rvrurrr wrr map: um Dttse Pweren irrten. — 'X'er General werrdete cm, daß dazu unsere Zuftrmmung notwendig gewesen sein würde.
'— Der Militärattache antwortete, das wisse er, da wir aber die Deutschen nicht hindern könnten, durch unser Land zu marschieren, so würde England unter allen Umständen seine Truppen in Belgien gelandet frtbeu."
Soweit dieses Aktenstück, das' für sich selbst spricht. Es beweist, das; England die Neutralitätsverletzung, die es 1914 bei den Deutschen brandmarkt, 1911 bereit war, für eigene Rechnung zu begehen.
Mr. Archer muß mich daher entschuldigen, wenn ich immer Noch der häufig ausgestellten und jetzt von ihm wiederholten Behauptung mißtraue, daß England für die Unabhängigkeit der Kleinstaaten^ kämpfe. Als Gegenbeweis hob ich in meinem vorigen Artikel die Behandlung Griechenland durch die Alliierten hervor. Und dazu hätte ich die demütigende Kontrolle des Warenumsatzes und der Schiffahrt fügen können, die England den neutralen Kleinstaaten auferlegt. Tie werden dadurch g^wungen, Werkzeuge einer Absperrungspolitik zu sein, die allerdings mit den britischen Zielen übcreinstimmt, aber durchaus nicht mit ihren eigenen Bedürfnissen.
Jetzt befindet sich England im Kriege, und ich werfe ihm diese Rücksichtslosigkeiten an und für sich nicht vor, aber es ist mir unschmackhaft, daß es eine Sonntagsmoral verkündet, während es zugleich aus höchst weltlichen Beweggründen handelt. Man soll nicht auf einmal sowohl auf die Erde als auf das Himmelreich Anspruch machen.
Tie Wahrheit ist ja doch, daß die britische Politik sich niemals von Bedenken gegenüber den Rechten der Kleinstaaten hat aufhalten lassen. Man sammelte sich in England um ein Schlagwort: „Vom Kap bis Kairo," aber die Burenrepubliken lagen im Wege, und mit Gewalt wurden sie da dem britischen Reiche einverleibt. Später erscholl dort eine neue Parole: „Von Kairo bis Kalkutta," aber zwischen diesen äußersten Punkten liegt Persien und in Kompagnie mit Rußland wurde nun das Land in zwei Interessensphären geteilt, von denen sich England die südliche vorbehielt..
Ich ( leugne keineswegs, daß diese Politik verteidigt werden rann. Ein Engländer würde in aller Aufrichtigkeit sagen können: „Die Perser können von einer Unabhängigkeit keinen Gebrauch mackjen, von der sie nicht einmal wissen, was sie damit anfangen sollen, und in _ Südafrika können wir Engländer Möglichkeiten verwirklichen, die die Buren niemals aus eigenem Antriebe gefördert haben würden. Es ist bedauerlich, daß wir ihre Farmen verbrennen und ihre Frauen und Kinder in den Konzentrattons- l-agern verkommen lassen mußten. Aber solche Unannehmlichkeiten müssen mit in Kauf genommen werden, und zuallerletzt wiegen sie wenig im Vergleich mit den dauerhaften Gütern, die ans der Erweiterung der englischen Herrschaft in fremden Weltteilen folgen, denn diese Erweiterung ist gleichbedeutend mit Verbreitung der Zivilisation, und sie ist somit nicht bloß znm Vorteile Englands, sondern bedeutet eineu Landgewimr für den ganzen menschlichen Fortschritt."
Wenn ein Engländer sich auf diese Art äußerte, würde ich sagen: Das iit ein ehrliches Wort, imb was mehr ist, ich würde seiner Betrachtungsweise beipflichten.
Aber dann muß ich auch die Gründe der Deutschen billigen, toenn sie mit folgenden Betrachtungen kommen: „Umklammert von Feinden, im Osten sowohl als im Westen, waren wir in einen Notstand versetzt. Unsere einzige Rettung war Schnelligkeit des Handelns. Frankreich mußte geschlagen werden, bevor Rußland Zeit gewann, unser Land mit seinen sich heranwälzenden Massen zu überschwemmen. Aber die französische Grenze war
> gesperrt durch einen Gürtel von Festungen. So wählten wir denn den leichteren Weg, der über Belgien ging. Hierdurch verhetzten wir die garantierte Neutralität dieses Landes. Aber das
> Bedenkliche dabei konnte unmöglich die Rücksicht auf Deutschlands Zukunft als Reich und Nation aufwiegen. Es ist doch !wichtlger für die Weltentwickelung, daß Deutschland besteht, als daß eine Vertragsbestimmung eingehalten wird. Was wir getan haben, das schuldeten nur uns selbst und, rechtbesehen, auch der Menschheit, für deren Kulturfortschritt ein mächtiges Deutschland noch die größten Dinge ausrichten kann."
Ich darf mich ja nicht mit der Hoffnung schmeicheln, daß Mr. Archer jetzt für derartige Argumente zugänglich ist. Aber während ich seinen Artikel las, da erinnerte ich mich eines Buches aus dem Jahre 1912, das den Titel trug „The great Analysis". Das war anonym erschienen, aber ich begehe wohl kaum eine Indiskretion, wenn ich Mr. Archer als seinen Verfasser nenne. In dieser Schrift fand sich eine Aeußerung, die sogleich und ganz besonders meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie enthielt eine
Antwort aus' die Aufforderung, die em englischer Staatsmann an seine Mitbürger gerichtet hatte, „reichsbritisch" zu denken („im- perially", heißt es im Texte des Buches). Nein, schrieb Mr. Archer damals, was vernünftige Mensckien tun müssen, das ist, „planetarrsch" denken lernen. Und in bezug auf diese seine Aussage ist es mir eine Freude, mein Einverständnis feststellen zu können.
Aus Hessen.
Die Etatberatung.
rb. Darmstadt, 16. Febr. Im Finanzausschuß der Zweiten Kammer wurde heute die Beratung des Staatsvoranschlags bei dem schon früher behandelten Kapitel 30, Gymnasien, Realgymnasien, Oberreal- und Realschulen wieder angeknüpft. Der Ausschuß hatte am Dienstag nachniittag die beschlossene Besichtigung der Räume des alten Gymnasiums unter Führung des Herrn Staatsrat Süsser t vorgenommen, um sich durch den Augenschein an Ort und Stelle zu orientieren, ob eine Zusammenlegung der beiden Darmstädter Gymnasien, wie sie von den Landständen schon früher gefordert worden war, durchznführen sei oder nicht. Der Finanzausschuß gewann bei der Besichtigung die Ueberzeugung, daß eine solche Vereinigung, wie sie seinerzeit auch in Mainz erfolgt ist, sehr wohl möglich sei. Ter Ausschuß beschloß daher, an der Vereini- gung der beiden Gymnasien sestzu halten und eine der beiden Ti- rektorstellcn lediglick) auf den Inhaber zu bewilligen. Beim Kapitel 77, Kun st str aßen wesen, Ausgabe 1250 404 Mark, wurde vom Ausschuß an dem Staatsbeitrag für die Provinzen zur Bestreitung der Kisten für Neubauten von Kreisstraßen an dem vorgesehenen Betrag von 90 000 Mk. die Summe von 60 000M!. abgesetzt und nur eine solche von 30 000 Mark bewilligt. Ebenso wurde im Dermögensteil bei Kapitel 134 deck weitere Unterstützungsfonds für Beiträge zur Erbauung 'von Kreisstraßen (30 000 Mark) zunächst beanstandet. Im Kapitel 116 b, Nachträge, nnrd als Bei- ttaq ans der Staatskasse zur Bestreitung der Kosten der Kriegsauszeichnungen ein erster Teilbetrag von 50 000 Mark angefordert. Tie Beschlußfassung hierüber ivurde ausgesetzt, bis weitere Verhandlungen mit der Großh. Regierung stattgefunden haben. — Beim Zentralbauwesen des Ministeriums des Innern (Kapitel 128) werden znm Erwerb der von der Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge errichteten Kinderklinik in Gießen für den Staat 100 000 Mark angefordert, die lausenden Ausgaben für das Jahr 1916 sind mit 14 860 Mark vorgesehen. Beide Posten wurden vom Ausschuß g e st r i ch e n, während bezüglich eines Beitrags von 50 000 Mark zu Zivecken der Mutter- und Säuglingsfürsorge (Kapitel 53) noch mit der Regierung verhandelt werden soll. — Im Kapitel 116, Verhältnis zum Reich, wurde die „Vergütung für die Bedürfnisse des Großh. Hauses .und der beim Gvoßh. Hof beglaubigten Gesandten gezahlten Zölle und Reichssteuern", die mit 25 000 Mark angefordert sind, ans die Summe von 15 000 Mark herabgesetzt, weil die am Hofe beglaubigt gewesenen Gesandten von Rußland und Englaird weggefallen sind.
Tamit sind die vorläufigen Beratungen des Finanzausschusses über dep Staatsvoranschlag zu Ende geführt. Am morgigen Donnerstag werden die gemeinsamen Beratungen mit der Großh. Regierung ihren Anfang nehmen.
Nnversitäts-Nachrrchten.
0 Marburg, 17. Febr. Ein bekannter Marburger Gelehrter, der Direktor des physiologischen Instituts, Geh. Med.-Rat Professor Tr. Friedrich Schenck, hat. wie wir schon gestern als Trahtbericht mitteilen konnten, gestern früh hier nach längerem Kranksein im Alter von 54 Jahren das Zeitliche gesegnet. In Siegen in Westfalen geboren, besuchte Schenck die Universität zu Bonn und wurde dort später auch Aisistent am dortigen physiologischen Institut, das der Leitung des Geh.-Rats Pflüger unterstand. Bon 1898 bis 1901 lehrte er in Würzburg, tvo er auch zum außerordentlichen Professor ernannt wurde und kam 1901 an Stelle von Professor 2llbr. Kassel an die hiesige Universität. Während des Amtsjahres 1911/12 bekleidete der Gelehrte das Amt eines Rektors der Universität, und im Dezember 1912 wurde ihm auch der Titel Geh. Med.-Rat verliehen. Neben seiner rvissenschastlichen Tätigkeit nahm Schenck auch Gelegenheit, sich im bürgerlichen Leben verdient zu machen. So bekleidete er seit etwa vier Jahren das Amt eines Vorsitzenden des Kreis-Kriegerverbandes Marburg und erwarb sich in dieser Eigenschaft um das Kriegervereinswesen
große Verdienste. Als der Weltkrieg ausbrach, zog er trotz seiner angegriffenen Gesundheit als Bataillonsarzt mit einem Landsturmbataillon nach Belgien, vor einiger Zeit mußte er sich jedoch wegen eines Leidens beurlauben lassen.
VÜchertisch.
- Oskar Wöhrle, Ein deutscher Handwerksbursch der Biedermeierzeit. Aus der Watte durch deu Balkan und Orient. Verlag „Die Lese*. Verlag, G. m. b. H., Stuttgart. Brosch. Mk. 2.50. — Dieses neue Werk Wöhrles schildert die zum Teil sehr drastischen Erlebnisse eines wandernden H^ndwerksburschen vor etwa 80 Jahren.
Witterungsbericht.
(O öffentlicher Wetterdien st.)
Fast die ganze Berichtswoche hindurch — 9. Februar bis 15. Februar — herrschte unbeständiges, meist trübes und regnerisches Wetter. Wirbel tiefen Druckes zweigten sich am Anfang der Woche von einem im NW. lagernden ausgedehnten Tiefdruckgebiet nach Deutschland und weiter nach Osten hin ab und riefen das unbeständige Wetter mit stellenweise erheblichen Niederschlägen und recht starken Winden hervor. Auf seiner Rückseite sanken die Temperaturen vielerorts sogar unter 0 Grad. Gleichzeitig breitete sich das südwestliche Hockchrnckgebiet wieder eüoas mehr nach Deutschland hin aus, beeinflußte unsere Wetterlage jedoch nicht vollständig, sondern ließ uns zwischen Hoch und Ties. Zwar ließen die Niederschläge etwas nach, ohne jedoch ganz auszuhören, da das unbeständige Wetter weiterhin anhselt. Selbst als am Samstag fast über ganz Mitteleuropa ein Hochdruckgebiet lagerte, hörten unter zeitweisem Aufklären nur in Ostdeutschland die Niederschläge auf und sanken die Temperaturen dort stark. Die Wetterlage Westdeutschlands jedoch wurde von einem Teilties beherrscht, das von Westen her sich bis in Unfern Bezirk erstreckte, so daß bei uns bei nur zeitweiser Aufheiterung die Temperaturen ungefähr auf derselben Höhe blieben und Niederschläge (zum Teil als Schnee) wieder reichlicher fielen. Der festländische liohe Truck verstärkte sich noch weiter und dehnte sich auch über Süddeutschland aus, trotzdem blieb unser Bezirk doch nur am Rande des Hocksdruck- gebietes. Bei westlichen Winden herrschte bedeckter Himmel vor und bereits am Sonntag nachmittag gingen wiederum Regen- sälle nieder. Nunmehr verstärkte sich allmählich das rwro- westliche Tiefdruckgebiet und dringt ostwärts vor mit zwei Wirbeln, einem südlichen über Holland und Belgien, und! einem nördlichen über Süd-Skandinavien und Jütland. Unter dem Einfluß dieser Wirbel herrschen in ganz West- und Nvrd deutschland starke Winde und gehen Mederschläge (Regen und Schnee) in heftigen Schauern nieder. Nachdem am Montag die Temperaturen wieder stark angeftiegen waren (in Gießen: Maximum -fi 10 Grad, Tagesmittel fi-7,25 Grad), sanken in der Nacht von Mvntag auf Dienstag 'die Temperaturen bis auf wenig über Null. Das ausgedehnte westliche Tiefdruckgebiet dringt unter Bildung von Teiltiefs ostwärts vor, die uns zunächst noch beeinflussen dürsten.
Gießen, den 15. Februar 1916.'
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AirchUche Nachrichten.
Israelitische Religionrgemeiilde.
Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage).
^amsiog, den 19. Februar 1916:
Vorabend: 5.30 Uhr.
Morgens: 0.00 Uhr.
Nachmittags: 3.30 Uhr.
Sabbatausgang: 6.35 Uhr.
Israelitische Religionsgesellschast.
Gottesdienst.
Sabbatleier am 19. Februar 1916: Freitag abend 5.20 Uhr.
Samstag vormittag 8.30 Uhr.
Samstag nachmittag 3.30 Uhr.
Sabbatausgang 6.35 Uhr.
Wochengottesoienst morgens 7.00, abends 5.00 Uhr.


