken auf den nackten Eisenplatten. Ihnen war /nicht olotz das Geld, sondern sogar die letzte Zigarre abgenommen wor- . ' .»^alrsche Mißhandlimgen kamen häufig vor. Nur Afrikaner, kann ermessen, was es bedeuttt, wenn britiiche Offiziere mit Schwarzen von Weißen als t*>n deutschen S chweinen reden, oder wenn sich ein Deutscher gar von Schwarzen als deutsches Schwein tttulieren lasten muß, und das kam häufig genug vor. Von Lagos kamen die Missionare mit ihren Frauen auf die Goldküste. Wie sie dort behandelt wurden, zeigt folgendes Beispiel. Die Frau eines Missionars war infolge von Entkräftung totkrank geworden. Ihre dnngende Bitte, noch einmal mit ihrem Manne spreck-en zu dürfen, wurde nicht erfüllt. Erst als sie so schwach war, daß sie nicht mekn sprechen konnte, durfte ihr Mann auf kurze Zeit zu ihr kommen, aber er durfte nicht bis zu ihrem Ende bei ihr bleiben. Als sie dann in den letzten Zugen lag, wurde ihr Mann wieder gerufen. Die Gefangenen wurden in Lagos auf den Fracküdampfer Oboasi gebracht u:ä auf demselben nach England transpottiett, natürlich unter schwarzer Bewachung. Die Frauen erhielten eine, wenn auch enge, so doch an- stäntnge Unterkunft in einigen vorhandenen Kabinen, aber nie genug zu eisen. Die Männer, sieben- bis neunhundett, wurden im Laderaum zusammengepfercht, wo neben den Kojen nicht mehr genug Raum zum Stellen vorhanden war. Das Essen war nur in den ersten Tagen auskömmlich, verdarb rasch und wurde fast ungenießbar, io daß fast alle davon krank wurden. Trinkwasser wurde fast keines abgegeben. Medikanrente und Verbandstoff schienen nicht an Bord zu sein. Trotzdem war die Stimmung unter den Geangenen durchweg zuversichtlich. Das Verttauen auf das deutsche Vaterland war zu ftark, als daß man den sortwaknenden Lügenberichtender Englchrder irgendwie Glauben geschenft hätte. Auch sagten sich die Gefangenen, daß sie den Engländern die Freude nicht machen wollten, sich moralisch brechen zu lassen — der einzige Dienst, den sie in ihrer Lage der deutschen Sache noch tun konnten. — In England wurden die Frauen nach Hause ge- ichickt, die Männer in das Konzentrationslager von Handforth gebracht, wo sie Gelegenheit hatten, zu sehen, daß auch die in England gefangen genommenen Deutschen ihre Leidenszeit hinter sich hatten. Am 30. Dezember wurde der Redner sreigelassen und kam in London gerade recht, um den letzten Transpott von Kameruner Frauen und Kindern nach Dleutschlcmd zu geleiten.
** Geschützdonner aus dem Westen. In unserer letzten Notiz hatten wir einer Zuschrift Raum gegeben, die den Geschützdonner als von den Hanauer Pulverfabriken herrührend kennzeichnete. Zu dieser Auffassung gingen eine Reihe von Zuschriften ein, aus denen wir folgendes hervorheben: „Daß es sich wirklich um Kanonendonner handelte, ist nicht nur von Laien, sondern auch von Offizieren und Soldaten bestätigt worden, die wirklich doch genug Kanonendonner gehört haben. Aus der Pulverfabrik Hanau kann der Kanonendonner aber nicht herrühren, denn niemals werden bei einem Uebungsschreßen solche Lagen verschossen und niemals wird dabe: der Donner so lang andauernd sein. Sogar d:e einzelnen Detonationen schwerer ^Geschütze ließen sich sehr


