Ar. 41 Zweites SIE
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Ne ^Hfrntr LamittenblStter' werden dem ^ Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das ..«reirdlatt für dev «reis Stehen" zweimal wöchentlich. Die .Landwirtschaftlichen Zett- ffAgtft“ erscheinen monatlich zweimal.
;66. Jahrgang
General-Anzeiger für Oberhejsen
ßreitag. s8. Zebruar M6
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea Universitäts - Buch- und Steindruckerei,
R. Lange, Gießen.
Schriitleitung,Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul» straße 7. Geschäftsstelle u.Berlag:e-^51,Schrift- leitung: e^H2. Adresse für Trahtnachrlchtew Anzeiger Gießen.
Gebietszuwachs des hessischen Staates von MZAW.
(Ortsjubiläen 100jähriger Zugehörigkeit zum Großh. Hessen.)
Bon Dr. H. Berger.
Unter dem Einfluß des ersten französischen Konsuls Bonaparte hatte der Ausschuß der Reichs stände, die Reichs- depntation in Regensburg, im Jahre 1803 die Säkularisierung, di. die Einziehung der geistlichen Gebiete, und die Mediatisierung, die Einordnung kleiner fürstlicher und gräflicher reichsunmittelbarer tvestlicher Gebiete und der Reichsstädte in größere Staaten bestimmt. ,112 kleinen Staaten, die innerhalb der Grenzen anderer Staaten als Enklaven lagen, wurde das Lebenslicht ausgeblasen. Me buntscheckige deutsche Reichskarte änderte ans einmal ihr Bild. Unbewußt und unbeabsichtigt mußte der französische Machthaber dazu beitragen, Deutschland seinem nationalen Einheits ge d anken einen kleinen Schritt naher zu bringen. Für die 1801 im Lüneviller Frieden abgetretenen Gebiete der Grafschaft Hanau-Lichitenberg in der Pfalz und im Elsaß wurde Hessen-Darmstadt reichlich entschädigt. Es erhielt 1803 das frühere kurkölnische Herzogtum Westfalen, die kurmainzischen Aemter Heppenheim, Gernsheim, Lorsch, F-ürth, Steinheim, Bensheim, Dieburg, die Abtei Seligenstadt, Hirschhorn, Bikbel, Rockenberg, Marienschloß, die kurpfälzischen Aemter Lindensels, Otzberg und Umstadt, die Reste des Bistums Worms: Lampertheim und Neckarsteinach und die Reichsstädte Friedberg und Wimpfen. Der Gewinn der erhaltenen Länder gegenüber den abgetretenen .Gebieten betrug 60 Qnadratmeilen mit 124 700 Seelen.
Me Zugehörigkeit des Großherzogs Ludwigs I. zum Rheinbund brachte ihm 1806 das Burggrafentum Friedberg, die Herrschaft Breuberg im Odenwald, die Grafschaft Erbach, die Oberhoheit über die Besitzungen der fürstlich- und gräslich-solmsischen Häuser, über die Grafschaft Schlitz, im ganzen einen Zuwachs von 122 000 Einwohner::.
Als Napoleon I. im Jahre 1809 innerhalb des Rheinbundes auch den deutschen Orden auflöfte, wurden seine Besitzungen eingezogen. Das Großherzogtum Hessen erhielt die dem Orden ehemals gehörige Komture: Schif- fenberg bei Gießen als Staatseigentum. Der ehemalige Besitz des Ordens auf Schissenberg wird seitdem als Domä- nialgut verpachtet. 1810 kam infolge ber Säkularisierung und Mediatisierung an den hessischen Staat das Amt Babenhausen, das Amt Rodheim, Heuchelheim, Münzenberg und Ortenberg.
Me Mediatisierten machten natürlicherweise alle möglichen Anstrengungen nach dem Sturze der napoleoni scheu Weltherrschaft, die alten Zustände wieder herzustellen. Der Widerstands geist der ehemaligen kleinen Souveränen ver- anlaßte die hessische Regierung am 31. Dezember 1813 zu scharfen Befehlen. Ein oberhessischer Graf, ber mit der Operatrons Lasse für die anfangs 1814 nach Frankreich gerückten hessischen Truppen betraut war, verging sich sogar so weit, „bei sich öffentliche Gebete, Ueberschriften der Akte, Wappen, kurz alles, was sich auf die hessische Souveränität bezog, zu unterdrücken" Auf dem Wiener Kongreß 1814 und 1815 suchten die Mediatisierten durch alle mög- lichen Iutriguen zu arbeiten, vbschon ihnen nach Verlust ihrer Souveränität gar keine Berechtigung mehr zustand, an dem Kongreß, teilzunehmen. Und auch in dem Groß- herzogtum selbst wurde eifrig gewühlt, uni Mißstimmung zwischen Volk und Fürst herbeizuführen. Man forderte die
Gieszeirer Stadttheater.
Die rätselhafte Frau.
Lustspiel von Robert R e i n e r t.
Gastspiel von Käte Baste vom k. k. priv. Theater in ber Joses- stabt in Wien mit eigener Gesellschaft.
Me rätselhafte Frau? Na, wenn sie schon Eva heißt, wo bleibt dann an ihr das Rätselhafte? Sie ist ja so ganz natürlich, sie ist ja nur so völlig unverstanden. Kann man es ihr denn Unrklich verdenken, daß sie einen Gatten nicht mag, der die schlechte Charaktereigenschaft hat, eine Nase zu besitzen, die anssieht, wie ein vorsiittflntiges Ungeheuer? Nein, solch Nase ist eine Rücksichtslosigkeit gegen eine schöne Ehefrau, die sie sich auf die Dauer nicht bieten lassen faitn. Ausweg? Mau läßt sich scheiden. Wie nun, wenn der Mann zuerst die Unmöglichkeit eines Zusammenlebens bei solcher Charakterverschiedenheit einsieht, und den Scheidungsgedanken in rohester Weise zuerst ausspricht, dazu mit der beleidigenden Behauptung, daß Eva überhaupt keinen Mann glücklich machn kann? Tann muß sich Eva eben jenes Rechtsanwalts, der ihre Ehe scheiden wollte, dazu bedienen, ihrem Manne das Ungesetzmäßige und Rücksichtslose seines Vorhabens . klar zu machen, damit sie nachher von sich aus die Trennung veranlassen kann. Glücklicherweise ist dieser Rechtsanwalt aber nicht nur ein „entzückender Mensch", sondern auch einer von der Sorte, die nicht alle werden, und er beredet — nein, läßt Eva von selbst aus den Gedanken kommen, daß ihr Mann nicht furchtbarer zu strafen ist, als wenn sie ihm beweist, daß sie, Eva, einen andern Mann glücklich machen kann und zwar nicht ihren Hausfreund, der darauf gerechnet hatte, dieser andere zu sein, sondern einen ganz anderen, nämlich ihn, den Rechtsanwalt.
So kommt es denn auch, Eva heiratet den Rechtsanwalt, der aber kurz nach seiner Heirat die schlechte Charaktereigenschaft annimmt, eine Glatze zu bekommen. Man denke, eine Glatze. Wer sollte Eva jetzt aus ihrer seelischen Zerüttung. in die sie das Zusammenleben mit einem, mit solchen Untugenden behafteten Menschen versetzt, wieder erlösen? Man rät auf den unverdrießlichen Hausfreund, der sich auch in die zweite Ehe hineingerettet hat. Nein, der Mchter ist ein Kind seiner Zeit, er ruft die Münder moderner Chirurgie zu Hilfe, und der erste Mann kehrt zurück. Er hat seine schlechten Eigenschaften abgelegt und ist im Besitze einer wundervollen römischen Nase, die die schönsten klassisclien Erinnerungen wachrust. Sollte sich Eva jetzt nicht an diese rönnsche Nase llammern, da ihre Gefühle zun: zweiten Gatten unweigerlich an der charakterlosen Glatze dieses Menschen abgleiten? Ja, sie . klammert sich daran. Und mm könnte man bei Evas rätselhafter Folgerichtigkeit und den Wundern der modernen Chirurgie weiter- fabulieren, daß Eva ihren ersten Männ wieder hecratct, während ihr untröstlicher zweiter Gatte sich, neue Haare aus seinen: ent- < waldeten Hinterhanpte einpflanzen läßt, und eben in dem Augenblicke vor Coa hintritt, als sich bei ihrem' ersten Manne ein neues Aufblühen der „Tulpe" anknndigt. Eva heiratet zum zweiten Male ihren zweiten Mann. Dessen Haare halten aber auch nicht, und der erste hat sich wiederum operiere:: lassen. Also heiratet sie beu ersten usw. ad libitum. — Gott sei Dank, hat der Dichter ein Einsehen gehabt, und gebietet sclwn torher Halt, indem er Eva von jenem unersetzlichen Hausfreunde die Möglichkeit eines Wieder Lusblühens von il>res. ersten Mannes Nase vorstelle:: läßt und
Einberufung der Stände. Auffallenderweise „billigte oer „dritte Stand" die Haltung der Mediatisierten, so wenig er sonst für sie übrig hatte", wie die Krawalle 1830 und 1848 zeigten. Der Schluß des Wiener Kongresses setzte den ) Träumen nach der alten Herrschaft ein Ziel. Immerhin hatte noch eine besondere Kommission zur Regelung der
- Gebiets Verhältnisse bis zum Sommer 1816 zu arbeiten. ' Anr 16. Juni dieses Jahres erhielt der Direktor der Finanz- ^ kämmer in Gießen, Baron Münch, den Auftrag, Besitz von ' den Isenburgis ch e u Landen zu ergreifen. Bon der
Linie Isenburg-Büdingen gingen im Juli 1816 an den hessischen Staat über und können dieses Jahr ihre 100- jährige Zugehörigkeit zu Hessen feiern folgende Orte des heutigen Kreises Büdingen: Alt-Wiedermus, Aulen-Diebach, Bindsachsen, Büdingen, Bös-Gesäß, Düdelsheim, Eckardshausen, Effolderbachs Gelnhaar, Haingründau, Heegheim, Himbachs Hitztirchen, Kefenrod, Langen-Berg- heim, Dörbach Merkenfritz, Mittelgründau, Marienborn, Nieder-Mockstadt, Ober-Mockstadt, Orleshausen, Rinderbüchen, Rohrbach, StocHieim, Wolf. Von der Linie Isenburg - W ä ch t e r s b a ch gingep au Hessen-Darmstadt über die Oberhoheit in den Orten Assenheim, Buchenbrücken und Bönstadt.'.
Etwas anders gestaltete sich der Uebergang in dem Fürstentum Jsenburg-Birstein-Offenb'ach. Der , mediatisierte Herr dieses Gebietes Fürst Karl war 1806 Mitglied des Rheinbundes geworden und hatte auf seine = Kosten ein eigenes Jsenburgisches Regiment Napoleon ge-
- stellt, wofür er die Anerkennung seiner Souveränität erhielt.
; Als die Rolle Napoleons ausgespielt war, wurde dieses
Jsenburger Gebiet von den alliierten Mächten mit Beschlag belegt und zunächst einem Geueral-Gouvernement in Frankfurt a. M. übergeben. Durch Beschluß des Wiener Kongresses = wurde Fürst Karl von Jsenburg-Birstein-Offenbach mit i seinem Land am 9. Juni 1815 der Oberhoheit des Kaisers ; Franz I. von Oesterreich unterstellt. Durch Vertrag vom 30. Juni 1816 trat Oesterreich dieses Jsenburger Land wieder : an das Großherzogtum Hessen ab, das eineu Teil der Besitzungen, wie Birstein, später in einem Sondervertrag vom 20. September 1819 wieder Kurhessen übergab. Die Stadt = Offenbach mit den in ihrem Kreise gelegenen Orten Drei- eichenhairr, Götzenhain, Hausen, Heusenstamm, Neu-Jsen- : bürg, Offental, Pbilippseich und Sprendlingen können am 30. Juni 1916 ihre 100jährige Zugehörigkeit zu Hessen . feiern.
Mehr Schwierigkeiten machten die Verhandlungen, wie Hesseu-Darmstadt für das ihm, 1803 zugesprochene und nun durch die Wiener Schlußakte Preußen zugewiesene Herzog- tunr Westfalen entschädigt werden sollte. Die Uebernahme der Schulden im Herzogtun: Westfalen auf Preußen verzögerten die Verhandlungen, lind selbst, als dem Großherzog von Hessen die linksrheinischen Gebiete zugesichert wurden, waren noch Schwierigkeiten und Mißtrauen zu überwinden, da die rheinische Landbevölkerung nicht gern deutsch werden wollte, „aus Furcht, später wieder zum Zankapfel mit Frankreich dienen zu müssen". Zunächst wurde bis Ende Juni 1816 eine Kommission mit der Verwaltung der neunen hessischer Provinz am Rhein beauftragt. Nach Unterzeichnung eines Staatsvertrags zwischen Preußen. Oesterreich und Lassen am 30. Juni 1816 fand am 12. Juli 1816 die Besitzergreifung der neuen hessisck)eu Provinz in Mainz statt. Schon am 7. Juli machte das hessische Ministerium in der Staatszeitung bekannt, daß der Großherzog den Titel „v o u H essen u n d beiRhei n" angenommen
ihr ganz, ans Zufall das wahre Glück zeigt, das ihr an der Seite ihrer beiden Männer bisher immer gefehlt hat, die Mutterschaft. Ein wahres Glück, daß dieser Ausweg bleibt, und daß Eva nicht immer die Dummen sindet, die sich von ihren rätselhaften Launen eine Nase drehen 'oder auf der Glatze tanzen lassen.
Davon abgesehen, ist die „rätselhafte Frau" ein köstliches Lust- ch:el, das auch seine Wirkung nicht verfehlte. Allerdings wurde diese rätselhafte Frau auch von einer Künstlerin dargestellt, die die letzten Möglichkeiten chrer Nolle beherrschte. Mit einer unglaublichen Sicherheit, einer sprudelnden Lebendigkeit und einer reisen Darstellungskunst meisterte Käte B a st 6 den lieständigen Stimmungsumschlag der Evastochter. Keinen Augenblick verlor fte an überzeugender Wahrscheinlichkeit, und ihre Glanzleistung fesselte bis in die lleinsten Einzelheiten der drittel, mit der sie zuwege gebracht wurde. Ihr erster Mann, Richard Bendig, vom Zentraltheater Dresden trug die Tragödie seiner Nase mit unaufdringlicher Komik. Er zeichnete sich vor allem durch ein vornehmes beherrschtes Spiel aus. Ihr zweiter Mann, Franz Kauer, vom Schauspielhaus Frankfurt, kehrte mehr den biederen, gutmütigen Adam hervor, der allein ein glücklicher Ehemann einer solchen Eva sein kann. Eine ganz besondere Stellung nahm Adartin Siegln an n vom Kleine:: Theater Berlin, nicht rmr zwischm den beiden Ehepaaren, sondern auch als Schauspieler ein. Mit einer bestrickenden Liebenswürdigkeit betonte er die leise Trottel Hastigkeit des immer zu kurz kixmnenden, immer hofftiungsfreudigeii Hausfreundes, und seine überragende, hmnorvoll charakterisierende Darstellungskunst machte sein Spiel zu einem köstlichen Erlebnis. Hedwig Go l an dt vom Stadttheater Köln gestaltete eine sympathische alte Dame, Trude Koenen vom Lcssing-Theater Berlin ein schmiegsames, verständnisvolles Kamnrerkätzchen u:ü> Curt L e r ch vom Albert-Theater Dresden, einen würdigen Sauitätsvat. zz.
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— Eine Fahrt im Balkanzug auf der Bühne. Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Ms Hauptschlager der dieswinterlichen große:: Wohltäligkeitsveranstaltung des österreichisch-ungarischen Vereins „Austria" gab es eine Revue: „Von Berlin nach Bagdad", die vom Regisseur unseres Schauipielhauses, Karlheinz M a r t i n, und dem Schau spieler der gleichen Bühne, Toni Impekoven, zusammengestellt und von Martin höchst wirkungsvoll in Szene gesetzt wurde. Vom Bahnhof Friedrichstraße in Berlin aus geht die Fahrt. Teil nehme:: an ihr ein echter deutscher Fliegerleittnant, je ein österreichisch: und bulgarischer Offizier, der ungarische Schweinezüchter Zsupan, der Türke Ottoman Bey, ein höchst gesprächiger Frankfurter, ein geschäftiger Berichterstatter, der bekannte Kommissionsrat ^triefe aus dem „Raub der Sabinerinnen", ein österreichischer Tenor und eine Berliner Soubrette usw. Es geht ganz so zu >vie auf einer richtigen Eisenbahnfahrt. Das heißt, nicht die Wagen sind in: Gang, sonder,: draußen vor den Coups-Fenstern cifen Stadt und Dorf vorbei und natürlich auch die Grenzpsähle der Länder, die der Zug passiert. Untenvegs gibts bei Tag und Nacht allerlei Abenteuer und komisch Zwischenfälle. Msweilen entglevtet der Balkan- zug xn der Dunkelheit, und ans der Bühne ersck>eint dmm ein Bild, ckai'akteristisch für Volk und Reich, deren Gebiet die Fahrt nach dem Osten berülzrt. In Bagdad empfängt Harmral-Raschid selbst in zierlich prachtvollem Aufzuge die Vertreter der befreundeten Nationen, nnt dmen die Osmanen znsancmcn: de:: Kampf ums Recht führen. Eine höchst unterhaltende xntb ereiguisrnck-e Fahrt lassen
habe. Wie verlautet, wird dieses Jahr am 8. Juli aus Anlaß der 100jährigeu Zugehörigkeit Rheinhesseus zum Großherzogtum in Mainz und in anderen Orten der Provinz eine allgemeine Gedenkfeier veranstaltet werden.
Aus Hessen.
Die Beratung des Staatsvoranschlags, rb. T a r m st a d t, 17. Febr. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer begann heute vormittag die gemeinsam: Beratung des Staats Voranschlags mit der Regierung. Es wurde zunächst über Kapitel 2, Kameral- und Forstdvmänen, beraten. Hier hatte der Ausschuß angeregt, die Einnahme aus Nutz- und Brennholz um 200 000 Mark zu erhöhen. Bon der Regierimg :vurde dagegen gelteiidi gemacht, daß allerdings der Erlös aus den Holzverkäufen höher sei, daß aber zu wenig Arbeitskräfte zirm Schlagen des Holzes vorhanden seien. Tie Verwendung ton Gefangenen sei ziemlich kostspielig, diese würden auch in erster Linie für die Landwirtschaft und die Industrie gebraucht. Tie Regierung müsse daher die vorgeschlagene Erhöhung dieses Einnahmepostens ablehnen. Für Nebenbenutzungen hatte die Regierung ton der vorjährigen Summe (160 000 Mark» gestrichen; sie erklärte sich jetzt damit einverstanden, daß nur 8000 Mark gestrichen werden. Weiter hatte die Regierung im Voranschlag den Grundsatz der Ge- meftiden für die Forstverwalttrng von 1,50 auf 1,75 Mk. erhöht im Hinblick aus die höheren Gehalte der Forstbeamten. Sie erllärte sich aber damit einverstanden, daß zunächst der Satz von 1 50 .Mark bestehen bleibt. Bei einigen weiteren Etatsposten empfahl die Regierung, auf den von ihr angesetzten Summen bestehen zu bleiben. Beim Kap. 3, Weinbaudomänen, war vom Ailssckmß die Einnahme für Weinverkäufe von 150 000 aus 180 000 Mark erhöht worden. Die Regierung war der Meinung, daß der Erlös für Wein die von ihr eingestellte Summe nicht überschreiten werde. Mün könne aber die Versteigerungen der Weine selber abwarten. Ueber Kap. 7, Braunkohlenbergwerk und Kraftwerk, Ludwigshots- nung, fand zwischen i>er Regierung und den Ansschußmitgliederu eine längere Aussprache statt, in dem auch besonders das Verhältnis des Kraftwerks zur Provinz Oberhessen erörtert wurde. Tie Verhandlungen hierüber wurden nach 1 Uhr aogebrochei: und sollen nrorgen vormittag fortgesetzt werden.
Der Landesausschuß der Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen ist am 14. ds. Mts. unter dem VorsiH des Sva.atsmirn.sters Dr. vlyu Ewald zu einer Sitzung in der Landes Versicherungsanstalt zusammenaetreten.^ T-er Vorsitzende teilte mit, daß auf sein an die Kreisräte gerichtetes Rundschreiben vivm 27. Dezember vor. Js. zurzeit die U n t e r a u s s ch ü s s e für die Kreise gebildet würden. Mitteilungen über die erfolgte Bildung von Unterausschüsse:: seien'bereits aus den Kreisen Womns, Dieburg, Groß-Gerau und .Heppenheim eingegangen. Eine Anzahl Unter st ützungsge suche wurden in der Sitzung oeschieden. Dabei wurde betont, daß zunächst nur in dringenden Notfällen Beihilfen gewährt werden könnten. Dem Laudesausschuß wuroen als weitere Mitglieder zuaewählt die drei Proviuzialdirektoren, Geheimeräte Best- Mainz, Dr. U s i n g e r-Gießen und Fe y - Darmftadt. Ein weiterer Gegenstand der Tagesordnung bildete die unter dem Namen Bäte r l an ds da n k im vorigen Jahre in Berlin mit Genehmissnug des Präsidiums der Nationalstiftung ins Leben gerufene Sammlung von entbehrlichenGold -und,Silbergegenständen, deren Gcsamterlös der Nationälstistung zugefuhätt werden soll. Es handelt sich bei dieser Sammlung um das entbehrliche Gold und Silber, das sich im Laufe der Zeit in vielen F amilien an gesammelt hat und nutzlos in Kisten mid Truhen umherliegt, um entbehrlichen Schmuck und
die beiden Verfasser den Zuschauer erleben, nrdem sie durch die locker geknüpften Szeneii Gedanken der Zeit u::d Werke der Völker- dererl Arbeit die Leistung des Balkanzuges ist, in schimulerigen Umrissen auftauchen lassen. Der Erfolg des fröhlichen Spieles war ein durchschlagender.
— Musterkulturen von Nutzpflanzen im Frankfurter Palmengarten. Im Frankfurter Palmengarten sind zu Begiuu der Kriegszeit vor: der Verwaltung alle m:r verfügbaren Kulttirläridereien, die sonst der BlumenzuckU gedient hatten, für den 9iutzgartenbau bereitgestellt worden:. Dami^ sollten weniger die Erzeugung von Lebensmitteln befördert, als vielmehr in dem Anbau Rdusterbeispiele für das Publikum gegeben iverden. Und weiter beabsickiltigte man, durch die Prüfung von neiie:: Sorten und Arte:: Erfahrungen für die Zukunft zu gewümcu. Ueber die Ergebnisse dieser Kriegskickture:: bei-ich-tet m:u Lan^- Ockonomierat Siebert in der „Deutsche:: Landwirtsci-aftlicl-c:: Presse". Die Aiibauversuchc mit Kartoffeln wurden so m:gestcllt daß diese aus Stecklingen aufgezüchtet nntrtveu. Der Erfolg dieser Methode war, wie anderwärts, sehr zufi-iedenstellend. Nicht :nlr daß durck> sie, wenn sie allgenrein eingeführt würde, große Merrgeii Saatgutes für die menschliche Ernährung fnn lmsiden auch die Erttägnisse blieben nicht zurück. Früchte von 500 bis 600 Gramm Ware:: keine Seltenheit, m:d es g:ib sogar Riesenkartosfcü: die es ohne Düngung bis aus 2 Kilogranim gebracht harte::. Von den Bohnen, die in zahlreichen Sorten gepflanzt ivicroen, ist besonders interessant, lvas über die vielgenannte Soyabohne berichtet wird. Tie Frückche reiften zwar aus, der Behang ivar auch reich: aber es ist doch die Frage, ob in imserem Klima der Anbau sich lohnend gestalten toivd, da die Soyabohne nur in heiße::, trockenen Sommern gut gedeiht. Sehr enipfohlen urirb die Aufnahme des amerikanische:: Z n ck e r m a i s e s hi unseren Gartenbau. Es ist eine bei den ?bne:äkM:e:n außcrvrdentlick: al- Volksnahrungsinittel belielwe süße F-rnäst, die nicht mit den: seil Jahren in Dentschlmrd gezogene:: Fe!d^ oder Fntternrais venoechsen werden daN- Tie Einführung des Zuckennaises, der nicht nur ein süßer Leckerbissen ist, sonder:: ein nächtiges VolksnalmmgsmittA werden kann, ivird um so rätlicher sein, als er auch mg dem Fel de gezogen iverden kam:. Es ist irur lvünschemgomck, daß dien- An- reg:mgen, die von sachverständige:- Seite aus dem Studium von Mnsterckulture:: entstarrden sind, gittrstigen Boden bei den Garten besitzern^ finden. Auch lvcnn die Kckiegsnot beseitigt sein wird, ist nichts für jeden einzebren Bvdenbesitzer so sehr an: Platze, als durch ralicnwlle RkMl-oden zur Goivftcrucng d-er natürlickm: A'al-rmuns- mittel rrach Kräften nrftzill-elfen.
Berlin, 17. Febr. (WTB. Nichtamllich.) Im königlichen Schauspielhaus wurde heute G o c t h e s S i n g s viel „D: e Fischerin" mit der Mr:sik von Eorona Sch. öter und o ; a r t 3 Jugendop^r „Die Gärt n erin ans Liede" in der einaktiger: Neubearbeitung von Oskar Bie als „Miniatnroilder von Goethe und Vtpzart", znsamnrengehalten durch ein diatnnenspiel von Rudolf PrcSbe:-, unter dem Titel „Rokoko mit freundlichem Erfolg anfgesührt. Die Spielleitung von Dr. Bruck and alle Mitwirkenden litten ihre besten Kräfte eingesetzt und boten außerordentlich viel Schönes, aber das Werk des 18jährigen Mozart >var trotz der unverkennbaren Handschrift des Genies 'immer noch etwas zu lang, und das RahNrenspiel Presbers wirkte bei allen: Geist und Humor etwas gekünstelt.


