garen ein Frühstück statt, bei dem der Kaiser folgenden Trinkspruch ausbrachte:
,/^uer Majestät heiße ich auf deutscher Boden int eigenen Namen sowie int Namen meines Heeres und Volkes von Herzen rvillkommen. Wie die Begegnung auf dem blutig erstrittenen Boden von Nisch, die mir unvergeßlich bleiben wird, in der Geschichte Deutschlands und Bulgariens fortleben wird als sichtbarer Ausdruck treuer Waffenbrüderschaft, so erblicke ich auch in dem heutigen Besuch Eurer Majestät ein Symbol der Zusammengehörigkeit unserer Reiche. Diese Zusammengehörigkeit wird nicht nur durch die Gemeinsamkeit politischer und wirtschaftlicher Interessen gewährleistet. Sie wird getragen von den wechselseitigen Empfindungen der Sympathie, der Achtung und des Vertrauens, eines Vertrauens, das seine Weihe durch das Blut erhalten hat, das die Söhne beider Völker im gemeinsamen Kampfe für gleiche Ideale und Ziele vergossen haben. Möge es dem bulgarischen Volke unter der weisen und weitblickenden Führung Eurer Majestät vergönnt sein, das Erworbene mächtig auszubauen und für die Gegenwart und Zukunft zu sichern. Ich erhebe mein Glas auf das Wohl der siegreichen bulgarischen Armee, des edlen bulgarischen Volkes und seines erlauchten Führers. — Seine Majestät der Zar der Bulgaren Hurra!"
Die Antwort des Königs Ferdinand.
Darauf antwortete der König der Bulgaren mit folgenden Worten:
„Mit aufrichtiger Freude habe ich die Reise hierher angetrcten, um Euerer Majestät für die Verleihung des F e l d m a r s cha l l-, stabes nochmals persönlich Dank zu sagen. — Tief gerührt von den gnädigen bedeirtnngsvollen Worten, die Euere Majestät an inich zu richten geruhten, gereicht es mir zur besonderen Gcnug- tmmg, Euerer Majestät als obersten Heerführer der nnbcsieg- baren deutschen Truppen heute auf deutschem Boden im deutschen Hauptquartier meine aufrichtige Bewunderung über die Dank Gottes Gnade erreichten Ruhmestaten des unvergleichlichendeutschen Volkes zum Ausdruck bringen Kn dürfen. — Der gnädige Besuch Euerer Majestät in Risch lnird mit goldenen Buchstaben in der Geschichte des bulgarischen Volkes verewigt werden als der Tag, der den Beginn einer neirew verheißungsvollen Zukunft für das nunmehr geeinigte Bulgarien bedeutet. — Auch ich bin stolz auf die durch gemeinsam vergossenes Blut begründete Waffenbrüderschaft und auf die Gemein- samkeit politischer und wirtschaftlicher Interessen. Möge es dem edlen, tapferen deutschen Volke vergönnt sein, unter der erhabenen, festen und weitblickenden Führung Euerer Majestät den ist: auf- gezwungenen Kampf so zu beenden, haß die Macht und Sicherheit des Deutschen Reiches für alle Zeiten gewährleistet ist. — Ich erhebe mein Glas auf das Wohl des siegreichen deutschest Heeres und seines erlauchten Führers. Seine'Majestät Kaiser Wilhelm Hurra!"
Der französische Bericht.
Paris, 9. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht vom Dienstag abend: Im A r t o i s ziemlich heftiger Artilleriezweikampf nordöstlich und südöstlich Neuville—St. Vaast. Südlich von A v r e zerstreuten wir eine Infanterie-Abteilung. In der Nähe von L a s s i g n Y , nördlich der Aisne, richteten Artillerieschüsse beträchtlichen Schaden an den feindlichen Wecken an. In der Gegend nördlich von Troyon und auf der Hochfläche von Vauclerc, nördlich Berry-au-Bac nahmen wir in Bewegung befindliche feindliche Truppen unter Feuer. In den A r g o n n e n ' wurde der Minenkampf mit Vorteil unsererseits fortgesetzt. Bei Courte-Chausses brachten wir durch drei Quetschminen feindliche Arbeiten zum Einsturz. Bei Fülle-Morte ließen wir eine Mine sprengen. In den Vogesen bombardierte unsere Artillerie feindliche Lager südöstlich von Münster und Hirzbach und südlich Altkirch. Nachmittags warf ein weittragendes deutsches Geschütz dreiGranaten auf Belfort und Umgebung. Wir schossen auf militärische Einrichtungen in Dörnach bei Mülhausen.
Belgischer Bericht: Wiederaufleben der Artillerietätig- keit besonders in der Gegend zwischen Pervyse und Dix- m u i d e n, wo zahlreiche feindliche Arbeiter zerstreut wurden.
Die Beschießung von Belsort.
Berlin, 10. Mbr. Znr Beschießung von Belfort läßt sich der Berlirter „Lokalanz." ans Genf melden: Genanteres über den Umfang der durch die deutschen schweren Geschosse an gerichteten Verheerungen ist aus den knappgehaltenen Pariser Berichten nicht zu entnehinen. Die Angabe der Tresferpunkte und der Zahl der Opfer winde untersagt. Die parlamentarischen Armeeausschüsse erwarten Auskunft von Galli6ni, der aber bisher zu einem Besuche Belforts keine Zeit fand.
Rücktritt des französischen NnterstaatSsekrctärS des Flugwesens.
Paris, 9. Febr. (Zens. !Frkft.) Der Unterstaatssekretär des Flugwesens, Rens Bes narb, ist gestern nachmittag z u- ruckgetreten.
Die „Agence Havas" teilt aus der Rücktrittserklärung des Herrn Besnard mit, dieser habe sich bemüht, dein Flugwesen Organisation und Ordnung zu geben. Die parlamentarischen Kommissionen konnten die erzielten Ergebnisse feststellen. Aber gestern habe Besnard im Laufe der Sitzung der Heereskoinmission des Senats, in die er den Wriegsminister begleitete, den Eindruck gehabt, als ob nran ihm Verantwortungen anfbürden wollte, die weit größer sind als seine Amtsbefugnisse und die allein dem Kriegsminister zukämen. Deshalb habe er sich entschlossen, zurückzutreten. Der Ministerpräsident habe Besnard lebhaft ersucht, seinen Entschluß zurückzuziehen, in dem er sagte, wie sehr man seine Mitarbeit schätze und ihren Verlust bedauern würde. Besnard erklärte jedoch, sein Entschluß sei endgültig. Die Regierung erklärte, Besnard nicht ersetzen zu wollen. Das Flu gewesen soll wieder unter die unmittelbare Autorität des Kriegsministers gestellt werden, der einen Direktor ernetmürt wird. Der General Gallieni drückte Besnard in einem Briefe sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß er sein Amt verlasse, sowie seinen Dank für die von ihm geleistete Arbeit und tatkräftige Unterstützung.
Briands Reise nach Rom.
P a r i s , 9 Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Vriand und Bourgeois sind in Begleitung des Ünterßaatssekretärs Thomas und des Ministerialdirektors de Mar- gerie sowie der Generäle Pellet und Dumezit heute morgen 8 Uhr nach Italien abgereist.
Bern, 9. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der „Temps" bringt einen Leitartikel über Briands Romreise. Diese scheine hüben wie drüben gewollt, denn einmal gelte sie der Vollendung des Werkes des Znsamnrenschlusses durch Schaffung eines dauernden ausführenden Organs in Parts, dem Herzen her Koalition. Der endgültige Anschluß Italiens solle Briands Regierungspwgramm krönen. Andererseits rechne man jenseits der Alpen damit, daß der Besuch des französischen Ministers die Alliierten erst hinsichtlich der italienischen Anstrengungen aufklären wird, >da sie von dem wahren Wert der Opfer Italiens keine genügende Vorstellung hatten. In diesem Zusammenhänge erwähnt die Zeitung auch die zweideutige Stellung Italiens gegenüber Deutschland wegen der fehlenden Kriegserkl«rmtg, tröstet sich jedoch damftstdaß Italien ja seine vollkommene Solidarität erklärt habe. Italien habe gleichzeitig mit dem Londoner Vertrag sein vorbehaltloses Bündnis mit den Alliertxm unterzeichnet, indem es so freilvillig alle Folgen des .Konfliktes, in dm es freiwillig emgetreten fei, auf sät, genommen habe. Am Schluffe des Artikels berührt der „Temps" die pessrmiftischen Tendenzen, welche gewisse Politische Kreise Italiens zu stärken geneigt seien, denen aber die Regierung Salandras mit erfolgreicher Energie begegne. Das Blatt meint, unter diesem Gesichtspunkte werde die Reise Briands
eine schätzenswerte Hilfe sein, indem sie allen Italienern einen augenscheinlichen Beweis der lateinischen Solidarität und der gemeinsamen Gesichtspunkte und Interessen bringe, die alle Alliierten eine und die sich auf alle Gebiete, — politische, wirtschaftliche und militärische — erstrecken müßten.
Eine neue Organi ation des italienischen Transportwesens.
Rom, 9. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Das Amtsblatt veröffentlicht einen Erlaß, wodurch ein vom Unterstaatssekretär der Marine geleiteter Ausschuß eingesetzt wird, welcher aus Beamten der verschiedenen Verwaltungszweige, einem Reeder, dem Direktor einer Schiffahrtsgesellschaft und zwei Industriellen zusammengesetzt sein Wird. Der Ausschuß hat erstens soweit als möglich für den überseeischen Transport von Waren und Material, soweit sie verschiedenen Verwaltungszweigen des Staates gehören, oder zu ihnen in Beziehung stehen, von ausländischen Häfen nach italienischen zu sorgen. Das hat sowohl durch italienische wie ausländische Dampfer zu geschehen. Zweitens hat der Ausschuß darauf zu achten, daß alle italienischen Dampfer, selbst die nichtrequirierten, ausschließlich im Interesse der nationalen Volkswirtschaft gebraucht werden. Drittens hat er die Bedürfnisse der hauptsächlichen Industrien zu überwachen und gemäß diesen Bedürfnissen über die Schifssbauer zu verfügen.
Der russische Bericht.
Petersburg, 9. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht vom 8. Februar: West front: In der Gegend von Riga schossen die Deutschen mit schwerer Artillerie: unsere Artillerie antwortete mit Erfolg. — In der Stellung bei Düna- bürg war das Gewehr- und Artilleriefeuer ein wenig lebhafter als gewöhnlich. Zwischen Med dum- und Demmensee versuchte eine starre Abtellung deutscher Aufllärer sich unseren Gräben zu nähern, wurde aber durch unser Gewehrfeuer verjagt. In Galizien entspann- sich an der Front der mittleren! Strypa eine Reihe kleinerer Gefechte zwischen unseren und den fefttdlicheu Aufklärern. Bei Uszieszko versuchte der Feind von den lieber gän gen des Flusses vorzurücken, wurde aber durch unser Feuer zurückgeworfen. — Schwarzes Meer: Unsere Schiffe beschossen wirksam die türkischen Stellungen in der Küstengegend. An der anatolis ch e n K ü st e hatten unsere Torpedoboote einen Kamps mit einer türkischen K ü st e n b a t t e r i e, ohne Schaden zu erleiden; sie wurden erfolglos von einem türkischen U-Boot angegriffen. Etn Geschwader unserer Wasserflugzeuge griff mit großen Bomben die Hafen-anlagen von Z o n gp l - dok an. Kaukasusfront: Die Kämpfe dauern zu unfern Vorteil an.
Die russische KriegSgewinnsteuer.
Berlin, 9. Febr. (Priv.-Tel.) Der „Berl. Lok.-Anz." meldet ans Rotterdam: Der russische Ministerrat bringt denrnächst eine Kriegsaewinnsteuer auf alle Kriegs- gewinne über 2000 Rubel ein.
Die russische Anleihe in Japan.
Kopenhagen, 9. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Die Petersburger Telegraphenagentur meldet aus Tokio: Hier ist ein Vertrag unterzeichnet worden betreffend Ausgabe einer russischen Anleihe in Japan in Höhe von 50 Millionen Jen znr Begleichung der russischen Staatsaufträge. Sie soll fünfprozenrig verzinst und in einem Jahre amortisiert werden.
Wirtschaftliche Maßnahmen Englands.
Rotterdams. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) „Maasbode" erfährt aus London: Das Handelsamt stellt einen Gesetzentwurf fertig, um die Einfuhr von Tabak und Ob st zu verbieten und die von H o l z m a s s e, Gerste für Brauereien und Zucker einzuschränken. Die Einfuhr von Tabak betrug im Jahre 1915 17 Millionen Pfund monatlich. Es ist ein Vorrat, der für zwei Jahre genügen soll, eingelagert. Die Einfuhr von Zucker betrug 1600 000 Pfund das Jahr. Das Handelsemt beabsichtigt, den Verbrauch von Papier für Pakete Und Reklameflugblätter dadurch einzuschränken, daß es hierauf eine Steuer legt, oder, wenn sie per Post versandt werden, ein höheres Porto dafür fordert. Der Vorrat an Gerste und Mais für De- stillerien soll für drei Jahre ausreichen. Für Bierbrauereien dürfen jährlich 1500 000 Tonnen Gerste, Mais und Melasse eingeführt werden. Durch das Verbot der Obsteinfuhr werden ungefähr 1000 000 Tonnen Schiffsraum frei. Unter das Verbot fallen auch getrocknete und konservierte Früchte, Oranger,, Bananen und Aepfel.
Die Dienstpflicht in England.
London, 9. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der Vergär be i t e r v e r b a n d, der seinerzeit an der Abstimmung der Konferenz der Arbeiterpartei über die Dienstpflicht nicht teilnahm, hat nunmehr in einer in Lancaster abgehaltenen Versammlung eirren Antrag angenommen, in dem er sich gegen die Dienstpflicht ausgesprochen hat.
Amerikanische Flugzeuge.
London, 9. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einem Bericht der „Central News" baut eine amerikanische Firma jetzt Dreidecker mit Maschinen von 1000 ?8. Diese Flugzeuge können eine Geschwindigkeit bis zu 200 Kilometern in der Stunde entwickeln. Ihre Länge ist 66 Fuß, ihr Gewicht 8000 Pfund. Sie können außer der Besatzung und dem Benzin 3000 Psuud Bomben und zwei 3,3-Zoll- Kanonen mitsühren.
Erfolge unserer Luftschiffe beim Angriff ans England.
Köln, 9. Febr. (Priv.-Tel.) Die „Kölnische Zeitung" meldet: Außer dem englischen kleinen Kr eu z e r „C arv- lina" sind bei dem letzten Luftangriff die beiden Zerstörer „Eden" und „Nith-" auf dem Humber gesunken.
Die mitteleuropäische Fahrplankonferenz.
Wien, 9. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Dem „Fremdenblatt" zufolge haben gestern die Verhandlungen der mitteleuropäischen F a hr p l a n k o n f e ren z begonnen. Der erste Tag war Gruppenberatnngen gewidmet. Den gestrigen Vorverhandlungen folgte heute eine vom Eisenbahnminister Förster zu eröffnende Vollberatung der Fahrplankonferenz.
Die Bedeutung der Lodzer Kämpfe.
Am 8. Februar 1915 ist dte „D eutsche Lodzer Zeitung" zum ersten Male erschienen. Sie bstckt also auf ein Jahr des Wirkens zurück und hat ans diesem Anlaß eine Gedenknnmmer herausgegeben, für die ihr von einer Anzahl bekannter Persönlichkeiten Gedeckkwvrte gewidmet worden sind. Wir geben daraus folgende Aeußerungen, die auf die hohe Bedeutung der Lodzer Kämpfe für den ganzen Feldzug im Osten Hinweisen.
Generalfeldmarschall v. Mackensen gibt zwei Aeußerungen wieder, die mit russischen Verhältnissen sehr vertraute Männer über die Bedeutung der Besitznahme von Lodz getan haben. Sie lauten: „Seit Lodz hat die russische Armee zwar viele neue Niederlagen erlitten; diese haben aber lange nicht dm niederschmettern- den Eindruck gemacht tvie der damalige Zusammenbruch der ©ie* geshoffnungen. Aus vollem Siegesbewußtsein war die Stimmung mit einem Male in hoffnungslose Verzweiflung um geschlagen." Und: „Zu einer Offensive großen Stils sind die Russen nach der Niederlage von Loidtz-Lowicz selbst nicht mehr fähig."
Generalleutnant v. Ludendorff, Chef des GmeralstabeS des Ostheeres, sagt:-„Es ist kein Zufall, daß das erste große Zeitnngsunternehmen des Krieges in Polen gerade in Lodz eitt- stand. Die gewaltigen Ereignisse, die durch die Kämpfe bei Wloclw» wek, Kutno und Dembe eingeleitet wurden, fanden durch die Schlacht und die Einnahme von Lodz am 6. Dezember 1914 ihren Abschluß. Der Angriff der Großrussm gegen Deutschland brach endgültig zusammen. Deutschland Und deutsche Kultur waren von einer schweren Gefahr befreit. Ter Name „Lodz" wird in Deutschland nie vergessen werden. Er versinnbildlicht die Ereignisse ähnlich wie „Tannenberg". „Lodz" ist/ein Markstein weit- und k r i e g s g e s ch i ch t l i ch e r B e o e u t n n g. Die Saat, die nach der Einnahme von Lodz gesäet, wird im Friedens schlug und im Frieden zur Ernte reifen. Die Macht Mittel-EuropaS wird gestärkt, die des Großrussm nach Osten zurückgeschob.m werden, woher sie vor nicht allzu langer Zeit gekommen war. Erst damit wird „Lodz" seine ganze geschichtliche Bedeutung dauernd behalten und zu einem Wendepunkte der Weltgesästchte werden."
Aus der türkischen Kammer.
Konstantinopel, 9. Febr. (ÄZTB. Nichtamtlich.) Die Kammer hat mit der Beratung des Voranschlages für das nächste Gebarungsjahr begonnen. Der interimistische Finanzminister T a l a a t B e y erstattete ein Finanzexposs, in dem er auch über die Ergebnisse des laufenden Gebarungsjahres berichtete. Der Minister schloß mit der Erklärung, er sei überzeugt, daß die Bemühungen der Feinde, die Türkei finanziell zu unterjochen, gleichfalls nicht verwirklicht werde. Die Kammer nahm den gesamten Voranschlag ohne Debatte an und trat dann in eine Prüfung der verschiedenen Kapitel ein, die rasch und fast ohne Debatte angenommen wurden. Eine solche bezeichnete der Präsident Hadschi Adil Bey mit Rücksicht auf den Kriegszustand für zwecklos. Die Kammer nahm einen Antrag des Haushaltsausschusses an, nach dem die bereits für die Einfuhr aus Deutschland bewilligte Zollfreiheit für die Dauer des Krieges auf alles aus dem Auslande eingeführte Oel ausgedehnt wird.
Aus dem schwedischen Reichstag.
Stockholm, 9. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Schwedischen Telegraphenbureaus. In der Zweiten Kammer des Reichstages widersprach bei der Erörterung des Etats- für den königlichen Hof ein Abgeordneter der sozialdemokratischen Fraktion der Annahme des Etats, wobei er auf die in einigen Zeitungenj erschienene Meldung anspielte, itt der von einer persönlichen Einmischung des Königs in die Politik die Rede war. Der Redner wurde hierbei zweimal von dem Präsidenten! unterbrochen. Der Minister des Aeußern gab darauf folgende Erklärung ab: Anläßlich der hier gemachten Anspielung will ich erklären, daß hinsichtlich der äußeren Politik sich nichts ereignet hat, wofür der Minister des Aeußern die Verantwortung nicht trägt und tragen kann. (Beifall.) Die Kämmer bewilligte sodann den Etat, der in der ersten Kammer ohne Erörterung genehmigt wurde.
Die deutsch-amerikanischen Verhandlungen.
New York, 9. Febr. (Priv.-Tel.) „Associated Preß" erfährt aus Washington, daß der „L u s i t a n i a" - F a l l sehr hoff-, nungsvoll aussieht. Diese Feststellung wurde von einem hohen Beamten nach einer Beratung zwischen Wilson und Lansing gemacht. Es wurde erklärt, daß der Präsident den neuesten Vor-« schlag Deutschlands als nahezu, wenn nicht völlig, annehmbar ansehe.
Der Zeekrieg.
Deutsche Schiffe im atlantischen und stillen Ozean.
P a r i s , 9. Febr. (WTB. Nichtaintlich.) Der „Temps" meldet aus Rio de Janeiro: Trotz der Ueberwachung durch englische Kreu^ zer ist es deutschen Schiffen gelungen, die südameri - kanischen Häsen zu verlassen. Sie durchstreifen unter amerikanischer Flagge den Atlantischen und den Stillen Ozean.
Rotterdam, 9. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der „Rattere damsche Courant" meldet: Die „City kf Marseille", ein, Schiff der Liverpvoler Hall-Linie von 8250 Donnen, die in Morset) angekommen ist, berichtet, daß sie auf der Ausreise nach Indien durch ein Unterseeboot beschossen wurde. 12 Projektlle wurden abgefeuert, die alle zu kurz gezielt waren. Die 175 Passagiere, darunter 35 Frauen und Ktnder,- tvaven während der Beschießung unter Deck.
Aus dem Reiche.
Die Erneuerung des Tarifs im Baugewerbe.
Berlin, 10. Febr. Wie der „Vorwärts" erfährt, hat der Staatssekretär des Innern den Verhandlungsaus schuß des Deutschen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe urtd der Banarbeiterzentralverbände zu ge- meinsamen Verhandlungen auf den 11. Februar in des Reichsamt des Innern ein geladen. Der Tarif im Baugewerbe läuft Ende März ab. Der Staatssekretär des Innern veröffentlichte! schon vor einiger Zeit ein Schreiben, welches an die Vertragsparteien gerichtet war, und in dem gemeinsame Verhandlungen angeregt wurden, um dem mißlichen Zustand der Taciflosigkeit vorzubeugen.
*
Berlin, 9. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der „Reichs^ anzeiger" veröffentlicht die Verleihung des Ordens pour le merite an den österreich isch-ungarischen General Köveß, sowie einen Allerhöchsten Erlaß betreffend die Anrechtrung des Jahres 1916 als Kriegsjahr, ferner die Bekanntmachungen betreffend die Kartoffeleinfuhr und die Speisekartoffelversorgung nn Frühjahr und Sommer 1916, sowie Wer Ausnahmen von der Verordnung über die Herstellung von Süßigkeiten und Schokolade.
Au» Stadt und Land.
Gießen, 10. Februar 1916.
* Beförderungen. Zu H a u p t l e it t e n wurden befördert die Oberleutnants B r a n d , jetzt beim 2. Ersatz-Bat Jnf.- Regt. 113, Keil, 2. Ersatz-Leibgarde-Jnf.-Regt. 115, Krüger, stellvertretender Adjutant beim Bezirkskommando Gießen, S ch w a n„ jetzt Adjutant im 1. Landsturm-Ini.-Erfatz-Bat. Gießen. Zum R'i t t m e i st e r wurde befördert L o tz beim Ersatz-Pferde-Depot des 18. Armeekorps.
** Die Landes stelle für die Förderung des Goldmünzenumtauschs und verwandter vaterländischer Zwecke tvendet sich an alle, die bereit sind, ihre M- sichten zu fördern, mit der Bitte, dahin zu wirken, daß mit einer leidigen Gewohnheit gebrochen, d. h. das Zurück- Halten übermäßiger Bestände in Banknoten (und Bar) in Geschäften uttd größeren Haushaltungen vermieden werde. Wer jahraus jahrein größere Geldumsätze zu machen hat, müßte Bank- oder Postscheckkonto haben, damit wir mehr und mehr dahin gelangen, den Barverkehr zu einem großen Teil durch UÄerweisungs- und Verrechnungsverkehr zu ersetzen. Es gilt den Banknoten- umlaus her ab zumindern und das Verhältnis zwischen,


