Ausgabe 
17.2.1916 Erstes Blatt
Seite
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schnell herab gehen müsse, weil tue Manganvorräte nicht länger ausreichen würden und die Zufuhr ausländischer Manganerze unterbunden sei. Daß die Granaten nicht schlech­ter geworden sind, und daß unsere Truppen, sowie die unserer Verbündeten daran keinen Mangel haben, konnten unsere Feinde inzwischen an allen Fronten selbst feststellen. Jmmer- hin wird bei ihnen die Hoffnung geblieben sein, der kritische Augenblick sei nur verschoben, nicht aufgehoben. Dieser kri­tische Augenblick liegt noch in unabsehbarer Ferne. Aus lange Zeit ist Deutschland auch heute noch mit Manganerzen ver­sorgt, ohne die Mengen, die deutsche Bergwerke fördern, die zurzeit allein ausreichen, um genügende Muni­tionsmengen anzufertigen.

Der Krieg hat aber darüber hinaus deutsche Wissenschaft und Technik veranlaßt, sich mit dem Ersatz des Ferromangans für Stahlerzeugung zu beschäf­tigen. Die Ersatzfrage ist gelöst. Das Material wird aus inländischen Grundstoffen hergestellt, die sich in gewaltig großen Mengen im Jnlande gewinnen lassen. Anlagen hier­für sind schon im Betriebe und noch größere im Bau. Das Verfahren wird uns dauernd von der Zufuhr im Auslande unabhängig machen. Es bedeutet gleichzeitig einen Fort­schritt und ist wirtschaftlicher als das bisherige Verfahren. Wie auf so manchen anderen Gebieten wird auch hier durch die LZolitik der Absperrung das Gegenteil erreicht werden von dem, was ihre Urheber beabsichtigen-

Asquith über die Lage Englands.

London, 15. Febr. (MTB. Nichtamtlich.) Unterhaus. In der AdreU>ebatte gab Asquith einen kurzen Ueberblick über die militärische und finanzielle Lage. Er sagte, die Wliierten hätten bei ihrer jüngsten Tätigkeit an der Westfront mehr als das Ihrige fest-gehalten. Der Minister berührte sodann die Erfolge der Eng­länder und Franzosen in Kamerun. Mit Bezug auf Mesopo­tamien sagte er, die Lage hätte sich bedeutend gebessert. Er hoffe, daß sich die beiden Strettgruppen vereinigen würden und daß alles, was nach einer ernsten 'britischen Niederlage aussehe, abgewendet toerbcit würde. Das bemerkenswerteste Mo­ment der letzten drei Monate sei gewesen, daß die Beziehungen und Koordination, sowie die Konzentration und Einheit in der Leitung und Kontrolle unter den Alliierten in zunehmendem Maße enger geworden seien. Der Kriegsrat der Alliierten i n P a r i s hätte vor kurzem die .Kriegslage nach politischen und strategischen Gesichtspunkten geprüft- Die Regierung hat eine Schätzung der gesamten Hilfsquellen des Landes veranstaltet, um sich darüber klar §u werden, inwieweit es fähig ist, in den kommeüden Monaten ein Maximum an Leistungen zu der gemeinsamen Sache beizu- tragen. Asquith sprach sodann längere Zeit von den britischen« Verantwortlichkeiten und wies auf die Nolle der Flotte hin, welche auf einer fast unermeßlichen Fläche eine stumme, aber er­folgreiche Arbeit leiste. England habe, sagte er weiter, das Zehn­fache der ursprünglichen Expeditvonsstreitkräfte auf die gegen­wärtigen Kriegsschauplätze geiandt, wobei nicht eingerechnet seien die in den Garnisonen int Mutterlande oder in den Dominions befindlichen Reserven und die in der Ausbildung befindlichen Mannschaften, oder die von den Dominions gesandten Streitkräste. Zum Schluß teilte Asquith mit, daß der jeinzige Weg, die finanzielle Bürde zu tragen, in einer ausgedehnten Zusatz­besteuerung und der Ausrechterhaltung der englischen Kredite liege. Mae Kenna würde binnen 'kurzem treue Steuervorschläge einbringen; die Belastung würde groß sein, aber nicht größer, als man sie tragen könne. (Beifall.)

Englands Kriegsfinanzierung.

Der Pcrrlaments-Korrespvndeitt des Daily Telegraph schreibt:

In kurzer Zeit wird ein weiterer Kredit gefordert werden, der neunte seit Kriegsbeginn. Ungleich .den Bewilligung m für 1914/15 haben die Forderungen für 1915/16 nicht nur die Kriegs­ausgaben, sondern die gesamten normalen Kosten für Flotte und Heer rund etwa 80 Millionen Pfund pro Jahr einge schlossen. Nachstehende Ausstellung für die Kriegsausgaben von April bis November 1915 zeigen, wie das Geld ausgegeben worden ist:

1 . 4 . 17 . 7 . 18 . 7 - 11 . 9 . 12 . 9 .- 6 . 11 .

108 Tage 56 Tage 56 Tage

Mill. Pfund Mill. Pfund Mill. Pfund Flotte, Heer, Munition ... 241 700 130 000 145 600

Rückzahlungen an die Bank

von England. - 60 000 64 000

Darlehen an Alliierte und

Tominios. 44 000 13 900 40 400

Nahrungsmittel-Ersatz usw. . 15 3OO 4 600 3 600

301 000 198 500 243 600

Tagesdurchschnitt . . 2 787 3 546 4 350

Es ist ohne weiteres anzunehmen, daß zeitig im April eine neue Kriegsanleihe von fast unbeschränktem Be­trage ausgegeben werden wird, und man hofft, daß dieser Ausgabe ein Sieg von Belangstm Felde voraus­gehen wird. Bis Ende März «wird die Reserve aus verschiedenen Quellen in den Staatsschatz stießen, und während schwere Summen aus.den Taschen der Einkommensteuer-Zahl-er -genommen werden, würde es vergeblich sein, das Publikum zur Zeichnung einer an­deren Anleihe auszusordern. Die ausstehenden Treasurybills be­laufen sich aus etwa 420 Millionen, die Exchequer bond aus etwa 80 Millionen Pfund. Diese Ziffern repräsentieren eine enorme schwebende Schuld, und es ist ratsam, daß sie möglichst bald ln eine mehr permanente Form gewandelt wird. Tie Ernennung eines Schaß-Kvmitees für Nationale Oekonomie mag in naher Zukunft erwartet werden. ' Diese neue Körperschaft wird aus d Fachleuten bestehen und Vertreter 'des Schatzamts wie der arbeitenden Klassen einschließen. Sie wird 'beraten wie verwalten.

Der Mangel an Schiffsraum in England.

London, 16. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Eine Kabi­nettsordre verbietet außer mit besonderer Erlaubnis die Einfuhr von Papier, Pappe, Zeitungsmasse und allen anderen Materials zur Papierherstellung; ferner die Ein­fuhr periodischer Druckschriften, die 16 Seiten überschreiten, mit Ausnahme einzelner Exemplare durch die Post, die Einfuhr von Tabak, Zigarren, Zigaretten, Möbelholz, Stei­nen und Schiefer. Eine andere Kabinettsorder verbietet den britischen Schiffen, mit Ausnahme der Küstenfahrzeuge, ohne Erlaubnis des Handelsamtes eine Reise anzu­treten.

* , .

Die Auseinandersetzung mit den Bereinigten Staaten.

London, 16. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Wie verlautet, werden die Bereinigten Staaten in kurzent an Deutschland und Oesterreich- Ungarn die Frage richten, wie sie fest zu stellen beabsichti­gen, ob ein Handelsschiff bewaffnet ist oder nicht, ehe sie es ohne Warntmg versenken. Es wird gesagt, daß das amerikani­sche Memorandum an die Ententemächte wegen der Entwaffnung der Handelsschiffe einzig und allein im Interesse der Menschlichkeit gesandt wurde und keine Abänderung der geltenden Regeln beab­sichtigt wird.Daily Mail" erfährt aus Washington^ die Regierung habe tatsächlich schon über die gegenüber der deutschen Ankündigung einzuhaltende Politik entschieden. Man sei zu dem Schlüsse gelangt, daß das bestehende Gesetz gelten müsse, bis die Kriegführenden Lansings Vorschläge, die Handelsschiffe zu ent­waffnen, angenommen hätten. Die Vereinigten Staaten würden deshalb darauf bestehen, daß das Leben der Bürger, die auf unbewaffneten Handelsschiffen, die keinen Widerstand leisten, reisen, ^cher gestellt sein müsse. Die Ausgabe, festzustellen, ob ein Damxlsschiff bewaffnet ist oder nicht, falle dem Kommandanten der u-^oote zu. Die Bereinigten Staaten ständen auf dem Stand-

puntte, daß die Regterungen dieser Kommaltdanttn sur alle ihre Mißgriffe verantwortlich seien.Daily Telegraph" meldet aus New Bork, die Telegramme aus Washington lauteten alle dahin, daß die Regierung Deutschlands neuen Drohungen wegen der bewaffneten Handels,chif,e keinen Widerstand entgegensetzen werde. Man vermute, daß das Kabinett durch Marinesachoerstän- dige beeinflußt werde, die glauben, daß Amerika mit seiner sehr entwickelten Küstenlinie sich viel aus Unterseeboote werde verlassen müssen.. Wenn dem so sei, wäre jede Politik, die darauf ausgehe, die Leistungsfähigkeit der U-Boote zu neutralisieren, ge­gen das Interesse der Sicherheit der Nation.

Die Operationen in Albanien.

Kristiania, 16. Febr. Aus Athen wird über Paris gemeldet: Durch die Besetzung von Elbasan und Fieri durch die Bulgaren ist die Verbindung zwischen D u r a z z o und Süd-Albanien vollkommen abgeschnitten.

(B. Z. a. M")

Italiens hoher Einsatz in Albanien.

Zürich, 17. Febr. Der Militärkritiker Stegemann schätzt im BernerBund" die Bedeutung der Besetzung von Tirana durch Oesterreicher und von Elbasan durch die Bul­garen sehr hoch ein. Er schreibt, das heiße nichts anderes, als daß jetzt Italien in Albanien alles zu ver­teidigen haben werde. Ob Italien zwei Divisionen oder fünf Armeekorps in Albanien stehen hat, werde sich jetzt zeigen. Wie dem aber auch sei, das eine sei gewiß, Italien spiele jetzt an der albanischen Küste um einen viel höheren Einsatz, 'als es selbst vor kurzer Zeit noch glaubte. Italiens Offensivfeldzug am Jsonzo sei in einem Stellungskrieg er­stickt, der nach italienischen Berichten nicht viel mehr be­zwecken könne, als die österreichischen Grenzen zu binden. Nun stehe Italien vor der Notwendigkeit, in Albanien der österreichisch-ungarischen OffensivedieSpitzebieten zu müssen.

Die verletzte Neutralität Griechenlands.

Genf, 16. Febr. In einem Vortrag, den der griechische Advokat Dr. Kompthekras hier über die Neutralität Griechen­lands hielt, bestätigte der, Redner die Politik des Königs Kon­stantin, welche die Interessen der Nation vertrete. Der serbisch- griechische Vertrag, dessen Inkrafttreten nur für den Fall vor­gesehen sei, daß eine dritte Balkanmacht den Anstoß zum Balkan- kricg gebe, entbinde Griechenland davon, den Serben im gegenwärtigen Konflikt Hilfe zu leisten, denn Serbien sei als Verbündeter der Alliierten in den Weltkrieg verwickelt, dessen Ausgangspunkt außerhalb des Balkans gelegen sei. Was die Besetzung Korfus angehe, so sei sie, wie der Redner aus- sührte, eine Verletzung des von Frankreich, England und Ruß­land Unterzeichneten Vertrages, nach dem die Insel Korfu von diesen drei Mächten unter Gewährleistung ihrer Garantie als neutralisiert erllärt werde. Kompthekras protestierte gegen die von der Ententepresse gegen König Konstantin erhobenen Vorwürfe und hob seine Verdienste um Griechenland hervor, die ih!m das Vertrauen der Armee und die Danibar- keit des Volkes erworben hätten. Lebhafter Beifall der an­wesenden Griechen beschloß den gut besuchten Vortrag.

Eine spanische Vermittlung zwischen Oesterreich- Ungarn und Nikita.

Haag, 16. Febr. Das spanische ^Auswärtige Amt veröffent­licht eine Note über die 'Kapitulation Montenegros. Danach fiagte am 4. Februar der spaitische Botschafter in Wien aus Wunsch der österreichisch-ungarischen Regierung telegraphisch in Madrid an, ob König Alfons zwischen der österreichisch- ungarischen Regierung, den montenegrinischen Herren,'denen augen­blicklich die Führung ihres Landes obliege, und dem König Nikita vermitteln wolle. In Wien wünschte man auch, daß dem König Nikita eine Erklärung der montenegrinischen Minister zu­gestellt würde, wonach sie mtt König Nikitas Unverständnis die Uebergabe erllären: außerdem sollte König Nikita ein Gesuch jener montenegrinischen Minister ausgehändigt werden, die die Uebergabe Unterzeichneten, und durch das sie dem König um Ermächtigung zum Friedensschluß ersuchten. Der spanische'Minister des Aeutzeren Vtllanusna erklärte sich bereit, meinte aber, ixt König Nikita Frank­reichs Gastfieiheit genieße, sei die V er mi t te l u n g der f r a n- zösischen Regierung notwendig. Baron Burian erklärte sich damit einverstanden, woraus die 'Dokumente dem französischen Mtnisterium übermittelt wurden.

Deutschenhetze in Australien.

Sidney, 16. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuberschen Bureaus. Der Premierminister hat den Vorschlag gemacht, allen Deutschen das Wahlrecht zu entziehen, wenn sie nicht beweisen, daß ihre Natura­lisierung ehrlich gemeint ist. Wenn sie nicht eine vollstän­dige und aufrichtige Erklärung ihrer Stellung ablegen, sollen sie das Recht, Land und anderes Eigentum zu besitzen, verlieren.

MunitionSexplofion in ChalonS-sur-Marrre.

Genf, 16. Febr. Im Güberbahnhof von Chalons- sur-Marne explodierte ein mit Munition beladener Eisenbahnwa gen, wodurch eno rmer Schaden ver­ursacht und die Telegraphenverbindung Epennay-Paris zer­stört wurde.

Die türkischen Kriegsfinanzen.

Konstantinopel, 16. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Nach tem Bericht des Budgetausschiusses der Kämmer betragen die von der türkischen Regierung seit Krieqsbeginn mit den Mittel-« m ächten abgeschlossenen Bo rs chu ß ge sch ä f t e 21613816 türk. Pfund. Hierzu kommen 20 Millionen Pfund und 1 240 000 Pfund, welche tae Regierung zwei jüngst genehmigten Gesetzen zufolge demnächst in Deutschland aufnehmen wird, womit die Ge­samtsumme der aufgenommenen und in der nächsten Zeit auf­zunehmenden Vorschüsse 42 853 816 Pfund betragen wird.

Gesandtenwechsel in Sofia.

Berlin, 16. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) DerNorddeut­schen Allgemeinen Zeitung" zufolge hat der kaiserliche Gesandte in Sofia, M i ch a h e l l e s , um einen Erholungsurlaub nachge- sncht und sich zur Kur nach Bad Kissinpen begeben. Ta der Ge- sandten-Posten in Sofia gegenwärtig nicht längere Zeit verwaist bleiben kann, ist der bisberige Gesandte in Christiania, Graf Oberndorfs, zum Nachfolger cmsersehen.

Der 5eekrieg.

Ein neuer U-Boottyp?

Berlin, 17. Febr. Der Marinemitarbeiter desDaily Telegraph nreint, daß die angekündigte deutsche Tauch- bootkampagne gegen Handelsschiffe vielleicht neue Ue Her­rn schlingen aufweisen wird, da Deutschland, wie Neutrale aus der Ostsee melden, einen neuen Typ,des Unterseebootes besitzt, das am besten als Tauchmonitor zu bezeichnen wäre. Der englische Sachverständige beschreibt das Boot als zigarrettförmig, mit eineni starken, wasserdicht schließenden Panzerturm, in dessen Mitte sich die Kommandobrücke befindet. Das Boot kann ganz untertauchen, halb unter Wasser oder wie ein gewöhnliches Schiss fahren. Es kann von bewassneten Handelsschiffen überhaupt nicht und von Kriegsschiffen nur schwer beschädigt werden. In der Panzerung befinden sich Kanonen unbekannter Zahl und Kaliber, aber es steht fest, daß >das Kaliber viel größer ist, als die Deutscheit bis­her hatten. (Nat.-Ztg.)

Der cngliiche KreuzerCaroiiua^ .

Stockholm, 16. Febr. Der bei dem letzten Zeppelin» angriff auf dem Humber getroffene englische kleine KreuzerCa­rolina" sollte infolge der schweren Beschädigung, die ihm durch eine Bombe beigebracht war, am den Strand gesetzt werden. Das Schiff ist aber bei Grimsby gesunken. Ter Mast des Kreuzers ragt aus dem Wasser. (Hamburger Nachrichten".)

Aus dem Reiche.

Die Treue Elsaß-Lothringens.

Straßburg^i. E., 16. J-ebr. In einer einstimmig angenommenen Resolution legte lt.Frkf. Ztg." der Be­zirkstag für Unter-Elsaß Verwahrung ein gegen die Auffassung in Frankreich, nach der die Angliederung Elsaß-Lothringens an Frankreich als Haupt- kriegsziel bezeichnet wird, und erklärt, daß die wirtschaft­liche Wohlfahrt Elsaß-Lothringens, das in 45jähriger Frie- densarbeit ein Glied der deutschen Volkswirtschaft geworden ist, nur durch seine Zugehörigkeit zum Deutschen Reich unangetastet blecht und daß eine wur^elechte kul­turelle Zukunft unseres Landes nur im Anschluß an das gesamte deutsche Volksleben möglich ist. Der Antrag war eingebracht vom Grafen Andlau (Zentr.), Wehrung (Lib.) und Boehle (Soz.).

Die Antwort des preußischen Abgeordnetenhauses.

Berlin, 16. Febr. Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Besprechung der Kriegswirtschaftlichen Fragen fort. Präsident von Schwerin-Läwitz führte aus: Nach einer unter tot Partei­führern des Hauses erfolgten Besprechung herrscht eine vollkommene Uebereinstimmung darüber, daß das Abgeordnetenhaus zweifellos auch zur Erörterung auswärtiger Angelegenheiten des Reiches be­rechtigt ist, wie dies auch in unserer Sitzung vom 23. März 1914 ausdrücklich festgestellt worden tst. dluch dürfte es gerade in der gegenwärtigen ernsten Zeit ein begreiflicher und berechtigter Wunsch aller Parteien dieses Hauses sein, ihren Anschauungen über die auswärtige Lage Ausdruck zu geben, uns es daher für alle Parteien ein großes Opfer betonen, hieraus zu verzichten. Dennoch möchte ich glautot, daß im gegenwärtigen Augenblicke eine öffentliche Erörterung unserer auswärtigen Lage den Interessen des Landes nicht entsprechen, sondern dieselben möglicherweise schädigen könnte, und unter diesen Umständen schlage ich Ihnen vor, zu beschließen: Eine Erörterung aller auswär-. tigen Angelegenheiten, insonderheit unserer Kriegsziele, unserer Kriegsführung und unserer Beziehungen zu den krieg- führenden und neutralen Staaten von der diesjährigen Etats­beratung auszuschließen.

Abg. Hirsch-Berlin (Soz.)': Wir können dem Vorschläge des Präsidenten nicht entsprechen. Auch wir stehen mit tor übrigen Parteien auf dem Standpunkte, daß das Abgeordneten-, haus auch Hur Erörterung auswärtiger Angelegenheiten des Reiches berechtigt tst, andererseits aber betonen nur, daß der Beschluß der Haushaltskommission eine Ueberschreituug ihrer Kompetenz ist. Einig sind wir mit hem Präsidenten darüber, daß es ein be­greiflicher Wunsch ist, daß in der gegenwärtigen ernsten Zeit alle Parteien ihren Anschauungen über dte auswärtige Lage Ausdruck geben. Wenn wir uns trotzdem gegen den Vorschlag des Präsidenten erklären, so wollen Sie bedenken, daß die Fragen, die jetzt aus der Debatte ansgeschieden werden sollen, nicht von meinen Freunden im' Staatshaushaltsausschuß angeschnitten worden siitd, sondern von anderer Seite. Für uns ist die Tribüne des Parlaments die einzige Möglichkeit, unserer entgegengesetzten Anschauung Aus­druck zu verleihen. Das Abschneiden des Wortes bedeutet die Auslegung einer Zensur des Hauses, gegen die wir uns auf das Allerentschiedenste wenden müssen. Wir haben 'keine Pressefreiheit, keine Versammlungsfreiheit. Schon deshalb können wir auf eine solche Debatte in der Oeffentlichkett nicht verzichten. Ohne aus die Sache selbst einzugehen, erklären wir, daß wir gegen den Be­schluß der Staatshaus^lltskommission auf das Entschiedenste Der-, Wahrung einlegen. (Zustimmung bei den Soz.) Wir haben nichts zu tun mit den Ansichten ünd Absichten, die dorr ausgesprochen: worden sind, und wir halten es für unsere Pfficht, die verantwort-» lichen Stellen vor Unbesonnenheiten zu warnen. (Heiterkeit rechts.) Gleichzeitig erklären wir, daß wir 'jetzt und in Zukunft jedem Ver­such der Unterbindung der Redefreiheit im Parlament mit allen Kräften entgegentreten werden.

Der Vorschlag!) esPräsidenten wird Mit allen Stint- men gegen die der Sozialdemokraten und des Dänen Nissen an«* genom men.

Unsere vierte Kriegsanleihe.

TieBerl. Pol. Nachr." knüpfen an Betrachtungen über die glänzenden Erfolge unserer drei ersten Kriegsanleihen folgende Benrerkungen bezüglich der kommenden neuen Anleihe: Dieser Rückblick aus die bisherigen Kriegsanleihe-Ergebnisse be­rechtigt sicherlich zu günstigen Erwartungen für das Ergebnis der neuen vierten Kriegsanleihe. War schon die dritte Kriegsanleihe eine Volksanleihe im eigentlichen Sinne des Wortes, so muß es die vierte in noch höherem Grade werden. Der auster- mdetttliche Zuspruch, den der 5prozentige Typus der Kriegsanlettor gefunden hat, wie dies in der forttausend starken Zunahme der kleinen und mittleren Zeichnungen deutlich in Erscheinung tritt, bürgt dafür, daß auch bei der vierten Kriegsanleihe mit einer Beteiligung der breitesten Schickiten der Bevölkerung zu rechnen sein wird. Wenn unter diesem Gesickstspunkte der 5prozeutige Typus vor jedem anderen den Vorzug verdient, so ist bannt nicht gesagt, daß dieser Typus allen Zeichnern gleichmäßig willkommen wäre. Es ist vielmehr sehr wohl denkbar und auch von verschiedenen, den Bank- und Börsen kreisen nachstehenden Organen wiederholt zur Erwägung gestellt worden, daß auch ein Zinsfuß von 41/2 Pro­zent, der natürlich bei entsprechend niedrigerem Aus­gabe? urs eine gleich hohe Verzinsung wie der 5pr^entige Typus gewährleiste, auf Kapitalisten- uttd Sparerkreise eine starke An­ziehungskraft auszuüben vermöchte. Vielleicht deutet gerade die etwas weniger starke Zunahme der Stückzahl der Zeichnungen in den Gruppen von 500000 Mk. bis 1 Million und über 1 Million Mark die Richtung an, in der fakultative Zulässigkeit eines 4i/2prozenttgen Typus neben dem 5prc^entigen empfohlen werden könnte." Wenn man diesen Auslassungen einen offiziösen Ebarakter bemessen darf, werden die jüngst verbreiteteit Gerüchte, daß die vierte Kriegsanleihe wiederum zu 5 Prozent ausgegeben wird uich gleichzeitig 4VLprozenti ge Schatzscheine mit mehrjähriger Laufzeit an geboten werden sollen, vermutlich Be­stätigung finden. Eine Begrenzung des zur Zahlung aufgelegten Bettages wird sicherlich auch diesmal nicht stattsinden.

Die fleischlosen Tage.

Berlin, 16. Febr. (WTB. Amtlich.) Dem Vernehmen nach! läuft das Gerücht um, die Reichsregierung werde an- tatt der^wei bestehenden vier fleischlose Tage ein- ühren. Wir stellen fest, daß dies Gerücht auf freier Er- indung beruht.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 17. Februar 1916.

Berficherl Euere braven Kriegsteilnehmer.

Noch ist der Feind nicht niedergekämpft. Gedenkt deshalb der hessischen Kriegsversicherung, einer von den Krankenkassenverbänden unter dem Vorsitz des Direktors des Großh. Oberversicherungsamtes für den Krieg gegründeten Sterbekasse auf Gegenseitigkeit, einem ohne jedeErwerbsabsicht lediglich ehrenamtlich betriebenen, ministeriell empfohlenen Wohltätigkeitsunternehmen. Gerne wird jeder auf den Betrag verzichten, wenn der Versicherte aus dem Kriege zurückkehrt! Ein Vielfaches aber wird, im Falle der Versicherte den Heldentod verstirbt, seinen An­gehörigen zugute kommen! Jeder Anteilschein kostet 10 Mk. Anträge nimmt die Hauptgeschäftsstelle im Großh. Ober-