schen Anleihe in den Vereinigten Staaten in Höhle von 400 Millionen Dollars bevorstehe.
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Eine Abänderung der türkischen Verfassung.
Konstantinopel, 15. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Im Verseilt des Großwesirs und der Mehrzahl der Minister verhandelte die Kammer über den Gesetzentwurf, betreffend Abänderungen der Verfassung. Tie Wanderungen, die von der Regierung vorgeschlagen worden sind, betreffen namentlich das Recht des Herrschers, die Kammer aufzulösen, und das Recht des Senats, die Verfassung zu interpretieren. Nach der gegcw- tvärtigen Verfassung war das Recht der Auflösung der Kammer durch Artikel 35 begrenzt, der die Auflösung der Kammer nur für den Fall von Meinungsverschiedenheiten zwischen der Regierung und der Kanrmer vorsieht, wenn die Kammer den Vorschlag einer Regierung, auf dem diese beharrt, wiederholt zurückweist. In diesem Falle stand cs dem Herrscher frei, das Kabinett zu ivechseln, oder die Kammer aufzulösen. Die neue Kammer, deren Ansicht verpflichtend sein sollte, muffte binnen vier Monaten zusammentreten. Tie Regierung schlägt nun vor, Artikel 35 gänzlich aufzuheben, so das; der Artikel 7 über die Rechte des Herrschers diesem das unbeschränkte Recht der Kammeranflösung gibt. Tie neue Kammer muß innerhalb vier Monaten gewählt und einberufen tverden.
Namens der Regierung begründete der Minister des Aeuffern, H a l i l Bey, die Verfassungsänderung mit der Notwendigkeit, ein besseres Gleichgewicht der drei.Gewalten herzustellen, da seit Einführung des verfassungsmäßige?! Regimes die zu wiederholten Malen erfolgten Wanderungen der auf die Verfassung bezüglichen Artikel ersahrirngs gemäß schlechte (tegebnisse zeitigten. Ter Minister hob hervor, daß in allen anderen konstitutionellen^ Staaten das Recht des Herrschers, die Kammer aufzulösen, unbeschränkt sei, dem: andernfalls wäre es unmöglich, das Gleich-- genncht und dir Unabhängigkeit der drei Gewalten zu wahren. Tie Lage des Herrschers sei schwierig, wenn er, durch die Verfassung gebunden, nur im Falle eines Konfliktes zlvischen der gesetzgebenden und der ausführenden Gewalt die Kammer auflösen zu können, eine durch die höchsten Staatsinteressen gebotene Auflösung der Kammer aus anderen Gründen für notwendig hielte.— Nach kurzer Aussprache nahm die Kammer fast einstimmig diesen und die anderen von der Regierung vorge'cb läge neu Abänderungsanträge an. Die letzteren betreffen die Wählbarkeit jedes Osmanen, der die erforderlichen Eigenschaften besitzt, in jedem beliebigen Wahlbezirk, ferner eine Erhöhung der Entschädigung der Abgeordneten, die Aushebung des Artikels 117 der Verfassung, der dem Senat das Recht der Auslegung der Verfassungsartikel und dem Staatsrat bezw. dem Kassationshof das Recht du Auslegung von Verwaltungs- bezw. _ Rechtsfragen gibt. Schließlich wurde der gesamte Gesetzentwurf mit 193 von 208 Stimmen angenomn!en.
der Nähe der syrischen Küste ein Floß mit 15 Matrosen, von denen rare einer lebte. Dieser erzählte, daß die Torpedierung am 8. Februar sieben Uhr vormittags stattfand, und daß der Kreuzer in wenigen Minuten sank, ohne Boote aussetzen zu können.
Englischer Schwindel.
B e r l i n, 15. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Das englische Pressebureau gibt am 5. Februar den Bericht des Kapitäns des am 2. Dezember von einem deutschen Unterseeboot versenkten engl!schen Truppentransport-Dampfers „Com modo re" bekannt, in dem dieser die Behauptung aufstellt, er habe beim Längsseitkommen gesehen, daß auf dem Unterseeboot die deutsche und österreichisch-ungarische Kriegsflagge in Bereitschaft gehalten wurden, um je,nachdem, welcher Nationalität der .Dampfer angehöre, die eine oder andere zu setzen..
Wie wir .von zuständiger Seite erfahren, handelt es sich um eine der üblichen englischen Erfindungen, die wie mehrere andere französische und englische Meldungen wohl dazu dienen soll, die Italiener glauben zu machen, daß deutsche Unterseeboote italienische Schiffe versenkten. Der Dampfer „Commodore" wurde am 2. Dezember kurz vor Tagesanbruch von einem deutschen Unterseeboot gesichtet und verfolgt. Ein Warnungsschub — in der Morgendämmerung aus gut 5000 Meter abgegeben — überraschte den Dampfer vollkommen. Er behielt zunächst den Kurs der Fahrt bei und konnte erst durch weitere Schüsse zum Stoppen ezwungen werden. Auf dem Unterseeboot wurde vor
er Abgabe des Waruungsschusscs die deutsche Kriegs flagge gesetzt; sie wurde erst nach Be
endigung der kriegerischen Handlung niedergeholt. Vielleicht übersah, sie der Kapitän beim Längsseitkommen zur Abgabe der Schiffspapiere, da nur wenig Wino war und daher auf dem ltillliegenden Boote die Flagge nicht answeh'e. Möglich ist es auch, daß er die zwei klar zum Hissen angesteckten Flaggen, nämlich das Signal a und b (Verlassen Sie das Schiff so schnell wie möglich?), das in diesem Falle aber nicht gebraucht wurde, als .Kriegsflaggen ansah. Der Zustand des Kapitäns, der ungewaschen und halbangezogen war und offenbar frisch aus der Koje kommend, sich diesem unangenehmen Ereignis gegenübersah, läßt eine irrtümliche Schilderung seinerseits vielleicht erklärlich erscheinen. Die Verbreitung seiner Angaben als eine amtliche Meldung aber ist eine leichtfertige Entstellung, wie sie allerdings dem englischen Nachrichtenburean in dem Verleumdungsfeldzug gegen unsere U-Boote erfahrungsgemäß nicht schwer fällt.
B e r l i n, 15. Febr. (WTB. Nichtamtlich ) In den letzten Tagen wurden wiederholt in der fremden Presse (Quelle: Reuters Nachrichten über den Untergang eines großen deutschen Kriegsschiffes im Kattegat verbreitet. Hierzu wird uns von zuständiger Seite mitgeteilt, daß alle derartigen Nachrichten auf völlig freier Erfindung beruhen.
Die Kämpfe in Oftafrika.
London, 15. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reut-erschen Bureaus. Nach Meldungen aus Ostafrika, die bis zum 15. Januar gehen, haben verschiedene erfolgreiche Scharmützel mit dem Feinde stattgefunden. Am 5. Ja- iruar wurde eine feindliche Wteilung zurück ge trieben, die versuchte, Bomben auf die Ugandabahn zu legen. Zwei Tage spater griff eine Patrouille eine feindliche Patrouille bei Mangu an; der Feind zog sich zurück. An der Küste griffen unsere Trupperl die feindliche Streitmacht an und trieben sie auf bte Hauptmacht des Feindes zurück. Am 7. Januar griffen sieben Flugzeuge zwei feindliche Lager bei Vol an der Ugandabahn an. Am 10. Januar wurde wieder eine feindliche Wteilung, die Bomben auf die Ugandabahn legen wollte, zurückgetrieben. Sonst ist alles ruhig. (Notiz: Ueber derr Inhalt und die Glaubwürdigkeit dieser Reutermelduna ist an hiesiger amtlicher Stelle zurzeit nichts bekannt.)
Die russischen Finanzen«
Kopenhagen, 15. Febr. (WTB. Nichtamtl.) „Ber- nngske Tidende" meldet aus Petersburg: Die Finanzkommission hielt gestern eine Sitzung unter der Leitung des Ministerpräsidenten Stürmer ab. Die Versammlung wurde eingeleitet durch eine Erklärung des Direktors der Kreditkanzlei, daß es gelungen wäre, durch Vermittlung lapanischer Bankiers eine Anleihe in Japan anszu- < nehmen. Die Kommission traf darauf Bestimmungen über die Aufnahme einer i n n e r e n A n l e i h e von zwei Milliarden Rubel, wovon eine Milliarde durch die Reichsbank, die andere durch Privatbanken ausgegeben werden soll, und zwar zum Kurse von 95 Proz. bei einem h l / 2 prozentigen Zinsfuß. Die Teilnehmer an der früheren Anleihe erhalten V.Proz. Sondervergütung. Endlich wurde ein Antrag betreffend eine Anleihe in Finnland in finnischen Mark angenommen. Das Finanzministerium hat strenge Vorschriften gegen Scheinverkaufe deutschen Eigentums ausgearbeitet. Unter dem Vorsitz Barks fand eine Versammlung von Vertretern verschiedener Ministerien sowie der Handels- und Jndustriekreise statt, um die Plän-e für eine R e f o r in des russischen Steuersystems zu erörtern. Der Reichsrat erhält in Arier ersten Sitzung den Gesetzvoranschlag betreffend die Einkommensteuer zur Verhandlung. Man erwartet, daß die Partei der Rechten dagegen Stellung nimmt.
Der Zar.
Petersburg,^. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Petersburger Telegraphenagentur. K a i s e r N i k o- laus besuchte am 11., 12. und 13. Februar die Nordwestfronten, wo er die Truppen, insbesondere die Reiterei, besichtigte. An zwer Fronten nahm der Zar eine Parade zahlloser Regimenter ab und richtete an die Offiziere eines jeden Regiments Ansprachen, in denen er ihnen für ihren eifrigen und hingebungsvollen Dienst dankte und die Ueberzeugung ausdrückte, daß jeder bis zum Aeußersten kämpfen und ihm helfen werde, den Feind niederzuwerfen.
Rumänien und Bulgarien.
Sofia, 15. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) „Dnewnik" me det: Bulg arren kaufte in Rum än ien 3000 Tannen Weizei Wertere Einkäufe würden ins Auge gefaßt werden.
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Die Beschießung von Mailand.
M a i l a n d, 14. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Heute früh gegen 9 Uhr erschienen einige Flugzeuge über der Stadt. Sie wurden aus den Abwehrkanonen heftig beschossen und von den italienischen Fliegergeschwadern angegriffen. Die feindlichen Flugzeuge verschwanden, nachdem sie einige Bomben abgeworfen hatten. Der Sachschaden ist unbedeutend. Von der bürgerlichen Bevölkerung wurden secbs Personen getötet und einige verwundet.
Der Seekrieg.
Der Kreuzer „Admiral Charner ^
15. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Ä
miral Der Verlust des Kreuz
mrral Charner" bestätigt sich. Mau .
Rriegzbriese aus dem Osten.
Von unserem zum Ost Heere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Die Front in den Rokitno-Sümpfen.
II.
I m S t y r - B o g e n.
. Bug-Armee, Anfang Februar.
Die Eisenbahn von Kowel nach Kijew ldurchschneidet beim Bahn- hos Czartorysk die deutschen Stellungen. Es ist das eine Tatsack>e, die man aus jeder Karte ablesen kann, sie l>at für die Regimenter, die rechts und links dieses bedeutsamen Schnittpunktes liegen, die allererfreulichsten Folgen. Nicht nur, daß man alles, was man beim Ausbau der Gräben und Unterstände braucht, schnell und ausreichend heranbekommt, nicht nur, daß man im Wteil zweiter Klasse so beinahe in den Schützengraben fahren kann und umgekehrt, bei .Heimatsurlaub, ach Heimatsurlaub! Auch recht schnell in die Heimat — nicht nur, daß die Post und die Zeitungen bemerkenswert wenig Beförderungszeit brauchen, auch die Errungen- schäften des Westens, die man im Osten kaum kannte, rollen auf den eisernen Bändern zur Linie. Nach einem Gang von etwa einer halben Stunde kann man von der Stellung aus auf den Badezug treffen. Zwei Güterwagen sind als Badeanstalten eingerichtet. In jedem der beiden Wagen hat man vier lleine Kabinen mit Wannen und allen! sonst zum Baden Erfreulichen geschaffen, hat für Wäsche gesorgt, so daß ein warmes Bad ein leicht zu erreichender Genuß wird. Daneben gibt es einen Speisewagen, der auch aus einem' Gütenvagen, in den man Fenster eingesetzt hat, geschaffen wurde. Eine Anzahl kleiner Tische mit hellen, bunten Decken stehen da jeweils vor den Fenstenr. Es sieht aus wie ein sehr sauberes und gemütliches Vorstadtlokal, das übrigens apf besonders gutes Essen Wert legt. Dann ist noch ein Schlafwagen vorhanden. Als ich dort vorbeikam, un! in die Stellungen zu gehen, waren die Badczcllen natürlich „gut besucht"! Ein Offizier, der für Kameraden „vor- be,teilte", schüttelte sich vor Wohlbehagen über diese Einrichtung, die auch er im Osten noch nicht gesehen hatte. Die Russen haben w vor einiger Zeit behauptet, die deutschen Armeen hätten den Winter befielt durch ihre Einrichtungen. Nun hat sich im Sumpfgebiet der Winter noch gar 'nicht gestellt, in den ersten Februartagen war cs hier weich, sonnig und schön, so daß die Nachrichten der Ocsterreicher, daß in Wien die Veilchen blühten, nickt einmal großes Erstaunen auslösten, aber der Kämpf gegen Nässe, Ungeziefer, Sumpf ist mit ziemlichen 'Erfolg geführt ivorden. Freilich wird der wirkliche Frühling noch'manches nicht leichte Stück ArbeitI geben. Die Aerzte haben jetzt schon merkwürdige Fieber kr ankheiten gelegentlich festgestellt, und der Kampf gegen solche Dinge ist lfter fast,ebenso wichtig ,wie der'gegen die Russen, wie man sich leicht vor,teilen kann. Die Säugpumpen haben in den Unterständen viel Arbeit, zumal die Grundwasserverhältnisse sehr merkwürdig und eigentlich noch nicht recht geklärt sind. Eine undurchlässige Tonschicht sck)eint das Sickerwafser aufzulmlten, so daß mau erst nach Durchflößung der, Schicht aus Abzug rechnen kann. Ueberall aber ist der Grundwasserstand, selbst auf den sandigen Inseln, erstaunlich hoch, dabei war jetzt bei leichten Nachtfrösten und sonnigen Tagen die Lage noch besonders günstig.
Nach den Erfahrungen im vergangenen Spätherbst ist die Linie aus die Hügelreihen vor dem Styr-Bogen gelegt worden. Tie Stellungen am Fluß wären allzu leicht dem russischen Flankew- feuer ausgefetzt. So zieht sich ein niedriges Hügelland und die Sumpfebene des Styr vor den deutschen und österreichisch-ungarischen Hauptstellungen, und erst südlich von Czartorysk lehnt sich die Stellung wieder dicht an den Styr. Drüben, aus dem jenseitigen Styrufer, sieht man die Kirchen von Waraz und Rafa- lowka in der Sonne liegen. Gegen Mittag beginnt die russische Artillerie ein paar Schuß zu streuen, wie sie in der Nacht vorher in Richtung des Dorfes Wotczek über hundert Schuß ziemlich sinnlos abgegeben hatte. Es sollte wohl diese ganze artilleristische. Unruhe eine Antwort aus die Beschießung von Rasalowkä sein. Unsere Artillerie hatte hinübergelanigt. weil die Russen sich allmählich allzu leichtsinnig zeigten und offen arbeiteten. Dies gegenseitige Anfassen dauert dann ein paar Tage, bis es wieder einmal an einer anderen Stelle lebhafter wird und an der ersten nur die paar üblichen Gewehrschüsse im Vorgelände fallen. Starke Posten sind an sehr vielen Stellen vorgetrieben.
Nachts sind die Jagdkommandos im Styr-Bogen an' der Arbeit. Ter Führer eines solchen Kommandos, das aus vstpreußischen Truppen bestand, erzählte mir ein paar solcher Geschichten, wie sie da in mancher Nacht sich abspielen: Die Horchposten hatten berichtet, daß über einen kleinen Wasserlanf die Russen sich Bretter gelegt hätten und des Nachts 'dort sechs, sieben Mann stark zu irgend einer Postieruug hinübergingen. Der Leutnant legte sich mit neun Mann auf die Lauer. Es lag, Mitte Januar, leichter Schnee. Drei Mann nmrden seitlich abgebogen, um gegen Ueber- raschunaen von links zu sickern, ein Mann lag auf Rufweite nach vorn. Man wartete. Eine lange 'Nacht unter vergangenem Him- "E. Gegen vier Uhr meldet ^der Mann vorne: eine Gestalt hat aus „Werda?" keine Antwort gegeben. Der Führer sucht das Grau zu durchdringen. Ta sind äuf höchstens vierzig Schritt die Rujjen heran. Ueber dreißig Mann. Ein paar Handgranaten
stiegen. Wer es nutzt nicht mehr viel. Tie Russen sind an) Handgriff nahe. Der Unteroffizier wird an den 2£rm gefaßt. Er schlägt mit dem ^Seitengewehr aus den Russen, dev losläßt. Bon rechts sieht man lausende Gestalten, die den Rückzug abschneiden wollen. Die sechs Mann spritzen auseinander. Den Leutnant verfolgen die Russen, ohne einen Schuß, zu,tun. Er laust 600 Meter, denkt, nun ist's gesck-afft, kann in dem schweren Pelz- wcrk auch kaum mehr das Tempo halten. Da sieht er die Russen in dicken! Schwarm hinter sich. Er läuft weiter, stolpert im ^Schnee, stürzt über eine verlassene Feldwachen-Stellnng. Noch im Stürzen schreit er: „Alarm! Ausschwärmen!" Die Russen denken, daß die Feldwack>e besetzt ist, stutzen, gehen langsam zurück. Eine andere Geschichte ist die Rekognoszierung in Richtung eines Birnbaumes^ der eine Höhe kennzeichnet. Tie Russen sollten dort zwei Kompagnien vorgeschoben haben. Man kam über die Höhe. Nichts- Plötzlich stehen in der Dunkelheit drei Maun. ..Die Leute nahmen die Kolben und schlugen zwei „garnisondienslfätzig", der dritte büchste schon vorher aus. Die dre! hatten gerade einen Horchposten von. drei Maun ablüs-en wollen. Aus dem Erdloch schoß jetzt einer der Russen, die den Posten besetzt hatten. Man dielt das herausragende Gewehr zur Seite und schoß, in die Luke. Da krochen die beiden anderen heraus und wurden nach rückwärts geschickt. Man ging in langer Linie in Fühlung aus Sehwette weiter. Inzwischen hatten die Schüsse aber die russischen Feldwachen alarmiert. Man merkte bald stärkere russische Gruppen, die sich sammelten, ohne zu schießen. Die kleine deutsch Abteilung kroch zurück. Jagdkommandos sollen keine Gefechte liefern. Da gab es von rechts Feuer. Jetzt schoßen auch die Russen vorn. „Kein Schuß. Laufen!" Sie kanven alle durch und brachten ihre Gefangenen mit.
Dias ist das heimliche Leben in den Nächten zwischen den Linien. Viel Mut und Geschicklichkeit, Geistesgegemoart und kühner Entschluß werden da zwischen Sumpf und Wasser und Wald manche Nacht eingesetzt. Der Tag sieht dann die Ruhe der Hauptstellung, die den Kameraden Zeit zum Ansbauen und so etwas wie Erholung läßt. Gott sei Dank kommt es jetzt, nachdem die schlversten Tage des Bauens und Ausbauens vorbei sind, auch dazu, und die Mann- schaften. die ich sah, waren recht guter Dinge. Wobei man sich klarmachen muß, was für eine bittere und schwere Schule das ist, die jemanden das Erholung nennen läßt, wenn ein bischen Sonne scheint. Essen reichlich da ist — sonst aber der Tod nur ein wenig weiter steht als sonst und die Tage und Stunden wie ein Wasser rinnen, dessen Lauf man nicht kennt, dessen Weg man nicht mehr mißt.
Nach Wegen über die Schlachtfelder der Vierwochenschlacht von Czartorysk, — diese Dörfer, um die damals gekämpft, stehen nicht mehr, oft kann man kaum die Reste, kümmerliche Aschenhaufen, noch erkennen — nach Wegen vorbei an den vielen Gräben, vielen Kreuzen, vielen lleinen Friedhöfen, die das tote Land verziehen, kam ich an die Stellung, vor der die ehemalige kleine Stadt Czartorysk liech. Vor acht Tagen hat nurn den Dachreiter der weißen, ziemlich großen orthodoxen Kirche zusammengeschossen, weil ec zu gute Beobachtungsstellen abgab. Das Dach ist seinerzeit von deuffchen und österrerchischen Pronieren gesprengt worden. Die Ruine der Kirche auf leichtem Hügel beherrscht trotzdem das Bild. Ein paar Häuser stehen unterhalb der Kttche. Sie sollen der Hauptteil sein, der von Czartorysk noch erhalten geblieben ist. Man sicht Obstbäume, die ihre winterlichen Aeste strecken. Trüben am Slyruser sieht man Rauch aus den russischen Hauptstellungen sich bläulich hochkräuseln. Ein paar Russen hacken Holz.
Ueber die Styrbrücke, die man durchs Scherenfernrohr sieht, geht jetzt bei Tage natürlich kein Mensch, aber nachts ist lebhafte Bewegung. Gestern trug der Wind die Klänge em-er russischen Regi- mentsmusik herüber.
Dias Land, drüben blauen die Wälder, wie sie hinter unserer Linie Deckung und Baustoff geben, ist hier von stiller Schönheit. Tie graublaue breite Wasserfläche des Styr verliert sich in weiten Wiesen. Darüber die Hügel. Dahinter WAder. Zarte Farben, die sich in der großen Weite misck-en mck im hellen Horizont verschwimmen.
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
Aur dem Reiche.
Das preußische Abgeordnetenhaus
begann am Dienstag die zweite Beratung bti Staatschnushalts mit der allgenreinen Aussprache zum Voranschlag des Staacsmini^ steriums. Abg. Dr. H o e s ch - Neukirchen berichtete über die Verhandlungen des Haushaltsausschusses zur lErnährimgsfursorge im Kriege und über die zahlreichen zu ihm gestellten Anträge in Sachen der Kartoffel-, Gemüse- und Fleischversorgung, des Wildabschusses, der Freigabe der Düngemittel, der Sicherung der Be- stellungs- und Crntearbeit, der Verteilung der Kckeie, der Verteilung der Mehlaufträge, der Haferpreise, der Lebensmittelversorgung durch die Gemeinten, durch Vereine und Genossenschaften, der Verteilung der Futternrittel und der Eisenbahnbeförderung von Dünge- und Futtermitteln. Die Gesichtspunkte dieser Anträge sind in den Verhandlungen des Reichstags und der beiden Haushaltsausschüsse, auch in denen der anderen Bundesstaaten, zu so mannigfachem Ausdruck gekommen, daß mindestens für die breitere Oefsentlichkeit darüber nichts wesentlich Neues mehr zu sagen ist. Die Ausführungen wurden von den folgenden RÄmern aus dem Hause, den Abgg. Hoff (Fortschr. Volksp.) und von >Oertzen (ftei- kons.) nach verschiedenen Richtungen hin variiert; die Fortschrittspartei wünscht besonders schärfere Ataßnahmen gegen die Ber- fütterung von Brotgetreide. Die Weilerberatung wurde aus Mittwoch vertach.
Berlin, 16. Febr. Am Anfang der gestrigen Sitzung im Wgeordnetenhause war es voll im Saale, unten und oben auf den Tribünen. Allmählich aber wurde es. so berichtet die „Voss. Zig.", leer und leerer. Schließlich herrschte fast eine beängstigende Oedc, und dabei brachten die Redner gewiß genug Wertvolles und Wichtiges vor. Ob es bei dem heutigen Weitergehen der Verhandlungen, sagt das Blatt, nicht noch eine Ueberraschung geben wird? Man munkelt u. a. von einer Erllärnng, die der Präsident des Hauses abgeben werde. — Die „Berliner Neuesten Nachrichten" sagen: Ob die Streitfrage nochmals im Plenum zur Erörterung gelangen wird, ist noch ungewiß. Im allgenieinen besteht nicht die Neigung dazu, aber es ist nicht unmöglich, daß die Stellungnahme der äußersten Lücken doch noch eine Besprechung nötig mackt. — Die „Berliner Politischen Nachrichten" meinen, es sei nie daran gekevcht worden, den Beschluß des Haushaltsausschus)es in der Unterssebootfrage im Plenum zu erörtern. — Die „Germania" möchte >ps im Interesse des Vaterlandes mit Genugtuung verzeichnen, daß die Angelegenheit nun als endgültig vmr der Bildfläche wieder verschwunden angesehen werden dürfe.
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Berlin, Iss. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) An der im Reichstag veranstalteten Tngnng der deutschen Bereinigung für K r ü p p e l f ü r s o r g e und dem Kongreß der deutschen ortl^opäd-ischen Gesellschaft nahmen auf Anordnung des Kricgsministeriums sämtliche stellvertretenden Korpsärzte des Besatzungsheeres teil, um sich über die wichtigen Fragen fite diesen Teil der Kriegsbeschädigtenfür- sorge zu unterrichten.. Anschließend fanden auf Anregung der Medizinal-,Wteiluing des .Kriegsministeriums am 8. und 9. Februat in der Kaiser-Wilhelm-Madeinie unter dem Vorsitz des Feldsanitätschefs Beratungen über verschiedene Fragen des Sanitätsdienstes im Heimatsgebiete statt, an denen sämtliche Kriegssarntäts-Jnspekteure und stellvertretenden Korpsärzte, sokvie die Sanitätstransportkommissare und Garnisonärzte der größeren Festungen teilnahmen.
Berlin, 16. Febr. LcrrLt „Vonvarts" beruft der D e u t s ch e Arbeitgeberbund für Pas Baugewerbe seine Haupte Versammlung aus den 29. Februar nach Berlin ein, um über die weiteren Maßnahmen zu beratc^, nachdem die Verhandlungen mit den Vertretern der ArbeiterverMinde zunächst gescheitert juck.


